Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. Februar 2019

Khandro Thugthig – die Herzessenz der Dakini

Einleitung ins Khandro Thugthig

Aus der Einleitung ins Khandro Thugthig von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje:

Ausdruck des Weisheitsnetzes aller Siegreichen, Lotusgeborener, unfehlbare, ewige, einzige Zuflucht, vorgefunden nur in der uranfänglich reinen Natur des selbstentstandenen reinen Gewahrseins – Eure Einheit jenseits von Zusammentreffen und Trennen erkennend, so nähere ich mich voller Ehrfurcht an.
Das Nektarlicht Eures Segens hat die Blütenblätter meines Geistes weit geöffnet und die tiefgründigen Erklärungen, der Pollen der lächelnden Blütenstempel sind zum Genuss der glücklichen Bienen herangereift.

Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje

Ich, Jigdral Yeshe Dorje, ein Hochstapler in diesen Zeiten des Niedergangs bin die angebliche Wiedergeburt von Thragthung Dudjom Lingpa oder wie vom Seegeborenen Guru vorhergesagt, bin ich als Garwang Drodul Lingpa bekannt. Mir diese Namen zu geben, ist als ob man einem alten Wachhund den Titel „Löwe“ gibt. Entsprechend meiner leicht karmischen Neigung, die bloß von der gütigen Akzeptanz als Schüler vom Lotusgeborenen Yab-Yum in vergangenen Leben herstammt, habe ich ein angeborenes unerschütterliches Vertrauen in den Guru Yab-Yum. Aufgrund dieser Hingabe habe ich auch wiederholt die Zeichen von ein paar Segnungen erhalten.

Ferner wird im prophetischen Schatztext des Orgyen Dechen Lingpa gesagt:

In Tibet wird in Zukunft östlich eines Berges mit neun Spitzen im geheimen Buddha-Feld der selbstentstandenen Vajra Varahi eine Emanation des Drogben in einer edlen Familie erscheinen. Den Namen Jnana tragend, wird er die yogische Lebensweise des Mantra halten. Seine Erscheinung wird ungewiss sein und sein Verhalten in der Kindheit wird auf große Intelligenz hinweisen. Er wird die neuen Schätze hervorbringen oder die Lehre der alten Schätze bewahren. Wer immer mit ihm verbunden ist, wird zum glorreichen Berg der Chamara-Insel geführt werden.

Orgyen Dechen Lingpa

Von der Zeit an als ich noch ein Kind war, entdeckte ich viele Schatzkästchen, für die ich bestimmt war und ich hatte zahllose egoistisch täuschende Visionen. Besonders im Alter von 13 Jahren traf ich den Guru in Person in einer visionären Erfahrung. Danach hatte ich eine erfreuliche Vision vom Spielen mit ein paar Freundinnen, die meine Hände auf ein paar Schriftrollen legten, die mit Symbolschrift usw. beschrieben waren. Sowohl vor als auch nach diesem Erlebnis erschienen andere wundervolle Erscheinungen. Da dann die wechselseitigen Verbindungen von Ort, Zeit, Freunde, Gefolge usw.  nicht zusammentrafen und aufgrund anderer äußerer und innerer Umstände war ich zutiefst betrübt und opferte die gelben Schriftrollen der Großen Mutter Weißes Gewand.[1] Von da an beseitigte ich meine Hoffnungen und Befürchtungen wegen dem Offenbaren und Verbreiten neuer Schätze und verblieb ein sorgenfreier Yogi, die Lehren der früheren Dharma-Schätze so gut wie möglich zu beschützen.

Als ich 25 Jahre alt war, am 25. Tag des siebten Monats des Jahres des Erd-Drachens[2] erhielt der Yogi Trulshik Dorje die Aufforderung von einer Dakini, sofort zu mir zu kommen und er sagte mir händeringend, dass ich sofort in diesem Augenblick eine tiefgründige, kurz und bündige Dakini-Sadhana schreiben müsse. Ich dachte mir, es wäre angemessen, eine bloße Selbstvisualisation für eine tägliche Praxis zu verfassen, aber sofort floss meine Schrift anders als gewöhnlich dahin und die gesamte Gestaltung dieses Textes und seiner Bedeutung erschien mir lebhaft im Geiste. Ich verstand, dass dies eine Art Geistschatz war, aber ich bezeichnete es nicht als Dharma-Schatz. Was immer entstand, unverändert und unverzerrt, wurde in einer einzigen Sitzung aufgeschrieben und dann [dem Trulshik Dorje] ausgehändigt.

Als später dann [Trulshik Dorje] dies in der Kristallhöhle in Yarlung praktizierte, konnte er hervorragende Zeichen seines Segens feststellen und vertraute ihm völlig. Wieder bat er mich hartnäckig, die vollständigen erleuchteten Aktivitäten zu verkünden – die äußeren, inneren und geheimen Sadhanas usw. – wieder und wieder, bis meine Ohren den Krach nicht länger mehr ertragen konnten. Ich erweiterte bei den einzelnen Keimwörtern, die im Wurzeltext vorkamen und fügt ein paar erforderliche zusätzliche [Praktiken] als Ergänzungen ein.

Als danach die Bestrebung des hochrangigen Tsewang Rigdzin Nampar Gyalwa’i De durch seine karmische Verbindung erwachte, übernahm er die Verwahrung dieses tiefgründigen Dharmas. Zu dieser Zeit schmückte ich [diesen Zyklus] mit zusammengefassten, leicht zu praktizierenden Texten aus, wie den Anweisungen für die Gottheitenklausur, einem [ausführlichen] Anweisungstext usw. und ich erweiterte die entscheidenden Punkte der Praxis bis zur Vollendung.

Die freigiebige Kuh – ein Handbuch zur Verwirklichung des Pfades

Der auf Tibetisch mit englischer Übersetzung vorliegende Text, genannt „Die freigiebige Kuh der Errungenschaften“ enthält Anweisungen für die Meditation zwei Phasen des Khandro Thugthig. Er deckt den gesamten Pfad des Vajrayana ab, von der Erzeugungsphase über die Vollendungsphase bis zur Großen Vollkommenheit.

Das Khandro Thugthig ist ein wichtiger Zyklus von Lehren und Praktiken, welche Dudjom Rinpoche (1904-1987) als einen spirituellen Schatz enthüllt. Unter den drei Wurzeln der tantrischen Praxis bezieht er sich speziell auf die Dakinis. Die hier übersetzten Anweisungen und Richtlinien sind am engsten mit Yeshe Tsogyal, der tibetischen Prinzessin, verbunden, die die Gefährtin des großen Meisters Padmasambhava wurde und ihn unterstützte, als er im 8. Jhdt. den tantrischen Buddhismus in Tibet einführte. Aber Yeshe Tsogyal ist mehr als eine historische Figur, denn sie ist eine Weisheits-Dakini, die Yogis inspiriert, die letztendliche Natur des Geistes zu erkennen.

Die hier übersetzten Anweisungen sind sowohl selten als auch tiefgreifend. Diejenigen, die sich ernsthaft für diese Lehren interessieren und sie in die Praxis umsetzen möchten, können sich darüber freuen, dass ihnen solch tiefgreifender Schlüssel zur Verfügung stehen. Für diejenigen, die eine karmische Verbindung zu dieser Tradition und dieser Linie haben, können Texte wie diese ein Katalysator für die spirituelle Befreiung sein.

Ferner ist die letztendliche Dakini des Dharmakayas die alle Buddhas gebärende Mutter, die unausgeschmückte Prajnaparamita selbst. Die zeichenhafte Dakini des Sambhogakayas zeigt sich als das eine Mandala oder als manigfaltige Mandalas der fünf Familien der Königinnen des Raumes. Und daraus erscheint die symbolische Dakini des Nirmanakaya als die in den (24) Bereichen, aus Mantra oder zugleich entstandenen (Dakinis) der Versammlung der fünf Familien, in ihrer Zahl gleich den Staubteilchen im Universum.

Aus der Ermächtigung in Khandro Thugthig, von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.

Vier Yogas

Die Struktur des vorliegenden Textes kann in vier Yogas unterteilt werden, die sich auf die vier Ermächtigungen beziehen. Der Yoga der Form bezieht sich auf die Vasenermächtigung und die Praxis der Erzeugungsstufe. Auf diese Weise erzeugt der Praktizierende die Gegenwart der Gottheit Yeshe Tsogyal und verwandelt seine gewöhnliche Wahrnehmung in eine reine Vision, zusätzlich sieht er seine Umgebung als Mandala-Palast.

Das zweite Yoga ist das Yoga des Mantras und dieses stellt die Vollendung dar und bezieht sich auf die geheime Ermächtigung. Die Praxis hier ist die Kontrolle der äußeren und inneren Winde. Auf diese Weise kann man Langlebigkeit erlangen. Der Yoga der Glückseligkeit ist der dritte und repräsentiert die Vollendungsstufe mit Merkmalen und bezieht sich auf die Weisheits-Bewusstseins-Ermächtigung. Die wichtigste Übung im Zusammenhang mit dieser Ermächtigung ist die Ausübung der inneren Hitze (gtummo) zusammen mit den fünf Hilfspraktiken – Illusionskörper, Traumyoga, klares Licht, Bardo und Phowa – sowie die Praxis mit einer Gefährtin. Dadurch erhält der Praktizierende eine direkte Erfahrung der Klarheit und Lichtheit des Geistes.

Das letzte Yoga ist das Yoga der Weisheit. Dieser Yoga entspricht der kostbaren Wortermächtigung und der Vollendungsstufe ohne Merkmale. Auf dieser Ebene begegnen die Praktizierenden der wahren Natur des Geistes mit Hilfe von Trekchö (khregs chod; Durchschneiden der Festigkeit) und Thögal (thod rgyal; direktes Durchqueren).

Absicht

Auch wenn dieser Text für diejenigen bestimmt ist, die die Übermittlung von einem qualifizierten Meister erhalten haben und die Veröffentlichung dieser Themen ziemlich ungewöhnlich ist, sollten diese wertvollen Lehren erhalten bleiben. Denn wenn niemand dieses Thema studiert und praktiziert, verschwinden die Lehren. Darüber hinaus gibt es aufgrund von Gerüchten und Vermutungen einige ausgefallene Ideen zu diesen Praktiken. Um solche abenteuerlichen Ideen zu verhindern, ist dieses Buch eine geeignete Quelle für sogenannte geheime Vajrayana-Praktiken. Wenn Sie also dieses Buch in den Händen halten und sich mit diesen Themen befassen, schätzen Sie die männlichen und weiblichen Yogis von Tibet, die diese Themen praktizierten und vollständig erleuchtet waren.

Ein (durch die Einweihung) gereifter und Samaya haltender Praktizierende übt zuerst die Erzeugungsstufe, die mit der Vasenermächtigung verbunden ist. Alles, was als Stütze und Unterstütztes angeordnet ist, die als Erscheinungsobjekte existierenden Formen, existieren nicht als Objekte der Anhaftung. Wie ein Spiegelbild in einem Spiegel oder ein Regenbogen am Himmel, als direkte Wahrnehmung – völlig klar und ohne Vermischung – meditiere, bis du von Objekten nicht mehr fasziniert bist! Obwohl der innewohnende Charakter des Dharmakayas frei von solchen komplexen Zeichen wie Gesicht, Hände usw. ist, sollte man sich hinsichtlich des verwirrten Verlangens des Verstandes nach unreinen Erscheinungen an die Reinheit erinnern, die als Ausschmückungen gelehrt wird. […]

Um die geheime Ermächtigung in den Pfad zu bringen, wendet man die Schlüsselpunkte des Körpers an und beseitigt die toten Winde. Indem man die (Atmung) der großen Vase anwendet, bringt man (die Beweung der unreinen Winde) zum Stillstand und führt die Vajra-Rezitation aus. Zuerst kurz und oftmals, gewöhnt man sich nach und nach daran und alles Kommen und Gehen der Winde und des Geistes wird im unbewegten Hohlraum des Zentralkanals gebunden. […]

Insbesondere ist dieser Pfad mit der Wort-Ermächtigung verbunden. Die große Glückseligkeit, überragend unwandelbar, ist die Absicht der uranfänglichen Reinheit frei von Anstrengung, Samantabhadra, das unbefleckte Gewahrsein, unverfälscht von Konzepten der drei Zeiten. Seine Essenz ist sprachlose Freiheit von Ausschmückungen. Seine Natur ist lebhafte innewohnende Klarheit. Sein Mitgefühl ist alles durchdringend und frei von Einseitigkeiten. Untrennbar Klarheit-Leerheit, offen-transparent, innewohnender Charakter ungekünstelten, nackten Gewahrsein-Leerseins. Diese Natur des großen Transzendierens des Intellekts verweilt als die Essenz des Dharmakayas, der großen Mutter-Gefährtin (Prajnaparamita). […]

Der Zustand der Gelöstheit transzendiert die Objekte von Gut und Böse, von Hoffnung und Furcht, was immer entsteht, erscheint aus sich selbst heraus. Verhalte dich im Verhalten ohne Fessel oder Befreiung! […]

Aus der Ermächtigung in Khandro Thugthig, von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.

In wem die karmischen Samen zur Praxis dieser kostbaren Lehren durch Wunschgebete und günstige Verbindung vorhanden sind, hat im Mai 2019 die Möglichkeit, die vollständige Übertragung dieses Zyklus zu empfangen. Näheres im Ngakpa-Zentrum Lhündrub Chödzong. > Mehr lesen.


Das Handbuch zu den Vier Yogas „Die freigiebige Kuh“ kann man hier erwerben.


[1] D.h. er hat sie verbrannt.

[2] 1929

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Februar 2019

Vajrakilaya – die Meditation eines Mandalas

Die Meditation des Vajrakilaya ist wohl jene Praxis, die in der Nyingma-Tradition am weitesten verbreitet ist. Vajrakilaya ist die Manifestation der erleuchteten Aktivität – also der Buddha-Aktivität – und wird neben Simhamukha und Dorje Drolö am häufigsten zum Beseitigen von Hindernissen praktiziert. Alljährlich finden in der letzten Woche vor Losar – dem tibetischen Neujahr gem. des Phugpa-Kalenders (entspricht ca. unserer Zeit vor dem Aschermittwoch) – diese Praxis ausgeführt. Sie fungiert als eine Art Kehraus, um die negativen Handlungen, Störungen und Beeinträchtigungen des vergangenen Jahreszyklus zu beseitigen. Dabei meditiert man sich selbst in Form der Meditationsgottheit – d.h. Zentralfigur (tib., rdo rje zhon nu; Vajrakumara) inkl. des gesamten umgebenden Mandalas – und externalisiert Negativitäten, Störungen etc. und projiziert diese in eine Opfergabenform (tib., gtor ma). Dieser wird am Ende dann rituell beseitigt. Meist geschieht das im Rahmen einer Feuer-Puja (tib., byin sreg), aber man kann diesen Opfer-Torma auch in einen Fluss geben oder weitab des Praxisplatzes ins Grüne werfen.

Reine Sicht

In der tantrischen Meditationspraxis gibt es drei wesentliche Aspekte: 1) die Klarheit und Deutlichkeit der Visualisation; 2) der sog. „Gottheitenstolz“ – das Wissen und Vertrauen, dass man selbst diese Meditationsgottheit ist; und 3) die reine Sicht – das Wissen um die Bedeutung der Symbolik. Hier nun ein kurzer Einblick in die reine Sicht.

Eine Abbildung zeigt den Vajrakumara (Jugendlicher Vajra) als Zentralfigur in Vereinigung mit seiner Gefährtin Chakradipta. Jedes Detail der beiden Figuren symbolisiert bestimmte Buddha-Qualitäten. Verinnerlicht man durch die meditative Praxis diese Symbole der Erleuchtung, geschieht eine Verwandlung der unreinen Sicht von sich und der Welt. Auf diese Weise werden die unreinen, gewöhnlichen drei Tore (Körper, Rede und Geist) in die drei Vajras (Körper, Rede und Geist der Erleuchtung) transformiert. Beispielsweise symbolisieren seine drei Köpfe die Praxis der drei Energiekanäle, seine sechs Arme stellen die sechs Paramitas dar, die vier Eckzähne sind die Vier Unermesslichen, die beiden Figuren, auf denen getrampelt wird, symbolisieren die Maras von Gier und Hass, seine beiden Flügel stellen Methode und Weisheit dar usw. Generell symbolisiert er geschickte Mittel und die Gefährtin ist uranfängliche Weisheit. Das Blut in der Schädelschale, die sie dem Gefährten Vajrakumara reicht, steht für das Überwinden der Ich-Anhaftung usw. usw.

Oberhalb von der Zentralfigur sind Samantabhadra Yab-Yum. Bei diesem Bildnis wird die Zentralfigur zunächst von den Zehn Höchsten Söhnen – vier links, vier rechts, zwei darunter – und ihren jeweils zwei begleitenden tierköpfigen „Henkern und Schlächtern“. Diese Zehn Höchsten Söhne stehen für die Überwindung der 10 unheilsamen Taten.

Unterhalb der Zehn Höchsten Söhne sind die fünf Buddha-Familien, hier in Form von Ratnakilaya, Vajrakilaya, Padmakilaya, Buddhakilaya und Karmakilaya im unteren Drittel in den jeweiligen Farben der Buddha-Familien dargestellt. Ihre Unterkörper sind Phurbas, sie haben drei Gesichter und sechs Arme.

Links und rechts von den fünf Buddha-Familien befinden sich die zwölf Dharma-Schützer des Vajrakilaya-Mandalas. Und ganz unten sind die vier tierköpfigen Torhüterinnen, die wiederum für die Vier Unermesslichen stehen.

Gottheitenmeditation – die Praxis der Meditation der zwei Phasen zur Manifestation der Buddha-Natur

Warum Tantriker diesen Aufwand an Visualisation betreiben? Es geht auf dieser Stufe der Praxis um das Transformieren der gewöhnlichen Auffassungen und Sichtweisen über einen selbst und die Welt. In unserem gewöhnlichen Geisteszustand sind wir es gewohnt, uns selbst und die Welt in einer bestimmten Art und Weise zu erschaffen, diesen im Grunde leeren, aber dennoch deutlich erscheinenden Phänomenen (immer uns und die Welt gemeint) Identität zu geben. Aufgrund unzähliger solcher Vorgänge des Ergreifens und Bildens von Identität erscheinen für uns unsere Identität und unsere Weltwahrnehmung für selbstverständlich. Indem in der tantrischen Visualisation angefangen vom Geburtsprozess die Welt immer wieder aufs Neue in erleuchteter Weise erschaffen wird, werden die Samen des Greifens nach und Bildens von Identität erschöpft und schließlich aufgebraucht. Mit diesem Praxisansatz werden Selbst und Person verwandelt. Auf diese Weise werden Erscheinung-Leerheit bzw. Lichtheit-Leerheit ungetrennt realisiert.

Ein anderer Praxisansatz, jener der Methode der Kanäle, Winde und Tropfen, bringt diese Idee in eine unmittelbar körperliche Erlebnisform. Dabei wird die Visualisation von der Üppigkeit des Mandalas reduziert auf die Essenz eines lichthaften Körpers und der Praxis mit den Essenztropfen von Vater und Mutter. Über die Praxis des Emporloderns des inneren Feuers und des Abschmelzens des Tropfens werden die vier Freuden (tib., dga‘ ba bzhi) erfahren und man realisiert Glückseligkeit-Leerheit ungetrennt.

Auf einer letztendlichen Praxisebene wird mit direkt mit der Natur des Geistes gearbeitet. Dies erfolgt über die Praxis von Trekchö und Thögal. Dadurch werden die uranfängliche Reinheit (tib., ka dag) und spontane Präsenz (tib., lhun sgrub) von Gewahrsein-Leerheit ungetrennt realisiert.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Februar 2019

Sieben Zeilen der Anrufung

Die Bedeutung des 7-Zeilen-Gebets an Guru Rinpoche

Padmasambhava erschien auch zu Lebzeiten der Buddhas der vergangenen Zeitalter und man sagt, dass in unserer gegenwärtigen Zeit, dem Zeitalter von Buddha Shakyamuni, die gelehrtesten und am meisten verwirklichten Wesen in Indien und an anderen Orten seine Emanationen waren bzw. sind. Sein Segen und seine Führung wurde allen Haltern der Lehren gewährt. In Indien, China, Shambhala, Indonesien und anderen Bereichen wirken seine Manifestationen fleißig zum Nutzen der Lehre und der Wesen.

Hier in Tibet setzte Guru Rinpoche seinen Fuß in jede Region und segnete das Land. Er verbarg viele tiefgründige Dharma-Schätze und prophezeite ihre darauffolgende Entdeckung zu verschiedenen Zeiten. Er stellte die Götter und Geister unter den Vajra-Eid und machte Versprechen für die Zukunft, indem er sagte, so lange der Buddhadharma in Tibet bleibt, werden seine Emanationen das Land und die Leute beschützen. Er vertraute das Land dem Schutz der zwölf Tenma-Göttinnen an, wobei sie es gegen jene bewachen sollen, die außerhalb des Dharmas stehen. Und in Zukunft, wenn Schwierigkeiten von barbarischen Kräften drohen, dann wird es so sein, wie Tagsham Samten Lingpa es in einer geheimen Prophezeiung vorhergesagt hatte: „Ich, Padmasambhava, werden den Namen Raudra Chakri  tragen und mit meinen 25 Schülern, dem Herrscher und den Untertanen werde ich, der König der Linie, von meiner Arme eskortiert werden.“ So prophezeite er, dass er die Barbaren unterwerfen und die Lehren des Geheimen Mantras verbreiten würde. Guru Rinpoche sagte vorher, dass auch die meisten nicht-sektiererischen Halter der Alten und Neuen Traditionen im kühlen Lande Tibet seine Emanationen sein würden. Er offenbarte sein Antlitz und gewährte zahlreiche Segnungen und Anweisungen der Mehrheit der gebildeten und verwirklichten heiligen Wesen. Das ist aus ihren entsprechenden Biographien ganz klar ersichtlich.

Guru Rinpoche sagte auch, dass in Zukunft, wenn Maitreya der Buddha dieser Welt sein würde, er selbst als ein Bodhisattva erscheinen wird. Er wird ein Lehrer der Wesen sein und wird die Lehre des Geheimen Mantras in hohem Maße verbreiten. Tatsächlich versprach er, zur selben Zeit wie die Buddhas dieses glücklichen Kalpas zu erscheinen. Er wird sich in seinem unsterblichen, unzerstörbaren Weisheitskörper befinden, dem Grund seiner Emanationen, solange es fühlende Wesen gibt. Er wird seine Emanationen so grenzenlos wie Raum und Zeit zeigen und zum Wohlergehen der Wesen in der Zukunft wirken. Wie er mit seinen Vajra-Worten selbst sagt:

Bekannt bin ich als Padma, der Selbstmanifestierte, entstanden aus dem Herzen von Buddha Amitabha, dem Grenzenlosen Licht, der Glanz des hohen Avalokitas Rede. Der Bruder der Dakinis und König der Dakas, ich bin die Handlung der Buddhas der drei Zeiten. Großer Samantabhadra, einzigartiger Vajradhara beide bin ich, mächtig und mitfühlend, erscheinend in meinen hervorgebrachten Formen. Kräftig sind meine Aktivitäten, die Wesen ihren Bedürfnissen nach begleitend. Ich bin ihr wunscherfüllendes Juwel, die Erfüllung ihrer Hoffnungen.

Padmasambhava

Guru Rinpoche sagte auch:

Für Wesen, die stark in ihrem hingebungsvollen Glauben sind bin ich geschwinder im Mitgefühl als alle anderen Buddhas. Bis die drei Welten Samsaras leer von allen Wesen sind, wird Padmasambhavas Mitgefühl nicht erschöpft werden.

Padmasambhava

Solcher Art sind die unvorstellbaren Heldentaten von Guru Rinpoche. Eine davon, wie das Sieben-Zeilen-Gebet schildert, war die Art, in der er seinen Nirmankaya in dieser Welt zeigte:

HUM
In Orgyens Lande am nord-westlichen Rand,
auf des Lotusblüte Blütenstempel Stammes geboren,
die wundersamen und höchsten Errungenschaften habt Ihr erlangt.
Als Lotosgeborener seid Ihr daher bekannt.
Von einem Ring vieler Dakas und Dakinis umgeben,
folgend Euren Spuren praktizieren wir.
Gewährt Euren Segen, kommt herbei, so beten wir:
GURU PADMA SIDDHI HUM

Das Gebet in sieben Zeilen an Guru Rinpoche

Formelle Bedeutung des Gebets

Das Gebet beginnt mit dem Aussprechen der Silbe HUM, die die selbstentstandene Keimsilbe des Geistes aller Buddhas ist. Dies lädt den erleuchteten Geist von Guru Rinpoche selbst ein.

Jambudvipa, diese Welt von uns, die sich im Süden des kosmischen Berges Meru befindet, zählt sechs Hauptprovinzen. Unter diesen ist die westlichste Region das Land der Vidyadharas. Das ist Oddiyana oder Orgyen, das Land der Dakinis, wo es am nord-westlichen Rand oder an der Grenze ein Gewässer gibt, dass mit achtfacher Vortrefflichkeit reichlich ausgestattet ist und frei von jeder Unvollkommenheit. Das ist der Danakosha-See. Es ist ein Symbol der Leerheit, ausgestattet mit höchsten Qualitäten, die Königin der letztendlichen Weite. Der See ist in jeder Hinsicht vollkommen, was auch für die Wahrnehmung der gewöhnlichen Menschen ersichtlich ist. Er ist voller weißer Lotusblüten, wobei die größte von ihnen in der Mitte wächst, ein Lotus von erlesener Schönheit hinsichtlich der Blätter als auch des Blütenstempels. Aus diesem Stamm des Lotus wuchsen andere Lotusse, wodurch sie insgesamt fünf waren. Jeder von ihnen ist von anderer Farbe, was den fünf erleuchteten Linien entspricht und die fünf Weisheiten symbolisiert. Der Lotus in der Mitte ist rot und zeigt die Lotus-Linie an.

Der unendliche Knoten, das kostbare und unbefleckte Schatzhaus des Herzens von Buddha Amitabha, ist mit der Silbe HRI angefüllt und erstrahlt in fünffarbigem Licht. Das ist die Essenz aller Segnungen und Qualitäten der drei Geheimen der zahllosen Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als der Moment für Guru Rinpoche kam, für die fühlenden Wesen zu wirken, streuten zahllose Buddhas und Bodhisattvas der zehn Richtungen Blumen, während die Dakas und Dakinis zusammen mit den Beschützern und Wächtern der Buddha-Felder den Vajra-Tanz ausführten und das Vajra-Lied sangen. Um dann den Wesen der drei Daseinsbereiche Freude und Erlösung zu bringen, senkte sich die Silbe HRI auf die Lotusblüte des zentralen roten Lotus herab und verwandelte sich in den König der Vidyadharas, den großen und furchtlosen Guru, der ohne seinesgleichen in den drei Welten ist und der edel ist, mit vielen außergewöhnlichen Eigenschaften der Größe. Durch seinen immensen Verdienst ist sein Körper eine Quelle des Nutzens für die Wesen, durch seine Lehren nützt er ihnen mit seiner Rede und durch seinen Geist nützt er ihnen durch sein Weisheitsgewahrsein. Mit unvergleichlicher Wunderkraft führt er die Wesen zur Befreiung.

Er offenbarte sich selbst in einer selbstentstandenen, unbefleckten Form, geschmückt mit den Haupt- und Nebenmerkmalen der Buddhaschaft. Er wurde als Sohne des Indrabhuti inthronisiert, aber später entsagte er dem Königreich und ergriff das Leben eines Yogis, der auf den acht Leichenplätzen praktizierte, wo er sich in den grenzenlosen Lehren der äußeren und inneren Fahrzeuge übte. Seine Lebensgeschichte und seine Taten ist jenseits des Vorstellbaren. Er brachte ein illusorisches Spektrum der acht Manifestationen zum Ausdruck. Mit unerschütterlicher Stärke vernichtete der die Dämonen, Rakshasas und bösartigen Geister und brachte die stolzen und hochmütigen Geister der Welt unter seine Macht. Er brachte viele Wesen auf den Pfad des Großen Geheimen, das sie zur Reife führt und ihnen Befreiung gewährt. Er ist ein Objekt der herrlichsten Lobpreisungen in allen drei Welten. Und wenn wir vom wundersamen, erstaunlichen Leben des Herrn, dem zweiten Buddha lesen, wie es in den vertrauenswürdigen Schriften der Kama- und Terma-Übertragungen beschrieben ist, dann sind wir von Vertrauen an ihn ergriffen. Darüberhinaus besitzt dieses großartige Wesen nicht nur die allgemeinen Verwirklichungen, sondern er ist auch vollkommen und uranfänglich erleuchtet: die wundersamen und höchsten Errungenschaften hat er erlangt, den Zustand der Einheit des großen Vajradhara. Und als der Lotusgeborene ist er bekannt in der endlosen Matrix der unendlichen Buddha-Felder.

Wir anerkennen ihn zusammen mit seinem Gefolge als die Personifikation der Drei Zufluchten, den letztendlichen, untrügerischen Schutz, zu dem wir mit ganzem Vertrauen beten können. Dieser überragende Vidyadhara, der größte unter den großen, wird von außergewöhnlichen Schülern des Geheimen Mantra begleitet. Ein Ring vieler Dakas und Dakinis, unzählbar wie die Samen in einem geöffneten Sesamtopf, umgibt ihn. In Wahrheit ist er von einem grenzenlosen Ozean an Gottheiten der drei Wurzeln und Beschützer umgeben. Aber weil dieses Gefolge nichts als der illusorische Ausdruck von Guru Rinpoches eigener Weisheit ist, die den Wesen entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse nützt, sind er und sein Gefolge ihrer Natur nach nicht verschieden und daher das gemeinsame Objekt unserer Anrufung.

Mit völligem Vertrauen beten wir so zu Guru Rinpoche. Mit lebhaftem Flehen und vertrauensvollem Glauben in seine höchsten Qualitäten, die wie wunscherfüllende Juwelen sind, bringen wir unsere Hingabe in Wort und Tat, durch Gebet und Verneigung zum Ausdruck. Weil wir wissen, dass solch eine Zuflucht untrügerisch ist, geben wir die Dinge dieser Welt wie nutzloses Zeug auf und mit einem konzentrierten Glauben und Vertrauen, folgend Guru Rinpoches Spuren, ohne Unterlass praktizieren wir. Deshalb wenden wir uns hin und sagen:

Wahrer, unfehlbarer Herr grenzenlosen Mitgefühls, in diesem Moment wendet Euch nicht von uns und jenen wie wir ab, die im Ozean der drei Leiden ertrinken. Gewährt Euren Segen, kommt herbei, so beten wir. Wie ein Alchemist, der Eisen in Gold verwandelt: segnet mit den drei unvergleichlichen Geheimen Eures erleuchteten Körpers, Eurer erleuchteten Rede und Eures erleuchteten Geistes den gewöhnlichen Körper, die gewöhnliche Rede und den gewöhnlichen Geist von uns, die Hoffnung in Euch hegen und zu Euch Zuflucht suchen. Und vom Kupferfarbenen Berg – oder in welchem natürlichen Nirmanakaya-Buddha-Feld Ihr Euch auch befinden mögt – kommt herbei mit der großen Geschicklichkeit Eures Mitgefühls und seid mit uns.

Nachdem man den Segen des Gurus angerufen hat, rezitieren wir das Mantra.

Der Guru ist einer, der „kiloschwer mit vollkommenen Qualitäten“ ist, der Lehrer ist unübertroffen. Padma ist der erste Teil des Namens des großen Meisters aus Orgyen, wohingegen Siddhis sich auf die höchsten und allgemeinen Verwirklichungen bezieht, die unser Ziel sind. Schließlich rufen wir mit HUM den kostbaren Meister an und beschwören ihn, Verwirklichung zu gewähren.


Aus den umfangreichen Erklärungen des äußeren, inneren und geheimen Bedeutungsebenen des 7-Zeilen-Gebets an Guru Rinpoche, von Ju Mipham Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Februar 2019

Khandro Thugthig – the heart-essence of the Dakini

The heart essence of Dakinis is a complete cycle of teachings. On the outer level it is the female Buddha or deity Yeshe Tsogyal, on the inner level it is Kurukulle, on the secret level around Simhamukha, the lion-headed Dakini and on the most secret level is Throma Nagmo.

In the terms of empowerments, the heart essence of the Dakinis begins with vase empowerment and the corresponding practice is the creation phase of meditation. The second empowerment, which is the secret empowerment, corresponds to the exercises of the channels and wind energies, the third empowerment, which is the empowerment of the supreme insight and wisdom, corresponds with the exercises of the path of the skillful means and the fourth empowerment, which the precious word empowerment is equivalent to the path of the Great Perfection – Dzogchen, both the severing (Trekcho) and the traversing (Thogal). The heart essence of Dakinis includes all of these deities, empowerments and exercises. And among all these, which we have in this text, are the foundational practices, or literally from the Tibetan, the preceding exercises, which are, so to speak, the first step on this path. „Everyone starts here.“ says Lama Tharchin Rinpoche about the approach and the meaning of Khandro Thugthig.

The syllabus of the heart essence of the Dakini

The cycle of Khandro Thugthig contains the three stages of Mahayoga, Anuyoga and Atiyoga. At the Mahayoga stage there are the basic exercises (Ngondro), instructions to Ngondro, invocation of the lineage, then the short sadhanas of Yeshe Tsogyal (outer), Kurukulle (inner), Simhamukha (secret) and the Throma Nagmo (innermost secret). Finally, there is the sadhana of the Vajra Varahi – the Dakini with the pig head – as a meditation deity in this cycle. Furthermore, this first level of the Mahayoga stage includes the practice of severing (Chod) as well as the short feast offering (ganachakra) and prayers.

The second stage of the Mahayoga includes the empowerment of Yeshe Tsogyal and the long-life empowerment. Additionally, there is a Torma initiation in the lion-headed Dakini – in the Simhamukha. In addition to a longer lineage prayer, there is the long sadhana on Yeshe Tsogyal as Yidam and the longevity practice. The cycle also includes instructions on Yidam practice and the manual for meditation on the two phases (kyerim and dzogrim). Finally, at this level is the practice of Phowa – the transmission of consciousness at the time of death, as well as a short protector practice and the Torma offering to Mamo Ekajati, the Mantra Protector of this cycle. Furthermore to several fire pujas and complementary prayers for the feast offering, the practice of self-initiation (dagjug) is also included here. In general, the practice is such that after completing Ngondro and the shorter Dakini Sadhana, you practice the Phowa, then complete the Yidam practice and complete it with a fire puja.

At the third level of the Mahayoga level are various liturgies of activity rituals, such as for an elimination of impurities, purification and cleansing of transgressions, averting of negative forces, rituals for blessing and consecration, a guiding of the dead, the redemption of the spirits, averting the death and the plea for permanent stay of the Lama – a longevity practice for the teacher, called Tenzhug. Furthermore, at a fourth level of the Mahayoga level, there are practices for making treasure vases and pacifing disorders, various activity practices (peaceful, increasing), preparing medicine pills (amrita), and growing plants and crops.

The stage of Anuyoga includes the six yogas of inner heat (gtum mo or chandali), the illusion body (gyud lu), dream yoga (mi lam), clear light (‚od gsal), transmission of consciousness (‚pho wa), and the intermediate state yoga (bar do). This is divided into the instructions of the yogic tradition and the manual for the meditation of the two phases. Furthermore, one can still find core instructions for the Mudra practice.

The stage of Atiyoga consists of the practices of severing (Trekcho) and leaping (Thogal). For this there is the handbook for the meditation of the two phases in the cycle.

How to approach and practice

How do you approach practice through this cycle? The transmission of the cycle Khandro Thugthig begins with the inauguration (wang), followed by the read text transmission (lung) and the practical instructions (tri). These three steps are important in themselves for a beneficial and successful practice. In exceptional cases, when no Lama is present for a transmission, one can practice, as in other lineages, the so-called „Dakini Transmission“ (see Karma Chagme’s Richö, Vol. 2) or simply rely on Khandro Thugthig with the basic practices. Start with the the first Mahayoga level and take the empowerment at the appropriate time.

After receiving the verbal instructions for the basic exercises, you practice each section 100,000 times, with 10,000 additional times for any omissions, defects, etc. accumulated. However, one does not need to count specifically for this, as this results from the design of the mala (buddhist rosary), which is usually made of 108 beads plus three beads to mark the section. However, accumulate the mantra for guru yoga ten times more then the others, that is, 1,000,000 (plus 10% for omissions). However, if you have already completely accumulated a Ngondro before, then you can accumulate at the same line (Nyingma) only 10% of the required number or at other line 25% – 30%. However, one is required to continue practicing the foundational exercises on a daily basis in small numbers. If you are not able to do the prostrations, then you can also replace yourself with circumbulations, but here don’t count the recitations but the circumbulations.

After completing the Ngondro, you just keep practicing it in small numbers and focus on the practice of yidam. In general, the practice of yidam is performed in a closed retreat, with special instructions from a qualified teacher. As complementary practices in this retreat, in addition to the Ngondro, one can also perform Chod, Phowa, and Torma offerings to the protectors, in addition to the feast offering (ganachakra), either daily or at least on the feast days (8th, 10th, 15th, 25th day of the lunar month). The retreat is either divided into at least four sessions. Further detailed instructions and, if necessary, additional practices should be discussed with the respective teacher. The number of accumulations is here between 400,000 to 1,500,000 mantra accumulations, where also detailed instructions of the teacher are necessary. However, you do not necessarily have to practice approach, completion and activity to a certain number of mantra, but then you should make a commitment on time, which is also an estimate time of at least two to three months. If this is not possible due to the circumstances of life, of course you can also practice the entire yidam practice without retreat and follow your daily duties. However, then a much larger mantra accumulation or practice time must be considered. The end of the Yidam practice marks a fire puja in which the Vajra master purifies the mistakes and faults which was done by the student during the practice.

Upon successful completion of the Yidam practice, one continues with the practice of Anuyoga and requests the teachings and detailed instructions for the gymnastics exercises (trulkhor) and the practice of the inner heat. After the tsalung exercises the other yogas are practiced under the guidance of the teacher until a proper realization has been achieved.

Following this, one requests the introduction to the nature of mind and practices Trekcho and Thogal.

Collection and accomplishment

Like the great masters of the past, the Mahasiddhas, Yogis, and Yoginis, who have demonstrated, by devotion and faith, by the right effort and diligence by these practices, liberation can be achieved in a single lifetime. If that is not possible, then at least at the time of death one realizes the state of the clear light – the nature of the mind. Even if this is not possible due to lacks in practice, then one recognizes, at least in the intermediate state, the emergent phenomena as projections of one’s own mind. If one has practiced, but yet accumulated only a little and therefore lacks the necessary ability, then at least a favorable rebirth can be obtained.

For some, practicing such a cycle may seem like an unimaginable endeavor, but remember the words of the Buddha: „It is not the first drop and it is not the last drop that fills a barrel.“ Some practitioner may not find the excellent circumstances to do a retreat or even encounter obstacles several times. However, all that has to be put into practice. It is precisely this that gives rise to the power of practice.

Of course, the numbers and times mentioned above are good guidelines and based on experience and tradition. However, one should not be deterred by this, but gladly request this transmission and practice after hearing and reflection these teachings. Although perhaps one don’t accomplish neither number nor time required, at least the karmic seed is laid. But if not even the karmic seed is laid due, how will you ever meet such precious practices again?

To complete this review in the words of Lama Tharchin Rinpoche: „In accordance with these instructions, in practice, strive to sustain each of the basic stages of accumulation and purification until it is truly accomplished. Especially if you have confidence that the Guru -Yoga is the only extraordinary profound essence of the Vajrayana Path, then you have captured the life force of all practices in the main practices. By practicing with great diligence, by the power of swift blessings, there is no doubt that you will easily attain the two kinds of attainments.

By this, may this exposition be an inspiration for practitioners especially of the Khandro Thugthig and in general for any practice they perform. May all of them in life recognize a true teacher, receive the blessing of the Dakini, and thus realize unparalleled liberation beyond words and imagination.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 31. Januar 2019

Wie man auf dem Pfad voranschreitet

Nun, kürzlich bekam ich einen Hinweis, die Leute hätten keine Ahnung, was sie üben sollen, da sie so viele Ermächtigungen haben. Um den Verwirrten ein paar Ideen über den Pfad zu geben, werde ich hier ein paar Variationen darstellen. Und bitte akzeptiert meinen Fokus auf eine Tradition bzw. ein paar wenige Ansätze. Ich habe keine Vorurteile anderen Schulen oder Traditionen gegenüber, aber ich konzentriere mich hier auf Traditionen und Ansätze, mit denen ich vertraut bin. In allen Vajrayana-Linien gibt es ähnliche Praktiken. Doch auch wenn man sich nicht auf das Vajrayana konzentriert, sondern über das Sutrayana den Pfad beschreitet, kann man auch diesen gut einteilen. Man kann sagen, es handelt sich um einen Diamanten mit vielen Facetten. Es sind nur einige Optionen, um den Pfad in entsprechende Abschnitte zu einzuteilen und um einen Ablauf und möglicherweise auch einen Zeitplan zu erstellen. Doch ohne Plan rennt man einfach nur hin und her, und auch hinterher, mit dem Ergebnis, dass kein Hafen günstig ist, da man nicht weiß, wie man die Segel zu setzen hat. Jeder Pfad führt zweifellos zum Resultat. Doch können Leute rasch entmutigt werden, wenn sie den Faden nicht finden. Um dieser Ermüdung und Entmutigung vorzubeugen, werde ich ein paar Ansätze skizzieren.

Nyingma-Tradition

Der Pfad gliedert sich bei der Tradition der Alten Überlieferung (Nyingma) in neun Stufen oder Yanas. Über die Aspekte von Sutra, die sich in den Ansatz der Shravakas (Hörer), den der Pratyekabuddhas (Alleinverwirklicher) und der Bodhisattvas (Erleuchtungshelden) gliedern, bewegt man sich zu den äußeren und inneren Tantras. Diese sind Kriya, Charya, Upa, sowie Maha, Anu und Ati.

Konzentriert man sich auf den traditionellen Pfad, wie er in der Nyingma-Tradition überliefert wird, dann beginnt man mit den vielen 100.000 Ansammlungen der Grundpraxis (Ngöndro) und kann man mit Phowa fortsetzen. Dieses ist gleich nach dem Khandro Nyingthig Ngöndro in der Sammlung von Dudjom Lingpa und eine ziemlich nützliche Praxis, da wir alle sterben werden. Ich denke, wir wissen nicht, was zuerst kommt – die nächste Geburt oder das nächste Frühstück. Nach dem Aufbau einer richtigen Basis sollte zuerst die drei Wurzeln – Guru, Deva, Dakini – praktizieren. In dieser Hinsicht haben wir eine Menge im Dudjom Tersar, wie beispielsweise der Zyklus der Rigdzin Dupa Dechen Namrol oder einige grimmige Formen wie Guru Dragpo oder der Lama Wangdrag Dorje Drolö. Darüber hinaus gibt es einen vierfachen Ansatz von Dudjom Rinpoches Zyklus des Seegeborenen Vajras (Tsokye Thugthig). Man kann auch die Übung auf Guru Rinpoche im Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa durchführen.

Im Dudjom Tersar findet man viele Yidam-Praktiken wie Vajrakilaya Namchag Putri oder Phurba Putri Regphung, oder man konzentriert sich auf Manjushri und seine zornvolle Manifestation als Yamataka. Wenn man den Amitabha bevorzugt, gibt es den extrem zornvollen Hayagriva (Tamdrin Yangthro) oder in einer friedlichen Form den Thugje Chenpo (Avalokiteshvara). Oder man kann den Lama Zhitro – die 100 friedvollen und zornvollen Gottheiten im Lama – oder den Vajrapani oder den Chemchog Heruka oder die all-in-Yidam-Praxis des Kagye-Mandalas ausführen.

Um die Dakini zu verwirklichen, findet man im Dudjom Tersar den berühmten Zyklus der Thröma Nagmo, die Karma Dakini Simhamukha und die Herzessenz der Dakini – Khandro Thugthig. Darüber hinaus gibt es bei der Dakini einige andere Praktiken wie die auf Vajra Yogini, Vajra Varahi oder die Grüne Tara.

Nachdem man die drei Wurzeln verwirklicht hat, ist es hilfreich, das wilde Feuer (Chandali) – das bekannte gTummo – und einige andere Dzogrim-Praktiken zu praktizieren. Dieses Material ist hauptsächlich in den Zyklen von Namchag Putri und im Khandro Thugthig zu finden.

Dann kann man Anweisungen zum Khorde Rushen erbitten. Es ist eine Art „Dzogchen Ngöndro“ und man findet es in Dudjom Lingpas Vajra-Herz-Tantra (Nelug Rangjung). Danach bittet man um die Lehren über Trekcho und Thogal an. Im Namchag Putri-Zyklus, dem Khandro Thugthig, findet man das passende Material dazu, aber auch einige Lehren wie das Vajra-Herz-Tantra, das Sharp-Vajra-Tantra oder das Nangjang sind dafür tauglich.

Nun, das ist nur eine Idee eines Zeitplans und wie man den Pfad zur Buddhaschaft beschreitet. Wenn dies für einen zu kompliziert ist, konzentriert man sich auf nur einen Lehrzyklus. Im Dudjom Tersar gibt es mindestens drei vollständige Zyklen, die alle oben genannten Dinge enthalten. Diese sind der Zyklus des Vajrakilaya Namchag Putri, der Khandro Thugthig und der Thröma Nagmo.

Und wenn dies auch zu viel und für einen zu verwirrend ist, sollte man das Ngöndro praktizieren. Dieses enthält alles, was im Vajrayana benötigt wird! Da das Fundament des Vajrayana die Verehrung für den Guru ist, ist das Ngöndro nicht nur eine vorbereitende Übung wie die Vorschule vor dem Gymnasium oder der Universität. Das Ngöndro ist alles was die Praktizierenden brauchen. Es enthält den vollständigen Pfad. Wenn man die Frucht des Ngöndro vollendet, gibt es nichts weiteres zu tun oder was über die vier Buddhakayas hinausführen würde. Es ist egal, welche Übung man ausführt, schließlich wird die Befreiung erlangt, was bedeutet, dass man die vier Kayas verwirklicht. Es gibt nichts jenseits davon.

So gesehen ist jeder Tag ein guter Tag zum Üben. Betrachte die vier Gedanken, nimm Zuflucht, erwecke die höchste Geisteshaltung hinsichtlich der Erleuchtung, vollende die beiden Ansammlungen, bereinigen karmischen Verschleierungen und bete zum Guru aus der Tiefe deines Herzens. Daher, Padmajungne-la gong su söl!

Schulen und Pfade

Ähnliche Abläufe in der Gestaltung des Pfades finden sich auch in den Sarma-Schulen. Wenn man den fünffachen Pfad zur Mahamudra bei den Drikung Kagyü betrachtet, so hat dies Milarepa bereits formuliert: „Entwickle Bodhicitta, bringe dich als Meditationsgottheit hervor, flehe hingebungsvoll zu den vier Kayas des Gurus, meditiere Erscheinung-Leerheit und widme den Verdienst.“ Der Drikung Kyobpa Jigten Sumgön hat dies dann detailreich ausgearbeitet und seinen Schülern so den fünffachen Pfad zur Mahamudra gezeigt. Auch dieser fünffache Pfad besteht aus Ngöndro, wobei hier extra nochmals der Aspekt des Bodhicitta betont wird, dann gefolgt von der Yidam-Praxis – bevorzugt Chakrasamvara – und der Meditation auf die vier Kayas des Gurus. Dann folgen eine Einführung in die Natur des Geistes und die Praxis des geistigen Ruhens und der durchdringenden Einsicht. Mittels dieser werden die vier Aspekte bzw. die zwölf Stufen der Mahamudra verwirklicht. Zum Abschluss des fünffachen Pfades erfolgt eine ausführliche Ansammlung der Widmung, die frei von den drei Kreisen ist.

Weiter praktiziert man dann die sechs Yogas des Naropa (oder der Niguma), die sich aus der Praxis der dazugehörigen Gottheitenmeditation, des Yogas der inneren Feuers (gTummo), des Yogas des Illusionskörpers (Gyülu), des Traum-Yoga (Milam), des Yogas des klaren Lichts (Ösal), und den beiden zweitrangigen Yogas wie Bewusstseinsübertragung (Phowa) und Zwischenzustand (Bardo) zusammensetzen. Mit der Praxis der inneren Hitze verbunden gibt es die Praxis mit einer Gefährtin – die Karmamudra-Praxis. Auf diese Weise werden Erscheinung-Leerheit, Glückseligkeit-Leerheit und Klar-Lichtheit-Leerheit ungetrennt verwirklicht. Diese drei Bezeichnungen stehen für die Verwirklichung der vollkommenen, allwissenden Buddhaschaft.

Nachdem man beispielsweise die Tantra-Mahamudra praktiziert hat, kann man über die sechs Yogas – die sechs Lehren des Naropa (oder der Niguma) – die Klar-Lichtheit realisieren. Egal welchen tantrischen Ansatz man dabei verfolgt, es werden immer dieselben Aspekte realisiert. Während die Nyingma die inneren Tantras in Maha, Anu und Ati einteilen, klassifizieren die Sarma-Schulen in Vater-Tantra, Mutter-Tantra und non-duales Tantra. Über das Mahayoga wird die Ungetrenntheit von Erscheinung und Leerheit realisiert, über den Ansatz des Anuyoga realisiert man Glückseligkeit und Leerheit ungetrennt und mittels Atiyoga wird Gewahrsein und Leerheit ungetrennt realisiert.

Sutra-Ansätze

Doch auch wenn man nicht Vajrayana, sondern Sutrayana pflegt, so gibt es auch hier einen Ansatz der Sutrayana-Mahamudra. Bei den Gelugpas findet man diese Herangehensweise in den Lamrim-Belehrungen – den Erklärungen zum Stufenpfad – zusammengefasst. Dieser Ansatz gestaltet sich aus den grundlegenden Übungen mit einer Einführung in das zeitlose Bewusstsein – der Natur des Geistes. Indem man über die Vorzüge der menschlichen Geburt nachdenkt, die acht weltlichen Belange aufgibt, über Vergänglichkeit und Tod und die Leiden in den drei niederen Daseinsbereichen nachdenkt, beschließt man, Befreiung zu erlangen und nimmt Zuflucht. Dadurch wird das Ziel der individuellen Befreiung angestrebt. Indem man Karma ergründet und über Leiden und seine Ursachen nachsinnt, fasst man den Entschluss, dass man den Pfad zur Befreiung beschreiten möchte. Nachdem man Bodhicitta – die höchste Geisteshaltung auf Erleuchtung ausgerichtet – entwickelt, entfaltet man ein offenes Herz für alle Wesen. Auf diesen Grundlagen folgen die Praktiken des geistigen Ruhens und der durchdringenden Einsicht. Diese durchdringende Einsicht geschieht durch die Erkenntnis der Nicht-Existenz eines persönlichen Selbst, durch die Analyse in vier Punkten und durch das Versichern der Nicht-Existenz eines Selbst in allen Phänomenen. Welche vier Punkte sind dies nun? Man meditiert Leerheit, indem man 1) analysiert, wie man nach einem Ich greift; 2) man zum Schluss kommt, dass es entweder identisch oder getrennt von den fünf Erlebnishaufen (Skandhas) – den Aggregaten – bestehen muss; 3) ob es identisch mit den Aggregaten besteht, was bedeutet, dass es fünf Ichs geben müsste; und 4) man die Möglichkeit untersucht, ob es anders als die fünf Aggregate existiert. In diesen Analysen stützt man sich auf die Ansätze, die von Nagarjuna und Chandrakirti in der Philosophie des Mittleren Weges (Madhyamaka) vermittelt wurden.

Wenn man den Lamrim-Belehrungen folgt, kann man anschließend dies noch mittels der Praxis des Vajrayana vertiefen. Auch hier steht ein ähnlicher Weg wie bereits bei den Kagyüs beschrieben offen.

Falls einem Vajrayana zu kompliziert und verwirrend erscheint und man sich über den Sutra-Ansatz auf dem Pfad weiterbewegen mag, gibt es ein paar Möglichkeiten. Man kann sich auf Lojong – Geistestraining – stützen und dabei die verschiedenen Lojong-Losungen wie jene von Serlingpa und Atisha, oder die Merksprüche von Chekawa Dorje oder die 37 Bodhisattva-Übungen von Thogme Zangpo verwenden.

Die grundlegenden Übungen sind dieselben wie zuvor erwähnt, d.h. man kontempliert die kostbare menschliche Geburt, Vergänglichkeit, Karma und die Leidhaftigkeit des Daseinskreislaufs. Nachdem man Zuflucht genommen hat und fokussiert man sich auf Bodhicitta und die Bodhisattva-Gelübde. Indem man die vier Unermesslichen entfaltet, Tonglen – das Austauschen mit anderen, das Geben und Annehmen – praktiziert, wendet man die wesentlichen Punkte des Mahayana-Geistestrainings an. Wesentlich dabei ist, dass die Herausforderungen und Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens in den Pfad zum Erwachen gebracht werden. Dabei orientiert man sich an den Verpflichtungen und Richtlinien des Geistestrainings. Begleitet ist dieses Mahayana-Geistestraining natürlich immer von Meditation, d.h. dem geistigen Ruhen und der durchdringenden Einsicht. Man kann dieses Mahayana-Geistestrainings als Hauptpraxis für lange Zeit ausführen und so den gesamten Pfad beschreiten.

Aspekte des Resultats

Im Sutrayana wird das Durchlaufen der Bodhisattva-Stufen und der fünf Pfade in langen Etappen beschrieben, wobei dies alles in der vollkommenen, allwissenden Buddhaschaft mündet. Auch hier werden die drei Kayas verwirklicht. Ob man das Resultat ganz allgemein als „Buddhaschaft“ oder als Verwirklichung der zwei Kayas (Dharmakaya, Rupakaya), der drei Kayas (Dharmakaya, Sambhogakaya, Nirmanakaya) oder der vier Kayas (Dharmakaya, Sambhogakaya, Nirmanakaya, Svabhavikakaya) beschreibt, ändert nichts an der Tatsache, dass jenseits davon nichts gibt.

Bei den Sarma-Schulen wird über die Vater-Tantras (Yamantaka, Guhyasamaja) der Leerheitsaspekt der Buddha-Natur realisiert. Dies geschieht speziell durch intensive Praxis der Erzeugungsstufe in der Gottheitenmeditation und durch die Praxis des Illusionskörpers und des Traum-Yogas. Bei den Vater-Tantras wird die Praxis mit den feinstofflichen Kanälen besonders betont, während die Mutter-Tantras die Lehre der inneren Hitze – gTummo – besonders hervorheben. Die Mutter-Tantras (Chakrasamvara, Hevajra) fokussieren auf die Lichtheit des reinen Geistes, also die Realisation der Klar-Lichtheit. In den nondualen Tantras (Kalachakra) wird besonders die Verbindung von Leerheit und Klar-Lichtheit hervorgehoben. Naja, diese Einteilungen sind einfach Kategorien. Andere Schulen wie z.B. die Sakyapas sieht Hevajra als nonduales Tantra, während dieses Tantra bei wiederum anderen als Yogini-Tantra gesehen wird. Im Wesentlichen führen alle diese Praktiken zur Buddhaschaft, aber verwenden geringfügig verschiedene Ansätze, die sich in der Verwendung bestimmter Geistesgifte als Pfad unterscheiden.

Das Resultat wird je nach Schule etwas verschieden benannt. Wenn die Nyingma von der „großen Übertragung in den Regenbogenkörper“ oder „von der Verwirklichung des jugendlichen Vasenkörpers“ spricht, dann ist damit das Resultat der vollkommenen und allwissenden Buddhaschaft gemeint. Wie man es dreht und wendet, alle Schulen haben einen Ablauf, einen Lehrplan. Diesen sollte man bei einem Lehrer erfragen und dann die entsprechenden Anweisungen erbitten, um dem Pfad folgen zu können und ihn zu verwirklichen. Dafür ist vielleicht auch eine Kenntnis der Qualitäten des Pfades notwendig. Aber davon ein andermal.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 28. Januar 2019

How to proceed on the path

PADMA KARAYE LA CHAG TSHAL LO!

Well, recently I got an hint, people have no idea what to practice since they got so many empowerments. Now just to give some ideas about the path for the confused ones. And please accept my apologize, I have no bias to other schools or traditions, but I focus here on the Dudjom tradition. You find in other Vajrayana lineages similar practices.

There are some options how to categorize the path in proper portions and to have a plan and perhaps a schedule too.

First you can focus on the traditional path in the Nyingma lineage, starting with the many 100.000 accumulations of the foundational practice (Ngondro), then Phowa. It’s right after the Khandro Nyingthig Ngondro in Dudjom Lingpa’s collection and a quite useful practice, since all of us pass away. I guess you don’t know what’s first – next birth or breakfast. After establishing a proper founation people should practice the three roots – Guru, Deva, Dakini. Regarding this we have an abundance in the Dudjom Tersar, like the Rigdzin Dupa Dechen Namrol or some wrathful forms as Guru Dragpo or the Lama Wangdrag Dorje Drolo. Furthermore there’s a fourfold approach by Dudjom Rinpoche’s cycle of the Lake-born Vajra (Tsokye Thugthig). You can do also the practice on Guru Rinpoche in Dudjom Lingpa’s Maha-Ati cycle.

In the Dudjom Tersar you find many Yidam practices like Vajrakilaya Namchag Putri or Phurba Putri Regphung, or you focus on Manjushri and his wrathful manifestation as Yamataka. If you prefer the Amitabha, there’s the extremly wrathful Hayagriva (Tamdrin Yangthro) or in a peaceful form the Thugje Chenpo (Avalokiteshvara). Or you can do the Lama Zhitro – the 100 peaceful & wrathful deities in the Lama, or the Vajrapani or the Chemchog Heruka or the all inclusive Yidam practice of the Kagye mandala.

For accomplishing the Dakini you’ll find in the Dudjom Tersar the famous Thröma Nagmo, the Karma Dakini Simhamukha and the Khandro Thugthig. Furthermore there are some other practices on the Dakini as the Vajra Yogini, Vajra Varahi or the Green Tara.

After accomplishing the three roots it’s helpful to practice the fierceful fire (chandali) – the well-known gTummo – and some other Dzogrim practices. This stuff is mainly in the Namchag Putri and the Khandro Thugthig.

Then you can request the Khorde Rushen. It’s a kind of „Dzogchen Ngondro“ and you’ll find it in Dudjom Lingpa’s Vajra-Heart-Tantra (Nelug Rangjung). After that request teachings on Trekcho and Thogal. You’ll find proper stuff in the Namchag Putri cycle, the Khandro Thugthig, but also some teachings as the Vajra-Heart-Tantra, the Sharp-Vajra-Tantra or the Nangjang.

Well, that’s just one idea of a schedule and how to proceed on the path to Buddhahood. If this is too complicate for you, then you focus on just one cycle of teachings. In the Dudjom Tersar are at least three complete cycles, which contain all the stuff mentioned above. It’s the Vajrakilaya Namchag Putri, the Khandro Thugthig and the Thröma Nagmo.

And if this is also too much and to confusing for you, do the Ngondro. It’s all in what needed! Since the foundations of the Vajrayana is devotion to the Guru, the Ngondro is not just a preliminary practice like preschool to the senior high. The Ngondro is all what people need. It contains the complete path. If you accomplish the fruit of the Ngondro, there’s nothing more to do or nothing more above the four Buddhakayas. It doesn’t matter which practice you do and accomplish, finally you’ll accomplish liberation, which means you actualise the four kayas. There’s nothing beyond.

So, every day is a good day to practice. Contemplate the four thoughts, take refuge, arouse the supreme attitude towards enlightenment, complete the two accummulations, purify the karmic obscurations and pray form the depth of your heart to the Guru. Therefore, Padmajungne-la gong su söl!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. Januar 2019

Von Elefanten, Affen und Hasen – Das ruhige Verweilen des Geistes

Ruhiges Verweilen (skt., shamatha; tib., zhi gnas) ist das Tor zur Meditation und eine der beiden meditativen Säulen im Buddhadharma. Wie dieser Vorgang zu einem ruhig verweilenden Geist abläuft, wird anhand von elf Stationen geschildert, die in Form einer Geschichte dargestellt werden.

Der gewöhnliche Geist – ein ungezähmter Elefant

Das Bild stellt hier einen strebenden Meditierenden dar, der dem Pfad folgt, welcher aus den Stadien der Meditation besteht, die mit der Verwirklichung eines ruhig verweilenden Geistes und dem Beginn der Praxis der Einsichtsmeditation endet. Unten sehen wir den Praktizierenden, der ein Seil in der einen und einen Haken in der anderen Hand hält und einem Elefanten nachjagt, der von einem Affen geführt wird. Der Elefant repräsentiert den Geist des Meditierenden. Ein wilder oder ungeübter Elefant kann gefährlich sein und eine enorme Zerstörung verursachen, aber wenn er einmal gezähmt ist, wird er gehorchen und harte Arbeit verrichten. Dasselbe gilt für den Geist. Jedes Leiden, das wir jetzt haben, ist darauf zurückzuführen, dass der Geist wie ein wilder, ungeübter Elefant ist. Der Elefant hat auch sehr große Fußabdrücke. Diese symbolisieren unsere geistigen Verunreinigungen. Wenn wir an der Verbesserung unseres Geistes arbeiten, wird der innere Frieden die Belohnung sein. Vom Leiden der Höllen bis zum Glück der Buddhas ist es das Wirken des Geistes, das sie alle hervorbringt.

Elf Stadien des ruhigen Verweilens

Am Anfang des Pfades ist der Elefant schwarz, was für die Dumpfheit oder das Sinken des Geistes des meditierenden Anfängers steht. Der Affe, der den Elefanten führt, steht für Ablenkung. Ein Affe kann nicht für einen Moment ruhig bleiben – er klappert oder zappelt und findet alles interessant und anziehend. So wie der Affe vorne den Elefanten führt, wird unsere Aufmerksamkeit von den Sinnesobjekten des Geschmacks, der Berührung, des Klangs, des Geruchs und des Sehens abgelenkt. Diese werden durch Nahrung, Stoff, Musikinstrumente, Parfüm und einen Spiegel symbolisiert. Die Person hinter dem Elefanten stellt den Meditierenden dar, der versucht, den Geist zu trainieren. Das Seil in der Hand des Meditierenden ist Achtsamkeit und der Haken ist Gewahrsein. Mit diesen beiden Werkzeugen versucht der Meditierende, seinen Geist zu zähmen und zu beherrschen. An verschiedenen Stellen des Pfades wird Feuer angezeigt, um die für die Konzentration erforderliche Energie darzustellen. Man beachte, dass das Feuer in jeder der zehn Stufen des ruhigen Verweilens allmählich abnimmt, da weniger Energie zum Konzentrieren benötigt wird. Es wird auf der elften Stufe wieder aufflammen, wenn wir mit der Einsichtsmeditation beginnen.

Am Anfang, so wie der Elefant, der dem Affen folgt, keine Aufmerksamkeit auf die Person legt, die ihn verfolgt, hat der Praktizierende keine Kontrolle über seinen Verstand. In der zweiten Phase kann der Praktizierende, der den Elefanten fast eingeholt hat, das Seil um den Hals des Elefanten legen. Er schaut zurück. Dies ist die dritte Stufe, in der der Geist durch Achtsamkeit ein wenig zurückgehalten werden kann. Hier erscheint ein Kaninchen auf dem Rücken des Elefanten, das subtile Dumpfheit symbolisiert, was früher als ein Konzentrationszustand erschien, kann jetzt als schädlicher Faktor erkannt werden. In diesen frühen Stadien müssen wir noch mehr Achtsamkeit anstatt Gewahrsein anwenden.

Auf der vierten Stufe ist der Geist des Elefanten gehorsamer, so dass es weniger notwendig ist, ihn mit dem Seil der Achtsamkeit aufzuhalten. Bei der fünften Etappe wird der Elefant an Seil und Haken geführt und der Affe folgt ihm. An diesem Punkt werden wir nicht durch abgelenkte Aufmerksamkeit gestört. Meistens müssen wir Gewahrsein statt Achtsamkeit einsetzen. In dem Gemälde ist die sechste Übungsstufe dargestellt, in der der Elefant und der Affe gehorsam hinter dem Praktizierenden folgen, der nicht einmal auf sie zurückblicken muss. Dies bedeutet, dass sich der Praktizierende nicht ständig auf die Kontrolle des Geistes konzentrieren muss und das Fehlen des Kaninchens zeigt, dass die subtile Dumpfheit, die im dritten Stadium auftrat, nun verschwunden ist.

Nach Erreichen der siebten Stufe kann der Elefant auf eigene Faust folgen und der Affe geht ab. der Praktiker hat keine Verwendung mehr für das Seil und die ablenkende Aufmerksamkeit und Mattigkeit treten nur gelegentlich und mild auf. Auf der achten Stufe ist der Elefant ganz weiß geworden und folgt dem Praktizierenden. Dies zeigt, dass der Geist gehorsam ist und es kein Sinken oder Zerstreuen gibt, obwohl zur Konzentration noch etwas Energie benötigt wird. Auf der neunten Stufe kann der Praktizierende tatsächlich in Meditation sitzen, während der Elefant friedlich in der Nähe schläft. An diesem Punkt kann sich der Geist ohne Anstrengung über lange Zeiträume – Tage, Wochen oder sogar Monate – konzentrieren. Die zehnte Etappe, auf der wir den Meditierenden auf dem Elefanten sitzen sehen, bedeutet das wirkliche Erreichen eines ruhig verweilenden Geistes. Auf der letzten, elften Stufe sitzt der Meditierende auf dem Rücken des Elefanten und hält ein Schwert. An diesem Punkt beginnt der Praktizierende mit einer neuen Art der Meditation, die „Höheres Sehen“ oder Einsichtsmeditation genannt wird, mit der er die Natur der Realität erkennen will.

Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. Januar 2019

Lehrzyklen im Buddhismus

Ein kurzer Überblick über die drei Drehungen und das Mantra Pitaka der Vidyadharas

von Khenpo Pema Vajra

SANG GYE LA CHAG TSHAL LO!

Stupa in Sarnath

Unser Lehrer drehte das Rad des Dharma in drei Stufen: die erste Drehung des Dharma-Rades beruht auf den vier edlen Wahrheiten, die zweite Drehung des Dharma-Rades auf dem Fehlen von Merkmalen und die endgültige Drehung des Dharma-Rades auf dem Treffen der vollkommenen Unterscheidungen.

Die vier edlen Wahrheiten

Die vier edlen Wahrheiten werden für Anfänger gelehrt, die zyklische Existenz hinter sich lassen und Befreiung erlangen möchten. Sie werden in Bezug auf 1) die Merkmale der zyklischen Existenz; und 2) ihre Ursachen; sowie 3) die Merkmale der Befreiung; und 4) die Methoden zu ihrer Erlangung vermittelt. Der Buddha sagte:

Das ist die Wahrheit des Leidens. Die Wahrheit des Leidens muss verstanden werden. Dies ist die Wahrheit des Ursprungs. Die Wahrheit über den Ursprung ist aufzugeben. Dies ist die Wahrheit der Beendigung. Die Wahrheit der Beendigung ist zu erreichen. Dies ist die Wahrheit des Weges. Man muss sich auf die Wahrheit des Pfades verlassen.

Buddha Shakyamuni

1. Die Wahrheit des Leidens

Die Wahrheit des Leidens bezieht sich auf die Umgebungen und die Bewohner der zyklischen Existenz, die wiederum in drei Bereiche und sechs Klassen von Wesen unterteilt werden können. Alle diese können in die fünf Aggregate einbezogen werden.

Wie ist das zu verstehen? Es gibt vier Charakteristika des Leidens und der zyklischen Existenz: 1) Leiden; 2) Vergänglichkeit; 3) Leerheit; und 4) Ichlosigkeit.

„Leiden“ bezieht sich auf die drei Arten von Leiden in der zyklischen Existenz als Ganzes: 1) offenkundiges Leiden, 2) das Leiden der Veränderung und 3) das alles durchdringende Leiden der Bedingtheit. „Unbeständigkeit“ umfasst die grobe Unbeständigkeit der Geburt und des Todes von Wesen, die Bildung und Zerstörung des Universums, die Veränderung der Jahreszeiten usw. sowie die subtile Unbeständigkeit, die darin besteht, dass sich alle bedingten Dinge ständig ändern, Moment für Moment und sie bleiben niemals statisch. „Leerheit“ bedeutet, dass es überall, wo wir innerhalb oder außerhalb der fünf Aggregate suchen, nichts gibt, was wir als „Ich“ oder „Selbst“ bezeichnen könnten, so wie man sagt, dass ein Haus „leer“ ist, wenn sich keine Personen darin befinden. „Ichlosigkeit“ zeigt an, dass die fünf Aggregate nicht über die Eigenheiten verfügen, d. h. Dauerhaftigkeit, Einzigkeit und Unabhängigkeit. Dies ist vergleichbar mit der Aussage, dass das Haus keine Person ist, weil ihm alle Eigenschaften eines Menschen fehlen.

Es ist notwendig, die Charakteristika der Wahrheit des Leidens wie dieser zu verstehen, damit wir der zyklischen Existenz überdrüssig werden und den Wunsch entwickeln, Befreiung daraus zu finden, und dass wir verstehen, wie trügerisch es ist, sich an ein Selbst zu klammern, wo es keines gibt.

2. Die Wahrheit des Ursprungs

Sobald wir die Wahrheit des Leidens verstanden haben und kein Verlangen danach mehr spüren, müssen wir seine Ursache, die Wirklichkeit des Ursprungs, verstehen, damit wir es aufgeben können. Wenn wir zum Beispiel wissen, dass körperlicher Schmerz belastend und unerwünscht ist, werden wir die Notwendigkeit sehen, seine Ursachen, wie Krankheit und schädliche Einflüsse, aufzugeben.

Die Wahrheit über den Ursprung besteht aus zwei Aspekten: Karma und psychische Bedrängnis. „Karma“ bezieht sich hier auf die zehn Untugenden, verdorbene tugendhafte Taten, die nicht mit geschickten Mitteln angenommen werden, und bloßes geistiges Ruhen, das nicht mit durchdringender Einsicht kombiniert wird. Psychische Bedrängnis die Ursachen, die diese Handlungen antreiben – die drei Hauptgifte des Geistes und alle primären und sekundären Leiden, die sie verursachen. Die Wurzel oder der „Samen“ aller psychischen Bedrängnis ist das Festhalten an einem Ich. Dies nennen wir „Festhalten an einem Ich des Individuums“ oder „angeborenes Selbstklammern“. Dies ist das Nichtgewahrsein, die das erste der zwölf Glieder des bedingten Entstehens ist. Daher sind dieses Anhaften und alle karmischen Handlungen und Störgefühle, die es hervorbringt, das, was wir als „Ursprung“ bezeichnen, und wir müssen verstehen, wie sie die Ursachen für jede Art von psychischer Bedrängnis sind.

Ursprung hat vier Eigenschaften: 1) Ursache; 2) Herkunft; 3) intensives Auftauchen; und 4) Bedingung. Erklären wir diese in der richtigen Reihenfolge. Erstens bedeutet „Ursache“, dass Karma ebenso wie ein Samen seine Früchte hervorbringt, wie eben Handlungen (Karma) und Störgefühle alle Leiden der zyklischen Existenz erzeugen. Zweitens bedeutet „Herkunft“ (oder Quelle), dass genau wie Ernten aus einem Feld wachsen, alle Leiden auf Karma und die Störgefühle zurückzuführen sind. Drittens bedeutet „intensives Auftauchen“, dass starkes Karma und Störgefühle, genau wie das Berühren einer Wunde am Körper, sofort großes Leid verursachen. Viertens bedeutet „Bedingung“, dass Leiden durch die Bedingungen des Karmas und die Störgefühle verursacht wird, genau wie bei einer Kulturpflanze ihre Produktionsbedingungen wie Wasser und Düngemittel erforderlich sind.

Es ist notwendig, dies zu verstehen, damit wir den Wunsch entwickeln, Karma, die psychische Bedrängnis und das Festhalten an einem Ich zu vermeiden, genauso wie das Wissen, wie Gift und Infektion die Ursachen von Krankheiten sind, bedeutet, und dass wir uns bemühen, sie zu vermeiden.

3. Die Wahrheit der Beendigung

Indem wir den Ursprung aufgeben, können wir frei von den Leiden der zyklischen Existenz sein und die Wirklichkeit der Beendigung erkennen, die Nirvana ist. Wir müssen also den Wunsch entwickeln, eine wirkliche Beendigung zu erreichen. Wahre Beendigung ist uneingeschränkter absoluter Raum, frei von den fünf Aggregaten, in denen der Keim des Ursprungs aufgegeben wurde. Sie hat vier Eigenschaften: 1) Frieden; 2) Aufhören; 3) Perfektion; und 4) wahre Befreiung.

„Frieden“ bedeutet, dass alles Karma und alle psychische Bedrängnis, sowie das Leiden und die verunreinigten bedingten Phänomene, die vorher vorhanden waren, alle vollständig beruhigt wurden. „Aufhören“ bedeutet, dass alle Samen, die durch das Anwenden der Gegenmittel aufgegeben wurden, niemals zurückkehren werden. „Perfektion“ zeigt an, dass dieser Zustand fehlerfrei ist, ausgezeichnet ist und über Qualitäten verfügt. „Wahre Befreiung“ zeigt an, dass es uns unmöglich ist, immer wieder in die zyklische Existenz zurückzukehren, wenn wir einmal die Einstellung eingestellt haben. „Beendigung“, „Befreiung“, „totale Freiheit“ und „Nirvana“ sind alle synonym.

Es ist für uns notwendig, die Einstellung zu verstehen, denn wenn wir die Vorteile und die wundervollen Eigenschaften sehen, die gewonnen werden können, werden wir die Befreiung anstreben.

4. Die Wahrheit des Pfades

Der wahre Weg ist derjenige, der von einer Person praktiziert wird, die die Fehler des wahren Leidens der zyklischen Existenz und die Vorteile der wahren Beendigung der Befreiung kennt und die zyklische Existenz hinter sich lassen und Nirvana erreichen möchte. Der wahre Weg besteht in der Weisheit, das Ich des Individuums nicht zu ergreifen, begleitet von Glauben, Fleiß, Achtsamkeit, Konzentration, Intelligenz und so weiter. Es hat vier Eigenschaften. Es ist: 1) ein Pfad, 2) angemessen, 3) effektiv und 4) wahrhaft befreiend.

Er ist ein „Pfad“, da es uns vom Zustand eines gewöhnlichen Wesens zum Erwachen und zur Befreiung führt. Er ist „angemessen“ in dem Sinne, dass er sich als Gegenmittel für den Ursprung, das Karma und die Leiden eignet. Er ist „effektiv“, weil er unseren Verstand unfehlbar dazu bringt, den echten Ansatz zu erreichen. Der Pfad ist „wahrhaft befreiend“, denn wenn wir ihn praktizieren, besteht kein Zweifel, dass wir aus dem Sumpf der zyklischen Existenz herausgeführt werden oder „endgültig daraus hervorgehen“.

Wie setzen wir das um? Da wir wissen, dass die gesamte zyklische Existenz von Natur aus Leid ist, sollten wir starke Entsagung und den Wunsch, ihr zu entfliehen, empfinden und einen spirituellen Lehrer suchen, der uns den Weg richtig zeigen kann. Wenn wir seine Anweisungen erhalten und unsere reine ethische Disziplin ebenso sorgfältig bewahren wie unsere eigenen Augen, müssen wir eine stabile Ruhe und eine zielgerichtete Konzentration erreichen, indem wir referenzielles und nicht referenzielles geistiges Ruhen an einem isolierten Ort praktizieren. Dann müssen wir unser Bewusstsein in den Punkten Ichlosigkeit und Leerheit schulen, nachdem wir durchdringender Einsicht basierend auf den Anweisungen unseres Lehrers entdeckt haben. Aus der Einheit von geistigem Ruhen und durchdringender Einsicht können wir die Natur des Geistes selbst definitiv feststellen und nicht-konzeptuelle Weisheit in unserem Geist wecken. In einem Zustand des meditativen Gleichgewichts, das durch die Anhaftung an Erfahrung oder intellektuelle Spekulation nicht befleckt ist, wird das Klammern an einem Ich an der Wurzel abgeschnitten, die Fixierung auf die Sicht oder die Meditation verblassen, subtile und gröbere Geisteszustände werden gereinigt und wir werden den klaren und ursprünglichen natürlichen Bewusstseinszustand erreichen, der sich seiner selbst bewusst und frei von Objekten ist. Bis dies erreicht ist, müssen wir uns mit großer Sorgfalt der Praxis widmen. Sobald wir dieses Niveau ganz natürlich und mühelos erreicht haben, werden wir in der Lage sein, seine Kontinuität durch angeborene Achtsamkeit ohne jegliche Ablenkung aufrechtzuerhalten, und durch die Entwicklung der Stärke unserer Praxis wird die natürliche Ausstrahlung ungeborener Bewusstheit und Leerheit zum Ausdruck des ununterbrochenen Samadhi. Alle Arten erleuchteter Aktivitäten für unser und das Wohlergehen anderer – wie z. B. Liebe und Mitgefühl, Vertrauen und reine Wahrnehmung, Erzeugungsstufe (Kyerim) und Vollendungsstufe (Dzogrim), Mantra-Rezitation, Ansammlung von Verdienst und Weisheit, Reinigung von Verschleierungen, die sechs Vollkommenheiten und die vier Mittel zur Anziehung, des Ausführens und Strebens – werden mühelos erreicht. So wie ein Magier magische Gebilde heraufbeschwört oder Illusionen der vier Elemente am Himmel zeigt, wird all diese Vielfalt unaufhörlich als Strahlen der ungeborenen Natur auftauchen und befreit werden, ohne sich an die Präsentation zu klammern. Auf diese Weise können wir erleuchtete Handlungen üben, bei denen die beiden Wahrheiten untrennbar miteinander verbunden sind und ohne Klammern oder Anhaftung: „Handle wie ein Lotos im Wasser, unbesiegt und wie die Sonne und der Mond am Himmel – ungehindert.“ – mit anderen Worten, handeln ohne Anhaftung oder Behinderung.

Betrachten wir dies in Bezug auf die Anweisungen zu den vorläufigen Praktiken:

• Die Lehren über Tod und Vergänglichkeit und das Leiden in der zyklischen Existenz sind Anweisungen, um die Wahrheit des Leidens zu verstehen.

• Die Lehre über Ursache und Wirkung von Handlungen ist die Anweisung, den wahren Ursprung [des Leidens] aufzugeben.

• Die Belehrung über die Vorteile der Befreiung ist die Anweisung zur Erreichung einer wahren Beendigung.

• Die Lehren über das Nachdenken über die körperliche Stütze mit ihren Freiheiten und Vorteilen und darüber, wie man sich auf einen spirituellen Lehrer stützen kann, sind Anweisungen, die die richtigen Voraussetzungen für das Betreten des wahren Pfades schaffen. Dann sind die Stufen der Lehren von der Zuflucht bis zum Guru Yoga, die uns durch die drei äußeren, inneren und geheimen Fahrzeuge führen, die Anweisungen, um dem wahren Pfad zu folgen.

Da diese vier Wahrheiten zeigen, wie wir das Annehmen und Aufgeben auf der Grundlage eines Verständnisses der Natur der zyklischen Existenz und Nirvana üben sollten, bieten sie eine allgemeine Struktur für alle Pfade und eine gemeinsame Basis für alle Vehikel und bilden den großen Pfad, der ist gefolgt von allen edlen Wesen. Dies bedeutet, dass das, was wir üben, sei es die Sutras, Tantras oder Kernanweisungen, entscheidend ist, dass wir sie verstehen.

Das zweite Drehen des Rades des Dharma

In der mittleren Zusammenstellung der Lehren werden dann alle Phänomene anhand der drei Tore zur Befreiung erklärt: Leerheit, Abwesenheit von Merkmalen und Wunschlosigkeit. Das Rad des Dharmas über das Fehlen von Merkmalen wurde zum Wohle der Schüler gedreht, die das Potenzial haben, dem Mahayana zu folgen. Das Klammern an einem Ich oder das Selbstbild, das im Zusammenhang mit der Wahrheit des Ursprungs als Wurzel des samsarischen Daseins erwähnt wird, ist hier in zwei Teile geteilt, d.h. das Festhalten an dem Ich des Individuums und das Festhalten an einem „Ich“ oder Identität von Phänomenen. Es ist das Festhalten an einem „Ich“ der Phänomene, das als Wurzel des samsarischen Daseins gelehrt wird. Um sein Gegenmittel, die Ichlosigkeit der Phänomene in vollständiger Weise im Kontext des wahren Pfades zu lehren, wird das tiefgreifende Thema der Leerheit in äußerst ausführlichen Details dargelegt. Wenn wir uns dies in der Praxis zu Herzen nehmen, werden alle unsere kognitiven Verschleierungen aufgegeben, so dass wir allwissende Weisheit erkennen und für die Lebewesen wirken, solange der Raum existiert. Da wir uns in der grenzenlosen Aktivität der Bodhisattvas schulen müssen, nachdem wir über die Leerheit mit dem höchsten aller Aspekte meditiert haben, alle Aspekte der Übung geschickter Mittel, wie etwa das Erwecken der höchsten Geisteshaltung des Erleuchtungsgeistes, das Erreichen unendlicher Tore zur Versenkung und Meditation, die sechs Vollkommenheiten, die vier Unermesslichen, die vier Punkte des Anziehens und so weiter, werden ebenfalls sehr ausführlich gelehrt. Auf diese Weise lernen wir zu üben, ohne geschickte Mittel von Weisheit zu trennen.

Das dritte Drehen des Rades des Dharma

In der letzten Reihe von Lehren sind alle Phänomene vollständig in drei Kategorien unterteilt: unterstellt, abhängig und wahrhaft etabliert. Das wirklich Etablierte, das die absolute Wahrheit ist, wird gelehrt, indem endgültig bewiesen wird, dass der uneingeschränkte absolute Raum aller Phänomene, unsere eigene natürlich entstehende Weisheit, frei von jeglicher konzeptioneller Ausarbeitung, das Wesen des großen mittleren Weges ist. Konzepte von realen Dingen als wirklich existierenden und unwirklichen Dingen als leere und sogar extrem subtile mentale Extreme werden als bloße konzeptionelle Ideen und subtiles Denken aufgezeigt. Dann lernen wir, wie wir in die Sphäre des erleuchteten Geistes eintreten können, die unvorstellbare Weisheit, in der alle Grundlagen für solche Ansichten aufgegeben wurden. Daher ist dies auch eine Lehre über die letztlich tiefgreifende Wahrheit des Pfades als Mittel, um die subtilen negativen Tendenzen im Zusammenhang mit dem Ursprung aufzugeben.

Daher gehen die Lehren aller drei Drehungen nicht über den Ansatz der vier Wahrheiten hinaus, sondern sind lediglich Unterteilungen darin.

Das geheime Mantrayana

Selbst in der Tradition des unübertroffenen geheimen Mantras Vajrayana erkennen wir die Allwissenheit, indem wir uns von den Ursachen und Auswirkungen der zyklischen Existenz abwenden und auf die Ursachen und Wirkungen ihrer Transzendenz eingehen. Im Allgemeinen passt dies also in das Schema der vier Wahrheiten, aber es gibt einen Unterschied, wie dies in die Praxis umgesetzt wird.

Von den Umgebungen und Bewohnern der zyklischen Existenz, die die Wahrheit des Leidens ausmachen, wird darüber gesprochen, wie sie tatsächlich sind und wie sie erscheinen.

Betrachten wir sie zuerst unter dem Gesichtspunkt, wie sie wirklich sind. All diesen verschiedenen Erscheinungen zugrunde liegend ist die natürlich entstehende Weisheit über alle konzeptionellen Ausführungen hinweg, der große Dharmakaya, in dem die Wirklichkeiten des Erscheinens und der Leerheit untrennbar sind. Daher sprechen wir von „Buddhaschaft des spontan vollendeten Grundes“. Wie das Beispiel eines in Schlamm gehüllten Juwels ist unsere eigene Natur absolut rein. Die Natur der Realität des Leidens ist eine wahre Beendigung, und so sprechen wir von der Untrennbarkeit der zyklischen Existenz und ihrer Transzendenz. Dies ist das Kontinuum des Grundes oder die Grundlage für die Reinigung. Um dies zu verwirklichen, haben wir die Ansicht oder Philosophie, die als „Untrennbarkeit von zyklischer Existenz und ihrer Transzendenz“ bekannt ist.

Betrachten wir nun, wie die Dinge erscheinen. Äußere und innere Phänomene, die in der gewöhnlichen Wahrnehmung gewöhnlicher Wesen als unabhängig erscheinen, werden als „trügerische Erscheinungen aufgrund eines Mangels an Erkennen“ bezeichnet. Das müssen wir reinigen. Es ist die Wahrheit des Leidens.

In Bezug auf Karma und die psychischen Bedrängnisse der Wahrheit vom Ursprung (des Leidens) gibt es zwei Alternativen: Eine ist, sie in den Pfad zu bringen, indem man ihre Natur erkennt, und die andere ist, sie ihren Lauf zu lassen und Leiden zu erzeugen. Die Art und Weise, um sie in den Pfad zu bringen, ist wie folgt: welche Störgefühle auch auftauchen, wenn wir uns sanft in die Emotion selbst einlassen, ohne speziell versuchen, sie zu blockieren oder zu kultivieren, wird ihre Energie in den grundlegenden Zustand des Geistes befreit, genauso wie ein Eisblock, der zu Wasser schmilzt oder eine Welle, die sich wieder im Meer auflöst. Die Essenz der quälenden Emotion selbst, die jenseits von Begriffen der grundlegenden Weisheit ist, wird nackt und deutlich entstehen. In diesem Fall muss man kein anderes Gegenmittel anwenden. Die psychische Bedrängnis dämmert als Weisheit, so dass der Ursprung zur Wahrheit des Pfades wird. Daher wird dies als „Leiden als Weg nehmen“ bezeichnet.

Die Handlungen (Karma) unseres Körpers und unserer Sprache sind an sich neutral. Es ist der Geist, der sie tugendhaft oder nicht tugendhaft macht. Wenn wir unserem Geist nicht erlauben, Subjekt und Objekt zu verifizieren, sondern stattdessen erlauben, dass das, was im Geist entsteht, in der offenen Wirklichkeit seiner eigenen inneren Natur befreit wird, dann ist dies Weisheit. Damit unsere gewöhnliche Wahrnehmung als reine Wahrnehmung auftritt, erzeugt man zu Beginn die höchste Geisteshaltung (Bodhicitta), übt den Hauptteil, indem man Gottheit, Mantra und Samadhi bewusst macht und widmet dies schließlich der raschen Vollendung der beiden Ansammlungen mit geschickten Mitteln. Wenn dies von dieser besonderen Weisheit und diesen geschickten Mitteln begleitet wird, werden auch unsere Handlungen zum wahren Pfad.

Wie sie zum Ursprung werden, wenn wir nicht über diese besondere Weisheit und geschickte Mittel verfügen, werden wir sowohl in unseren Absichten als auch in unseren Handlungen in gewöhnliche Muster geraten und dadurch Karma anhäufen und gezwungen sein, endlos in der zyklischen Existenz umher zu wandern. So werden sie zum wahren Ursprung des Leidens.

Wenn wir also die Schlüsselpunkte des Vajrayana wie diese eben verstehen und das Vertrauen der Verwirklichung und Erfahrung haben, können wir die Natur der Wahrheit des Leidens als Beendigung erkennen und den Ursprung als den wahren Pfad nehmen, so dass die Ursachen und Wirkungen der zyklischen Existenz zu den Ursachen und Wirkungen ihrer Transzendenz werden. Was aufgegeben werden soll, wird zum Heilmittel, und wir erkennen die Unteilbarkeit von zyklischer Existenz und ihrer Transzendenz.

Wenn wir das verstehen, können wir sehen, dass es nur einen kleinen Unterschied zwischen den Pratimoksha-, Bodhisattva- und Mantrayana-Gelübden gibt, und zwar in Bezug auf die Wahrheit des Pfades und ob man Vermeidung, Transformation oder „als Pfad nehmen“ praktiziert. Tatsächlich sind diese Ansätze alle identisch, wenn man das tatsächliche Karma und die psychischen Leiden aufgibt, unsere gewohnte Wahrnehmung der zyklischen Existenz, die die Wahrheit des Leidens ist, reinigt und die letztendliche Wahrheit der Beendigung realisiert.

Weil der Ansatz des geheimen Mantras auch zur Herangehensweise der vier Wahrheiten gehört, wird das Dharani der „Essenz des bedingten Entstehens“, das die Bedeutung der vier Wahrheiten darlegt, allgemein als oberstes Lob gepriesen und findet sich in allen Bereichen die Sutras, Tantras und Kernanweisungen.

Diese vier Wahrheiten, die direkte Lehre der ersten Drehung, dessen Bedeutung in einem einzigen Vers in der Essenz des bedingten Entstehens festgehalten ist, sind hier in einer ursprünglichen und feinen Erklärung dargelegt. Es wird gezeigt, wie entlang der Pfade aller Sutras, Tantras und Anweisungen schrittweise vorzugehen ist. Dies wurde durch das spielerische Eingreifen der Göttin Sarasvati um den Geist der Glücklichen zu erfreuen, genauso wie es durch den Klang ihrer Viṇa mit mir verbunden war, aus dem großen Ozean von Manjushris Weisheit entnommen. Über den Gipfeln der östlichen Berge des Verstandes möge diese jugendliche Sonne der Anweisungen ihre zahllosen Lichtstrahlen ausstrahlen. Und die tausend Lotosblüten des Vertrauens und der Weisheit zum Blühen bringen, (sowie) den süßen Duft der Erfahrung und Verwirklichung in alle Richtungen aussenden!

Dies wurde von Pema Vajra geschrieben. Möge es tugendhaft sein!


ཨོཾ་ཡེ་དྷརྨཱ་ཧེ་ཏུ་པྲ་བྷཱ་ཝཱ་ཧེ་ཏུནྟེ་ཥཱནྟ་ཐཱ་ག་ཏོ་ཧྱ་ཝ་དཏ། ཏེ་ཥཱཉྩ་ཡོ་ནི་རོ་དྷ་ཨེ་ཝྃ་ཝཱ་དཱི་མ་ཧཱ་ཤྲ་མ་ཎཿསྭཱ་ཧཱ།
Skt.: om ye dharma hetu prabhava hetum tesham tathagato hy avadat tesham cha yo nirodha evam vadi mahashramanah svaha.


Übersetzung vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. Januar 2019

Hindernisse und Dharma-Fallstricke

In verschiedenen Schriften des Dharma werden Hindernisse bei der Praxis aufgezählt. Obwohl die Hindernisse auf dem Pfad so zahlreich wie die fühlenden Wesen in Erscheinung treten können, sollte man doch einige wesentliche kennen und sie auch dann erkennen, um sie zu beseitigen. Allzu leicht geschieht es, dass offensichtliche Hindernisse zum Aufgeben der Dharma-Praxis führen, und dass verborgene Hindernisse einen vom Weg ableiten, obwohl man noch im guten Glauben ist, den Dharma zu praktizieren.

In den fünf wohlbekannten Hemmnissen wie Begierde, Aversion, Trägheit, Ruhelosigkeit und Zweifel sind bereits viele Schattierungen davon wie Hass, Wut, Feindseligkeit, Angst, Langeweile, Lethargie, Faulheit, Schwerfälligkeit, Verworrenheit, Schläfrigkeit, Aufregung, Nervosität, Sorge usw. zusammengefasst. Praktizierende erfahren diese verschiedenen Geistesregungen immer wieder, solange sie „noch in der Stadt des Leidens eingekerkert“ sind.

Hindernisse auf dem Pfad

Padmasambhava bietet auf die Fragen des König Nyangwen Tingzin Zangpo in den Dzogchen-Herzensunterweisungen im Könchog Chidu einige aufschlussreiche Antworten und Beispiele. Nachdem er dem König die Grundlagen wie die kostbare menschliche Geburt, die Unausweichlichkeit von Vergänglichkeit und Tod, das Gesetz von Ursache und Wirkung, sowie notwendige Punkte wie Mitgefühl und Vertrauen darlegt, schildert er ihm auch die Hindernisse und Fallstricke auf dem Pfad der Großen Vollkommenheit.

Er beginnt mit Faulheit. Faulheit tritt dann leicht auf, wenn Praktizierende gerade ein bisschen Vertrauen in den Pfad entwickelt haben, ein paar angenehme Erfahrungen gemacht haben und meinen, das wäre es jetzt. Gibt man an dieser Stelle die zuvor erwähnten Grundlagen auf, beginnt man die Erleuchtung zu auf später zu verschieben. Man findet gute Entschuldigungen, um nicht zu praktizieren. Wird dies erst einmal zu Gewohnheit, dann schwindet auch das Vertrauen in die Lehren. Dies kann nur durch einen qualifizierten Lehrer umgekehrt werden, er einem wieder unerschütterliches Vertrauen und stetes Bemühen durch sein eigenes Vorbild einpflanzt.

Ein weiteres Hindernis ist Wechselhaftigkeit. Aufgrund von Einflüsterungen der Mitmenschen, widmet man sich einmal der Praxis, dann wieder nicht. Auch hier bleibt die beständige Praxis aus. Daher sollte man die Ratschläge der Mitmenschen genau prüfen und sich vor allem dem Rat des Lehrers anvertrauen.

Wenn dann einige gewisse Beständigkeit entstanden ist und einige meditative Erfahrungen eingetreten sind, beginnen manche Leute am Lehrer zu zweifeln. Aufgrund dürftiger meditativer Erfahrungen, und ohne ihre Schleier bereinigt zu haben, fühlen sie sich dem Lehrer gleichrangig, erkennen seine Fähigkeiten und Qualitäten nicht mehr, suchen die kleinsten Fehler und entwickeln entgegengesetzte Ansichten. Mit ihrem aufgeblasenen Ego sind diese Leute dann den Lehren nicht mehr zugänglich und beginnen ihre verdrehten Lehren zu verkünden. Sobald man diese Tendenzen bei sich bemerkt, sollte man daher sich nicht davon abbringen lassen, dem Lehrer zu vertrauen.

Hat man das vorherige Hindernis nicht erkannt und praktiziert weiter, kommt leicht die nächste Bedrängnis in Form eines Rückfalls in die Gier. Geld, Geschäfte, Karriere, Erfolg, Macht, Sex, Alkohol – diese Dinge stehen im Vordergrund und man strebt nur mehr nach weltlichen Genüssen. Um diese Bedrängnis zu überwinden, benötigt es unerschütterliche Entschlossenheit. Padmasambhava empfiehlt hier, dass man sich jener Lehre besonders widmen soll, die einen inspiriert. Ablenkungen soll man aufgeben und auch Handlungen, die im Widerspruch zur Praxis stehen, sind zu vermeiden. Man soll sich auch an den Vorbildern früherer verwirklichter Meister orientieren.

Besonders schwierig bezeichnet Padmasambhava das Hindernis „Einbildung“. Einbildung ist fürwahr ein fast unüberwindliches Hindernis, da sie einen glauben lässt, trotz dürftiger Kenntnisse der Lehre, bereits über allen Lehren zu stehen. Von den grundlegenden Lehren haben solche Menschen nichts realisiert, bestenfalls ein paar Worte dazu aufgeschnappt und spielen sich nun als Lehrer auf, bilden sich ein, andere auf ihre Erfahrungen hin prüfen zu müssen. Begegnen sie dann weiterführenden Praktiken, zeigen sie kein Interesse, sondern erheben sich mit einem „Kenne ich schon alles“ über diese Lehren hinweg. So werden sie den tiefen Sinn des Dharma nicht erfassen, da kein sicheres Verständnis erwächst. Nur indem man die Lehren und Kommentare der Weisen und Meister immer wieder aufs Neue vorurteilslos studiert, wird Verständnis entstehen.

Die nächste Falle in Form von Stolz ereilt einen, wenn man bereits über ein wenig Verständnis verfügt, einige Qualitäten entwickelt hat, und man den Schmeicheleien der Gönner und Schüler zum Opfer fällt. Dem entkommt man nur, indem man sich wieder auf das Wesentliche – die Praxis und den Erleuchtungsgeist – besinnt und alle anderen Aktivitäten einstellt.

Einbildung und Stolz führen zu Rivalität. Leute, die ihren rivalisierenden Neigungen nachhängen, verwandeln die eigene Lehre, auf die sie sich stützten sollten, in Gift. Sie vergleichen in gefährlicher Weise zwischen ihren eigenen Ansichten und jenen anderer Lehren und erkennen nicht mehr die durchgängig vorhandene Wahrheit in jedem Dharma.

Weiterführend auf der Straße der Unterscheidung kann das nächste Hindernis in Form von „Eigennutz der gewonnenen spirituellen Kräfte“ auftauchen. Man sieht aufgrund von Fortschritten in der Praxis bei sich einige Kräfte wachsen und beginnt sie zum eigenen Vorteil einzusetzen. Um dieses Hindernis des magischen Strebens zu überwinden, empfiehlt Guru Rinpoche, sich „in den Geist der reinen Aufmerksamkeit [zu] versenken, ohne auf die Inhalte der Meditation einzugehen.“

Als nächstes Hindernis schildert Padmasambhava den „Abbruch der Übung“, der daraus entsteht, dass man aufgrund der Praxis eine hohe Sensibilität entwickelt hat. Die subtilen Kanäle und Energieströme im Körper werden wahrgenommen und durch eine Hypersensibilität ist man nicht mehr bereit, geringste Unannehmlichkeiten zu ertragen und mag auch nicht mehr meditieren. Man muss sich daher erinnern, dass die Natur der bedingten Existenz leidvoll ist, und dass dies so lange andauert, bis vollständige Realisation erlangt ist.

Gelangt man in den Bereich einer großen Wonne, besteht die Gefahr, dass Hindernisse in Form von sexueller Energie einen überwältigen und man nach sexuellen Abenteuern strebt, bei denen man sich jenseits aller Regeln sieht. An dieser Stelle empfiehlt Padmasambhava, die Bande des Verlangens endgültig zu durchtrennen.

Hat man sich aus den vorherigen Verwirrungen nun gelöst, kann die Erfahrung von Leere zum Hindernis werden. Indem man Leerheit mit einer völligen Leere, einem Nichts, verwechselt und den Selbstgesprächen wie „nichts existiert wirklich“ nachhängt, verliert man jegliches Maß und Ziel hinsichtlich der ethischen Disziplin. In diesem Fall empfiehlt es sich, ethisches Verhalten zu kultivieren und das Verständnis zu vertiefen, dass Leerheit niemals von Mitgefühl getrennt ist.

Doch auch Mitgefühl selbst kann zum Hindernis werden. Wenn man darauf brennt, anderen von Nutzen zu sein, ihnen zu helfen usw., geschieht es sehr leicht, dass man allzu große Erwartungen und Hoffnungen in bestimmte Resultate legt und dann enttäuscht wird und sich so erschöpft. Wenn diese geschieht, sollte man den Fokus mehr auf das Verständnis des bedingten Entstehens richten, d.h. man sollte „eine tiefere Erleuchtung“ entwickeln.

Manchmal geschieht es, dass Visionen vom Lehrer oder den Meditationsgottheiten auftauchen und diese bestimmte Prophezeiungen wie „Geh jetzt los und erlöse deine Nächsten“ oder „Arbeit ohne Meditation ist auch eine Übung“ tätigen. Padmasambhava rät hier, dass man diese „mit klarer Weisheit“ durchdringt. Wenn diese Visionen oder Erscheinungen noch klarer werden, dann seien sie von Wert. Andernfalls handelt es sich um Dämonen und Trugbilder, die einem nur Hindernisse bereiten.

Als letztes zählt Padmasambhava das Hindernis „spirituelle Freiheit und Ungebundenheit“ auf. Wie ein Verrückter umherziehend, launisch jeder Eingebung folgend und sich außerhalb jeglicher Norm bewegend, bedenken solche Personen nicht die Folgen ihrer Handlungen. Hier rät Guru Rinpoche, sich wieder in die Stille zu begeben und sich in der Atembetrachtung zu üben, bis die weltlichen Dharmas zur Ruhe gebracht sind.

Allgemein kann man sagen, dass Hindernisse so lange auftauchen werden, bis man vollkommene Befreiung erlangt hat. Wenn man sich jedoch entschlossen der Praxis widmet, dann werden keine Hindernisse, seien es widrige Umstände, Krankheiten, Störgefühle, dämonische Einflüsse usw., der Praxis schaden können.

Fallstricke mangelnder Unterscheidung

Es gibt auch noch Fallstricke in der Praxis, wenn man beispielsweise nicht in der Lage ist, zwischen (gewöhnlichem) Geist und Gewahrsein zu unterscheiden, oder zwischen Verstehen und Erkenntnis, zwischen Realisation und dem Erlangen von Vertrauen zu unterscheiden, zwischen Kognition und Weisheit zu unterscheiden, zwischen Bewusstsein und uranfänglicher Weisheit, zwischen dem Allgrund und dem Dharmakaya, zwischen dem, was der Pfad ist und was er nicht ist, zwischen dem Meistern des grundlegend unzerstörbaren Gewahrseins und dem wertneutralen, dumpfen Geisteszustand zu unterscheiden, zwischen Täuschung und Befreiung unterscheiden, zwischen Buddhas und fühlenden Wesen usw. Um diese Unterschiede zu kennen und sie in der Praxis zu erkennen, sollte man sich an den Lehrer wenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Januar 2019

Die zwölf Taten des Buddha

Darstellung Buddhas und seiner 12 Taten

Im Lalitavistara-Sutra, einer Episodensammlung aus Erzählungen über das Leben Buddha Shakyamunis, die teilweise in Pali wie auch in Sanskrit überliefert wurden, finden sich zwölf Taten. Buddha Shakyamuni manifestierte die 12 Taten wie alle Buddhas als implizite Lehren für die Wesen unseres Weltsystems, zusätzlich zu den expliziten Lehren, die er während seines Lebens gab.

Der vom großen Philosophen und Lehrer Arya Nagarjuna verfasste Lobpreis der zwölf Handlungen Buddhas beginnt mit der Huldigung des Buddha. Gemäß der Tradition des Mahayana wird der Prinz Siddhartha als bereits erwachtes Wesen gesehen, der aufgrund seiner früheren Gelübde als Form von geschicktes Mittel und Mitgefühl in der Familie der Shakya Geburt annimmt. Da er nun die Ansammlung von Verdienst und Weisheit vollendet hat, ist der Buddha der Herr und Beschützer der Wesen in diesem Zeitalter.

Herabkunft aus dem himmlischen Bereich von Tushita

Im Tushita-Himmel – dem Bereich der 33 Götter – hat der Buddha die Götter gelehrt. Als Bodhisattva Svetaketu weilte der Buddha, bevor er als Siddhartha Gautama in dieser Welt geboren wurde.

Tushita ist der vierte von sechs Götterbereichen im Begierdebereich. Im Dharma sieht man diesen Bereich als Aufenthaltsort an, in dem sich die zukünftigen Buddhas als Bodhisattvas aufhalten, bevor sie in dieser Welt geboren werden. In einem Mahayana-Sutra, dem „Sutra des unendlichen Lebens“ wird über diesen Bereich gesagt: 

„Jeder dieser Bodhisattvas, den Tugenden des Mahasattva Samantabhadra folgend, ist mit den unermesslichen Praktiken und Gelübden des Bodhisattva-Pfades ausgestattet und weilt fest in allen verdienstvollen Taten. Er reist frei in allen zehn Richtungen und setzt geschickte Mittel zur Emanzipation ein. Er betritt die Schatzkammer des Dharmader Buddhas und erreicht die andere Küste. In den unzähligen Welten erreicht er die Erleuchtung. Zuerst, im Tushita-Himmel wohnend, verkündet er den wahren Dharma. Nachdem er den himmlischen Palast verlassen hat, steigt er in den Bauch seiner Mutter hinab.“

Mahayana-Sutra: „Sutra des unendlichen Lebens“

Im Dana-Sutra, einem Text aus dem Palikanon, wird vermerkt, dass jene, die hier auf Erden in diesem Leben viele heilsame Taten ausgeführt und so Verdienst angesammelt haben, im Tushita-Himmel wiedergeboren werden.

Der Legende nach haben die Devas prophezeit: „In zwölf Jahren wird ein großer Bodhisattva geboren, der entweder ein universeller Herrscher oder ein Buddha wird und als Shakyamuni bekannt wird.“ Als Bodhisattva lehrte er in diesem Sambhogakaya-Bereich und erinnerte sich dann aufgrund seiner Motivation an die Notwendigkeit, in der Menschenwelt geboren zu werden. Da dachte er über fünf Dinge nach: das Land, indem er geboren werden sollte, die Kaste, in die er geboren werden sollte, die Familie, in der er geboren werden sollte, wer seine Mutter sein sollte und dieZeit, zu der er geboren wurde. Der große Bodhisattva entschied sich, in Indien auf dem Jambudvipa-Kontinent als Sohn von König Shuddhodana und Königin Mayadevi des Shakya-Klans wiedergeboren zu werden.

Diese besondere Tat, Tushita für die Geburt zu verlassen, hatte eine besondere Bedeutung. Es sollte uns lehren, dass jemand, der Erleuchtung erlangt hat, nicht länger ein Sklave seines eigenen Karmas ist und die Kontrolle über alles, was er oder sie tut, hat. Der Buddha entschied sich für die Geburt in unserer Welt, weil die Zeit reif war und er uns zeigen wollte, dass ein Erleuchteter die Kontrolle über alles hat, was er oder sie tut.

Eintreten in den Mutterleib von Mayadevi

Als die Zeit zur Geburt gekommen war, trat er wie ein gewaltiger Elefant aus dem Götterbereich herab und ging in den Schoß seiner Mutter ein. Seine Mutter Mayadevi träumte in dieser Nacht von einem weißen Elefanten mit einer Lotusblüte auf dem Stoßzahn, der sie dreimal umkreiste.

Warum entschied sich der Buddha für eine Geburt in gewöhnlicher Menschengestalt? Als transzendentes Wesen, das dem Karma nicht mehr unterworfen ist, hätte er doch alle möglichen Formen wählen können. Doch er wählte diese Art, weil er sah, dass eine wundersame Geburt für die Menschen zu unglaublich sein könnte und sie kein Vertrauen in die Lehre zur Befreiung fassen würden. Da er aber als Mensch aus einem Schoß geboren wurde, zeigte er auf, dass gewöhnliche menschliche Wesen die höchste Verwirklichung und somit Befreiung erlangen können.

körperliche Geburt in den Shakya-Klan in Lumbini

Geboren wurde der Shakya-Prinz nach zehn Monaten. Es heißt, die Geburt soll für Mayadevi schmerzlos verlaufen sein. Unmittelbar nach der Geburt soll der Prinz in jede Richtung ein paar Schritte getan und dabei verkündet haben, dass er die Wesen der Welt befreien wird. Zugleich mit seiner Geburt ereigneten sich verschiedene Wunder, wie dass das Getreide zuwachsen begann und Bäume und für die Region seltene Blumen erblühten. Brahma und Indra erwiesen dem Prinzen ihre Verehrung.

Doch sieben Tage nach der Geburt verstarb seine leibliche Mutter Mayadevi und König Shuddhodana übergab den Prinzen an seine zweite Frau Pajapati Gotami, die Schwester von Mayadevi.

Studium der Künste und Wissenschaften

Während seiner Erziehung meisterte er alle Herausforderungen, stellte seine Tapferkeit bei den Spielen von Anga-Maghadha unter Beweis und triumphierte über seine Herausforderer. Nach den Gepflogenheiten des Shakya-Klans, die der Kaste der Kshatriya angehörten, musste ein Prinz seine Würde in kriegerischen Fähigkeiten wie Reiten, Bogenschießen und Schwertkampf beweisen und indem er in solchen Wettbewerben andere Könige besiegte. Auf seinem Pferd Kanthaka reitend, besiegte Siddhartha seinen Cousin Devadatta im Bogenschießen, einen weiteren Cousin Anuruddha in einem Reitwettbewerb und dann seinen Halbbruder Nanda im Schwertkampf.

Sehr geschickt und gelehrt war er, was wenig überraschend war, da er bereits als erleuchtetes Wesen erschien bzw. zumindest die zehnte Bodhisattva-Stufe realisiert hatte.

Man mag sich fragen, warum er ob seiner hohen Realisation dennoch eine weltliche Ausbildung durchlief.  Dies diente dazu, den verschiedenen falschen Vorstellungen entgegenzuwirken. Denn eines dieser Missverständnisse ist, dass der Buddha lediglich einer gewesen sei, der nur unter dem Baum saß und keinerlei akademische Ausbildung genossen hätte. Ein anderes Missverständnis ist, dass derBuddha alles Wissen schon besaß. Mitnichten! Er hatte nur die entsprechenden Veranlagungen, die erst entfaltet werden mussten. Um also diesen verschiedenen fehlerhaften Auffassungen entgegenzuwirken, widmete sich der Buddha den verschiedenen Studien und Künsten seiner Zeit und meisterte sie erfolgreich. Das zeigt auch, dass wir eine vollständige Ausbildung in unserer eigenen Kultur durchlaufen und diese meistern sollen. Erst dann sind wir in der Lage, ein passendes Gefäß für die Vermittlung des Dharma zu sein.

weltliche Freuden des Familien- und Palastlebens

Im Alter von 16 Jahren heiratete er die Prinzessin Yasodhara. Yasodhara war die Tochter von König Suppabuddha undAmita, die Schwester des Vaters des Buddha, König Shuddhodana. Sie wurde amselben Tag im Monat „Vaishaka“ wie Prinz Gautama geboren. Ihr Großvater warAnjana, ein Koliya-Anführer, ihr Vater war Suppabuddha und ihre Mutter Pamita stammte aus einer Shakya-Familie. Die Shakya und die Koliya waren Zweige der Adicca- oder Ikshvaku-Dynastie. Es gab keine anderen Familien, die ihnen in der Region als gleichwertig angesehen wurden, und deshalb heirateten Mitglieder dieser beiden Königsfamilien nur untereinander. Prinz Siddhartha genoss dasPalastleben und lebte durchaus ein sehr weltliches Leben.

Dabei lehrte der Buddha, damit zukünftige Schüler nicht glauben, ein erleuchtetes Wesen wäre unfähig, Freude undGenuss zu erleben. Ferner zeigte er auf, dass, obwohl er ein so sinnlich befriedigendes Leben führte, er durch diese Sinnesfreuden keine Befriedigung erfuhr und Sinnesgenüsse kein dauerhaftes Glück bieten können. Er verstand, dass eine höhere Form von Glück gefunden werden muss.

Schließlich gebar sie ihm 13 Jahre später einen Sohn, Rahula genannt. Das Glück der heilen Familie war somit vollständig. Doch auch dies bot dem Prinzen keine dauerhafte Befriedung.

Lossagung von der Familie und Aufgabe des Besitzes

Bereits kurz nach seiner Geburt hatte ein Rishi zwei Möglichkeiten des Lebensverlaufs für den Prinzen vorhergesagt. Eine war die königliche Karriere, die Alternative war, dass der Prinz zu einem spirituellen Weltenlehrer werden würde. Aus Furcht vor dem Verlust des Erben beschloss der König Shuddhodana, dass der Prinz in einem Palast ohne Zugang zur Außenwelt aufwachsen würde.

Eines Tages jedoch beschloss der Prinz die Nachbarschaft zu erkunden. Zwar bemühte sich König Shuddhodana allesUnschöne, alles Verfallende usw. von der Reiseroute des Prinzen fernzuhalten, doch das gelang ihm nicht ganz. So erblickte der Prinz bei seiner erstenAusfahrt durch das östliche Tor einen am Alter leidenden Menschen. Dabei entdeckte er, dass alle Menschen dem Alter und Verfall unterliegen.

Bei einer weiteren Ausfahrt durch das südliche Tor sah der Prinz einen kranken Menschen. So erkannte er, dass alle Menschen irgendwann auch einmal Krankheit unterworfen sind.

Bei der Ausfahrt durch das westliche Tor sah er zum ersten Mal eine tote Person. Er musste feststellen, dass ausnahmslos alle Menschen irgendwann einmal sterben. Dies traf ihn sehr, da er erkennen musste, dass weder Reichtum, noch Macht und Berühmtheit, noch Freuden oder Lob einen davor bewahren. Egal ob arm oder reich, höher oder geringer gestellt, niemand ist davon ausgenommen. Er erkannte, dass nicht einmal einKönig sich von diesem Elend freikaufen, diesem auch nicht entfliehen oder  dieses in einem Kampf besiegen kann.

Bei einer vierten Ausfahrt durch das nördliche Tor erkannte der Buddha, dass es einen Weg geben könne, der aus diesem Jammertal des Leidens führen könnte. Er sah einen Weisen, einen Rishi und erkannte, dass ein spiritueller Pfad hilfreich sei, dieses Leiden zu verstehen und ggf. sogar aufzulösen. Da empfand der Prinz großen Überdruss an weltlichen Freuden und entsagte seinem bisherigen weltlichen Leben als zukünftiger König.

Übung der Askese an den Ufern des Nairanjana

In der siebten Nacht nach der Geburt seines Sohnes Rahula verließ der Prinz den Palast. Yasodhara war am Boden zerstört und voller Trauer. So stahl sich der Prinz in der Nacht aus dem Palast, lediglich begleitet von seinem Diener Chandaka, auch als Channa bekannt. Nachdem Channa zunächst protestiert und sich weigerte hatte, zu akzeptieren, dass Siddhartha ihn verlassen würde, sattelte er Siddharthas Pferd Kanthaka und führte ihn am Zügel des Pferdes aus der Stadt in einen Wald am Rand des Anoma-Flusses. Dort am Vishuddha-Stupa angekommen, schnitt sich Siddhartha sein langes Haar ab und übergab alles an seinen Diener. Auf diese Weise begab sich Siddhartha in die Hauslosigkeit und weihte sich selbst zum Mönch. Channa gab Siddharthas Ausrüstung, Waffen und Haare nach seiner Rückkehr in den Palast Shuddhodana zurück, nachdem Siddhartha ihn gezwungen hatte zurückzukehren, obwohl Channa sich geweigert hatte, ihn zu verlassen. Sein Pferd Kanthaka starb unmittelbar vor der Rückkehr in den königlichen Palast von Kapilavastu an gebrochenenHerzen.

Sechs Jahre lang zog Siddhartha umher, lernte bei zwei herausragenden spirituellen Lehrern seiner Zeit – bei Alara Kalama und Uddaka Ramaputta – und meisterte binnen kurzer Zeit ihre Lehren. Doch auch durch deren Lehre erlangte er keine dauerhafte Befreiung. Also macht er sich mit seinen fünf Gefährten auf die Suche und führte ein asketisches Leben.

Mit dieser Lebensweise zeigte derBuddha auf, dass die Entsagung des weltlichen Lebens der Eintritt in den spirituellen Pfad darstellt. So lange man noch an Nahrung, Kleidern, Geld und Besitz, den Freuden des Lebens festhält, wird man sich nicht mit aller Kraft der spirituellenPraxis widmen, sondern einem spirituellen Materialismus züchten. Auch wenn dieZeit der Enthaltsamkeit Siddhartha nicht zur Befreiung führte, so zeigte er damit auf, dass Anstrengung, Fleiß und geduldiges Streben unumgänglich sind und das bereitwillige Annehmen von Schwierigkeiten Teil des Pfades ist.

Am Ende gab Siddhartha sogar die Praxis der Entsagung auf und nahm ihm dargebrachte Nahrung zu sich. Damit zeigte der Buddha den zukünftigen Schülern, dass Befreiung nicht durch einen Lebensstil eintritt, sondern sich im Geist ereignet. Wie im Pratimoksha-Sutra vermerkt: 

„Gib alle unheilsamen Taten auf, vollführe beständig Tugendhaftes, zähme und verwandle deinen Geist. Dies ist die Lehre des Buddha.“ 

Pratimoksha-Sutra (Sutra der Selbstbefreiung)

Genauso müssen auch wir unsere Negativitäten aufgeben, Handlungen jenseits von Bezug ausführen und Einsicht und Erkenntnis erwerben. Entsagung, spirituelle Strenge oder Entbehrungen erfüllen keinen Zweck an sich, noch führen sie zur Befreiung.

Dann verließ Siddhartha auch seine fünf Weggefährten und machte sich auf nach Bodhgaya.

Hervorbringung von Bodhichitta unter dem Bodhi-Baum

Nachdem er die asketischenPraktiken aufgegeben hatte, ließ sich Siddhartha in Bodhgaya unter dem Bodhi-Baum nieder. Er richtete sich ein Sitzkissen aus Kusha-Gras und gelobte, unter diesem Baum sitzen zu bleiben, bis er endgültiges Erwachen erlang hatte.

Dabei zeigte der Buddha, dass authentische spirituelle Praxis zwischen den Extremen stattfindet, weder zu viel Entsagung, noch zu viele Genüsse. Sich einem großen Druck durch Hunger, Durst oder Hitze und Kälte auszusetzen ist für sich gesehen sinnlos, da dies keine Bedeutung aufweist. Wenn man allerdings nur seinen Vergnügungen nachjagt und die Begierde zu stillen versucht, ist Erwachen auch nicht möglich, da sich Verlangen nur weiterbeflügelt und steigert. Wahre Praxis liegt in der Mitte. Daher wird der PfadBuddhas auch als Pfad der Mitte oder Pfad jenseits der Extreme bezeichnet.

Bezwingung der dämonischen Kräfte Maras

Unter dem Bodhi-Baum sitzend erlebte Siddhartha die Konfrontation mit Mara. Mara („Tod“ oder „Durst“), auch Papiyan („böser“) und Varsavarti („der die Wünsche erfüllt“), ist der böse Geist (oder manchmal einfach die Personifizierung des Bösen) im Buddhismus, der Siddhartha versucht. Während dieser Konfrontation versuchte Mara, der Eigenschaften wie Blindheit, Trübseligkeit, Tod und Dunkelheit umfasst, Siddhartha vom Pfad der Erleuchtung abzubringen.

Im Padhana Sutta wird dieReaktion des Buddha auf Maras Versuchungen während seiner Zeit der Askese geschildert:

Lust wird deine erste Armee genannt; Unzufriedenheit an zweiter Stelle; deine dritte wird Hunger und Durst gerufen; deine vierter heißt Wunschverlangen; deine fünfte heißt Faulheit und Schläfrigkeit; deine sechste ist Feigheit; deine siebte ist der Zweifel; deine achte sind Heuchelei und Stumpfsinn, Gewinn, Ruhm, Ehre, sowie Berühmtheit, die fälschlicherweise von dem erlangt wird, der sich selbst erhebt und andere verachtet. Dies ist deine Kampfarmee des Schwarzen. Nur ein Held erobert es und wer es besiegt, erlangt echte Freude. Wehe dem Leben in dieser Welt! Der Tod in der Schlacht ist für mich besser, als dass ich besiegt leben muss. “

Padhana Sutta

Daraufhin schickte Mara seine drei Töchter. Bekannt als der Gott des Blitzes, der Verführung, der Versuchung, der Sinnlichkeit und des Todes, sandte Mara seine drei Töchter, um Siddhartha bei seinem Bestreben zu verführen und abzulenken. Diese drei Töchter Maras verkörpern die drei Störgefühle Unwissenheit, Begierde und Hass.

In einem ersten trügerischen Angriff wurde der Buddha gebeten, seine Meditation aufzugeben und sofort nach Hause zurückzukehren, da sein Vater Shuddhodana verstorben und Devadatta das Königreich übernommen hätte. Doch dies störte in keiner Weise die Meditation Siddharthas. Dann versuchte Mara bei Siddhartha Hindernisse in Form von Begierde hervorzurufen. Maras Töchter versuchten Siddhartha zu verführen und ihn zu benebeln. Als dies bei Siddhartha keine Wirkung zeigte, starteten Papiyan – der Anführer der Maras – und seine Dämonenarmee einen Angriff auf Siddhartha. Mara griff mit einem Wirbelwind an, aber das schlug fehl. Dann ließ er Siddhartha mit einem Regen überfluten, aber Siddhartha wurde nicht einmal nass. Als nächstes verursachte er einen Felsenregen, aber die Felsen verwandelten sich in Blumensträuße und der Waffenregen wurde zu himmlischen Blumen. Er warf einen Schauer glühender Kohlen, aber sie kamen harmlos herunter, ebenso heiße Asche, ein Sandregen und ein Schlammregen. Schließlich verursachte Mara eine Dunkelheit, aber die Dunkelheit verschwand vor Siddhartha.

Siddhartha hingegen verweilte in unermesslichem Mitgefühl und liebender Güte und triumphierte auf diese Weise überMara. Schließlich versuchte Mara Siddhartha zu provozieren. Doch Siddhartha berührte mit seiner rechten Hand die Erde und rief die Erdgöttin als seine Zeugin an, dass er das Recht habe, hier und jetzt an diesem Platz Erleuchtung zu erlangen. Daraufhin floh Mara und Siddhartha wurde der Erleuchtete – derBuddha.

Diese Tat Buddhas wird durch die Geste der Erdberührung dargestellt, bei der er mit seiner rechten Hand sanft die Erde berührt und in seiner linken eine Almosenschale hält. Der Buddha wurde von Maras Täuschungen nicht betrogen und bewies Mara auf wundersame Weise, dass er über viele Zeitalter hinweg heilsame Taten ausgeführt hatte, die nun durch die Erdgöttin bezeugt wurden.

Erlangung der vollkommenen Erleuchtung

Da der Buddha alle Qualitäten der Meditation bis zu den obersten Stufen entwickelt hatte, war er schließlich in der Lage, Erleuchtung zu erlangen. Dies zeigte er, um uns zu beweisen, dass wir alle Erleuchtung erlangen können. Erleuchtung ist nichts, was außerhalb von einem vorgefunden werden kann, sondern sich nur dann einstellt, wenn wir denBlick nach innen richten und mit unserem Geist arbeiten. So wie Buddha die vollständige Erleuchtung erlangt hat, können auch wir diese erlangen. Und dieQualitäten der Erleuchtung werden dann auch nicht verschieden von denen sein, die der Buddha erlangt hat. So wie der Buddha es vollbracht hat, alle negativen Emotionen zu beseitigen, sind auch wir in der Lage dazu.

Erleuchtung ist ein Zustand jenseits von Vorstellungen, Konzepten oder Glaubenshaltungen. Auch ist sie kein Nicht-Denken. Es ist ein Erwachen aus den Schleiern und Verdunklungen der geistigen Trübungen und ein Erlöschen der störenden Emotionen.

Drehen des Dharma-Rades in Varanasi usw.

Nachdem Siddhartha Erleuchtung erlangt hatte, also Buddha wurde, verweilte er noch für einige Zeit unter dem Bodhi-Baum in Bodhgaya. Zunächst war er sich nicht einmal sicher, ob es überhaupt jemanden geben würde, der seine Einsichten verstehen und ebenfalls realisieren könnte. Doch aufgrund von Drängen und Bitten der Götter machte er sich auf um den Dharma zu lehren.

Da seine beiden Lehrer kurz zuvor verstorben waren, suchte er seine früheren Weggefährten. Diese befanden sich zu dieserZeit im Gazellenhain von Sarnath. Zunächst wiesen sie ihn zurück, wollten nichts von ihm hören. Doch je näher er kam, umso überwältigender war die Pracht, die er ausstrahlte und sie konnten nicht widerstehen, seiner Lehre zu lauschen. Im Gazellenhain von Sarnath legte er die Lehre von den vier edlen Wahrheiten dar. Dies bildete die erste Drehung des Dharma-Rades. Ein Dharma-Rad stellt einen Lehrzyklus dar, der sich um ein bestimmtes Thema rankt. Dieser erste Zyklus hat Entsagung im Fokus. Ein weiterer Punkt seiner ersten Lehre war das Verständnis der Leerheit von einem Selbst – Anatman – genannt.

Doch der Buddha lehrte nicht nur inSarnath, sondern auch an vielen anderen Orten, mal öffentlich, mal im kleineren Kreis und mal ganz privat. Nach einigen Jahren eröffnete er einen weiteren Lehrzyklus mit Betonung der Leerheit und Merkmalslosigkeit aller Phänomene. Dies begründet den Bodhisattva-Pfad.

Und noch einige Jahre später lehrte er von der Buddha-Natur. Dieser Zyklus zeigt auf, dass obwohl ausnahmslos alle Phänomene leer von Eigennatur sind, sie jedoch kein Nichts sind, sondern die Natur des Geistes – die Buddha-Natur – alle Wesen durchzieht.

Er wurde auch oftmals von Vertretern anderer Denkrichtungen und Schulen herausgefordert. Manche davon überzeugte er ganz offen in der Debatte oder in der Darlegung seiner Lehre. Bei anderen schwieg er einfach, um sie nicht weiter zu verwirren oder unnütze Worte über Spekulationen zu verlieren. Da er die sechs Tirthikas, sowie einige andere bezwang wird er auch als der mächtige Weise im Kampf genannt.

Damals in Indien war der Glaube an die Wirksamkeit von Opfergabe um Götter zu besänftigen oder Glück von ihnen zu erbitten weit verbreitet. Man glaubte an eine reale Existenz von Göttern und Dämonen. Man glaubte auch, dass diese durch Gabendarbringung beeinflussbar seien und so das eigene Karma dadurch veränderbar sei. Zwar glaubt man im Dharma an Götter und Dämonen, aber als vom Geist hervorgebrachte Phänomene. Daher ist es nicht erforderlich irgendwelchen äußeren Entitäten zu opfern, sondern den eigenen Geist zu transformieren. Im Dharma bringt man Buddha keine Opfergaben dar, um Glück o.ä. von ihm zu erbitten, sondern dies dient der Reinigung und Ansammlung von konstruktivem Potential im eigenen Geist. Die Möglichkeit, Glück und schließlich Befreiung zu erlangen, liegt ganz in einem selbst. Wenn man die Lehren Buddhas anwendet, dann werden diese einen zweifellos zur Befreiung führen. Somit hängt es von einem selbst und den eigenen Handlungen ab. Und um in uns das entsprechende Verständnis zu erwecken, die geeigneten Methoden bereitzustellen, hat der Buddha die verschiedenen Lehren dargelegt. DieseLehren hat er je nach Fähigkeit seiner Schüler gegeben.

Eingehen ins Parinirvana in Kushinagar

Schließlich hat der Buddha seine letzte Lehre mittels seines Dahinscheidens gelehrt. Er zeigte auf, dass alle bedingten, zusammengesetzten Phänomene dem Verfall unterworfen sind. Er zeigte auch für die zukünftigen Generationen, dass Buddhaschaft, Erleuchtung oder Befreiung kein göttlicher Zustand, keine Unsterblichkeit oder ähnliches sind. Er hat diese Lehre der Vergänglichkeit ebenfalls als Ansporn und Gegenmittel für Faulheit und Trägheit gezeigt. Wie in Nagarjunas Lobpreis gesagt wird, hat er dies gelehrt, „um die Müßiggänger zur Dharma-Praxis anzuspornen“ und obwohl er „unsterblich und vajra-gleich“ war, ging er ins Parinirvana ein.

Nachfolgend hat er verfügt, dass seine Reliquien in acht Stupas aufbewahrt werden, um den zukünftigen Generationen als Inspiration zu dienen und damit sie in Zukunft Verdienste ansammeln können.

Dies wurde vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018) verfasst, um sich selbst an die Qualitäten des Buddha zu erinnern. Möge es für alle Praktizierenden eine Inspiration sein!

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