Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. Januar 2019

Lehrzyklen im Buddhismus

Ein kurzer Überblick über die drei Drehungen und das Mantra Pitaka der Vidyadharas

von Khenpo Pema Vajra

SANG GYE LA CHAG TSHAL LO!

Stupa in Sarnath

Unser Lehrer drehte das Rad des Dharma in drei Stufen: die erste Drehung des Dharma-Rades beruht auf den vier edlen Wahrheiten, die zweite Drehung des Dharma-Rades auf dem Fehlen von Merkmalen und die endgültige Drehung des Dharma-Rades auf dem Treffen der vollkommenen Unterscheidungen.

Die vier edlen Wahrheiten

Die vier edlen Wahrheiten werden für Anfänger gelehrt, die zyklische Existenz hinter sich lassen und Befreiung erlangen möchten. Sie werden in Bezug auf 1) die Merkmale der zyklischen Existenz; und 2) ihre Ursachen; sowie 3) die Merkmale der Befreiung; und 4) die Methoden zu ihrer Erlangung vermittelt. Der Buddha sagte:

Das ist die Wahrheit des Leidens. Die Wahrheit des Leidens muss verstanden werden. Dies ist die Wahrheit des Ursprungs. Die Wahrheit über den Ursprung ist aufzugeben. Dies ist die Wahrheit der Beendigung. Die Wahrheit der Beendigung ist zu erreichen. Dies ist die Wahrheit des Weges. Man muss sich auf die Wahrheit des Pfades verlassen.

Buddha Shakyamuni

1. Die Wahrheit des Leidens

Die Wahrheit des Leidens bezieht sich auf die Umgebungen und die Bewohner der zyklischen Existenz, die wiederum in drei Bereiche und sechs Klassen von Wesen unterteilt werden können. Alle diese können in die fünf Aggregate einbezogen werden.

Wie ist das zu verstehen? Es gibt vier Charakteristika des Leidens und der zyklischen Existenz: 1) Leiden; 2) Vergänglichkeit; 3) Leerheit; und 4) Ichlosigkeit.

„Leiden“ bezieht sich auf die drei Arten von Leiden in der zyklischen Existenz als Ganzes: 1) offenkundiges Leiden, 2) das Leiden der Veränderung und 3) das alles durchdringende Leiden der Bedingtheit. „Unbeständigkeit“ umfasst die grobe Unbeständigkeit der Geburt und des Todes von Wesen, die Bildung und Zerstörung des Universums, die Veränderung der Jahreszeiten usw. sowie die subtile Unbeständigkeit, die darin besteht, dass sich alle bedingten Dinge ständig ändern, Moment für Moment und sie bleiben niemals statisch. „Leerheit“ bedeutet, dass es überall, wo wir innerhalb oder außerhalb der fünf Aggregate suchen, nichts gibt, was wir als „Ich“ oder „Selbst“ bezeichnen könnten, so wie man sagt, dass ein Haus „leer“ ist, wenn sich keine Personen darin befinden. „Ichlosigkeit“ zeigt an, dass die fünf Aggregate nicht über die Eigenheiten verfügen, d. h. Dauerhaftigkeit, Einzigkeit und Unabhängigkeit. Dies ist vergleichbar mit der Aussage, dass das Haus keine Person ist, weil ihm alle Eigenschaften eines Menschen fehlen.

Es ist notwendig, die Charakteristika der Wahrheit des Leidens wie dieser zu verstehen, damit wir der zyklischen Existenz überdrüssig werden und den Wunsch entwickeln, Befreiung daraus zu finden, und dass wir verstehen, wie trügerisch es ist, sich an ein Selbst zu klammern, wo es keines gibt.

2. Die Wahrheit des Ursprungs

Sobald wir die Wahrheit des Leidens verstanden haben und kein Verlangen danach mehr spüren, müssen wir seine Ursache, die Wirklichkeit des Ursprungs, verstehen, damit wir es aufgeben können. Wenn wir zum Beispiel wissen, dass körperlicher Schmerz belastend und unerwünscht ist, werden wir die Notwendigkeit sehen, seine Ursachen, wie Krankheit und schädliche Einflüsse, aufzugeben.

Die Wahrheit über den Ursprung besteht aus zwei Aspekten: Karma und psychische Bedrängnis. „Karma“ bezieht sich hier auf die zehn Untugenden, verdorbene tugendhafte Taten, die nicht mit geschickten Mitteln angenommen werden, und bloßes geistiges Ruhen, das nicht mit durchdringender Einsicht kombiniert wird. Psychische Bedrängnis die Ursachen, die diese Handlungen antreiben – die drei Hauptgifte des Geistes und alle primären und sekundären Leiden, die sie verursachen. Die Wurzel oder der „Samen“ aller psychischen Bedrängnis ist das Festhalten an einem Ich. Dies nennen wir „Festhalten an einem Ich des Individuums“ oder „angeborenes Selbstklammern“. Dies ist das Nichtgewahrsein, die das erste der zwölf Glieder des bedingten Entstehens ist. Daher sind dieses Anhaften und alle karmischen Handlungen und Störgefühle, die es hervorbringt, das, was wir als „Ursprung“ bezeichnen, und wir müssen verstehen, wie sie die Ursachen für jede Art von psychischer Bedrängnis sind.

Ursprung hat vier Eigenschaften: 1) Ursache; 2) Herkunft; 3) intensives Auftauchen; und 4) Bedingung. Erklären wir diese in der richtigen Reihenfolge. Erstens bedeutet „Ursache“, dass Karma ebenso wie ein Samen seine Früchte hervorbringt, wie eben Handlungen (Karma) und Störgefühle alle Leiden der zyklischen Existenz erzeugen. Zweitens bedeutet „Herkunft“ (oder Quelle), dass genau wie Ernten aus einem Feld wachsen, alle Leiden auf Karma und die Störgefühle zurückzuführen sind. Drittens bedeutet „intensives Auftauchen“, dass starkes Karma und Störgefühle, genau wie das Berühren einer Wunde am Körper, sofort großes Leid verursachen. Viertens bedeutet „Bedingung“, dass Leiden durch die Bedingungen des Karmas und die Störgefühle verursacht wird, genau wie bei einer Kulturpflanze ihre Produktionsbedingungen wie Wasser und Düngemittel erforderlich sind.

Es ist notwendig, dies zu verstehen, damit wir den Wunsch entwickeln, Karma, die psychische Bedrängnis und das Festhalten an einem Ich zu vermeiden, genauso wie das Wissen, wie Gift und Infektion die Ursachen von Krankheiten sind, bedeutet, und dass wir uns bemühen, sie zu vermeiden.

3. Die Wahrheit der Beendigung

Indem wir den Ursprung aufgeben, können wir frei von den Leiden der zyklischen Existenz sein und die Wirklichkeit der Beendigung erkennen, die Nirvana ist. Wir müssen also den Wunsch entwickeln, eine wirkliche Beendigung zu erreichen. Wahre Beendigung ist uneingeschränkter absoluter Raum, frei von den fünf Aggregaten, in denen der Keim des Ursprungs aufgegeben wurde. Sie hat vier Eigenschaften: 1) Frieden; 2) Aufhören; 3) Perfektion; und 4) wahre Befreiung.

„Frieden“ bedeutet, dass alles Karma und alle psychische Bedrängnis, sowie das Leiden und die verunreinigten bedingten Phänomene, die vorher vorhanden waren, alle vollständig beruhigt wurden. „Aufhören“ bedeutet, dass alle Samen, die durch das Anwenden der Gegenmittel aufgegeben wurden, niemals zurückkehren werden. „Perfektion“ zeigt an, dass dieser Zustand fehlerfrei ist, ausgezeichnet ist und über Qualitäten verfügt. „Wahre Befreiung“ zeigt an, dass es uns unmöglich ist, immer wieder in die zyklische Existenz zurückzukehren, wenn wir einmal die Einstellung eingestellt haben. „Beendigung“, „Befreiung“, „totale Freiheit“ und „Nirvana“ sind alle synonym.

Es ist für uns notwendig, die Einstellung zu verstehen, denn wenn wir die Vorteile und die wundervollen Eigenschaften sehen, die gewonnen werden können, werden wir die Befreiung anstreben.

4. Die Wahrheit des Pfades

Der wahre Weg ist derjenige, der von einer Person praktiziert wird, die die Fehler des wahren Leidens der zyklischen Existenz und die Vorteile der wahren Beendigung der Befreiung kennt und die zyklische Existenz hinter sich lassen und Nirvana erreichen möchte. Der wahre Weg besteht in der Weisheit, das Ich des Individuums nicht zu ergreifen, begleitet von Glauben, Fleiß, Achtsamkeit, Konzentration, Intelligenz und so weiter. Es hat vier Eigenschaften. Es ist: 1) ein Pfad, 2) angemessen, 3) effektiv und 4) wahrhaft befreiend.

Er ist ein „Pfad“, da es uns vom Zustand eines gewöhnlichen Wesens zum Erwachen und zur Befreiung führt. Er ist „angemessen“ in dem Sinne, dass er sich als Gegenmittel für den Ursprung, das Karma und die Leiden eignet. Er ist „effektiv“, weil er unseren Verstand unfehlbar dazu bringt, den echten Ansatz zu erreichen. Der Pfad ist „wahrhaft befreiend“, denn wenn wir ihn praktizieren, besteht kein Zweifel, dass wir aus dem Sumpf der zyklischen Existenz herausgeführt werden oder „endgültig daraus hervorgehen“.

Wie setzen wir das um? Da wir wissen, dass die gesamte zyklische Existenz von Natur aus Leid ist, sollten wir starke Entsagung und den Wunsch, ihr zu entfliehen, empfinden und einen spirituellen Lehrer suchen, der uns den Weg richtig zeigen kann. Wenn wir seine Anweisungen erhalten und unsere reine ethische Disziplin ebenso sorgfältig bewahren wie unsere eigenen Augen, müssen wir eine stabile Ruhe und eine zielgerichtete Konzentration erreichen, indem wir referenzielles und nicht referenzielles geistiges Ruhen an einem isolierten Ort praktizieren. Dann müssen wir unser Bewusstsein in den Punkten Ichlosigkeit und Leerheit schulen, nachdem wir durchdringender Einsicht basierend auf den Anweisungen unseres Lehrers entdeckt haben. Aus der Einheit von geistigem Ruhen und durchdringender Einsicht können wir die Natur des Geistes selbst definitiv feststellen und nicht-konzeptuelle Weisheit in unserem Geist wecken. In einem Zustand des meditativen Gleichgewichts, das durch die Anhaftung an Erfahrung oder intellektuelle Spekulation nicht befleckt ist, wird das Klammern an einem Ich an der Wurzel abgeschnitten, die Fixierung auf die Sicht oder die Meditation verblassen, subtile und gröbere Geisteszustände werden gereinigt und wir werden den klaren und ursprünglichen natürlichen Bewusstseinszustand erreichen, der sich seiner selbst bewusst und frei von Objekten ist. Bis dies erreicht ist, müssen wir uns mit großer Sorgfalt der Praxis widmen. Sobald wir dieses Niveau ganz natürlich und mühelos erreicht haben, werden wir in der Lage sein, seine Kontinuität durch angeborene Achtsamkeit ohne jegliche Ablenkung aufrechtzuerhalten, und durch die Entwicklung der Stärke unserer Praxis wird die natürliche Ausstrahlung ungeborener Bewusstheit und Leerheit zum Ausdruck des ununterbrochenen Samadhi. Alle Arten erleuchteter Aktivitäten für unser und das Wohlergehen anderer – wie z. B. Liebe und Mitgefühl, Vertrauen und reine Wahrnehmung, Erzeugungsstufe (Kyerim) und Vollendungsstufe (Dzogrim), Mantra-Rezitation, Ansammlung von Verdienst und Weisheit, Reinigung von Verschleierungen, die sechs Vollkommenheiten und die vier Mittel zur Anziehung, des Ausführens und Strebens – werden mühelos erreicht. So wie ein Magier magische Gebilde heraufbeschwört oder Illusionen der vier Elemente am Himmel zeigt, wird all diese Vielfalt unaufhörlich als Strahlen der ungeborenen Natur auftauchen und befreit werden, ohne sich an die Präsentation zu klammern. Auf diese Weise können wir erleuchtete Handlungen üben, bei denen die beiden Wahrheiten untrennbar miteinander verbunden sind und ohne Klammern oder Anhaftung: „Handle wie ein Lotos im Wasser, unbesiegt und wie die Sonne und der Mond am Himmel – ungehindert.“ – mit anderen Worten, handeln ohne Anhaftung oder Behinderung.

Betrachten wir dies in Bezug auf die Anweisungen zu den vorläufigen Praktiken:

• Die Lehren über Tod und Vergänglichkeit und das Leiden in der zyklischen Existenz sind Anweisungen, um die Wahrheit des Leidens zu verstehen.

• Die Lehre über Ursache und Wirkung von Handlungen ist die Anweisung, den wahren Ursprung [des Leidens] aufzugeben.

• Die Belehrung über die Vorteile der Befreiung ist die Anweisung zur Erreichung einer wahren Beendigung.

• Die Lehren über das Nachdenken über die körperliche Stütze mit ihren Freiheiten und Vorteilen und darüber, wie man sich auf einen spirituellen Lehrer stützen kann, sind Anweisungen, die die richtigen Voraussetzungen für das Betreten des wahren Pfades schaffen. Dann sind die Stufen der Lehren von der Zuflucht bis zum Guru Yoga, die uns durch die drei äußeren, inneren und geheimen Fahrzeuge führen, die Anweisungen, um dem wahren Pfad zu folgen.

Da diese vier Wahrheiten zeigen, wie wir das Annehmen und Aufgeben auf der Grundlage eines Verständnisses der Natur der zyklischen Existenz und Nirvana üben sollten, bieten sie eine allgemeine Struktur für alle Pfade und eine gemeinsame Basis für alle Vehikel und bilden den großen Pfad, der ist gefolgt von allen edlen Wesen. Dies bedeutet, dass das, was wir üben, sei es die Sutras, Tantras oder Kernanweisungen, entscheidend ist, dass wir sie verstehen.

Das zweite Drehen des Rades des Dharma

In der mittleren Zusammenstellung der Lehren werden dann alle Phänomene anhand der drei Tore zur Befreiung erklärt: Leerheit, Abwesenheit von Merkmalen und Wunschlosigkeit. Das Rad des Dharmas über das Fehlen von Merkmalen wurde zum Wohle der Schüler gedreht, die das Potenzial haben, dem Mahayana zu folgen. Das Klammern an einem Ich oder das Selbstbild, das im Zusammenhang mit der Wahrheit des Ursprungs als Wurzel des samsarischen Daseins erwähnt wird, ist hier in zwei Teile geteilt, d.h. das Festhalten an dem Ich des Individuums und das Festhalten an einem „Ich“ oder Identität von Phänomenen. Es ist das Festhalten an einem „Ich“ der Phänomene, das als Wurzel des samsarischen Daseins gelehrt wird. Um sein Gegenmittel, die Ichlosigkeit der Phänomene in vollständiger Weise im Kontext des wahren Pfades zu lehren, wird das tiefgreifende Thema der Leerheit in äußerst ausführlichen Details dargelegt. Wenn wir uns dies in der Praxis zu Herzen nehmen, werden alle unsere kognitiven Verschleierungen aufgegeben, so dass wir allwissende Weisheit erkennen und für die Lebewesen wirken, solange der Raum existiert. Da wir uns in der grenzenlosen Aktivität der Bodhisattvas schulen müssen, nachdem wir über die Leerheit mit dem höchsten aller Aspekte meditiert haben, alle Aspekte der Übung geschickter Mittel, wie etwa das Erwecken der höchsten Geisteshaltung des Erleuchtungsgeistes, das Erreichen unendlicher Tore zur Versenkung und Meditation, die sechs Vollkommenheiten, die vier Unermesslichen, die vier Punkte des Anziehens und so weiter, werden ebenfalls sehr ausführlich gelehrt. Auf diese Weise lernen wir zu üben, ohne geschickte Mittel von Weisheit zu trennen.

Das dritte Drehen des Rades des Dharma

In der letzten Reihe von Lehren sind alle Phänomene vollständig in drei Kategorien unterteilt: unterstellt, abhängig und wahrhaft etabliert. Das wirklich Etablierte, das die absolute Wahrheit ist, wird gelehrt, indem endgültig bewiesen wird, dass der uneingeschränkte absolute Raum aller Phänomene, unsere eigene natürlich entstehende Weisheit, frei von jeglicher konzeptioneller Ausarbeitung, das Wesen des großen mittleren Weges ist. Konzepte von realen Dingen als wirklich existierenden und unwirklichen Dingen als leere und sogar extrem subtile mentale Extreme werden als bloße konzeptionelle Ideen und subtiles Denken aufgezeigt. Dann lernen wir, wie wir in die Sphäre des erleuchteten Geistes eintreten können, die unvorstellbare Weisheit, in der alle Grundlagen für solche Ansichten aufgegeben wurden. Daher ist dies auch eine Lehre über die letztlich tiefgreifende Wahrheit des Pfades als Mittel, um die subtilen negativen Tendenzen im Zusammenhang mit dem Ursprung aufzugeben.

Daher gehen die Lehren aller drei Drehungen nicht über den Ansatz der vier Wahrheiten hinaus, sondern sind lediglich Unterteilungen darin.

Das geheime Mantrayana

Selbst in der Tradition des unübertroffenen geheimen Mantras Vajrayana erkennen wir die Allwissenheit, indem wir uns von den Ursachen und Auswirkungen der zyklischen Existenz abwenden und auf die Ursachen und Wirkungen ihrer Transzendenz eingehen. Im Allgemeinen passt dies also in das Schema der vier Wahrheiten, aber es gibt einen Unterschied, wie dies in die Praxis umgesetzt wird.

Von den Umgebungen und Bewohnern der zyklischen Existenz, die die Wahrheit des Leidens ausmachen, wird darüber gesprochen, wie sie tatsächlich sind und wie sie erscheinen.

Betrachten wir sie zuerst unter dem Gesichtspunkt, wie sie wirklich sind. All diesen verschiedenen Erscheinungen zugrunde liegend ist die natürlich entstehende Weisheit über alle konzeptionellen Ausführungen hinweg, der große Dharmakaya, in dem die Wirklichkeiten des Erscheinens und der Leerheit untrennbar sind. Daher sprechen wir von „Buddhaschaft des spontan vollendeten Grundes“. Wie das Beispiel eines in Schlamm gehüllten Juwels ist unsere eigene Natur absolut rein. Die Natur der Realität des Leidens ist eine wahre Beendigung, und so sprechen wir von der Untrennbarkeit der zyklischen Existenz und ihrer Transzendenz. Dies ist das Kontinuum des Grundes oder die Grundlage für die Reinigung. Um dies zu verwirklichen, haben wir die Ansicht oder Philosophie, die als „Untrennbarkeit von zyklischer Existenz und ihrer Transzendenz“ bekannt ist.

Betrachten wir nun, wie die Dinge erscheinen. Äußere und innere Phänomene, die in der gewöhnlichen Wahrnehmung gewöhnlicher Wesen als unabhängig erscheinen, werden als „trügerische Erscheinungen aufgrund eines Mangels an Erkennen“ bezeichnet. Das müssen wir reinigen. Es ist die Wahrheit des Leidens.

In Bezug auf Karma und die psychischen Bedrängnisse der Wahrheit vom Ursprung (des Leidens) gibt es zwei Alternativen: Eine ist, sie in den Pfad zu bringen, indem man ihre Natur erkennt, und die andere ist, sie ihren Lauf zu lassen und Leiden zu erzeugen. Die Art und Weise, um sie in den Pfad zu bringen, ist wie folgt: welche Störgefühle auch auftauchen, wenn wir uns sanft in die Emotion selbst einlassen, ohne speziell versuchen, sie zu blockieren oder zu kultivieren, wird ihre Energie in den grundlegenden Zustand des Geistes befreit, genauso wie ein Eisblock, der zu Wasser schmilzt oder eine Welle, die sich wieder im Meer auflöst. Die Essenz der quälenden Emotion selbst, die jenseits von Begriffen der grundlegenden Weisheit ist, wird nackt und deutlich entstehen. In diesem Fall muss man kein anderes Gegenmittel anwenden. Die psychische Bedrängnis dämmert als Weisheit, so dass der Ursprung zur Wahrheit des Pfades wird. Daher wird dies als „Leiden als Weg nehmen“ bezeichnet.

Die Handlungen (Karma) unseres Körpers und unserer Sprache sind an sich neutral. Es ist der Geist, der sie tugendhaft oder nicht tugendhaft macht. Wenn wir unserem Geist nicht erlauben, Subjekt und Objekt zu verifizieren, sondern stattdessen erlauben, dass das, was im Geist entsteht, in der offenen Wirklichkeit seiner eigenen inneren Natur befreit wird, dann ist dies Weisheit. Damit unsere gewöhnliche Wahrnehmung als reine Wahrnehmung auftritt, erzeugt man zu Beginn die höchste Geisteshaltung (Bodhicitta), übt den Hauptteil, indem man Gottheit, Mantra und Samadhi bewusst macht und widmet dies schließlich der raschen Vollendung der beiden Ansammlungen mit geschickten Mitteln. Wenn dies von dieser besonderen Weisheit und diesen geschickten Mitteln begleitet wird, werden auch unsere Handlungen zum wahren Pfad.

Wie sie zum Ursprung werden, wenn wir nicht über diese besondere Weisheit und geschickte Mittel verfügen, werden wir sowohl in unseren Absichten als auch in unseren Handlungen in gewöhnliche Muster geraten und dadurch Karma anhäufen und gezwungen sein, endlos in der zyklischen Existenz umher zu wandern. So werden sie zum wahren Ursprung des Leidens.

Wenn wir also die Schlüsselpunkte des Vajrayana wie diese eben verstehen und das Vertrauen der Verwirklichung und Erfahrung haben, können wir die Natur der Wahrheit des Leidens als Beendigung erkennen und den Ursprung als den wahren Pfad nehmen, so dass die Ursachen und Wirkungen der zyklischen Existenz zu den Ursachen und Wirkungen ihrer Transzendenz werden. Was aufgegeben werden soll, wird zum Heilmittel, und wir erkennen die Unteilbarkeit von zyklischer Existenz und ihrer Transzendenz.

Wenn wir das verstehen, können wir sehen, dass es nur einen kleinen Unterschied zwischen den Pratimoksha-, Bodhisattva- und Mantrayana-Gelübden gibt, und zwar in Bezug auf die Wahrheit des Pfades und ob man Vermeidung, Transformation oder „als Pfad nehmen“ praktiziert. Tatsächlich sind diese Ansätze alle identisch, wenn man das tatsächliche Karma und die psychischen Leiden aufgibt, unsere gewohnte Wahrnehmung der zyklischen Existenz, die die Wahrheit des Leidens ist, reinigt und die letztendliche Wahrheit der Beendigung realisiert.

Weil der Ansatz des geheimen Mantras auch zur Herangehensweise der vier Wahrheiten gehört, wird das Dharani der „Essenz des bedingten Entstehens“, das die Bedeutung der vier Wahrheiten darlegt, allgemein als oberstes Lob gepriesen und findet sich in allen Bereichen die Sutras, Tantras und Kernanweisungen.

Diese vier Wahrheiten, die direkte Lehre der ersten Drehung, dessen Bedeutung in einem einzigen Vers in der Essenz des bedingten Entstehens festgehalten ist, sind hier in einer ursprünglichen und feinen Erklärung dargelegt. Es wird gezeigt, wie entlang der Pfade aller Sutras, Tantras und Anweisungen schrittweise vorzugehen ist. Dies wurde durch das spielerische Eingreifen der Göttin Sarasvati um den Geist der Glücklichen zu erfreuen, genauso wie es durch den Klang ihrer Viṇa mit mir verbunden war, aus dem großen Ozean von Manjushris Weisheit entnommen. Über den Gipfeln der östlichen Berge des Verstandes möge diese jugendliche Sonne der Anweisungen ihre zahllosen Lichtstrahlen ausstrahlen. Und die tausend Lotosblüten des Vertrauens und der Weisheit zum Blühen bringen, (sowie) den süßen Duft der Erfahrung und Verwirklichung in alle Richtungen aussenden!

Dies wurde von Pema Vajra geschrieben. Möge es tugendhaft sein!


ཨོཾ་ཡེ་དྷརྨཱ་ཧེ་ཏུ་པྲ་བྷཱ་ཝཱ་ཧེ་ཏུནྟེ་ཥཱནྟ་ཐཱ་ག་ཏོ་ཧྱ་ཝ་དཏ། ཏེ་ཥཱཉྩ་ཡོ་ནི་རོ་དྷ་ཨེ་ཝྃ་ཝཱ་དཱི་མ་ཧཱ་ཤྲ་མ་ཎཿསྭཱ་ཧཱ།
Skt.: om ye dharma hetu prabhava hetum tesham tathagato hy avadat tesham cha yo nirodha evam vadi mahashramanah svaha.


Übersetzung vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. Januar 2019

Hindernisse und Dharma-Fallstricke

In verschiedenen Schriften des Dharma werden Hindernisse bei der Praxis aufgezählt. Obwohl die Hindernisse auf dem Pfad so zahlreich wie die fühlenden Wesen in Erscheinung treten können, sollte man doch einige wesentliche kennen und sie auch dann erkennen, um sie zu beseitigen. Allzu leicht geschieht es, dass offensichtliche Hindernisse zum Aufgeben der Dharma-Praxis führen, und dass verborgene Hindernisse einen vom Weg ableiten, obwohl man noch im guten Glauben ist, den Dharma zu praktizieren.

In den fünf wohlbekannten Hemmnissen wie Begierde, Aversion, Trägheit, Ruhelosigkeit und Zweifel sind bereits viele Schattierungen davon wie Hass, Wut, Feindseligkeit, Angst, Langeweile, Lethargie, Faulheit, Schwerfälligkeit, Verworrenheit, Schläfrigkeit, Aufregung, Nervosität, Sorge usw. zusammengefasst. Praktizierende erfahren diese verschiedenen Geistesregungen immer wieder, solange sie „noch in der Stadt des Leidens eingekerkert“ sind.

Hindernisse auf dem Pfad

Padmasambhava bietet auf die Fragen des König Nyangwen Tingzin Zangpo in den Dzogchen-Herzensunterweisungen im Könchog Chidu einige aufschlussreiche Antworten und Beispiele. Nachdem er dem König die Grundlagen wie die kostbare menschliche Geburt, die Unausweichlichkeit von Vergänglichkeit und Tod, das Gesetz von Ursache und Wirkung, sowie notwendige Punkte wie Mitgefühl und Vertrauen darlegt, schildert er ihm auch die Hindernisse und Fallstricke auf dem Pfad der Großen Vollkommenheit.

Er beginnt mit Faulheit. Faulheit tritt dann leicht auf, wenn Praktizierende gerade ein bisschen Vertrauen in den Pfad entwickelt haben, ein paar angenehme Erfahrungen gemacht haben und meinen, das wäre es jetzt. Gibt man an dieser Stelle die zuvor erwähnten Grundlagen auf, beginnt man die Erleuchtung zu auf später zu verschieben. Man findet gute Entschuldigungen, um nicht zu praktizieren. Wird dies erst einmal zu Gewohnheit, dann schwindet auch das Vertrauen in die Lehren. Dies kann nur durch einen qualifizierten Lehrer umgekehrt werden, er einem wieder unerschütterliches Vertrauen und stetes Bemühen durch sein eigenes Vorbild einpflanzt.

Ein weiteres Hindernis ist Wechselhaftigkeit. Aufgrund von Einflüsterungen der Mitmenschen, widmet man sich einmal der Praxis, dann wieder nicht. Auch hier bleibt die beständige Praxis aus. Daher sollte man die Ratschläge der Mitmenschen genau prüfen und sich vor allem dem Rat des Lehrers anvertrauen.

Wenn dann einige gewisse Beständigkeit entstanden ist und einige meditative Erfahrungen eingetreten sind, beginnen manche Leute am Lehrer zu zweifeln. Aufgrund dürftiger meditativer Erfahrungen, und ohne ihre Schleier bereinigt zu haben, fühlen sie sich dem Lehrer gleichrangig, erkennen seine Fähigkeiten und Qualitäten nicht mehr, suchen die kleinsten Fehler und entwickeln entgegengesetzte Ansichten. Mit ihrem aufgeblasenen Ego sind diese Leute dann den Lehren nicht mehr zugänglich und beginnen ihre verdrehten Lehren zu verkünden. Sobald man diese Tendenzen bei sich bemerkt, sollte man daher sich nicht davon abbringen lassen, dem Lehrer zu vertrauen.

Hat man das vorherige Hindernis nicht erkannt und praktiziert weiter, kommt leicht die nächste Bedrängnis in Form eines Rückfalls in die Gier. Geld, Geschäfte, Karriere, Erfolg, Macht, Sex, Alkohol – diese Dinge stehen im Vordergrund und man strebt nur mehr nach weltlichen Genüssen. Um diese Bedrängnis zu überwinden, benötigt es unerschütterliche Entschlossenheit. Padmasambhava empfiehlt hier, dass man sich jener Lehre besonders widmen soll, die einen inspiriert. Ablenkungen soll man aufgeben und auch Handlungen, die im Widerspruch zur Praxis stehen, sind zu vermeiden. Man soll sich auch an den Vorbildern früherer verwirklichter Meister orientieren.

Besonders schwierig bezeichnet Padmasambhava das Hindernis „Einbildung“. Einbildung ist fürwahr ein fast unüberwindliches Hindernis, da sie einen glauben lässt, trotz dürftiger Kenntnisse der Lehre, bereits über allen Lehren zu stehen. Von den grundlegenden Lehren haben solche Menschen nichts realisiert, bestenfalls ein paar Worte dazu aufgeschnappt und spielen sich nun als Lehrer auf, bilden sich ein, andere auf ihre Erfahrungen hin prüfen zu müssen. Begegnen sie dann weiterführenden Praktiken, zeigen sie kein Interesse, sondern erheben sich mit einem „Kenne ich schon alles“ über diese Lehren hinweg. So werden sie den tiefen Sinn des Dharma nicht erfassen, da kein sicheres Verständnis erwächst. Nur indem man die Lehren und Kommentare der Weisen und Meister immer wieder aufs Neue vorurteilslos studiert, wird Verständnis entstehen.

Die nächste Falle in Form von Stolz ereilt einen, wenn man bereits über ein wenig Verständnis verfügt, einige Qualitäten entwickelt hat, und man den Schmeicheleien der Gönner und Schüler zum Opfer fällt. Dem entkommt man nur, indem man sich wieder auf das Wesentliche – die Praxis und den Erleuchtungsgeist – besinnt und alle anderen Aktivitäten einstellt.

Einbildung und Stolz führen zu Rivalität. Leute, die ihren rivalisierenden Neigungen nachhängen, verwandeln die eigene Lehre, auf die sie sich stützten sollten, in Gift. Sie vergleichen in gefährlicher Weise zwischen ihren eigenen Ansichten und jenen anderer Lehren und erkennen nicht mehr die durchgängig vorhandene Wahrheit in jedem Dharma.

Weiterführend auf der Straße der Unterscheidung kann das nächste Hindernis in Form von „Eigennutz der gewonnenen spirituellen Kräfte“ auftauchen. Man sieht aufgrund von Fortschritten in der Praxis bei sich einige Kräfte wachsen und beginnt sie zum eigenen Vorteil einzusetzen. Um dieses Hindernis des magischen Strebens zu überwinden, empfiehlt Guru Rinpoche, sich „in den Geist der reinen Aufmerksamkeit [zu] versenken, ohne auf die Inhalte der Meditation einzugehen.“

Als nächstes Hindernis schildert Padmasambhava den „Abbruch der Übung“, der daraus entsteht, dass man aufgrund der Praxis eine hohe Sensibilität entwickelt hat. Die subtilen Kanäle und Energieströme im Körper werden wahrgenommen und durch eine Hypersensibilität ist man nicht mehr bereit, geringste Unannehmlichkeiten zu ertragen und mag auch nicht mehr meditieren. Man muss sich daher erinnern, dass die Natur der bedingten Existenz leidvoll ist, und dass dies so lange andauert, bis vollständige Realisation erlangt ist.

Gelangt man in den Bereich einer großen Wonne, besteht die Gefahr, dass Hindernisse in Form von sexueller Energie einen überwältigen und man nach sexuellen Abenteuern strebt, bei denen man sich jenseits aller Regeln sieht. An dieser Stelle empfiehlt Padmasambhava, die Bande des Verlangens endgültig zu durchtrennen.

Hat man sich aus den vorherigen Verwirrungen nun gelöst, kann die Erfahrung von Leere zum Hindernis werden. Indem man Leerheit mit einer völligen Leere, einem Nichts, verwechselt und den Selbstgesprächen wie „nichts existiert wirklich“ nachhängt, verliert man jegliches Maß und Ziel hinsichtlich der ethischen Disziplin. In diesem Fall empfiehlt es sich, ethisches Verhalten zu kultivieren und das Verständnis zu vertiefen, dass Leerheit niemals von Mitgefühl getrennt ist.

Doch auch Mitgefühl selbst kann zum Hindernis werden. Wenn man darauf brennt, anderen von Nutzen zu sein, ihnen zu helfen usw., geschieht es sehr leicht, dass man allzu große Erwartungen und Hoffnungen in bestimmte Resultate legt und dann enttäuscht wird und sich so erschöpft. Wenn diese geschieht, sollte man den Fokus mehr auf das Verständnis des bedingten Entstehens richten, d.h. man sollte „eine tiefere Erleuchtung“ entwickeln.

Manchmal geschieht es, dass Visionen vom Lehrer oder den Meditationsgottheiten auftauchen und diese bestimmte Prophezeiungen wie „Geh jetzt los und erlöse deine Nächsten“ oder „Arbeit ohne Meditation ist auch eine Übung“ tätigen. Padmasambhava rät hier, dass man diese „mit klarer Weisheit“ durchdringt. Wenn diese Visionen oder Erscheinungen noch klarer werden, dann seien sie von Wert. Andernfalls handelt es sich um Dämonen und Trugbilder, die einem nur Hindernisse bereiten.

Als letztes zählt Padmasambhava das Hindernis „spirituelle Freiheit und Ungebundenheit“ auf. Wie ein Verrückter umherziehend, launisch jeder Eingebung folgend und sich außerhalb jeglicher Norm bewegend, bedenken solche Personen nicht die Folgen ihrer Handlungen. Hier rät Guru Rinpoche, sich wieder in die Stille zu begeben und sich in der Atembetrachtung zu üben, bis die weltlichen Dharmas zur Ruhe gebracht sind.

Allgemein kann man sagen, dass Hindernisse so lange auftauchen werden, bis man vollkommene Befreiung erlangt hat. Wenn man sich jedoch entschlossen der Praxis widmet, dann werden keine Hindernisse, seien es widrige Umstände, Krankheiten, Störgefühle, dämonische Einflüsse usw., der Praxis schaden können.

Fallstricke mangelnder Unterscheidung

Es gibt auch noch Fallstricke in der Praxis, wenn man beispielsweise nicht in der Lage ist, zwischen (gewöhnlichem) Geist und Gewahrsein zu unterscheiden, oder zwischen Verstehen und Erkenntnis, zwischen Realisation und dem Erlangen von Vertrauen zu unterscheiden, zwischen Kognition und Weisheit zu unterscheiden, zwischen Bewusstsein und uranfänglicher Weisheit, zwischen dem Allgrund und dem Dharmakaya, zwischen dem, was der Pfad ist und was er nicht ist, zwischen dem Meistern des grundlegend unzerstörbaren Gewahrseins und dem wertneutralen, dumpfen Geisteszustand zu unterscheiden, zwischen Täuschung und Befreiung unterscheiden, zwischen Buddhas und fühlenden Wesen usw. Um diese Unterschiede zu kennen und sie in der Praxis zu erkennen, sollte man sich an den Lehrer wenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Januar 2019

Die zwölf Taten des Buddha

Darstellung Buddhas und seiner 12 Taten

Im Lalitavistara-Sutra, einer Episodensammlung aus Erzählungen über das Leben Buddha Shakyamunis, die teilweise in Pali wie auch in Sanskrit überliefert wurden, finden sich zwölf Taten. Buddha Shakyamuni manifestierte die 12 Taten wie alle Buddhas als implizite Lehren für die Wesen unseres Weltsystems, zusätzlich zu den expliziten Lehren, die er während seines Lebens gab.

Der vom großen Philosophen und Lehrer Arya Nagarjuna verfasste Lobpreis der zwölf Handlungen Buddhas beginnt mit der Huldigung des Buddha. Gemäß der Tradition des Mahayana wird der Prinz Siddhartha als bereits erwachtes Wesen gesehen, der aufgrund seiner früheren Gelübde als Form von geschicktes Mittel und Mitgefühl in der Familie der Shakya Geburt annimmt. Da er nun die Ansammlung von Verdienst und Weisheit vollendet hat, ist der Buddha der Herr und Beschützer der Wesen in diesem Zeitalter.

Herabkunft aus dem himmlischen Bereich von Tushita

Im Tushita-Himmel – dem Bereich der 33 Götter – hat der Buddha die Götter gelehrt. Als Bodhisattva Svetaketu weilte der Buddha, bevor er als Siddhartha Gautama in dieser Welt geboren wurde.

Tushita ist der vierte von sechs Götterbereichen im Begierdebereich. Im Dharma sieht man diesen Bereich als Aufenthaltsort an, in dem sich die zukünftigen Buddhas als Bodhisattvas aufhalten, bevor sie in dieser Welt geboren werden. In einem Mahayana-Sutra, dem „Sutra des unendlichen Lebens“ wird über diesen Bereich gesagt: 

„Jeder dieser Bodhisattvas, den Tugenden des Mahasattva Samantabhadra folgend, ist mit den unermesslichen Praktiken und Gelübden des Bodhisattva-Pfades ausgestattet und weilt fest in allen verdienstvollen Taten. Er reist frei in allen zehn Richtungen und setzt geschickte Mittel zur Emanzipation ein. Er betritt die Schatzkammer des Dharmader Buddhas und erreicht die andere Küste. In den unzähligen Welten erreicht er die Erleuchtung. Zuerst, im Tushita-Himmel wohnend, verkündet er den wahren Dharma. Nachdem er den himmlischen Palast verlassen hat, steigt er in den Bauch seiner Mutter hinab.“

Mahayana-Sutra: „Sutra des unendlichen Lebens“

Im Dana-Sutra, einem Text aus dem Palikanon, wird vermerkt, dass jene, die hier auf Erden in diesem Leben viele heilsame Taten ausgeführt und so Verdienst angesammelt haben, im Tushita-Himmel wiedergeboren werden.

Der Legende nach haben die Devas prophezeit: „In zwölf Jahren wird ein großer Bodhisattva geboren, der entweder ein universeller Herrscher oder ein Buddha wird und als Shakyamuni bekannt wird.“ Als Bodhisattva lehrte er in diesem Sambhogakaya-Bereich und erinnerte sich dann aufgrund seiner Motivation an die Notwendigkeit, in der Menschenwelt geboren zu werden. Da dachte er über fünf Dinge nach: das Land, indem er geboren werden sollte, die Kaste, in die er geboren werden sollte, die Familie, in der er geboren werden sollte, wer seine Mutter sein sollte und dieZeit, zu der er geboren wurde. Der große Bodhisattva entschied sich, in Indien auf dem Jambudvipa-Kontinent als Sohn von König Shuddhodana und Königin Mayadevi des Shakya-Klans wiedergeboren zu werden.

Diese besondere Tat, Tushita für die Geburt zu verlassen, hatte eine besondere Bedeutung. Es sollte uns lehren, dass jemand, der Erleuchtung erlangt hat, nicht länger ein Sklave seines eigenen Karmas ist und die Kontrolle über alles, was er oder sie tut, hat. Der Buddha entschied sich für die Geburt in unserer Welt, weil die Zeit reif war und er uns zeigen wollte, dass ein Erleuchteter die Kontrolle über alles hat, was er oder sie tut.

Eintreten in den Mutterleib von Mayadevi

Als die Zeit zur Geburt gekommen war, trat er wie ein gewaltiger Elefant aus dem Götterbereich herab und ging in den Schoß seiner Mutter ein. Seine Mutter Mayadevi träumte in dieser Nacht von einem weißen Elefanten mit einer Lotusblüte auf dem Stoßzahn, der sie dreimal umkreiste.

Warum entschied sich der Buddha für eine Geburt in gewöhnlicher Menschengestalt? Als transzendentes Wesen, das dem Karma nicht mehr unterworfen ist, hätte er doch alle möglichen Formen wählen können. Doch er wählte diese Art, weil er sah, dass eine wundersame Geburt für die Menschen zu unglaublich sein könnte und sie kein Vertrauen in die Lehre zur Befreiung fassen würden. Da er aber als Mensch aus einem Schoß geboren wurde, zeigte er auf, dass gewöhnliche menschliche Wesen die höchste Verwirklichung und somit Befreiung erlangen können.

körperliche Geburt in den Shakya-Klan in Lumbini

Geboren wurde der Shakya-Prinz nach zehn Monaten. Es heißt, die Geburt soll für Mayadevi schmerzlos verlaufen sein. Unmittelbar nach der Geburt soll der Prinz in jede Richtung ein paar Schritte getan und dabei verkündet haben, dass er die Wesen der Welt befreien wird. Zugleich mit seiner Geburt ereigneten sich verschiedene Wunder, wie dass das Getreide zuwachsen begann und Bäume und für die Region seltene Blumen erblühten. Brahma und Indra erwiesen dem Prinzen ihre Verehrung.

Doch sieben Tage nach der Geburt verstarb seine leibliche Mutter Mayadevi und König Shuddhodana übergab den Prinzen an seine zweite Frau Pajapati Gotami, die Schwester von Mayadevi.

Studium der Künste und Wissenschaften

Während seiner Erziehung meisterte er alle Herausforderungen, stellte seine Tapferkeit bei den Spielen von Anga-Maghadha unter Beweis und triumphierte über seine Herausforderer. Nach den Gepflogenheiten des Shakya-Klans, die der Kaste der Kshatriya angehörten, musste ein Prinz seine Würde in kriegerischen Fähigkeiten wie Reiten, Bogenschießen und Schwertkampf beweisen und indem er in solchen Wettbewerben andere Könige besiegte. Auf seinem Pferd Kanthaka reitend, besiegte Siddhartha seinen Cousin Devadatta im Bogenschießen, einen weiteren Cousin Anuruddha in einem Reitwettbewerb und dann seinen Halbbruder Nanda im Schwertkampf.

Sehr geschickt und gelehrt war er, was wenig überraschend war, da er bereits als erleuchtetes Wesen erschien bzw. zumindest die zehnte Bodhisattva-Stufe realisiert hatte.

Man mag sich fragen, warum er ob seiner hohen Realisation dennoch eine weltliche Ausbildung durchlief.  Dies diente dazu, den verschiedenen falschen Vorstellungen entgegenzuwirken. Denn eines dieser Missverständnisse ist, dass der Buddha lediglich einer gewesen sei, der nur unter dem Baum saß und keinerlei akademische Ausbildung genossen hätte. Ein anderes Missverständnis ist, dass derBuddha alles Wissen schon besaß. Mitnichten! Er hatte nur die entsprechenden Veranlagungen, die erst entfaltet werden mussten. Um also diesen verschiedenen fehlerhaften Auffassungen entgegenzuwirken, widmete sich der Buddha den verschiedenen Studien und Künsten seiner Zeit und meisterte sie erfolgreich. Das zeigt auch, dass wir eine vollständige Ausbildung in unserer eigenen Kultur durchlaufen und diese meistern sollen. Erst dann sind wir in der Lage, ein passendes Gefäß für die Vermittlung des Dharma zu sein.

weltliche Freuden des Familien- und Palastlebens

Im Alter von 16 Jahren heiratete er die Prinzessin Yasodhara. Yasodhara war die Tochter von König Suppabuddha undAmita, die Schwester des Vaters des Buddha, König Shuddhodana. Sie wurde amselben Tag im Monat „Vaishaka“ wie Prinz Gautama geboren. Ihr Großvater warAnjana, ein Koliya-Anführer, ihr Vater war Suppabuddha und ihre Mutter Pamita stammte aus einer Shakya-Familie. Die Shakya und die Koliya waren Zweige der Adicca- oder Ikshvaku-Dynastie. Es gab keine anderen Familien, die ihnen in der Region als gleichwertig angesehen wurden, und deshalb heirateten Mitglieder dieser beiden Königsfamilien nur untereinander. Prinz Siddhartha genoss dasPalastleben und lebte durchaus ein sehr weltliches Leben.

Dabei lehrte der Buddha, damit zukünftige Schüler nicht glauben, ein erleuchtetes Wesen wäre unfähig, Freude undGenuss zu erleben. Ferner zeigte er auf, dass, obwohl er ein so sinnlich befriedigendes Leben führte, er durch diese Sinnesfreuden keine Befriedigung erfuhr und Sinnesgenüsse kein dauerhaftes Glück bieten können. Er verstand, dass eine höhere Form von Glück gefunden werden muss.

Schließlich gebar sie ihm 13 Jahre später einen Sohn, Rahula genannt. Das Glück der heilen Familie war somit vollständig. Doch auch dies bot dem Prinzen keine dauerhafte Befriedung.

Lossagung von der Familie und Aufgabe des Besitzes

Bereits kurz nach seiner Geburt hatte ein Rishi zwei Möglichkeiten des Lebensverlaufs für den Prinzen vorhergesagt. Eine war die königliche Karriere, die Alternative war, dass der Prinz zu einem spirituellen Weltenlehrer werden würde. Aus Furcht vor dem Verlust des Erben beschloss der König Shuddhodana, dass der Prinz in einem Palast ohne Zugang zur Außenwelt aufwachsen würde.

Eines Tages jedoch beschloss der Prinz die Nachbarschaft zu erkunden. Zwar bemühte sich König Shuddhodana allesUnschöne, alles Verfallende usw. von der Reiseroute des Prinzen fernzuhalten, doch das gelang ihm nicht ganz. So erblickte der Prinz bei seiner erstenAusfahrt durch das östliche Tor einen am Alter leidenden Menschen. Dabei entdeckte er, dass alle Menschen dem Alter und Verfall unterliegen.

Bei einer weiteren Ausfahrt durch das südliche Tor sah der Prinz einen kranken Menschen. So erkannte er, dass alle Menschen irgendwann auch einmal Krankheit unterworfen sind.

Bei der Ausfahrt durch das westliche Tor sah er zum ersten Mal eine tote Person. Er musste feststellen, dass ausnahmslos alle Menschen irgendwann einmal sterben. Dies traf ihn sehr, da er erkennen musste, dass weder Reichtum, noch Macht und Berühmtheit, noch Freuden oder Lob einen davor bewahren. Egal ob arm oder reich, höher oder geringer gestellt, niemand ist davon ausgenommen. Er erkannte, dass nicht einmal einKönig sich von diesem Elend freikaufen, diesem auch nicht entfliehen oder  dieses in einem Kampf besiegen kann.

Bei einer vierten Ausfahrt durch das nördliche Tor erkannte der Buddha, dass es einen Weg geben könne, der aus diesem Jammertal des Leidens führen könnte. Er sah einen Weisen, einen Rishi und erkannte, dass ein spiritueller Pfad hilfreich sei, dieses Leiden zu verstehen und ggf. sogar aufzulösen. Da empfand der Prinz großen Überdruss an weltlichen Freuden und entsagte seinem bisherigen weltlichen Leben als zukünftiger König.

Übung der Askese an den Ufern des Nairanjana

In der siebten Nacht nach der Geburt seines Sohnes Rahula verließ der Prinz den Palast. Yasodhara war am Boden zerstört und voller Trauer. So stahl sich der Prinz in der Nacht aus dem Palast, lediglich begleitet von seinem Diener Chandaka, auch als Channa bekannt. Nachdem Channa zunächst protestiert und sich weigerte hatte, zu akzeptieren, dass Siddhartha ihn verlassen würde, sattelte er Siddharthas Pferd Kanthaka und führte ihn am Zügel des Pferdes aus der Stadt in einen Wald am Rand des Anoma-Flusses. Dort am Vishuddha-Stupa angekommen, schnitt sich Siddhartha sein langes Haar ab und übergab alles an seinen Diener. Auf diese Weise begab sich Siddhartha in die Hauslosigkeit und weihte sich selbst zum Mönch. Channa gab Siddharthas Ausrüstung, Waffen und Haare nach seiner Rückkehr in den Palast Shuddhodana zurück, nachdem Siddhartha ihn gezwungen hatte zurückzukehren, obwohl Channa sich geweigert hatte, ihn zu verlassen. Sein Pferd Kanthaka starb unmittelbar vor der Rückkehr in den königlichen Palast von Kapilavastu an gebrochenenHerzen.

Sechs Jahre lang zog Siddhartha umher, lernte bei zwei herausragenden spirituellen Lehrern seiner Zeit – bei Alara Kalama und Uddaka Ramaputta – und meisterte binnen kurzer Zeit ihre Lehren. Doch auch durch deren Lehre erlangte er keine dauerhafte Befreiung. Also macht er sich mit seinen fünf Gefährten auf die Suche und führte ein asketisches Leben.

Mit dieser Lebensweise zeigte derBuddha auf, dass die Entsagung des weltlichen Lebens der Eintritt in den spirituellen Pfad darstellt. So lange man noch an Nahrung, Kleidern, Geld und Besitz, den Freuden des Lebens festhält, wird man sich nicht mit aller Kraft der spirituellenPraxis widmen, sondern einem spirituellen Materialismus züchten. Auch wenn dieZeit der Enthaltsamkeit Siddhartha nicht zur Befreiung führte, so zeigte er damit auf, dass Anstrengung, Fleiß und geduldiges Streben unumgänglich sind und das bereitwillige Annehmen von Schwierigkeiten Teil des Pfades ist.

Am Ende gab Siddhartha sogar die Praxis der Entsagung auf und nahm ihm dargebrachte Nahrung zu sich. Damit zeigte der Buddha den zukünftigen Schülern, dass Befreiung nicht durch einen Lebensstil eintritt, sondern sich im Geist ereignet. Wie im Pratimoksha-Sutra vermerkt: 

„Gib alle unheilsamen Taten auf, vollführe beständig Tugendhaftes, zähme und verwandle deinen Geist. Dies ist die Lehre des Buddha.“ 

Pratimoksha-Sutra (Sutra der Selbstbefreiung)

Genauso müssen auch wir unsere Negativitäten aufgeben, Handlungen jenseits von Bezug ausführen und Einsicht und Erkenntnis erwerben. Entsagung, spirituelle Strenge oder Entbehrungen erfüllen keinen Zweck an sich, noch führen sie zur Befreiung.

Dann verließ Siddhartha auch seine fünf Weggefährten und machte sich auf nach Bodhgaya.

Hervorbringung von Bodhichitta unter dem Bodhi-Baum

Nachdem er die asketischenPraktiken aufgegeben hatte, ließ sich Siddhartha in Bodhgaya unter dem Bodhi-Baum nieder. Er richtete sich ein Sitzkissen aus Kusha-Gras und gelobte, unter diesem Baum sitzen zu bleiben, bis er endgültiges Erwachen erlang hatte.

Dabei zeigte der Buddha, dass authentische spirituelle Praxis zwischen den Extremen stattfindet, weder zu viel Entsagung, noch zu viele Genüsse. Sich einem großen Druck durch Hunger, Durst oder Hitze und Kälte auszusetzen ist für sich gesehen sinnlos, da dies keine Bedeutung aufweist. Wenn man allerdings nur seinen Vergnügungen nachjagt und die Begierde zu stillen versucht, ist Erwachen auch nicht möglich, da sich Verlangen nur weiterbeflügelt und steigert. Wahre Praxis liegt in der Mitte. Daher wird der PfadBuddhas auch als Pfad der Mitte oder Pfad jenseits der Extreme bezeichnet.

Bezwingung der dämonischen Kräfte Maras

Unter dem Bodhi-Baum sitzend erlebte Siddhartha die Konfrontation mit Mara. Mara („Tod“ oder „Durst“), auch Papiyan („böser“) und Varsavarti („der die Wünsche erfüllt“), ist der böse Geist (oder manchmal einfach die Personifizierung des Bösen) im Buddhismus, der Siddhartha versucht. Während dieser Konfrontation versuchte Mara, der Eigenschaften wie Blindheit, Trübseligkeit, Tod und Dunkelheit umfasst, Siddhartha vom Pfad der Erleuchtung abzubringen.

Im Padhana Sutta wird dieReaktion des Buddha auf Maras Versuchungen während seiner Zeit der Askese geschildert:

Lust wird deine erste Armee genannt; Unzufriedenheit an zweiter Stelle; deine dritte wird Hunger und Durst gerufen; deine vierter heißt Wunschverlangen; deine fünfte heißt Faulheit und Schläfrigkeit; deine sechste ist Feigheit; deine siebte ist der Zweifel; deine achte sind Heuchelei und Stumpfsinn, Gewinn, Ruhm, Ehre, sowie Berühmtheit, die fälschlicherweise von dem erlangt wird, der sich selbst erhebt und andere verachtet. Dies ist deine Kampfarmee des Schwarzen. Nur ein Held erobert es und wer es besiegt, erlangt echte Freude. Wehe dem Leben in dieser Welt! Der Tod in der Schlacht ist für mich besser, als dass ich besiegt leben muss. “

Padhana Sutta

Daraufhin schickte Mara seine drei Töchter. Bekannt als der Gott des Blitzes, der Verführung, der Versuchung, der Sinnlichkeit und des Todes, sandte Mara seine drei Töchter, um Siddhartha bei seinem Bestreben zu verführen und abzulenken. Diese drei Töchter Maras verkörpern die drei Störgefühle Unwissenheit, Begierde und Hass.

In einem ersten trügerischen Angriff wurde der Buddha gebeten, seine Meditation aufzugeben und sofort nach Hause zurückzukehren, da sein Vater Shuddhodana verstorben und Devadatta das Königreich übernommen hätte. Doch dies störte in keiner Weise die Meditation Siddharthas. Dann versuchte Mara bei Siddhartha Hindernisse in Form von Begierde hervorzurufen. Maras Töchter versuchten Siddhartha zu verführen und ihn zu benebeln. Als dies bei Siddhartha keine Wirkung zeigte, starteten Papiyan – der Anführer der Maras – und seine Dämonenarmee einen Angriff auf Siddhartha. Mara griff mit einem Wirbelwind an, aber das schlug fehl. Dann ließ er Siddhartha mit einem Regen überfluten, aber Siddhartha wurde nicht einmal nass. Als nächstes verursachte er einen Felsenregen, aber die Felsen verwandelten sich in Blumensträuße und der Waffenregen wurde zu himmlischen Blumen. Er warf einen Schauer glühender Kohlen, aber sie kamen harmlos herunter, ebenso heiße Asche, ein Sandregen und ein Schlammregen. Schließlich verursachte Mara eine Dunkelheit, aber die Dunkelheit verschwand vor Siddhartha.

Siddhartha hingegen verweilte in unermesslichem Mitgefühl und liebender Güte und triumphierte auf diese Weise überMara. Schließlich versuchte Mara Siddhartha zu provozieren. Doch Siddhartha berührte mit seiner rechten Hand die Erde und rief die Erdgöttin als seine Zeugin an, dass er das Recht habe, hier und jetzt an diesem Platz Erleuchtung zu erlangen. Daraufhin floh Mara und Siddhartha wurde der Erleuchtete – derBuddha.

Diese Tat Buddhas wird durch die Geste der Erdberührung dargestellt, bei der er mit seiner rechten Hand sanft die Erde berührt und in seiner linken eine Almosenschale hält. Der Buddha wurde von Maras Täuschungen nicht betrogen und bewies Mara auf wundersame Weise, dass er über viele Zeitalter hinweg heilsame Taten ausgeführt hatte, die nun durch die Erdgöttin bezeugt wurden.

Erlangung der vollkommenen Erleuchtung

Da der Buddha alle Qualitäten der Meditation bis zu den obersten Stufen entwickelt hatte, war er schließlich in der Lage, Erleuchtung zu erlangen. Dies zeigte er, um uns zu beweisen, dass wir alle Erleuchtung erlangen können. Erleuchtung ist nichts, was außerhalb von einem vorgefunden werden kann, sondern sich nur dann einstellt, wenn wir denBlick nach innen richten und mit unserem Geist arbeiten. So wie Buddha die vollständige Erleuchtung erlangt hat, können auch wir diese erlangen. Und dieQualitäten der Erleuchtung werden dann auch nicht verschieden von denen sein, die der Buddha erlangt hat. So wie der Buddha es vollbracht hat, alle negativen Emotionen zu beseitigen, sind auch wir in der Lage dazu.

Erleuchtung ist ein Zustand jenseits von Vorstellungen, Konzepten oder Glaubenshaltungen. Auch ist sie kein Nicht-Denken. Es ist ein Erwachen aus den Schleiern und Verdunklungen der geistigen Trübungen und ein Erlöschen der störenden Emotionen.

Drehen des Dharma-Rades in Varanasi usw.

Nachdem Siddhartha Erleuchtung erlangt hatte, also Buddha wurde, verweilte er noch für einige Zeit unter dem Bodhi-Baum in Bodhgaya. Zunächst war er sich nicht einmal sicher, ob es überhaupt jemanden geben würde, der seine Einsichten verstehen und ebenfalls realisieren könnte. Doch aufgrund von Drängen und Bitten der Götter machte er sich auf um den Dharma zu lehren.

Da seine beiden Lehrer kurz zuvor verstorben waren, suchte er seine früheren Weggefährten. Diese befanden sich zu dieserZeit im Gazellenhain von Sarnath. Zunächst wiesen sie ihn zurück, wollten nichts von ihm hören. Doch je näher er kam, umso überwältigender war die Pracht, die er ausstrahlte und sie konnten nicht widerstehen, seiner Lehre zu lauschen. Im Gazellenhain von Sarnath legte er die Lehre von den vier edlen Wahrheiten dar. Dies bildete die erste Drehung des Dharma-Rades. Ein Dharma-Rad stellt einen Lehrzyklus dar, der sich um ein bestimmtes Thema rankt. Dieser erste Zyklus hat Entsagung im Fokus. Ein weiterer Punkt seiner ersten Lehre war das Verständnis der Leerheit von einem Selbst – Anatman – genannt.

Doch der Buddha lehrte nicht nur inSarnath, sondern auch an vielen anderen Orten, mal öffentlich, mal im kleineren Kreis und mal ganz privat. Nach einigen Jahren eröffnete er einen weiteren Lehrzyklus mit Betonung der Leerheit und Merkmalslosigkeit aller Phänomene. Dies begründet den Bodhisattva-Pfad.

Und noch einige Jahre später lehrte er von der Buddha-Natur. Dieser Zyklus zeigt auf, dass obwohl ausnahmslos alle Phänomene leer von Eigennatur sind, sie jedoch kein Nichts sind, sondern die Natur des Geistes – die Buddha-Natur – alle Wesen durchzieht.

Er wurde auch oftmals von Vertretern anderer Denkrichtungen und Schulen herausgefordert. Manche davon überzeugte er ganz offen in der Debatte oder in der Darlegung seiner Lehre. Bei anderen schwieg er einfach, um sie nicht weiter zu verwirren oder unnütze Worte über Spekulationen zu verlieren. Da er die sechs Tirthikas, sowie einige andere bezwang wird er auch als der mächtige Weise im Kampf genannt.

Damals in Indien war der Glaube an die Wirksamkeit von Opfergabe um Götter zu besänftigen oder Glück von ihnen zu erbitten weit verbreitet. Man glaubte an eine reale Existenz von Göttern und Dämonen. Man glaubte auch, dass diese durch Gabendarbringung beeinflussbar seien und so das eigene Karma dadurch veränderbar sei. Zwar glaubt man im Dharma an Götter und Dämonen, aber als vom Geist hervorgebrachte Phänomene. Daher ist es nicht erforderlich irgendwelchen äußeren Entitäten zu opfern, sondern den eigenen Geist zu transformieren. Im Dharma bringt man Buddha keine Opfergaben dar, um Glück o.ä. von ihm zu erbitten, sondern dies dient der Reinigung und Ansammlung von konstruktivem Potential im eigenen Geist. Die Möglichkeit, Glück und schließlich Befreiung zu erlangen, liegt ganz in einem selbst. Wenn man die Lehren Buddhas anwendet, dann werden diese einen zweifellos zur Befreiung führen. Somit hängt es von einem selbst und den eigenen Handlungen ab. Und um in uns das entsprechende Verständnis zu erwecken, die geeigneten Methoden bereitzustellen, hat der Buddha die verschiedenen Lehren dargelegt. DieseLehren hat er je nach Fähigkeit seiner Schüler gegeben.

Eingehen ins Parinirvana in Kushinagar

Schließlich hat der Buddha seine letzte Lehre mittels seines Dahinscheidens gelehrt. Er zeigte auf, dass alle bedingten, zusammengesetzten Phänomene dem Verfall unterworfen sind. Er zeigte auch für die zukünftigen Generationen, dass Buddhaschaft, Erleuchtung oder Befreiung kein göttlicher Zustand, keine Unsterblichkeit oder ähnliches sind. Er hat diese Lehre der Vergänglichkeit ebenfalls als Ansporn und Gegenmittel für Faulheit und Trägheit gezeigt. Wie in Nagarjunas Lobpreis gesagt wird, hat er dies gelehrt, „um die Müßiggänger zur Dharma-Praxis anzuspornen“ und obwohl er „unsterblich und vajra-gleich“ war, ging er ins Parinirvana ein.

Nachfolgend hat er verfügt, dass seine Reliquien in acht Stupas aufbewahrt werden, um den zukünftigen Generationen als Inspiration zu dienen und damit sie in Zukunft Verdienste ansammeln können.

Dies wurde vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018) verfasst, um sich selbst an die Qualitäten des Buddha zu erinnern. Möge es für alle Praktizierenden eine Inspiration sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Dezember 2018

Buddha – erleuchtet in der Welt

Als Prinz Siddhartha Gautama in die Familie der Shakya geboren und daher dann als Buddha Shakyamuni bekannt geworden, stellt er wohl eine der herausragenden Gestalten an spirituellen Lehrern. In vier Sammlungen von Lebensgeschichten wurde versucht, sein Leben und Wirken zu übermitteln, damit nachfolgende Generationen sich dies als Vorbild nehmen können.

Lebensgeschichtliche Quellen

Das Mahavastu-Avadana der Mahasanghika-Schule aus der Hinayana-Tradition erzählt das Leben Siddharthas von seiner Geburt bis zu seinem Erwachen und seiner Lehrtätigkeit. Der Hauptteil der Erzählung beginnt in einem früheren Leben Siddhartas zur Zeit des Buddha Dipankara vor ca. 5-7.000 Jahren, als er als Sumegha vor Dipankara Buddha gelobte, in Zukunft selbst Buddhaschaft zu erlangen.

Das Buddhacarita schildert das Leben Buddhas von seiner Geburt bis zu seinem Parinirvana. Besonders hervorzuheben ist in diesem Werk die ausführliche Darstellung der Schlacht zwischen Siddhartha und Mara kurz vor der Erleuchtung.

Ein umfassendes Werk der Lebensgeschichte ist das Lalitavistara, das im 2./3. Jhdt. entstand und auf mehrere Verfasser zurückgeht. In ihm finden sich in Pali und Sanskrit überlieferte Episoden und beruht wohl auf einem Text aus der Schule der Sarvastivada. Besonders an diesem Werk ist die ausführliche Schilderung des überweltlichen Aspekts vonBuddha Shakyamuni. In dieser Lebensschilderung finden sich die 12 Taten eines Buddha, die in einem weiteren Beitrag geschildert werden.

Eine weitere Quelle für das Leben Buddha Shakyamunis bilden die Jatakas – die Vorgeburtsgeschichten. Von diesen Jatakas gibt es in Asien mehrere verschiedene Sammlungen.

Betrachten wir hier zunächst den weltlichen Aspekt des Buddha und nachfolgend in einem weiteren Blog-Beitrag anhand der 12 Taten auch seinen transzendenten Aspekt.

Buddha – Mensch

Man kann das Leben Buddhas anhand von vier wesentlichen Orten und Stationen beschreiben und für sich dieselben Bestrebungen und Ziele hinsichtlich Befreiung ableiten. Betrachten wir zunächst einmal den Lebensverlauf des Prinzen Siddhartha und seiner nachfolgenden Lehrtätigkeit als Buddha Shakyamuni. Vier Orte – Lumbini, Bodhgaya, Sarnath und Kushinagar – sind die bedeutsamen Meilensteine seines Lebens und Wirken in der Welt.

Lumbini – Geburt als Mensch

Als Prinz Siddhartha wurde der Buddha in Lumbini im Königreich Magadha geboren. Seine Mutter Mayadevi verstarb kurz nach der Geburt und Siddhartha wuchs bei der zweiten Frau des Königs Shuddhodana auf. Bei seiner Geburt wurde von einem Rishi vorhergesagt, dass es zwei Möglichkeiten gäbe, wie das Leben Siddharthas verlaufen könne. Zum einen könne er ein großer König, sogar ein Weltenherrscher werden, zum anderen könne er ein Weltenlehrer sein. In Anbetracht seinen Thronerben zu verlieren, beschloss König Shuddhodana, den Jungen von der Umwelt abgeschottet aufwachsen zu lassen. Siddhartha meisterte alle erzieherischen Herausforderungen und war begabt in allen Künsten seiner Zeit.

Doch aufgrund einer tiefen Erkenntnis in der Begegnung mit der Lebenswirklichkeit von Alter, Krankheit und Tod, aber auch der Möglichkeit der Befreiung anhand mehrerer Ausfahrten, beschloss Siddhartha im Alter von 29 Jahren sein wohlbehütetes Leben hinter sich zu lassen und stahl sich heimlich aus dem königlichen Palast. Er schnitt sich sein langes Haar ab und entsagte so seiner königlichen Würde. Dann suchte er die bedeutendsten spirituellen Lehrer – Alara Kalama und Uddaka Ramaputta – seiner Zeit auf. Bei ihnen erlernte und meisterte er rasch ihre meditativen Anweisungen. Damit nicht zufrieden und nicht die von ihm erwünschte Befreiung vom Leiden erlangt zu haben, begab er sich für einige Zeit mit ein paar Gefährten auf die spirituelle Suche. Doch auch durch anstrengende asketische Praktiken stellte sich das angestrebte spirituelle Ziel nicht ein. Schließlich trennte er sich von seinen Gefährten und begab sich nach Bodhgaya.

Bodhgaya – Erleuchtung

In Bodhgaya setzte er sich unter einen Baum und fasste den Entschluss, die Lösung seiner Lebensfrage zu erlangen. Nach längerer Zeit der Versenkung und Meditation gelang ihm schlussendlich der Durchbruch. In einem sagenhaft geschilderten spirituellen Kampf besiegte er die zentralen Geistesgifte und Antriebe, und erlangte Einsicht in die Zusammenhänge des Daseins und vieles mehr. So wird kurz seine Erleuchtung geschildert. Nach einiger Zeit der Versenkung in diese Erkenntnis, beschloss er, dieses Wissen und seine Einsichten mit anderen zu teilen. Nachdem seine beiden Lehrer zu dieser Zeit bereits verstorben waren, fand er dann seine fünf Gefährten in einem Wald nahe Varanasi, dem alten spirituellen Platz am Ganges. Zu diesem Zeitpunkt war er 35 Jahre alt.

Sarnath – Lehrtätigkeit

In Sarnath begegnete er seinen früheren fünf spirituellen Gefährten und vermittelte ihnen die grundlegenden Einsichten zur Befreiung vom Leiden. Im Hirschpark von Sarnath lehrte er zum erstenMal die Vier Edlen Wahrheiten. Diese sind die edle Wahrheit vom Leiden, die edle Wahrheit von der Ursache des Leidens, die edle Wahrheit von der Beendigung des Leidens und die edle Wahrheit vom Pfad, der zur Beendigung des Leidens führt. Dieser erste Lehrzyklus ist so fundamental und essentiell, dass er sich in all seinen weiteren Lehren wiederfindet. Hierbei zeigt Buddha auf, dass wir aufgrund von Nicht-Gewahrsein in einen Zustand der Verwirrung fallen und in einem anhaltenden Kreislauf an Aktionen und Reaktionen unser Selbstbild – so qualvoll unzulänglich es auch erscheinen mag – immer wieder und wieder erneut manifestieren. Doch neben diesem Hinweis auf die Qual der Unzulänglichkeit aller äußeren Erscheinungen wies Buddha auch darauf hin, dass wir Befreiung dann erlangen können, wenn wir unseren Blick nach innen wenden, wir so dieseProzesse verstehen lernen und ihnen ein Ende setzen können. Das wird als das erste Drehen des Dharma-Rades bezeichnet. Damit ist das Initiieren eines Zyklus von Lehren.

Dies tat er der Überlieferung nach noch zwei weitere Male, sodass wir von drei Lehrzyklen sprechen. Bei jedem Lehrzyklus wurde eine neue grundlegende Sichtweise eröffnet. War der erste Zyklus noch auf Entsagung ausgerichtet, so wurden im zweiten Zyklus Leerheit – das Leersein aller Phänomene von Eigennatur – und Merkmalslosigkeit gelehrt. Dies geschah zum ersten Mal am Geierberg in Rajgir, als Buddha Shakyamuni 51Jahre alt war. Und im Alter von 63 Jahren wurde von ihm der dritte Lehrzyklus in Shravasti in Gang gesetzt. Dieser Zyklus handelt von der Buddha-Natur, der Klar-Lichtheit der Natur des Geistes, die alle Wesen durchdringt.

Neben öffentlichen Vorträgen fanden sich auch zahlreiche Treffen im kleineren Kreis oder auch privater Natur im Leben Buddhas. Bei all diesen hat er verschiedenste spirituelle Zugänge und unterschiedliche spirituelle Methoden gelehrt, je nach Notwendigkeit und Fähigkeit seiner Hörerschaft und Schüler. Diese Lehren wurden zunächst mündlich überliefert und wenige Jahrhunderte nach seinem Dahinscheiden nach und nach niedergeschrieben. Manche wenige Lehrreden sind aus seinem Mund, andere wiederum von ihm autorisiert und einige in seinem Geiste, d.h. im Sinne seiner Lehre bestätigt und ihre Gültigkeit besiegelt.

Kushinagar – Dahinscheiden

Im Alter von 80 Jahren spürte Buddha Shakyamuni das Nahen seines Todes und beschloss nach Norden zu wandern. In Kushinagar verstarb der Buddha an einer Lebensmittelvergiftung. Er hatte eine verdorbene Pilzsuppe zu sich genommen. Die Lehre, die der Buddha in Kushinagar erteilte, ist die weitreichendste und wohl tiefgründigste. Hier zeigt er am eigenen Beispiel auf, dass Erleuchtung bzw. Befreiung zu keiner Form von Unsterblichkeit oder Göttlichkeit führt, dass sich keine feststehende, immerwährende Substanz in einem befindet und Vergänglichkeit das Zeichen aller bedingten Phänomene ist. Diese Lehre treibt einen an, über grundlegendes Leersein nachzudenken und auf die Klar-Lichtheit der Natur des Geistes zu meditieren.

Nach dieser Betrachtung des Leben Buddhas anhand von Orten werde ich in Folge seinen transzendenten Aspekt aufgrund der 12 Taten schildern. Bleibt also dran!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Dezember 2018

Reliquien und Mantras – spirituelles Leben einhauchen

Über das Befüllen von Statuen und Stupas, wodurch sie zu Gegenständen der Inspiration und Verehrung werden.

Eine Statue leer zu lassen bedeutet, den Buddhas nichts darzubringen und dies kann Hindernisse schaffen. Deshalb ist es wichtig, zumindest ein paar Mantras und etwas Räucherwerk in die Statue zu geben. Die Vorzüge des Umkreisens von Abbildern von Körper, Rede und Geist der Erleuchtung, wie z.B. Statuen, Stupas etc., werden ausführlich im Avalokiteshvara-Sutra und im Sutra „Mitfühlender weißer Lotus“, aber auch anderen Schriften erklärt. Auch die Vorzüge aus tantrischer Sicht werden in verschiedenen Schriften des Kangyur erklärt.

Statuen, Stupas und andere religiöse Bauten sind in Tibet üblich. Sie sind wunderschön anzusehen, aber ohne entsprechende Dharani-Mantras (tib., gzungs sngags) und andere innere Reliquien haben sie keinerlei spirituellen Wert. Wenn die Statue nicht mit diesen Mantras und inneren Reliquien gefüllt ist, geglaubt man, dass bösartige Geister in die Statue geraten und den Menschen Schaden zufügen können. Daher ist die Füllung einer Statue, eines Stupas oder eines anderen religiösen Baus sehr wichtig. Mit diesem Befüllen durch Dharanis werden die religiösen Konstruktionen oder Statuen zu einem spirituellen Wesen, das Segnungen verleihen kann.

Dharanis und inneren Reliquien verleihen ihnen spirituelle Bedeutung und Heiligkeit, daher ist das Einfügen von Dharanis und Reliquien gleichbedeutend mit dem Einhauchen von Leben im Körper. Das Darbringen von Dharanis und Reliquien sollte idealerweise von einem ordinierten Mönch ausgeführt werden, der kein Fleisch, keine Zwiebeln, keinen Knoblauch isst, Alkohol trinkt, Tabak raucht oder kaut und das Gelübde des Zölibats abgelegt hat. Eine solche Person ist jedoch in dieser modernen Zeit sehr selten zu finden. Andernfalls kann dies natürlich auch eine erfahrene Laienperson ausführen, die zumindest während dieser Zeit so rein wie ein Mönch lebt.

„Die vier Dharmakaya-Reliquien-Mantras (makellose Zinne der Gottheit, die geheime Reliquie, die Reliquie des Erhabenen, das vollkommen reine makellose Licht und 100.000 Ornamente der Erleuchtung) sind eine heilige Reliquie. Sie sind die höchsten Reliquien des Buddha, Reliquien der Dharmakaya. Andere Reliquien, diejenigen, die wir normalerweise sehen, wie Reliquien der Gewänder oder Teile von Buddhas heiligem Körper, stellen sekundäre Reliquien dar. Diese vier Mantras stellen die höchsten Reliquien dar. Nachdem ich von den unglaublichen Vorteilen jedes dieser Mantras erfahren hatte, ließ ich sie aufschreiben und wir druckten viele. Dies ist normalerweise das, was wir in Stupas, Statuen usw. einfügen sollten. Diese sehr speziellen Mantras geben unglaubliche Kraft. Wenn ihr diese Mantras in eine Statue gesetzt habt, werden die Devas dieses heilige Objekt dreimal täglich anbeten. Indem ihr diese Mantras in einen Stupa steckt, wird sogar eine Glocke, die dem Stupa dargebracht wird, unvorstellbaren Nutzen bringen. Beispielsweise wird das negative Karma aller fühlenden Wesen, die den Klang dieser Glocke hören, gereinigt werden. Sie sind aus den niederen Bereichen befreit, ihr negatives Karma wird gereinigt und sie werden eine gute Wiedergeburt erlangen. Ferner bringt es einen unglaublichen Nutzen. Es hilft den Lebewesen auf diese Weise, ganz leicht negatives Karma zu bereinigen und die Erleuchtung zu erlangen. Auch wenn man einen Stupa umrundet, in dem diese Mantras vorhanden sind, reinigt dies einen vom negativen Karma, in allen acht heißen Höllen wiedergeboren zu werden. Das negative Karma, das einen dazu führt, in den acht heißen Höllen geboren zu werden, ist völlig gereinigt, indem man einmal einen Stupa mit diesen Mantras umrundet.“

Vorteile der vier Dharmakaya-Reliquien-Mantras von Lama Zopa Rinpoche

Substanzen und Utensilien

Für das Befüllen braucht man verschiedenste Materialien. Zunächst einmal die Mantra-Blätter, die für alle Statuen etc. gültig sind, wie die bereits erwähnten Dharmakaya-Reliquien-Mantras (Tsugtor Drime, Sangwa Rigsel, Özer Drime, Jangchub Gyänbum). Dann braucht man natürlich auch noch andere Mantras, wie das entsprechende Namens-Mantra oder Essenz-Mantra der Gottheit (beim Füllen von Statuen), das Mantra des bedingten Entstehens (tib., rten ‚brel snying po), die Sanskrit-Vokale und -Konsonanten (Ali Kali) usw. Neben den Mantras kommen auch noch bestimmte Substanzen hinein. Diese sind das Lebensholz (tib. srog shing), das den Zentralkanal bzw. die Weltenachse darstellt; Räucherwerk in Pulverform; Kräuter; getrocknete Blüten; Weihrauch und Sandelholz. Verschiedene, in kleinen, luftdicht verschlossenen Gefäßen abgefüllte Nahrungsmittel, wie Getreide, Tee, Salz, Butter, Alkohol usw. Zusätzlich kann man auch noch Medizinpillen, Nektarpillen, geweihten Sand von einem Mandala, Erde und Wasser von gesegneten Plätzen wie den vier heiligen Stätten des Buddhismus oder anderen yogischen Praxisplätzen, Gold, Silber, Edelsteine, Münzen. Außerdem braucht man noch roten bzw. gelben Stoff und fünffarbiges Garn. Natürlich können auch verschiedene Klebstoffe hilfreich sein, aber man kann die Statuen dann auch mit flüssigem Bienenwachs versiegeln.

Lebensholz

Innere Reliquien bestehen aus heiligen Schriften in Form von Mantras oder Gebeten und wertvollen Gegenständen, die von einem Lebensholz (tib., srog shing) in der Mitte unterstützt werden und das die Lebensachse oder Weltenachse darstellt. Das Lebensholz muss ein fruchttragender Baum mit duftenden Blättern wie Wacholder, Zypresse oder Sandelholz sein. Es ist zu einem vierkantigen Holz geschnitten, das sich zur Spitze hin verjüngen, während seine Basis in Vajra-Form gehalten wird. Das Lebensholz ist rot bemalt und die Mantras werden an den vier Seiten in Gold geschrieben. Die Größe dieser Lebensachse hängt von der Höhe der Statue oder des Stupas ab.

Dharani-Mantras

Mantra-Rollen sind ein wichtiger Bestandteil beim Füllen der religiösen Gegenstände. So werden heilige Schriften oder Mantras gedruckt und gerollt, aber jede Rolle ist markiert, um die richtige Reihenfolge der Schriften für die Befüllung zu gewährleisten, da die Ansicht besteht, dass die Befüllung von Schriften mit dem Schriftkopf nach unten schädlich ist. Die Mantra-Rollen werden um ein Räucherstäbchen gewickelt, das die Stabilität gewährleistet. Markiert wird die Oberseite mit roter Farbe. So weiß man, dass die Schriftrollen aufrecht im Objekt stehen.

Befüllung

Verschiedene andere wichtige Komponenten, wie Reliquien von Körper, Rede und Geist großer Lamas, Edelmetalle und eine kleine Statue (Terma), werden um das Lebensholz gelegt, das dann in Seidenbrokat gehüllt wird. Nachdem das Lebensholz fertig bemalt und beschrifte ist, werden Mantra-Rollen, die auf Papier gedruckt sind und mit Sandelholzpulver und Weihrauch gefüllt sind, darum herum angeordnet. Die ausgestopften Gegenstände halten die Reliquien-Gegenstände fest in ihrer jeweiligen Position. Wenn jeder mögliche Zwischenraum vollständig ausgefüllt ist, wird der Boden mit einer Bronzeplatte versiegelt. Schließlich werden die Statue bzw. der Stupa im Rahmen einer Zeremonie gesegnet, um als Objekt für Verehrung und Zuflucht zu dienen.

Teile davon sind aus dem Handbuch Wissenswertes zum Befüllen mit Dharanis & Reliquien. (gzungs’bul mthong bas shes pa). Andere Quellen und persönliche Unterweisungen durch Lehrer ergänzen diese Darstellung. Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. Dezember 2018

Kurze Geschichte der Nyingma-Tradition

Die Nyingma-Schule hat eine ununterbrochene Linie erleuchteter Meister von Mantrayana und Sutrayana von der Gegenwart bis zu den Schülern von Shakyamuni Buddha. Wörtlich ist sie als die Schule der Alten bekannt.

Buddha Shakyamuni und die Nyingma-Tradition

Vor mehr als 2.500 Jahren hat uns der Shakyamuni Buddha, der vierte Buddha, in die verheißungsvolle Zeit (Kalpa) hineingeführt, in der wir noch leben und in der sich tausend Buddhas manifestieren werden. Er offenbarte sich als Buddha, indem er die zwölf Taten erfüllte, die alle Buddhas vollbringen:

  1. Herabkunft aus dem himmlischen Bereich von Tushita;
  2. Eintritt in den Mutterleib von Mayadevi;
  3. körperliche Geburt in den Shakya-Klan in Lumbini;
  4. Studium der Künste und Wissenschaften;
  5. weltliche Freuden des Familien- und Palastlebens;
  6. Lossagung von der Familie und Aufgabe des Besitzes;
  7. Übung der Askese an den Ufern des Nairanjana-Flusses;
  8. Hervorbringung von Bodhichitta unter dem Bodhi-Baum;
  9. Bezwingung der dämonischen Kräfte Maras;
  10. Erlangung der vollkommenen Erleuchtung;
  11. Drehen des Dharmarades (d.h. „Lehrzyklen“) in Varanasi und
  12. Eingehen ins Parinirvana in Kushinagar.

Er drehte dreimal das Rad des Dharma. Das heißt, er lehrte drei verschiedene Zyklen oder Lehrsammlungen.

Zuerst lehrte Buddha die vier edlen Wahrheiten, die Wahrheit vom Leiden, die Wahrheit von der Ursache des Leidens, die Wahrheit von der Beendigung des Leidens und die Wahrheit des Pfades, der zur Beendigung des Leidens führt. Dies ist die Basis des Hinayana.

Am Geierberg in Rajgir lehrte er als dann die Vollkommenheit der transzendenten Weisheit (Prajnaparamita) sich als Leerheit bzw. als grundlegenden Leersein von Eigennatur charakterisiert. Der wohl bekannteste Satz daraus ist: „Form ist Leere und Leere ist Form.“ Er lehrte dies einem gemischten Publikum von Männern, Frauen, Sramaneras, Bhiksus, Bhiksunis, Bodhisatvas (einschließlich Manjushri, Avalokitsvara, Vajrapani und Maitreya).

Schließlich legte er die Lehre von der absoluten Wahrheit den übernatürlichen Wesen, Göttern, Bodhisattvas, Nagas, Raksas, Raksasas und den Menschen dar.

Der Buddha hat uns 84.000 Arten von Lehren hinterlassen, genug für eine angemessene Lehre für jede Art von Geistesfähigkeit und Veranlagung. Diese können in drei, neun, zwölf, vierzehn und fünfzehn Yanas oder Fahrzeuge klassifiziert werden.

Der erste Lehrzyklus befasste sich mit dem Hinayana, der zweite und der dritte mit Mahayana. Dazu siehe auch Yanas.

Yanas – die spirituellen Ansätze

Die Lehren des Shravakayana bilden die Grundlage für alle buddhistischen Studien und Übungen, während die Lehren des Bodhisattvayana die Basis für das Sehen und Üben des großen Fahrzeugs, des Mahayana sind. Das Bodhisattvayana beinhaltet die Sutrayana-Lehren wie Prajnaparamita und Tathagatagarbha und die Mantrayana-Lehren, die in Tausenden von Tantras offenbart werden.

Das Tantrayana oder Vajrayana wurde traditionell zuerst auf Wunsch von König Indrabodhi von Oddiyana privat unterrichtet. Er lehrte ausgewählte Schüler von hohem Verdienst, wie man phänomenale Erscheinung in ein reines Mandala verwandeln kann. Um dies zu lehren, strahlte er das Guhyasamaja-Mandala aus, gab ihm die Ermächtigung und gab dann die tantrischen Lehren. So wurde es getrennt von den drei Drehungen des Dharmas gelehrt. Er prophezeite auch, dass er in einer zukünftigen Zeit das Vajrayana unterrichten würde. Im Mahaparinirvana-Sutra sagte er, er würde in einem See wiedergeboren. Dies wurde erfüllt durch dieGeburt von Padmasambhava, auch bekannt als Pema Jungne, der Lotusgeborene Guru odereinfach Guru Rinpoche.

Die Ansicht im Hinayana ist, dass Shakyamuni seine Lehren an versierte Schüler wie Kashyapa, Ananda, Shanavasika, Upagupta usw. übertrug. In den Schilderungen des Mahayana wird berichtet, dass dieses durch die Boddhisattvas einschließlich Maitreya, Manjusri usw. alsVermittler an Nagarjuna, Aryadeva, Asanga, Vasubandhu, Gunaprabha, Sakyaprabha, Dignana und Dharmakirti übermittelt wurde; zu den beiden wunderbaren Lehrern Santideva und Candragomin; zu den vier großen Lehrern Mahabrahmana Saraha, Dharmapala, Rahula und Virya. Die tantrischen Vajrayana-Lehren wurden durch Vajrapani und die vierundachtzig Mahasiddhas übertragen.

Das Vajrayana wird innerhalb der Nyingma-Tradition in äußere und innere Tantras eingeteilt. Die äußeren Tantras sind Kriyatantra, Caryatantra und Yoga-Tantra. Die inneren Tantras sind Mahayoga, Anuyoga und Atiyoga. Die inneren Tantras gehören spezifisch zur Nyingma-Tradition. In der Sarma-Tradition, den Schulen der neueren Übersetzungen wie Sakya, Kagyü, Gelug, Jonang usw. gibt es das Anuttaratantra, das in Vater-, Mutter- und nonduales Tantra eingeteilt wird. Die ersten beiden Tantra-Klassen in der Nyingma-Tradition wurden an König Indrabodhi weitergegeben. Sie wurden durch die Vidyadaras Kukkuraja, Lilavajra, Buddhaguhya, Padmasambhava und andere übertragen. Das Atiyoga wurde an den ersten menschlichen Vidyadhara Garab Dorje an Manjusrimitra, Sri Simha, Jnanasutra, Vimalamitra, Padmasambhava und andere weitergegeben.

Padmasambhava

Fünf Jahre nach dem Parinirvana von Shakyamuni Buddha taucht, wie vorausgesagt, Guru Padmasambhava, der Lotusgeborene Guru in Oddiyana auf, um die Lehren des Mantrayana zu übertragen, die als innere Tantras bekannt sind: Mahayoga, Anuyoga und Atiyoga.

28 Jahre nach dem Parinirvana des Buddha erhielt König Indrabodhi von Zahor, auch bekannt als König Dza, die Übertragung der Tantras des Mahayoga und Anuyoga vom Bodhisattva Vajrapani. Er begann eine lange Reihe von Vidyadharas, die diese Lehren für viele Jahrhunderte in Indien verwirklicht und verbreitet hatten.

Garab Dorje wurde 166 Jahre nach Buddhas Parinirvana in Oddiyana im Nordwesten Indiens geboren. Er war eine Inkarnation von Vajrasattva. Er war der erste Mensch, der die Atiyoga Tantras unterrichtete. Er übergab die Atiyoga an Manjushrimitra, eine Emanation des Boddhisattva Vajrapani zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Im Gegenzug übermittelte er sie Shri Simbha. Er erkannte sie und gab sie an Jnanasutra, Buddhaguhya und an die Meister weiter, die sie nach Tibet brachten: Vimalamitra, Padmasambhava und Vairotsana.

Während des 7. bis 8. Jahrhunderts übertrug Lilavajra die Mahayoga-Tantras an Buddhaguhya, Padmasambhava und Vimalamitra, die später die Lehren nach Tibet brachten.

Möglicherweise gelangten einige dieser Lehren im 5. Jahrhundert nach Tibet. Dennoch begann sich der Buddhismus erst im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung systematisch und allgemein zu etablieren. König Trisong Detsen (ca. 742 n. Chr.) lud den indischen Abt Shantarakshita nach Tibet ein, um ein großes Kloster zu errichten. Nachdem er auf Schwierigkeiten gestoßen war, bat er um Hilfe bei einem tantrischen Praktizierenden, Padmasambhava.

Padmasambhava ist als der zweite Buddha im gesamten Himalaya bekannt. Sein Vermächtnis ist in der gesamten Region zu finden und in vielen Höhlen, in denen er meditiert hatte, sieht man immer noch Handabdrücke und Fußabdrücke, die er in soliden Felsgeprägt hat, so groß war seine außergewöhnliche Kraft.

Nach dem Vorbild des berühmten Otantapuri-Tempels in Bihar wurde das Samye-Kloster schließlich fertiggestellt. Die 84.000 Lehren des Dzogchen, die von Bodhgaya in Indien und anderswo erhalten wurden, wurden von Padmasambhava in Tibet eingeführt. Unter der Leitung von Padmasambhava beaufsichtigen Vimalamitra und Vairotsana die Übersetzung der Mahayoga-, Anuyoga- und Atiyoga-Tantras in Tibetisch, und mehr als hundert tibetische und indische Panditas übersetzten die meisten der damals bekannten buddhistischen Lehren in Tibetisch. Buddhaguhya, der berühmte Panditavon Nalanda, übertrug die Mahayoga-Lehren an tibetische Schüler wie Nyag Jnanakumara, die sie nach Tibet brachten.

Die inneren Tantras wurden auf zwei Arten von Generation zu Generation übertragen. Die Kama-Übertragung (lange Übertragung, d.h. die mündliche Überlieferung) wurde von einem realisierten Meister an einen Schüler weitergegeben, die so über einen langen Zeitraum eine ununterbrochene Kette von Individuen darstellen, und die Terma-Übertragung (kurze Übertragung durch spirituelle Schätze). Letzteres wird aus Lehren abgeleitet, die von Padmasambhava und seiner spirituellen Gefährtin Yeshe Tsogyal verborgen wurden, um entdeckt zu werden, wenn die Umstände von Tertons (Schatzfinder) richtig waren. Sie sind daher eine sehr direkte Kommunikation und sind den Umständen jetzt angemessen, während die lange Übertragung die Gewissheit bietet, zu wissen, dass sie von einer Reihe von Personen zuvor funktioniert und realisiert wurde.

Terma – die Tradition der spirituellen Schätze

Die Übertragung des Schatzes umfasst die unzähligen Schatztexte, die von nachfolgenden Schatzmeistern enthüllt wurden, die im 9. Jahrhundert von Guru Rinpoche selbstverborgen wurden, sowie zahlreiche Lehren, die später durch erleuchtete Gedanken und meditative Visionen von Nyingma-Meistern enthüllt wurden. Hunderte von Meistern sind aufgetaucht, die Schätze enthüllt haben. Unter ihnen sind Nyangral Nyima Özer (1124-92), Guru Chowang (1212-70), Dorje Lingpa (1346-1405), Padma Lingpa (geb. 1405) und Jamyang Khyentse (1820-1892) als die Fünf Könige unter den Tertöns bekannt. Ihre offenbarten Schätze betreffen unter anderem den Zyklus von Lehren und Meditationen im Zusammenhang mit Avalokiteshvara, den Sadhanas von Guru Rinpoche, den Dzogchen-Lehren, dem Kagye-Zyklus von Lehren, dem Vajrakila-Zyklus von Lehren, Medizin und Prophezeiungen.

Neben dem üblichen Mahayana-Kanon von Kagyur und Tengyur können viele weitere Lehren in derSammlung von 100.000 Nyingma-Tantras gefunden werden, die im 13. Jahrhundert von Tertön Ratna Lingpa (1403-1473) zusammengestellt und von Kunkhyen Longchen (1308-1363) organisiert wurden. Daneben haben zahlreiche Werke, wie die von Jamyang Kongtrul (1813-1899) zusammengestellten sechzig Bände des Rinchen Terdzö, sowie die Schriften von Rongzom, Dodrupchen, Patrul, Mipham und vielen anderen die reichhaltige Sammlung der Nyingma-Literatur erweitert.

Yeshe Tsogyal, König Trisong Detsen, Vairocana der Übersetzer, Nyag Jnanakumara, Sangye Yeshe und Rinchen Chog und andere der 25 Schüler von Padmasambhava wurden mit derVerantwortung beauftragt, den Dharma an zukünftige Generationen weiterzugeben. Sie alle wurden wiederholt als Meister von Kama und Terma wiedergeboren, um nachfolgende Generationen von Praktizierenden zu führen und die Nyingma-Schule bis heute zu schützen.

Im Gegensatz zu den anderen buddhistischen Traditionen wurden die Nyingmapas erst viel später in ihrer Geschichte institutionalisiert. Abgesehen von Samye wurden bis zum 12.Jahrhundert keine größeren Klöster errichtet.

Diese erstePeriode wurde als frühe Übersetzung-Tradition bezeichnet. Diejenigen, die dieTradition praktizierten, aus der sich diese Tradition ergab, wurden schließlich als Nyingma (die Älteren) bezeichnet, um sie von den Nachfolgern zu unterscheiden spätere Traditionen, die später als Sarma (die Neueren) bekannt wurden.

Unterschied zwischen Alt und Neu

Nach der Ermordung des letzten Dharma-Königs, 836 u.Z., führte sein Bruder, König Langdarma, Krieg gegen den Buddhismus und die Klöster wurden zerstört. Geschützt von den Schülern von Padmasambhava und Vimalamitra, überlebte der Buddhismus in Tibet durch die Linie der ordinierten Mantra-Praktizierenden oder „Ngakpas und Ngakmos“.

Die Vinaya (Mönchs-)Sangha wurde von drei Mönchen, sMar, Rab und gYo, konserviert, die heilige Texte in die abgelegene Provinz Amdo schmuggelten, wo sie sicher aufbewahrt werden konnten.

Die offizielle Verfolgung dauerte nur etwa ein Dutzend Jahre, aber Tibet blieb verwirrt. Tibet hatte sich in zehn kleine Königreiche zersplittert. Erst im 10. Jahrhundert u.Z. begannen die Tibeter die zerstörten Klöster und Tempel wieder herzustellen. Langsam begannen die Praktizierenden einen Austausch des Dharma mit Indien zu pflegen und reisten nach Indien oder kamen nach Tibet. Von diesen war der wichtigste Smrtijnanakirti (892 – 975).

Im Ugpalung-Kloster in Zentraltibet sammelte der Nyingma-Meister Zurpoche Shakya Jungne im 10. Jahrhundert tausende von Texten und klassifizierte und arrangierte Tantras zusammen mit ihren Kommentaren, Übungen und Ritualhandbüchern.

Angeführt von Rinchen Zangpo (957 – 1055), der im 10. und 11. Jahrhundert in Kaschmir studiert hatte, kam es zu einer zweiten Welle der Übersetzung und Interpretation, die zur Neuübersetzung der Sarma führte. Die daraus resultierenden Traditionen dieser zweiten Welle umfassten die Kadam (später zur Entwicklung des Gelugs), Sakya, Kagyü, Shangpa Kagyü, Chöd und Zhije, Kalachakra und Urgyen Nyendrub. Zusammen mit dem Nyingma werden diese manchmal als die Acht Streitwagen der geistigen Errungenschaft bezeichnet.

Alle wichtigen Sutrayana-Lehren des Buddha und die Sastras der Mahapanditas wurden von den neuen Schulen in überarbeiteten und modifizierten Übersetzungen erhalten und bilden ein Erbe, das alle Schulen gemeinsam haben. Die Texte der inneren Tantras, die in der Frühzeit übersetzt wurden, sind das einzigartige Erbe der Nyingma-Schule.

Bedeutende Nyingma-Zentren

Das Nechung-Kloster wurde in Zentraltibet von Chokpa Jangchub Palden und das Kathok-Kloster in Kham von Ka Dampa Desheg (1112-92 n. Chr.) Im Jahr 1159 gegründet. Ab dem 15. Jahrhundert wurden große Klosteruniversitäten gebaut, darunter Mindroling, das 1676 von Rigzin Terdag Lingpa, auch als Minling Terchen Gyurme Dorje (1646-1714) bekannt, und Dorje Drag, gegründet von Rigzin Ngagi Wangpo in Zentraltibet, 1659 gegründet wurde. Palyul wurde von Rigzin Kunsang Sherab im Jahre 1665 gegründet; Dzogchen wurde von Dzogchen Pema Rigzinim Jahr 1685 und Zhechen von Zhechen Rabjampa im Jahr 1735 in der Provinz Kham erbaut. In Amdo wurden Dodrubchen- und Darthang-Klöster gegründet.

Textsammlungen

Im 15. Jahrhundert wurden die im Kloster Ugpalung aufbewahrten inneren Tantras vom Nyingma-Meister Ratna Lingpa in einer Sammlung zusammengefasst, die als Nyingma Gyübum bekannt ist.

Orgyen Terdag Lingpa und Lochen Dharmashri sammeln alte Nyingma Kama-Texte zusammen und bewahren sie im 17. Jahrhundert n. Chr. auf.

Im 18. Jahrhundert verifizierten Künkhyen Jigme Lingpa und Gertse Mahapandita die Echtheit der Nyingma Gyudbum-Texte im Inneren Tantra und verfassten Kataloge und Geschichtenfür eine Blockdruckausgabe in Derge, Osttibet.

Während des 19.Jahrhunderts sammelten Jamyang Khyentse Wangpo, Jamgön Kongtrul Lodro Thaye und Chogyur Dechen Lingpa tausende von Terma-Schatztexten aus ganz Tibet zusammen und schufen so eine Sammlung, die als Rinchen Terdzö bekannt ist.

Die Nyingma-Tradition klassifiziert die Lehren in 9 Yanas oder Fahrzeuge. Diese können jeweils als in sich vollständig betrachtet werden, in Grund, Pfad und Frucht eingeteilt werden oder alternativ als Schritte entlang eines Kontinuums in Richtung der großen Vollkommenheit verstanden werden. Es wird auch gesagt, dass jedes die anderen Yanas enthält.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. November 2018

Dzogchen oder Meditation

Meditation“ (tib., sgom) ist ein willentlicher Akt, also eine Geistestätigkeit, bei der der gewöhnliche Geist aktiv etwas macht, d.h. man kultiviert, pflegt etwas, man gewöhnt sich an etwas, was vorher so noch nicht da war. Man bemüht sich also um etwas, muss sich anstrengen, damit ein Resultat erzielt wird. Dabei stellt man sich etwas vor oder man „denkt“ sich etwas. Im Tibetischen wird das auch als „bsam“ genannt. Der tibetischen Begriff „Samten“ (tib., bsam gtan) – Konzentration – kommt davon. Man konzentriert den Geist auf etwas, das als Stütze dient, damit der umherwandernde Geist gebunden wird und die Gedankenketten (diskursives Denken, begriffliches Denken) aufhört. Irgendwann gelangt man aufgrund der Praxis zu bestimmten Einsichten und Realisationen. Soweit so gut, aber nicht im Dzogchen.

Im Dzogchen zeigt der Lehrer dem Schüler die Natur des Geistes auf, d.h. er gibt die Ermächtigung in die manifestierende Fähigkeit des ursprünglichen Gewahrseins (tib., rig pa rtsal dbang). Ohne diesen Akt funktioniert nichts im Dzogchen. Nachdem der Schüler nun die Natur seines Geistes, die frei von diskursiven Gedanken ist, frei und offen wie der Raum ist, aber dennoch eine inhärente Klarheit und Lichtheit aufweist, ein allererstes Mal erkannt hat, beginnt er sich an diese Natur des Geistes mittels Erkennen zu gewöhnen, bis er schließlich völlige Vertrautheit damit erlangt hat. Doch diese Art von Praxis nennt man nicht mehr „Meditation“, sondern „Kontemplation“. Jegliche willkürliche Geistestätigkeit, also etwas imaginieren, etwas pflegen, kultivieren, sich etwas denken und vorstellen, macht diesen natürlichen Zustand zunichte. Wenn man jetzt allerdings der Meinung ist, einfach so zu sitzen und Gedanken vorüberziehen zulassen, wär schon die Realisation, dann verfehlt man das Ziel, weil wenn die Natur des Geistes nicht gekannt wird, weht einem nur der kühle Wind um die Nase. Nur allzu leicht versteigen sich die Leute dann in den subtilen Geistesregungen und übersehen, wie ihre Projektionen anwachsen und verwechseln diese dann mit reinen Erscheinungen. Wenn Leute darin hängen bleiben, sind sie meist für den Pfad verloren, da sie ihren geistigen Mist für Buddha-Manifestationen halten.

Natürlich tauchen auch später noch immer Gedanken auf, aber die werden in ihrer Essenz erkannt. Gedankenketten entstehen so nicht, da sie sich bereits bei ihrem Entstehen wieder auflösen, so wie eine Zeichnung auf dem Wasser. Nun gut, soweit mal der Ansatz über Trekchö, wo die uranfängliche Reinheit (tib., ka dag) realisiert wird. Thögal ist eine andere, meist nachfolgend gelehrte Methode, die mit der spontanen Präsenz (tib., lhub sgrub) der Klar-Lichtheit dieser Natur des Geistes arbeitet. Nun, das ist der Ansatz über die Upadesha-Klasse (tib., man ngag sde).

Dann gibt es noch zwei andere Ansätze, 1) die Geist-Kategorie (tib., sems sde), bei der es vier Stufen der Praxis gibt, die nacheinander praktiziert werden und ähnlich den vier Stufen der Mahamudra sind; und 2) die Raumkategorie (tib., longs sde), die auch vier Stufen aufweist, die allerdings alle auf einmal praktiziert werden.

Mittlerweile ist es so, dass überwiegend die Upadesha-Kategorie gelehrt wird. Die Semde und Longde werden gegenwärtig äußerst selten unterrichtet. Recht interessante Abhandlungen finden sich bei Chogyur Lingpa in seinem Dzogchen Desum – den drei Dzogchen-Kategorien – wo er alle behandelt. Auch bei den Bön finden sich ausgezeichnete Darlegungen zu diesem Thema. Da Buddhisten und Bönpos im Dzogchen keine essentiellen Unterschiede aufweisen, sind die Darlegungen von beiden sehr inspirierend.

Und noch etwas sei angemerkt, im Dzogchen ist es vor einer Einführung in die Natur des Geistes ratsam, die verschiedenen Praktiken des Khorde Rushen (tib., ‚khor ‚das ru shan) auszuführen, um über Körper, Rede und Geist eine Trennung von Samsara und Nirvana vorzunehmen. Das sind die grundlegenden Übungen für die Upadesha-Kategorie. Wesentlich für den gesamten Pfad ist jedoch das Guru-Yoga. Ohne diese ernsthafte Hingabe an Guru, wird der zündende Funke beim Aufzeigen der Natur des Geistes nichts bewirken, und die ganze Einführung verbleibt auf einem intellektuellen Niveau.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. November 2018

Ich-Anhaftung abschneiden – Über die Grundsätze des Chöd

Das tibetische chos lus byin heißt wörtlich „die Lehre der Körperdarbringung“. Bei dieser Praxis wird im Rahmen einer Visualisation der gewöhnliche Körper, der als Grundlage für das Greifen nach einem Ich gilt, dargebracht. Dies klingt zunächst vielleicht etwas morbid, ist aber eine außerordentlich wirksame Methode, da wir beständig Vorstellungen und Konzepte von uns und der Umwelt – den anderen – aufbauen und lebhaft aufrechthalten. Allgemein kann man sagen, dass die Praxis des Chöd sehr rasch zur Verwirklichung führt, da das Greifen und Klammern nach inhärenter Existenz an seiner Wurzel durchtrennt wird.

Wie Machig Labdrön in ihren Erklärungen zur Praxis des Chöd sagt: „Am Beginn des Chöd sind der Geist der Unwissenheit und seine mit ihm entstandene Ich-Fixierung die Wurzel aller Probleme, Grundlage aller diskursiven Gedanken, der getäuschte Verstand, der alle störenden Gefühle entstehen lässt, das aufgeblähte Objekt. Dieser unwissende, verdunkelte Geist muss durch die zeitlose Weisheit des selbsterkennenden Gewahrseins (rang rig) abgeschnitten werden. Ferner ist es zu Beginn der Dharma-Praxis von entscheidender Notwendigkeit herauszufinden, dass die Ich-Fixierung die Wurzel der Selbstgefälligkeit der Unwissenheit ist. Aber das Bereinigen der Ignoranz von Anfang an und das Abschneiden werden nicht einfach so geschehen. Indem man den Geist beständig im Nicht-Selbst übt, wird die Wurzel der Überhöhung der Ich-Fixierung abnehmen. Dann wird das transzendente Wissen vom Nicht-Selbst zunehmen und du wirst allmählich die Pfade voranschreiten, von der Ansammlung über die Vorbereitung usw. den Mara des überhöhten Objekts abschneiden und die Geburt der erleuchteten Eigenschaften ereignen sich zur selben Zeit.

Körpergabe

Die Visualisation für diese Praxis kann ganz einfach erfolgen oder auch sehr detailreich sein. Sie kann mit demVisualisieren eines Zufluchtsfeldes beginnen. Aber allen Praktiken des Chöd ist gemeinsam, dass man das eigene reine Bewusstsein über den Zentralkanal in den Raum hinaus befördert. Dieses verwandelt sich in die Vajrayogini (oder in anderen Chöd-Praktiken in Thröma Nagmo) und dann wird der gewöhnliche Körper, der nun als Leiche vorhanden ist, von der Yogini zerstückelt, auf einem riesig großen Herd, gemacht aus der Schädelschale des Leichnams, aufgekocht und inNektar verwandelt, der die Wesen befriedigt. Dann werden die vier Klassen derGäste eingeladen und man bringt den beiden oberen Klassen – den Buddhas, Bodhisattvas, Meditationsgottheiten, Dakinis und Schützern – Opfergaben dar. Durch diese Gabendarbringung wird Verdienst angesammelt.

Die dritte Klasse der fühlenden Wesen wird gereinigt. Sie werden in die entsprechende Dakini verwandelt und ihre Bereiche werden zu reinen Ländern. Diese Darbringung der Gaben des Mitgefühls an die Wesen der sechs Bereiche erfolgt aufgrund des Bodhisattva-Versprechens.

Die vierte Klasse – die der karmischen Schuldner und Gläubiger – bekommt auch ihren Nektaranteil, um die Forderungen und Schulden zu bereinigen. Auf diese Weise werden karmische Hindernisse bereinigt, sodass diese keine Störungen mehr bereiten. Was kann man sich nun unter „karmischen Schuldnern und Gläubigern“ vorstellen? Üblicherweise zeigen sich die durch störende Gefühle, die man anderen Wesen gegenüber empfindet. Man kann sich diese emotionalen Störungen rational nicht erklären, aber wenn diese eine bestimmte Person mit einem interagiert, dann fühlt man sich unweigerlich belästigt.

Ein Beispiel, um das etwas zu verdeutlichen. Eine Person A gab einer Person B Geld und diese versprach, es zurück zu zahlen. Jedoch vor der Rückzahlung verstarb diese Person A und die ausstehenden Schulden wurden nicht in den Nachlass aufgenommen. Heimlich freute sich Person B daran, dass sie nun die Schulden nicht bezahlen musste. In einem nächsten Leben treffen diese beiden wieder aufeinander, jedoch erkennen beide natürlich einander nicht mehr. Person B fühlt sich jedoch auf unerklärliche Weise von der anderen Person immer wieder bedrängt. Person B kann es nicht erklären und das Spiel läuft solange, bis ein Akt der Begleichung der Schulden eintritt. Da aber beide sich nicht mehr an ihre früheren Leben erinnern, weil sie nun in anderen Erscheinungsformen aufeinander treffen, gelingt ein Ausgleich nur sehr selten. Jedoch fühlen sich beide auf irrationale Weise aneinander gebunden und entwickeln Gefühle der Forderung bzw. der Abwehr.

Natürlich gibt es auch noch andere Schulden, wie „Fleischschulden“, die aufgrund des Verzehrs von Fleisch, aber auch schon durch die Nahrungsaufnahme allein erfolgen. Solche Forderungen und Schulden werden durch die Gabe des Mitgefühls an die vierte Klasse der Gäste bereinigt.

Wesensbegegnungen dieser Art können auch für die Betreffenden wie Begegnungen mit Dämonen sein. Man braucht sich unter demBegriff „Dämonen“ jetzt nicht sofort etwas aus Filmen vorstellen, obwohl diese Darstellungen für die Visualisationen durchaus hilfreich sind. Wie in den Lehren der Machig Labdrön über die weltlichen Götter und Dämonen vermerkt ist, versteht man unter Dämonen, alles was hinderlich für einen ist und Götter sind alle hilfreichen Lebensaspekte. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Nachdem die Wesen nun ihre entsprechenden Gaben erhalten haben, sind alle Wesen zufriedengestellt und man kann den beiden unteren Klassen den Dharma lehren. Das Lehren des Dharmas erfolgt sehr essentiell und basiert auf einem Spruch aus dem Pratimoksha-Sutra und der Übersetzung des Mantras des bedingten Entstehens.

Erweiterungen

In der Chöd-Ermächtigung, genannt „Das Öffnen des Himmelstores“, wird Nyima Senge für die spezielleÜberlieferung des Chöd zitiert. Dort merkt er an, dass „diese heiligen Lehren des Durchtrennens der Dämonen […] die Lebensessenz der Dakinis der Mutter-Tantras [sind]. Sie sind die mündlichen Anweisungen der überragenden  Lehrer. Sie sind die auf Erfahrung basierenden Anweisungen der Verwirklichten. Sie sind ein Juwel, das alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllt. Sie sind ein Nektar, der hundert Krankheiten kuriert. Sie sind ein Heilmittel, das hundert dämonischeEinflüsse unterwirft. Sie sind das zeitlose Erkennen, das die fünf Gifte unter wirft. Sie sind das Schwert des Höchsten Erkennens, das die Täuschung durchtrennt.“ Das ist deshalb möglich, weil aufgrund des visualisierten Darbringens des Körpers, der die Basis für Greifen und Festhalten ist, im Geist kein Gefühl von Entität beibehalten wird und Angriffe jeglicher Art dadurch insLeere gehen.

Es gibt unterschiedlichste Visualisationen und Absichten, je nach Erfordernis, die man mit der Praxis des Chöd zusammen ausüben kann. Man kennt dabei die Weiße Gabe, die Bunte (oder Gemischte) Gabe, die Rote Gabe und die schwarze Gabe, und diese werden bedarfsweise mit anderen begleitenden Praktiken kombiniert um Krankheiten zu heilen o.a. zu vollbringen.

Der berühmte Kagyü-Lehrer Karma Chagme hat ein Kompendium an Chöd-Praktiken basierend auf den Lehren der Machig Labdrön und der Niederschrift des 3. Karmapa Rangjung Dorje zusammengestellt, das als „Kostbare Girlande an Chöd-Praktiken“ (Tshogle Rinchen Threngwa) bekannt ist und auch selbst eine Praxis des Chöd imTraum empfangen. In dieser Traumanweisung zum Chöd schreibt er, „dass sogar sterbende Menschen zwölf Jahre durch eine bestimmte Visualisation länger leben würden, wenn sie diese Traumprophezeiung hören würden.“ Und weiter sagt er, dass „diese Visualisation, wenn sie für einen selbst oder andere ausgeführt wird, ist dazu geeignet, um Krankheiten und Hindernisse zu beseitigen. Wenn man sich der Wünsche des Textes nicht mehr erinnert, ist es auch ausreichend, den Vorgang zu visualisieren.“

Abschließende Bemerkungen

Welche Visualisationen genau anzuwenden sind, sollte immer von einem qualifizierten Lehrer erfragt werden. Damit die Praxis des Chöd auch von Erfolg gekrönt ist, muss man die erforderlichen Ermächtigungen in diese Praxis wie z.B. „Das Öffnen des Himmelstores“ oder eine Ermächtigung in Thröma Nagmo empfangen haben und ebenso auch die Textübertragungen inklusive der hinweisenden Erklärungen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. November 2018

Wie Täuschung auftaucht

fee-3041679_1920Wenn dieser Grund nicht genau so erkannt wird, wie er ist, dann wird er durch vorübergehende Täuschung verunreinigt. Dadurch wird der Grund in einer fehlerhaften Art und Weise erfahren und aufgefasst. Dies ist als der „konstruierte Grund der Täuschung“ und „unreine Erscheinung der Täuschung“. Obwohl der grundlegende Raum des ursprünglichen Grundes ursprünglich rein ist, ist er von Natur aus untrennbar von seinen eigenen spontan vorhandenen Erscheinungen. Sie sind eine Einheit. Aufgrund dieser entscheidenden Tatsache geschieht es, dass sich Buddhas manifestieren, wenn der natürliche Zustand verwirklicht wird, wohingegen sich Lebewesen manifestieren, indem sie dieses Erkennen versäumen.
Im Allgemeinen ist das, was wir „Geist“ nennen, etwas, das sich der Objekte bewusst ist. Wäre dies nicht der Fall, wäre eine Täuschung unmöglich, ebenso wie die Verwirklichung von Tatsachen, die frei von Täuschung sind. Die natürliche Disposition des Geistes besteht darin, Objekte zu erfassen. Es ist daher möglich, dass die Natur eines Gegenstandes richtig erfasst wird, beispielsweise ein Seil als Seil wahrgenommen wird. Wird der Geist jedoch durch verschiedene Umstände in die Irre geführt, kann er auch fehlerhaft wahrnehmen, etwa wenn ein Seil als Schlange gesehen wird. Ebenso kann die Selbstdarstellung, die spontan durch die ungehinderte Ausstrahlung des uranfänglichen Bewusstseins erscheint, als Objekte aufgefasst werden. Aus diesem Samen der dualistischen Täuschung erwachsen die Erscheinungen des Daseins in einem gewaltigen Ausmaß.
Dieser Zustand ähnelt Wasser, das vollständig zu Eis gefroren ist. Aus der Perspektive eines Menschen, der alles erfährt und erfasst, was auf gewöhnliche dualistische Weise erscheinen mag, ist die Tatsache großer Reinheit und Gleichheit nicht offensichtlich. Weil solch ein verwirrter Geist im Konflikt mit dem Pfad der Weisheit steht, der Realität der Natur, die als der Grund schlummert und unsichtbar verweilt. Stattdessen erscheint nichts als Täuschung.
Während die Art und Weise, wie diese Täuschung den natürlichen Zustand verdunkelt, im Detail erklärt werden kann, kann sie auch als die Verdunkelungen der vier Zustände zusammengefasst werden: 1) Während des Wachzustandes bewegen sich die Kognitionen der sechs Bewusstseine grob und klar in Richtung ihre Objekte, die verschiedene gewöhnliche Erscheinungen wahrnehmen. Dies verdeckt die Natur des Nirmanakayas, der die völlige Reinheit von Erscheinung und Existenz innerhalb des magischen Netzes ist. 2) Was beim Träumen erscheint, ist lediglich der energetische Geist. Indem man sich auf die Manifestation dieser verschiedenen substanzlosen, selbst ausdrückenden Erfahrungen fixiert, verdunkelt man die Natur des Sambhogakayas der selbst ausdrückenden Weisheitserkenntnis. 3) Während des tiefen Schlafes ziehen sich die Bewegungen des Geistes und der mentalen Zustände zurück, während man in einen dunklen Zustand völligen Vergessens stürzt. Dies verdunkelt die Natur des nichtkonzeptuellen Dharmakayas. 4) Zum Zeitpunkt des Eintauchens werden alle groben Empfindungen durch den Geschmack der Glückseligkeit ausgelöscht. Greifen und Anhaften verdecken in diesem Zustand die Natur des geeinten Svabhavikakayas.
Wenn man also in fortwährender Täuschung fortschreitet, sieht man die Realität der vier Kayas, die darin weilen, nicht. Diese Täuschungen können unmöglich ohne Ursache auftreten. Man fragt sich daher vielleicht, was als ihre Wurzel zugrundeliegt. In den gewöhnlichen Fahrzeugen wird gesagt, dass sie in dem mentalen Zustand des Nichtgewahrseins selbst verwurzelt sind. In den Tantras des Mantrayanas wird jedoch beschrieben, dass sie in der subtilen karmischen Energie verwurzelt sind, die dualistische Wahrnehmungen im Geist auslösen. Alternativ wird Täuschung auch als die Funktion von subtilem Samen, Ei und Energie beschrieben – die Veranlagung für die Übertragung innerhalb der drei Erfahrungen. Außerdem sagt man, dass die extrem subtile Wurzel dieses energetischen Geistes aus der ursprünglichen und unaufhörlichen Selbstdarstellung hervorgeht. Als solches sollte man verstehen, dass alle Erklärungen des in den verschiedenen Fahrzeugen gefundenen Grundes auf den Grund der großen Vollkommenheit herabfallen.


Von Mipham Rinpoche „Lichthafte Essenz – ein Kommentar zum Guhyagarbha-Tantra“; übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. November 2018

Das natürliche Mandala des Grundes

circle-2418236_1920Zu diesem Thema wird gelehrt:

„Ohne Bindung und Befreiung sind dies die Eigenschaften der ursprünglichen und spontan perfektionierten Buddhaschaft.“

Wie dieses Zitat besagt, sind alle Phänomene, die Erscheinung und Existenz umfassen, ursprünglich rein als das Mandala des erleuchteten Körpers, der Rede und des Geistes. Frei von allen Eigenschaften sind sie eine große Gleichheit jenseits von Unterscheidungen und Grenzen. Dieser erleuchtete Zustand ist als das „natürliche und spontan vorliegende Mandala des Grundes“ bekannt. Genau dies wurde im Zusammenhang mit dem Vorspiel erklärt. In diesem essentiellen Zustand ist nie jemand gebunden worden und deshalb wird niemand jemals befreit. Da es frei von allen Aspekten der Dualität ist, ist es auch jenseits von Grenzen und Parteilichkeit. Präsentiert als die Natur der unteilbaren zwei Wahrheiten, ist es als „der wesentliche Grund des natürlichen Zustandes“ bekannt.
Wenn dieser Grund wirklich verwirklicht wird, ist er Nirwana. Wenn er jedoch nicht realisiert wird, ist er der Grund von Samsara. Er wird „Grund“ genannt, weil er die Natur ausnahmslos aller Phänomene von Samsara und Nirvana ist. Weil er in jedem fortwährend und unwandelbar vorhanden ist, von den fühlenden Wesen bis zu den Buddhas, wird er auch „Kontinuum“ genannt. Die Körper und Weisheitserkenntnisse der letztendlichen Frucht manifestieren sich kraft der Verwirklichung der Reinheit dieses Grundes. Aus diesem Grund wird er auch „kausales Kontinuum“ genannt, unter Berücksichtigung der Art und Weise, wie er sich manifestiert.
Mit Bezug auf den leeren Aspekt dieses Grundes sprechen die Mutter der Siegreichen und andere solche Schriften von „dem grundlegenden Raum der Phänomene“, „dem vollkommen Authentischen“ und „der Soheit“. In Anerkennung ihrer Erscheinung als Körper und Weisheitserkenntnisse, bestimmte Sutras, wie jene, die auf das Wesen hinweisen, beziehen sich darauf als „die Essenz des Tathagata“. Hier im Mantrayana der definitiven Bedeutung, wird es als „die Identität“ der großen Reinheit und Gleichheit bezeichnet, „die untrennbaren Wahrheiten von Erscheinung und Leere“ und „das Mandala des Urgrundes“.
Ein „Tathagata“ wird als solcher bezeichnet, weil er diesen Grund, so wie er ist, verwirklicht hat und der so-gegangen ist und zu einem Geschmack mit dem natürlichen Zustand der Soheit geworden ist. In ähnlicher Weise ist ein „Buddha“ jemand, der echte Weisheit in Bezug auf die Bedeutung des höchsten natürlichen Zustands entfaltet hat. Jede Art der Verwirklichung dieses Grundes wird als „der Pfad“ bezeichnet.


Von Mipham Rinpoche „Lichthafte Essenz – ein Kommentar zum Guhyagarbha-Tantra“; übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

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