Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. März 2019

Frauen, tibetischer Buddhismus und moderne Welt

Ein Interview mit Chagdud Khadro.

Vor kurzem sprach Barbara Lepani mit Chagdud Khadro für das View Magazine darüber, was es heißt, Frau und Schüler eines großen Meisters zu sein, die Rolle der Frau im tibetischen Buddhismus und darüber, wie der Buddhismus in die moderne Welt gebracht werden kann.


Frage (F): Khadro, was heißt es, Chagdud Khadro genannt zu werden?

Chagdud Khadro (CK): Im tibetischen Khadro (oder Khandro; tib. mkha‘ ‚gro; Skt. Dakini) bedeutet wörtlich „Himmelsgeherin“ und bezieht sich auf einen weiblichen Halter der Verwirklichung. Die Ehefrauen von Lamas werden oft als Khadro bezeichnet, genau wie weibliche Lamas. Als ich Tibet besuchte, bemerkte ich, dass die Leute  mich Khadro riefen, aber ich habe es nicht persönlich genommen, es war ein Titel, der mehr mit Rinpoches Statur als mit mir zu tun hatte. Aber als Rinpoche mich selbst als Lama ordinierte und vorschlug, den Namen Chagdud Khadro zu verwenden, wurde er tief bedeutsam – eine ständige Erinnerung an meine Verbindung zu ihm, zu Chagdud Gonpa in Tibet und im Westen und zu seiner Linie.
Natürlich inspiriert der Name einen auch, sich an die großen Khadros der Vergangenheit zu erinnern, wie Yeshe Tsogyal und Machig Labdrön, sowie an Chagdud Rinpoches Mutter Delog Dawa Drolma und seine Schwester Trinle Wangmo, ein Typus einer wilden Dakini, der immer noch in Ost-Tibet lebt.

F: Was meinen Sie mit „wilder Dakini“? Was ist das Wesen und der Geschmack dieses weiblichen Prinzips im tibetischen Buddhismus?

CK: Dakinis führen die erleuchteten Aktivitäten des Gurus aus und nicht immer auf vorhersagbare Weise. Sie verkörpern selbstlose Spontaneität in ihrem Verhalten. Normalerweise denken wir bei Weiblich an Sanftmut, Fügsamkeit, Weichheit. Wir denken an die schönen Thangka-Bilder von Yeshe Tsogyal, die neben Guru Padmasambhava kniend sitzen und ihn mit Sehnsucht und Hingabe aufblicken, ihre Hände in Gebetsgeste. Aber wenn wir zwischen den Zeilen ihrer Geschichte lesen, finden wir ein sehr hartnäckiges Teenager-Mädchen, das den Wünschen ihrer Eltern widerspricht und ihre Bewerber verschmäht, alles Krieger in der Blüte ihrer Männlichkeit. Sie enttäuschte die konventionellen Erwartungen aller und sie waren ihr gegenüber ziemlich grausam. So süß ihre Stimme und ihre Persönlichkeit auch waren, ihr Willen war unbeugsam.
Als Padmasambhava nach Ngayab aufbrach, ließ er sie zurück, um die Schatztexte zu verbergen und ihre Dharma-Aktivitäten auf der Erde fortzusetzen. Dies ist einer der interessantesten Momente in ihrer Lebensgeschichte, weil wir erwarten würden, dass sie stoisch ausharrt. Stattdessen wirft sie sich traurig auf den Boden, zerreißt ihr Haar, kratzt sich das Gesicht und macht eine riesige Szene. Sie schreit zu ihm, dass er ihr einziges Herz ist, dass er zu wenig Mitleid hat, dass er eine schreckliche Sache macht, indem er geht. Als er am Himmel verschwindet, macht er ihr zwei letzte Vermächtnisse, aber sie weint weiter und ruft nach ihm. Mit der dritten Zuwendung entsteht endlich das absolute Vertrauen des absoluten Guru-Yoga in ihrem Herzen und sie erkennt die Illusion, zusammen oder vom Lehrer getrennt zu sein. Aber durch die spontane Weisheit ihres Verhaltens hat sie drei weitere Gaben von Guru Rinpoche, die sie zum Wohle der Wesen einsetzen kann.
Chagdud Rinpoches Mutter, die sehr schön, charmant und für ihr Mitleid beliebt war, war ebenfalls unberechenbar. Ich habe einen alten Mönch in Kham getroffen, der sich daran erinnert, wie sie seine Glocke nach ihm geworfen hat, als er während einer Zeremonie seinen Kangling zu heftig blies. Fünfzig Jahre später war dieser Moment für ihn noch lebhaft präsent.
Was Rinpoches Schwester anbelangt, so versuchten zweimal kommunistische Soldaten, sie hinzurichten. Einmal erzählten sie einer Gruppe Tibeter, Mao-Lobgesänge zu singen und sie begann Flüche zu rufen. Die Soldaten packten sie und zogen sie bis zur Taille aus. Eine von ihnen richtete seine Waffe auf ihr Herz und drückte ab. Der Schuß ging nicht los. Er versuchte es noch einmal und die Waffe schoss nicht. Dann schoss er in die Luft. Zufrieden, dass die Waffe schießen würde, feuerte er sie erneut ohne Erfolg an. Frustriert vor so vielen Zeugen warf er die Waffe auf den Boden und die Soldaten packten sie und schnappten sich Handschellen. Die Handschellen zerbrachen. Also zerrten sie sie ins Gefängnis und ließen sie am nächsten Morgen frei. Sie sagten: „Raus hier, du verrückte alte Frau!“
Sie ist in einem Moment heftig und lächelt im nächsten mit der Freude eines kleinen Kindes. Sie liebt Parfums und kleine Kugeln. Ich habe noch nie jemanden getroffen, dessen Gefühle so offensichtlich oder so wechselhaft waren. Sie hält ein ganzes Kloster von Mönchen verwirrt. Sie ist ihre Dakini und sie wollen sie glücklich machen, aber ihre Wünsche sind oft so seltsam. Einmal besuchte sie Tulku Arik, die ein großer Heiliger und sehr streng war. Er wollte sie nicht sehen, weil er sich auf dem Rückzug befand, aber schließlich erlaubte er ihr, hereinzukommen. Danach fragte ihn jemand, warum er aufgab. Verzweifelt antwortete er: „Was sollte ich tun, als Vajravarahi an meiner Tür ankam?“
Ich hatte die Gelegenheit, andere großartige Dakinis zu treffen, darunter Khandro Tsering Chödrön, Sogyal Rinpoches Tante. Sie hatte eine Eigenschaft von total transzendenter Süße und Schlichtheit. Dennoch liegt ihre wahre Dakini-Qualität im Glanz ihrer spirituellen Verwirklichung, nicht in einem Aspekt ihrer Persönlichkeit.
Machig Labdrön ist eine der berühmtesten historischen tibetischen Praktizierenden. Wie Sie wissen, war ihre Spezialität die mächtige Vajrayana-Praxis von Chö, die das Ego durchbrechen und zerstören soll.

F: Denken Sie, dass sich das Ego auf besondere Weise für Frauen manifestiert, oder dass das Ego einzigartige „weibliche“ Qualitäten hat, auf die westliche Frauen mehr Wert legen sollten?

CK: Ich bin mir nicht sicher, ob es besonders in Bezug auf Frauen ist. Wir alle, Männer und Frauen, haben die drei Gifte, den Samen unendlicher Verwirrung. Chagdud Tulku sagt seinen Schülern oft, dass das Giftigste in Beziehungen und in der Sangha Ressentiments sind, weil es die Interpretation selbst gewöhnlicher Ereignisse und Interaktionen verzerrt. Alles beginnt, unsere geheime Agenda der Missstände zu unterstützen. Ein anderes Sangha-Mitglied könnte aus Gründen, die völlig unsichtbar sind, in einer schlechten Stimmung sein, und wir nehmen es persönlich und schmoren in negativen Gedanken herum und vielleicht rächen wir uns, entweder durch direkte Konfrontation oder durch Sabotage hinter seinem Rücken. Es ist besser, weiser, es loszulassen, zu glauben, dass diese Person einen schlechten Tag hat, und wünscht ihr alles Gute. Vor allem in der Sangha, wo wir uns darum bemühen, sich zu Lebzeiten immer wieder als ein einziges Mandala zu treffen, müssen wir die gleiche Art von langfristiger Toleranz und Zuneigung pflegen, die Mitglieder einer großen Familie zueinander haben könnten.
Für Menschen, die sich in ihrem Leben entmachtet fühlen – und sicherlich viele Frauen -, ist es leicht, Ressentiments gegenüber der Autoritätsstruktur in einem Dharma-Zentrum zu entwickeln, unabhängig davon, ob diese Struktur überwiegend männlich oder weiblich ist. Ein Mann sagte Chagdud Rinpoche einmal, dass Rinpoches Aktivität im Westen florieren würde, dass er Tausende von Studenten haben würde, dass er überall Dharma-Zentren hätte, mit Ausnahme eines großen Hindernisses (eigentlich zwei Hindernisse): Tsering Everest, die Rinpoche später zum Lama ordinierte und mich. Dieser Mann betrachtete uns als ein Paar Dharma-Behinderer, Dämonen. Rinpoche hörte zu, aber er änderte nichts, weil er der Meinung war, dass unsere Motivation ziemlich gut ist, wenn auch nicht perfekt, und dass wir uns trotz unserer Mängel und Einschränkungen bemühen, seine Aktivitäten auszuführen.
Als ich hörte, was dieser Mann gesagt hatte, lachte ich zuerst, weil er Tsering und mich absurd groß gemacht hatte und wir das nicht sind. Später empfand ich mehr Mitgefühl, weil ich wusste, dass er durch seine Projektionen sehr frustriert war.
Sobald jemand versteht, dass die Wurzel der Erfahrung in seinem eigenen Geist liegt und der Geist selbst durch eine ganze Reihe brillanter praktischer Dharma-Methoden umgewandelt werden kann, kommt im Wesentlichen eine enorme Kraft aus diesem Verständnis. Diese Kraft hängt nicht von äußeren Umständen ab, nicht von gut oder schlecht. Wenn wir unsere eigene Meinung prüfen und die Methoden des Dharma anwenden, entwickeln wir keinen Rückstand der Gifte, weder Ressentiments noch irgendetwas anderes.

F: Hatten Sie Schwierigkeiten, die Rollen von Frau und Schülerin zu vereinbaren? Haben Sie das Gefühl, dass Sie Ihrem Mann eine ungerechte Macht über Sie gegeben haben, weil er auch Ihr Lehrer ist?

CK: Rinpoche und ich haben uns vor zwanzig Jahren kennengelernt. Natürlich gab es viele Phasen in unserer Beziehung, von denen einige besonders am Anfang schwierig waren. Ich traf ihn erst ein paar Monate, nachdem ich den buddhistischen Pfad betreten hatte, und obwohl ich sofort eine tiefe, intuitive Hingabe an ihn hatte, war ich sehr grob und fähig, echte Temperamente zu zeigen, und ich hatte sehr wenig Meditation. Trotzdem wusste ich von Anfang an, dass meine Beziehung zu Rinpoche keine gewöhnliche Beziehung sein würde, und das half bei allen folgenden Übergängen.
Wir hatten ungefähr vier Monate lang eine Art Lehrer-Schüler-Flitterwochen, bei denen ich scheinbar nichts falsch machte. Rinpoche hat mich nie kritisiert. Dann zogen wir in eine Phase von etwa vier Jahren, in der ich nichts richtig zu machen schien. Er hat mich ständig korrigiert. Im Schreinraum saß ich hinten. In Besprechungen habe ich nicht gesprochen. Wir hatten heftige Auseinandersetzungen und nicht immer privat. Ich bin sicher, dass es für andere schwer war, Zeugnis zu geben, aber für mich waren sie wie elektrische Stürme. Danach war die Atmosphäre wirklich sauber und ich kann ehrlich sagen, dass es keine Verbitterung gab. Wir würden zehn Minuten später lachen. Trotzdem ist es nicht so toll, den Lehrer zu provozieren. Rückblickend schätze ich Rinpoches Geduld zutiefst. Er war im Moment ziemlich zornig, aber er hat mich nicht losgelassen. Die Briten nennen jemanden manchmal „eine Arbeit“. Für Rinpoche war ich definitiv eine Arbeit.
Was innerlich geschah, war, dass eine Menge Konzepte und Gewohnheiten vernichtet wurden, insbesondere meine Selbstgerechtigkeit und harte Rede. Ich lernte, wie ich meine Motivation überprüfen kann, wie ich die Dinge über meine eigene Sichtweise hinaus betrachten kann, wie man geduldig ist und wartet, wie man in intensiven Situationen meditiert, wie man spricht und wie man zuhört. Ich lerne immer noch diese Dinge.
Nachdem ich mich in einer untergeordneten Position wohl gefühlt hatte, begann er mehr Autorität in mich zu investieren. Ich hatte etwas Widerstand – ein Teil von mir wollte, dass ich mich nur um Rinpoches Haus und Gäste kümmere, weil ich zuversichtlich in diese Fähigkeiten war und er mich im Haushalt und beim Kochen schätzte. Rinpoche meinte, ich hätte die Fähigkeit als Schriftsteller und jede andere Tätigkeit sollte sekundär sein. Er explodierte richtig: „Du tust nichts! Nur ein kleines bisschen Kochen und Putzen!“ Als sich sein Englisch besserte, wurde er redegewandter. Er dachte, ich würde mein primäres Talent vergeuden, um anderen zu helfen.
Was ich in dieser Zeit tatsächlich tat, war eine Menge Verwaltungsarbeit, bei der ich nicht besonders gut war. Ich wusste nicht, wie ich die Fähigkeiten anderer einbauen sollte, deshalb fühlte ich mich oft überfordert mit Arbeit, gereizt, zappelig und herrisch. Dann würde ich verzweifeln, meine scharfe Rede jemals zu unterwerfen, in der Lage zu sein, reibungslose Beziehungen in der Sangha aufrechtzuerhalten. Trotzdem bin ich froh, dass ich das durchgemacht habe, weil ich viel über die Verwaltung des Dharma-Zentrums gelernt habe und tiefes Verständnis für die Administratoren habe.
Als wir im Oktober 1988 von Oregon nach Kalifornien, Rigdzin Ling, zogen, wechselte meine Tätigkeit zur Verwaltung von Padma Publishing und zum Schreiben, was mir, wie Rinpoche vorausgesehen hatte, ein echtes Erfolgserlebnis gab. Als wir Ende 1995 nach Brasilien zogen, bedeutete dies eine weitere radikale Neudefinition. Ich hatte einen echten Verlust in Bezug auf Padma Publishing und das Übersetzungskomitee und auch auf meine alte Sangha. Ich hatte fünfzehn Jahre lang mit einigen dieser Leute geübt, und manchmal waren wir in Retreats wie ein Körper, keine Gruppe, ein absolut nahtloses Mandala. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das nochmal finden würde.
In Brasilien ermutigte mich Rinpoche, mehr zu unterrichten. Er gab mir die Ordination als Lama, dann die Erlaubnis, bestimmte Ermächtigungen zu erteilen. Ich hatte wieder Widerstand. Zu jeder Zeit scheint er eine größere Vorstellung von mir zu haben als ich über mich. Es stellt sich jedoch heraus, dass ich sehr gerne unterrichte. Ich arbeite sehr gerne mit einem Raum voller Menschen zusammen, insbesondere wenn sie eine Praxis lernen. Manchmal entsteht das Gefühl eines nahtlosen Mandalas. Was seine Macht in meinem Leben betrifft, hat er natürlich Macht. Es ist getestet, authentisch und ausschließlich zu meinem Vorteil. Ich hoffe, dass ich ihm diese Macht zu Lebzeiten übertragen kann.

F: Was glaubst du hat er damals in dir gesehen, was ihn dazu gebracht hat, dich zu heiraten?

CK: Er sagt, als er mich das erste Mal sah, war ich von roter Ausstrahlung umgeben und er dachte, ich könnte eine Ausstrahlung von Tara sein. Später scherzte er mit mir und sagte, er hätte vom roten Licht der Wut gewarnt werden sollen.
Ich glaube, er hat meine Hingabe erkannt und mein Herz war im Grunde gut. Und dass wir eine starke karmische Verbindung hatten – schließlich schlug ich vor, ein paar Wochen nach unserer Begegnung mit Rinpoche zu heiraten, was damals natürlich erschien, obwohl es mich jetzt erstaunt.

F: Wenn Sie auf Ihr Leben als Schülerin und spirituell Praktizierende zurückblicken, was betrachten Sie als die bedeutendste spirituelle Herausforderung, der Sie sich auf dem Weg stellen mussten?

CK: Zeiteinteilung. Es klingt wie ein Wirtschaftsjargon, hat aber eine wirkliche Bedeutung im Hinblick auf das Bodhisattva-Gelübde, bei dem jeder Moment für alle Wesen zu seinem höchsten Nutzen genutzt wird. Durch diese Maßnahme vergeude ich unglaublich viel Zeit und werde oft in unnötige Aufgaben verwandelt. Nur wenn ich reise und als Lama unterrichte, bleiben die Prioritäten klar.

F: Nun, da Sie als Lama, als spiritueller Lehrer anerkannt wurden, haben Sie das Gefühl, dass Sie eine viel größere Verantwortung haben?

CK: Ja. Es ist eine enorme Verantwortung, dass sich die Menschen in irgendeiner Weise spirituell auf mich verlassen, und ich habe ein zunehmendes Gefühl der Dringlichkeit, tiefer gehende Ebenen der Praxis zu erreichen.

F: Derzeit wird in der Dharma-Welt viel über die Überleitung des Dharmas vom Osten in den Westen diskutiert. Wie ist Ihre Meinung?

CK: Wissen Sie, meine Gefühle in Bezug auf die Überleitung des Dharmas in den Westen hängen so sehr davon ab, durch welche Linse ich blicke. Wenn ich einige der Dharma-Magazine hernehme und die in Artikeln und Briefen geführten Debatten lese, scheint es manchmal so, als würden wir in strittige Fraktionen geraten. Aber wenn ich Padmasambhavas Biografie lese und darüber nachdenke, wie schwierig es war, das Vajrayana in Tibet einzuführen, über die Feindseligkeit und die subtilen Verzerrungen, die zu bewältigen waren, bin ich ziemlich optimistisch, wie sich die Lehren im Westen etablieren werden. Unsere Probleme sind nicht so groß wie in Tibet oder sogar in Indien.
Meistens bemerke ich den Einfluss der Lehren auf den Geist des Einzelnen im Dharma. Menschen treten mit unterschiedlichem Grad an Bereitschaft ein, basierend auf ihrer vorherigen spirituellen Entwicklung, in diesem Leben und in vergangenen Leben. Einige kämpfen darum, enorme Negativität zu reinigen und müssen auf ihrem spirituellen Weg viele Zyklen der Verwirrung durchlaufen. Jede Steigerung von Mitgefühl und innerem Frieden ist ein persönlicher Triumph. Andere Menschen hören nur einmal hohe Lehren und die Worte schwingen mit einem Wissen, das bis dahin in ihrem Geistesstrom schlummerte. Wenn dieses Wissen angeregt wird, entwickeln sie sich sehr schnell, wenn sie einen qualifizierten Lehrer finden, der sie leitet. Da ich in verschiedenen Entwicklungsstadien mit westlichen Praktizierenden eingebunden bin, empfinde ich sehr viel Freude darüber. Wenn Menschen wegfallen oder falsche Umwege unternehmen, bete ich, dass sie nicht verloren gehen, dass ihre Verbindung sie letztendlich aus dem Meer von Samsara zieht. Wir können niemanden aufgeben.
Die Abkürzung im Buddhadharma ist Guru Yoga. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass jeder buddhistische Praktizierende die Lehrer findet, mit denen er oder sie eine karmische Verbindung hat. Natürlich gibt es einige falsche Lehrer im Dharma und einige Missstände in den Lehrer-Schüler-Beziehungen. Dies bedeutet, dass wir unsere Verbindung mit einem Lehrer gründlich untersuchen sollten, bevor wir uns voll und ganz verpflichten, und nicht, dass wir unseren Ängsten erlauben, uns von den Wegen zur Befreiung abzuschneiden.
Diejenigen, die die primäre Wichtigkeit eines Lehrers leugnen, können nur unwissend sein, was eine authentische Lehrer-Schüler-Beziehung ist. Durch Guru Yoga entwickelt sich das intellektuelle Verständnis zu einer meditativen Verwirklichung, und vorübergehende meditative Erfahrungen entwickeln sich zur Anerkennung der absoluten Natur des Geistes. Entlang dieses Entwicklungsverlaufs blüht der Glaube. Wir sehen, dass die größten Lamas die größte Hingabe an ihre Gurus zeigen.


Ein Interview von Barbara Lepani mit Chagdud Khadro. Das englische Original ist hier auf Rigpa Wiki nachzulesen. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. März 2019

Lemon Tendrel – Tshog-Lied

Lemon Tendrel – ein spirituelles Lied der Versammlung aus den gesammelten Werken des Jigme Lingpa ist hierin enthalten. 

Auf dem wunscherfüllenden Baum des guten Karmas verbunden mit Gebeten ist der jugendliche Pfau aus dem Osten Indiens erschienen. 

Wendet Eure Pfauenschwanzfedern in Richtung der heiligen Lehren, sodass wir Junge auf den Pfad der Befreiung gelangen können. 

Im Streitwagen der Königin der Quelle des Verdienstes ertönt die melodische Stimme des Kuckucks aus Lhomön mit einem Lied süßer als die Flöte der Töchter Gandharvas, was einen guten Sommer kündet. 

Vajra-Brüder und –Schwestern sind hier aufgrund guten Karmas und Gebete versammelt, bitte kommt an diesen heiligen Ort unseres Gurus. 

Durch dieses Fest der Freude, des Trinkens des Nektars des Reifens und Befreiens, wird diese erfreuliche Erfahrung der angeborenen Qualitäten in einem Lied ausgedrückt. 

Inmitten der Reihen der unveränderlichen großen Glückseligkeit haben wir die Weisheitsgottheit und unseres Gurus Gesicht gesehen, ohne sie zu meditieren. 

Durch den spirituellen Pfad des klar-lichten Herztropfens der Mutter und der Dakinis mögen wir die Verwirklichung des Dharmakaya-Regenbogenkörpers erlangen. 


༄༅། །ཚོགས་གླུ་རྡོ་རྗེའི་གསུང་བྱིན་རླབས་ཅན་བཞུགས་སོ། །ལས་སྨོན་རྟེན་འབྲེལ་དཔག་བསམ་ལྗོན་ཤིང་གི་སྟེང་དུ། །རྒྱ་གར་ཤར་གྱི་རྨ་བྱ་གཞོན་ནུ་ཡང་ཕེབས་བྱུང༌། །རྨ་བྱའི་གདུགས་སྐོར་དམ་པའི་ཆོས་ཕྱོགས་ལ་བསྒྱུར་དང༌། །གཞོན་པ་ང་ཚོས་ཐར་པའི་ལམ་སྣ་ཞིག་ཟིན་ཡོང༌། །བསོད་ནམས་དཔྱིད་ཀྱི་རྒྱལ་མོའི་ཤིང་རྟ་ལ་ཕེབས་པའི། །ལྷོ་མོན་ཤིང་ལོའི་ཚལ་གྱི་ཁུ་བྱུག་གི་གསུང་སྙན། །ཡ་གི་དྲི་ཟའི་བུ་མོའི་གླིང་བུ་ལས་སྙན་པ། །དབྱར་གསུམ་ནམ་ཟླ་བསྲོ་བའི་རྟེན་འབྲེལ་ལ་ཡག་བྱུང༌། །འདིར་འདུས་ལས་སྨོན་མཐུན་པའི་རྡོ་རྗེའི་དང་སྤུན་གྲོགས། །ང་ཚོའི་བླ་མ་བཞུགས་པའི་ཆོས་ར་ལ་ཕེབས་དང༌། །སྨིན་གྲོལ་བདུད་རྩི་འཐུང་བའི་དགའ་སྟོན་གྱི་ངང་ནས། །ཉམས་དགའ་གླུ་རུ་ལེན་པའི་ཁྱད་ཆོས་ཤིག་ཡོད་དོ། །བདེ་ཆེན་འཕོ་འགྱུར་མེད་པའི་བཞུགས་གྲལ་གྱི་དབུས་ནས། །ལྷ་དང་བླ་མའི་ཞལ་རས་མ་བསྒོམས་ཀྱང་མཐོང་བྱུང༌། །མ་དང་མཁའ་འགྲོའི་སྙིང་ཏིག་འོད་གསལ་གྱི་ཐེག་པས། །འཇའ་ལུས་ཆོས་སྐུར་འགྲུབ་པའི་དངོས་གྲུབ་ཅིག་ཞུའོ། །འཇིགས་གླིང་གསུམ་འབུམ་ཏ་པར་རྣམ་ཐར་ལེགས་བྱས་ཡོངས་འདུའི་སྙེ་མ་ལས་ཁོལ་དུ་ཕྱུང་བའོ། །དགེའོ། །དགེའོ། །


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. März 2019

Die ursprüngliche Natur

Als Menschen operieren wir auf der Ebene der verwirrten relativen Erscheinungen, machen Unterschiede und nehmen Dinge als gut oder schlecht, hilfreich oder schädlich, wahr oder falsch wahr. Aber all diese Begriffe und Urteile stammen aus unserer Vorstellungskraft. Die relative Wahrheit des Erscheinungsbildes der Dinge mag in unserer gegenwärtigen Situation zutreffend sein, ist aber nicht die absolute Wahrheit der wirklichen Dinge.

Im natürlichen Zustand der Realität sind alle Dinge gleich. Der natürliche Zustand ist jenseits unserer Ideen und sogar außerhalb unserer Vorstellungskraft. Aus der Perspektive des natürlichen Zustands sind alle unsere Pläne und Handlungen nur imaginär wie das Spiel von Kindern, das mit der Realität nichts zu tun hat. Wenn wir erst einmal die wahre Natur der relativen Ebene verstanden haben, können wir die absolute Ebene erreichen, die Erleuchtung ist. Wenn wir die Weisheit des selbst geborenen Bewusstseins vollständig erkennen, werden wir zu Buddhas, die im Zustand des Nirvana befreit werden.

Im normalen Bewusstsein arbeiten wir auf der Grundlage von Gewohnheiten. Wenn man sich jedoch weiterhin an gewohnheitsmäßige Muster hält, wird dies nicht zur Erleuchtung führen. Wir werden nur dieselben bleiben und niemals ein höheres Verständnis erreichen. Unser gegenwärtiger Geist ist wie ein Nest aus subtilen und groben Gedanken. Wir denken in Bezug auf Subjekte und Objekte, innen und außen. Wir beurteilen ständig Menschen und Situationen und betrachten sie als schön oder hässlich, angenehm oder unangenehm, richtig oder falsch.

Wer trifft all diese Entscheidungen und Urteile? Wir könnten sagen: „Ich habe das getan, ich habe das gefühlt.“ Aber was ist das „Ich“? Wo ist es? Wer macht all das Analysieren und Unterscheiden? Um das herauszufinden, müssen wir den Geist betrachten. Es ist der Geist, der dieses Analysieren und Unterscheiden vornimmt.

Wenn wir den Geist sorgfältig betrachten, beginnen wir, seine Natur zu verstehen. Wenn wir nach dem Geist suchen, entdecken wir, wie schwer es ist, ihn zu finden. Wir können ihn nicht in unsere Hände legen. Wir können ihn oder seine Natur nicht sehen. Der Geist ist eine riesige Leere, die Shunyata oder große Leerheit genannt wird. Die Natur der Leerheit bedeutet nicht, dass es sich um ein leeres oder schwarzes Loch handelt. Der Geist hat viele schöne Eigenschaften wie Klarheit und Weisheit, doch diese Eigenschaften sind untrennbar mit der Leerheit verbunden.

Leerheit ist nicht dasselbe wie Nichtexistenz, die in der buddhistischen Philosophie durch Unmöglichkeiten wie die Hörner eines Kaninchens oder das Kind einer unfruchtbaren Frau symbolisiert wird. Die Realität des Geistes ist Leerheit, doch der Geist reflektiert und strahlt Bewusstsein in alle Richtungen aus. In den Dzogchen-Lehren hat Buddha Shakyamuni gelehrt, dass die Natur des Geistes Klarheit und Weite ist und dass er immer erleuchtet ist. Es ist offener als der Raum, klarer als Kristall, heller als die Sonne. Unser Geist ist jedoch normalerweise sehr aktiv und voller verwirrter Gedanken. Wenn wir nur eine Minute lang auf den Geist schauen, können wir sehen, wie er in verschiedene Richtungen wandert, wie ein betrunkener Elefant herumstreift oder wie ein unruhiger Affe von Baum zu Baum springt. Die relative Natur des Geistes erscheint beständig als geistige Aktivität.

Verschiedene Arten von äußeren Objekten lösen unterschiedliche mentale Reaktionen aus. Alle unsere Reaktionen lassen sich in drei Hauptkategorien zusammenfassen: Glücksgefühle, Leidensgefühle und neutrale Gefühle. Wenn wir einmal ein Gefühl des Glücks erlebt haben, möchten wir eine ähnliche Erfahrung machen, dann eine dritte und eine vierte und eine fünfte und eine sechste. Es gibt kein Ende und keine Zufriedenheit. Wir wollen einfach mehr und mehr, und wir bemühen uns, es immer wieder zu erreichen. Das ist Anhaftung. Dann wird es unvermeidlich Zeiten geben, in denen wir das Gegenteil von Glück erfahren. Leiden und negative Emotionen entstehen und wir erleben Ärger darüber, dass etwas unser Glück stört. Dies hat auch kein Ende. Es wiederholt sich immer und immer wieder. Wenn wir an angenehmen Gefühlen hängen, bauen wir gleichzeitig andere Bindungen auf. Wenn wir Glück erfahren, kann dies gleichzeitig zu Stolz oder Eifersucht führen. Alle Gedanken und Gefühle werden durch ein System von Ursache und Wirkung entwickelt. Die Wirkung einer Ursache wird zur Ursache der nächsten Wirkung und so weiter.

Erfahrungen und Gefühle kommen aus dem Geist. Unsere verwirrten Erfahrungen werden verschwinden, wenn wir den Geist im natürlichen Zustand erhalten. Erleuchtung bewahrt einfach den Geist in seiner eigenen Klarheit und Leere. Es ähnelt dem schlammigen Wasser, das klar wird, wenn es alleine gelassen wird. Es ist nichts Besonderes erforderlich, um die wahre Natur des Geistes zu enthüllen. Man verweilt einfach im natürlichen Zustand. Es gibt nichts zu tun, außer sitzen und entspannen.

Wenn wir aktiv sind, erzeugen wir mehr Gedanken und befinden uns in einem endlosen Kreis des Denkens und Fühlens. Wenn wir meditieren, hören wir auf, dieses Rad zu drehen. Aus der Perspektive des natürlichen Zustands können wir sehen, dass unsere Welt durch unsere Gedanken geschaffen wird. Alles, was wir wissen, einfach durch unser Wissen, wird vom Geist geschaffen. Zum Beispiel folgen wir in unserem Alltag verschiedenen Verhaltensstandards. Jemand könnte sagen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht angemessen ist. Dies bedeutet einfach, dass das Verhalten nicht dem gewohnten Denken dieser Person entspricht. Alle Verhaltensregeln sind lediglich Schöpfungen des Geistes der Menschen.

Konzeptionelles Denken beruht auf gewohnheitsmäßigen Mustern. Die Gewohnheiten, die wir wiederholen, umkreisen einen immer und immer wieder. Welche Gewohnheiten in diesem Leben gelernt werden, wird sich in zukünftigen Leben widerspiegeln. Sie werden im Geist aufrechterhalten. Was auch immer einen als Kind Wohlgefühlte bereitete, wurde zu gewohnheitsmäßigen Mustern geformt, die sich jetzt fortsetzen, da man erwachsen ist. Die Gewohnheiten, die wir in unserem Geist begründen, spiegeln sich in unserem Verhalten wider. Im Buddhismus ist dies als Gesetz der karmischen Ursache und Wirkung bekannt.

Es gibt verschiedene Ebenen des Geistes. Wir haben fünf Aspekte des Bewusstseins: das Augenbewusstsein, das Ohrenbewusstsein, das Nasenbewusstsein, das Zungenbewusstsein und das Körperbewusstsein. Die fünf Sinnesbewusstsein beziehen sich auf die fünf Sinnesorgane. Sie nehmen nur die fünf Arten von Wahrnehmungen auf.

Hinter den Sinnen haben wir das mentale Bewusstsein. Das mentale Bewusstsein analysiert die Wahrnehmungen der Sinne. Zum Beispiel bringt das Augenbewusstsein das, was es sieht, in den Geist, und der Geist analysiert es und unterscheidet in Bezug auf gut, schlecht oder neutral. Das Gleiche gilt für die Wahrnehmung von Ohr, Nase, Zunge und Körper. Das Geistesbewusstsein analysiert auch Wahrnehmungen in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Ebene des Geistes, auf der die Gewohnheiten gespeichert sind, wird als Alaya oder Unterbewusstsein bezeichnet. Alle unsere Aktivitäten und Geisteszustände verlassen sich auf dieses unterbewusste Speicherbewusstsein, das wie das Meer sehr tief und subtil ist. Alle Gedanken entstehen aus diesem Zustand und gehen in diesen Zustand zurück. Im Tiefschlaf lösen sich die sechs Bewusstseine wieder in der Alaya auf und wir haben dann keine Träume. Im leichten Schlaf treten Träume auf und wenn wir erwachen, manifestieren sich unsere Gedanken erneut.

Hinter dem Alaya liegt eine große Leerheit, die wahre Natur. Die Leerheit ist die Quelle aller geistigen Aktivität und alle Bewegungen des Geistes werden von der Urwahrnehmung durchdrungen. Die ursprüngliche Natur des Geistes ist nicht getrennt von den relativen Phänomenen, die wir jetzt wahrnehmen. Es ist nicht so, dass die ursprüngliche Natur gut und die relative Natur schlecht ist. Sie sind zwei Seiten der Natur des Geistes. Wenn das Bewusstsein nur auf regelmäßige Gedanken fokussiert ist, sind wir uns der ursprünglichen Natur nicht bewusst und diese Einseitigkeit verhindert, dass die Dinge wirklich verstanden werden.

Die wahre Natur des Geistes ist jenseits von Vorstellungen, jedoch ist sie in jedem Objekt vorhanden. Die wahre Natur ist immer da, aber aufgrund unserer vorübergehenden Verschleierung erkennen wir sie nicht. Aus der Sicht des Dzogchen sind Samsara und Nirvana gleich. Wir können einen Aspekt nicht ablehnen und den anderen akzeptieren, da sowohl Samsara als auch Nirvana Manifestationen der wahren Natur des Bewusstseins sind.

Buddha Shakyamuni lehrte, dass diese Welt aus der grundlegenden Natur stammt. Ob wir die grundlegende Natur erkennen oder nicht, ob unsere Handlungen auf diesem Verständnis basieren oder nicht, wir sind niemals von der grundlegenden Natur getrennt.

Die ursprüngliche Natur liegt jenseits aller Begriffe. Es ist der Anfang des Geistes und das Ende des Geistes. Wir haben es schon. Wir brauchen nichts weiter. Der Buddha und andere große Meister lehrten, dass es äußerlich nichts zu erwerben gibt. Es ist nur eine Frage der Arbeit, um herauszufinden, was wir bereits haben. Im Prajnaparamita-Sutra lehrte der Buddha, dass es nichts zu erlangen und nichts zu verlieren gibt. Wir haben bereits Erleuchtung, aber wir müssen sie persönlich realisieren.


Von Khenchen Palden Sherab Rinpoche & Khenpo Tsewang Dongyal Rinpoche; aus „The Buddhist Path – A Practical Guide from the Nyingma Tradition of Tibetan Buddhism“). Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. März 2019

Das edle Mahayana Sutra des abhängigen Entstehens

In indischer Sprache: arya pratitya samutpada nama mahayana sutra

In tibetischer Sprache: ‚phags pa rten cing ‚brel par ‚byung ba zhes bya ba theg pa chen po’i mdo/

Verehrung allen Buddhas und Bodhisattvas!

So habe ich es einst gehört. Der Gesegnete weilte im Reich der dreiunddreißig Götter auf dem Thron von Indra. Bei ihm waren große Shravakas wie der ehrwürdige Ashvajit, ebenso Bodhisattvas Mahasattvas wie der edle Maitreya, der edle Avalokiteshvara und der Vajrapani, die mit unermesslichen kostbaren Qualitäten geschmückt waren, sowie verschiedene Götter, wie der große Brahma, der der Herr der Sahaja-Welt ist, Narayana, der große Ivara, Shakra, der Oberste der Götter, und Pancashikha, der König der Gandharvas.

Bei dieser Gelegenheit erhob sich der Bodhisattva Mahasattva Avalokiteshvara von seinem Sitz. Nachdem er sein Obergewand über eine Schulter gehängt hatte, kniete er mit dem rechten Knie auf dem Gipfel des Berges Meru nieder. Seine Handflächen zusammengelegt, verneigte er sich vor dem Erhabenen und wandte sich an ihn:

„Gesegneter, diese Götter möchten wirklich einen Stupa bauen. Da sie nun in diesem Gefolge anwesend sind, lehre sie den Dharma, sodass ihr Verdienst von Brahma erhöht wird und der Verdienst der Mönche, Nonnen und Laien weitaus mehr wird als das aller Arten von Wesen in der Welt der Götter, Mahas und Brahmas, einschließlich der Entsagenden und Brahmanen.“

An dieser Stelle sprach der Erhabene die Verse des abhängigen Entstehens:

ye dharma hetuprabhava hetum tesam tathagato hyavadat tesam ca yo nirodha evam vadi maha shramanah


„Alle Phänomene entstehen aus Ursachen, ihre Ursache hat der Tathagatha gelehrt und auch ihre Beendigung. So hat der Große Entsagende es verkündet.“

Buddha Shakyamuni

„Avalokiteshvara, das ist genau so. Dieses abhängige Entstehen ist der Dharmakaya aller Tathagatas. Eine Person, die abhängiges Entstehen sieht, sieht den Tathagata. Avalokiteshvara, wenn ein vertrauensvoller Sohn oder eine vertrauensvolle Tochter einer edlen Familie an einem abgelegenen Ort einen Stupa von der Größe einer Stachelbeerfrucht mit einer Mittelsäule von der Größe einer Nadel und einem Sonnenschirm von der Größe einer Blume des Bakula-Baums baut und diesen Vers des abhängigen Aufkommens einfügt, welcher der Dharmadhatu ist, dann wird er oder sie den Verdienst gleich wie Brahma erzeugen. Wenn eine solche Personen hier dahinscheiden und sterben wird, wird sie in der Welt von Brahma wiedergeboren. Wenn sie dort dahinscheiden und sterben wird, wird sie mit einem Glück wiedergeboren, das dem der Götter der Reinen Länder gleicht.“

Nachdem der Erhabene so gesprochen hatte, freuten sich die Shravakas, Bodhisattvas, die gesamte Versammlung und das Universum von Göttern, Menschen, Asuras und Gandharvas und priesen seine Worte.


།།རྒྱ་གར་སྐད་དུ། ཨཱརྱ་པྲ་ཏཱི་ཏྱ་ས་མུཏ་པཱ་ར་ད་ནཱ་མ་མ་ཧཱ་ཡཱ་ན་སཱུ་ཏྲ། བོད་སྐད་དུ། འཕགས་པ་རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་པར་འབྱུང་བ་ཞེས་བྱ་བ་ཐེག་པ་ཆེན་པོའི་མདོ། སངས་རྒྱས་དང་། བྱང་ཆུབ་སེམས་དཔའ་ཐམས་ཅད་ལ་ཕྱག་འཚལ་ལོ། །འདི་སྐད་བདག་གིས་ཐོས་པའི་དུས་གཅིག་ན། བཅོམ་ལྡན་འདས་སུམ་ཅུ་རྩ་གསུམ་གྱི་ལྷའི་ནང་ན། ཨར་མོ་ནི་ག་ལྟ་བུའི་རྡོ་ལེབ་ལ་རྟ་ཐུལ་ལ་སོགས་པ་ཉན་ཐོས་ཆེན་པོ་རྣམས་དང་། འཕགས་པ་བྱམས་པ་དང་། འཕགས་པ་སྤྱན་རས་གཟིགས་དབང་ཕྱུག་དང།་ལག་ན་རྡོ་རྗེ་ལ་སོགས་པ་བྱང་ཆུབ་སེམས་དཔའ་སེམས་དཔའ་ཆེན་པོ་ཡོན་ཏན་རིན་པོ་ཆེ་དཔག་ཏུ་མེད་པས་བརྒྱན་པ་རྣམས་དང་། མི་མཇེད་ཀྱི་བདག་པོ་ཚངས་པ་ཆེན་པོ་དང་། སྲེད་མེད་ཀྱི་བུ་དང་། དབང་ཕྱུག་ཆེན་པོ་ལ་སོགས་པ་ལྷ་རྣམས་དང་། ལྷའི་དབང་པོ་བརྒྱ་བྱིན་དང་། དྲི་ཟའི་རྒྱལ་པོ་གཙུག་ཕུད་ལྔ་པ་དང་ཐབས་གཅིག་ཏུ་བཞུགས་ཏེ། དེ་ནས་བྱང་ཆུབ་སེམས་དཔའ་སེམས་དཔའ་ཆེན་པོ་སྤྱན་རས་གཟིགས་དབང་ཕྱུག་སྟན་ལས་ལངས་ཏེ་བླ་གོས་ཕྲག་པ་གཅིག་ཏུ་གཟར་ནས་པུས་མོ་གཡས་པའི་ལྷ་ང་རི་རབ་ཀྱི་རྩེ་མོ་ལ་བཙུགས་ཏེ། བཅོམ་ལྡན་འདས་ག་ལ་བ་དེ་ལོགས་སུ་ཐལ་མོ་སྦྱར་བ་བཏུད་ནས་བཅོམ་ལྡན་འདས་ལ་འདི་སྐད་ཅེས་གསོལ་ཏོ། །བཅོམ་ལྡན་འདས། ལྷ་འདི་དག་ནི་མཆོད་རྟེན་བགྱིད་པར་འཚལ་བ་ཤ་སྟག་སྟེ། འཁོར་གྱི་དཀྱིལ་འཁོར་འདིར་མཆིས་ན། ཅི་ནས་ཚངས་པའི་བསོད་ནམས་འཕེལ་བ་དང་། ལྷ་དང་བཅས་པ། བདུད་དང་བཅས་པ། ཚངས་པ་དང་བཅས་པའི་འཇིག་རྟེན་ན་དགེ་སྦྱོང་དང་བྲམ་ཟེར་བཅས་པའི་སྐྱེ་དགུ་ལས་དགེ་སློང་དང་། དགེ་སློང་མ་དང་། དགེ་བསྙེན་དང་། དགེ་བསྙེན་མ་དག་བསོད་ནམས་ཤིན་ཏུ་མང་དུ་འཕེལ་བར་འགྱུར་བ་དེ་ལྟ་དེ་ལྟར་བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་དེ་དག་ལ་ཆོས་བསྟན་དུ་གསོལ། དེ་ནས་བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་བར་འབྱུང་བའི་ཚིགས་སུ་བཅད་པ་བཀའ་སྩལ་པ། ཡེ་དྷརྨཱ་ཧེ་ཏུ་པྲ་བྷ་བཱ་ཧེ་ཏུནྟེ་ཥཱན་ཏ་ཐཱ་ག་ཏོ་ཧྱ་བ་དཏ། ཏེ་ཥཱཉྩ་ཡོ་ནི་རོ་དྷ་ཨེ་བཾ་བཱ་དཱི་མ་ཧཱ་ཤྲ་མཎ། ཆོས་གང་རྒྱུ་བྱུང་དེ་དག་གི་།རྒྱུ་དང་དེ་འགོག་གང་ཡིན་པའང་། །དེ་བཞིན་གཤེགས་པས་བཀའ་སྩལ་ཏེ། །དགེ་སྦྱོང་ཆེན་པོས་དེ་སྐད་གསུངས། །སྤྱན་རས་གཟིགས་དབང་ཕྱུག །འདི་ལྟ་སྟེ། རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་པར་འབྱུང་བ་འདི་ནི་དེ་བཞིན་གཤེགས་པ་རྣམས་ཀྱི་ཆོས་ཀྱི་སྐུ་ཡིན་ཏེ། སུས་རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་བར་འབྱུང་བ་མཐོང་བ་དེས་དེ་བཞིན་གཤེགས་པ་མཐོང་ངོ་། །སྤྱན་རས་གཟིགས་དབང་ཕྱུག །རིགས་ཀྱི་བུའམ། རིགས་ཀྱི་བུ་མདོ་དད་པ་ཅན་གང་ལ་ལ་ཞིག་གིས་མི་གནས་པའི་ཕྱོགས་སུ་མཆོད་རྟེན་ནི་སྐྱུ་རུ་རའི་འབྲུ་ཙམ། སྲོག་ཤིང་ནི་ཁབ་ཙམ། གདུགས་ནི་བ་ཀུ་ལའི་མེ་ཏོག་ཙམ་ཞིག་བྱས་ལ། རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་བར་འབྱུང་བ་ཆོས་ཀྱི་དབྱིངས་ཀྱི་ཚིགས་སུ་བཅད་པ་ནང་དུ་བཅུག་ན་དེ་ཚངས་པའི་བསོད་ནམས་བསྐྱེད་པར་འགྱུར་ཏེ། འདི་ནས་ཤི་འཕོས་ཤིང་འཆི་བའི་དུས་བྱས་ནས་ཚངས་པའི་འཇིག་རྟེན་དག་ཏུ་སྐྱེ་བར་འགྱུར་རོ། །དེ་ནས་ཤི་འཕོས་ཏེ་འཆི་བའི་དུས་བྱས་ནས་གནས་གཙང་མའི་རིས་ཀྱི་ལྷ་རྣམས་དང་སྐལ་བ་མཉམ་པར་སྐྱེ་བར་འགྱུར་རོ། །བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་དེ་སྐད་ཅེས་བཀའ་སྩལ་ནས་ཉན་ཐོས་དེ་དག་དང་། བྱང་ཆུབ་སེམས་དཔའ་དེ་དག་དང་། ཐམས་ཅད་དང་ལྡན་པའི་འཁོར་དེ་དག་།ལྷ་དང་། མི་དང་། ལྷ་མ་ཡིན་དང་། དྲི་ཟར་བཅས་པའི་འཇིག་རྟེན་ཡི་རངས་ཏེ། བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་གསུངས་པ་མངོན་པར་བསྟོད་དོ། །འཕགས་པ་རྟེན་ཅིང་འབྲེལ་བར་འབྱུང་བ་ཞེས་བྱ་བ་ཐེག་པ་ཆེན་པོའི་མདོ་རྫོགས་སོ།། །།རྒྱ་གར་གྱི་མཁན་པོ་སུ་རེནྡྲ་བོ་དྷི་དང་། ཞུས་ཆེན་གྱི་ལོ་ཙཱ་བནྡེ་ཡེ་ཤེས་སྡེས་བསྒྱུར་ཅིང་ཞུས་ཏེ་གཏན་ལ་ཕབ་པ།། །།


Möge es von Nutzen sein! Sarva Mangalam!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. März 2019

Das Sutra des dreifachen Trainings

In indischer Sprache: Shikshatrayamasutra
In tibetischer Sprache: bslab pa gsum gyi mdo zhes bya ba//

Verehrung allen Buddhas und Bodhisattvas!

So habe ich einst gehört. Als der Bhagavan im Land von Vriji wanderte, erreichte er das Dorf Kutigramaka und ließ sich im Norden dieses Dorfes in einem Wäldchen von Salbäumen mit einer großen Gemeinschaft von Mönchen nieder. Daraufhin lehrte der Bhagavan den Mönchen folgendes:

„Das, oh Mönche, ist Disziplin. Das ist meditative Konzentration. Das ist Weisheit. Mönche, das Training in Disziplin führt dazu, dass man lange Zeit in meditativer Konzentration bleibt. Wenn man sich in meditativer Konzentration übt, wird man Weisheit erlangen. Wenn man sich in Weisheit schult, wird der Geist vollständig von Verlangen, Ärger und Ignoranz befreit. Auf diese Weise wird ein edler Shravaka (Hörer), der einen völlig befreiten Geist hat, genau wissen: ‚Meine Verunreinigungen haben aufgehört. Ich habe das erhabene Leben gelebt. Was zu tun war, wurde getan. Von jetzt an werde ich keine weitere Existenz kennen.‘“

Nachdem der Bhagavan so gesprochen hatte, freuten sich die Mönche und lobten die Worte des Bhagavan. Damit ist das Sutra des dreifachen Trainings abgeschlossen.


།།རྒྱ་གར་སྐད་དུ། ཤཱི་ཀྵ་ཏྲ་ཡ་ནཱ་མ་སཱུ་ཏྲ། བོད་སྐད་དུ། བསླབ་པ་གསུམ་གྱི་མདོ་ཞེས་བྱ་བ། སངས་རྒྱས་དང །བྱང་ཆུབ་སེམས་དཔའ་ཐམས་ཅད་ལ་ཕྱག་འཚལ་ལོ།

།འདི་སྐད་བདག་གིས་ཐོས་པ་དུས་གཅིག་ན། བཅོམ་ལྡན་འདས་ཡུལ་སྤོང་བྱེད་ན། ལྗོངས་རྒྱུ་ཞིང་གཤེགས་པ་དང། གྲོང་སྤྱིལ་བུ་ཅན་དུ་བྱོན་ཏེ། གྲོང་སྤྱིལ་བུ་ཅན་གྱི་གྲོང་གི་བྱང་ཕྱོགས་ཀྱི་ཤིང་སཱ་ལའི་ཚལ་ན། དགེ་སློང་གི་དགེ་འདུན་ཆེན་པོ་དང་ཐབས་གཅིག་ཏུ་བཞུགས་སོ། །དེ་ནས་བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་དགེ་སློང་རྣམས་ལ་བཀའ་སྩལ་པ། དགེ་སློང་དག་།འདི་དག་ནི་ཚུལ་ཁྲིམས་ཡིན་ནོ། །འདི་ནི་ཏིང་ངེ་འཛིན་ཡིན་ནོ། །འདི་ནི་ཤེས་རབ་ཡིན་ནོ། །དགེ་སློང་དག་།ཚུལ་ཁྲིམས་ལ་གོམས་པར་བྱས་ན། ཏིང་ངེ་འཛིན་ལ་ཡུན་རིང་དུ་གནས་པར་འགྱུར་རོ། །ཏིང་ངེ་འཛིན་ལ་གོམས་པར་བྱས་ན། ཤེས་རབ་ཐོབ་པར་འགྱུར། ཤེས་རབ་ལ་གོམས་པར་བྱས་ན། འདི་ལྟ་སྟེ། འདོད་ཆགས་དང་། ཞེ་སྡང་དང་། གཏི་མུག་དག་ལས་སེམས་ཡང་དག་པ་ཁོ་ནར་རྣམ་པར་གྲོལ་བར་འགྱུར་རོ། །དེ་ལྟར་སེམས་ཡང་དག་པ་ཁོ་ནར་རྣམ་པར་གྲོལ་བའི་འཕགས་པའི་ཉན་ཐོས་ཀྱིས་ནི་བདག་གི་ཟག་པ་འདི་ཟད་དོ། །ཚངས་པར་སྤྱོད་པ་ནི་བསྟེན་ཏོ། །བྱ་བ་ནི་བྱས་སོ། །འདི་ལས་སྲིད་པ་གཞན་མི་ཤེས་སོ་ཞེས་ཡང་དག་པ་ཁོ་ནར་ཤེས་པར་འགྱུར་རོ། །བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་དེ་སྐད་ཅེས་བཀའ་སྩལ་ནས་དགེ་སློང་དེ་དག་ཡི་རངས་ཏེ། བཅོམ་ལྡན་འདས་ཀྱིས་གསུངས་པ་ལ་མངོན་པར་བསྟོད་དོ། །བསླབ་པ་གསུམ་གྱི་མདོ་རྫོགས་སོ།། །།


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019), verglichen mit der Übersetzung von 84.000.co. Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. März 2019

Äußere, innere und geheime Hindernisse

Eine Erklärung zu äußeren, inneren und geheimen Hindernissen basieren auf dem Barche Künsel – dem Gebet zu Guru Rinpoche, das Hindernisse auf dem Pfad beseitigt.

Von Gyatrul Rinpoche

པྱི་ནང་གསང་བའི་བར་ཆད་ཞི་བ་དང༔
Mögen dadurch alle Hindernisse – äußere, innere und verborgene – beseitigt [sein] und …

Wann immer man sich am Übungsweg betätigt, gibt es gegenteilige Bedingungen, die entstehen. Das ist eine natürliche Sache und wird schließlich vorübergehen. Es ist sehr wichtig, dass man erkennt, was diese gegenteiligen Bedingungen sind, die Hindernisse genannt werden, damit sie nicht zum Umstand werden, durch den man vom wahren Pfad abkommt. Hindernisse werden hinsichtlich von äußeren, inneren und geheimen erklärt. Was versteht man nun unter äußeren Hindernissen? Die äußeren Hindernisse sind die 16 Hauptängste. Diese sind sehr allgemein gegenwärtig und natürlich all die äußeren Aspekte der Furcht, die aus diesen entstehen.

16 Hauptängste

Hinsichtlich dessen, was diese 16 Hauptängste sind, gibt es hier im Kommentar eine Aufzählung: als erste von allen ist die Angst vor Erde, die aus Stolz entsteht, die Angst vor Wasser, die aus Verlangen entsteht, die Furcht vor dem Feuer des Ärgers, die Furcht vor Wind aus Neid, die Furcht vor Donner und Blitz, die Furcht vor Waffen und vor allem, was scharf ist und sticht, die Furcht vor Tyrannen und dem Gefängnis oder des Eingesprerrtseins, die Furcht vor Feinden, Banditen und Dieben oder dass man etwas besessen hat, das einem genommen wurde, die Furcht vor Geistern oder Fleischfressern, was sich auch auf die Ängste vor der Gegenwart jener Wesen aus dem Geisterbereich oder den Kannibalen in diesem Bereich erstreckt, die Furcht vor Elefanten oder die Furcht, mit etwas gewaltig Riesigem konfrontiert zu sein, die tierische Furcht vor Löwen, die Furcht vor giftigen Schlangen, die Furcht vor Krankheiten, vor den Plagen der unheilbaren Gebrechen, die Furcht vor einem frühzeitigen Tod, was klarerweise die Furcht vor Verarmung und Knappheit ist – was sicherlich entsteht, wenn der eigene Verdienst nicht gegeben ist, wenn jemand Unheilsames ansammelt, erfährt dieser eine Wiedergeburt in völliger Angst und im Mangel – und schließlich die 16.

Furcht ist jene vor dem Verlust der Sinnesgenüsse. Dies tritt ebenso für jene ein, die keinen Verdienst haben, auch wenn sie nur das erlangen versuchen, was sie wollen, dann verschwindet es sofort. Dies sind die 16 Hauptängste, die alle äußerlich sind oder daraus entstehen, was äußerliche Bedingungen zu sein scheinen.

Obwohl dies mit 16 Ängsten erklärt wird, gibt es bekanntermaßen zahllose Ängste. Da man so viele zahllose Täuschungen hat, hat der Buddha sie in 84.000 Kategorien beschrieben, sodass es 84.000 Arten der Furcht gibt, wobei eine jede aus diesen Täuschungen entsteht.

Innere Hindernisse

Die inneren Hindernisse werden hier als die vier Maras angeführt. Man kennt sicherlich die Geschichte, dass der Erhabene Buddha Shakyamuni fähig war, die vier Maras oder vier dämonischen Kräfte zu unterwerfen. Aber dies ist nicht vergleichbar damit, als ob man Bomben werfen würde, als ob der Buddha Bomben auf jeden der vier warf, als sie erschienen. Weil dies innere Hindernisse sind, spricht man von den vier Maras oder dämonischen Kräften. Zunächst gibt es den Mara der Aggregate oder den Skandha-Mara der Ich-Anhaftung, des Greifens nach einem Konzept des Vorhandenseins eines wahrhaft existierenden Selbst oder Ich. Dies ist der Mara der Aggregate.  Das führt zum Klesha-Mara oder zum Mara der Verblendung. Verlangen und Anhaftung entstehen gegründet auf dem Greifen nach einem Ich, was zum Mara der Verblendung führt. Der Mara der Verschleierung wird auch Göttersohn-Mara genannt, was soviel wie Faulheit, Müßiggang oder Trägheit bedeutet, bei der man aufgrund der Stärke der Täuschung gänzlich unmotiviert ist. Dies führt dann zum Mara, der der Herr des Todes genannt wird. Dies ist, wenn einem das Leben genommen wird, wenn die Gelegenheit für dieses Leben vorüber ist oder die Lebenserwartung nicht mehr weitergegeben ist, weil es ausgeleert wurde. Dann nennt man dies den Mara des Herrn des Todes, wenn das Leben vorbei ist.

Geheime Hindernisse

Die geheimen Hindernisse sind jene Hindernisse, die entsprechend des Vorhandenseins der fünf störenden Emotionen auftauchen: dem Mangel an Gewahrsein oder Dummheit, Aggression oder Ärger, Stolz oder Egoismus, Verlangen oder Anhaftung und Eifersucht oder Neid. Aufgrund des Vorhandenseins der fünf störenden Gefühle ist man vom letztendlichen Ziel abgehalten, welches die Vollendung des Dharma-Pfades und das Erlangen der Befreiung zum Wohle von einem selbst und der anderen wäre. Daher betet man zu Guru Rinpoche, die äußeren, inneren und geheimen Hindernisse zu befrieden, die einen vom Erlangen des Ziels – der Befreiung


Diese Erklärungen wurden von Gyatrul Rinpoche im Rahmen der Unterweisungen zum Barche Künsel – dem Gebet zu Guru Rinpoche, das Hindernisse auf dem Pfad beseitigt – gegeben. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2009). Möge es von Nutzen sein!


Hier kann man das Gebet herunterladen. (Download)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. Februar 2019

Khandro Thugthig – die Herzessenz der Dakini

Einleitung ins Khandro Thugthig

Aus der Einleitung ins Khandro Thugthig von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje:

Ausdruck des Weisheitsnetzes aller Siegreichen, Lotusgeborener, unfehlbare, ewige, einzige Zuflucht, vorgefunden nur in der uranfänglich reinen Natur des selbstentstandenen reinen Gewahrseins – Eure Einheit jenseits von Zusammentreffen und Trennen erkennend, so nähere ich mich voller Ehrfurcht an.
Das Nektarlicht Eures Segens hat die Blütenblätter meines Geistes weit geöffnet und die tiefgründigen Erklärungen, der Pollen der lächelnden Blütenstempel sind zum Genuss der glücklichen Bienen herangereift.

Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje

Ich, Jigdral Yeshe Dorje, ein Hochstapler in diesen Zeiten des Niedergangs bin die angebliche Wiedergeburt von Thragthung Dudjom Lingpa oder wie vom Seegeborenen Guru vorhergesagt, bin ich als Garwang Drodul Lingpa bekannt. Mir diese Namen zu geben, ist als ob man einem alten Wachhund den Titel „Löwe“ gibt. Entsprechend meiner leicht karmischen Neigung, die bloß von der gütigen Akzeptanz als Schüler vom Lotusgeborenen Yab-Yum in vergangenen Leben herstammt, habe ich ein angeborenes unerschütterliches Vertrauen in den Guru Yab-Yum. Aufgrund dieser Hingabe habe ich auch wiederholt die Zeichen von ein paar Segnungen erhalten.

Ferner wird im prophetischen Schatztext des Orgyen Dechen Lingpa gesagt:

In Tibet wird in Zukunft östlich eines Berges mit neun Spitzen im geheimen Buddha-Feld der selbstentstandenen Vajra Varahi eine Emanation des Drogben in einer edlen Familie erscheinen. Den Namen Jnana tragend, wird er die yogische Lebensweise des Mantra halten. Seine Erscheinung wird ungewiss sein und sein Verhalten in der Kindheit wird auf große Intelligenz hinweisen. Er wird die neuen Schätze hervorbringen oder die Lehre der alten Schätze bewahren. Wer immer mit ihm verbunden ist, wird zum glorreichen Berg der Chamara-Insel geführt werden.

Orgyen Dechen Lingpa

Von der Zeit an als ich noch ein Kind war, entdeckte ich viele Schatzkästchen, für die ich bestimmt war und ich hatte zahllose egoistisch täuschende Visionen. Besonders im Alter von 13 Jahren traf ich den Guru in Person in einer visionären Erfahrung. Danach hatte ich eine erfreuliche Vision vom Spielen mit ein paar Freundinnen, die meine Hände auf ein paar Schriftrollen legten, die mit Symbolschrift usw. beschrieben waren. Sowohl vor als auch nach diesem Erlebnis erschienen andere wundervolle Erscheinungen. Da dann die wechselseitigen Verbindungen von Ort, Zeit, Freunde, Gefolge usw.  nicht zusammentrafen und aufgrund anderer äußerer und innerer Umstände war ich zutiefst betrübt und opferte die gelben Schriftrollen der Großen Mutter Weißes Gewand.[1] Von da an beseitigte ich meine Hoffnungen und Befürchtungen wegen dem Offenbaren und Verbreiten neuer Schätze und verblieb ein sorgenfreier Yogi, die Lehren der früheren Dharma-Schätze so gut wie möglich zu beschützen.

Als ich 25 Jahre alt war, am 25. Tag des siebten Monats des Jahres des Erd-Drachens[2] erhielt der Yogi Trulshik Dorje die Aufforderung von einer Dakini, sofort zu mir zu kommen und er sagte mir händeringend, dass ich sofort in diesem Augenblick eine tiefgründige, kurz und bündige Dakini-Sadhana schreiben müsse. Ich dachte mir, es wäre angemessen, eine bloße Selbstvisualisation für eine tägliche Praxis zu verfassen, aber sofort floss meine Schrift anders als gewöhnlich dahin und die gesamte Gestaltung dieses Textes und seiner Bedeutung erschien mir lebhaft im Geiste. Ich verstand, dass dies eine Art Geistschatz war, aber ich bezeichnete es nicht als Dharma-Schatz. Was immer entstand, unverändert und unverzerrt, wurde in einer einzigen Sitzung aufgeschrieben und dann [dem Trulshik Dorje] ausgehändigt.

Als später dann [Trulshik Dorje] dies in der Kristallhöhle in Yarlung praktizierte, konnte er hervorragende Zeichen seines Segens feststellen und vertraute ihm völlig. Wieder bat er mich hartnäckig, die vollständigen erleuchteten Aktivitäten zu verkünden – die äußeren, inneren und geheimen Sadhanas usw. – wieder und wieder, bis meine Ohren den Krach nicht länger mehr ertragen konnten. Ich erweiterte bei den einzelnen Keimwörtern, die im Wurzeltext vorkamen und fügt ein paar erforderliche zusätzliche [Praktiken] als Ergänzungen ein.

Als danach die Bestrebung des hochrangigen Tsewang Rigdzin Nampar Gyalwa’i De durch seine karmische Verbindung erwachte, übernahm er die Verwahrung dieses tiefgründigen Dharmas. Zu dieser Zeit schmückte ich [diesen Zyklus] mit zusammengefassten, leicht zu praktizierenden Texten aus, wie den Anweisungen für die Gottheitenklausur, einem [ausführlichen] Anweisungstext usw. und ich erweiterte die entscheidenden Punkte der Praxis bis zur Vollendung.

Die freigiebige Kuh – ein Handbuch zur Verwirklichung des Pfades

Der auf Tibetisch mit englischer Übersetzung vorliegende Text, genannt „Die freigiebige Kuh der Errungenschaften“ enthält Anweisungen für die Meditation zwei Phasen des Khandro Thugthig. Er deckt den gesamten Pfad des Vajrayana ab, von der Erzeugungsphase über die Vollendungsphase bis zur Großen Vollkommenheit.

Das Khandro Thugthig ist ein wichtiger Zyklus von Lehren und Praktiken, welche Dudjom Rinpoche (1904-1987) als einen spirituellen Schatz enthüllt. Unter den drei Wurzeln der tantrischen Praxis bezieht er sich speziell auf die Dakinis. Die hier übersetzten Anweisungen und Richtlinien sind am engsten mit Yeshe Tsogyal, der tibetischen Prinzessin, verbunden, die die Gefährtin des großen Meisters Padmasambhava wurde und ihn unterstützte, als er im 8. Jhdt. den tantrischen Buddhismus in Tibet einführte. Aber Yeshe Tsogyal ist mehr als eine historische Figur, denn sie ist eine Weisheits-Dakini, die Yogis inspiriert, die letztendliche Natur des Geistes zu erkennen.

Die hier übersetzten Anweisungen sind sowohl selten als auch tiefgreifend. Diejenigen, die sich ernsthaft für diese Lehren interessieren und sie in die Praxis umsetzen möchten, können sich darüber freuen, dass ihnen solch tiefgreifender Schlüssel zur Verfügung stehen. Für diejenigen, die eine karmische Verbindung zu dieser Tradition und dieser Linie haben, können Texte wie diese ein Katalysator für die spirituelle Befreiung sein.

Ferner ist die letztendliche Dakini des Dharmakayas die alle Buddhas gebärende Mutter, die unausgeschmückte Prajnaparamita selbst. Die zeichenhafte Dakini des Sambhogakayas zeigt sich als das eine Mandala oder als manigfaltige Mandalas der fünf Familien der Königinnen des Raumes. Und daraus erscheint die symbolische Dakini des Nirmanakaya als die in den (24) Bereichen, aus Mantra oder zugleich entstandenen (Dakinis) der Versammlung der fünf Familien, in ihrer Zahl gleich den Staubteilchen im Universum.

Aus der Ermächtigung in Khandro Thugthig, von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.

Vier Yogas

Die Struktur des vorliegenden Textes kann in vier Yogas unterteilt werden, die sich auf die vier Ermächtigungen beziehen. Der Yoga der Form bezieht sich auf die Vasenermächtigung und die Praxis der Erzeugungsstufe. Auf diese Weise erzeugt der Praktizierende die Gegenwart der Gottheit Yeshe Tsogyal und verwandelt seine gewöhnliche Wahrnehmung in eine reine Vision, zusätzlich sieht er seine Umgebung als Mandala-Palast.

Das zweite Yoga ist das Yoga des Mantras und dieses stellt die Vollendung dar und bezieht sich auf die geheime Ermächtigung. Die Praxis hier ist die Kontrolle der äußeren und inneren Winde. Auf diese Weise kann man Langlebigkeit erlangen. Der Yoga der Glückseligkeit ist der dritte und repräsentiert die Vollendungsstufe mit Merkmalen und bezieht sich auf die Weisheits-Bewusstseins-Ermächtigung. Die wichtigste Übung im Zusammenhang mit dieser Ermächtigung ist die Ausübung der inneren Hitze (gtummo) zusammen mit den fünf Hilfspraktiken – Illusionskörper, Traumyoga, klares Licht, Bardo und Phowa – sowie die Praxis mit einer Gefährtin. Dadurch erhält der Praktizierende eine direkte Erfahrung der Klarheit und Lichtheit des Geistes.

Das letzte Yoga ist das Yoga der Weisheit. Dieser Yoga entspricht der kostbaren Wortermächtigung und der Vollendungsstufe ohne Merkmale. Auf dieser Ebene begegnen die Praktizierenden der wahren Natur des Geistes mit Hilfe von Trekchö (khregs chod; Durchschneiden der Festigkeit) und Thögal (thod rgyal; direktes Durchqueren).

Absicht

Auch wenn dieser Text für diejenigen bestimmt ist, die die Übermittlung von einem qualifizierten Meister erhalten haben und die Veröffentlichung dieser Themen ziemlich ungewöhnlich ist, sollten diese wertvollen Lehren erhalten bleiben. Denn wenn niemand dieses Thema studiert und praktiziert, verschwinden die Lehren. Darüber hinaus gibt es aufgrund von Gerüchten und Vermutungen einige ausgefallene Ideen zu diesen Praktiken. Um solche abenteuerlichen Ideen zu verhindern, ist dieses Buch eine geeignete Quelle für sogenannte geheime Vajrayana-Praktiken. Wenn Sie also dieses Buch in den Händen halten und sich mit diesen Themen befassen, schätzen Sie die männlichen und weiblichen Yogis von Tibet, die diese Themen praktizierten und vollständig erleuchtet waren.

Ein (durch die Einweihung) gereifter und Samaya haltender Praktizierende übt zuerst die Erzeugungsstufe, die mit der Vasenermächtigung verbunden ist. Alles, was als Stütze und Unterstütztes angeordnet ist, die als Erscheinungsobjekte existierenden Formen, existieren nicht als Objekte der Anhaftung. Wie ein Spiegelbild in einem Spiegel oder ein Regenbogen am Himmel, als direkte Wahrnehmung – völlig klar und ohne Vermischung – meditiere, bis du von Objekten nicht mehr fasziniert bist! Obwohl der innewohnende Charakter des Dharmakayas frei von solchen komplexen Zeichen wie Gesicht, Hände usw. ist, sollte man sich hinsichtlich des verwirrten Verlangens des Verstandes nach unreinen Erscheinungen an die Reinheit erinnern, die als Ausschmückungen gelehrt wird. […]

Um die geheime Ermächtigung in den Pfad zu bringen, wendet man die Schlüsselpunkte des Körpers an und beseitigt die toten Winde. Indem man die (Atmung) der großen Vase anwendet, bringt man (die Beweung der unreinen Winde) zum Stillstand und führt die Vajra-Rezitation aus. Zuerst kurz und oftmals, gewöhnt man sich nach und nach daran und alles Kommen und Gehen der Winde und des Geistes wird im unbewegten Hohlraum des Zentralkanals gebunden. […]

Insbesondere ist dieser Pfad mit der Wort-Ermächtigung verbunden. Die große Glückseligkeit, überragend unwandelbar, ist die Absicht der uranfänglichen Reinheit frei von Anstrengung, Samantabhadra, das unbefleckte Gewahrsein, unverfälscht von Konzepten der drei Zeiten. Seine Essenz ist sprachlose Freiheit von Ausschmückungen. Seine Natur ist lebhafte innewohnende Klarheit. Sein Mitgefühl ist alles durchdringend und frei von Einseitigkeiten. Untrennbar Klarheit-Leerheit, offen-transparent, innewohnender Charakter ungekünstelten, nackten Gewahrsein-Leerseins. Diese Natur des großen Transzendierens des Intellekts verweilt als die Essenz des Dharmakayas, der großen Mutter-Gefährtin (Prajnaparamita). […]

Der Zustand der Gelöstheit transzendiert die Objekte von Gut und Böse, von Hoffnung und Furcht, was immer entsteht, erscheint aus sich selbst heraus. Verhalte dich im Verhalten ohne Fessel oder Befreiung! […]

Aus der Ermächtigung in Khandro Thugthig, von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.

In wem die karmischen Samen zur Praxis dieser kostbaren Lehren durch Wunschgebete und günstige Verbindung vorhanden sind, hat im Mai 2019 die Möglichkeit, die vollständige Übertragung dieses Zyklus zu empfangen. Näheres im Ngakpa-Zentrum Lhündrub Chödzong. > Mehr lesen.


Das Handbuch zu den Vier Yogas „Die freigiebige Kuh“ kann man hier erwerben.


[1] D.h. er hat sie verbrannt.

[2] 1929

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Februar 2019

Vajrakilaya – die Meditation eines Mandalas

Die Meditation des Vajrakilaya ist wohl jene Praxis, die in der Nyingma-Tradition am weitesten verbreitet ist. Vajrakilaya ist die Manifestation der erleuchteten Aktivität – also der Buddha-Aktivität – und wird neben Simhamukha und Dorje Drolö am häufigsten zum Beseitigen von Hindernissen praktiziert. Alljährlich finden in der letzten Woche vor Losar – dem tibetischen Neujahr gem. des Phugpa-Kalenders (entspricht ca. unserer Zeit vor dem Aschermittwoch) – diese Praxis ausgeführt. Sie fungiert als eine Art Kehraus, um die negativen Handlungen, Störungen und Beeinträchtigungen des vergangenen Jahreszyklus zu beseitigen. Dabei meditiert man sich selbst in Form der Meditationsgottheit – d.h. Zentralfigur (tib., rdo rje zhon nu; Vajrakumara) inkl. des gesamten umgebenden Mandalas – und externalisiert Negativitäten, Störungen etc. und projiziert diese in eine Opfergabenform (tib., gtor ma). Dieser wird am Ende dann rituell beseitigt. Meist geschieht das im Rahmen einer Feuer-Puja (tib., byin sreg), aber man kann diesen Opfer-Torma auch in einen Fluss geben oder weitab des Praxisplatzes ins Grüne werfen.

Reine Sicht

In der tantrischen Meditationspraxis gibt es drei wesentliche Aspekte: 1) die Klarheit und Deutlichkeit der Visualisation; 2) der sog. „Gottheitenstolz“ – das Wissen und Vertrauen, dass man selbst diese Meditationsgottheit ist; und 3) die reine Sicht – das Wissen um die Bedeutung der Symbolik. Hier nun ein kurzer Einblick in die reine Sicht.

Eine Abbildung zeigt den Vajrakumara (Jugendlicher Vajra) als Zentralfigur in Vereinigung mit seiner Gefährtin Chakradipta. Jedes Detail der beiden Figuren symbolisiert bestimmte Buddha-Qualitäten. Verinnerlicht man durch die meditative Praxis diese Symbole der Erleuchtung, geschieht eine Verwandlung der unreinen Sicht von sich und der Welt. Auf diese Weise werden die unreinen, gewöhnlichen drei Tore (Körper, Rede und Geist) in die drei Vajras (Körper, Rede und Geist der Erleuchtung) transformiert. Beispielsweise symbolisieren seine drei Köpfe die Praxis der drei Energiekanäle, seine sechs Arme stellen die sechs Paramitas dar, die vier Eckzähne sind die Vier Unermesslichen, die beiden Figuren, auf denen getrampelt wird, symbolisieren die Maras von Gier und Hass, seine beiden Flügel stellen Methode und Weisheit dar usw. Generell symbolisiert er geschickte Mittel und die Gefährtin ist uranfängliche Weisheit. Das Blut in der Schädelschale, die sie dem Gefährten Vajrakumara reicht, steht für das Überwinden der Ich-Anhaftung usw. usw.

Oberhalb von der Zentralfigur sind Samantabhadra Yab-Yum. Bei diesem Bildnis wird die Zentralfigur zunächst von den Zehn Höchsten Söhnen – vier links, vier rechts, zwei darunter – und ihren jeweils zwei begleitenden tierköpfigen „Henkern und Schlächtern“. Diese Zehn Höchsten Söhne stehen für die Überwindung der 10 unheilsamen Taten.

Unterhalb der Zehn Höchsten Söhne sind die fünf Buddha-Familien, hier in Form von Ratnakilaya, Vajrakilaya, Padmakilaya, Buddhakilaya und Karmakilaya im unteren Drittel in den jeweiligen Farben der Buddha-Familien dargestellt. Ihre Unterkörper sind Phurbas, sie haben drei Gesichter und sechs Arme.

Links und rechts von den fünf Buddha-Familien befinden sich die zwölf Dharma-Schützer des Vajrakilaya-Mandalas. Und ganz unten sind die vier tierköpfigen Torhüterinnen, die wiederum für die Vier Unermesslichen stehen.

Gottheitenmeditation – die Praxis der Meditation der zwei Phasen zur Manifestation der Buddha-Natur

Warum Tantriker diesen Aufwand an Visualisation betreiben? Es geht auf dieser Stufe der Praxis um das Transformieren der gewöhnlichen Auffassungen und Sichtweisen über einen selbst und die Welt. In unserem gewöhnlichen Geisteszustand sind wir es gewohnt, uns selbst und die Welt in einer bestimmten Art und Weise zu erschaffen, diesen im Grunde leeren, aber dennoch deutlich erscheinenden Phänomenen (immer uns und die Welt gemeint) Identität zu geben. Aufgrund unzähliger solcher Vorgänge des Ergreifens und Bildens von Identität erscheinen für uns unsere Identität und unsere Weltwahrnehmung für selbstverständlich. Indem in der tantrischen Visualisation angefangen vom Geburtsprozess die Welt immer wieder aufs Neue in erleuchteter Weise erschaffen wird, werden die Samen des Greifens nach und Bildens von Identität erschöpft und schließlich aufgebraucht. Mit diesem Praxisansatz werden Selbst und Person verwandelt. Auf diese Weise werden Erscheinung-Leerheit bzw. Lichtheit-Leerheit ungetrennt realisiert.

Ein anderer Praxisansatz, jener der Methode der Kanäle, Winde und Tropfen, bringt diese Idee in eine unmittelbar körperliche Erlebnisform. Dabei wird die Visualisation von der Üppigkeit des Mandalas reduziert auf die Essenz eines lichthaften Körpers und der Praxis mit den Essenztropfen von Vater und Mutter. Über die Praxis des Emporloderns des inneren Feuers und des Abschmelzens des Tropfens werden die vier Freuden (tib., dga‘ ba bzhi) erfahren und man realisiert Glückseligkeit-Leerheit ungetrennt.

Auf einer letztendlichen Praxisebene wird mit direkt mit der Natur des Geistes gearbeitet. Dies erfolgt über die Praxis von Trekchö und Thögal. Dadurch werden die uranfängliche Reinheit (tib., ka dag) und spontane Präsenz (tib., lhun sgrub) von Gewahrsein-Leerheit ungetrennt realisiert.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Februar 2019

Sieben Zeilen der Anrufung

Die Bedeutung des 7-Zeilen-Gebets an Guru Rinpoche

Padmasambhava erschien auch zu Lebzeiten der Buddhas der vergangenen Zeitalter und man sagt, dass in unserer gegenwärtigen Zeit, dem Zeitalter von Buddha Shakyamuni, die gelehrtesten und am meisten verwirklichten Wesen in Indien und an anderen Orten seine Emanationen waren bzw. sind. Sein Segen und seine Führung wurde allen Haltern der Lehren gewährt. In Indien, China, Shambhala, Indonesien und anderen Bereichen wirken seine Manifestationen fleißig zum Nutzen der Lehre und der Wesen.

Hier in Tibet setzte Guru Rinpoche seinen Fuß in jede Region und segnete das Land. Er verbarg viele tiefgründige Dharma-Schätze und prophezeite ihre darauffolgende Entdeckung zu verschiedenen Zeiten. Er stellte die Götter und Geister unter den Vajra-Eid und machte Versprechen für die Zukunft, indem er sagte, so lange der Buddhadharma in Tibet bleibt, werden seine Emanationen das Land und die Leute beschützen. Er vertraute das Land dem Schutz der zwölf Tenma-Göttinnen an, wobei sie es gegen jene bewachen sollen, die außerhalb des Dharmas stehen. Und in Zukunft, wenn Schwierigkeiten von barbarischen Kräften drohen, dann wird es so sein, wie Tagsham Samten Lingpa es in einer geheimen Prophezeiung vorhergesagt hatte: „Ich, Padmasambhava, werden den Namen Raudra Chakri  tragen und mit meinen 25 Schülern, dem Herrscher und den Untertanen werde ich, der König der Linie, von meiner Arme eskortiert werden.“ So prophezeite er, dass er die Barbaren unterwerfen und die Lehren des Geheimen Mantras verbreiten würde. Guru Rinpoche sagte vorher, dass auch die meisten nicht-sektiererischen Halter der Alten und Neuen Traditionen im kühlen Lande Tibet seine Emanationen sein würden. Er offenbarte sein Antlitz und gewährte zahlreiche Segnungen und Anweisungen der Mehrheit der gebildeten und verwirklichten heiligen Wesen. Das ist aus ihren entsprechenden Biographien ganz klar ersichtlich.

Guru Rinpoche sagte auch, dass in Zukunft, wenn Maitreya der Buddha dieser Welt sein würde, er selbst als ein Bodhisattva erscheinen wird. Er wird ein Lehrer der Wesen sein und wird die Lehre des Geheimen Mantras in hohem Maße verbreiten. Tatsächlich versprach er, zur selben Zeit wie die Buddhas dieses glücklichen Kalpas zu erscheinen. Er wird sich in seinem unsterblichen, unzerstörbaren Weisheitskörper befinden, dem Grund seiner Emanationen, solange es fühlende Wesen gibt. Er wird seine Emanationen so grenzenlos wie Raum und Zeit zeigen und zum Wohlergehen der Wesen in der Zukunft wirken. Wie er mit seinen Vajra-Worten selbst sagt:

Bekannt bin ich als Padma, der Selbstmanifestierte, entstanden aus dem Herzen von Buddha Amitabha, dem Grenzenlosen Licht, der Glanz des hohen Avalokitas Rede. Der Bruder der Dakinis und König der Dakas, ich bin die Handlung der Buddhas der drei Zeiten. Großer Samantabhadra, einzigartiger Vajradhara beide bin ich, mächtig und mitfühlend, erscheinend in meinen hervorgebrachten Formen. Kräftig sind meine Aktivitäten, die Wesen ihren Bedürfnissen nach begleitend. Ich bin ihr wunscherfüllendes Juwel, die Erfüllung ihrer Hoffnungen.

Padmasambhava

Guru Rinpoche sagte auch:

Für Wesen, die stark in ihrem hingebungsvollen Glauben sind bin ich geschwinder im Mitgefühl als alle anderen Buddhas. Bis die drei Welten Samsaras leer von allen Wesen sind, wird Padmasambhavas Mitgefühl nicht erschöpft werden.

Padmasambhava

Solcher Art sind die unvorstellbaren Heldentaten von Guru Rinpoche. Eine davon, wie das Sieben-Zeilen-Gebet schildert, war die Art, in der er seinen Nirmankaya in dieser Welt zeigte:

HUM
In Orgyens Lande am nord-westlichen Rand,
auf des Lotusblüte Blütenstempel Stammes geboren,
die wundersamen und höchsten Errungenschaften habt Ihr erlangt.
Als Lotosgeborener seid Ihr daher bekannt.
Von einem Ring vieler Dakas und Dakinis umgeben,
folgend Euren Spuren praktizieren wir.
Gewährt Euren Segen, kommt herbei, so beten wir:
GURU PADMA SIDDHI HUM

Das Gebet in sieben Zeilen an Guru Rinpoche

Formelle Bedeutung des Gebets

Das Gebet beginnt mit dem Aussprechen der Silbe HUM, die die selbstentstandene Keimsilbe des Geistes aller Buddhas ist. Dies lädt den erleuchteten Geist von Guru Rinpoche selbst ein.

Jambudvipa, diese Welt von uns, die sich im Süden des kosmischen Berges Meru befindet, zählt sechs Hauptprovinzen. Unter diesen ist die westlichste Region das Land der Vidyadharas. Das ist Oddiyana oder Orgyen, das Land der Dakinis, wo es am nord-westlichen Rand oder an der Grenze ein Gewässer gibt, dass mit achtfacher Vortrefflichkeit reichlich ausgestattet ist und frei von jeder Unvollkommenheit. Das ist der Danakosha-See. Es ist ein Symbol der Leerheit, ausgestattet mit höchsten Qualitäten, die Königin der letztendlichen Weite. Der See ist in jeder Hinsicht vollkommen, was auch für die Wahrnehmung der gewöhnlichen Menschen ersichtlich ist. Er ist voller weißer Lotusblüten, wobei die größte von ihnen in der Mitte wächst, ein Lotus von erlesener Schönheit hinsichtlich der Blätter als auch des Blütenstempels. Aus diesem Stamm des Lotus wuchsen andere Lotusse, wodurch sie insgesamt fünf waren. Jeder von ihnen ist von anderer Farbe, was den fünf erleuchteten Linien entspricht und die fünf Weisheiten symbolisiert. Der Lotus in der Mitte ist rot und zeigt die Lotus-Linie an.

Der unendliche Knoten, das kostbare und unbefleckte Schatzhaus des Herzens von Buddha Amitabha, ist mit der Silbe HRI angefüllt und erstrahlt in fünffarbigem Licht. Das ist die Essenz aller Segnungen und Qualitäten der drei Geheimen der zahllosen Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als der Moment für Guru Rinpoche kam, für die fühlenden Wesen zu wirken, streuten zahllose Buddhas und Bodhisattvas der zehn Richtungen Blumen, während die Dakas und Dakinis zusammen mit den Beschützern und Wächtern der Buddha-Felder den Vajra-Tanz ausführten und das Vajra-Lied sangen. Um dann den Wesen der drei Daseinsbereiche Freude und Erlösung zu bringen, senkte sich die Silbe HRI auf die Lotusblüte des zentralen roten Lotus herab und verwandelte sich in den König der Vidyadharas, den großen und furchtlosen Guru, der ohne seinesgleichen in den drei Welten ist und der edel ist, mit vielen außergewöhnlichen Eigenschaften der Größe. Durch seinen immensen Verdienst ist sein Körper eine Quelle des Nutzens für die Wesen, durch seine Lehren nützt er ihnen mit seiner Rede und durch seinen Geist nützt er ihnen durch sein Weisheitsgewahrsein. Mit unvergleichlicher Wunderkraft führt er die Wesen zur Befreiung.

Er offenbarte sich selbst in einer selbstentstandenen, unbefleckten Form, geschmückt mit den Haupt- und Nebenmerkmalen der Buddhaschaft. Er wurde als Sohne des Indrabhuti inthronisiert, aber später entsagte er dem Königreich und ergriff das Leben eines Yogis, der auf den acht Leichenplätzen praktizierte, wo er sich in den grenzenlosen Lehren der äußeren und inneren Fahrzeuge übte. Seine Lebensgeschichte und seine Taten ist jenseits des Vorstellbaren. Er brachte ein illusorisches Spektrum der acht Manifestationen zum Ausdruck. Mit unerschütterlicher Stärke vernichtete er die Dämonen, Rakshasas und bösartigen Geister und brachte die stolzen und hochmütigen Geister der Welt unter seine Macht. Er brachte viele Wesen auf den Pfad des Großen Geheimen, das sie zur Reife führt und ihnen Befreiung gewährt. Er ist ein Objekt der herrlichsten Lobpreisungen in allen drei Welten. Und wenn wir vom wundersamen, erstaunlichen Leben des Herrn, dem zweiten Buddha lesen, wie es in den vertrauenswürdigen Schriften der Kama- und Terma-Übertragungen beschrieben ist, dann sind wir von Vertrauen an ihn ergriffen. Darüberhinaus besitzt dieses großartige Wesen nicht nur die allgemeinen Verwirklichungen, sondern er ist auch vollkommen und uranfänglich erleuchtet: die wundersamen und höchsten Errungenschaften hat er erlangt, den Zustand der Einheit des großen Vajradhara. Und als der Lotusgeborene ist er bekannt in der endlosen Matrix der unendlichen Buddha-Felder.

Wir anerkennen ihn zusammen mit seinem Gefolge als die Personifikation der Drei Zufluchten, den letztendlichen, untrügerischen Schutz, zu dem wir mit ganzem Vertrauen beten können. Dieser überragende Vidyadhara, der größte unter den großen, wird von außergewöhnlichen Schülern des Geheimen Mantra begleitet. Ein Ring vieler Dakas und Dakinis, unzählbar wie die Samen in einem geöffneten Sesamtopf, umgibt ihn. In Wahrheit ist er von einem grenzenlosen Ozean an Gottheiten der drei Wurzeln und Beschützer umgeben. Aber weil dieses Gefolge nichts als der illusorische Ausdruck von Guru Rinpoches eigener Weisheit ist, die den Wesen entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse nützt, sind er und sein Gefolge ihrer Natur nach nicht verschieden und daher das gemeinsame Objekt unserer Anrufung.

Mit völligem Vertrauen beten wir so zu Guru Rinpoche. Mit lebhaftem Flehen und vertrauensvollem Glauben in seine höchsten Qualitäten, die wie wunscherfüllende Juwelen sind, bringen wir unsere Hingabe in Wort und Tat, durch Gebet und Verneigung zum Ausdruck. Weil wir wissen, dass solch eine Zuflucht untrügerisch ist, geben wir die Dinge dieser Welt wie nutzloses Zeug auf und mit einem konzentrierten Glauben und Vertrauen, folgend Guru Rinpoches Spuren, ohne Unterlass praktizieren wir. Deshalb wenden wir uns hin und sagen:

Wahrer, unfehlbarer Herr grenzenlosen Mitgefühls, in diesem Moment wendet Euch nicht von uns und jenen wie wir ab, die im Ozean der drei Leiden ertrinken. Gewährt Euren Segen, kommt herbei, so beten wir. Wie ein Alchemist, der Eisen in Gold verwandelt: segnet mit den drei unvergleichlichen Geheimen Eures erleuchteten Körpers, Eurer erleuchteten Rede und Eures erleuchteten Geistes den gewöhnlichen Körper, die gewöhnliche Rede und den gewöhnlichen Geist von uns, die Hoffnung in Euch hegen und zu Euch Zuflucht suchen. Und vom Kupferfarbenen Berg – oder in welchem natürlichen Nirmanakaya-Buddha-Feld Ihr Euch auch befinden mögt – kommt herbei mit der großen Geschicklichkeit Eures Mitgefühls und seid mit uns.

Nachdem man den Segen des Gurus angerufen hat, rezitieren wir das Mantra.

Der Guru ist einer, der „kiloschwer mit vollkommenen Qualitäten“ ist, der Lehrer ist unübertroffen. Padma ist der erste Teil des Namens des großen Meisters aus Orgyen, wohingegen Siddhis sich auf die höchsten und allgemeinen Verwirklichungen bezieht, die unser Ziel sind. Schließlich rufen wir mit HUM den kostbaren Meister an und beschwören ihn, Verwirklichung zu gewähren.


Aus den umfangreichen Erklärungen des äußeren, inneren und geheimen Bedeutungsebenen des 7-Zeilen-Gebets an Guru Rinpoche, von Ju Mipham Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Februar 2019

Khandro Thugthig – the heart-essence of the Dakini

The heart essence of Dakinis is a complete cycle of teachings. On the outer level it is the female Buddha or deity Yeshe Tsogyal, on the inner level it is Kurukulle, on the secret level around Simhamukha, the lion-headed Dakini and on the most secret level is Throma Nagmo.

In the terms of empowerments, the heart essence of the Dakinis begins with vase empowerment and the corresponding practice is the creation phase of meditation. The second empowerment, which is the secret empowerment, corresponds to the exercises of the channels and wind energies, the third empowerment, which is the empowerment of the supreme insight and wisdom, corresponds with the exercises of the path of the skillful means and the fourth empowerment, which the precious word empowerment is equivalent to the path of the Great Perfection – Dzogchen, both the severing (Trekcho) and the traversing (Thogal). The heart essence of Dakinis includes all of these deities, empowerments and exercises. And among all these, which we have in this text, are the foundational practices, or literally from the Tibetan, the preceding exercises, which are, so to speak, the first step on this path. „Everyone starts here.“ says Lama Tharchin Rinpoche about the approach and the meaning of Khandro Thugthig.

The syllabus of the heart essence of the Dakini

The cycle of Khandro Thugthig contains the three stages of Mahayoga, Anuyoga and Atiyoga. At the Mahayoga stage there are the basic exercises (Ngondro), instructions to Ngondro, invocation of the lineage, then the short sadhanas of Yeshe Tsogyal (outer), Kurukulle (inner), Simhamukha (secret) and the Throma Nagmo (innermost secret). Finally, there is the sadhana of the Vajra Varahi – the Dakini with the pig head – as a meditation deity in this cycle. Furthermore, this first level of the Mahayoga stage includes the practice of severing (Chod) as well as the short feast offering (ganachakra) and prayers.

The second stage of the Mahayoga includes the empowerment of Yeshe Tsogyal and the long-life empowerment. Additionally, there is a Torma initiation in the lion-headed Dakini – in the Simhamukha. In addition to a longer lineage prayer, there is the long sadhana on Yeshe Tsogyal as Yidam and the longevity practice. The cycle also includes instructions on Yidam practice and the manual for meditation on the two phases (kyerim and dzogrim). Finally, at this level is the practice of Phowa – the transmission of consciousness at the time of death, as well as a short protector practice and the Torma offering to Mamo Ekajati, the Mantra Protector of this cycle. Furthermore to several fire pujas and complementary prayers for the feast offering, the practice of self-initiation (dagjug) is also included here. In general, the practice is such that after completing Ngondro and the shorter Dakini Sadhana, you practice the Phowa, then complete the Yidam practice and complete it with a fire puja.

At the third level of the Mahayoga level are various liturgies of activity rituals, such as for an elimination of impurities, purification and cleansing of transgressions, averting of negative forces, rituals for blessing and consecration, a guiding of the dead, the redemption of the spirits, averting the death and the plea for permanent stay of the Lama – a longevity practice for the teacher, called Tenzhug. Furthermore, at a fourth level of the Mahayoga level, there are practices for making treasure vases and pacifing disorders, various activity practices (peaceful, increasing), preparing medicine pills (amrita), and growing plants and crops.

The stage of Anuyoga includes the six yogas of inner heat (gtum mo or chandali), the illusion body (gyud lu), dream yoga (mi lam), clear light (‚od gsal), transmission of consciousness (‚pho wa), and the intermediate state yoga (bar do). This is divided into the instructions of the yogic tradition and the manual for the meditation of the two phases. Furthermore, one can still find core instructions for the Mudra practice.

The stage of Atiyoga consists of the practices of severing (Trekcho) and leaping (Thogal). For this there is the handbook for the meditation of the two phases in the cycle.

How to approach and practice

How do you approach practice through this cycle? The transmission of the cycle Khandro Thugthig begins with the inauguration (wang), followed by the read text transmission (lung) and the practical instructions (tri). These three steps are important in themselves for a beneficial and successful practice. In exceptional cases, when no Lama is present for a transmission, one can practice, as in other lineages, the so-called „Dakini Transmission“ (see Karma Chagme’s Richö, Vol. 2) or simply rely on Khandro Thugthig with the basic practices. Start with the the first Mahayoga level and take the empowerment at the appropriate time.

After receiving the verbal instructions for the basic exercises, you practice each section 100,000 times, with 10,000 additional times for any omissions, defects, etc. accumulated. However, one does not need to count specifically for this, as this results from the design of the mala (buddhist rosary), which is usually made of 108 beads plus three beads to mark the section. However, accumulate the mantra for guru yoga ten times more then the others, that is, 1,000,000 (plus 10% for omissions). However, if you have already completely accumulated a Ngondro before, then you can accumulate at the same line (Nyingma) only 10% of the required number or at other line 25% – 30%. However, one is required to continue practicing the foundational exercises on a daily basis in small numbers. If you are not able to do the prostrations, then you can also replace yourself with circumbulations, but here don’t count the recitations but the circumbulations.

After completing the Ngondro, you just keep practicing it in small numbers and focus on the practice of yidam. In general, the practice of yidam is performed in a closed retreat, with special instructions from a qualified teacher. As complementary practices in this retreat, in addition to the Ngondro, one can also perform Chod, Phowa, and Torma offerings to the protectors, in addition to the feast offering (ganachakra), either daily or at least on the feast days (8th, 10th, 15th, 25th day of the lunar month). The retreat is either divided into at least four sessions. Further detailed instructions and, if necessary, additional practices should be discussed with the respective teacher. The number of accumulations is here between 400,000 to 1,500,000 mantra accumulations, where also detailed instructions of the teacher are necessary. However, you do not necessarily have to practice approach, completion and activity to a certain number of mantra, but then you should make a commitment on time, which is also an estimate time of at least two to three months. If this is not possible due to the circumstances of life, of course you can also practice the entire yidam practice without retreat and follow your daily duties. However, then a much larger mantra accumulation or practice time must be considered. The end of the Yidam practice marks a fire puja in which the Vajra master purifies the mistakes and faults which was done by the student during the practice.

Upon successful completion of the Yidam practice, one continues with the practice of Anuyoga and requests the teachings and detailed instructions for the gymnastics exercises (trulkhor) and the practice of the inner heat. After the tsalung exercises the other yogas are practiced under the guidance of the teacher until a proper realization has been achieved.

Following this, one requests the introduction to the nature of mind and practices Trekcho and Thogal.

Collection and accomplishment

Like the great masters of the past, the Mahasiddhas, Yogis, and Yoginis, who have demonstrated, by devotion and faith, by the right effort and diligence by these practices, liberation can be achieved in a single lifetime. If that is not possible, then at least at the time of death one realizes the state of the clear light – the nature of the mind. Even if this is not possible due to lacks in practice, then one recognizes, at least in the intermediate state, the emergent phenomena as projections of one’s own mind. If one has practiced, but yet accumulated only a little and therefore lacks the necessary ability, then at least a favorable rebirth can be obtained.

For some, practicing such a cycle may seem like an unimaginable endeavor, but remember the words of the Buddha: „It is not the first drop and it is not the last drop that fills a barrel.“ Some practitioner may not find the excellent circumstances to do a retreat or even encounter obstacles several times. However, all that has to be put into practice. It is precisely this that gives rise to the power of practice.

Of course, the numbers and times mentioned above are good guidelines and based on experience and tradition. However, one should not be deterred by this, but gladly request this transmission and practice after hearing and reflection these teachings. Although perhaps one don’t accomplish neither number nor time required, at least the karmic seed is laid. But if not even the karmic seed is laid due, how will you ever meet such precious practices again?

To complete this review in the words of Lama Tharchin Rinpoche: „In accordance with these instructions, in practice, strive to sustain each of the basic stages of accumulation and purification until it is truly accomplished. Especially if you have confidence that the Guru -Yoga is the only extraordinary profound essence of the Vajrayana Path, then you have captured the life force of all practices in the main practices. By practicing with great diligence, by the power of swift blessings, there is no doubt that you will easily attain the two kinds of attainments.

By this, may this exposition be an inspiration for practitioners especially of the Khandro Thugthig and in general for any practice they perform. May all of them in life recognize a true teacher, receive the blessing of the Dakini, and thus realize unparalleled liberation beyond words and imagination.

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