Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. April 2021

Simhamukha – die löwenköpfige Dakini

Es gibt verschiedene Formen der Simhamukha. Die primäre Erscheinung ist die blaue Form. Eine berühmte Abstammungslinie geht auf Bari Lotsawa zurück. Dieser berühmte Übersetzer führte diese Dakini-Praxis in Tibet ein und seine Überlieferungslinie ist innerhalb der Sakya-Tradition berühmt. Der Dharma-Zyklus enthält eine Reihe allgemeiner Meditationspraktiken und verschiedene Aktivitäten, die sich auf den Simhamukha in verschiedenen Formen und zu verschiedenen Zwecken beziehen, hauptsächlich in Bezug auf die vier erleuchteten Aktivitäten – die sogenannten Buddha-Aktivitäten -, die befriedend, bereichernd (oder vergrößernd), magnetisierend (oder kontrollierend) und die zornvolle Unterwerfung (oder Zerstörung) sind.

Der Körper hat eine blaue Farbe, das Gesicht ist das eines weißen Löwen, mit drei runden gelben Augen, die mit einem klaffenden Mund, einem gelben Bart, Augenbrauen und nach oben fließendem Haar grimmig blicken. Die rechte Hand hält ein gekrümmtes Messer zum Himmel erhoben, die linke eine Schädelschale mit Blut zum Herzen, einen Khatvanga-Stab mit einem Dreizack in der Ellenbogenbeuge auf die Schulter gestützt tragend. Geschmückt mit einer Tiara aus fünf Schädeln, rotem Schal, Elefantenhaut, Knochenschmuck, einer langen Schlange und fünfzig frisch abgetrennten Köpfen als Halskette, trägt sie einen Rock aus Tigerfell. Auf dem linken Bein stehend, das rechte nach oben gezogen, auf einem doppelten Dreieckssymbol, einem Leichnam, einer Sonne und einem vielfarbigen Lotussitz trampelnd, verweilt Simhamukha in einer Stimmung großer Wildheit inmitten eines lodernden Feuers von ursprünglichem Gewahrsein.

Außerdem ist die Dakini Simhamukha eine Schutzgottheit, die aus dem Chakrasamvara-Zyklus der Tantras hervorgeht und zur Anuttarayoga-Klassifikation „Weisheit“ gehört. In der Sarma-Tradition ist Simhamukha nicht verwandt mit der Gottheit gleichen Namens und gleicher Erscheinung in den Nyingma-‚Terma‘-(Schatz-)Traditionen. In dieser Tradition ist Simhamukha unter den vielen Formen von Padmasambhava eine geheime Form von Guru Rinpoche.

Eine weitere berühmte Form ist die Simhamukha aus Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorjes Schatzzyklus Khandro Thugthig. Dort zeigt sie sich in roter Form.

Extrem grimmig und komplett rot gefärbt hat sie das Gesicht eines Löwen, mit drei runden Augen, grimmig blickend mit klaffendem Mund, orangefarbenem Bart und nach oben fließendem Haar. Mit zwei Händen hält die rechte ein gebogenes Messer mit Vajra-Griff zum Himmel, die linke eine weiße Schädelschale mit Blut zum Herzen und wiegt einen Khatvanga-Stab mit einem Dreizack an der linken Schulter. Sie trägt eine Tiara aus fünf Schädeln, einen dunkel-orangenen Schal, Elefantenhaut, Knochenschmuck, fünfzig abgetrennte Köpfe als Halskette und einen Rock aus Tigerfell. Sie steht auf dem linken Bein, während das rechte in tänzerischer Haltung über einer Leiche, einer Sonnenscheibe und einem orangefarbenen Lotussitz hochgezogen ist. Simhamukha verweilt in der Mitte eines lodernden orangefarbenen Feuers von ursprünglichem Gewahrsein.

In der Dudjom-Tradition gibt es eine weitere, weit verbreitete Form von Simhamukha, und das ist eine grüne Erscheinung.

In einem früheren Zeitalter vor unermesslich langer Zeit, am Ende der Lehren des Amitabha, ließ der Mara-König Garab Wangchug eine Tochter, die eine Tramen, Simhamukha genannt, in der Welt erscheinen. Sie schädigte die Lebenskraft aller Lebewesen, ihr Fleisch und Blut, sowie ihren Reichtum und auch den Buddhadharma, ebenso blühte die Sicht der Tirthikas (Eternalisten) und die Lehre des Siegreichen verkümmerte.

Zu dieser Zeit gedachten die alle Buddhas mit ihrer erleuchteten Absicht die bösartigen Hexengeister durch eine passende, gleich wie sie aussehende Dämonin zu bezähmen und zu diesem Zweck mussten sie etwas verwandeln, das ihr gleich aussah. Aus dem grundlegenden Raum der zeitlosen Weisheit machten sie einen Torma in der Gestalt der Erscheinung der zornvollen dämonenbezwingenden Dakini und ausnahmslos alle Buddhas segneten und ermächtigten sie mit der Kraft und Fähigkeit ihres Mitgefühls. Die Horden der Maras wurden bezwungen, wodurch die Heldin ermächtigt wurde. Die magische Kraft des Tormas ließ zu dieser Zeit die ganze Welt erbeben und erzittern. Die Dämonin (und) alle Tramen wurden insgesamt alle erschüttert und sie zeigten einen zornvollen, bösartigen Ausdruck.

Die Weisheits-Dakini Simhamukha, die zornvolle Dämonenbezwingende, ruhte in einem Zustand der Versenkung und des Gleichmuts, während sie zahlreiche magische Erscheinungen manifestiert und die Kraft der Dämonin besiegte. Sie raubte deren Hexenkraft und schöpferische Ausdruckskraft und unterwarf alle Dämonen. Das Bewusstsein der Dakini wurde in den Bereich der Weite des erleuchteten Geistes übertragen.

Mit dem Körper wurde der Leichenplatz Gekreuztes Großes Geheimnis gesegnet. Die Lebensessenz-Mantras des Gefolges der arroganten Geister wurde ausgehändigt und sie wurden unter Eid gestellt. Dann wurden sie als Schützer für den Buddhadharma eingesetzt. Daher sind die Drehungen aller Dharma-Räder der Tantras der Hauptfigur des geheimen Mantras in einem einzigen großen Mandala enthalten.

Dann im Zeitalter mit der durchschnittlichen Lebensdauer von 100 Jahren erschien zu dieser Zeit der Buddha Shakyamuni in dieser Welt. Er führte die vollkommene Buddhaschaft durch die Methode der zehn transzendenten Vollkommenheiten aus, insbesondere in Varanasi (und) am Geierberg, am höchsten Ort usw. führt er drei aufeinanderfolgende Drehungen des Dharma-Rades durch. Ferner das Große Geheime am Lodernden Berg und dem Leichenplatz des Langka-Gipfels erschienen unzählig viele friedvolle und zornvolle Mandalas und die 18 großen Tantras wurden den ausnahmslos allen umgebenden Schützern des zornvollen Mantras des Buddhadharma gelehrt.

Besonders am Leichenplatz Gekreuztes Großes Geheimnis erschien das Gefolge und antwortete: „So wie Dunkelheit die Sonne in der Himmelsmitte (verdunkelt), wird die Rezitation Mantras dann hiflreich sein.“

So wird gesagt. Diesen Punkt hat der Herr des Geheimen (Vajrapani) gewährt, als er gefragt wurde. Auf dieselbe Weise hat der Bezwinger Maras in der meditativen Sammlung ergriffen und darin geruht, wie die dämonenbezwingende Dakini das Vorbild ist, wie im Metoriteisenblitz-Tantra gesagt wird. Das 14-Silben-(Mantra) hatte keine Arme und Beine, sondern war wie eine Schlange. Daraufhin hat der Buddha es mittels der Tantras, der Vater-Tantras, Mutter-Tantras, der neutralen, unübertreffliche und der tiefgründigsten Tantras in fünf verkündet. Diese fünf sind in die ausführlichen, die äußerst ausführlichen, die zusammengefassten und die mittleren (Fassungen) eingeteilt. Vajrapani formte dieses Mantra zum Lebensherz-Mantra aller Dakinis und als Schutz und Waffe, um die Lehren des Buddhas zu beschützen und verbarg es im Bauch eines Stupa als Schatz, der von der Dämonenbezwingenden ganz angeschwollen war. So wird es gelehrt, dass es von Vajrapani am Leichenplatz Großes Gekreuztes Geheimnis im Bauch eines Stupa verborgen und mit sieben Siegeln als geheimer Schatz versiegelt wurde.

750 Jahre nachdem der Buddha ins Parinirvana eingegangen war, wurde zu dieser Zeit am Vajra-Thron in Indien (Bodhgaya) saß der Dharma-König Suryasimha einer Versammlung von 500 Gelehrten und Dharma-Schützern vor. Nicht-Buddhisten, Vertreter der Lehre der Tirthikas nahmen Überhand, während zu dieser Zeit die Buddhisten in der Debatte (ins Hintertreffen gerieten). Der Dharma-König und die großen Gelehrten luden den großen Meister Padmasambhava ein und flehten den Dämonenbezwinger an. Durch die magische Kraft Padmas wurden die Maras in der Debatte besiegt.

Die Nicht-Buddhisten schickten bösartige Mantras und vom Leichenplatz Großes Gekreuztes Geheimnis erschienen Ströme von zornvollen Meteoriteisenblitzen. Das 14-silbige zornvolle Mantra vernichtete die Tirthikas und regnete herab. Die Lehrer der sechs Klassen wurden durch die Blitze getötet. Alle haufenweisen Armeen der Maras waren ausnahmslos besiegt und die Lehre des Buddhadharma erblühte.

Dann als die Zeit gekommen war, den Buddhadharma in Tibet hier zu verbreiten, wurde der große Meister Padmasambhava vom Dharma-König Thrisong De’u-Tsän eingeladen und den drei Juwelen mit Körper, Rede und Geist und speziell das Versprechen die Lehren von Sutra und Mantra zu verkünden. 111 Jahre blieb er in Tibet. Mit 73 im Jahr des Tigers hat er in Samye Chimpu, in Dragmar Ke’u-Tshang und weiteren heiligen Orten im Kreis der reinen, vom Glück begünstigten Wesen im Rahmen der großen Verwirklichungspraxis der Hauptfigur der drei Wurzeln der Logos-Gottheiten der Versammlung der Sugatas zahllose Belehrungen erteilt.

Insbesondere hat er die äußeren und inneren (Lehren) zum Besiegen von schwarzer Magie und Flüchen, Gefahren und Wildheit (gelehrt), und deren Kraft der geheimen Mantras, Vidyamantras und Dharanimantras einem Feuer am Ende des Zeitalters gleichen, egal wie unerreicht und überall bekannt die tiefgründigen zornvollen Mantras der Dakini allgemein sind. Diese Manifestation der Dämonenbezwingenden hat er der Yeshe Tsogyal übertragen. Diese hat sie aufgrund ihres perfekten Gedächtnisses erfasst, mit den Zeichen der Dakini-Schrift niedergeschrieben und mit der Samaya-Substanz zusammen mit der Lebenskraftstütze usw. speziell für zukünftige Generationen, die zu zähmen sind, als Terma an zahlreichen Plätzen tiefgründig und geheim verborgen. Dies wurde in Tibet speziell im edlen Land von Amdo in Ngaröl Tagtse an der rechten Seite des Shwadrag Dorje Chän von ihr verborgen.

Nun im Zeitalter des Niedergangs, wo die Situation zum Zähmen gegeben ist, wurde die Emanation des Drogben Khye’u-Chung Lotsawa, dem inkarnierten großen Schatzfinder, dem Thragthung Dudjom Dorje Drolö Tsal eingeladen. Nach 44 Jahren war die Zeit gekommen, das Siegel des Versprechens der äußersten Geheimhaltung mit Wunschgebeten zu erwecken und die Leseübertragung der Schrift, genannt „Der geschmückte Vajra-Körper der Dakini“ in Übereinstimmung mit den gelben Schriftrollen den drei glücklichen Herzenssöhnen und dem Überragenden zu gewähren.


Am Dakini-Tag praktizieren wir die rote Simhamukha aus dem Zyklus „Khandro Thugthig“ von Dudjom Rinpoche und bringen den Schützern einen Serkyem dar. Neben den allgemeinen Schützern bringen wir den Serkyem der Mamo Ngaksung Ekajati dar und führen die Abbitte an die Mamos und Dakinis durch.

Erforderliche Texte:
* Allgemeine Gebete;
* Simhamukha rot (KTT) Tsog-Puja;
* Mamo Ngaksung Ekajati;
* Mamo & Dakini Kangsöl; sowie
* Bekenntnisgebete & Tsog
Einige Texte sind auf rangdrol’s Blog erhältlich, andere auf Nachfrage.


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