Verfasst von: Enrico Kosmus | 28. September 2018

Verhalten und Disziplin

vector-2150008_1280Buddhismus, wie ihr vielleicht wisst, meint, dass es zwei, drei oder vier erleuchtete Verkörperungen oder Kayas gibt. Nun können diese Kayas in zwei zusammengefasst werden: den Dharmakaya, der das eigene persönliche Ziel durch die vollständige Erleuchtung im Dharmakaya erfüllt, und den Rupakaya, der für die Erfüllung der Ziele und Bedürfnisse der anderen da ist. Der Rupakaya oder dem erleuchteten Formkörper, ist der Nirmanakaya oder Tulku, der beabsichtigt wiedergeboren wird, um für das Wohlergehen der anderen Lebewesen zu arbeiten; diese werden Bodhisattvas genannt. Obwohl es viele verschiedene Klassen und Familien solcher Individuen gibt, ist der vielleicht bekannteste in den Begriffen des Buddhismus der Buddha Shakyamuni. Es ist möglich, dass ihr die Lebensgeschichte von Buddha Shakyamuni schon gelesen habt; wenn nicht, solltet ihr aber. Wie einige von euch wissen, kam Buddha Shakyamuni beabsichtigt in diese Welt. Er führte während seines Lebens wundersame Taten aus, angefangen mit dem Traum von einem Elefanten mit sechs Stoßzähnen, er gab sein Königreich auf um sich den schrecklichen Entbehrungen als Asket zu unterziehen und schließlich erlangte er den Zustand völliger Erleuchtung der Buddhaschaft. Danach drehte Buddha Shakyamuni das Rad des Dharmas zu drei Gelegenheiten. Außer diesen drei Drehungen gibt es unzählige Wege, bei denen Buddha Shakyamuni das Rad der Lehre gedreht hat, welche dann in neun, drei, zwei oder gar ein Fahrzeug der Lehren Buddhas eingeteilt wurden. Wiederum hängen diese Klassifikationen davon ab, ob die Lehren nun sehr ausführlich oder sehr zusammengefasst sein können.

Buddha Shakyamuni

Buddha Shakyamuni wurde in Lumbini geboren, das möglicherweise damals zum Zeitpunkt seiner Geburt in Indien lag, aber heute zu Nepal gehört. Buddha Shakyamuni als nur einen Nirmanakaya anzusehen, ist sehr begrenzt. Wir müssen uns daran erinnern, dass es viele Weltsysteme mit vielen fühlenden Wesen gibt. Wo immer fühlende Wesen sind, werden sich erleuchtete Wesen manifestieren um diese Wesen zur Befreiung zu führen. Vielmehr sollten wir uns der Qualitäten des Zustandes der Erleuchtung gewahr sein. Der Zustand der vollständigen Erleuchtung bedeutet auch die Möglichkeit, sich in zahllosen Erscheinungen des erleuchteten Körpers, der Rede, des Geistes, der edlen Qualitäten und der wundersamen Aktivitäten zu erscheinen, gemäß den Bedürfnissen aller Wesen in all den Weltsystemen entsprechend ihrer Fähigkeiten. Der Begriff „Buddha“ ist ein Synonym für Vairocana – nampar nangdzed (tib., rnam par snang mdzad) – was auch die Vollkommenheit all dessen, was erscheint, bedeutet.

Buddhaschaft

Vom Standpunkt der absoluten Sicht aus ist der Zustand der Buddhaschaft alles Erscheinende. Da gibt es nichts weiter zu fixieren, da sind keine Begrenzungen. Ebenfalls sind die fühlenden Wesen, die noch immer verwirrt sind, ohne Grenze. Sie sind ebenfalls unermesslich und zahllos. Von den Aufzählungen, wie eben den 1.000 oder 1.002 vollständig erleuchteten Nirmanakaya-Buddhas, die in diesem Weltsystem in diesem glücklichen Zeitalter erscheinen werden, ist Buddha Shakyamuni der Vierte. Buddha Maitreya wird der zukünftige Buddha sein bzw. der Fünfte. Aber wenn wir uns auf diese Zahlen und Unterscheidungen beziehen, müssen wir uns die absolute Bedeutung davon im Geiste behalten.
Jeder der eintausend Buddhas, der in diese Welt kam um den Geist der fühlenden Wesen zu nutzen und zu zähmen, besitzt diese erleuchteten, edlen Qualitäten. Jeder dreht das Rad des Dharmas dreimal auf dieselbe Weise wie Buddha Shakyamuni es getan hat. Das Kommen jedes dieser Buddhas wurde durch den Kangyur, den mündlichen Unterweisungen Buddhas vorhergesagt, und dem Tengyur, den Shastras, den Kommentaren zu Buddhas Lehren, die von hochverwirklichten Aryas geschrieben wurden. Ebenso sind in den Termas, den Offenbarungen der Schatzfinder, viele Vorhersagen auf die Buddhas und Bodhisattvas, die noch kommen. Es ist sehr gut, wenn man diese Schriften liest, dadurch kann man etwas über die unvergleichlichen Manifestationen der erleuchteten Wesen lernen. Andererseits gibt’s eine Tendenz zum Nihilismus. Man entwickelt die starke Gewohnheit der nihilistischen Sichtweise, bei der man nur das glaubt, was man unmittelbar sieht, hört oder berühren oder fühlen kann. Grundsätzlich bedeutet das, wenn man es nicht direkt sehen, hören oder berühren kann, ist man unfähig daran zu glauben, dass es wirklich oder wahr ist. Das führt dazu, dass viele Menschen unfähig sind zu akzeptieren, dass Buddha Maitreya oder irgendein zukünftiger Buddha kommen wird. Noch können sie glauben, dass es Buddhas oder erleuchtete Wesen in der Vergangenheit gegeben hat. Tatsächlich wird es sehr schwierig für jene sein, Buddha Shakyamuni zu glauben, weil er nicht länger direkt gesehen werden kann. Solch eine Person würde vielleicht auch die eigenen Großeltern verneinen, wenn diese gestorben sind, bevor er/sie geboren wurde. Was sagt uns das? Das ist ein sehr beschränktes, sehr eingeschränktes, sehr begrenztes Denken über Wirklichkeit – nur daran zu glauben, was berührbar, was sichtbar oder hörbar oder fühlbar ist. Ist dieses Individuum, das nur an diese Lebenszeit glaubt und für nur für diese Lebensspanne lebt eine unberührbare, eine schlechte Person? Nein. Aber es bedeutet, dass deren Karma noch immer sehr verschmutzt, sehr verunreinigt ist. Sie haben es verabsäumt, irgendwelche innewohnenden, edlen Qualitäten zu entwickeln. Sie könnten es sicherlich, aber haben es nicht gemacht, sie zu entwickeln, sie haben keine Vertrautheit mit der buddhistischen Sicht, der Meditation oder dem Verhalten. Sie haben die Phänomene falsch verstanden, was aber nicht ungewöhnlich ist. Jedes Lebewesen in dieser Welt ist in dieser Bedingung, weil er oder sie die Phänomene fälschlich erfahren. Das schließt jeden von uns ein. Die Art, wie wir die Dinge sehen ist zum größten Teil falsch. Wie nun immer, wenn wir den Lehren des Buddhas vertrauen, bringen uns diese weg von dem Extrem des Nihilismus. Wir haben etwas, an das wir glauben können, und wir können ein Verständnis der grundlegenden Realität entwickeln anfangen. Viele Tibeter, wie natürlich alle Menschen, sind sehr starrsinnig, was das Missverstehen der Phänomene angeht. Manche ältere Tibeter sind so starrköpfig, dass sie es ablehnen zu glauben, dass sie Fehler gemacht haben könnten. Wenn sie ihre Notdurft verrichten, würden sie sagen, sie hätten es nicht getan, selbst wenn es an ihren Kleidern ersichtlich wäre. Das ist sehr schamlos. Viele Menschen sind wie sie. Sie denken, dass sie niemals einen Fehler gemacht haben. Sie denken, dass ihre Dinge niemals falsch sind. Das Problem ist, dass für sie die Dinge nur schlecht laufen, und sie möglicherweise sehr dumm und vulgär werden. Bitte denkt sorgfältig darüber nach.

Eternalismus und Nihilismus – die irrtümlichen Sichtweisen

Wir müssen verstehen, was der Irrtum bei den Phänomenen ist und uns selbst korrigieren. Es ist sehr wichtig, dass wir den Belehrungen vertrauen und daran glauben, dass Buddha Maitreya in der Zukunft erscheinen wird. Unaufhörlich werden erleuchtete Wesen erscheinen; Buddha Maitreya selbst sprach von seiner Ankunft im Anuttaratantra. Diese Prophezeiungen sind sehr greifbar in den Schriften dokumentiert. Von diesem Standpunkt der Sicht aus ist es für uns einfacher daran zu glauben. Wenn man auf jemanden trifft, der den Standpunkt des extremen Nihilismus vertritt, sprecht also nicht zu harsch über die Fehler jener, die diese haben, weil sie am Irrtum über die Phänomene leiden. Eigentlich sollten diese Leute die Objekte unseres Mitgefühls sein.
Spricht man von Nihilisten, glaubt ihr, dass es nur ein paar wenige hier gibt? Nein, ganze Länder sind nihilistisch, vergleichbar mit kommunistischen Staaten; und dem entgegen sind ganze Länder eternalistisch. Eigentlich sind wir beides – nihilistisch und eternalistisch. Wenn ein Mensch nicht fähig ist, den Dharma rein zu praktizieren, ist es sicher, dass sie nihilistische Tendenzen und Gewohnheiten haben, die sie davon abhalten, den Dharma so ernsthaft wie gewünscht zu praktizieren, da ihr Augenmerk auf diesem Leben liegt. Wenn eine Person nach dem, was nicht-existent ist als wirklich wahr greift, nach dem, was keine wirkliche Wahrheit hat als wahr greift, inhärent, dauerhaft existent, dann ist dies die extreme Sicht des Eternalismus. Nihilismus und Eternalismus sind ein Gegensatz zum Buddhismus, der frei von diesen beiden Extremen ist. Man sollt das ständig vergegenwärtigen; wir müssen daran glauben, dass zukünftige Buddhas kommen werden. Der gegenwärtige Buddha ist gekommen, unzählige Buddhas werden in der Zukunft erscheinen und zahllose Belehrungen der verschiedenen Kategorien geben – Hinayana, Mahayana, Vajrayana, die verschiedenen Tantras. Es gibt vier Schulen des tibetischen Buddhismus – Nyingma, Kagyü, Sakya, Gelug – aber ebenso viele Zweige und Untergruppen dieser Schulen. Es gibt eine Menge ordinierter Mönche und Nonnen und Laien-Praktizierender. Ihr könnt jedes Individuum, das offensichtlich sehr stark in seine buddhistische Praxis involviert ist fragen: „Kamen Buddhas in der Vergangenheit? Werden Buddhas in der Zukunft erscheinen?“ Ihr könnt sie auch fragen: „Gibt es wirklich so etwas wie Karma? Existieren Ursache und Wirkung wirklich? Ist das wirklich wahr?“ Wieso könnt ihr sie fragen? Ich weiß, alle von euch lieben Fragen, also geht voran und fragt.
In den Termas, den Schatztexten, befinden sich die Belehrungen zu den sechs Bardos, den Zwischenzuständen. Da gibt es auch Belehrungen zu den sechs Buddhas der sechs Bereiche. Zum Beispiel hat jeder der Nirmanakaya-Buddhas des Bereichs der Götter, der Titanen, der Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenwesen seinen eigenen Namen, so wie Buddha Shakyamuni in unserem menschlichen Bereich. Das Studium der verschiedenen Nirmanakaya-Buddhas, die die Wesen führten und ihnen in diesen Bereichen nützten, hilft das Vertrauen in die buddhistische Sicht zu fördern. Andererseits können wir vermuten, Guru Rinpoche hat dies alles erfunden. Oder vielleicht Kuntuzangpo hat geschwindelt, oder vielleicht haben die Buddhas der zehn Richtungen uns getäuscht. Natürlich ist so etwas unmöglich! Ja, es wird einen zukünftigen Buddha Maitreya geben. Ja, man wird unzählige zukünftige Wiedergeburten haben, egal ob man daran glaubt, wenn man stirbt, dass das Karma einem nicht folgt und man einfach verschwindet wie Wasser, dass verdunstet oder sich einfach auflöst. Wenn man diesem zustimmt, dann ist man ein Nihilist. Andererseits wenn dies nicht akzeptabel ist, dann werdet ihr Buddhas Lehren vertrauen. Ihr solltet sonst nicht den Belehrungen über Shunyata zuhören, über die Natur der Leerheit, die besagen, dass da keine Form ist, kein Klang, kein Geruch, kein Geschmack, keine Berührung und so weiter, und dann denken: „Ja, das ist’s, ich glaube daran. Keine dieser Bestandteile existiert wirklich, sie sind ihrer Natur nach leer.“ Oder nach dem Hören von Dzogchen-Belehrungen glaubt nicht: „Das ist es. Das ist die Sicht, die ich umfasse,“ und dann einfach davon gehen, ohne weiter nachzuforschen oder zu praktizieren, dann baut das nur Verblendung und Stolz auf. Das bedeutet, dass man schamlos und vulgär wird. In diesem Leben wird man unermessliches Unglück finden. In den zukünftigen Leben wird man in die tiefsten Bereiche fallen. Alle die mit euch in Kontakt kommen, wenn man mit dieser Sicht sich als Lehrer bezeichnet, werden ebenso in die niederen Bereiche geführt werden. Es ist sehr wichtig, dass man sorgfältig von solch einer Falle Abstand nimmt. Bezogen auf den Dharma wollen wir sicherlich nicht noch mehr Untugendhaftes ansammeln; wir haben schon genug davon.
Wer sind nun diese Individuen, die wirklich nihilistisch sind? Es sind solche, die tiefgründige Belehrungen gehört haben, aber denen es an Vertrauen oder Hingabe mangelt. Sie haben nicht wirklich die grundlegenden Belehrungen des Buddhismus verinnerlicht, aber hören sich die tiefgründigen Instruktionen über das Absolute, nennen wir’s Dzogchen oder Shunyata, an und glauben, dass wäre alles, was nötig ist zu machen. Sie bauen nur Verblendung und Stolz auf und setzen als Nihilisten die Ansammlung des schweren, negativen Karmas fort. Um davon Abstand zu nehmen, müssen wir den Pfad der vergangenen, großen Linienhalter und Praktizierenden dieser Tradition des Buddhismus kennen. Wir müssen unsere Anführer studieren, die Linienhalter des Weisheitsgeistes der Buddhas, der Symbol-Merkmal-Linie der reinen Gewahrseinshalter und der Linie der mündlichen Überlieferung der gewöhnlichen Individuen. Wir müssen die Gepflogenheiten für das Halten der Linie auf dieselbe Weise kennen, wie sie selbst und diese hochhalten, sodass wir fähig sind, Sittlichkeit zu bewahren und in diese Fallgruben stürzen. Der Schlüssel dazu ist das, was man als die „drei Übungen“ bezeichnet, die mit Sittlichkeit, dem Wissen, wie man sich am Pfad verhält und der Praxis am Pfad zu tun haben. Der dafür gebrauchte Begriff ist gewöhnlich „das Halten des Juwels der drei Übungen“, durch das man reine Sittlichkeit oder Verhalten aufrecht hält. Dies schützt einen davor, ein buddhistischer Nihilist oder ein buddhistischer Eternalist zu werden. Es schützt durch das Halten des Juwels der drei Übungen, sonst wird man – selbst im Namen des Buddhismus, um es so zu sagen – weiterhin verwirrt über die Phänomene sein. Vorläufig wird man in diesem Leben in Samsara leiden und letztendlich wird man auch das Leiden in den zukünftigen Leben fortsetzen. Wenn jemand nicht verwirrt und fähig ist, diese Übungen zu schützen und auszuführen, dann wird man zeitweilig mehr Glück haben und schließlich wird man Erleuchtung erlangen.
Die drei Übungen sind nicht wie die äußeren Opferungen, die man am Altar macht. Es ist eine innere, nach innen schauende Prüfung des eigenen Geistes und der eigenen Motivation. Man arbeitet mit diesem Prozess als eine Form der Übung. Es macht nichts, wer man ist; diese Belehrungen betreffen alle Arten von Praktizierenden – männliche, weibliche, vollständig ordinierte, teilweise ordinierte, buddhistische Laienpraktizierende, Ngakpas, Ngakmos, tantrische Praktizierende – was immer der Fall sein mag. Wenn man mit diesen Übungen beginnt, soll man dies nicht nur für einen Tag machen oder solange bis man dadurch müde wird. Man setzt diese Übung nicht nur so lange fort, bis man die Erleuchtung verwirklicht hat, sondern bis alle anderen Wesen in denselben Zustand gebracht worden sind. Weiters übt man sich in Sittlichkeit und einer entsprechenden Art des Verhaltens von sich als Praktizierenden nicht nur, wenn andere Leute einem zusehen. Man macht dies auch, wenn man ganz allein ist. Man macht diese Übungen nicht nur, wenn man im Tempel und in der Sangha ist, und dann vielleicht mit dem Üben aufhört, wenn man in seiner eigenen Umgebung oder dem eigenen gewöhnlichen weltlichen Leben ist. Das ist nicht damit gemeint. Es bedeutet beständiges und andauerndes Üben, egal ob jemand einem zusieht oder nicht. Daher werde ich mein Bestes geben, zu diesem Thema aus einem kurzen Text zu lehren, der von S.H. Dudjom Rinpoche verfasst wurde, welcher die momentane Manifestation des Segens des Geistes von Guru Rinpoche und Yeshe Tsogyal, der Herzenssohn ihrer Vereinigung, ist. Wer war der erste Buddha der eintausend Buddhas? Wer ermächtigte die Buddhas zu folgen, so wie Nuden Dorje und wer war der große Übersetzer Khyechung Lotsawa? Wer wird Möpa Thaye sein, der letzte Buddha dieses Zeitalters des Lichts. Alle der großen Linienhalter waren seine Beispiele. Als ein wahrer Halter und Nachfolger der Linie schrieb er diesen Text, um uns vor dem Fall in die Grube zu bewahren, damit wir weder buddhistische Nihilisten noch Eternalisten werden.
Ebenso ist anzumerken, dass diese Belehrung um die eigene Übung zu stützen für alle Kategorien von Praktizierenden gemacht wurde, einschließlich Tulkus, Lamas und spirituelle Führer. Es ist nicht der Fall, dass ein hoher Lama dieses Training nicht befolgen müsste; keinesfalls. Tatsächlich ist dieses Training ein deutlicher und offensichtlicher individueller Aufstieg der Bodhisattva-Entwicklungsstufen, von der ersten bis ganz hinauf. Es ist ebenfalls wahr für Äbte und Khenpos. Es ist notwendig für alle Praktizierenden, ältere und neuere ebenso auf allen Stufen, diese Übung auszuführen. Dieser Tage scheint es eine neue Idee zu sein, dass Lehrer und Tulkus denken, sie hätten es nicht notwendig, dieses Training durchzuführen, ihre Schüler allerdings schon. Das ist nicht korrekt. Alle Wesen – alle Lehrer und alle Schüler – müssen dieses Training ausführen.

Regeln und Ordnungen

Regeln und Anordnungen sind nicht einzigartig im Buddhismus; sicherlich werden alle gültigen Religionen und spirituellen Traditionen Regeln und Anordnungen haben. Obwohl ich nicht alle diese Regeln und Anordnungen dieser anderen Traditionen kenne, bin ich mir sicher, dass es sie gibt. Selbst in einem weltlichen Sinne haben wir die Kategorien von Friedenszeiten und Kriegszeiten, wo dann Angriff notwendig ist. Das Familienleben erfolgt auch entsprechend der Regeln und Ordnungen. Als menschliche Wesen können wir nicht das totale Chaos haben. Wir brauchen ein Gefühl für Ordnung. Wir müssen Richtlinien haben, denen wir folgen können, damit die Dinge ordnungsgemäß sind, ausgewogen, und in unserem Fall, damit wir mit unserer spirituellen Arbeit fortfahren können. Selbst Tiere haben Regeln und Ordnungen. Ihr mögt jemanden sagen hören: „Oh, dies und jenes ist schlechter als ein Hund.“ Aber eigentlich sind Hunde häufig besser dran als menschliche Wesen, weil sie zumindest ihre eigenen natürlichen Regeln und Ordnungen haben. Hunde haben einen Kodex nach dem sie leben. Wenn dieser Kodex gebrochen wird, wenn sie unfair behandelt werden, mögen sie heulen oder bellen, aber grundsätzlich sind sie fair und sie haben ein System, in dem sie arbeiten. Menschen sind meistens schlechter als Hunde. Selbst Hühner haben Regeln und Ordnungen. Selbst Löwen und Tiger haben Regeln und Ordnungen. Eigentlich machen das alle Tiere so, besonders wenn sie ihre Jungen bewachen. Selbst ein hilfloses Kind, das in der Krippe liegt, hat seinen eigenen Kodex von Regeln und Ordnungen. Ganz natürlich lassen sie es einem durch ihr Schreien wissen, wenn sie hungrig sind; wenn sie satt sind, schlafen sie ein. Ein Kind schreit nicht weiter nach Essen, wenn es voll ist. Stattdessen wenn wir heranwachsen, werden wir wild und unbändig. Wir vermeiden Regeln und Ordnungen, und treten dafür ins Chaos ein, durch das Ignorieren unserer Grenzen. Niemals sind wir zufrieden, wir wollen immer mehr. Das kommt daher, weil wir den Leidenschaften erlauben, uns zu kontrollieren – wie das Nichtwissen wann wir mit dem Essen aufhören sollten, obwohl wir schon genug haben. Wenigstens sollten wir den einfachen Richtlinien der Tiere folgen, weil meistens wissen diese, wann sie mit dem Essen aufhören, wenn sie voll sind – außer Schweine. Selbst wenn Buddha Shakyamuni vor uns stehen würde und uns sagen würde, wir sollten mit dem Töten anderer Lebewesen aufhören, wären wir so starrsinnig, dass wir zwar zustimmen und dann mit unserer anderen Hand hinter unserem Rücken den Unsinn weiter machen würden. So unbändig sind wir geworden.

Von Gyatrul Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2010). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. September 2018

Samsara und Nirvana unterscheiden

Prinzipien der Dzogchen-Praxis von Khorde Rushen

von Nyoshul Khen Rinpoche

raindrop-3402550_1920Grundsätzlich gibt es in unserem Geist die Buddha-Natur, die tatsächliche Dharmata, die leeres und erkennendes, selbst-entstehendes, uranfängliches Gewahrsein ist, in dem die drei Buddha-Körper (kaya) vollständig gegenwärtig sind. Sie war schon immer da, spontan vollkommen. Doch genauso  wie die Sonne von Wolken verdeckt ist, ist der erleuchtete Körper durch den gewöhnlichen Körper verdeckt, die erleuchtete Rede durch gewöhnliche Rede verdeckt, der erleuchtete Geist durch den gewöhnlichen Geist verdunkelt, und subtile Klar-Lichtheit wird durch Erlebnishaufen, Elemente und Sinneswahrnehmungen verdeckt.
Hier in der zyklischen Existenz bleiben wir innerhalb der Grenzen von Karma, das durch unseren unreinen Körper, Rede und Geist, sowie durch mentale Bedrängnisse und gewohnheitsmäßige Neigungen angesammelt wurde, und als Folge davon, dass wir unsere eigene essentielle Natur nicht erkennen, sind wir getäuscht.
Zu Beginn, als Vorbereitung auf den Pfad, müssen wir daher eine klare Unterscheidung oder Trennung zwischen dem gewöhnlichen Geist (tib., sems) und dem reinen, uranfänglichen Gewahrsein (tib., rig pa) vornehmen, wobei wir die Phänomene des Geistes als Domäne oder Geltungsbereich von Täuschung und Saṃsara, aus der Domäne oder Geltungsbereich von Nirvaṇa, d.h. reines, uranfängliches Gewahrsein und die Abwesenheit von Täuschung. Mit anderen Worten, wir müssen den gewöhnlichen Körper, die gewöhnliche Rede und den gewöhnlichen Geist und die damit verbundene Anhaftung, die Saṃsara umfasst, vom Körper, der Rede und dem Geist ohne Anhaftung oder die natürlich entstehende Weisheit des Gewahrseins, die Nirvaṇa umfassen, trennen.
Das Vorgehen hier ist, wie wenn man Wasser im Ohr hat und dann mehr Wasser hineingießt, um es zu entfernen oder in einem Feuer verbrannt wird und dann die Hitze des Feuers benutzt, um den Schmerz zu lindern. In ähnlicher Weise erreicht man dies, indem man diesem außergewöhnlichen Pfad der geschickten Mittel des geheimen Mantras folgt und Khorde Rushen (tib., ‚khor ‚das ru shan; das Unterscheiden von Samsara und Nirvana) praktiziert und so einen Zustand der Erschöpfung von Körper, Rede und Geist verwirklicht. In diesem Fahrwasser können jene mit der höchsten Fähigkeit, die die essentielle Natur des Geistes aufrechterhalten, die Natur des Geistes dort und danach erkennen. Selbst wenn man geringe oder durchschnittliche Fähigkeiten hat, wird es einem leichter fallen, das Gewahrsein der drei Buddha-Körper zu erkennen, auf das in der Hauptpraxis hingewiesen wird.
So können die beiden Arten des Unterscheidens und Trennens (Rushen) – äußerlich und innerlich – sowohl die Ursachen als auch die Wirkungen der zyklischen Existenz beenden. Daher ist diese vorbereitende Übung des Unterscheidens und Trennens (tib., ru shan) auf der gewöhnlichen Ebene gut für das Reinigen der Verschleierungen von Körper, Rede und Geist, sowie für die Befriedung von Hindernissen und führt uns letztendlich dazu, die höchste Vollendung zu erlangen und den erleuchteten Körper, Rede und Geist oder die drei Buddha-Körper zu erkennen, die Essenz, Natur und Mitgefühl sind.
Deshalb führt man dies als eine Vorbereitung aus, bevor man in die makellose Weisheit der Hauptpraxis eingeführt wird, so wie sich Reisende auf einer heimtückischen Reise einem Führer anvertrauen. Dieser Punkt wurde von den großen Meistern der Vergangenheit gemacht, insbesondere von Nyoshul Lungtog Rinpoche (tib., smyo shul lung rtogs bstan pa’i nyi ma).
Danach kann man Schritt für Schritt in die Hauptpraxis eingeführt werden. Durch die Arbeit mit dem groben Körper, der Rede und dem Geist in dieser Praxis des Unterscheidens und Trennens reinigen wir die subtilen Kanäle, die Wind-Energien und die Essenztropfen (tib., rtsa rlung thig le). In der Tat sind sie tatsächlich genau gleich. Der einzige Unterschied zwischen ihnen besteht in ihrer Subtilität.
Der grundlegende Punkt ist folgender: Indem man mit Körper, Rede und Geist auf eine kraftvolle, spontane Art und Weise handelt, genauso wie man mehr Wasser hineingießt, um Wasser aus dem Ohr zu entfernen, werden die eigene unreine Wahrnehmung und Aktivität gereinigt und man gelangt über die Anhaftung hinaus. Als Ergebnis werden die drei Tore des natürlichen Zustandes, des Körpers, der Rede und des Geistes der Erleuchtung oder der Essenz, der Natur und des Mitgefühls der natürlich entstehenden Weisheit des Gewahrseins erreicht. Es ist als ob man einen Führer auf einer heimtückischen Reise hätte, besonders für die Einführung in die Natur des Geistes in der Hauptpraxis von enormem Vorteil, weshalb es als Vorstufe dient. Hier könnte man sich fragen, ob gewöhnliche Handlungen wie Laufen, Springen, Gehen, Sitzen und Bewegen ähnliche Auswirkungen haben können, da sie ähnlich sind. Die Antwort ist, dass sie tatsächlich sehr unterschiedlich sind.
Der Grund [die Ursache] ist anders, da hier die Handlungen mit einer besonderen Motivation ausgeführt werden. Die geschickten Mittel und die Weisheit des geheimen Mantras werden verwendet, um die Weisheit des eigenen Bewusstseins zu entdecken. Der Pfad ist auch anders, da dieses Unterscheiden und Trennen von Körper, Rede und Geist mit der Übung von geschickten Mitteln Anhaftung, Abneigung und Nichtgewahrsein durchtrennt, mit dem Resultat, dass sie nur reduziert, aber niemals gestärkt werden können.
Es macht auch einen großen Unterschied im Ergebnis der Praxis, die die große Weisheit des Gewahrseins ist. Diejenigen mit der höchsten Fähigkeit werden dies direkt erkennen und jene mit durchschnittlichen und geringen Fähigkeiten werden feststellen, dass sich ihr gewöhnlicher Geist weniger verfestigt ist, so dass es für den Sinn der Einführung einfacher ist, den Nagel auf den Kopf zu treffen. Gewöhnliche Aktivität ist hingegen eine Ursache für die zyklische Existenz. Es verursacht nur Zuneigung, Abneigung und Täuschung. Es dient dazu, die natürlich entstehende Weisheit, die die Natur des Geistes ist, zu verschleiern. Und indem sie die unendliche Kette der dualistischen Wahrnehmung fortsetzt, pflanzt sie im Allgrundbewusstsein (tib., kun gzhi rnam shes) weiteres Karma, das einen dazu bringt, endlos in der zyklischen Existenz umher zu wandern. Es fördert nur die Verblendung und kann niemals eine Ursache der Befreiung sein.
Da ferner die Praxis des Unterscheidens und Trennens (tib., ru shan) alle unsere gewöhnlichen weltlichen Handlungen in den Pfad integriert, so wie sie sind, ohne sie im geringsten zu ändern oder anzupassen, ist es ein einzigartiges Merkmal des Dzogchen, das mit der wundersamen Sicht des Wurzeltantras, dem „Tantra des ungehinderten Klangs“ (tib.,dra thal ‚gyur; Dra Thalgyur) und anderen Texten übereinstimmt. In den Ursachen- und Ergebnisfahrzeugen [d.h. Sutrayana und Vajrayana] hingegen mag man vielleicht Geistestechniken vorfinden, die das Praktizieren von tugendhaften Taten, das Visualisieren von Meditationsgottheiten und das Rezitieren von Mantras oder die meditativen Versenkungen der Erzeugungs- und Vollendungsstufen beinhalten, aber nichts davon ist gleich diesem hier. Sucht in der Schrifttradition und ihr werdet es selbst erfahren. Wie der allwissende Longchenpa sagte: „Obwohl es nicht unvernünftig ist, mit Aufwand nach Ursache und Wirkung zu üben, ist es im höchsten Fahrzeug angebracht, gelassen und unerschütterlich zu verweilen.“ Und: „Atiyoga lehrt die Untrennbarkeit von Ursache und Wirkung. Nicht durchführbar in niedrigeren Ansätzen, ist es hier jedoch ein entscheidender Punkt.“
Dies ist äußerst wichtig, um alle wichtigen Punkte des Dzogchen-Pfades zu verstehen. Diese Praxis des Unterscheidens und Trennens beseitigt die gegenwärtigen Ergebnisse, die die tatsächlichen Phänomene der zyklischen Existenz sind, die durch vergangene Handlungen hervorgerufen sind. Sie beendet auch Anhaftung, Abneigung und Nichtgewahrsein, die die Samen oder Ursachen zukünftiger weltlicher Erfahrung sind. Indem beide ausgelöscht werden, bringt es einen direkt zur großen Weisheit des Gewahrseins, das Nirvaṇa ist.
Da dies eine wunderbare Methode ist, um die Natur der zyklischen Existenz und Nirvaṇa genau zu identifizieren und den gewöhnlichen Körper, Rede und Geist in der Natur der drei Vajras oder innerhalb der Weite von Wesen, Natur und Mitgefühl zu befreien, wird es Khorde Rushen [Unterscheiden und Trennen von Samsara und Nirvana] genannt, das die Geltungsbereiche von Saṃsara und Nirvaṇa trennt. Es gibt äußere und innere Praktiken des Unterscheidens und Trennens von Samsara und Nirvana. Ersteres basiert auf der Sicht des „Tantras des ungehinderten Klangs“ (tib., dra thal ‚gyur) und ganz allgemein auf den Dzogchen-Tantras, während letzteres auf der Sicht des „Tantras der Leuchtenden Weite“ (tib., klong gsal ‚bar ma; Longsal Barma Tantra) basiert. Obwohl im „Tantra der Selbstexistierenden Vollkommenheit“ (tib., rdzogs pa rang byung; Dzogpa Rangjung) eine Methode zur Reinigung der sechs Klassen unter Verwendung der sechs Silben gelehrt wird, ist es hauptsächlich eine Übung für die Toten. Dennoch glaube ich nicht, dass es einen wirklichen Widerspruch darin gibt, von den Lebenden praktiziert zu werden.

Deutsche Übersetzung vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018), verglichen mit der englischen Übersetzung von Adam Pearcey (2018) von Lotsawahouse.org. Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. September 2018

Reine Sicht und Verhalten

Von Shakyashribhadra

nut-2638493_1920In indischer Sprache: Vishuddhadarshanacarya upadesha nama.
In tibetischer Sprache: lta spyod rnam dag gi man ngag.
(In deutscher Sprache: Eine Anweisung über vollständig reine Sicht und Handlung)

Dem Bhagawan, dem Löwen der Shakya bezeuge ich meine Verehrung!
Wie in einem Traum gibt es keine äußere Welt. Wie in einer Illusion gibt es keine wahre Realität. Genauso wie der Raum frei von Merkmalen ist, sind alle Phänomene ihrer Natur nach klar-licht.
Jenseits von Kommen, Verweilen oder Gehen ist der Erleuchtungsgeist. Erhaben weitreichend, geschickt zum Wohle der Wesen, ist der überragende Pfad der ungetrennten beiden Ansammlungen. So meditiere Leerheit mit Mitgefühl als die Herzessenz.

Somit ist die Anweisung über vollständig reine Sicht und Handlung wurde vom großen Gelehrten Kashmirs, dem Dharma-Herrn Shakyashribhadra vollständig. Dies wurde in Throphu Zhanglung in Gegenwart des großen Gelehrten selbst vom Lotsawa Jampa’i Palgyi übersetzt.


Aus „Essentielle Anweisungen über buddhistische Sichtweisen“ von Khache Panchen Shakya Shri. In die deutsche Sprache übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. September 2018

Ursachen und Bedingungen

manipulation-1875815_1920Die Ursache ist der anfangslose Geist selbst. Obwohl er weder begrenzt oder unvollständig ist, bringt sich dieser Geist selbst zum Ausdruck. Er ist leer in seiner Essenz, aber dennoch klar in seiner Natur und seine Manifestationen erscheinen ungehindert wie nichts.
Dieser Geist selbst ist sich seiner selbst nicht gewahr und von den Bewegungen des gestaltgebenden Denkens aufgewühlt, so wie Wasser von seinen Wogen.
Begutachter und Wahrnehmende erscheinen als zwei: der Geist selbst projiziert sich selbst und nimmt das wahr. Weil es erscheinende Aspekte – das Denken bewegt sich nach außen – erscheint das Bewusstsein, dass die Objekte als darauf verweisend wahrnimmt.
Gefühle erscheinen aufgrund des Annehmens oder Zurückweisen von Objekten. Unterscheidungen sind die Auffassungen dieser Merkmale der Objekte. Formative Vorgänge bezeichnen die Erscheinungen der Objekte als anderes und durch das Festhalten daran wird der Erlebnishaufen der Form begründet.
„Die Ursachen sind die fünf Felder und Bewusstsein als das sechste“, wird als ein Grundsatz des begrifflichen Geistes verkündet. Das Grundbewusstsein, in dem solche latenten Tendenzen aufbewahrt werden, wird die ursächliche Bedingung genannt. Die dominanten Bedingungen sind die Sinnesfähigkeiten – der Sehsinn und die anderen – die als Vermittler auftreten. Die gegenständlichen Bedingungen sind das, was erkannt wird, und das ist das, was als Objekte – Form usw. – erscheint. Was als „unmittelbare Bedingungen“ bezeichnet wird, ist deshalb unmittelbar auf das, was immer vergangen ist, einschließlich der sechsten mentalen Aktivität. So geschieht es, dass die Phänomene von Samsara und Nirvana aufgrund der bedingt entstandenen Ursachen und Bedingungen.
Verlangen und Greifen bilden ein Glied, erschaffen Dasein.
Die Wesen im Begierdebereich und den formhaften und formlosen Bereichen verstehen die Merkmale der Objekte dementsprechend im geringeren, mittleren und größeren Grade. Alle Bereiche werden durch Gedanken des Annehmens und Zurückweisens erschaffen. Die Bedingungen der drei Arten gestaltbildender Kräfte – heilsam, unheilsam oder unspezifisch – lassen die Resultate von Glück, Leiden und Versenkung entstehen. Alle von ihnen beinhalten geistige Bedrängnisse. Das ist die Phase des unreinen Geistes selbst.
Jene, die wissen, dass solche Makel vorübergehend sind und sie reinigen, indem sie Methoden verwenden, von denen sagt der Siegreichen [Buddha], dass sie auf dem Pfad sind. Makellos und gereinigt zu sein, bedeutet „Buddha“ zu sein. Somit sind alle Wesen Buddhas.

Dies beschließt das erste Kapitel „Übersicht und allgemeine Präsentation der Ursachen und Bedingungen“ aus „Tiefgründige innere Prinzipien“ (tib.,zab mo nang don) des 3. Karmapa Rangjung Dorje (rang ‚byung rdo rje; *1284 – 1339).


Übersetzt vom Ngak’chang Randrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. September 2018

Der rasche Pfad der Mahamudra

Der rasche Pfad der Mahamudra, um ein machtvoll Realisierter zu werden.

Von Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye

waterfalls-2987477_1920Verkörperung aller Objekte der Zuflucht, kostbarer Guru, bitte inspiriert uns mit Eurem Segen!
Jetzt, wo du diese einzigartige Gelegenheit mit ihren Freiheiten und Reichtümern erlangt hast, ich flehe dich an, benutze es, den Dharma zu Gunsten zukünftiger Leben zu praktizieren. Das menschliche Leben ist wie die Sonne, die zwischen den Wolken scheint: es kann in einem Moment weg sein, ohne etwas erreicht zu haben. Und das Bedauern im Augenblick des Todes wird vergebens sein. Also praktiziere geradewegs mit Fleiß und Begeisterung.
Der Dharma ist weitreichend und hat viele Formen. Aber die Lehren, die Buddhaschaft in einem einzigen Leben bringen sind die beiden letztendlichen Systeme von Mahamudra und Dzogchen. Die Mahamudra der Glückseligkeit und der Leerheit auf dem Pfad der geschickten Mittel ist die eigentliche Praxis des geheimen Mantras, aber diejenigen, die es praktizieren, sind selten. Die Mahamudra des Angeborenen auf dem Pfad der Befreiung ist eine einfachere Praxis, die große Belohnung bei geringem Risiko bietet, und ist für alle von Vorteil, unabhängig von deren Fähigkeit.
Nimm dir dafür die Praxis in ihrer wesentlichen Form zu Herzen. Motiviere dich mit Nachdenken über Vergänglichkeit und Tod, und beschränke alle unnötigen Aktivitäten und Vorhaben. Erzeuge Abscheu und Entsagung aus der Tiefe deines Herzens für die gesamte zyklische Existenz und ihre drei Bereiche. Reinige deinen Geist mit den Vorbereitungen am Anfang. Dann für den Hauptteil, praktiziere Guru Yoga, und lass deine Hingabe sich entwickeln und zunehmen.
Mit deinem Körper in der richtigen Haltung, blicke in die Essenz des Geistes, sei er in Bewegung oder in Ruhe. Ob er in Bewegung ist oder nicht, seine Natur bleibt gleich. Verweile daher in einer unveränderten Erfahrung seines Wesens. Es ist wichtig, dass du ständig achtsam und bewusst bist.
Wenn sich eine stabile Geistesruhe entwickelt, dann, ohne absichtliche Anhaftung oder Fixierung, mische dies mit Sinneswahrnehmungen und Gemütszuständen, und integriere so deine Gedanken in den Pfad. Wenn du einen flüchtigen Gedanken im gegenwärtigen Moment bemerkst, indem du seine Essenz mit durchdringender Präsenz betrachtest, wird er von selbst befreit und dämmert als Dharmakaya.
Es gibt keine andere Aktivität in der Essenz des Geistes, also manipuliere den Geist nicht im nächsten Moment. Ohne zu versuchen, deine Gedanken zu verändern, bleibe entspannt, unabgelenkt, während der Nichtmeditation. Im natürlichen Fluss des wahren Geistes, wie er tatsächlich ist, wirst du rasch ein mächtiger Herrscher der Erkenntnis werden.

Als Antwort auf eine Bitte von Dharmatara, die ein oberster Guru und Führer ist, wurde diese kurze Zusammenfassung vom Bettler Lodrö Thaye dargeboten.


Entnommen aus Jamgön Kongtruls „Elixier der Herzensratschläge“ (tib., zhal gdams snying gi bdud rtsi).
Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018); verglichen mit der Übersetzung von Adam Pearcey (2015) von Lotsawahouse.org.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. September 2018

Zwei Pfade der Stufen der Erzeugung

ocean-3605547_1920Dann fragte der Bodhisattva Vidyavajra: „Oh Lehrer, Bhagavan, indem man den zeichenlosen Dharmakaya, frei von allen Extremen der begrifflichen Ausschmückung, als den Grund nimmt und sich bewusst macht, dass für Schüler, die nach Dauerhaftigkeit greifen, die Pfade offenbart werden, die Zeichen und Objekthaftigkeit haben. Wie praktiziert man diese Lehren? Möge der Lehrer das erklären!“
Er antwortete: „Oh Vidyavajra, es gibt viele Aufzählungen hinsichtlich den selbstbezogenen Pfad der Stufe der Erzeugung, aber hinsichtlich des Pfades des Geheimen Mantra Vajrayana gibt es den sogenannten, vollständige, endgültigen Pfad und den sogenannten natürlichen Pfad der machtvollen Sicht. Der vorherige offenbart die Gottheiten und Buddha-Felder als definitiv existente, selbstbestimmende Objekte und betont einzig den Pfad der konventionellen, geschickten Mittel. Die letztendliche Sicht wird bloß impliziert, aber nicht explizit betont.
Was den natürlichen Pfad der machtvollen Sicht angeht, so etabliert man zuerst die Sicht und realisiert sorgfältig, dass die Gottheiten und Mandalas nicht als etwas anderes existieren als eine Zaubererscheinung des ursprünglichen, uranfänglichen Grundes allein. Dann, um Körper, Rede und Geist in den Bereich der drei Vajras zu transformieren und damit zu vermischen, nimmt man den illusionsgleichen Samadhi als die Basis und erkennt die Art und Weise in der die Erscheinung der Gottheiten erschaffen werden, als ob sie Geistererscheinungen wären. Indem man sich so an die visualisierten Erscheinungen der Erzeugungsstufe gewöhnt, erlangt man Stabilität über das eigene Gewahrsein. Die gewöhnlichen Erscheinungen und das Festhalten werden in die Natur der Buddha-Felder übertragen und Körper, Rede und Geist von einem werden in den Bereich der drei Vajras übertragen. Daher wird das die Übertragung und das Vermischen mit einem Bereich genannt.

Zuflucht

Zuerst stellt man fest, dass alle Phänomene in Samsara und Nirvana von leerer, identitätsloser Natur sind und schließlich bestätigt man, dass das eigene Gewahrsein nichts anderes ist als ein Ausdruck der Kayas und ursprünglichen Weisheiten. Das wird als das wirkliche Zufluchtnehmen im Seinsmodus bezeichnet. Zu verweilen, ohne sich aus dem Zustand in dem alle Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten miteinander verbunden sind und in dem ihrer vitale Essenz vereint ist, ist die essentielle Natur der Zufluchtnahme.
Stolz dieses Ergebnis vorauszusetzen und sich seiner Ursache zuzuwenden, ist eine Methode, die mit den Gewohnheiten der Welt korrespondiert. Eine Analogie dazu, wenn jemand in ein fremdes Königreich geht, zufällig ein Land in besitz nimmt und mit der Landwirtschaft beginnt, dann gibt nichts, wodurch er den Schmerz vermeiden könnte, vom herrschenden König gestraft zu werden. Aber wenn er den Schutz des Königs suchen und ein Bittgesuch an ihn stellen würde, dann würde er die Berechtigung haben, Landwirtschaft oder etwas anderes, das er mit seinem Land in diesem Königreich machen möchte, zu betreiben. Genauso wenn jemand nicht geistig zum natürlichen Glanz des Gewahrseins, das als der Grund-Dharmakaya als die äußeren, inneren und geheimen Zufluchtsobjekte vorhanden ist, Zuflucht nimmt, dann ist man nicht ermächtigt, die Handlungen der Drei Juwelen auszuführen. Infolgedessen würde das Ergebnis nicht erlangt werden, man würde Hindernissen unterliegen und man hätte den Fehler, dass mein geeignetes Gefäß für Ermächtigungen und spirituellen Rat wäre. Indem man also mit dem dreifachen Vertrauen in die Drei Juwelen Zuflucht nimmt, ihnen Körper, Rede und Geist sowie alle Freuden und den ganzen Besitz ohne Anhaftung, Anhaften oder Greifen darbringt und in allen Zeiten und Situationen nicht einmal für einen Moment versagt, sich den vortrefflichen Objekten der Zuflucht anzuvertrauen, ist die Grundlage für alle Samayas und Gelübde und ist die Wurzel für alle Ermächtigungen und Siddhis. Daher bewahre das als deine eigentliche Lebensessenz selbst.
Ob du dich gut fühlst oder niedergeschlagen, in Glück versunken oder geplagt von Schmerz und bei jeder Art von Aktivität denke, ‚die Drei Juwelen wissen!‘ Das ist die hervorragende, fundamentale Grundlage aller Praxis. Insbesonders sei dir bewusst, dass der natürlich erscheinende, höchte Lehrer der Schüler ihr heiliger spiritueller Lehrer ist, sein Körper ist die Sangha, seine Rede ist der heilige Dharma und sein Geist ist der Buddha. Wisse, dass der spirituelle Mentor die Synthese aller überragenden Zufluchtsobjekte ist. Wisse, dass der geheime Körper, der als der spirituelle Mentor aller Lebewesen erscheint, die Wurzel des Segens ist; der geheime Geist, das Schatzhaus der ursprünglichen Weisheit, das der vereinte Ausdruck aller Yidam-Gottheiten ist, ist die Wurzel aller Siddhis; wisse, dass die Erscheinungen des Mitgefühls, die als unzählige Schützer der Lehre und Dharma-Schützer erscheinen, die Wurzel aller erleuchteten Aktivitäten ist.
Ihre Essenz ist der Dharmakaya, leer von Zeichen; ihre Natur ist der Sambhogakaya, welcher die Darstellung der Kayas und ursprünglichen Weisheiten ist; und der natürliche, schöpferische Ausdruck ihres Mitgefühls sind die ausgezeichneten Nirmanakayas, die die Zugänge zu den Pfaden und Ergebnissen beinhalten. Erkenne sie als die allwissenden Herrscher aller Mandalas und nimm zu ihnen Zuflucht, ohne dich auch nur einen Moment von ihnen zu trennen. Verweile unter ihrem Schutz. Vertraue deinen Geist, dein Herz und deinen Körper ihnen ganz an. Praktiziere ohne sie aufzugeben, auch wenn es dein Leben kosten würde und verlass dich ganz auf die Hauptgottheit aller Mandalas, ohne dieses Wesen auch nur im Geringsten zu enttäuschen. Wenn du falschen Sichtweisen anheim fällst oder dieses Wesen auch nur in einem Traum verärgerst, dann ist es entscheidend, dass du Reue hervorbringst und das bekennst. Wenn du den Vajra-Guru aufgibst, dann ist das gleichbedeutend wie das Aufgeben der Drei Juwelen, der Drei Wurzeln, der drei Kayas, der Jinas und Jinaputras. Im Geistesstrom von einem der so etwas macht, werden die ursprünglichen Weisheiten und Qualitäten und alle erfahrungsmäßigen Realisationen nicht reifen und egal wie viel sich solch eine Person auch körperlich, verbal und geistig auch anstrengt, die Ansammlungen von Verdienst und Weisheit werden nicht vollendet werden und die Frucht wird nicht zur Reife gelangen. Sogar wenn sich jemand einem anderen spirituellen Mentor hingibt, werden die Segnungen und Siddhis nicht entstehen. Da sie vom bösen Geist der beschädigten Samayas besessen sind, werden sie überschritten.
Wie beim Vergleich von Keimling und Frucht werden diese nicht aus einem verrottetem Samen reifen und es werden keine Blätter an einem Stamm mit verrotteter Wurzel wachsen. Genauso ist der Vajra-Guru die Wurzel des Stammes des Geheimen Mantras und der Vajra-Guru ist der Same und das Feld der Ernte der Allwissenheit. Daher erkenne diese Tatsache und gib dich dem Vajra-Guru hin, ohne dieses Wesen auch nur für einen Moment aufzugeben. Sei dir klar darüber, wenn du den spirituellen Mentor auf diese Weise als Synthese aller Buddhas erkennst und Zuflucht nimmst während du auf deinen spirituellen Mentor meditierst in der Natur der erwählten Gottheit [Yidam] im Raum vor dir, dann besteht gewiss keine Notwendigkeit, irgendwo anders nach einem Objekt der Zuflucht zu suchen.

Aus dem Vajra-Herz-Tantra (dag snang ye shes drwa pa las gnas lugs rang byung gi rgyud rdo rje’i snying po) von Dudjom Lingpa. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. August 2018

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Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. August 2018

Ein Rat für Ngakpas

Ein Festschmaus des Nektars – ein hilfreicher, nützlicher Rat für Ngakpas

NgakpaRetreat_2017_BildVon Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche.

Verehrung dem Vajra Guru Padmasambhava!

So wurde es gemäß den Ratschlägen gelehrt, die uns der glorreiche, große Meister von Oddiyana gegeben hat, uns, den Ngakpas von Tibet, die auf den Pfad des geheimen Mantra eingetreten sind – gegeben hat.

Die Ngakpas, von denen so gesprochen wird, sind diejenigen, die den tantrischen Weg des Vajrayana betreten haben, die sich so verhalten, wie es erforderlich ist, und somit mit der Bedeutung des Wortes „Ngakpa“ übereinstimmen. Die richtige Art und Weise wie man sich verhalten sollte, ist wie folgt:

Finde einen Wurzel-Guru, einen verwirklichten Meister des geheimen Mantras.

Wenn du keinen authentischen Wurzel-Guru auf dem Weg zur Befreiung hast, kannst du nicht in die tantrische Praxis eintreten. Daher ist es sehr wichtig, dass du zuerst einen Guru findest, dessen Verhalten dem Dharma entspricht und dass du ihm auf jede mögliche Weise über die drei Aktivitäten dienst, die den Guru erfreuen. Denn wie gesagt wird:

Öffne die Tür zur Lehre des geheimen Mantras in Etappen.

Wenn du keine ermächtigte und authentische Abstammungslinie erhalten hast, ist es sogar völlig unangemessen, nur in das Tantra einer Meditationsgottheit und seine Kernanweisungen zu schauen, ganz zu schweigen vom Praktizieren. Wenn du also nicht viele Ermächtigungen erhalten hast, nicht einmal Vajrasattva erlangt hast, hast du nicht einmal die Ermächtigungen von Zhitro – die friedvollen und zornvollen Gottheiten des Zwischenstaates – oder die Sadhana der acht Logos-Gottheiten und friedlichen und zornvollen Formen des Guru, wird deine Annäherungs- und Ausführungspraxis völlig mangelhaft sein.

Beschütze die Reinheit der Samaya  des geheimen Mantra wie dein Leben.

Wenn du tantrische Gelübde über Ermächtigungen erhältst, aber dein Samaya nicht behütest, dann wirst du, anstatt davon zu profitieren, sicherlich großen Schaden anrichten. Es gibt zahlreiche Unterscheidungen darüber, aber wenn du dich auf deinen Wurzel-Guru verlassen hast, ohne gegen seine Befehle und ohne Verwirrung zu handeln, Abstand davon genommen hast, Leben zu nehmen, wenn du die Feste des 10. und 25. Tages des Monats einhältst, und wenn du die Form visualisiert, die Mantras gesungen hast und für jede der drei Wurzeln die Praktiken der Vollendungsstufe gemacht hast, dann bist du ein authentischer Ngakpa, der das Zeitalter des Niedergangs verstanden hat und direkt aus dem Mund des Guru der Linie lernt.

Respektiere den Vajra-Meister wie jemand seine eigenen Glieder und Kopf.

Nachdem du es geschafft hast, dich auf den Guru zu stützen, wirst du jede spirituelle Vollendung des tantrischen Pfades erlangen, indem du dich ausschließlich auf ihn verlässt. Im Vertrauen darauf, dass, egal wer dein Wurzel-Guru ist, er ist untrennbar mit Guru Rinpoche sind, vergiss nie, Gebete wie das 7-Zeilen-Gebet, das Gebet, das spontan bewirkt alle Wünsche (Sampa Lhündrub), oder das Gebet, das Hindernisse auf dem Pfad auflöst (Barche Künsel), und die Gebete des Guru-Yoga zu singen.

Hüte deine Meditationsgottheiten aus der Tiefe deines Herzens.

Da die Meditationsgottheit der Guru ist, der sich in der Sambhogakaya-Form manifestiert, stütze dich ausschließlich auf Vajrayogini, Yamantaka, Vajrakilaya oder irgendeine der höheren Gottheiten, und verwende und schätze sie wie dein eigenes Herz. Überragende Praktizierende sollten dadurch Zeichen der Verwirklichung in den Phasen der Erzeugung und Vollendung erlangen. Durchschnittliche Praktizierende sollten 100 Millionen Ansammlungen (des Mantras) durchführen, und Praktizierende mit geringen Fähigkeiten sollten mindestens 10.000 aufeinanderfolgende Rezitationen der Visualisation ihrer Meditationsgottheit ohne Unterbrechung ansammeln, ohne ihre Mala auch nur einmal aus ihrer Hand rutschen zu lassen.

Halte die Dakinis und die eidgebundenen Beschützergottheiten so nah bei dir wie deinen eigenen Schatten.

So wie der Körper und sein Schatten niemals voneinander getrennt werden können, vollendest du die Praktiken der Dakinis und Dharma-Beschützer und hältst dich an sie, wenn du ein authentischer Ngakpa bist. Du solltest tantrische Festmahle [Ganachakra] ausführen und den Dakinis Lichtopfergaben darbringen und Tormas als Teil der Gelübde- und Bekenntnisrituale für die Beschützer unaufhörlich anbieten – täglich, monatlich und jährlich.

Beschütze und schätze das tiefgründige geheime Mantra wie deine eigenen Augäpfel.

Du solltest die Ermächtigungen und bindenden Samaya und Versprechen des geheimen Mantras, die Praxis der Annäherung und Vollendung in den drei Wurzeln, die zusammengestellten Rituale, die mit dem Yidam usw. verbunden sind, die esoterischen mündlichen Anweisungen und Praktiken, alle tiefgründigen, bedeutungsvollen und subtilen Klassifizierungen von Grund, Pfad und Frucht, die Tantras und Praxistexte und alle Statuen, heiligen Darstellungen und rituellen Objekte, die die Sadhana-Praxis unterstützen, wertschätzen. Schätze diese so wertvoll wie deine eigenen Augen und nimm an und weise zurück, was für sie notwendig ist und betrachte sie als authentische bedingte Phänomene, wie es deiner eigenen Gewissenhaftigkeit entspricht.

Bewahre und schätze die tiefe Essenz (der Lehren) wie die innersten Atemzüge, die du zählst.

Da die Quelle der magischen Wirksamkeit und Macht der Meditationsgottheiten und jede Methode (um Verwirklichungen zu erhalten) das Rezitieren von Mantras beinhaltet, rezitiere die Mantras der Ansammlungspraktiken jener Meditationsgottheit, auf die du dich stützt, Tag und Nacht unaufhörlich wie ein beständig fließender Fluss. Pflege die tiefgründige Praxis der Hervorbringung und Vollendung, so wie du es mit deinem eigenen Körper und deiner eigenen Lebenskraft tun würdest. Ob du Vertrauen in die Praktiken der Erzeugung und Vollendung gewinnst oder nicht, hängt von deinem Engagement ab, so dass du nicht erwarten solltest, in ein paar Monaten oder Jahren ein großer Verwirklichter [Mahasiddha] zu werden. Aber du solltest so viel wie möglich in diesem Menschenleben in diese Praktiken der beiden Stufen investieren.

Die Ergebnisse der Sicht, Meditation, Verhalten sind vollständig verwirklicht.

Du musst die letztendliche Bedeutung der Ebenen der unteilbaren Ergebnisse von yogischen Verhaltensweisen und Gelübden, der zwei Phasen der Erzeugung und der Meditation der Vollendung, der essentiellen Punkte und der Sicht des Vajrayana erfahren haben, welches der schnelle Weg ist, die die  Wahrheit von Reinheit und Gleichheit untrennbar ist oder zumindest solltest du ein wahres Verständnis davon entwickelt haben. Du musst alle darübergelegten Missverständnisse und Zweifel zerstreuen und diese vollständig gemeistert haben, indem du die Äußerungen und Linien und die mündlichen Anweisungen direkt aus dem Mund eines Gurus, der die Linie hält, hörst und darüber nachdenkst. Es wurde gelehrt, dass dieser rasche Pfad in einem Augenblick die Anhäufungen mehrerer Äonen vollenden kann, wenn du ein klares und subtiles Verständnis dieser Sicht und Meditation hast und die Mantras der Gottheitenmeditation singst. Daher ist es ein sehr wichtiger Weg.

Gib die zehn unheilsamen Handlungen auf und vollführe die zehn heilsamen.

Riskiere dein Leben um des Dharma willen. Da es für Anfänger mit geringen Fähigkeiten unmöglich ist, die Praktiken der Vereinigung und Befreiung des geheimen Mantras zu praktizieren, gib die die zehn unheilsamen (Handlungen) auf, sowie die grundsätzlich falsche Sicht, die deine Lebenskraft so weit wie möglich reduziert. Führe so oft du kannst die lebensrettenden zehn heilsamen (Handlungen) aus. Streite nicht mit deinen Eltern, mit deiner Frau oder deinen Kindern, sondern führe sie so gut wie möglich in den Dharma ein. Kurzum, gib solche Aktivitäten auf, die gegen die Regeln der Ngakpa-Gemeinschaft verstoßen: Bier mutwillig trinken, Tabak durch den Mund oder die Nase konsumieren oder falsches oder pervertiertes Sexualverhalten [Vergewaltigung, Ehebruch usw.] begehen und dich wie Grenzvölker [Barbaren] zu verhalten. Kurz gesagt, wenn du niemals aufhörst, das Streben nach dem Verhalten, das mit dem Dharma übereinstimmt, aufgibst, dann wirst du den Dharma äußerst kräftig vollbringen.

Festtage einhalten.

Halte an den Praktiken der Annäherung und Vollendung deiner hauptsächlichen Meditationsgottheit mit Ernsthaftigkeit und als deine Hauptsache fest. Am 15. (Vollmond), 30. (Neumond), 8. und 23. Tagen des Mondmonats führe tantrische Versammlungen mit dem spirituellen Festmahl, Tormas und Gelübdebereinigung aus. Verhalte dich nicht überheblich oder wie gering gestellte Leute, verlass dich auf den wohltätigen Meister [Padmasambhava]. Beteilige dich nicht an schamanistischen Aktivitäten oder Gesängen, praktiziere im Einklang mit buddhistischen Praktiken und Meditation. Strebe nach Vorzüglichkeit in den vier Arten der rituellen oder magischen Aktivitäten der Praktiken der Annäherung und Vollendung in Übereinstimmung mit den Schriften.

Praktiziere am 10. Tag des Mondmonats.

Dieser wesentliche religiöse Feiertag, der im Allgemeinen und insbesondere das fortwährende Festhalten und Geben von Gaben am 10. Tag der zunehmenden und abnehmenden Mondzyklen beinhaltet, ist zweifellos wichtig, da es ist Guru Rinpoches Feiertag ist und tantrische Gelübde ein äußerst notwendiger Teil davon sind. Ohne etwas anzunehmen oder zurückzuweisen basierend auf nicht verwirklichten Sichtweisen, erinnere dich daran, dass deine geistigen Erfindungen und Vermutungen nichts mit den esoterischen mündlichen Anweisungen des Tantra zu tun haben. Also lerne, indem du dich auf einen Lehrer stützt, der ein Praktizierender der Linie des Lotus- Meisters ist.

Halte dich bedeckt.

Wenn du tantrische Rituale ausführst, ohne darin Ermächtigungen zu haben und die Praktiken der Annäherung und Vollendung der Stufen von Erzeugung und Vollendung ausführst, dann sind deine Rituale wenig mehr als so genannte schamanistische Gesänge, um Reichtum heranzuziehne und das ist falsch. Verlasse dich auf einen geeigneten Lehrer, vervollständige die Praktiken der Annäherung und Vollendung der Meditationsgottheit. Wenn du reines und vollständiges Vertrauen hast, dann wirst du den tantrischen Pfad richtig betreten haben. Also übe dementsprechend!
Sollte irgendetwas passieren, was diesem Ansatz zuwiderläuft, führe die Meditationen und Rezitationen von Vajrasattva durch und führe Bekenntnisse und Abbitten aus, indem du ein bereinigendes Festopfer durchführst. Es ist sehr wichtig, deinen reinen Zustand und deine Gelübde durch Selbstermächtigung wiederherzustellen.
Gib außerdem Gedanken oder Zweifel über die Reinheit des geheimen Mantras auf. Versuche nicht, die Reichtümer des geheimen Mantras zu verkaufen oder zu vermehren. Wenn du die Übungen für dich und durch dich selbst vollbringst, wirst du alles erreichen, was du dir vorstellen kannst. Ich beschreite nun den Pfad von Padmasambhava, betrete jetzt den Pfad und später in der Zukunft werde ich seinen Zustand erreichen – tibetische Ngakpas, bewahrt diese Absicht in euren Herzen!

Hüte die Lehren vor jenen mit falschen Ansichten.

Der Zweifel ist das größte Hindernis für die spirituelle Verwirklichung von Ngakpas. Daher ist es sehr wichtig, die wesentlichen Punkte der esoterischen Anweisungen für die Meditationsgottheit und die Mantra-Übungen frei von Zweifeln und mit zielgerichtetem Glauben zu vollführen. Dieser Name „geheimes Mantra“ bedeutet, dass du sie auf eine verborgene Weise durch dich selbst gemeistert hast, ohne sie allen zu zeigen, um die Übungen zu vollbringen, dass du die verschiedenen Stufen der esoterischen mündlichen Anweisungen der Gottheit und der Mantra-Praktiken heimlich befolgt hast, ohne sie zu verbreiten. Lehre oder offenbare sie nicht einmal ein wenig denen, die falsche Ansichten haben oder voller Zweifel sind. Du solltest sie den Haltern deiner eigenen Dharma-Linien beibringen, vorausgesetzt, dass die Offenlegung von Praktiken ihnen andere Vorteile bringt. Zusammenfassend, wenn du auf alle widrigen Umstände verzichtest und in der Lage bist, jeden günstigen Umstand für die Praxis gemäß der Tradition zu vollbringen, wirst du sicherlich die höchsten Verwirklichungen der vier magischen Aktivitäten erlangen.

Resultate der Praxis erlangen.

Dementsprechend solltest du die tantrischen Ermächtigungen, Lehren und esoterischen Anweisungen nicht für Geld verkaufen, du solltest die magischen Riten des Meditationsgottheit nicht sorglos ausführen oder durch deinen eigenen oder den Wunsch und Hass von anderen Menschen motiviert werden.
Wenn du die Übungen für die Lehren und für die fühlenden Wesen vollführst, wirst du verschiedene gewöhnliche Handlungen verwirklichen, wie das Erlangen von langem Leben, von Reichtum, das Herbeischaffen von Regen, Schutz vor Frost und Hagel und die Befriedung von Krankheiten und Dämonen. Du wirst verschiedene erhabene Handlungen vollbringen, wie die direkte Erlangung der Form der Meditationsgottheit, indem du an ihren Praktiken festhältst und die Verwirklichung des Großen Siegels (Mahamudra) hervorbringst. Kurz gesagt, die esoterischen mündlichen Anweisungen, um alles zu erreichen, was du wünscht, finden sich allgemein in den Schriftsammlungen der mündlichen Überlieferung (Kama) und der Schatztexte (Terma) und sind besonders zahlreich im Kontext der alten Übersetzungsschule (Nyingma) und die mündlichen Anweisungen des Gurus der Linienhalter sind ungebrochen. Daher ist es sehr wichtig, die Stufen der Annäherung und Vollendung zu vollführen und sie in die Praxis umzusetzen, um endgültige Ergebnisse zu erzielen.

Letztendlicher Rat an die Ngakpas.

Ich werde nun kurz die letztendliche Bedeutung der direkten mündlichen Anweisungen erklären, die jenen Ngakpas unter den tibetischen Schülern erteilt wurden, die als Guru Rinpoches Schüler den Südwestlichen Kupferfarbenen Berg erreichten.
Der wichtigste Punkt unter diesen ist die Idee, dass „reine Sicht und wahre (meditative) Erfahrung“ unteilbar sind. Wenn man dies in leicht verständlichen Worten erklärt, bedeutet dies, wenn man nicht erkennt, dass die fünf Elemente des äußeren Behälters, die Welt der äußeren Phänomene die fünf Gefährtinnen der weiblichen Buddhas sind, die fünf Erlebnishaufen (Skandhas) ihr Inhalt darin bzw. die Bewohner die fünf Buddha-Familien sind, die sechs Bewusstseine und Zustände von Zeit und Raum die acht Bodhisattvas und ihre Gefährtinnen sind, und trotz der Tatsache, dass die vier Ansichten und die vier Zeiten seit jeher im Mandala der Gottheiten der acht Klassen der friedlichen und zornvollen Götter der drei Sitze des reinen Bewusstseins verweilen, dass wir dann der Täuschung unterliegen. Diese Verblendung und gegenwärtig die Sicht der Wirklichkeit an sich nicht zu erkennen, ist das Leiden der bedingten Existenz (Samsara). Wenn du die grundlegende Bedingung der Wirklichkeit an sich erkennst, gelangst du über das Leiden hinaus in Reinheit. Es wird gelehrt, dass die unreine und dualistische zyklische Existenz als letzte, reine und eine Wirklichkeit (Dharmata) ohne jegliche Unterscheidung des Annehmens und Ablehnens erfahren wird. Um dies zu erkennen, werden Mantras rezitiert und die fünf Elemente des äußeren Behälters der äußeren Phänomene werden als reine Bereiche und unvorstellbare himmlische Paläste meditiert. Die darin befindlichen Inhalte der fünf Aggregate werden als friedvolle und zornvolle Meditationsgottheiten der Fünf Familien durch die zusammengestellten Rituale meditiert, egal auf welche dieser Gottheiten du dich stützt. Wenn du verstehst, dass all dies aus der Natur des zeitlosen Erkennens der großen Glückseligkeit der unteilbaren nicht-dualen Erscheinung-Leerheit stammt, anstatt aus dem konventionellen oder gewöhnlichen Verstand eines gewöhnlichen Individuums entspringt, dann wirst du wie Guhyagarbha-Tantra geschrieben steht: „erkennen, dass die Gedankenströme des Behälters und des Inhalts, des Universums und seiner Bewohner rein sind.“ Dies wird auch im Sadhana-Praxishandbuch aus dem Longchen Nyingthig, dem Ritus der Muttergefährtin, wo es gelehrt wird, geklärt und wir sollten das verstehen: „Alle Erscheinungen sind die Weite der fünf Gefährten, alles bedingte Dasein ist das Mandala der Dakinis.“
Um die Sichtweise zu verwirklichen, lerne die Anweisungen für die vier Gedanken, die den Geist von Samsara abwenden, wie es in Jamgon Mipham Rinpoches grundlegenden Praktiken der Linien von Mindroling und Longchen Nyingthig gelehrt wird und führe die vorbereitenden Übungen durch, erwecke den überragenden Erleuchtungsgeist und nimm 5.000 oder 15.000 Mal Zuflucht. Indem du deinen eigenen Geist durch die wahren Praktiken, die in den traditionellen Handbüchern und Anleitungen zu finden sind, trainierst und dich auf die Essenz dieser Lehren konzentrierst, solltest du sie verstehen.
Grob gesagt bin ich selbst weder ein sachkundiger Gelehrter noch ein versierter Praktiker. Jeder, der in keiner Weise die erleuchteten Qualitäten eines authentischen Gurus besitzt und seinen eigenen Geist nicht befreit hat, sollte keinen mündlichen Rat zu esoterischen Fragen geben. Trotzdem habe ich zuvor mein Haupt zu den Lotusfüßen von mehr als fünfzig reinen und heiligen, nicht sektiererischen Lehrern gelegt und habe jede gewünschte Abstammungslinie und ihre Ermächtigungen und Lehren erhalten. Ich habe über die Bedeutung der Lehren für diejenigen geschrieben, die wenig Erfahrung haben, und wenn du diesen mündlichen Rat wie beschrieben anwendest, wird dies mit dem Dharma übereinstimmen und du wirst auf diese Weise natürlich und leicht eine echte Dharma-Verbindung erhalten. Nimm es direkt mit deinen Augen wahr und höre die Worte. Zusammengefasst, dies ist mein Rat an all jene, die in der alten Übersetzung Nyingma Schule hoch und niedrig sind, die den Titel Ngakpa tragen – obwohl viele von euch schon eine lange Zeit hier waren und viele Ermächtigungen und Belehrungen erhalten haben, die ihr vielleicht immer noch nicht hattet.

Zusammengefasster Rat.

Ich habe eine andere, weitere Erklärung als diese, also verbreite ich diesen Text an alle und denke, dass es sehr wichtig ist, dass jeder sich so gewissenhaft bemüht, wie es in Übereinstimmung mit der Botschaft möglich ist.
Im Allgemeinen gibt es sehr wenige so genannte Ngakpas und Ngakpas, die gemäß den Tantras handeln, sind sehr selten. Obwohl ich kein authentischer oder voll qualifizierter Ngakpa bin, habe ich ein wenig die tantrischen Texte studiert und einige Belehrungen erhalten. Ich habe niedergeschrieben, welche wesentlichen Punkte der Lehren ich verstanden habe, und Ngakpas sollten diese zum Kern ihrer Praxis machen.
Wenn du die Haarlocken auf deinem Kopf festgebunden hast, solltest du beten, dass du niemals deinen Zuflucht-Guru vergisst. Wenn du in die Segnungen der Linie eintrittst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn du deine Gebetskette oder deinen rituellen Phurba in deinen Händen hältst, solltest du Mantras visualisieren und rezitieren, während du über die Meditationsgottheit meditierst. Wenn du echte Verwirklichungen bekommst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn du deine Freunde, deine Frau, deine Kinder siehst, solltest du deine Gedanken auf die Dakinis und Beschützer richten. Wenn du tantrische Festmahle und Tormas darbringst, dann bist du ein Ngakpa!
Betrachte alle Verhaltensweisen der drei Tore – Körper, Sprache und Geist – als Gottheit, Mantra und die spielerische Zurschaustellung des Dharmakaya. Wenn du dich nicht in gewöhnlichen Aktivitäten verlierst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn spontan reine Visionen entstehen, nimm den wesentlichen Punkt dieser Erscheinungen als den Pfad und sie werden vollständig hervortreten. Wenn du die Bedeutung dieser Erscheinungen auf diese Weise verstehst, dann bist du ein Ngakpa!
Es ist sehr wichtig, dass du dein ganzes Leben lang, ohne von Haushaltsaufgaben und Lebensunterhalt und mit der Sorge um deine Kinder und Ehefrau abgelenkt zu sein, in der Lage bist, diese wahren Praktiken anzuwenden und den Dharma ein wenig zu praktizieren. Nehmt euch alle das zu Herzen!
Wenn du die tiefgründigen, wesentlichen Punkte des Pfades des geheimen Mantras verstehst, werden dir Unglück, unvorhergesehene Umstände und alle Verhaltensweisen der zyklischen Existenz auf dem Pfad ein Freund sein. Um Verwirklichungen tatsächlich und auf alle Fälle zu erhalten, solltest du die Stütze eines menschlichen Körpers, den du erlangt hast, sinnvoll nutzen. Du weißt nicht, wann der Feind des Herrn des Todes erscheinen wird. In diesem entarteten Zeitalter gibt es Unglück und Hindernisse. Wende dich so schnell wie möglich den Dharma zu. Bringe all deine Handlungen und Aktivitäten so weit wie möglich mit dem Dharma in Einklang.

Dieser Vagabund namens Jigme Khyentse Özer (Dilgo Khyentse), der aus Derge, Kham nach Norden gekommen ist, hat diese Worte gesprochen. Sie sind mit einer unbestreitbar guten Absicht niedergeschrieben worden. Ich bete unablässig dieses Gebet. Möge es wirklich geschehen, dass ihr Ngakpas, die sich auf diese Weise verhalten, vom Großen und Glorreichen Urgyen Rinpoche als Nachfolger angenommen werden, möge euer Weg frei von Hindernissen sein. Ihr genießt förderliche Umstände für das Praktizieren, möget ihr auf dem Glorreichen Kupferfarbenen Berg als eine untrennbare Familie von Schülern zusammenkommen und als eine Schar von Vidyadharas erscheinen! Mögen Glück, Tugend und Güte sich ausbreiten und zunehmen!

Diese mündliche Beratung wurde von der tantrischen Vidyadhara von Derge, Ost-Kham, Jigme Khyentsi Odzer während der Verleihung der Ermächtigungen des Rinchen Terdzo zur großen Versammlung von 1900 Phurba tragen Ngakpa in Rebgong in Nord Amdo ganz auf Antrag der Amdrin Tulku gegeben, Milay Tulku, Ngakchang Tashi Palden, Tsering Gyal, Trowo Palden und viele andere Ngakpa. Es wurde am Sho’ong Sangngak Dargyeling Tempel im Metal Rabbit Jahr (1951) am ersten Tag des zunehmenden Mondes im Monat Chotrul Duchen (Buddha Miracle Day) und wurde verpflichtet, schriftlich von Jamyang Sherab Gyamtso gegeben und wurde graviert (in Holzblöcke) von dem tantrischen Priester Jigme Trinley aus Dentig. Möge es dem Geist aller, die es sehen, nützen!


Aus dem sngags pa rnams la phan pa’i zhal gdams bdud rtsi’i dga‘ ston bzhugs so. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. August 2018

Ermächtigungen Dudjom Tersar

DudjomTersar-LamaDudjom Lingpa

  1. Lama Rigdzin Düpa (friedvoller Guru Padmasambhava)
  2. Lama Dragpo Dechen Gyalpo (zornvoller Guru)
  3. Lama Wangdrag Dorje Drolö (äußerst zornvoller Guru)
  4. Jampal Sangdü (Manjushri
  5. Jampal Shinje (Yamantaka)
  6. Desheg Zhingdrub (Amitayus)
  7. Thugje Chenpo (Avalokiteshvara)
  8. Yangthrö Mahakala (Tamdrin Yangthrö)
  9. Ta Chag Khyung Sum (Hayagriva, Vajrapani, Garuda)
  10. Dorje Sempa (Vajrasattva)
  11. Lama Zhitro (Guru mit 100 friedvollen & zornvollen Gottheiten)
  12. Chagna Dorje (Vajrapani)
  13. Thugdrub Sangwa Gyachän (Phurba Namchag Putri; Vajrakilaya)
  14. Desheg Sangdü (Kagye)
  15. Thugdrub Yeshe Nyima (Vajrayogini)
  16. Khandro Sengdong (Simhamukha)
  17. Jetsün Drölma (Grüne Tara)
  18. Khandro Yeshe Tsogyal
  19. Thröma Nagmo
  20. Dorje Phagmo
  21. Amritakundali
  22. Shinje Nagaraksha (Yamantaka)
  23. Mrawe Senge (Manjushri rot)
  24. Guru Rinpoche Padma Gyalpo (inkl. Mahadeva und Umadevi)

Dudjom Jigdral Yeshe Dorje

  1. Tsokye Thugthig (Lotusgeborener Guru)
  2. Dorje Drolö Pema Sogthig (Dorje Drolös Herzessenz)
  3. Phurba Putri Regphung (Vajrakilaya)
  4. Khandro Thugthig (Herzessenz der Dakini)
  5. Sengdong Marmo (red Simhamukha)
  6. Loden Chogse (Guru Padmasambhava, Intelligenzaspekt)
  7. Chime Sogthig (Guru Rinpoche Langlebensaspekt)
  8. Chemchog Heruka (Hauptgottheit des Kagye-Mandalas)
  9. Zhitro Nagso (100 friedvolle & zornvolle Gottheiten)
  10. Padma Sangthig (Langlebenspraxis)
  11. Dorje Drolö
  12. Lama Thugdrub (Terkha Dündü)

Dudjom Tersar – Weisheitsschützer und weltliche Schützer

  1. Ekajati
  2. Ekajati (Khandro Thugthig Zyklus)
  3. Rahula
  4. Rahula (Thröma Nagmo Zyklus)
  5. Dorje Legpa (Vajrasadhu)
  6. Lhachen (Mahadeva)
  7. Nojin Shenpa
  8. Tsän Gö (Tsi’u Marpo)
  9. Shaza
  10. Terdag Aparajita
  11. Vaishramana
  12. Kasung Dregpa Degu’i (neun eidgebundene Schützer)
  13. Tersung Machen Pomra (Maha-Ati Zyklus)
  14. Zhingkyong Sengdong Yab-Yum
  15. Yamaradza (verbunden mit Manjushri Yamantaka)

Und hier noch ein paar wesentliche Serkyem-Darbringungen einiger größerer und kleinerer Schützerzyklen von denen keine Lebenskraftermächtigung verfügbar ist:

Dregpa Degye (Schützer bei Dorje Drolö), Zhitro Schützer, Chime Sogthig Schützer, Phurba-Schützer, Dragshul Wangpo, Degye Serkyem, Legden Mahakala, Chagzhi Mahakala, Maning Mahakala, Umadevi, Palden Lhamo, Remati, Durthrö Dagmo, Achi, Gesar, Pehar, Dorje Yudrönma, Trashi Tsheringma & die Menmo Schwestern, Dorje Demo, Thanglha Yarzhü, Ngarol Tagtse, Dralha, die 4 Richtungskönige, Mamo Phursung, die Nagas, Tsän & Berggötter, Lhamo Yizhin Norbu, die Sadag (Erdgeister), Shugchenmo, Vayudeva.


Trotz genauer Durchsicht kann die eine oder andere Ermächtigung fehlen. Daher bitte ich um Rückmeldung dazu, damit ich die Liste vollständig halten kann.


English version


Dudjom Tersar empowerments

Dudjom Lingpa
1. Lama Rigdzin Düpa (peaceful guru Padmasambhava)
2. Lama Dragpo Dechen Gyalpo (wrathful guru)
3. Lama Wangdrag Dorje Drolö (mighty wrathful guru)
4. Jampal Sangdü (Manjushri)
5. Jampal Shinje (Yamantaka)
6. Desheg Zhingdrub (Amitayus)
7. Thugje Chenpo (Avalokiteshvara)
8. Yangthrö Mahakala (Tamdrin Yangthrö)
9. Ta Chag Khyung Sum (Hayagriva, Vajrapani, Garuda)
10. Dorje Sempa (Vajrasattva)
11. Lama Zhitro (100 peaceful & wrathful deities)
12. Chagna Dorje (Vajrapani)
13. Thugdrub Sangwa Gyachän (Phurba Namchag Putri; Vajrakilaya)
14. Desheg Sangdü (Kagye)
15. Thugdrub Yeshe Nyima (Vajrayogini)
16. Khandro Sengdong (Simhamukha)
17. Jetsün Drölma (Green Tara)
18. Khandro Yeshe Tsogyal
19. Thröma Nagmo
20. Dorje Phagmo
21. Amritakundali
22. Shinje Nagaraksha (Yamantaka)
23. Mrawe Senge (Manjushri red)
24. Guru Rinpoche Padma Gyalpo (incl. Mahadeva & Umadevi)

Dudjom Jigdral Yeshe Dorje
1. Tsokye Thugthig (lotus-born guru)
2. Dorje Drolö Pema Sogthig (Dorje Drolö’s heart essence)
3. Phurba Putri Regphung (Vajrakilaya)
4. Khandro Thugthig (the Dakini’s heart essence)
5. Sengdong Marmo (red Simhamukha)
6. Loden Chogse (Guru Padmasambhava, intelligence aspect)
7. Chime Sogthig (Guru Rinpoche longlife aspect)
8. Chemchog Heruka (main deity of the Kagye mandala)
9. Zhitro Nagso (100 peaceful & wrathful deities)
10. Padma Sangthig (longlife aspect)
11. Dorje Drolö
12. Lama Thugdrub (Terkha Dündü)

Dudjom Tersar protectors

Ekajati
Ekajati (Khandro Thugthig cycle)
Rahula
Rahula (Thröma Nagmo cycle)
Dorje Legpa (Vajrasadhu)
Lhachen (Mahadeva)
Nojin Shenpa
Tsän Gö (Tsi’u Marpo)
Shaza
Terdag Aparajita
Vaishramana
Kasung Dregpa Degu’i (nine protectors bounded by command)
Tersung Machen Pomra (Maha-Ati cycle)
Zhingkyong Sengdong Yab-Yum
Yamaradza (related to Manjushri Yamantaka)

And there are essential serkyem offerings to some major and minor protectors too, but no sogwang available:
Dregpa Degye (protectors of Dorje Drolö), Zhitro protectors, Chime Sogthig protectors, Phurba protectors, Dragshul Wangpo, Degye Serkyem, Legden Mahakala, Chagzhi Mahakala, Maning Mahakala, Umadevi, Palden Lhamo, Remati, Durthrö Dagmo, Achi, Gesar, Pehar, Dorje Yudrönma, Trashi Tsheringma & the Menmo sisters, Dorje Demo, Thanglha Yarzhü, Ngarol Tagtse, Dralha, the 4 Kings, Mamo Phursung, to the Nagas, Tsän & mountain gods, Lhamo Yizhin Norbu, the Sadag, Shugchenmo, Vayudeva.


If there’s something missing, please let me know!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. August 2018

Grundlage des Pfades

water-lilies-1825477_1920Die Grundlage, die verstanden werden muss, ist die alles durchdringende Sugata-Essenz. Nicht zusammengesetzt, lichthaft und leer ist sie der natürliche Zustand des Gewahrseins. Jenseits von Täuschung und Befreiung ist sie völlig ruhend, wie der Raum. Obwohl sie sich ohne Trennung von Samsara oder Vereinigung mit Nirvana befindet, gemäß dem großen Dämon der gemeinsam entstandenen und begrifflichen Unwissenheit, aus den verfestigten Gewohnheitsmustern des Greifens und Festhaltens und aus den verschiedenen Wahrnehmungen der Welten und Bewohner, erschienen die sechs Klassen der Wesen wie ein Traum.

Obwohl dies so ist, habt ihr euch niemals aus dem ursprünglichen Zustand der Essenz entfernt oder werdet euch niemals entfernen. Bemüht euch daher im Bereinigen der zeitweiligen Befleckungen.

Die Stufen des Pfades, die zur Erkenntnis führen, sind unzählige. Reinigt euer Wesen, sät die Samen und kultiviert sie. Beseitigt die Hindernisse und ebenso bringt eine Verbesserung hervor. So tretet in den rechten Pfad durch diese fünf Aspekte ein.

Aus dem „Stufenweg des Pfades zur Essenz der Weisheit“ (lam rim ye shes snying po).

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