Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. Oktober 2020

Sutra vom Mahacundi Dharani

Maha Cundi Bodhisattva, deren geheimer Name Großer Siegreicher Vajra lautet, ist als Mutter von Milliarden Buddhas bekannt und ist ebenfalls eine Form von Avalokiteshvara. Dabei handelt es sich um eine sitzende Figur mit 18 Armen, welche die zahlreichen geschickten Mittel des Tantra symbolisieren. Sie ist die Quelle aller Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und hatte eine unvorstellbare Segenskraft. Diejenigen, die diese Sadhana praktizieren, werden Weisheit, Sieg in der Debatte, eine harmonische und respektvolle Familie und verbesserte Beziehungen zu anderen, Langlebigkeit, geheilte Krankheiten, Beseitigung negativen Karmas und die Erfüllung anderer Wünsche erlangen.


Buddha spricht das Sutra vom Maha Cundi Dharani – Das Herz der Mutter von Sieben Koti Buddhas (Tripitaka Nr. 1077)

Übersetzt während der Tang-Dynastie von Tripitaka-Meister Divakara aus Indien

Einst wohnte der Buddha in der Nähe von Shravasti, im Anathapindada-Garten im Jeta-Wald. Zu dieser Zeit betrachtete und beobachtete der Welten-Ehrwürdige die fühlenden Wesen der Zukunft. Aus großem Mitgefühl für sie beschloss der Buddha, über die Dharani von Cundi, dem Herz der Mutter von sieben Koti Buddhas, zu sprechen. So offenbarte der Buddha das Mantra:

NAMO SAPTANAM SAMYAKSAMBUDDHA KOTINAM / TADYATHA: OM CALE, CULE, CUNDI SVAHA //

Wenn irgendein Bhiksu (Mönch), Bhisuni (Nonne), Upasaka (Laie) oder Upasika (Laiin) diesen Dharani 800.000 Mal bewahrt und rezitiert, werden alle seine oder ihre todbringenden karmischen Übertretungen, die seit anfangsloser Zeit geschaffen wurden, beseitigt. Der Einzelne soll die Gelegenheit erhalten, alle Buddhas und Bodhisattvas zu treffen, wo immer er oder sie geboren wird, und soll mit allen Ansammlungen von Verdiensten ausgestattet werden, wie es der Einzelne wünscht. Das Individuum soll die Gelegenheit erhalten, zu jeder Lebenszeit der weltlichen Existenz zu entsagen und alle Gebote und Gelübde eines Bodhisattvas einzuhalten.

Dieses Individuum wird immer im menschlichen und himmlischen Bereich geboren werden und es wird immer daran gehindert, auf die unheilvollen Pfade der Wiedergeburt zu gelangen, und es wird immer von himmlischen Wesen beschützt werden. Sollte ein Laie dieses Dharani oder Mantra hochhalten und rezitieren, so soll sein Haushalt frei von Gebrechen und Schäden durch Unglück und Krankheit sein. Alles, was die Person tut, soll verheißungsvoll sein; seine Worte sollen das Vertrauen und die Akzeptanz anderer gewinnen.

Wenn man dieses Mantra 200.000 Mal rezitiert, träumt man von den Buddhas, Bodhisattvas, Pratyekabuddhas und Sravakas und sieht, wie eine schwarze Substanz aus dem eigenen Mund herausbricht.

Wenn ein Mensch eine schwere karmische Übertretung begeht, wird er beim 200.000-maligen Rezitieren des Mantras von den Buddhas und Bodhisattvas träumen und in seinen Träumen auch eine schwarze Substanz erbrechen.

Wenn die Person eine der fünf fatalen Übertretungen begangen hat und nicht in der Lage ist, diesen glücksverheißenden Traum zu empfangen, ist es ratsam, das Mantra 700.000 Mal zu rezitieren. Wenn die Person davon träumt, eine weiße Substanz wie eine dicke Reispaste zu erbrechen, zeigt dies deutlich, dass sie das reine Zeichen der karmischen Reinigung erhalten hat.

Ich werde nun erläutern, was dieser großartige Dharani bewirken kann:

Man kann vor einer Buddhastatue stehen oder vor einer Stupa, um einen sauberen Boden zu finden.  Gießt Gomaya (Kuhdung, der in Indien als rein und reinigend gilt) über den Boden und schafft einen quadratischen Mandala-Schrein, den ihr je nach Größe des Mandalas mit Blumenopfern, Weihrauch, Baldachinen, Essen, Lampen und Kerzen schmückt. Bringt diese Opfergaben im Rahmen Eurer Möglichkeiten dar. Dann rezitiert das Mantra und versprüht ein Parfüm in die vier Richtungen, sowie nach oben und unten, um so eine schützende spirituelle Abgrenzung zu schaffen. Stellt eine Flasche Parfüm in jede der vier Ecken und auch in die Mitte des Mandala-Schreins. Der Praktizierende sollte das Mandala betreten, niederknien und nach Osten schauen. Rezitiert das Mantra 1080 Mal, und die Parfümfläschchen sollten sich von selbst drehen. Haltet eine Vielzahl von Blumen mit beiden Händen, die sich in einer gekreuzten Position überlappen, und rezitiert das Mantra 1080 Mal, um die Blumen zu stärken. Nach Fertigstellung werfen Sie die Blumen auf einen Spiegel. Danach wenden Sie sich dem Spiegel zu und rezitieren das Mantra 1080 Mal. Dann sollte man in der Lage sein, die Erscheinung von Buddhas und Bodhisattvas zu sehen. Rezitiert das Mantra noch einmal 1080-mal über einigen Blumen und werft diese als Opfergabe in die Luft. Stellt irgendwelche Fragen, und diese sollten beantwortet werden.

Wenn jemand an einer Krankheit erkranken sollte, die auf geistige Wesenheiten zurückzuführen ist, rezitiert das Mantra über etwas Kogongras und streicht mit dem Kogongras über den Patienten. Der Patient sollte geheilt sein. Wenn ein Kind von Geistern besessen ist, nehmt fünf verschiedenfarbige Fadenstränge und lasst diese von einem jungen Mädchen zu einem einzigen Faden weben. Nehmt den gewebten fünffarbigen Faden und knüpft bei jeder Rezitation des Mantras einen Knoten und macht so 21 Knoten. Bindet den Faden mit den 21 Knoten um den Hals des Kindes, rezitiert das Mantra 7 Mal über einer Handvoll Senfkörner und werft  diese Senfkörner über das Gesicht des Kindes, und das Kind sollt von der Besetzung geheilt sein.

Andere Anwendungen dieses Mantras umfassen die folgenden Methoden:

1) Für eine kranke Person, die von Geistern besessen ist, während die Person anwesend ist, zeichne die Körperzüge der kranken Person auf ein Blatt Papier. Rezitiere das Mantra über einem Weidenstock und schlage mit dem Stock auf die Zeichnung der kranken Person. Dadurch kann der Kranke von seiner Krankheit geheilt werden. Wenn ein von Geistern betroffener Kranker an einem entfernten Ort wohnt, rezitiere das Mantra siebenmal über dem Weidenstock und schicke den Stock zu einer Person vor Ort. Lasse diese die Illustration vor der kranken Person zeichnen und mit dem Stock auf die Illustration der kranken Person schlagen. Auch dadurch sollte die Person von seiner oder ihrer Krankheit geheilt werden.

2) Wenn man dieses Mantra auf Reisen rezitiert, braucht man keine Angst zu haben auf Diebe, Räuber oder Wildtiere zu treffen.

3) Wenn man dieses Mantra ständig rezitieren sollte, steht man am siegreichen Ende eines jeden Streits. Wenn man den Ozean überquert, soll man dieses Mantra rezitieren, und man soll keinen Schaden erleiden, der von den bösen Wesen des Ozeans verursacht wird.

4) Wenn jemand eingesperrt und mit Handschellen gefesselt wird, rezitiert er oder sie dieses Mantra, wird er oder sie wieder freigelassen zu werden.

5) Wenn ein Land unter einer Überschwemmung, Dürre oder einer vorherrschenden Epidemie leidet, bereitet Sahne, Sesamkörner und polierten, nicht klebrigen Reis zu. Greift mit drei beliebigen Fingern jeweils eine Portion davon, um eine Mischung herzustellen. Rezitiert das Mantra einmal über der Mischung und werft diese in ein Feuer. Tut dies kontinuierlich 12 Stunden lang über einen Zeitraum von sieben Tagen, und alle Kalamitäten werden beseitigt.

6) Ihr könnt jede Rezitation des Mantras mit einem Abdruck eines Stupabildes in den Sand neben einem Flussufer versiegeln. Tut Ihr dies 600.000 Mal. Man sollte entweder die Erscheinung von Guan Yin Bodhisattva oder Tara selbst sehen. Oder vielleicht wird man das Erscheinen von Vajrapani sehen. Wofür auch immer Ihr betet, es wird sich erfüllen. Man könnte sogar spirituelle Medizin erhalten oder die Vorhersage, dass man Erleuchtung erlangen wird.

7) Wenn Sie das Bild eines Bodhibaums im Uhrzeigersinn umkreisen und das Mantra bis zu zehn Millionen Mal rezitieren, werden Sie Zeuge eines Bodhisattvas, der Ihnen das Dharma predigt, und Sie dürfen dem Bodhisattva folgen.

8) Wenn Ihr Speiseopfer darbringt und dieses Mantra oft rezitiert, solltet Ihr nicht durch böse Menschen oder wilde Hunde in Bedrängnis geraten. Wenn Ihr zuerst 300.000 Rezitationen dieses Mantras vor einer Pagode, einer Buddhastatue oder einer Stupa durchführt und anschließend am 15. des Suklapaksa (der hellen ersten Monatshälfte) ein sehr großes Speiseopfer darbringt und das Mantra einen Tag lang rezitiert, während Ihr vom Essen fastet, erhaltet Ihr eine Audienz bei Vajrapani und eine Einladung, in seinen Palast zu gehen.

9) Wenn Ihr vor der Stupa stehen solltet, die errichtet wurde, um zu dokumentieren, wo das Dharma-Rad zum ersten Mal gedreht wurde, oder vor der Stupa, die errichtet wurde, um zu dokumentieren, wo Buddha geboren wurde, oder vor der Stupa, die gebaut wurde, um zu dokumentieren, wo Buddha die kostbaren Stufen vom Trayastrimsas-Himmel herabgestiegen ist, oder vor einer Stupa, die Reliquien enthält, geht im Uhrzeigersinn um die Stupa herum und rezitiert das Mantra. Ihr sollet den Bodhisattva Aparajita und den Bodhisattva Hariti sehen. Eure Wünsche sollen dann erfüllt werden. Falls Ihr spirituelle Medizin benötigen solltet, soll sie Euch gegeben werden, und Ihr werdet auch eine spirituelle Ansprache über den Bodhisattva-Weg erhalten.

10) Wenn eine Person, die dieses Mantra rezitiert, sich nicht an einem spirituellen Ort befindet, erhält sie dennoch Besuch von allen Bodhisattvas, unabhängig davon, wo sie sich befindet. Diese große Dharani von Cundi ist ein großes, leuchtendes Mantra, das von den Buddhas der Vergangenheit erklärt wurde und von den Buddhas der Zukunft erklärt werden wird. Tatsächlich erklären alle Buddhas der Gegenwart dieses Mantra, so wie ich es heute tue. Dies geschieht zum Nutzen aller fühlenden Wesen, damit sie die Höchste Erleuchtung erlangen können. Sollte irgendein fühlendes Wesen, dem es an Verdiensten mangelt und das wenig gute karmische Wurzeln hat und das keine der natürlichen Fähigkeiten und Faktoren der Erleuchtung besitzt, das Glück haben, diese Dharani zu empfangen, so wird es rasch die Höchste und Vollkommene Erleuchtung (Anuttara-Samyak-Sambodhi) erlangen. Wenn man sich ständig daran erinnert, dieses Mantra zu rezitieren, werden unendlich gute karmische Wurzeln gesetzt, die zu Vervollkommnungen heranreifen werden.

Als der Buddha von dem Dharani der Cundi sprach, wurden unendliche fühlende Wesen aus ihren Unreinheiten erhoben, und sie empfingen die Verdienste der Großen Dharani von Cundi, dem Großen Leuchtenden Mantra, und wurden Zeugen der Anwesenheit der Buddhas, Bodhisattvas und heiligen Wesen der zehn Richtungen, bevor sie sich niederwarfen und gingen.


**Ende des Sutra** (Englisch von Daniel Deleanu (Hrsg.), 2013

Deutsche Fassung von Shenpen Dong Druk (Marcus Dannfeld M.A.) Heidelberg 2020


Einführung in Cundi: Die Ursachen und Bedingungen von Cundi

Cundi Bodhisattva ist ein Wesen von großem spirituellen Status. Es wird gesagt, dass sie die Manifestation des weltweit Geehrten war, der in den Samadhi der spirituellen Kraft der Transformation von Raum und Ozean eintrat. Cundi ist auch als Cundi GuanYin bekannt.

Das Wort Cundi bedeutet Höchste Reinheit. Da sie die Mutter aller Gottheiten der Lotus-Klasse ist, wird sie daher auch die Buddha-Mutter, die Mutter der Sieben Kotis der Buddhas und Bodhisattvas genannt. Cundi hat achtzehn Arme und drei Augen. Sie ist allmächtig, und ihr tantrischer Beiname ist der Siegreichste Vajra oder Unterwerfungs-Vajra.

Cundi wird von zwei Drachen-(Naga-)Königen begleitet, die an ihrem Lotusthron Wache halten. Diese beiden Drachenkönige sind Nanda und Upananda.

Die äußeren Aspekte von Cundi

Cundi Bodhisattva erscheint mit achtzehn Armen und drei Augen. Sie ist mit einer juwelenbesetzten Krone geschmückt, auf der die Figur eines manifestierten Buddhas montiert ist. Ihr Körper ist von hellgelber Farbe und mit allen möglichen Jade- und Perlenverzierungen geschmückt. Sie trägt Jade- und Perlenarmornamente und trägt ein weißes himmlisches Gewand. Auf einem Lotusthron sitzend, halten ihre achtzehn Arme, wobei die ursprünglichen zwei Hände die Wurzelmudra bilden, verschiedene Utensilien im Uhrzeigersinn: ein wunscherfüllendes Banner, einen Lotus, eine Badevase, ein Lasso, ein Achtspeichenrad, eine Muschel, eine kostbare Vase, eine Weisheitstruhe, einen Kopfschmuck, ein Vajrazepter, einen Haken, eine Axt, eine himmlische Frucht, Mala-Perlen, ein Weisheitsschwert und die Furchtlose Mudra.

Die Einzigartigkeit von Cundi

Die achtzehn Arme von Cundi sollen die achtzehn Verdienste um die Erlangung der Buddhaschaft zum Ausdruck bringen. Dies sind die achtzehn ungewöhnlichen Qualitäten. Ihre Arme sind der symbolische Ausdruck der Geheimnisse, ausgestattet mit der Bedeutung tiefer Prinzipien. In der Mahaprajnaparamita-Sastra unterscheiden diese achtzehn Merkmale eines Buddhas (das Avenikadharma) einen Buddha von einem Bodhisattva. Das sind sie:

  1. Seine Vollkommenheit des Körpers
  2. Seine Vollkommenheit der Rede
  3. Seine Vollkommenheit des Gedächtnisses
  4. Seine Vollkommenheit der Unparteilichkeit für alle
  5. Seine Gelassenheit
  6. Seine Selbstaufopferung
  7. Sein unaufhörlicher Wunsch, fühlende Wesen zu retten
  8. Sein unermüdlicher Eifer, fühlende Wesen zu retten
  9. Sein unfehlbarer Gedanke, fühlende Wesen zu retten
  10. Die unaufhörliche Weisheit, fühlende Wesen zu retten
  11. Die Befugnisse der Befreiung
  12. Das Prinzip der Befreiungsbefugnisse
  13. Vollkommene Weisheit in Taten offenbaren
  14. Vollkommene Weisheit in Worten offenbaren
  15. Vollkommene Weisheit im Denken offenbaren
  16. Perfekte Kenntnis der Vergangenheit
  17. Perfekte Kenntnis der Zukunft
  18. Perfekte Kenntnis der Gegenwart

Da die achtzehn Arme von Cundi die achtzehn ungewöhnlichen Qualitäten repräsentieren, sind sie in der Lage, das gesamte negative Karma der fühlenden Wesen zu beseitigen, daher der Name Siegreichster Vajra. Wer dieses Gottheits-Yoga praktiziert, ist in der Lage, alles negative Karma der Vergangenheit auszumerzen und alle Katastrophen zu vermeiden. Alles, was er oder sie sich in diesem Leben wünscht, und alle Siddhis weltlicher und transzendentaler Praktiken werden sich rasch manifestieren.

Da Cundi auch als Unterwerfungs-Vajra bekannt ist und die Cundi-Praxis eine besondere Praxis des Tantrayana darstellt, wird diese Praxis als überragend angesehen. Sie ist wunscherfüllend und kann alle Maras und Häretiker unterwerfen. Sie verkörpert unendliche Macht und Verdienste, und durch diese Praxis soll der Praktizierende eine runde und vollkommene Aura erlangen.   Der Abdruck dieses Sutras und aller anderen Sutras kommt einem selbst und anderen zugute und hilft, alle Formen des Unglücks zu beseitigen. Es hilft einem selbst, große Verdienste und Segnungen zu erlangen, und schlägt eine Brücke zu den Lehren des Buddhismus.

Die Symbolik und Bedeutung der achtzehn Arme von Cundi:

  1. Die ursprünglichen 2 Hände, die die Wurzelmudra der Dharma-Erläuterung bilden, repräsentieren die fließende Erhellung des gesamten Dharma.
  2. Die Hand, die das wundersame, kostbare Banner hält, steht für die Fähigkeit, ein höchst prächtiges, großes Kloster zu errichten.
  3. Die Hand, die die Furchtlose Mudra formt, steht für die Fähigkeit, fühlende Wesen von allem Terror und allen Ängsten zu befreien.
  4. Die Hand, die eine Lotusblume hält, steht für die Reinigung der sechs Sinne, die, unbefleckt, so rein wie die Lotusblume sind.
  5. Die Hand, die ein Schwert der Weisheit hält, steht für das Durchtrennen der Verstrickungen der Leiden und der drei Gifte Gier, Zorn und Unwissenheit.
  6. Die Hand, die eine Ermächtigungsvase hält, repräsentiert das Fließen von Nektar, um alle fühlenden Wesen zu nähren, damit sie die Ermächtigung der Buddhas erhalten können.
  7. Die Hand, die einen wunderbaren juwelenbesetzten Kopfschmuck hält, repräsentiert den Wunsch, mit wunderbarer Dharmakunst verbunden zu werden.
  8. Die Hand, die ein Vajra-Lasso hält, repräsentiert die Fähigkeit, alle in das Yoga-Tantra einzubeziehen.
  9. Die Hand, die eine wunderbare himmlische Frucht hält, repräsentiert die Vollendung der Frucht der Erleuchtung und die umfassende Kultivierung von gutem Karma.
  10. Die Hand, die ein Rad mit acht Speichen hält, repräsentiert die ständige Drehung des großen Dharma-Rades, das sein herrliches Licht über die drei unteren Bereiche ausstrahlt.
  11. Die Hand, die eine Streitaxt hält, steht für die Beseitigung aller bösen Praktiken und das Durchtrennen der Bindung an sich selbst und andere.
  12. Die Hand, die eine große Dharma-Muschel hält, steht für die Ausdeutung des reinen Dharma, der das Universum erschüttert.
  13. Die Hand, die einen Vajra-Haken hält, repräsentiert die Fähigkeit, alle Phänomene in der eigenen Sichtweise zu magnetisieren und anzuziehen.
  14. Die Hand, die eine wunscherfüllende Vase hält, repräsentiert die Funktion, alle Schätze und Schriften nach Belieben zu manifestieren.
  15. Die Hand, die einen Vajra hält, repräsentiert die kollektive Konvergenz der Unterstützung, die von den acht Klassen himmlischer Wesen und Drachen gegeben wird. Sie repräsentiert auch die Unterwerfung von hartnäckigen fühlenden Wesen.
  16. Die Hand, die ein Weisheitssutra hält, steht für die Selbsterkenntnis, die tiefe und wunderbare Wahrheit ohne jegliche Anleitung durch einen Lehrer zu erkennen.
  17. Die Hand, die eine Mani oder wunscherfüllende Perle hält, repräsentiert den pulsierenden und leuchtenden Geisteszustand, der makellos, rein und perfekt ist.
  18. Die beiden ursprünglichen Hände, beginnend mit der ersten Hand, werden in der Dharma-Erläuterungsmudra gehalten. Daher die achtzehn Arme.

Einige Bilder von Cundi Bodhisattva zeigen verschiedene Gesten, wie das Formen der Wurzelmudra oder das Halten von Malakugeln. Die Bedeutung bleibt unabhängig davon dieselbe. Die Gesten stellen die achtzehn Verdienste von Cundi Bodhisattva dar. Sie können die Hände klar visualisieren und das Mantra rezitieren, damit Sie schnell zur Verwirklichung gelangen und fühlende Wesen von ihrem Leiden befreien können.

(Erläuterungen nach der Übertragung von Großmeister Sheng-yen Lu – Sacramento True Buddha Temple 2016).


Einleitung vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Oktober 2020

Die besondere, bewährte Rolle der Hingabe

von Garchen Rinpoche

Dabei erwähnte Jigten Sumgon, wie wichtig es ist, Vertrauen in den authentischen, kostbaren Lama zu haben. Wenn man einen solchen authentischen, kostbaren Lama hat, dann ist es mit unserem Vertrauen und unserer Hingabe nicht sehr schwierig, den Geist zu enthüllen. Es wird sehr leicht. Deshalb ist es wichtig, Hingabe und Vertrauen zu haben. Auch wenn ich jetzt auf einem Thron sitze und diese Belehrungen gebe, habe ich nicht viele Qualitäten, aber wenn ihr Vertrauen und Hingabe entwickelt, dann werden die Segnungen nicht nur von mir, sondern auch von den Linienmeistern, wie beispielsweise Jigten Sumgon, Milarepa und so weiter, empfangen werden. Es gibt zum Beispiel eine Geschichte, in der sich Reliquien von einem Hundezahn manifestierten, der fälschlicherweise mit dem Zahn von Shakyamuni Buddha verwechselt wurde. Es ist nicht der Zahn des Hundes, der die Reliquien hervorbringt, sondern sie entstehen durch den Segen des Buddha. Wenn man voller Hingabe und Vertrauen ist, dann erhält man alle Segnungen. Aus diesem Grund ist Hingabe an und Vertrauen in die Wurzel- und Linienlamas sehr wichtig, und dadurch erhält man alle Segnungen. Sie sind besonders wichtig, um Mahamudra zu verwirklichen.

Diese Betonung des Vertrauens und der Hingabe an den Lama ist also nicht so etwas wie „Guru-Verehrung“, sondern eher eine besondere Technik zur Verwirklichung von Mahamudra. Es ist eine Brücke. Im tibetischen Buddhismus gibt es viele Linien, aber insbesondere die Kagyü-Linie legt den Schwerpunkt auf die Hingabe an die Linie. Wenn man die Lebensgeschichten der großen Kagyü-Lehrer liest, wird man sehen, wie viel Vertrauen die einzelnen Personen haben. Von Vajradhara, Tilopa, Naropa, Marpa bis hin zu Milarepa und so weiter, jeder von ihnen hatte solch ein starkes Vertrauen und verwirklichte Mahamudra vollständig. Sie hatten vollständige Verwirklichung. Selbst wenn man also nicht das große Glück hat, die Philosophie Buddhas zu hören und zu studieren, solange man ein solches Vertrauen in die Lehren, in den authentischen Lama hat, dann entstehen Segnungen ohne große Anstrengung.

Milarepa erklärte den Grund dafür, als er sagte: „Ich habe große Entbehrungen durchgemacht. Ich bin durch all diese Schwierigkeiten gegangen, und ich habe sie alle erfolgreich überwunden und die letztendliche Bedeutung verwirklicht. In Zukunft wird jeder, der diesem Weg folgt und nur an mich denkt und nur meditiert, auf keine Hindernisse oder Schwierigkeiten stoßen.“ Die Übertragungslinie ist also von dieser Zeit bis jetzt hergekommen. Es gibt eine Kontinuität des verwirklichten Wesens.
Diese existiert sehr wissenschaftlich in dem Sinne, dass jeder davon weiß und damit einverstanden ist. Wenn man über sie liest, ist es auch klar, dass jeder dieser großen Lehrer, einer nach dem anderen, eine hohe Vollendung in der Mahamudra hat. Deshalb können wir auch diese Art von Vertrauen und Hingabe entwickeln, um dem Pfad zu folgen und diese Linie fortzusetzen. Und dann können wir uns von unserer Verwirrung befreien und die Bedeutung des Mahamudra verwirklichen.

Um die Beziehungen, die zwischen dem Lehrer, dem Lama und dem Schüler bestehen können, zu verstehen, nehmen wir das Beispiel von Marpa und Milarepa. Ein Westler sagte mir, dass es so aussieht, als hätte Marpa kein Mitgefühl gehabt, und dass er Milarepa so schlecht behandelt und sogar gefoltert habe. Milarepa kam sogar an einen Punkt, an dem er schließlich an Selbstmord dachte. All dies wurde von Marpa getan, nur um zu versuchen, Milarepa zu erreichen. Aber in Wirklichkeit war Marpas Mitgefühl so stark. Sein Mitgefühl war bedingungslos. Indem er aus großer Weisheit und Mitgefühl für alle fühlenden Wesen in der Welt, nicht nur für Milarepa, das ganze System oder den gesamten Zustand und nicht nur einen kleinen Punkt kannte, machte er Milarepa perfekt. Nachdem Milarepa also durch all diese Schwierigkeiten gegangen war, gab Marpa Milarepa ein letztes Mal Belehrungen. Marpa sagte: „Durch die große Beharrlichkeit von Milarepa existiert das Herz-Leben der Lehren Buddhas“. Aus diesem Grund gab Marpa Milarepa die vollständigen Belehrungen und Milarepa erlangte die Buddhaschaft innerhalb eines einzigen Lebens. Und dadurch haben unzählige Wesen davon profitiert.

Es ist durch Milarepa und Gampopa, dass die Kagyü-Linie überall auf der Welt begründet wurde. Selbst in diesen Tagen zitieren Menschen überall auf der Welt das Beispiel von Milarepa. Im Westen zum Beispiel, wo so viele Kagyü-Dharma-Zentren gegründet worden sind, nimmt jeder das Beispiel von Milarepa und der Linie. So errichteten Trungpa Rinpoche und Kalu Rinpoche Dharma-Zentren. Wir alle arbeiten auf diese Weise zum Nutzen aller fühlenden Wesen. Es ist also die Kraft des großen Mitgefühls und der Weisheit von Mahamudra, die uns immer noch Nutzen bringt. Das zeigt, wie wichtig die Beziehung zwischen dem Lama und dem Schüler ist, um die kostbaren Dharma-Lehren zu erfahren.

Um starke Hingabe und Vertrauen in den Lama zu haben, heißt es im Hevajra-Tantra: „Die Verwirklichung der gemeinsam erwachenden Weisheit kann nicht von anderen gegeben oder erklärt werden. Die Verwirklichung von gemeinsam entstehender Weisheit geschieht nirgendwo ohne die Abhängigkeit vom letztendlichen Vertrauen in den Lama und der eigenen Kraft des Verdienstes oder dem Sammeln der Ansammlungen. Wenn man also zur Mahamudra-Praxis kommt, heißt es, dass die Kraft der Segnungen aufgrund des Vertrauens und der Hingabe an den Lama, in einem Moment, kann nicht mit der Kraft der Segnungen aufgrund der Meditationspraxis der Gottheiten für 100 kalpas oder Äonen verglichen werden. Deshalb ist das Bittgebet an den Lama und das Vertrauen in ihn weitaus wichtiger als nur das Rezitieren von Mantra und die Visualisierung von Gottheiten.

Natürlich sind die Yidam-Gottheiten wichtig. Sie sind alle ein Teil der authentischen und großen Lamas. Als Marpa zum Beispiel Naropa traf, manifestierte Naropa Hevajra und alle Yidam-Gottheiten im Raum, so dass sie für Marpa sichtbar waren. Dann sagte Naropa: „Vor wem willst du heute die Niederwerfungen machen? Vor dem Lama, hier, wo ich hier sitze, oder vor deinem Yidam, der sich im Raum vor dir befindet.“ Marpa dachte also: „Oh, ich sehe meinen Lama jeden Tag, aber ich sehe meinen Yidam nicht jeden Tag. Das sieht nach einer sehr, sehr großen Gelegenheit aus. Heute werde ich mich vor dem Yidam niederwerfen.“ Und Naropa sagte: „Oh, das ist nicht richtig. Dieser Yidam ist die Manifestation des Lamas“, und dann lösten sich Hevajra und alle Yidams in ihm auf. Es hat in der Vergangenheit nie einen Buddha gegeben, der ohne Abhängigkeit vom Lama zu einem Buddha wurde. Alle Buddhas, die sich dreimal manifestiert haben, erlangten die Buddhaschaft durch die Unterweisung des Lamas.

Dieser Lama ist nicht nur der „äußere Lama“, sondern es gibt auch den „inneren Lama“. Der innere Lama ist ebenso wichtig wie der äußere Lama, aber um den inneren Lama zu manifestieren, sind wir auf den äußeren Lama angewiesen. Alle 100 Gottheiten, die zornvollen und friedlichen, alle diese Yidams sind in uns, in unserer Natur. Die Buddha-Natur umfasst all diese Gottheiten. Deshalb sagt man auch, dass sich der äußere Yidam im Lama auflöst. Wir müssen Respekt vor beiden Lamas entwickeln, aber wir legen zunächst den Schwerpunkt auf den äußeren Lama, da wir durch den äußeren Lama zum inneren Lama gelangen. Sobald wir zum inneren Lama gelangen, wird uns zu diesem Zeitpunkt klar, dass es zwischen den beiden keinen so großen Unterschied gibt.

Von Garchen Rinpoche, aus den Belehrungen zu Mahamudra. Übersetzt aus dem Englischen vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. Oktober 2020

Der Weg zu echtem Wandel

von Tulku Sherdor

Der Dharma wird zu einem Pfad, wenn wir beständig Zuflucht nehmen und die erwachte Geisteshaltung von Bodhicitta hervorbringen, indem wir alle Höhen und Tiefen und Schwierigkeiten der Praxiserfahrung durchstehen und Langeweile, Faulheit, Ablenkung und zahllose andere Fehler durchschneiden oder überwinden, ohne den Kurs radikal zu ändern oder umzukehren.

Das Ngöndro ist eine Reihe perfekter Anweisungen, die wir nur unvollkommen befolgen können. Dennoch befolgen wir sie als fehlbarer Mensch und nicht als Roboter. Und so wird es zu einem Weg. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, indem wir sehen, wie weit wir noch gehen müssen, noch dürfen wir viel Zeit und Energie verschwenden, indem wir uns durch unser Tempo des Vorankommens frustriert und enttäuscht fühlen.

Es geht vielmehr darum, zu lernen, wie man mit dem arbeitet, was auch immer geschieht, und es in die Praxis umsetzt. Das nennt man „Erfahrung als Pfad nehmen (oder in den Pfad einbringen)“. Wir können einfach nicht bloß dann motiviert sein, nur dann zu praktizieren, wenn wir uns gut fühlen, oder nur dann, wenn wir uns schlecht fühlen, wozu uns Gewohnheiten aus anderen Arten von Aktivitäten konditioniert haben. Indem wir uns viel vergeben und nichts entschuldigen, wird der Dharma zu unserem wahren Pfad.

Das Leben wird euch ständig mit Herausforderungen konfrontieren. Es kann sein, dass man krank wird oder nicht genug Geld hat, um für das Nötigste zu bezahlen, oder dass jemand, dem man zutiefst vertraut, einen im Stich lässt oder verrät, und man denkt: „Das Leben hat mich wieder einmal reingelegt.“ Aber der Dharma bietet uns einen alternativen Weg.

Als Anwender des Dharma kann man denken: „Dies ist ein großer Segen, eine Gelegenheit für mich, zu lernen, wie man das, was wirklich dauerhaften Geistesfrieden und Glück schenkt, von dem unterscheiden kann, was die Kraft der Anhaftung nur verstärkt und das Leiden verewigt.“ Oder man denkt: „Das ist die Reifung meines eigenen Karmas, was für ein großer Segen es ist, die Gelegenheit zu haben, es jetzt durch die Tonglen-Praxis oder andere geschickte Mittel zu reinigen. Würde ich diese kostbare Gelegenheit nicht ergreifen, würde das Karma nur noch schlimmer und schlimmer werden, während es, wenn ich mich ihm jetzt stelle und geschickt damit umgehe, nur noch besser und besser wird. Mein Guru ist so freundlich, mir diese Chance in die Hände zu legen“.

Eigentlich hat man die Wahl, das, was geschieht, als Segen oder Fluch zu betrachten. Die eine Perspektive wird euch auf lange Sicht helfen, die andere nicht. Wenn man glaubt, dass die eine Sichtweise der Situation wahr und die andere falsch ist (auch wenn sie zweckmäßig und hilfreich ist), dann verpasst man eigentlich den entscheidenden Punkt.

Der Schlüssel zu jeder Dharma-Praxis ist das Verständnis, dass in der Tat alle Wahrnehmung bedingt ist, und dass es nichts gibt, was inhärent wahrer an unreiner Wahrnehmung ist als reine und geschickte Wahrnehmung. Im Gegenteil, wie Mipham, ein großer Gelehrter der Nyingma-Linie aus dem 19. Jahrhundert, erklärte, ist reine Wahrnehmung immer wahrer, da sie einen der endgültigen Wahrheit näher bringt.

Tulku Sherdor – Eintritt in die große Weite; Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Oktober 2020

Die Erfüllung der Praxisverpflichtung im Chöd

Der erste Abschnitt behandelt die Chöd-Samayas oder die Erfüllung der Verpflichtung, nachdem man diese Ermächtigung erhalten hat. Dabei ist das erste Erfordernis, nachdem man die Ermächtigung erhalten hat, es auch zu praktizieren. Die Art dies auszuführen, ist die Praxis des Chöd an furchteinflößenden Orten, nicht an irgendeinem anderen Platz. Man geht nicht an irgendeinen Ort, sondern an einen furchteinflößenden Ort: ein Leichenplatz könnte beispielsweise so was sein. Der Grund dafür ist, wenn man diese Praxis an einem furchteinflößenden Ort macht, dass man ausgerichtet sein wird, der eigene Geist wird geschärft sein. Wenn der Geist scharf ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass man von irgendeiner Art der verschiedenen begrifflichen Konzepte unterbrochen wird. Das ist einer der Gründe, warum empfohlen wird, dass die Praktizierenden diese Praxis an fürchterlich aussehenden Plätzen durchführen sollten. Allgemein sind alle Arten von Furcht und anderen Gefühlen auf der letztendlichen Ebene wirklich nicht-existent. Um ihr Auftreten zu beenden, ist es oft notwendig, einsgerichtet zu verbleiben und furchteinflößende Plätze helfen einem dabei, in solch einem Geisteszustand zu verweilen.

Chöd-Klausur

Ein weiteres Erfordernis ist es, ins Retreat zu gehen. Ein Retreat ist wiederum nicht irgendeine Art von Retreat-Platz. Hier bedeutet es speziell „Rithrö“. „Rithrö“ ist eine Art von Retreat-Platz, der geschichtlich zurück in Tibet an Berghängen liegt, es kann eine einfache Höhle sein. Für jene von euch, die eine gewisse Stabilität in der Praxis erlangt haben, könnten auf einen Leichenplatz und andere furchteinflößende Orte gehen, aber jenen unter euch, die eine Stabilität noch aufbauen, denen rate ich, macht ein Retreat in einsamen Gegenden.

Wenn ihr an fürchterlich aussehende Orte geht, ohne eine Stabilität in eurer Praxis aufgebaut zu haben, da gibt es viele Geschichten über Unfälle und Hindernisse. Daher wird empfohlen, dass man zuerst ein Retreat machen sollte. Ich empfehle euch nicht, geradewegs auf die Leichenplätze zu gehen und die Praxis zu machen.

Ein Grund, warum es so schwierig ist, an furchteinflößende Orte zu gehen und zu praktizieren, wo eine Menge Gefahren lauern, dass ihr bei der ersten Idee, dass euch etwas widerfährt, ihr darüber nachdenkt, was geschieht mit „mir“. Wenn dann das „mich“ in den Vordergrund tritt, dann ist diese Art des Schreckens der einzige Grund, warum ihr diese Praxis macht. Dies ist der Grund, warum es empfohlen wird, dass ihr euch nicht an fürchterlich aussehende Plätze hinauswagen sollt, um diese Praxis zu machen, ohne eine gewisse Stabilität aufgebaut zu haben. Wenn wir vom Aufbauen einer Geistesstabilität sprechen, einer Geistesstabilität im Sinne dies zu praktizieren, dann meinen wir dies in die Praxis zu bringen. Dann beginnt man zu praktizieren und entwickelt eine stabile Denkart. Wenn ihr dann hinaus an diese fürchterlichen Plätze geht, selbst wenn ein wildes Tier wie ein Tiger oder ein Leopard oder ein Räuber, ein Bandit, wer immer euch bedrohen kann, auftaucht, dann habt ihr bereits den Geisteszustand erlangt, bei dem ihr euch selbst sagt – nun, die Zerstörung des Ich, meines Körpers, was immer mit mir geschieht ist nicht maßgeblich. Die wichtigste Art dabei ist, dass das Bedürfnis von demjenigen, der der Täter ist, erfüllt wird. Wenn ihr diese Geistesebene erreicht habt, dann habt ihr wirklich Mitgefühl und keine Ängste und die Frage der Ausrichtung auf ein „Ich“ oder „mich“ existiert nicht.

Wenn ihr diesen Geisteszustand erreicht habt, wo ihr nichts anderes als Mitgefühl habt, keine Angst, einfach nichts, dann wird euch von keinem Tiger, noch einem Leoparden, weder von Dieben oder Banditen Leid zugefügt. Kein Leiden wird dann zu euch kommen. Dies ist auch die Idee dabei, wenn ich euch immer sage, wenn ihr begriffliche Konzepte habt, folgt diesen begrifflichen Gedanken nicht. Versucht in einem stabilen Geist zu bleiben, versucht diese begrifflichen Gedanken zu erkennen und lasst sie vergehen. Es gibt eine sehr tiefgründige Bedeutung und einen Zweck dafür – wenn ihr eine Art des Festhaltens und Greifens – und dann ist alles möglich. Wenn ihr kein Haften oder Greifen habt, dann wird es keine Furcht geben. Alles wird wie der Widerschein in einem Spiegel sein. Gibt es da eine Spiegelung? Ja, es gibt eine, aber wenn ihr versucht danach zu greifen und es festzuhalten, dann ist da nichts Greifbares daran. Vergleichsweise wenn ihr auf der relativen Ebene Dinge klar seht, dann gibt es die Dinge natürlich, dennoch folgt ihr diesen Dingen nicht nach. Was immer ist, lasst es sein, euer Geist jagt diese nicht. Es gibt eine sehr gute Geschichte, anscheinend eine wahre Geschichte.

Konzepte und der Dieb

Einmal ging ein Dieb auf Beutezug, um danach zu sehen, was er bekommen könnte und er kam zu einem Chöd-Praktizierenden, der sein Chöd praktizierte, eine Trommel in der rechten Hand, eine Glocke in seiner linken. Er schlich sich vorsichtig an den Praktizierenden an und das erste, was ihm einfiel war, dass er den Praktizierenden töten sollte, damit er mit dem wenigen Besitz des Praktizierenden davonlaufen könnte. Er zog sein Schwert und mit einem Streich enthauptete er den Praktizierenden. Der Kopf fiel zu Boden, dennoch setzte der Praktizierende – nun ein kopfloser Praktizierender – fort, ohne Trommelschlagen und dem Läuten der Glocke aufzuhören und so weiter und so weiter… Da begann der Dieb nun zu zweifeln und er hob rasch den Kopf auf und legte ihn wieder auf den Nacken des Praktizierenden und der Praktizierende machte noch immer weiter und weiter und weiter. Davon überzeugt, dass dieser Praktizierende ein wirklich erleuchtetes Wesen sei, zog er sich zurück und ging zurück in sein Dorf und erzählte es jedem, der vorbeikam, dass dieser Praktizierende, den er enthauptet hatte, dennoch weiter praktizieren würde. Dass er ihm den Kopf zurück auf den Nacken gelegt hatte und er noch immer weiter machte usw. Diese Neuigkeiten verbreiteten sich und er wollte schließlich ein paar Opfergaben darbringen und brachte einige Süßigkeiten und versuchte, nach dem Praktizierenden zu sehen. Endlich fand er ihn in einer Höhle, er ging zu Praktizierenden hin und sagte: „Ihr seid wahrlich ein erleuchtetes Wesen.“ Und der Praktizierende antwortete: „Nun wie weißt du das?“ Und der Mann sagte: „Ich köpfte Euch, aber Ihr habt einfach weitergemacht und immer weiter.“ Er sagte: „Oh nein! Das kann ich nicht glauben!“ In diesem Augenblick fiel der Kopf zu Boden, da der Praktizierende dieses begriffliche Denken hatte. Ihr seht also, in dem Minute, als der Mann ihm sagte, dass er ihn geköpft habe, war der Praktizierenden so schockiert und hatte Zweifel und Sorgen. Deshalb fiel der Kopf herunter. Die Moral von dieser Geschichte ist, dass man keine Zweifel und begrifflichen Gedanken haben sollte, sondern einsgerichtet sein sollte. Wenn man dann an einen schrecklich aussehenden Ort geht, kann man in der Angst verstrickt sein und wenn dann die Angst zuschlägt, wird es sehr, sehr schwierig, fokussiert zu bleiben.

Mindestmaß der Praxis

Die Untergrenze ist erreicht, wenn man Greifen und Anhaften reduziert hat, dann ist wirklich die Zeit gekommen, an Orte zu gehen, die fürchterlich aussehen, wie angsteinflößende Leichenplätze. Das wichtigste von allem zwischen Körper und Geist ist, dass der Geist wichtig ist und der Körper nicht wichtig ist. Es ist der Geist, der den Körper erschafft, weil es durch das eigene Greifen, das eigene Anhaften geschieht und dies sind die Bestandteile der Unwissenheit, die etwas entstehen lassen oder erschaffen, wenn ihr wollt, den Körper.

Andererseits wenn ihr Dzogchen praktiziert, gibt es einen Regenbogenkörper. Das Konzept des Regenbogenkörpers ist, dass ihr, wenn ihr den Regenbogenkörper erreicht, alles zurücklasst, vielleicht nur die Haare und die Nägel bloß als einen Hinweis, dass der Rest des Körpers sich in den Zustand des Regenbogens aufgelöst hat. Das ist dann, wenn sich alle mikrokosmischen Partikel eures Körpers sich in die Elemente aufgelöst und euer Bewusstsein mit dem Zustand der erleuchteten Wesen vermischt hat. Das ist der Regenbogenkörper. Wenn ihr dann diese Art von Haften an einem Ich, einem mir, einem mein habt, ist dies wie ein beständiger Schneefall und Nieselregen in hohen Lagen. Als Ergebnis seht ihr dann den Schneegipfel, den ihr aus der Ferne an der Spitze des Berges als weiß betrachten könnt, warum? Aufgrund eines leichten, beständigen Schneefalls und des kalten Wetters. Wenn ihr also dieses Festhalten an einem Ich, einem mir, einem mein habt, dann lässt dies eine Geburt entstehen, sodass man wieder und wieder wiedergeboren wird und man in der zyklischen Existenz ist. Wenn ihr das abschüttelt, besonders Gier, Ärger und Ignoranz, was dann geschieht ist, dass man im eigenen Geisteszustand ist.

Der meditierende Geist ist stabil genug, um in der Lage zu sein, die Buddhas und Bodhisattvas einerseits und jene von uns, den Wesen in der zyklischen Existenz, zu unterscheiden. Es gibt einen Unterschied zwischen Nirvana einerseits und Samsara andererseits. Wenn ihr euch weiterentwickelt, dann entwickelt ihr eure Praxis, ihr erlangt mehr Stabilität, ihr werdet die Erkenntnis haben, dass alles einfach eine Wahrnehmung ist. Alle ist da, aber zur selben Zeit richtet sich der Geist nicht darauf aus, was da ist, sondern auf seine wahre Natur, seinen wahren Geisteszustand, der eine höhere Stufe ist. Wenn ihr andererseits nicht fähig zu praktizieren seid und euren Geist nicht stabilisieren könnt, dann werdet ihr alles als anormal sehen, die Fehler der anderen und die Eigenschaften von einem selbst. Wir haben diese Tendenz zu sagen, wie gut man ist, wie toll man ist, wie rechtschaffen man ist, wie gut man aussieht und der andere ist dann immer der Fehlerhafte. Diese Art von Gedanken und Gefühlen entspringt aus dem beständigen Haften am Ego, Ich, mein und mir selbst. Durch die sechs Vollkommenheiten, eine nach der anderen, wenn man wirklich diese spezielle Methode praktizieren kann, dann reduziert dies die Menge Hass, man praktiziert etwas Geduld und ebenso reduziert dies Stolz und Eifersucht. Dies wirkt alles förderlich für die Stabilisierung des Geistes, damit wir dann tatsächlich in der Lage sind, an einige schreckliche Orte zu gehen und zu praktizieren.

Ich sagte schon einiges über diese Vorstellung der Verpflichtung, dass man hinausgeht und Retreats an schrecklich aussehenden Plätzen wie Leichenstätten macht. Das war wichtig, aber hier wird man in der gleichen Zeile auch aufgefordert, dass man ein Retreat machen sollte.

Man hat, obwohl der Text davon spricht, dass man diese Praxis machen sollten, man ins Retreat gehen sollte, hier im Westen vielleicht eine Arbeit auszuführen, da man sonst nichts zu essen hat. Daher ist es etwas schwierig, in ein Retreat zu gehen. Eine andere Sache, die ich den Leuten sage ist, dass hier eine Menge Leute sind, die zu mir kommen und mir erzählen, dass sie sich einmal auf den Weg nach Indien, Nepal oder sonst wohin machen und sich einige Zeit freinehmen und in ein Retreat gehen. Das ist eine wunderbare Sache. Es ist gut, dies zu tun, aber wartet nicht, bis ihr etwas Zeit habt und dann ein Retreat machen könnt. Selbst wenn es nur eine Angelegenheit von einer Stunde ist, sollt ihr so tun, als ob das Retreat jetzt ist. Die Bedeutung von „ins Retreat gehen“ ist, die geistige Ruhe zu erlangen, nicht durch begriffliche Gedanken gestört zu sein, den Geist in seiner eigenen natürlichen Ausprägung ruhen zu lassen. Wenn man das machen kann, dann ist das die Essenz von Retreat, da gibt es nichts anderes. Ins Retreat zu gehen ist eine Art Flucht, bei der man von Klängen und Sichtbarem nicht abgelenkt ist. Das ist also der Zweck, den man eigentlich in jeder Situation machen kann, sich nun hinter verschlossenen Türen für ein oder zwei Stunden hinsetzen.

Wenn ihr dies machen könnt, versucht zu verhindern, dass euer natürlicher Zustand nicht abgelenkt wird, dann ist das selbst schon ein Retreat. Es gibt kein anderes Retreat. Beispielsweise könnt ihr euch sonntags etwas Zeit nehmen, nach innen wenden, die Tür schließen, öffnet eure Fenster, denkt an euren Lama, führt eine Chöd-Praxis aus, das ist dann euer Retreat. Nun ins Retreat zu gehen, euch selbst einschließen, euren Körper irgendeine Einschränkung auferlegen, ist kein Retreat. Was wirklich eingesperrt werden soll, ist euer Denken. Schließt euren Geist in seiner natürlichen Form ein, lasst ihn nicht umherwandern, keine begrifflichen Gedanken nachjagen. Euer Geist sollte im Retreat sein, nicht euer Körper. Wenn ihr andererseits euch nur körperlich einsperrt, aber euer Geist wie ein Werwolf von einem Ort zu nächsten umherwandert, dann ist das überhaupt kein Retreat. Ihr müsst euren Geist kontrollieren und daher auch mein Vorschlag, dass ihr nicht warten sollt, bis ihr eine erhebliche Menge an Zeit für ein Retreat habt. Ihr könnt euer eigenes Schlafzimmer in ein Retreat verwandeln. Ihr müsst nicht nach Indien oder Nepal gehen, um dies zu machen.

Kyobpa Jigten Sumgön hat ganz klar ausgeführt, dass die heiligen Orte und die Orte der Anbetung und die Pilgerstätten dort sind, wo ihr seid. Eine Menge Leute gehen an heilige Orte wie Tsari in Südtibet. Ihr solltet den Ort, an dem ihr seid, als Tsari auffassen. Warum machen die Leute nun eine Pilgerfahrt nach Tsari? Weil Tsari der heilige Ort von Vajravarahi ist. Kyobpa Jigten Sumgön sagte, der eigene Körper hat jeden Aspekt von Tsari, den verschiedenen heiligen Plätzen und Pilgerstätten. Alle davon sind im eigenen Körper enthalten. Daher ist das, was ihr machen sollt, euren Körper als ein Retreat-Zentrum, einen Retreat-Ort verwenden und den Geist ins Retreat gehen lassen. Wenn euer Geist ins Retreat geht, diesem Zustand zwischen Ablenkung durch begriffliche Gedanken und dem Geisteszustand, in dem es keine Ablenkung und Störung gibt, dann werdet ihr ein besonders Gefühl dabeihaben und das ist das wichtigste dabei. Wenn ihr euren Geist ins Retreat schickt, dann werdet ihr dies erfahren. Wenn ihr dies erfährt, dann ist das wie bei einem kleinen Baby, das die Brust der Mutter bekommt. Jedes Mal, wenn ihr es erfährt, wisst ihr genau, dass es dieselbe Erfahrung ist, die ihr wiederholt. Daher ist es wichtig zu praktizieren, statt auf die Zukunft zu warten.

Von Garchen Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. September 2020

Den Geist zum Pfad der Befreiung machen

Der Bodhisattva Mahasahasrananta bat: „Oh Lehrer, Bhagavan, möge der Lehrer den tiefgründigen Pfad enthüllen, der die Schüler befreit!“

Er erwiderte: „Oh Kind aus guter Familie, es scheint viele Wege geschickter Mittel undWeisheit zu geben, die als Eingang in die Stadt der großen Befreiung dienen. Aber schließlich den Geist als den Pfad zur Befreiung zu machen, ist die Frage nach dem wahren Pfad und sobald die Grundlage bestimmt worden ist, kann man die Dharmata als Pfad nehmen. Von diesen beiden Alternativen nimmt macht man zuerst den Geist zum Pfad.

Von Beginn an üben sich Schüler, die ihre Samayas halten, anfänglich in der Art der allgemeinen, äußeren Grundlagen, nämlich der Vier Gedanken, die den Geist wenden und den ungewöhnlichen, sieben inneren Grundlagen. Am Ende dieser gibt es die Art und Weise, wie man die Stufen der Hauptpraxis des Suchen des Pfades ausführt.

Zuerst einmal geht in einen völlig entlegenen Wald, sprecht Gebete der Anrufung an euren spirituellen Mentor, vermischt euren Geist mit dem eures Mentors, dann entspannt für eine kurze Weile. Oh Mahasahasrananta, von deinem Körper, Rede und Geist, was ist am wichtigsten? Wer ist der Handelnde? Sag mir, wer ist der unwandelbare, selbständige Herrscher? Dann zum großen Vorteil der Schüler werden die Handlungen von Lehren, Hören und der Natur der Anweisungen völlig klar werden.“

Dann erwiderte der Bodhisattva Mahasahasrananta: „Oh Lehrer, Bhagavan, der Körper ist vom Geist konstruiert. Wenn Materie und Gewahrsein sich nach dem Tode trennen, dann folgt der Geist seinem Karma und beginnt wieder getäuscht nach der Erscheinung eines Körpers zu greifen. Ferner sind der Körper im Wachzustand, der Körper beim Träumen und der Körper, der auf dieses Leben folgt, vom Geist des Greifens nach einem Selbst geschaffen. Sie sind zeitweilige Verwandlungen, die niemals bestanden haben, außer als bloße Erscheinungen des Geistes. Da der Geist der alles gestaltende Herrscher ist, ist er von größter Wichtigkeit.

Ein geistloser Körper ist nicht vielmehr als ein Leichnam, da er keine Macht hat. Wenn der Körper und der Geist sich trennen, dann sind die Phänomene des Empfindens von Freude und Kummer, den Zustand der Buddhaschaft erreichen oder in den drei Bereichen von Samsara umherzuwandern, aufgrund des Geistbewusstseins, die hinsichtlich der Objekte getäuscht sind. Somit ist er gewiss der Handelnde.

Betreffend der Rede, welche Erscheinungen der Stimmgebung auch entstehen, sie sind nicht viel mehr als Erscheinungen des Geistes. Rede hat keine andere Existenz als das Phänomen der Stimmgebung, die durch die Begrifflichkeit des Geistes konstruiert wordenist, somit ist der Geist am wichtigsten. Wenn der Körper, die Rede und der Geist nacheinander trennen, dann ist der Geist, der weiter bestehen bleibt, der Körper verwandelt sich in einen Leichnam und die Rede vergeht insgesamt. Somit ist der Geist definitiv am wichtigsten.

Dies ist die Art und Weise, wie Körper, Rede und Geist als nicht verschieden begründet werden. Bei der Praxis der Erzeugungsstufe werden Körper, Rede und Geist von einem als der Ausdruck des Vajra-Körpers, der Vajra-Rede und des Vajra-Geistes der gewählten Gottheit angesehen. Indem man das macht, werden sie gereinigt und Befreiung wird erlangt. Wenn sie sich trennen, dann werden sowohl der unveränderliche Vajra des Körpers wie auch der ungehinderte Vajra der Rede zurückgelassen, während der Geist irgendwohin weiterzieht. Wenn sich dann die Versammlung der drei Vajras auflöst, würde die Gottheit dann umkommen? Und da diese drei nicht verschieden von einander sind, werden sie als „ein Geschmack“ festgelegt.

Somit sind diese drei nichts anderes als der Geist. Sie werden als der Geist allein ermittelt und das ist das beste und höchste Verständnis.“

Wiederum fragte der Lehrer: „Hast du, der alles ausführende Herrscher, Gestalt oder nicht? Wenn du eine hast, welche Art der Gestalt eines Lebewesens nimmst du an? Hat dieser Herrscher Augen, Ohren, eine Nase, eine Zunge und geistige Wahrnehmung oder nicht? Wenn ja, wo existieren sie jetzt? Wo sind sie? Ferner hast du eine runde, rechteckige, halbkreisförmige, dreieckige, vielseitige oder irgendeine andere Art der Form? Bist du weiß, gelb, rot, grün oder von verschiedener Farbe oder nicht? Wenn ja, dann lass es mich unter allen Umständen direkt mit meinen Augen sehen oder lass es mich mit meiner Hand berühren!

Wenn du dir sicher bist, dass nichts davon existiert, dann bist du möglicherweise in das Extrem des Nihilismus gefallen. Daher enthülle mir nun die Realität von Samsara und Nirvana, Freude und Kummer, Erscheinung und dem Geist und all ihren substanziellen Ursachen.“

Mahasahasrananta erwiderte: „Oh Lehrer, Bhagavan, das Selbst hat keine Form, somit ist es leer von Form. Genauso hat es keinen Klang, Geruch, Geschmack, keine Berührung oder Geistesobjekte, somit ist es leer von diesen. Es ist leer von Form und Farbe, somit ist es leer. Die Augen, Ohren, Nase, Zunge und geistige Wahrnehmung haben gewiss keine Existenz außer dem klaren, deutlichen Bewusstsen selbst. Ohne sie nihilistisch zur Nicht-Existenz zu reduzieren, erscheinen die unbestimmten Manifestationen von Samsara und Nirvana wie ein Zauberer und seine Illusionen. Somit bin ich zur Schlussfolgerung gelangt, dass [der Geist] einfach ein unaufhörlich Handelnder ist.“

Der Bhagavan fragte: „Oh Geist-Vajra, sag mir, was ist die Quelle, von der aus du zuerst entstanden bist? Bist du aus der Erde, aus Wasser und Feuer, Wind und Raum entstanden oder bist du aus den vier Hauptrichtungen, von oben oder von unten entsprungen? Untersuche den Ort der Entstehung und das, was entsprungen ist und analysiere sie! Ebenso utnersuche den Ort, an dem du dich anschließend aufhältst und das, was vorhanden ist und analysiere sie!

Wenn der sogenannte Geist sich im Kopf befindet, wenn dann beispielsweise der Fuß von einem Dorn durchbohrt wird, dann gäbe es keinen Grund für die Erfahrung eines scharfen Schmerzes. Wenn er im Fuß lokalisiert werden würde, warum würde es dann das Unbehagen geben, wenn der Kopf und andere Glieder amputiert werden würden? Angenommen er würde sich im Körper als Ganzes lokalisieren lassen. Wenn dann in deisem Fall unerträgliches Bedauern und Elend im Geist entstehen würden, wenn außen ein Stück Stoff, eine Tasse, ein Haus und andere Besitztümer von anderen weggenommen oder zerstört werden würden, dann müsste sich der Geist in diesen befinden. Wenn er sich drinnen befinden würde, dann würde es niemanden geben, der sich mit Dingen außerhalb identifiziert. Wenn er sich außen aufhalten würde, dann gäbe es keine Festhalten oder Greifen nach dem Körper drinnen. Wenn es stimmen würde, dass er sich heutzutage im Körper aufhält, wo würde er dann lokalisiert werden, wenn er sich vom Körper trennt? Auf was würde er sich stützen?

Zeige direkt den Körper, das Gesicht und den Aufenthaltsort von dem auf, der präsent ist. Untersuche den Aufenthaltsort und die Umgebung von dem, der präsent ist und die Größe usw. dieses Agierenden. Beobachte das! Schließlich musst du die Handlung des Gehens und den Gehenden untersuchen, auch beobachte das Ziel, den Pfad und den Punkt des Losgehens von Seiten des Geistes, dem alles ausführenden Akteurs und sieh, wie es sich bewegt. Wenn du das Gehen und denjenigen, der geht, siehst, dann zeige mir die Größe des Gehenden und seine Gestalt, seine Form und Farbe.“

Mahasahasrananta entgegnete: „Oh Lehrer, Bhagavan, ich habe keine Augen und aufgrund ihres Fehlens gibt es nichts, das als Form erscheint. Genauso habe ich keine Ohren und aufgrund ihres Fehlens gibt es nichts, das als Klang erscheint. Ich habe keine Nase und aufgrund ihres Fehlens gibt es nichts, das als Geruch erscheint. Ich habe keine Zunge und aufgrund ihres Fehlens gibt es nichts, das als Geschmack erscheint. Ich habe keinen Körper und aufgrund ihres Fehlens gibt es nichts, das als Berührung erschent.

Daher existieren die fünf Sinne wie auch ihre Erscheinungen nicht, somit gibt es auch niemanden, der entstanden ist. Wenn es denjenigen, der entstanden ist, nicht begründet wird, von dieser Zeit ist der sogenannte Geist nicht etabliert und nichtexistent. Bis jetzt sollte es etwas gegeben haben, das die Merkmale trägt, die diese Entität genannt wird. Ich bin ungeschaffene Leerheit, daher ist die Quelle der Entstehung leer. Um nach dem Ort der Entstehung zu suchen, so ist Erde etwas, das ich konstruiert habe. Genauso alle Elemente einschließlich Wasser, Feuer, Luft und Raum sind nichts anderes als wundersame Erscheinungen des Greifens nach einem Selbst allein. Somit ist festgestellt, dass derjenige, der entstanden ist, nicht objektivierbar ist.

Ich bin nicht lokalisierbare Leerheit, somit gibt es nichts, wo ich vorhanden bin. Was den sogenannten Körper betrifft, die Wunden, Schwellungen, Kröpfe, Geschwüre usw. können am Körper entstehen, der im Wachzustand erscheint, aber sie sind im Traumkörper nicht vorhanden. Auch wenn die Wunden, Schwellungen, Kröpfe und Geschwüre erscheinen mögen, als ob sie den Körper und die Glieder in einem Traum heimgesucht haben, so sind sie als Phänomene im Wachzustand nicht vorhanden. Als Phänomen im Wachzustand kann der Körper durch die Bestrafung eines Königs verwundet oder geschlagen werden, aber das erscheint nicht im Traumkörper. Wenn das in einem Traum geschieht, ist es im Körper im Wachzustand nicht präsent. Genauso Aufenthaltsort, Umgebung und der Agierende, die außen zu erscheinen mögen oder als Wesen innen ergriffen werden, sind nichts anderes als wundersame Erscheinungen von mir selbst.

Daher bin ich weder in einem äußeren noch in einem inneren Phänomen vorhanden. Äußere und innere Phänomene sind in mir nicht vorhanden. Sie sind Erscheinungen des Greifens nach einem Selbst, wie ein Zauberer und seine Illusionen. Sie sind nicht absichtlich konstruiert wie im Falle eines Illusionisten und seine Illusionen. Das Selbst erscheint, somit erscheinen die wundersamen Erscheinungen von anderen einfach automatisch, aber sie haben keinen Aufenthaltsort. Man mag den Bestimmungsort und den Agierenden untersuchen, aber der Ort der Bewegung und der Bestimmungsort sind alle nicht objektivierbar. Somit treffen sie nicht auf die Natur von mir und mein zu. Alle Phänomene erscheinen, während sie nichts anderes als der Bereich des Selbst sind. Außerdem ist es so, dass Körper, Rede und Geist niemals getrennt existiert haben und ihre Erscheinungen sind vom selben Geschmack. Bei allen Erscheinungen im Wachzustand, im Traum und nach diesem Leben, sind Körper, Rede und Geist nicht verschieden von mir. Somit ist es gewiss, dass der Gehende und der Bestimmungsort nicht begründet sind.“

Der Bhagavan erwiderte: „Oh Geist-Vajra, untersuche die Dimensionen deines sogenannten Geistes, dann begründe und erkenne seine wesentliche Natur. Sind sowohl der äußere Raum und der innere Geist gleich oder verschieden? Wenn sie gleich sind, dann muss die wesentliche Natur des Geistes Raum sein. Wenn sie verschieden sind, dann müsstest du zustimmen, dass Raum in einem Traum, Raum am Tag und Raum nach diesem Leben nicht eins, sondern verschieden sind. Wenn der vorherige Raum vergeht und die nachfolgenden Räume einer nach dem anderen auftaucht, dann müsste jeder Raum Gegenstand von Verwandlung, Schöpfung und Zerstörung sein. In diesem Fall ermittle die Ursachen und Bedingungen, aus denen sie entstehen. Wenn der Raum manifest am Tag aufgrund des Sonnenaufgangs am Morgen erscheint, warum bewirkt die Sonne dann nicht, dass er in einem Traum oder nach diesem Leben erscheint? Oder ist er das Klar-Licht deines eigenen Geistes? Mach nicht bloße Lippenbekenntnisse, sondern durchdringe dies vielmehr mit Gewissheit.“

Mahasahasrananta antwortete: „Oh Lehrer, Bhagavan, Raum ist unbestreitbar als die essentielle Natur meines Geistes festgelegt. Während des Tages zeigen sich Erde, Wasser, Feuer, Luft, das Selbst, andere, Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung und Geistesobjekte im Berech des Raumes und der Geist hält sie durch die Mittel der Begrifflichkeit. Im Traumerscheinungen erscheint der Grund des Geistes genauso als Raum und die gesamte Welt, ihre Bewohner und Sinnesobjekte zeigen sich so, wie sie es zuvor taten. In zukünftigen Leben erscheint auch die wesentliche Natur des Geistes als Raum und in diesem Bereich erscheinen auf dieselbe Art und Weise die ganze Welt, ihre Bewohner und Sinnesobjekte. Sie werden vom Geist gehalten und man ist wieder und wieder voller Illusionen.

Daher sind Raum, das Selbst, andere und alle Sinnesobjekte von einem Geschmack und sie sind gewiss nicht verschieden. Außerdem ist es die Lebendigkeit des Raumes selbst und nichts anderes, dass Erscheinungen manifest werden lässt. Die essentielle Natur des Geistes und der Grund ist Raum selbst. Verschiedene Erscheinungen treten im Bereich des geistig erkennenden, durchsichtig, klaren, für immer präsenten Bewusstseins auf. Der Ausdruck dieser Erscheinungen ist wie die Spiegelungen in einem Spiegel oder die Abbilder von Planeten und Sternen in einem Teich von durchsichtig klarem Wasser. Sobald das durchsichtig klare Bewusstsein in den zentralen Bereich des durchdringenden, leeren Raum eingetreten ist, wird es nach innen gelenkt. Dabei verschwinden der Geist und alle Erscheinungen und breiten sich unendlich in die wertneutrale, durchdringende Leerheit aus. Ich habe festgestellt, dass aufgrund des Greifens nach einem Selbst, die große durchdringende Leerheit, die essentielle Natur des Grundes als der Geist und die Geistesfaktoren erscheinen. Der Raum und die Lebendigkeit sind nichts anderes als die Realität des durchsichtigen, klaren Geistes selbst, die als ein Ergebnis von Bedingungen i Selbst und andere zerfällt.

Einfach indem man den Geist zum Pfad macht, erfährt eine Person mit überragenden Fähigkeiten die Seinsnatur der Soheit, die die Dharmata ist und realisiert die umfassende Sicht von Samsara und Nirvana und erlangt Befreiung im angeborenen Bereich des Raumes. Eine Person mit durchschnittlichen Fähigkeiten erlangt Überzeugung im formlosen Bereich und eine Person mit geringen Fähigkeiten erfährt Freude im Formbereich. Von einer Person mit den geringsten Fähigkeiten wird der Pfad als Glück im Begierdebereich erlebt. Möge der Lehrer erklärten, wie das so ist!“


Von Dudjom Lingpa aus dem „Vajra-Herz-Tantra“ (tib. dag snang ye shes drwa pa las gnas lugs rang byung gi rgyud rdo rje’i snying po); übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 19. September 2020

Die Gelübde halten

Wie die drei Arten von Gelübden gleichzeitig eingehalten werden können

Die tibetische Übersetzung des Begriffs Nirwana bedeutet wörtlich „über das Leiden hinausgehen“. Hier bezieht sich „Leiden“ auf das Elend des Samsara, dessen Ursache Karma und unreine Emotionen sind. Über solche Ursachen „hinauszugehen“, durchtrennt das Kontinuum des Leidens und ist die höchste Ebene des Friedens oder Nirwanas. Dieser Zustand der Erleuchtung ist das Ziel des ganzen wahren Pratimoksha, einer Disziplin, die somit jeder ethischen Einhaltung überlegen ist und deren Ziel einfach das Glück der höheren Bereiche ist. Wenn man zusätzlich zum Aufrechterhalten des Pratimoksha die vollkommene Erleuchtung erlangen möchte, um anderen in großem Umfang zu nützen, und wenn man die Gelübde des Bodhichitta in Streben und Handeln gemäß einer der beiden Traditionen der Weitreichenden Aktivitäten und der Profunden Sicht gebührend ablegt, wird man zum Träger des Bodhichitta-Gelübdes. Darüber hinaus kann man, mit der hohen Motivation, anderen zu nützen, die Ermächtigung gemäß den Mantrayana-Ritualen erhalten, die die vollkommene Sicht der großen Klassen des Tantra ausdrücken. Auf diese Weise erhält man das authentische Mantrayana-Gelübde der Vidyadharas. Dies wiederum ist die Grundlage für die tiefgründige Praxis der Erzeugungs- und Vollendungsstufen. Eine Person, die alle drei Arten von Gelübden ablegt und die ihre vielen Gebote bezüglich der anzunehmenden oder aufzugebenden Handlungen, wie sie je nach Stufe erklärt werden, einhält, wird alle Qualitäten des Pfades und der Frucht erreichen.

Da die drei Arten von Gelübden ineinander übergehen, weisen sie eine einzige wesentliche Natur auf und werden nicht als getrennte Einheiten betrachtet. Sie sind jedoch in Bezug auf ihre jeweiligen Aspekte verschieden, so dass sie im Geist des Einzelnen unvermischt bleiben, bis sie einmal gebrochen werden. Dieses Prinzip der Unterscheidung nach Aspekten ist ein zentraler Punkt, weshalb jedes der drei Gelübde auf seiner eigenen Ebene gehalten werden muss, ohne verwechselt zu werden. Daher kann eingewandt werden, dass die verschiedenen Gelübde einander widersprechen. Zum Beispiel wird der Akt des Tötens, der durch das Pratimoksha-Gelübde verboten ist, im Falle eines Bodhisattvas als erlaubt bezeichnet, während er im Zusammenhang mit dem unübertrefflichen Mantrayana als ein Akt befürwortet wird, den man bereitwillig ausführen sollte, da er das Samaya der Vajra-Linie ist. Was soll man davon halten?

In der Tradition der gelehrten und vollendeten Meister der Vergangenheit (die an Praktizierende dachten, die in der außergewöhnlichen Haltung der Nächstenliebe gut bewandert waren und Vertrauen und Sachkenntnis in den Stufen der Erzeugung und Vollendung besaßen), heißt es, dass die größte Betonung auf die Praxis von Bodhichitta und Mantra gelegt werden muss. Die wesentliche Bedeutung davon wird wie folgt erklärt. Zu töten verstößt gegen das grundlegende Gebot des Pratimoksha, nämlich anderen nicht zu schaden und sich deshalb des Tötens zu enthalten. Aber ein Bodhisattva, der z.B. einen bösen und gefährlichen Mann tötet, unterbricht den Strom der Handlungen des Mannes und verringert dadurch sein Leiden. Der Zweck dieser Tat steht offensichtlich in Übereinstimmung mit dem Ziel des Pratimoksha-Gelübdes, nicht zu schaden, sondern Glück zu schaffen und den Samen der Befreiung zu pflanzen.

Wenn jedoch eine Handlung wirklich im Widerspruch zu den drei Gelübden steht, die der Buddha, geschickt in den Mitteln, in Übereinstimmung mit den verschiedenen Fähigkeiten und Bestrebungen der Wesen festgelegt hat, dann ist sie in keiner Weise zulässig. Umgekehrt, wenn bestimmte scheinbar schädliche Handlungen erlaubt sind, liegt der Grund dafür darin, dass sie letztlich nicht gegen die Gebote verstoßen. Denn alle Lehren des allwissenden Buddha, ob zweckmäßig oder absolut, sind alle in einer wesentlichen Absicht vereint. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Sichtweise und Meditation des Mantrayana. Alkohol, dessen Einnahme nach dem Shravaka Pratimoksha ein Vergehen ist und einen Fehler in der Bodhisattva-Disziplin darstellt, wird im Mantrayana als eine Substanz des Samayas betrachtet, die immer vorhanden sein muss. Im Guhyagarbha-Tantra heißt es:

An Fleisch und Alkohol darf es nicht fehlen
denn sie sind Substanz der Errungenschaft,
Essen und Trinken, Essenzen und Früchte
und all das ist ein Genuss für die Sinne.

und auch:

Insbesondere ist es unangemessen, dass Fleisch und Alkohol fehlen.

Es wird gelehrt, dass solche Substanzen von Yogis genossen werden sollen, die durch das Praktizieren der Erzeugungs- und Vollendungsstufen in der Lage sind, die Kraft ihrer Gedanken zu überwinden – die auf den ersten Blick so fest und real erscheinen, die aber im Laufe der Zeit als die eigentliche Gottheit erscheinen. Im Allgemeinen bezieht sich dies auf die Gottheit des Strebens für diejenigen, die auf dem Pfad der Ansammlung sind; auf die Gottheit des Wind-Geistes, für diejenigen, die auf dem Pfad der Vereinigung sind; auf die Gottheit der Klar-Lichtheit, für diejenigen, die auf dem Pfad des Sehens sind; auf die Gottheit der gemeinsamen Ebene des Lernens; und auf die Gottheit der vereinten Ebene des Dharmakaya und Rupakaya, für diejenigen, die auf dem Pfad des Nicht-mehr-Lernens sind.

Praktizierende der inneren Tantras des Mantrayana handeln ohne dualistisches Festhalten, so dass ihre Sicht der Reinheit und Gleichheit der Phänomene unterstützt wird. Durch die geschickten Mittel der Erzeugungsstufe entstehen ihre eigenen Aggregate und Elemente, das Universum selbst und alle Wesen, die es bewohnen, als Ausdruck von Gottheit, Mantra und Mudra. Diese Praktizierenden segnen die Substanzen des heiligen Festes oder der Ganachakra-Puja (tib., tshogs) und verwandeln sie in Amrita. Und wenn sie diese Substanzen genießen, ist der Alkohol nicht mehr gewöhnlich, und auch ihre Haltung ist nicht mehr die eines gewöhnlichen Genusses. In diesem Zustand großer Reinheit und Gleichheit werden ihre Wahrnehmungen verwandelt, und sie erfahren sich selbst als die Gottheit und den Alkohol als Amrita. Unter derartigen Umständen ist es Yogis und Yoginis erlaubt, Alkohol zu konsumieren. Sie klammern sich nicht aus Eigeninteresse an ethische Gebote bezüglich dessen, was angenommen oder aufgegeben werden soll, und betrachten sie als wahrhaft existierende und unveränderliche Werte, und sie sind nicht an ihr Selbstbild als Bhikshus und Bhikshunis gebunden. Sie klammern sich auch nicht an den Begriff der uneigennützigen Großzügigkeit im relativen, materialistischen Sinne und klammern sich an die Idee, Bodhisattvas zu sein. Yogis und Yoginis, die auf diese Weise am Alkohol teilhaben dürfen, sind nicht wie die Shravakas, die das Begehren ablehnen müssen, weil sie keine Mittel haben, um Verunreinigungen und sinnliche Freuden auf dem spirituellen Pfad nutzbar zu machen. Ebenso wenig sind solche Praktizierende wie gewöhnliche Menschen, die im Bann der Negativität Handlungen ansammeln, die sie in die samsarische Existenz treiben. Durch die tiefen Yogas der Erzeugung und Vollendung werden alle Wahrnehmungen verwandelt. Alle Erscheinungen werden zum unendlichen Mandala der Gottheiten. Die Samaya-Substanzen, Alkohol und so weiter, werden als Amrita genossen, und aus diesem Grund können sie konsumiert werden. Es wird nicht nur kein Fehler begangen, sondern der Verdienst nimmt zu, denn Yogis und Yoginis, die sich solcher Samaya-Substanzen erfreuen, bringen in Wirklichkeit den Drei Juwelen und der Yidam-Gottheit Opfergaben dar. Auf diese Weise wird ihre Ansammlung von Verdiensten und ihre Entwicklung spiritueller Qualitäten weitaus intensiver gefördert, als wenn sie der Sangha, die sich aus Mönchen und Nonnen zusammensetzt, die sich auf die Pratimoksha-Disziplin beschränken, oder aus ordinierten Bodhisattvas, die sich um das Wohl anderer bemühen, denen aber noch die Sichtweise von Reinheit und Gleichheit fehlt, Opfergaben darbringen würden.

Die Einhaltung der drei Gelübde, wie sie in der Nyingma-Tradition gelehrt werden

Wenn sich der Yogi negative Emotionen und das Verlangen nach Sinnesobjekten zunutze macht, um auf dem spirituellen Pfad voranzukommen, muss er wissen, wie er die gleiche Argumentation auf alle anderen Aspekte der Gebote, sowohl auf die großen als auch auf die kleinen, anwenden kann. Anfänger in der Praxis der drei Gelübde müssen jedoch bestrebt sein, alle Gebote aller drei Gelübde so gut wie möglich einzuhalten. Zu diesem Zweck ist es unerlässlich, die Lehre unserer Tradition zu dieser Frage zu verstehen, die unter sechs Überschriften zusammengefasst ist.


Von Jigme Lingpa, aus dem „Schatzhaus der kostbaren Qualitäten“, kommentiert vom Kangyur Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. September 2020

Verführung

Früher einmal lebte in einer der großen Städte im Land Magadha ein Praktizierender namens Suryavajra, der so sehr begeistert war, den Dharma zu praktizieren, dass er vor seinen Eltern, Verwandten und Freunden davonlief, um dies zu tun. Die Maras der Täuschung bemerkten ihn und strömten auf ihn zu. Der greifbare Mara sagte, dass er ihn überwältigen würde, wenn er etwas äußerst Furcht erregendes erschaffen würde. Der ungreifbare Mara sagte, wenn er in Suryavajras Herz eindringen und verschiedene Emotionen wie Glück und Trauer hervorrufen würde, würde das ausreichen. Der Mara des Stolzes sagte, wenn er ihm viele hemmungslose Emotionen entgegenbrächte, würde das ausreichen.

Der Mara der Verlockung brachte Folgendes zum Ausdruck: „Obwohl der greifbare Mara Schrecken hervorrufen kann, wird der Praktizierende diesen durch die Anwendung der aufzeigenden Anweisungen zur Ansicht der Selbstlosigkeit durchtrennen. Das wiederum wird seinen Glanz und seine Vitalität steigern, so dass er nie wieder auf diese Weise besiegt wird. Das darf nicht zugelassen werden. Auch wenn der ungreifbare Mara in sein Herz eindringen mag, ist es leicht, auf Freude und Trauer beruhende Emotionen als kontraproduktiv und negativ zu erkennen. Er wird in der Lage sein, sie in einem grundlegenden Raum zu befreien, der frei von Entstehung und Vergehen ist. Es ist sicher, dass dies zu seinem Vorteil sein wird. Auch wenn der Mara des Stolzes durchaus Konzepte anregen wird. Da er die hinweisenden Anweisungen zum Erkennen von Konzepten als Manifestation des Gewahrseins kennt, wird er negative Zeichen als positiv akzeptieren und schlechte Umstände in den Pfad bringen. Alle drei Täuschungen bringen negative Umstände mit sich, die für diesen Praktizierenden leicht in den Pfad zu bringen sind und ihm behilflich sein können, so dass es keine Möglichkeit geben wird, ihn zu besiegen. Wenn ihr drei mir stattdessen zu Hilfe kommt, und zwar durch meine überlegenen, ausgezeichneten Mittel der Täuschung, ist es sicher, dass wir ihn gemeinsam vernichten werden!“ Mit diesen Worten spottete der Mara der Verlockungen.

Dann erfuhr der große Heilige Luipa durch Allwissenheit von den Plänen der Maras und rief nach Suryavajra, um ihn zu warnen, indem er ihm alles erzählte. Suryavajra antwortete: „ Ach! Bevor ich von diesem Plan erfuhr, bestand die Gefahr, dass ich hätte überwältigt werden können. Aber jetzt, da ich es weiß, ist es sicher, dass ich niemals von ihnen kontrolliert werden könnte.“ Luipa antwortete: „Da sie versuchen, dich auf diese Weise zu besiegen, achte darauf, dass du keine Anziehungskraft oder Anhänglichkeit an etwas hast, das besonders anziehend ist.“ So lautete sein Rat.

Damit begann Suryavajra ohne jede Ablenkung in sechs regelmäßigen Sitzungen Tag und Nacht intensiv zu üben. In der Zwischenzeit drang der Mara der Verlockung in die Herzen mehrerer Menschen, darunter auch eines ausnehmend attraktiven jungen Mädchens, ein und bezwang sie alle. Als Suryavajra in dieser Nacht sein Mandala öffnete, hatte er einen ganz besonderen Traum. Seine Meditationsgottheit erschien ihm und sagte ihm, dass er an diesem Tag die Verwirklichung erlangt habe und dass er von morgen an die gewöhnliche Verwirklichung erreichen werde. Die Gottheit sagte ihm, dass er nun von der hemmenden Kraft der Maras befreit sei. Die Gottheit fuhr auch fort, dass eine qualifizierte Gefährtin ihn besuchen würde und dass, wenn er mit ihr praktiziere, auch ohne eine dauerhafte Beziehung einzugehen, bestimmte Errungenschaften eintreten würden. In dem Moment, in dem er dies träumte, war Suryavajra von Freude und Glückseligkeit überwältigt, und schon am nächsten Tag kamen mehrere junge Leute, um ihn zu besuchen und ihm Essen und Reichtum darzubringen. Das war so befriedigend für ihn, dass er die Vorhersagen der Gottheit als authentisch empfand.

Einige Tage später besuchte ihn ein hübsches junges Mädchen mit Reis und einem weißen Seidentuch und bat ihn um Anweisungen, die ihn darauf hinweisen sollten. Sie blieb, um die Lehren zu empfangen, und er fragte sich, ob dies das Mädchen sei, von dem die Gottheit voraussagte, dass er die Vereinigung mit ihr praktizieren sollte. Er ging davon aus, dass sie es war, und falls er mit ihr praktizieren würde, wäre es leicht für ihn, sich nicht in eine tiefere Beziehung zu ihr zu verstricken. Sie praktizierten die Vereinigung, und danach verliebte er sich tief in sie, so sehr, dass es ihm schwer fiel, sich überhaupt von ihr zu trennen. Von diesem Zeitpunkt an waren sein Herz und sein Verstand so besessen von ihr, dass er nicht einmal einen Moment der Trennung ertragen konnte. Das Mädchen besuchte ihn weiterhin regelmäßig, so dass dann sogar die Stadtbewohner anfingen, Verdacht zu schöpfen, dass der Praktizierende, den sie geehrt hatten, dem Dharma tatsächlich den Rücken kehrte.

Suryavajra ging wieder nach Luipa und berichtete über alles, was sich ereignet hatte, weil er dachte, dass er – obwohl er Haushälter werden könnte – niemals den Dharma aufgeben würde. Luipa antwortete: „Du hast es zugelassen, dass der Mara der Verlockung in deinen Geist eingedrungen ist. Das zeigt genau, weshalb ich dich gewarnt habe. Jetzt musst du sofort die Verbindung zu diesem Mädchen abbrechen und wieder den starken Halt deiner inneren Praxis ergreifen. Wenn du das jetzt nicht durchtrennst, wirst du so sehr in der Dunkelheit des Samsara gefangen sein, dass du niemals Freiheit erfahren wirst!“

Daher warnte Luipa ihn erneut, und obgleich seine Worte für Suryavajra von Wert waren, stießen sie auf taube Ohren, da er es nicht ertragen konnte, seine Verstrickungen mit dem Objekt seiner Anhaftung zu lösen. Er verlor jegliche Macht und Kontrolle und wurde auf den Status eines gewöhnlichen Individuums degradiert. Schlimmer noch, die Stadtbewohner, die ihn einst gelobt hatten, waren nun von ihm angewidert. Mit Zorn machten sie ihn lächerlich und sogar der regierende König beschloss, ihn so zu bestrafen, dass er nicht einmal mehr um Haaresbreite von seiner früheren Absicht, den Dharma zu praktizieren, besaß. Schließlich verlor er alles und wurde zum verarmtesten Mann in der Gegend.

Auch der hohe Dharmagarbha fiel auf diese Weise den Hindernissen der Maras zum Opfer. Und als er fast vollständig besiegt war, wies ich [d.h. Dudjom Lingpa] ihn auf diesen Bericht hin, damit er seine Anhaftung und Fixierung abschneiden konnte. Dann ging er weit weg an einen abgelegenen Ort zum Üben und kehrte den Verlauf der Maras erfolgreich um.

Damit alle zukünftigen Linienhalter die positiven Umstände als Weg nutzen können, müssen diese Schilderungen in ihren Herzen bewahrt werden. Es ist leicht zu erkennen, dass die negativen Umstände unerwünscht sind. Aber wenn es um positive Situationen geht, sind sie, da sie mit Begehren verbunden sind, schwer zu erkennen und äußerst schwierig auf den Pfad zu bringen. Sie sollten wissen, dass es so selten ist, jemanden zu finden, der sich davon nicht überwältigen lässt, wie einen Stern am Tage zu sehen.

Von Dudjom Lingpa; aus dem Saraha Nyingthig – den Erklärungen zum Chöd. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. September 2020

Das Mahavidyamantra des Avalokiteshvara

Sarvanivaranaviskambhin sagte dann zum Vorsitzenden: „Gib mir die sechssilbige Königin der Mahavidyas.”

Der Vorsitzende dachte darüber nach. Dann kam eine Stimme aus dem Himmel und sagte: „Gebt ihm die sechssilbige Königin der Mahavidyas!“

Der Vorsitzende fragte sich, woher diese Stimme gekommen war. Wieder kam eine Stimme aus dem Himmel und sagte: „Dieser Bodhisattva hat viele Entbehrungen durchgemacht. Gebt ihm die sechssilbige Königin der Mahavidyas!“

Der Vorsitzende blickte in den Himmel und sah jemanden, der einen Körper hatte, der so weiß war wie der Herbstmond, eine Krone aus gewundenem Haar, einen allwissenden Buddha auf dem Kopf und einen wunderschönen Lotus in der Hand, und der mit der Pracht der Lotusblumen geschmückt war.

Dann sagte der Vorsitzende zu Sarvanivaranaviskambhin: „Edler Sohn, der Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara hat die Erlaubnis erteilt, Euch die sechssilbige Königin der Mahavidyas zu geben.

Dann legte Sarvanivaranaviskambhin ehrfürchtig seine Handflächen zusammen, um es zu empfangen.

OM MANI PADME HUM HRI //

Sobald dies gegeben wurde, bebte die Erde auf sechs Arten.

Sarvanivaranaviskambhin erreichte diese Samadhis: den Samadhi mit dem Namen Unaufhörlich Wahre Natur, den Samadhi mit dem Namen Liebe, Mitgefühl und Freude, den Samadhi mit dem Namen Yoga praktizierend, den Samadhi mit dem Namen Im Eingang zur Befreiung gegründet, den Samadhi mit dem Namen Überall erleuchten, den Samadhi mit dem Namen König der Anordnung und den Samadhi mit dem Namen Den Dharma halten. Das sind die Samadhis, die er erlangt hat.

Sobald Bodhisattva Mahasattva Sarvanivaranaviskambhin die sechssilbige Königin der Mahavidyas erlangt hatte, bot er die vier Kontinente, die vollständig mit den sieben Juwelen gefüllt waren, als Bezahlung dem Vorsitzenden an.

Aber der Vorsitzende erwiderte: „Es ist keine Bezahlung für auch nur eine der Silben erforderlich, geschweige denn für die sechs Silben der Mahavidya, und ich werde auch nichts von dir nehmen, edler Sohn. Du bist ein Bodhisattva, ein edles Wesen, mit niemandem höherem, und du bist mein Schüler, edler Sohn.”

Der Vorsitzende überreichte ihm eine Perlenkette im Wert von 100.000 Silbermünzen und sagte: „Edler Sohn, in Übereinstimmung mit meiner Anweisung, überreiche diese dem Tathagata, dem Arhat, dem Samyaksambuddha Shakyamuni.“

Sarvanivaranaviskambhin verneigte sein Haupt zu Füßen des Vorsitzenden und ging, nachdem er erhalten hatte, was er suchte und seine Wünsche erfüllt waren, fort. Er ging zum Jetavana-Kloster, kam dort an, verneigte sich zu den Füßen des Bhagavat Shakyamuni und setzte sich zur Seite.

Dann fragte der Bhagavat, der tathagata, der Arhat, der Samyaksambuddha Shakyamuni: „Edler Sohn, hast du gefunden, was du gesucht hast?”

„Bhagavat, es geschah, wie der Bhagavat weiß.”

77×10 Millionen Samyaksambuddhas versammelten sich dort, und die Tathagatas rezitierten dieses Dharani:

NAMA SAPTANAM SAMYAKSAMBUDDHAKOTINAM TADYATHA TADYATHA OM CALE CULE CUNDE SWAHA //

[Die Huldigung von sieben mal zehn Millionen samyaksaṃbuddhas ist wie folgt: OM CALE CULE CUNDE SWAHA.] Die Huldigung von sieben mal zehn Millionen svaha.

Das war das Dharani, das von 77×10 Millionen Samyaksambuddhas rezitiert wurde.


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020) aus der englischen Übersetzung „The Basket’s Display“ von 84000.co. Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. September 2020

Qualitäten von Avalokiteshvara

Als nächstes ging Avalokiteshvara nach Magadha. Als er im Land Magadha ankam, sah er Wesen, die zwanzig Jahre lang in der Wildnis gelebt hatten und sich gegenseitig das Fleisch aßen. Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara fragte sich:  „Mit welcher Methode kann ich diesen Wesen Zufriedenheit bringen?“

Daraufhin ließ Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara göttliche Regenfälle fallen. Zuerst gab es einen Wasserregen und das Wasser brachte ihnen Zufriedenheit. Dann kam ein Regen aus göttlicher Nahrung mit höchsten Aromen, und sie waren vollständig gefüllt. Als sie durch das Essen der Speisen vollkommen zufrieden waren, fiel ein Getreideregen. Dann fielen Sesam, Reis, Jujubes und wilder Reis. Was auch immer sich diese Wesen wünschten, ihre Wünsche wurden jedes Mal erfüllt.

Die Wesen im Land Magadha waren erstaunt, und sie setzten sich alle zusammen. Sie setzten sich und fragten einander: „Welche Gottheit hat all dies manifestiert?“

Unter ihnen gab es ein Wesen, das viele hunderttausend Jahre alt war. Er war alt, alt, schwach, bucklig und gebogen wie ein Kuhohr. Er sagte zu ihnen: „Nur Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara hat diese Art von Macht, keine andere Gottheit.

Die dort Versammelten fragten ihn: „Was sind die Eigenschaften von Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara?“

Der Mann begann, ihnen die Qualitäten von Avalokiteshvara zu beschreiben:

„Er ist eine Leuchte für die, die in der Finsternis leben. Er ist ein Sonnenschirm für jene, die von der Sonne verbrannt sind und Schmerzen haben. Er ist ein Fluss für diejenigen, die von Durst geplagt sind. Er schenkt denen, die Angst haben und sich fürchten, Freiheit von der Angst. Er ist Medizin für diejenigen, die von Krankheit heimgesucht werden. Er ist Vater und Mutter für Wesen, die leiden. Er ist ein Lehrer des Nirvana für jene, die in der Avici-Hölle wiedergeboren werden. Das sind seine besonderen Qualitäten. Diejenigen, die sich an seinen Namen erinnern, werden in dieser Welt glücklich sein und jedes Leiden in Samsara vollständig hinter sich lassen. Diejenigen, die fortwährend Blumen und Weihrauch sammeln und Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara opfern, werden zu Cakravartin-Königen, die die sieben Juwelen besitzen. Die sieben Juwelen sind: das kostbare Rad, das kostbare Pferd, der kostbare Elefant, das kostbare Juwel, die kostbare Königin, der kostbare General und der kostbare Minister. Diejenigen, die Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara Blumen darbringen, werden aromatische Körper haben, und wo immer sie wiedergeboren werden, werden ihre Körper vollkommen sein“.

Auf diese Weise lehrte der alte Mann die besonderen Qualitäten von Avalokiteshvara. Dann kehrten die dort Versammelten in ihre Häuser zurück, und der alte Mann kehrte, nachdem er sie ein angemessenes Dharma gelehrt hatte, in seine Heimat zurück, und Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara verschwand im Himmel.


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020) aus der englischen Übersetzung „The Basket’s Display“ von 84000.co. Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. September 2020

Sarahas Rat an Thröma-Praktizierende

Ich, Saraha, Herr der Siddhas, hinterlasse diesen quintessentiellen Nektar der Anweisungen meines Herzens als eine Quelle der Zuflucht für Wesen des 500 Jahre des Niedergangs. Für diejenigen mit dem karmischen Geschick, die versuchen, sich dem Zustand dauerhaften Glücks und Friedens anzunähern, ist dieses Geschenk ihr Anteil an der tief greifenden Errungenschaft der Segnungen der Weisheits-Verstand-Linie. Deshalb gibt es keinen Zweifel daran, dass die Buddhaschaft innerhalb eines einzigen Lebens eintreten wird.

Alle, die das karmische Glück haben, meine Linienhalter zu sein, müssen den zeitlos endlosen Zyklus vergangener und zukünftiger Lebenszeiten beachten. Auch wenn ein Ende nicht in Sicht ist: Wenn es eine Schlussfolgerung geben sollte, dann müsste diese Zeit jetzt sein. Alle Anhäufungen, die sich bis jetzt ereignet haben, sind so flüchtig wie ein Traum; ob man sich also entscheidet, in Samsara weiterzumachen oder die Erleuchtung zu erlangen, ist eine persönliche Entscheidung. Diejenigen, die in der Lage sind, große Entbehrungen zu ertragen, nur um er Nahrung willen, werden auch anfällig dafür sein, die Gelegenheit zur Anhäufung von Verdiensten, die für alle Lebenszeiten andauern, leicht zu verspielen.

Oh ihr Schwachen und Herzlosen, was werdet ihr tun, wenn die Zeit für den Übergang ins nächste Leben gekommen ist? Oh, ihr, die ihr die Last tragt, geliebte Menschen und geschätzte Freunde zu unterstützen, wann wird für euch die Zeit kommen, die karmischen Schulden zurückzuzahlen, die ihr allen Wesen schuldet? Glaubt ihr, dass ihr, während ihr an dieses Feuerrad von Samsara gebunden seid, eure geliebten Angehörigen mitnehmen könnt, wenn ihr [dieses Leben] verlasst? Wenn die Aktivitäten dieses Lebens abgeschlossen sind, hofft ihr, dann die Chance zu haben, den heiligen Dharma zu verwirklichen, nicht wahr? Es wäre erstaunlich, wenn Yama aufhören würde, sich die Zeit zu nehmen, auf euch zu warten.

Bemerkt, wie enge Verwandte mit ihrer Liebe, Sehnsucht und ihrem Rat alle bleibenden Verdienste verzehren. Da Eltern und Verwandte die Handschellen der Maras sind, ist der beste Weg, ihre Freundlichkeit zurückzuzahlen, die Entscheidung, in diesem Leben die Buddhaschaft zu erlangen. Andernfalls wird selbst der Reichtum des 3.000-fachen Universums nicht in der Lage sein, sie zu schützen. Entflieht aus diesem Kerker des Leidens, um den Zustand der ständigen Erhöhung zu erreichen! Diejenigen, die dieses letztendliche Ziel erreichen, sind wie das einzige Kind von mir, dem Mahasiddha Saraha.

Verbringt dieses Leben in der Praxis vollkommen reiner Tugend. Bittet um Nahrung und Kleidung und zieht euch an inspirierende, unbewohnte heilige Orte zurück, um dort zu praktizieren. Macht den Zeitpunkt eures Todes zur Grenze eurer Dharma-Praxis. Erlaubt, die vier Grenzen des Verhaltens eines Praktizierenden aufrechtzuerhalten, und lasst euch von niemandem überreden. Vertraut nur euch selbst. Unterbrecht die Fortsetzung endloser Aktivitäten. Schränkt die Erwartungen ein, die Praxis auf morgen oder den nächsten Tag zu verschieben. Die Ablehnung des Ziels, zuerst Ruhm und später dauerhaftes Glück zu erlangen, wird euch auf den Weg eines wahren Praktizierenden führen. Nehmt nicht einfach an, dass die Vollendung nach nur Tagen, Monaten oder Jahren eintritt. In Anbetracht dessen, dass ich mit einer einzigen Überzeugung nach Vollendung gestrebt habe, habe ich den erhabenen Boden von Buddha Vajradhara erschlossen. Dies gebe ich euch allen als mein liebevolles Vermächtnis, oh Linienhalter. Übt entsprechend, glückliche Söhne und Töchter.

Kämmt nicht das Haar, sondern lasst es natürlich sein, wie die Blätter eines Baumes. Dies wird euch vor der Furcht vor Räubern und Dieben schützen und ist ein Zeichen der höchsten, selbstherrlichen, unveränderten Natur. Lasst euch nicht auf erfundenes Verhalten ein, sondern seid natürlich in allem, was ihr tut. Bleibt furchtlos allein in der Isolation wie ein großer, hochmütiger Schneelöwe. Ersinnt nicht die Natur des Geistes, denn in der unveränderten Essenz liegt die expansive dynamische Kraft der Gesamtheit von Samsara und der Erleuchtung. Engagiert euch in furchtlosem Verhalten des gleichmäßigen Geschmacks von Hoffnung und Furcht.

Wickelt euer Haar um ein Schriftamulett, das am Scheitel gebunden ist, und nehmt alle spirituellen Führer als Herrn der Familie an. Tragt einen weißen Meditationsgürtel über der Brust als Zeichen der Vermischung mit unaufhörlichem klaren Licht. Behaltet einen Dreizack als Zeichen der nondualen Verbindung mit geschickten Mitteln und höchster Einsicht. Haltet ein einpoliges Schutzzelt für euren Aufenthaltsort als Zeichen der Natur der Phänomene frei von Grenzen und Ausarbeitungen. Verlasst euch auf ein schönes und vorzüglich geformtes Damaru als Zeichen der Nondualität der beiden Wahrheiten. Haltet eine schöne Glocke mit tadellosem Wohlklang als Zeichen des erwachten Geistes des Raumes der Phänomene. Verlasst euch auf eine klangvolle, gut tönende Oberschenkelknochen-Trompete als Zeichen der ungehinderten, unaufhörlichen Verwirklichung. Behaltet eine gut gebräunte, gehäutete menschliche Haut als Zeichen der Zerstörung der Wurzel der Verwirrung. Verlasst euch auf ein höchstes Gefäß, das ein Schädel mit allen feinen Merkmalen ist, als Zeichen der Existenz als Spiel des Dharmakaya. Tragt einen ungefärbten weißen Zen mit einem Rand als Obergewand, als Zeichen der Freiheit von der Schuld der Gewohnheiten. Schmückt die Ohren mit kostbaren Muschelschalen-Ohrringen als Zeichen dafür, dass ihr ein Linienhalter seid. Haltet die Haut eines wilden Tieres mit Krallen intakt, als Zeichen des unterscheidenden Samsara und Erleuchtung. Ein Praktizierender, der diese dreizehn Gegenstände besitzt, muss zu einem Leben in Isolation in den Bergen aufbrechen.

Bis sich die Zeichen der Vollendung tatsächlich manifestieren, lehnt berauschende Substanzen und Getränke ab [und] weist Liebende zurück, die aufgrund von Anhaftung trügerisch sind. Verwerft negatives, nachlässiges und verwirrtes Verhalten und verzichtet auf das Essen karmischer Speiseopfer, die aus Glauben oder trügerischen Mitteln zur Erlangung von Spenden gegeben werden. die fixierte Gewöhnung an Objekte der Anziehung und Abneigung aufgeben. Verzichtet auf Bindungen zu Freunden und Gefährten und auf Verbindungen mit Reichtum und sozialen Verpflichtungen. Der Verzicht auf diese sieben Dinge bringt einen Praktizierenden auf den Pfad der Ehre.

Da dies die Stufen des Pfades eines Praktizierenden sind, werden jene glücklichen Söhne und Töchter, die sich genau auf sie verlassen, untrennbar mit mir, einem Buddha, verbunden sein. Wenn die Buddhaschaft in diesem Leben nicht erreicht wird, dann habe ich euch, glückliche Anhänger, getäuscht. Dieses große, unübertroffene Vehikel ist die Essenz des Dharma und übertrifft an Wert das Blut des eigenen Herzens.

Anvertraut und angetrieben durch Samaya von Naga, Yama, Tsen, Mamo, Rahula und anderen – bewacht die Söhne und Töchter, die das Samaya bewahren und die Linie aufrechterhalten. Beseitigt diejenigen, die das Samaya korrumpieren und pervertierte Ansichten vertreten. KU’I GYA. SUNG GI GYA. THUG KYI GYA. DA THIM.

Von der Weite des Klar-Licht-Raumes des Dharmakaya wurde dies durch den Vidyadhara Dorje Drolö aus dem unveränderlichen Vajra-Felsen enthüllt. Auf die Bitte von Dorje Zangpo hin wurde dieses aus der Weite hervorquellende Licht aus dem Gefäß des Gewahrseins entschlüsselt. Damit Linienhalter den Pfad zur Befreiung betreten können, wurde dies von Rigpa’i Dorje niedergeschrieben. GE’O. GE’O. GE’O.


Übersetzt aus der tiefgründigen Herzessenz des Mahasiddha Saraha (S 151 – 155) vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!

Older Posts »

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: