Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. September 2018

Reine Sicht und Verhalten

Von Shakyashribhadra

nut-2638493_1920In indischer Sprache: Vishuddhadarshanacarya upadesha nama.
In tibetischer Sprache: lta spyod rnam dag gi man ngag.
(In deutscher Sprache: Eine Anweisung über vollständig reine Sicht und Handlung)

Dem Bhagawan, dem Löwen der Shakya bezeuge ich meine Verehrung!
Wie in einem Traum gibt es keine äußere Welt. Wie in einer Illusion gibt es keine wahre Realität. Genauso wie der Raum frei von Merkmalen ist, sind alle Phänomene ihrer Natur nach klar-licht.
Jenseits von Kommen, Verweilen oder Gehen ist der Erleuchtungsgeist. Erhaben weitreichend, geschickt zum Wohle der Wesen, ist der überragende Pfad der ungetrennten beiden Ansammlungen. So meditiere Leerheit mit Mitgefühl als die Herzessenz.

Somit ist die Anweisung über vollständig reine Sicht und Handlung wurde vom großen Gelehrten Kashmirs, dem Dharma-Herrn Shakyashribhadra vollständig. Dies wurde in Throphu Zhanglung in Gegenwart des großen Gelehrten selbst vom Lotsawa Jampa’i Palgyi übersetzt.


Aus „Essentielle Anweisungen über buddhistische Sichtweisen“ von Khache Panchen Shakya Shri. In die deutsche Sprache übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. September 2018

Ursachen und Bedingungen

manipulation-1875815_1920Die Ursache ist der anfangslose Geist selbst. Obwohl er weder begrenzt oder unvollständig ist, bringt sich dieser Geist selbst zum Ausdruck. Er ist leer in seiner Essenz, aber dennoch klar in seiner Natur und seine Manifestationen erscheinen ungehindert wie nichts.
Dieser Geist selbst ist sich seiner selbst nicht gewahr und von den Bewegungen des gestaltgebenden Denkens aufgewühlt, so wie Wasser von seinen Wogen.
Begutachter und Wahrnehmende erscheinen als zwei: der Geist selbst projiziert sich selbst und nimmt das wahr. Weil es erscheinende Aspekte – das Denken bewegt sich nach außen – erscheint das Bewusstsein, dass die Objekte als darauf verweisend wahrnimmt.
Gefühle erscheinen aufgrund des Annehmens oder Zurückweisen von Objekten. Unterscheidungen sind die Auffassungen dieser Merkmale der Objekte. Formative Vorgänge bezeichnen die Erscheinungen der Objekte als anderes und durch das Festhalten daran wird der Erlebnishaufen der Form begründet.
„Die Ursachen sind die fünf Felder und Bewusstsein als das sechste“, wird als ein Grundsatz des begrifflichen Geistes verkündet. Das Grundbewusstsein, in dem solche latenten Tendenzen aufbewahrt werden, wird die ursächliche Bedingung genannt. Die dominanten Bedingungen sind die Sinnesfähigkeiten – der Sehsinn und die anderen – die als Vermittler auftreten. Die gegenständlichen Bedingungen sind das, was erkannt wird, und das ist das, was als Objekte – Form usw. – erscheint. Was als „unmittelbare Bedingungen“ bezeichnet wird, ist deshalb unmittelbar auf das, was immer vergangen ist, einschließlich der sechsten mentalen Aktivität. So geschieht es, dass die Phänomene von Samsara und Nirvana aufgrund der bedingt entstandenen Ursachen und Bedingungen.
Verlangen und Greifen bilden ein Glied, erschaffen Dasein.
Die Wesen im Begierdebereich und den formhaften und formlosen Bereichen verstehen die Merkmale der Objekte dementsprechend im geringeren, mittleren und größeren Grade. Alle Bereiche werden durch Gedanken des Annehmens und Zurückweisens erschaffen. Die Bedingungen der drei Arten gestaltbildender Kräfte – heilsam, unheilsam oder unspezifisch – lassen die Resultate von Glück, Leiden und Versenkung entstehen. Alle von ihnen beinhalten geistige Bedrängnisse. Das ist die Phase des unreinen Geistes selbst.
Jene, die wissen, dass solche Makel vorübergehend sind und sie reinigen, indem sie Methoden verwenden, von denen sagt der Siegreichen [Buddha], dass sie auf dem Pfad sind. Makellos und gereinigt zu sein, bedeutet „Buddha“ zu sein. Somit sind alle Wesen Buddhas.

Dies beschließt das erste Kapitel „Übersicht und allgemeine Präsentation der Ursachen und Bedingungen“ aus „Tiefgründige innere Prinzipien“ (tib.,zab mo nang don) des 3. Karmapa Rangjung Dorje (rang ‚byung rdo rje; *1284 – 1339).


Übersetzt vom Ngak’chang Randrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. September 2018

Der rasche Pfad der Mahamudra

Der rasche Pfad der Mahamudra, um ein machtvoll Realisierter zu werden.

Von Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye

waterfalls-2987477_1920Verkörperung aller Objekte der Zuflucht, kostbarer Guru, bitte inspiriert uns mit Eurem Segen!
Jetzt, wo du diese einzigartige Gelegenheit mit ihren Freiheiten und Reichtümern erlangt hast, ich flehe dich an, benutze es, den Dharma zu Gunsten zukünftiger Leben zu praktizieren. Das menschliche Leben ist wie die Sonne, die zwischen den Wolken scheint: es kann in einem Moment weg sein, ohne etwas erreicht zu haben. Und das Bedauern im Augenblick des Todes wird vergebens sein. Also praktiziere geradewegs mit Fleiß und Begeisterung.
Der Dharma ist weitreichend und hat viele Formen. Aber die Lehren, die Buddhaschaft in einem einzigen Leben bringen sind die beiden letztendlichen Systeme von Mahamudra und Dzogchen. Die Mahamudra der Glückseligkeit und der Leerheit auf dem Pfad der geschickten Mittel ist die eigentliche Praxis des geheimen Mantras, aber diejenigen, die es praktizieren, sind selten. Die Mahamudra des Angeborenen auf dem Pfad der Befreiung ist eine einfachere Praxis, die große Belohnung bei geringem Risiko bietet, und ist für alle von Vorteil, unabhängig von deren Fähigkeit.
Nimm dir dafür die Praxis in ihrer wesentlichen Form zu Herzen. Motiviere dich mit Nachdenken über Vergänglichkeit und Tod, und beschränke alle unnötigen Aktivitäten und Vorhaben. Erzeuge Abscheu und Entsagung aus der Tiefe deines Herzens für die gesamte zyklische Existenz und ihre drei Bereiche. Reinige deinen Geist mit den Vorbereitungen am Anfang. Dann für den Hauptteil, praktiziere Guru Yoga, und lass deine Hingabe sich entwickeln und zunehmen.
Mit deinem Körper in der richtigen Haltung, blicke in die Essenz des Geistes, sei er in Bewegung oder in Ruhe. Ob er in Bewegung ist oder nicht, seine Natur bleibt gleich. Verweile daher in einer unveränderten Erfahrung seines Wesens. Es ist wichtig, dass du ständig achtsam und bewusst bist.
Wenn sich eine stabile Geistesruhe entwickelt, dann, ohne absichtliche Anhaftung oder Fixierung, mische dies mit Sinneswahrnehmungen und Gemütszuständen, und integriere so deine Gedanken in den Pfad. Wenn du einen flüchtigen Gedanken im gegenwärtigen Moment bemerkst, indem du seine Essenz mit durchdringender Präsenz betrachtest, wird er von selbst befreit und dämmert als Dharmakaya.
Es gibt keine andere Aktivität in der Essenz des Geistes, also manipuliere den Geist nicht im nächsten Moment. Ohne zu versuchen, deine Gedanken zu verändern, bleibe entspannt, unabgelenkt, während der Nichtmeditation. Im natürlichen Fluss des wahren Geistes, wie er tatsächlich ist, wirst du rasch ein mächtiger Herrscher der Erkenntnis werden.

Als Antwort auf eine Bitte von Dharmatara, die ein oberster Guru und Führer ist, wurde diese kurze Zusammenfassung vom Bettler Lodrö Thaye dargeboten.


Entnommen aus Jamgön Kongtruls „Elixier der Herzensratschläge“ (tib., zhal gdams snying gi bdud rtsi).
Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018); verglichen mit der Übersetzung von Adam Pearcey (2015) von Lotsawahouse.org.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. September 2018

Zwei Pfade der Stufen der Erzeugung

ocean-3605547_1920Dann fragte der Bodhisattva Vidyavajra: „Oh Lehrer, Bhagavan, indem man den zeichenlosen Dharmakaya, frei von allen Extremen der begrifflichen Ausschmückung, als den Grund nimmt und sich bewusst macht, dass für Schüler, die nach Dauerhaftigkeit greifen, die Pfade offenbart werden, die Zeichen und Objekthaftigkeit haben. Wie praktiziert man diese Lehren? Möge der Lehrer das erklären!“
Er antwortete: „Oh Vidyavajra, es gibt viele Aufzählungen hinsichtlich den selbstbezogenen Pfad der Stufe der Erzeugung, aber hinsichtlich des Pfades des Geheimen Mantra Vajrayana gibt es den sogenannten, vollständige, endgültigen Pfad und den sogenannten natürlichen Pfad der machtvollen Sicht. Der vorherige offenbart die Gottheiten und Buddha-Felder als definitiv existente, selbstbestimmende Objekte und betont einzig den Pfad der konventionellen, geschickten Mittel. Die letztendliche Sicht wird bloß impliziert, aber nicht explizit betont.
Was den natürlichen Pfad der machtvollen Sicht angeht, so etabliert man zuerst die Sicht und realisiert sorgfältig, dass die Gottheiten und Mandalas nicht als etwas anderes existieren als eine Zaubererscheinung des ursprünglichen, uranfänglichen Grundes allein. Dann, um Körper, Rede und Geist in den Bereich der drei Vajras zu transformieren und damit zu vermischen, nimmt man den illusionsgleichen Samadhi als die Basis und erkennt die Art und Weise in der die Erscheinung der Gottheiten erschaffen werden, als ob sie Geistererscheinungen wären. Indem man sich so an die visualisierten Erscheinungen der Erzeugungsstufe gewöhnt, erlangt man Stabilität über das eigene Gewahrsein. Die gewöhnlichen Erscheinungen und das Festhalten werden in die Natur der Buddha-Felder übertragen und Körper, Rede und Geist von einem werden in den Bereich der drei Vajras übertragen. Daher wird das die Übertragung und das Vermischen mit einem Bereich genannt.

Zuflucht

Zuerst stellt man fest, dass alle Phänomene in Samsara und Nirvana von leerer, identitätsloser Natur sind und schließlich bestätigt man, dass das eigene Gewahrsein nichts anderes ist als ein Ausdruck der Kayas und ursprünglichen Weisheiten. Das wird als das wirkliche Zufluchtnehmen im Seinsmodus bezeichnet. Zu verweilen, ohne sich aus dem Zustand in dem alle Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten miteinander verbunden sind und in dem ihrer vitale Essenz vereint ist, ist die essentielle Natur der Zufluchtnahme.
Stolz dieses Ergebnis vorauszusetzen und sich seiner Ursache zuzuwenden, ist eine Methode, die mit den Gewohnheiten der Welt korrespondiert. Eine Analogie dazu, wenn jemand in ein fremdes Königreich geht, zufällig ein Land in besitz nimmt und mit der Landwirtschaft beginnt, dann gibt nichts, wodurch er den Schmerz vermeiden könnte, vom herrschenden König gestraft zu werden. Aber wenn er den Schutz des Königs suchen und ein Bittgesuch an ihn stellen würde, dann würde er die Berechtigung haben, Landwirtschaft oder etwas anderes, das er mit seinem Land in diesem Königreich machen möchte, zu betreiben. Genauso wenn jemand nicht geistig zum natürlichen Glanz des Gewahrseins, das als der Grund-Dharmakaya als die äußeren, inneren und geheimen Zufluchtsobjekte vorhanden ist, Zuflucht nimmt, dann ist man nicht ermächtigt, die Handlungen der Drei Juwelen auszuführen. Infolgedessen würde das Ergebnis nicht erlangt werden, man würde Hindernissen unterliegen und man hätte den Fehler, dass mein geeignetes Gefäß für Ermächtigungen und spirituellen Rat wäre. Indem man also mit dem dreifachen Vertrauen in die Drei Juwelen Zuflucht nimmt, ihnen Körper, Rede und Geist sowie alle Freuden und den ganzen Besitz ohne Anhaftung, Anhaften oder Greifen darbringt und in allen Zeiten und Situationen nicht einmal für einen Moment versagt, sich den vortrefflichen Objekten der Zuflucht anzuvertrauen, ist die Grundlage für alle Samayas und Gelübde und ist die Wurzel für alle Ermächtigungen und Siddhis. Daher bewahre das als deine eigentliche Lebensessenz selbst.
Ob du dich gut fühlst oder niedergeschlagen, in Glück versunken oder geplagt von Schmerz und bei jeder Art von Aktivität denke, ‚die Drei Juwelen wissen!‘ Das ist die hervorragende, fundamentale Grundlage aller Praxis. Insbesonders sei dir bewusst, dass der natürlich erscheinende, höchte Lehrer der Schüler ihr heiliger spiritueller Lehrer ist, sein Körper ist die Sangha, seine Rede ist der heilige Dharma und sein Geist ist der Buddha. Wisse, dass der spirituelle Mentor die Synthese aller überragenden Zufluchtsobjekte ist. Wisse, dass der geheime Körper, der als der spirituelle Mentor aller Lebewesen erscheint, die Wurzel des Segens ist; der geheime Geist, das Schatzhaus der ursprünglichen Weisheit, das der vereinte Ausdruck aller Yidam-Gottheiten ist, ist die Wurzel aller Siddhis; wisse, dass die Erscheinungen des Mitgefühls, die als unzählige Schützer der Lehre und Dharma-Schützer erscheinen, die Wurzel aller erleuchteten Aktivitäten ist.
Ihre Essenz ist der Dharmakaya, leer von Zeichen; ihre Natur ist der Sambhogakaya, welcher die Darstellung der Kayas und ursprünglichen Weisheiten ist; und der natürliche, schöpferische Ausdruck ihres Mitgefühls sind die ausgezeichneten Nirmanakayas, die die Zugänge zu den Pfaden und Ergebnissen beinhalten. Erkenne sie als die allwissenden Herrscher aller Mandalas und nimm zu ihnen Zuflucht, ohne dich auch nur einen Moment von ihnen zu trennen. Verweile unter ihrem Schutz. Vertraue deinen Geist, dein Herz und deinen Körper ihnen ganz an. Praktiziere ohne sie aufzugeben, auch wenn es dein Leben kosten würde und verlass dich ganz auf die Hauptgottheit aller Mandalas, ohne dieses Wesen auch nur im Geringsten zu enttäuschen. Wenn du falschen Sichtweisen anheim fällst oder dieses Wesen auch nur in einem Traum verärgerst, dann ist es entscheidend, dass du Reue hervorbringst und das bekennst. Wenn du den Vajra-Guru aufgibst, dann ist das gleichbedeutend wie das Aufgeben der Drei Juwelen, der Drei Wurzeln, der drei Kayas, der Jinas und Jinaputras. Im Geistesstrom von einem der so etwas macht, werden die ursprünglichen Weisheiten und Qualitäten und alle erfahrungsmäßigen Realisationen nicht reifen und egal wie viel sich solch eine Person auch körperlich, verbal und geistig auch anstrengt, die Ansammlungen von Verdienst und Weisheit werden nicht vollendet werden und die Frucht wird nicht zur Reife gelangen. Sogar wenn sich jemand einem anderen spirituellen Mentor hingibt, werden die Segnungen und Siddhis nicht entstehen. Da sie vom bösen Geist der beschädigten Samayas besessen sind, werden sie überschritten.
Wie beim Vergleich von Keimling und Frucht werden diese nicht aus einem verrottetem Samen reifen und es werden keine Blätter an einem Stamm mit verrotteter Wurzel wachsen. Genauso ist der Vajra-Guru die Wurzel des Stammes des Geheimen Mantras und der Vajra-Guru ist der Same und das Feld der Ernte der Allwissenheit. Daher erkenne diese Tatsache und gib dich dem Vajra-Guru hin, ohne dieses Wesen auch nur für einen Moment aufzugeben. Sei dir klar darüber, wenn du den spirituellen Mentor auf diese Weise als Synthese aller Buddhas erkennst und Zuflucht nimmst während du auf deinen spirituellen Mentor meditierst in der Natur der erwählten Gottheit [Yidam] im Raum vor dir, dann besteht gewiss keine Notwendigkeit, irgendwo anders nach einem Objekt der Zuflucht zu suchen.

Aus dem Vajra-Herz-Tantra (dag snang ye shes drwa pa las gnas lugs rang byung gi rgyud rdo rje’i snying po) von Dudjom Lingpa. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 24. August 2018

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Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. August 2018

Ein Rat für Ngakpas

Ein Festschmaus des Nektars – ein hilfreicher, nützlicher Rat für Ngakpas

NgakpaRetreat_2017_BildVon Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche.

Verehrung dem Vajra Guru Padmasambhava!

So wurde es gemäß den Ratschlägen gelehrt, die uns der glorreiche, große Meister von Oddiyana gegeben hat, uns, den Ngakpas von Tibet, die auf den Pfad des geheimen Mantra eingetreten sind – gegeben hat.

Die Ngakpas, von denen so gesprochen wird, sind diejenigen, die den tantrischen Weg des Vajrayana betreten haben, die sich so verhalten, wie es erforderlich ist, und somit mit der Bedeutung des Wortes „Ngakpa“ übereinstimmen. Die richtige Art und Weise wie man sich verhalten sollte, ist wie folgt:

Finde einen Wurzel-Guru, einen verwirklichten Meister des geheimen Mantras.

Wenn du keinen authentischen Wurzel-Guru auf dem Weg zur Befreiung hast, kannst du nicht in die tantrische Praxis eintreten. Daher ist es sehr wichtig, dass du zuerst einen Guru findest, dessen Verhalten dem Dharma entspricht und dass du ihm auf jede mögliche Weise über die drei Aktivitäten dienst, die den Guru erfreuen. Denn wie gesagt wird:

Öffne die Tür zur Lehre des geheimen Mantras in Etappen.

Wenn du keine ermächtigte und authentische Abstammungslinie erhalten hast, ist es sogar völlig unangemessen, nur in das Tantra einer Meditationsgottheit und seine Kernanweisungen zu schauen, ganz zu schweigen vom Praktizieren. Wenn du also nicht viele Ermächtigungen erhalten hast, nicht einmal Vajrasattva erlangt hast, hast du nicht einmal die Ermächtigungen von Zhitro – die friedvollen und zornvollen Gottheiten des Zwischenstaates – oder die Sadhana der acht Logos-Gottheiten und friedlichen und zornvollen Formen des Guru, wird deine Annäherungs- und Ausführungspraxis völlig mangelhaft sein.

Beschütze die Reinheit der Samaya  des geheimen Mantra wie dein Leben.

Wenn du tantrische Gelübde über Ermächtigungen erhältst, aber dein Samaya nicht behütest, dann wirst du, anstatt davon zu profitieren, sicherlich großen Schaden anrichten. Es gibt zahlreiche Unterscheidungen darüber, aber wenn du dich auf deinen Wurzel-Guru verlassen hast, ohne gegen seine Befehle und ohne Verwirrung zu handeln, Abstand davon genommen hast, Leben zu nehmen, wenn du die Feste des 10. und 25. Tages des Monats einhältst, und wenn du die Form visualisiert, die Mantras gesungen hast und für jede der drei Wurzeln die Praktiken der Vollendungsstufe gemacht hast, dann bist du ein authentischer Ngakpa, der das Zeitalter des Niedergangs verstanden hat und direkt aus dem Mund des Guru der Linie lernt.

Respektiere den Vajra-Meister wie jemand seine eigenen Glieder und Kopf.

Nachdem du es geschafft hast, dich auf den Guru zu stützen, wirst du jede spirituelle Vollendung des tantrischen Pfades erlangen, indem du dich ausschließlich auf ihn verlässt. Im Vertrauen darauf, dass, egal wer dein Wurzel-Guru ist, er ist untrennbar mit Guru Rinpoche sind, vergiss nie, Gebete wie das 7-Zeilen-Gebet, das Gebet, das spontan bewirkt alle Wünsche (Sampa Lhündrub), oder das Gebet, das Hindernisse auf dem Pfad auflöst (Barche Künsel), und die Gebete des Guru-Yoga zu singen.

Hüte deine Meditationsgottheiten aus der Tiefe deines Herzens.

Da die Meditationsgottheit der Guru ist, der sich in der Sambhogakaya-Form manifestiert, stütze dich ausschließlich auf Vajrayogini, Yamantaka, Vajrakilaya oder irgendeine der höheren Gottheiten, und verwende und schätze sie wie dein eigenes Herz. Überragende Praktizierende sollten dadurch Zeichen der Verwirklichung in den Phasen der Erzeugung und Vollendung erlangen. Durchschnittliche Praktizierende sollten 100 Millionen Ansammlungen (des Mantras) durchführen, und Praktizierende mit geringen Fähigkeiten sollten mindestens 10.000 aufeinanderfolgende Rezitationen der Visualisation ihrer Meditationsgottheit ohne Unterbrechung ansammeln, ohne ihre Mala auch nur einmal aus ihrer Hand rutschen zu lassen.

Halte die Dakinis und die eidgebundenen Beschützergottheiten so nah bei dir wie deinen eigenen Schatten.

So wie der Körper und sein Schatten niemals voneinander getrennt werden können, vollendest du die Praktiken der Dakinis und Dharma-Beschützer und hältst dich an sie, wenn du ein authentischer Ngakpa bist. Du solltest tantrische Festmahle [Ganachakra] ausführen und den Dakinis Lichtopfergaben darbringen und Tormas als Teil der Gelübde- und Bekenntnisrituale für die Beschützer unaufhörlich anbieten – täglich, monatlich und jährlich.

Beschütze und schätze das tiefgründige geheime Mantra wie deine eigenen Augäpfel.

Du solltest die Ermächtigungen und bindenden Samaya und Versprechen des geheimen Mantras, die Praxis der Annäherung und Vollendung in den drei Wurzeln, die zusammengestellten Rituale, die mit dem Yidam usw. verbunden sind, die esoterischen mündlichen Anweisungen und Praktiken, alle tiefgründigen, bedeutungsvollen und subtilen Klassifizierungen von Grund, Pfad und Frucht, die Tantras und Praxistexte und alle Statuen, heiligen Darstellungen und rituellen Objekte, die die Sadhana-Praxis unterstützen, wertschätzen. Schätze diese so wertvoll wie deine eigenen Augen und nimm an und weise zurück, was für sie notwendig ist und betrachte sie als authentische bedingte Phänomene, wie es deiner eigenen Gewissenhaftigkeit entspricht.

Bewahre und schätze die tiefe Essenz (der Lehren) wie die innersten Atemzüge, die du zählst.

Da die Quelle der magischen Wirksamkeit und Macht der Meditationsgottheiten und jede Methode (um Verwirklichungen zu erhalten) das Rezitieren von Mantras beinhaltet, rezitiere die Mantras der Ansammlungspraktiken jener Meditationsgottheit, auf die du dich stützt, Tag und Nacht unaufhörlich wie ein beständig fließender Fluss. Pflege die tiefgründige Praxis der Hervorbringung und Vollendung, so wie du es mit deinem eigenen Körper und deiner eigenen Lebenskraft tun würdest. Ob du Vertrauen in die Praktiken der Erzeugung und Vollendung gewinnst oder nicht, hängt von deinem Engagement ab, so dass du nicht erwarten solltest, in ein paar Monaten oder Jahren ein großer Verwirklichter [Mahasiddha] zu werden. Aber du solltest so viel wie möglich in diesem Menschenleben in diese Praktiken der beiden Stufen investieren.

Die Ergebnisse der Sicht, Meditation, Verhalten sind vollständig verwirklicht.

Du musst die letztendliche Bedeutung der Ebenen der unteilbaren Ergebnisse von yogischen Verhaltensweisen und Gelübden, der zwei Phasen der Erzeugung und der Meditation der Vollendung, der essentiellen Punkte und der Sicht des Vajrayana erfahren haben, welches der schnelle Weg ist, die die  Wahrheit von Reinheit und Gleichheit untrennbar ist oder zumindest solltest du ein wahres Verständnis davon entwickelt haben. Du musst alle darübergelegten Missverständnisse und Zweifel zerstreuen und diese vollständig gemeistert haben, indem du die Äußerungen und Linien und die mündlichen Anweisungen direkt aus dem Mund eines Gurus, der die Linie hält, hörst und darüber nachdenkst. Es wurde gelehrt, dass dieser rasche Pfad in einem Augenblick die Anhäufungen mehrerer Äonen vollenden kann, wenn du ein klares und subtiles Verständnis dieser Sicht und Meditation hast und die Mantras der Gottheitenmeditation singst. Daher ist es ein sehr wichtiger Weg.

Gib die zehn unheilsamen Handlungen auf und vollführe die zehn heilsamen.

Riskiere dein Leben um des Dharma willen. Da es für Anfänger mit geringen Fähigkeiten unmöglich ist, die Praktiken der Vereinigung und Befreiung des geheimen Mantras zu praktizieren, gib die die zehn unheilsamen (Handlungen) auf, sowie die grundsätzlich falsche Sicht, die deine Lebenskraft so weit wie möglich reduziert. Führe so oft du kannst die lebensrettenden zehn heilsamen (Handlungen) aus. Streite nicht mit deinen Eltern, mit deiner Frau oder deinen Kindern, sondern führe sie so gut wie möglich in den Dharma ein. Kurzum, gib solche Aktivitäten auf, die gegen die Regeln der Ngakpa-Gemeinschaft verstoßen: Bier mutwillig trinken, Tabak durch den Mund oder die Nase konsumieren oder falsches oder pervertiertes Sexualverhalten [Vergewaltigung, Ehebruch usw.] begehen und dich wie Grenzvölker [Barbaren] zu verhalten. Kurz gesagt, wenn du niemals aufhörst, das Streben nach dem Verhalten, das mit dem Dharma übereinstimmt, aufgibst, dann wirst du den Dharma äußerst kräftig vollbringen.

Festtage einhalten.

Halte an den Praktiken der Annäherung und Vollendung deiner hauptsächlichen Meditationsgottheit mit Ernsthaftigkeit und als deine Hauptsache fest. Am 15. (Vollmond), 30. (Neumond), 8. und 23. Tagen des Mondmonats führe tantrische Versammlungen mit dem spirituellen Festmahl, Tormas und Gelübdebereinigung aus. Verhalte dich nicht überheblich oder wie gering gestellte Leute, verlass dich auf den wohltätigen Meister [Padmasambhava]. Beteilige dich nicht an schamanistischen Aktivitäten oder Gesängen, praktiziere im Einklang mit buddhistischen Praktiken und Meditation. Strebe nach Vorzüglichkeit in den vier Arten der rituellen oder magischen Aktivitäten der Praktiken der Annäherung und Vollendung in Übereinstimmung mit den Schriften.

Praktiziere am 10. Tag des Mondmonats.

Dieser wesentliche religiöse Feiertag, der im Allgemeinen und insbesondere das fortwährende Festhalten und Geben von Gaben am 10. Tag der zunehmenden und abnehmenden Mondzyklen beinhaltet, ist zweifellos wichtig, da es ist Guru Rinpoches Feiertag ist und tantrische Gelübde ein äußerst notwendiger Teil davon sind. Ohne etwas anzunehmen oder zurückzuweisen basierend auf nicht verwirklichten Sichtweisen, erinnere dich daran, dass deine geistigen Erfindungen und Vermutungen nichts mit den esoterischen mündlichen Anweisungen des Tantra zu tun haben. Also lerne, indem du dich auf einen Lehrer stützt, der ein Praktizierender der Linie des Lotus- Meisters ist.

Halte dich bedeckt.

Wenn du tantrische Rituale ausführst, ohne darin Ermächtigungen zu haben und die Praktiken der Annäherung und Vollendung der Stufen von Erzeugung und Vollendung ausführst, dann sind deine Rituale wenig mehr als so genannte schamanistische Gesänge, um Reichtum heranzuziehne und das ist falsch. Verlasse dich auf einen geeigneten Lehrer, vervollständige die Praktiken der Annäherung und Vollendung der Meditationsgottheit. Wenn du reines und vollständiges Vertrauen hast, dann wirst du den tantrischen Pfad richtig betreten haben. Also übe dementsprechend!
Sollte irgendetwas passieren, was diesem Ansatz zuwiderläuft, führe die Meditationen und Rezitationen von Vajrasattva durch und führe Bekenntnisse und Abbitten aus, indem du ein bereinigendes Festopfer durchführst. Es ist sehr wichtig, deinen reinen Zustand und deine Gelübde durch Selbstermächtigung wiederherzustellen.
Gib außerdem Gedanken oder Zweifel über die Reinheit des geheimen Mantras auf. Versuche nicht, die Reichtümer des geheimen Mantras zu verkaufen oder zu vermehren. Wenn du die Übungen für dich und durch dich selbst vollbringst, wirst du alles erreichen, was du dir vorstellen kannst. Ich beschreite nun den Pfad von Padmasambhava, betrete jetzt den Pfad und später in der Zukunft werde ich seinen Zustand erreichen – tibetische Ngakpas, bewahrt diese Absicht in euren Herzen!

Hüte die Lehren vor jenen mit falschen Ansichten.

Der Zweifel ist das größte Hindernis für die spirituelle Verwirklichung von Ngakpas. Daher ist es sehr wichtig, die wesentlichen Punkte der esoterischen Anweisungen für die Meditationsgottheit und die Mantra-Übungen frei von Zweifeln und mit zielgerichtetem Glauben zu vollführen. Dieser Name „geheimes Mantra“ bedeutet, dass du sie auf eine verborgene Weise durch dich selbst gemeistert hast, ohne sie allen zu zeigen, um die Übungen zu vollbringen, dass du die verschiedenen Stufen der esoterischen mündlichen Anweisungen der Gottheit und der Mantra-Praktiken heimlich befolgt hast, ohne sie zu verbreiten. Lehre oder offenbare sie nicht einmal ein wenig denen, die falsche Ansichten haben oder voller Zweifel sind. Du solltest sie den Haltern deiner eigenen Dharma-Linien beibringen, vorausgesetzt, dass die Offenlegung von Praktiken ihnen andere Vorteile bringt. Zusammenfassend, wenn du auf alle widrigen Umstände verzichtest und in der Lage bist, jeden günstigen Umstand für die Praxis gemäß der Tradition zu vollbringen, wirst du sicherlich die höchsten Verwirklichungen der vier magischen Aktivitäten erlangen.

Resultate der Praxis erlangen.

Dementsprechend solltest du die tantrischen Ermächtigungen, Lehren und esoterischen Anweisungen nicht für Geld verkaufen, du solltest die magischen Riten des Meditationsgottheit nicht sorglos ausführen oder durch deinen eigenen oder den Wunsch und Hass von anderen Menschen motiviert werden.
Wenn du die Übungen für die Lehren und für die fühlenden Wesen vollführst, wirst du verschiedene gewöhnliche Handlungen verwirklichen, wie das Erlangen von langem Leben, von Reichtum, das Herbeischaffen von Regen, Schutz vor Frost und Hagel und die Befriedung von Krankheiten und Dämonen. Du wirst verschiedene erhabene Handlungen vollbringen, wie die direkte Erlangung der Form der Meditationsgottheit, indem du an ihren Praktiken festhältst und die Verwirklichung des Großen Siegels (Mahamudra) hervorbringst. Kurz gesagt, die esoterischen mündlichen Anweisungen, um alles zu erreichen, was du wünscht, finden sich allgemein in den Schriftsammlungen der mündlichen Überlieferung (Kama) und der Schatztexte (Terma) und sind besonders zahlreich im Kontext der alten Übersetzungsschule (Nyingma) und die mündlichen Anweisungen des Gurus der Linienhalter sind ungebrochen. Daher ist es sehr wichtig, die Stufen der Annäherung und Vollendung zu vollführen und sie in die Praxis umzusetzen, um endgültige Ergebnisse zu erzielen.

Letztendlicher Rat an die Ngakpas.

Ich werde nun kurz die letztendliche Bedeutung der direkten mündlichen Anweisungen erklären, die jenen Ngakpas unter den tibetischen Schülern erteilt wurden, die als Guru Rinpoches Schüler den Südwestlichen Kupferfarbenen Berg erreichten.
Der wichtigste Punkt unter diesen ist die Idee, dass „reine Sicht und wahre (meditative) Erfahrung“ unteilbar sind. Wenn man dies in leicht verständlichen Worten erklärt, bedeutet dies, wenn man nicht erkennt, dass die fünf Elemente des äußeren Behälters, die Welt der äußeren Phänomene die fünf Gefährtinnen der weiblichen Buddhas sind, die fünf Erlebnishaufen (Skandhas) ihr Inhalt darin bzw. die Bewohner die fünf Buddha-Familien sind, die sechs Bewusstseine und Zustände von Zeit und Raum die acht Bodhisattvas und ihre Gefährtinnen sind, und trotz der Tatsache, dass die vier Ansichten und die vier Zeiten seit jeher im Mandala der Gottheiten der acht Klassen der friedlichen und zornvollen Götter der drei Sitze des reinen Bewusstseins verweilen, dass wir dann der Täuschung unterliegen. Diese Verblendung und gegenwärtig die Sicht der Wirklichkeit an sich nicht zu erkennen, ist das Leiden der bedingten Existenz (Samsara). Wenn du die grundlegende Bedingung der Wirklichkeit an sich erkennst, gelangst du über das Leiden hinaus in Reinheit. Es wird gelehrt, dass die unreine und dualistische zyklische Existenz als letzte, reine und eine Wirklichkeit (Dharmata) ohne jegliche Unterscheidung des Annehmens und Ablehnens erfahren wird. Um dies zu erkennen, werden Mantras rezitiert und die fünf Elemente des äußeren Behälters der äußeren Phänomene werden als reine Bereiche und unvorstellbare himmlische Paläste meditiert. Die darin befindlichen Inhalte der fünf Aggregate werden als friedvolle und zornvolle Meditationsgottheiten der Fünf Familien durch die zusammengestellten Rituale meditiert, egal auf welche dieser Gottheiten du dich stützt. Wenn du verstehst, dass all dies aus der Natur des zeitlosen Erkennens der großen Glückseligkeit der unteilbaren nicht-dualen Erscheinung-Leerheit stammt, anstatt aus dem konventionellen oder gewöhnlichen Verstand eines gewöhnlichen Individuums entspringt, dann wirst du wie Guhyagarbha-Tantra geschrieben steht: „erkennen, dass die Gedankenströme des Behälters und des Inhalts, des Universums und seiner Bewohner rein sind.“ Dies wird auch im Sadhana-Praxishandbuch aus dem Longchen Nyingthig, dem Ritus der Muttergefährtin, wo es gelehrt wird, geklärt und wir sollten das verstehen: „Alle Erscheinungen sind die Weite der fünf Gefährten, alles bedingte Dasein ist das Mandala der Dakinis.“
Um die Sichtweise zu verwirklichen, lerne die Anweisungen für die vier Gedanken, die den Geist von Samsara abwenden, wie es in Jamgon Mipham Rinpoches grundlegenden Praktiken der Linien von Mindroling und Longchen Nyingthig gelehrt wird und führe die vorbereitenden Übungen durch, erwecke den überragenden Erleuchtungsgeist und nimm 5.000 oder 15.000 Mal Zuflucht. Indem du deinen eigenen Geist durch die wahren Praktiken, die in den traditionellen Handbüchern und Anleitungen zu finden sind, trainierst und dich auf die Essenz dieser Lehren konzentrierst, solltest du sie verstehen.
Grob gesagt bin ich selbst weder ein sachkundiger Gelehrter noch ein versierter Praktiker. Jeder, der in keiner Weise die erleuchteten Qualitäten eines authentischen Gurus besitzt und seinen eigenen Geist nicht befreit hat, sollte keinen mündlichen Rat zu esoterischen Fragen geben. Trotzdem habe ich zuvor mein Haupt zu den Lotusfüßen von mehr als fünfzig reinen und heiligen, nicht sektiererischen Lehrern gelegt und habe jede gewünschte Abstammungslinie und ihre Ermächtigungen und Lehren erhalten. Ich habe über die Bedeutung der Lehren für diejenigen geschrieben, die wenig Erfahrung haben, und wenn du diesen mündlichen Rat wie beschrieben anwendest, wird dies mit dem Dharma übereinstimmen und du wirst auf diese Weise natürlich und leicht eine echte Dharma-Verbindung erhalten. Nimm es direkt mit deinen Augen wahr und höre die Worte. Zusammengefasst, dies ist mein Rat an all jene, die in der alten Übersetzung Nyingma Schule hoch und niedrig sind, die den Titel Ngakpa tragen – obwohl viele von euch schon eine lange Zeit hier waren und viele Ermächtigungen und Belehrungen erhalten haben, die ihr vielleicht immer noch nicht hattet.

Zusammengefasster Rat.

Ich habe eine andere, weitere Erklärung als diese, also verbreite ich diesen Text an alle und denke, dass es sehr wichtig ist, dass jeder sich so gewissenhaft bemüht, wie es in Übereinstimmung mit der Botschaft möglich ist.
Im Allgemeinen gibt es sehr wenige so genannte Ngakpas und Ngakpas, die gemäß den Tantras handeln, sind sehr selten. Obwohl ich kein authentischer oder voll qualifizierter Ngakpa bin, habe ich ein wenig die tantrischen Texte studiert und einige Belehrungen erhalten. Ich habe niedergeschrieben, welche wesentlichen Punkte der Lehren ich verstanden habe, und Ngakpas sollten diese zum Kern ihrer Praxis machen.
Wenn du die Haarlocken auf deinem Kopf festgebunden hast, solltest du beten, dass du niemals deinen Zuflucht-Guru vergisst. Wenn du in die Segnungen der Linie eintrittst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn du deine Gebetskette oder deinen rituellen Phurba in deinen Händen hältst, solltest du Mantras visualisieren und rezitieren, während du über die Meditationsgottheit meditierst. Wenn du echte Verwirklichungen bekommst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn du deine Freunde, deine Frau, deine Kinder siehst, solltest du deine Gedanken auf die Dakinis und Beschützer richten. Wenn du tantrische Festmahle und Tormas darbringst, dann bist du ein Ngakpa!
Betrachte alle Verhaltensweisen der drei Tore – Körper, Sprache und Geist – als Gottheit, Mantra und die spielerische Zurschaustellung des Dharmakaya. Wenn du dich nicht in gewöhnlichen Aktivitäten verlierst, dann bist du ein Ngakpa!
Wenn spontan reine Visionen entstehen, nimm den wesentlichen Punkt dieser Erscheinungen als den Pfad und sie werden vollständig hervortreten. Wenn du die Bedeutung dieser Erscheinungen auf diese Weise verstehst, dann bist du ein Ngakpa!
Es ist sehr wichtig, dass du dein ganzes Leben lang, ohne von Haushaltsaufgaben und Lebensunterhalt und mit der Sorge um deine Kinder und Ehefrau abgelenkt zu sein, in der Lage bist, diese wahren Praktiken anzuwenden und den Dharma ein wenig zu praktizieren. Nehmt euch alle das zu Herzen!
Wenn du die tiefgründigen, wesentlichen Punkte des Pfades des geheimen Mantras verstehst, werden dir Unglück, unvorhergesehene Umstände und alle Verhaltensweisen der zyklischen Existenz auf dem Pfad ein Freund sein. Um Verwirklichungen tatsächlich und auf alle Fälle zu erhalten, solltest du die Stütze eines menschlichen Körpers, den du erlangt hast, sinnvoll nutzen. Du weißt nicht, wann der Feind des Herrn des Todes erscheinen wird. In diesem entarteten Zeitalter gibt es Unglück und Hindernisse. Wende dich so schnell wie möglich den Dharma zu. Bringe all deine Handlungen und Aktivitäten so weit wie möglich mit dem Dharma in Einklang.

Dieser Vagabund namens Jigme Khyentse Özer (Dilgo Khyentse), der aus Derge, Kham nach Norden gekommen ist, hat diese Worte gesprochen. Sie sind mit einer unbestreitbar guten Absicht niedergeschrieben worden. Ich bete unablässig dieses Gebet. Möge es wirklich geschehen, dass ihr Ngakpas, die sich auf diese Weise verhalten, vom Großen und Glorreichen Urgyen Rinpoche als Nachfolger angenommen werden, möge euer Weg frei von Hindernissen sein. Ihr genießt förderliche Umstände für das Praktizieren, möget ihr auf dem Glorreichen Kupferfarbenen Berg als eine untrennbare Familie von Schülern zusammenkommen und als eine Schar von Vidyadharas erscheinen! Mögen Glück, Tugend und Güte sich ausbreiten und zunehmen!

Diese mündliche Beratung wurde von der tantrischen Vidyadhara von Derge, Ost-Kham, Jigme Khyentsi Odzer während der Verleihung der Ermächtigungen des Rinchen Terdzo zur großen Versammlung von 1900 Phurba tragen Ngakpa in Rebgong in Nord Amdo ganz auf Antrag der Amdrin Tulku gegeben, Milay Tulku, Ngakchang Tashi Palden, Tsering Gyal, Trowo Palden und viele andere Ngakpa. Es wurde am Sho’ong Sangngak Dargyeling Tempel im Metal Rabbit Jahr (1951) am ersten Tag des zunehmenden Mondes im Monat Chotrul Duchen (Buddha Miracle Day) und wurde verpflichtet, schriftlich von Jamyang Sherab Gyamtso gegeben und wurde graviert (in Holzblöcke) von dem tantrischen Priester Jigme Trinley aus Dentig. Möge es dem Geist aller, die es sehen, nützen!


Aus dem sngags pa rnams la phan pa’i zhal gdams bdud rtsi’i dga‘ ston bzhugs so. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. August 2018

Ermächtigungen Dudjom Tersar

DudjomTersar-LamaDudjom Lingpa

  1. Lama Rigdzin Düpa (friedvoller Guru Padmasambhava)
  2. Lama Dragpo Dechen Gyalpo (zornvoller Guru)
  3. Lama Wangdrag Dorje Drolö (äußerst zornvoller Guru)
  4. Jampal Sangdü (Manjushri
  5. Jampal Shinje (Yamantaka)
  6. Desheg Zhingdrub (Amitayus)
  7. Thugje Chenpo (Avalokiteshvara)
  8. Yangthrö Mahakala (Tamdrin Yangthrö)
  9. Ta Chag Khyung Sum (Hayagriva, Vajrapani, Garuda)
  10. Dorje Sempa (Vajrasattva)
  11. Lama Zhitro (Guru mit 100 friedvollen & zornvollen Gottheiten)
  12. Chagna Dorje (Vajrapani)
  13. Thugdrub Sangwa Gyachän (Phurba Namchag Putri; Vajrakilaya)
  14. Desheg Sangdü (Kagye)
  15. Thugdrub Yeshe Nyima (Vajrayogini)
  16. Khandro Sengdong (Simhamukha)
  17. Jetsün Drölma (Grüne Tara)
  18. Khandro Yeshe Tsogyal
  19. Thröma Nagmo
  20. Dorje Phagmo
  21. Amritakundali
  22. Shinje Nagaraksha (Yamantaka)
  23. Mrawe Senge (Manjushri rot)

Dudjom Jigdral Yeshe Dorje

  1. Tsokye Thugthig (Lotusgeborener Guru)
  2. Dorje Drolö Pema Sogthig (Dorje Drolös Herzessenz)
  3. Phurba Putri Regphung (Vajrakilaya)
  4. Khandro Thugthig (Herzessenz der Dakini)
  5. Sengdong Marmo (red Simhamukha)
  6. Loden Chogse (Guru Padmasambhava, Intelligenzaspekt)
  7. Chime Sogthig (Guru Rinpoche Langlebensaspekt)
  8. Chemchog Heruka (Hauptgottheit des Kagye-Mandalas)
  9. Zhitro Nagso (100 friedvolle & zornvolle Gottheiten)
  10. Padma Sangthig (Langlebenspraxis)
  11. Dorje Drolö
  12. Lama Thugdrub (Terkha Dündü)

Dudjom Tersar – Weisheitsschützer und weltliche Schützer

  1. Ekajati
  2. Ekajati (Khandro Thugthig Zyklus)
  3. Rahula
  4. Rahula (Thröma Nagmo Zyklus)
  5. Dorje Legpa (Vajrasadhu)
  6. Lhachen (Mahadeva)
  7. Nojin Shenpa
  8. Tsän Gö (Tsi’u Marpo)
  9. Shaza
  10. Terdag Aparajita
  11. Vaishramana
  12. Kasung Dregpa Degu’i (neun eidgebundene Schützer)
  13. Tersung Machen Pomra (Maha-Ati Zyklus)
  14. Zhingkyong Sengdong Yab-Yum
  15. Yamaradza (verbunden mit Manjushri Yamantaka)

Und hier noch ein paar wesentliche Serkyem-Darbringungen einiger größerer und kleinerer Schützerzyklen von denen keine Lebenskraftermächtigung verfügbar ist:

Dregpa Degye (Schützer bei Dorje Drolö), Zhitro Schützer, Chime Sogthig Schützer, Phurba-Schützer, Dragshul Wangpo, Degye Serkyem, Legden Mahakala, Chagzhi Mahakala, Maning Mahakala, Umadevi, Palden Lhamo, Remati, Durthrö Dagmo, Achi, Gesar, Pehar, Dorje Yudrönma, Trashi Tsheringma & die Menmo Schwestern, Dorje Demo, Thanglha Yarzhü, Ngarol Tagtse, Dralha, die 4 Richtungskönige, Mamo Phursung, die Nagas, Tsän & Berggötter, Lhamo Yizhin Norbu, die Sadag (Erdgeister), Shugchenmo, Vayudeva.


Trotz genauer Durchsicht kann die eine oder andere Ermächtigung fehlen. Daher bitte ich um Rückmeldung dazu, damit ich die Liste vollständig halten kann.


English version


Dudjom Tersar empowerments

Dudjom Lingpa
1. Lama Rigdzin Düpa (peaceful guru Padmasambhava)
2. Lama Dragpo Dechen Gyalpo (wrathful guru)
3. Lama Wangdrag Dorje Drolö (mighty wrathful guru)
4. Jampal Sangdü (Manjushri)
5. Jampal Shinje (Yamantaka)
6. Desheg Zhingdrub (Amitayus)
7. Thugje Chenpo (Avalokiteshvara)
8. Yangthrö Mahakala (Tamdrin Yangthrö)
9. Ta Chag Khyung Sum (Hayagriva, Vajrapani, Garuda)
10. Dorje Sempa (Vajrasattva)
11. Lama Zhitro (100 peaceful & wrathful deities)
12. Chagna Dorje (Vajrapani)
13. Thugdrub Sangwa Gyachän (Phurba Namchag Putri; Vajrakilaya)
14. Desheg Sangdü (Kagye)
15. Thugdrub Yeshe Nyima (Vajrayogini)
16. Khandro Sengdong (Simhamukha)
17. Jetsün Drölma (Green Tara)
18. Khandro Yeshe Tsogyal
19. Thröma Nagmo
20. Dorje Phagmo
21. Amritakundali
22. Shinje Nagaraksha (Yamantaka)
23. Mrawe Senge (Manjushri red)

Dudjom Jigdral Yeshe Dorje
1. Tsokye Thugthig (lotus-born guru)
2. Dorje Drolö Pema Sogthig (Dorje Drolö’s heart essence)
3. Phurba Putri Regphung (Vajrakilaya)
4. Khandro Thugthig (the Dakini’s heart essence)
5. Sengdong Marmo (red Simhamukha)
6. Loden Chogse (Guru Padmasambhava, intelligence aspect)
7. Chime Sogthig (Guru Rinpoche longlife aspect)
8. Chemchog Heruka (main deity of the Kagye mandala)
9. Zhitro Nagso (100 peaceful & wrathful deities)
10. Padma Sangthig (longlife aspect)
11. Dorje Drolö
12. Lama Thugdrub (Terkha Dündü)

Dudjom Tersar protectors

Ekajati
Ekajati (Khandro Thugthig cycle)
Rahula
Rahula (Thröma Nagmo cycle)
Dorje Legpa (Vajrasadhu)
Lhachen (Mahadeva)
Nojin Shenpa
Tsän Gö (Tsi’u Marpo)
Shaza
Terdag Aparajita
Vaishramana
Kasung Dregpa Degu’i (nine protectors bounded by command)
Tersung Machen Pomra (Maha-Ati cycle)
Zhingkyong Sengdong Yab-Yum
Yamaradza (related to Manjushri Yamantaka)

And there are essential serkyem offerings to some major and minor protectors too, but no sogwang available:
Dregpa Degye (protectors of Dorje Drolö), Zhitro protectors, Chime Sogthig protectors, Phurba protectors, Dragshul Wangpo, Degye Serkyem, Legden Mahakala, Chagzhi Mahakala, Maning Mahakala, Umadevi, Palden Lhamo, Remati, Durthrö Dagmo, Achi, Gesar, Pehar, Dorje Yudrönma, Trashi Tsheringma & the Menmo sisters, Dorje Demo, Thanglha Yarzhü, Ngarol Tagtse, Dralha, the 4 Kings, Mamo Phursung, to the Nagas, Tsän & mountain gods, Lhamo Yizhin Norbu, the Sadag, Shugchenmo, Vayudeva.


If there’s something missing, please let me know!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. August 2018

Grundlage des Pfades

water-lilies-1825477_1920Die Grundlage, die verstanden werden muss, ist die alles durchdringende Sugata-Essenz. Nicht zusammengesetzt, lichthaft und leer ist sie der natürliche Zustand des Gewahrseins. Jenseits von Täuschung und Befreiung ist sie völlig ruhend, wie der Raum. Obwohl sie sich ohne Trennung von Samsara oder Vereinigung mit Nirvana befindet, gemäß dem großen Dämon der gemeinsam entstandenen und begrifflichen Unwissenheit, aus den verfestigten Gewohnheitsmustern des Greifens und Festhaltens und aus den verschiedenen Wahrnehmungen der Welten und Bewohner, erschienen die sechs Klassen der Wesen wie ein Traum.

Obwohl dies so ist, habt ihr euch niemals aus dem ursprünglichen Zustand der Essenz entfernt oder werdet euch niemals entfernen. Bemüht euch daher im Bereinigen der zeitweiligen Befleckungen.

Die Stufen des Pfades, die zur Erkenntnis führen, sind unzählige. Reinigt euer Wesen, sät die Samen und kultiviert sie. Beseitigt die Hindernisse und ebenso bringt eine Verbesserung hervor. So tretet in den rechten Pfad durch diese fünf Aspekte ein.

Aus dem „Stufenweg des Pfades zur Essenz der Weisheit“ (lam rim ye shes snying po).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. August 2018

Anrufung an den Lehrer

waterfall-828948_1920.jpgAus der Weite des himmlischen Schatzhauses: Ein Gebet an den Lehrer, genannt „Ein beständiger Fluss der vier Ermächtigungen“ ist hierin enthalten.

Aus den gesammelten Werke von Dudjom Lingpa; Band 12 (na), Seite 231 – 232

 

NAMO GURU PADMA KARA YE //
Um hinderliche Geister und Hindernisse bei allen Praktiken und Mandalas zu bereinigen und damit die Verwirklichung des Segens der Ermächtigung entsteht, betet man zuerst hingebungsvoll mit den drei Toren, sodass sich schließlich der erleuchtete Geist und der Intellekt miteinander vermischen.

NAMO – Den uranfänglich reinen Dharmakaya-Lehrer Samantabhadra, den unendlichen Ozean der fünf Familien des spontan präsenten Sambhogakaya, die drei Familien des überragenden Nirmanakaya, den Schild der Wandernden, flehe ich an, bitte führt meinen Geistesstrom zur Reife und Befreiung!
Möge das natürliche Antlitz der spontan präsenten drei Kayas offenbar werden! Padmasambhava, den Beschützer der umherwandernden Wesen aus Orgyen, die überragende Mutter der Siegreichen, die Tsogyal der großen Glückseligkeit, die Versammlung von König und den 25 Herzensschülern flehe ich an, bitte führt meinen Geistesstrom zur Reife und Befreiung! Mögen die überragenden und gewöhnlichen Verwirklichungen rasch erlang werden!
Den einzigen Storm der drei Linien, den vollkommenen Meister und die drei Wurzeln, die Dakas, Dakinis und Dharma-Schützer flehe ich an, mögen meine unreinen drei Tore in die Reinheit der drei Vajras reifen und befreit werden! Möge die Einsicht in die wahre Natur der Wirklichkeit durch Trekchö offenbar werden, möge die Praxis der vier Visionen von Thögal vollendet werden (und) möge ich in die uranfängliche Reinheit des jugendlichen Vasenkörpers erwachen!

Wenn man dieses Gebet, versehen mit den drei Merkmalen, spricht, dann wird man ohne Hindernisse auf dem allerhöchsten Pfad reisen. SAMAYA. GYA GYA GYA. ITHI.
Dies wurde aufgrund der eindringlichen Bitte von Jungne und Riglo vom Dudjom Dorje aus dem himmlischen Schatzhaus entnommen. Möge es am Anfang, in der Mitte und am Ende immerzu glücklich sein!


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2017). Möge es von Nutzen sein!

Hier könnt ihr das Gebete als Praxistext herunterladen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. Juli 2018

Tara – Stern der Befreiung am dunklen Firmament der Unwissenheit

Tara_GrünDie Entstehungsgeschichte der Tara berichtet, wie Amitabha sah, dass die fühlenden Wesen leiden und er ein Mittel erschaffen wollte, um diese Leiden zu beseitigen. Also schickte er einen Lichtstrahl aus seinem rechten Auge aus. Dieser verwandelte sich in einen See und daraus entstand Avalokiteshvara – der Bodhisattva des allumfassenden Mitgefühls. Sogleich machte sich Avalokiteshvara ans Werk und begann entsprechend seines Samayas zum Wohle der fühlenden Wesen zu wirken. Doch als sich Avalokiteshavra nach getanem Werk in Kontemplation niederließ, sah er, dass noch immer fühlende Wesen in Samsara waren und sie trotz seines Wirken noch immer litten. So begann er angesichts des Leidens der Wesen zu weinen. Aus diesen Tränen entstand ein weiterer See und darauf eine Lotusblüte mit der Arya Tara als Ausdruck des tätigen Mitgefühls darauf. In einer etwas anderen Geschichte wird geschildert, wie aus den Tränen des rechten Auges die Grüne Tara und aus den des linken Auges die Weiße Tara entstanden.

Tara in der Welt

Wie kam nun das Tara-Tantra in diese Welt? Gemäß der Schilderung von Taranatha tauchte es ca. 300 Jahre nach dem Dahinscheiden Buddhas auf. Als Zeitpunkt wird eine Zeit kurz nach dem dritten Konzil der Shravakas genannt. Zu dieser Zeit tauchten an verschiedenen Orten Indiens die Mahayana-Sutras auf und auch andere spontan entstandene Schriften wurden verbreitet.
Ebenfalls nennt Taranatha diese Zeit als den Beginn der Verbreitung der verschiedenen äußeren Tantras (Kriya, Charya, Yoga), sowie den Prajna- und Upaya-Tantras des Anuttaratantrayanas. Dabei praktizierten Könige und Hofstaat die verschiedenen Tantras, wussten jedoch untereinander nichts davon, bis sich schließlich Erleuchtung erlangt hatten. Lediglich die Arya Tara offenbarte sich aufgrund ihres Mitgefühls auch jenen, die keine Verwirklichungen erlangt hatten.
Als Guru Rinpoche nach Tibet kam, lehrte er seiner Weisheitsgefährtin Yeshe Tsogyal und dem Dharma-König Thrisong De’u Tsän auch die Praktiken der Tara. Allgemein war die Praxis der Tara zu dieser Zeit in Tibet schon bekannt, da die Leute dort seit der Zeit des Chögyal Songtsän Gampo die Prinzessin Wencheng (tib., mun chang kung co) – eine seiner beiden Frauen – als Emanation der Weißen Tara ansahen. So wurde in den nächsten Jahren die Praxis der Tara in Tibet sehr populär.

Emanationen und Nutzen

21_TarasDa Tara in verschiedensten Emanationen zeigt, verfügt sie über eine Reihe geschickter Mittel, die der Errettung aus misslichen Lebenslagen dienen. Neben der Grünen Tara, die die erleuchtete Aktivität des tätigen Mitgefühls verkörpert und der Weißen Tara, die wegen ihrer Manifestation von Mitgefühl, Gleichmut, Heilung und Langlebigkeit auch als „Chintamanitara“ – als „wunscherfüllendes Juwel“ – bezeichnet wird, auch die Rote Tara, die wegen des Heranziehens aller guten Dinge und Eigenschaften praktiziert wird. Die gelbe Emanation der Tara steht für Wachstum und Reichtum, die schwarze Tara für Macht. Liest man im „Lobpreis an die 21 Taras“ nach, so kann man alle Qualitäten und Eigenschaften der Tara darin erkennen.
Neben der Anrufung an die Tara, ist die Meditation der Erzeugungsstufe eine rasch wirksame Methode. Wie Dudjom Lingpa in der Einleitung zur Erzeugungsstufe der Arya Tara schreibt: „Wenn zukünftig, im dunklen Zeitalter der letzten 500 Jahren, die hochstehenden Wesen tiefgründigen glücklicher Umstände, die Halter meiner, Padmas, Linie wünschen auf dem raschen Pfad in den himmlischen Bereich (Khechara) zu reisen, habe ich, Padma Thöthreng, aus diesem Grund das Sadhana der ehrwürdigen Arya Tara, (genannt) „Der rasche Pfad in die himmlischen Gefilde“ gelehrt. Um das in die Praxis umzusetzten, ist der wesentlichen Punkt der Stufen der Erzeugung und Vollendung, mit dem Geist nirgendwohin fort zu wandern, sondern einsgerichtet die Samaya-Mudra zu verwirklichen – (das ist) der wesentliche Punkt. Bringe den die positive Seite beschützenden Ortsherren einen weißen Torma dar und beauftrage sie, wie ein Freund zu einem und förderlich für die Praxis zu sein. Den üblen, bösartigen Göttern und Dämonen gibt man einen roten Torma und ein zornvolles Lösegeldopfer, und mit Mitteln zornvollen Visualisationen besiegt man sie und vertreibt sie in das Innere des großen Berges Meru.“

Schutz vor Ängsten und Gefahren

TaraWeißDie Praxis der Tara wird deshalb als rasch bezeichnet, weil tätiges Mitgefühl unmittelbar wirksam ist. Man kennt im Zusammenhang mit der Tara acht Ängste und 16 Gefahren. Aber auch acht weltliche Verwirklichungen werden bei ihr genannt. Alle diese werden in der „Goldenen Girlande“ (tib., sgrol ma’i rgyud kyi byung khungs gsal bar byed pa’i lo rgyu) von Taranatha geschildert.
Wenn man die geschilderten acht Ängste liest, so stehen diese immer für bestimmte Geistesgifte, welche als Ursachen für die Manifestation der Lebenslage bzw. Ängste und Gefahren fungieren. So schützt die Tara vor dem Geistesgift Stolz, das sich als Löwen und Könige, d.h. als staatliche Autoritäten heutzutage verkörpern. Sie beschützt vor Täuschung und Nichtgewahrsein, was sich als wilde Elefanten zeigt, d.h. heutzutage als „Elefant im Porzellanladen“ darstellt. Sie schützt vor Hass und Ärger, die sich als Feuer manifestieren. Sie behütet vor Eifersucht und Missgunst, die die geistig-emotionale Ursache für die Manifestationen von Giftschlangen sind. Sie schützt für falschen Ansichten und fatalistischen Sichtweisen, die durch Banditen und Dieben verkörpert werden. Auch schützt sie vor Gefängnis, das sich aufgrund des Geistesgiftes Geiz und Knausrigkeit manifestiert. Sie schützt vor dem Geistesgift der Begierde und Anhaftung, was sich als Flutwellen manifestiert. Und sie schützt auch vor trügerischen Zweifeln, die sich als bösartige Geister und Dämonen manifestieren.
Außerdem schützt die Tara vor fleischfressenden Dämonen (Pisaci), vor Lepra, den bösartigen Ghandarva-Geistern, die die Boten Indras sind, vor Armut, vor der Trennung von Verwandten und Freunden, vor königlicher Bestrafung, vor Blitzschlägen und vor der Furcht zu versagen.
Mit der Tara sind auch die Lebensgeschichten verschiedener Meister und Siddhas verbunden. In Taranathas Goldener Girlande wird geschildert, wie sie acht Meister vor den acht Ängsten beschützt. So wird Digvarman vor Feuer gerettet, Amarasingha vor Wasser, Devasingha aus der Gefangenschaft, Sanghamitra vor Banditen, Subhasakirti vor Elefanten, Buddhadasa vor Tigern, Triratnadasa vor einer Schlange und Jnanadeva vor bösartigen Geistern.
Im Lobpreis an die Arya Tara werden ihre Qualitäten aufgezählt: „HUM – Die seit allem Anfang an unveränderte, ursprüngliche Reinheit ist die Dharmakaya-Gefährtin. Die spontan präsente Natur der großen Glückseligkeit ist der Sambhogakaya. Die schöpferische Kraft des Mitgefühls ist der Tanz der vielfältigen Dakinis. Die Verkörperung von all dem, Arya Tara, lobpreise ich. Obwohl Ihr Euch nicht aus der alles umfassenden ursprünglichen Reinheit heraus bewegt, zeigt Ihr für die schwer zu Zähmenden Euch als Formkörper, um durch vielfältige geschickte Mittel die Wesen vor den Leiden zu beschützen – oh Mutter der Siegreichen Tara, vor Euch verbeuge ich mich und lobpreise Euch! Ermattet vom für wirklich Halten der Objekte der fünf Gifte und fünf Aggregate und ohne Zuflucht sind die Wesen. Ihr befreit aus allen Ängsten und Leiden, oh Arya Tara, vor Euch verbeuge ich mich und lobpreise Euch! In Eurem Körper sind die angeordneten Mandalas der Siegreichen vollendet, Eure Rede mit den sechzehn Arten von Melodien zähmt die Wesen, Euer Geist ist das geheime Spiel, das Samsara und Nirvana in Gleichheit umfasst, oh edle Meisterin Tara, Mutter und Gefährtin, vor Euch verbeuge ich mich und lobpreise Euch! Von jetzt an bis das Herz der Erleuchtung erlangt ist, Euch, oh Mutter der Siegreichen, nehmt Euch meiner an! Mögen dadurch meine drei Tore in die drei Vajras gereift und befreit sein und ich die prachtvolle Fähigkeit erlangen, die Grube der zyklischen Existenz aufzuwühlen!“

Resultate der Praxis

Tara_blackAls Verwirklichungen der Praxis der Tara werden acht weltliche Errungenschaften genannt. Diese weltlichen Errungenschaften sind: die Siddhis der Pillen, die Siddhis der Herrschaft über die Unterwelt, die Siddhis der Unsichtbarkeit, die Siddhis des In-die-Himmel-Gehens, die Siddhis der Lebenskraft, die Siddhis des Schwertes, die Siddhis des Elixiers der Jugend und die Siddhis des Reichtums.
Und als Resultat der Praxis schreibt Dudjom Lingpa: „Wenn man so Vertrauen in die Visualisation besitzt, werden diejenigen mit Vertrauen und Samaya darin, die dies einspitzig in die Praxis umzusetzten, in diesem Leben die Stufe eines Vidyadharas erlangen. Mit beständigem Eifer, ohne Misstrauen an der Gottheit, frei von Unsicherheit bezüglich der Anweisungen und ohne falschen Sichtweisen gegenüber dem Lehrer: Das ist der Lebensstein von Gottheit und Lehrer. Vergesst das nicht! Halter das Versprechen der Lebenskraft! Alles, was erscheint und existiert, alle Phänomene in der zyklischen Existenz und ihrer Transzendenz, sind in der alles-umfassenden großen Leerheit, der ungekünstelten Gleichheit ausgebreitet. Der König der Sichtweise, die dies sachgemäß verwirklicht, überragend in der Grundlage, macht den grundlegenden Zustand, das eigene Antlitz zur Wirklichkeit: Ohne Zuschreibungen in einem Zustand zu verweilen, der frei von Meditieren, Tun, Verändern, Denken und Intellekt ist, ist der Höchste unter den Pfadender Nicht-Meditation. Die drei Toren von Körper, Rede und Geist von der Hektik derneun Aktivitäten abzutrennen, das aktivitätslose, alles Tun lassende Verweilen, ist die Höchste und den Handlungsweisen der ungekünstelten Handlungsweise. Übe dich auf diese Weise in dem einen Leben, das mit den drei Schlüsselpunkten ausgestattetet ist, in der Herzpraxis! Erlange das vierfache furchtlose Vertrauen der Meditation und Verwirklichung. Wenn alle sichtbaren Phänomene sich in der Dharmata, im Zustand der Soheit erschöpfen, ist dies das Höchste aller Resultate der tatsächlichen Erleuchtung im jugendliche Vasenkörper. Auf diese Weise werden diejenigen, die mit den überragenden Schlüsselpunkten der beiden Stufen der Erzeugung und Vollendung ausgestattet sind, untrennbar von mir, Padmasambhava sein.“

Versprechen der Tara

Und zum Abschluss noch das Versprechen der Prinzessin Jnanachandra – Mond der Weisheit – als sie aufgefordert wurde, eine weibliche Inkarnation anzunehmen, um als Bodhisattva den Wesen zu nützen: „Hier gibt es weder Mann, noch Frau, nicht Selbst, keine Person und kein Bewusstsein. Bezeichnungen wie ‚Mann‘ oder ‚Frau‘ haben keine Essenz, sondern sind Täuschungen der bösartigen Welt.“ Und weiter sprach sie: „Es gibt gar viele, die Erleuchtung in einem männlichen Körper begehren, aber niemanden, der zum Wohle der fühlenden Wesen im Körper eine Frau wirkt. Daher werde ich, bis Samsara geleert ist, zum Wohle der fühlenden Wesen in einem weiblichen Körper wirken!“

Zusammengestellt und übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!


Wer sich der Praxis der Tara widmen möchte, findet im Bereich Downloads ein kurzes Ritual des Tara-Mandalas, genannt „Die achtfache tiefgründige Essenz“.

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