Verfasst von: Enrico Kosmus | 18. April 2016

Vesakh-Feier in Graz

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Liebe große Sangha,
anbei die Einladung zum Vesakh-Fest beim Stupa im Grazer Volksgarten.
Das vorläufige Programm:

10:00
– Grussworte der Repräsentant/inn/en
– Zeremonie der Thai Gemeinde
– Ritual der tibetischen Traditionen
– gemeinsame Widmung der Verdienste
– Picknick im Umkreis des Stupa
12:30

Es soll, wie in den letzten Jahren, ein Fest werden, bei dem möglichst alle in der Steiermark vertretenen buddhistischen Gruppen dabei sind. Es fehlen noch Vertreter der Zen- und Interseingruppen, vielleicht kennt ihr wen, das Programm lässt sich auch noch dahingehend erweitern. Das Programm ist noch nicht vollständig, vielleicht können sich die tibetischen Gruppen wieder auf eine gemeinsame Shakyamuni-Praxis einigen. Bitte um Verbreitung des Flyer… und um Rückmeldungen an Michael Aldrian (Vertreter der ÖBR in der Steiermark).
Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. April 2016

Dzogchen-Lamrim (Wunschgebet)

Dudjom-RinpocheWunschgebet für den Stufenpfad zur Großen Vollkommenheit

Aus den gesammelten Werken von S.H. Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.
© Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015)

EMAHO – Aller Buddha Mitgefühl in einem vereint,
seid Ihr für mich, einem voller Übeltaten, meine einzige Zuflucht, oh Rinpoche!
Durch Eure Güte befreit mich aus Samsara, kostbarer Lehrer,
so bete ich hingebungsvoll aus der Tiefe meines Herzens.
Mit beständigem Mitgefühl umsorgend, gewährt mir Euren Segen.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich diese Freiheiten und Ausstattungen gebrauche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich mich an Unbeständigkeit und Tod erinnere.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich Einsicht in das Elend dieses weltlichen Daseins habe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich fähig bin, Heilsames auszuführen und Übeltaten aufzugeben.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Drei Juwelen als Zuflucht (und Schutz) verstehe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich mich in der erleuchteten Geisteshaltung der Nächstenliebe (und Güte) übe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit die zwei Verschleierungen und Gewohnheitstendenzen bereinigt werden.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Verdienst der zwei Ansammlungen vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Ermächtigung empfange, um die Verwirklichungen zu erlangen.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Fähigkeit habe, das Samaya zu schützen und einzuhalten.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Dharma jenseits von Täuschung fest und stabil vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich Not und Widrigkeit in günstige Umstände verwandle.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich nicht abgelenkt in festem Eifer und Streben verweile.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das Festhalten an einem Ich in meinem Geist aufgebe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Dunkelheit des Nicht-Gewahrseins unterwerfe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Sicht ursprünglicher Reinheit realisiere.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Manifestation der Dharmata nackt und klar wahrnehme.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das Anwachsen der visionären Erfahrung erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Gipfel und die Vollendung des Gewahrseins erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das vollständige Erschöpfen der Dharmata erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich in den jugendlichen Vasenkörper befreit werde.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich in diesem Leben den Regenbogenkörper vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit die zyklische Existenz vollständig umgekehrt wird.

 Damit der gelehrte und verdienstvolle Herzenssohn Tshering Wangchen diesen tiefgründigen Pfad vollenden kann, hat Jigdral Yeshe Dorje dies aufgrund eindrücklicher Bitten niedergeschrieben. Glück auf!

Das Gebet als Praxistext inkl. des tibetischen Originaltextes und Transliteration könnt ihr hier gratis herunterladen (DzogchenLamrim).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. April 2016

Ich-Anhaftung durchtrennen

mila-repa-1151719_1920Das absolute Chöd ist, wenn man versteht, dass alle verwirrte Wahrnehmung aus dem Greifen nach einem Selbst entsteht. Bis man fähig ist, die Wurzel der Verwirrung zu durchtrennen, wird Verwirrung bestehen. Beispielsweise sind Götter und Geister ein Aspekt der verwirrten Wahrnehmung. Wenn man also in der Chöd-Praxis glaubt, dass Götter und Geister wirklich existieren, dann wird man niemals fähig, die Quelle dieser Erscheinungen zu durchschneiden. Dort weichen dann viele Praktizierende ab. Sie mögen von Sponsoren und Unterstützern oder einer kranken Person nach Hause eingeladen werden und machen eine Praxis, um dies Geister oder Krankheit loszuwerden. Diese fehlgeleiteten Praktizierenden werden kommen und die dämonischen Kräfte oder den Geist in diesem Haus als Feind ansehen, als wahrhaft existierendes Wesen und dann werden sie mit einem Geist aus Zorn und sogar Hass versuchen, dieses Wesen zu schlagen, es zu töten, es durch die Vertreibung des äußeren Feindes auszulöschen. Sie werden ihr Damaru sehr zornvoll spielen und die Schenkelknochentrompete stark blasen und „PHAT“ rufen und dies und das machen und ihre Augen verdrehen. Aber ohne einen Fokus auf die Quelle dieses Phänomens zu haben, werden sie diesen Feind niemals töten oder durchbohren, weil dieser nicht daraus entsteht. Eigentlich schafft der Ärger dies überhaupt. Es entsteht aus dem Greifen nach einem Selbst; der Glaube, dass dies so ist, wie es geschaffen hat. Wenn das Feuer dann aus ist, bleibt Rauch übrig.

Milarepa und die Felsdämonin

In einer berühmten Geschichte von Milarepa, als er seine Höhle für einen Moment verließ und dann zurück kam, sah er, dass die Dämonin des Felsens seine Höhle versperrt und fünf äußerst schreckliche Emanationen versammelt hatte. Milarepa war so verwundert, diese Dämonen in seiner Höhle zu sehen, dass er keinen Schritt durch die Tür machen konnte. Er war von Schrecken erfüllt und begann das Mantra seiner Meditationsgottheit so schnell er konnte zu rezitieren. Dies machte es nur schlechter. Die Dämonen wurden immer größer und größer. Dann begann er auf die Selbstnatur als Gottheit zu meditieren und auch das verschlechterte alles nur. Dann begann er mit zornvollen Mantras und auch dies funktionierte nicht. Schließlich in völliger Verzweiflung erinnerte er sich an die hinweisenden Anweisungen, die sein Lama ihm gegeben hatte – dass alle Phänomene aus dem Geist entstehen und dass alle Erscheinungen nur die eigenen Projektionen sind. Dann trat er in das Gewahrsein der Natur der Leerheit ein, der Natur des Geistes, und sofort verschwanden sie, lösten sich auf. Dies ist eine sehr bekannte Geschichte von Milarepa, wie er die Dämonin vom Felsen seiner Höhle ein für alle mal beseitigte. Bis man realisiert, dass die Phänomene Projektionen des eigenen Geistes sind, kann man annehmen, dass wo immer man hingeht, es immer Dämonen, Geister und Probleme geben wird.

Dämonen und geistige Projektionen

Daher lehrte Milarepa, wenn jemand an die Existenz von äußeren Geistern glaubt, dann wird es leidvoll sein. Es ist durch diesen Glauben, dass es einen wahrhaft existierenden Geist gibt, dass dieses Leid von diesem Geist hervorgerufen wird. Wenn jemand andererseits versteht, dass es nur der Ausdruck des Geistes ist, dann ist der Dämon beseitigt und Leid oder ungünstige Umstände sind beseitigt. Das Realisieren der leeren Natur des Geistes ist die Bedeutung von Chöd. Durch das Durchtrennen oder Abschneiden des falschen Konzepts wird man von Leid befreit.

Aus den Belehrungen des Ehrw. Yangthang Rinpoche zum Thema Chöd. Übersetzt und zusammengestellt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2010)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. April 2016

Chöd und Mitgefühl

horror-766261_1920Wenn man die Natur des Geistes realisiert, dann wird der Dämon sofort zur Gottheit und die Gottheit gibt die spirituellen Errungenschaften. Dies hängt völlig von der Erkenntnis vom Spiel des Geistes ab. Wenn man die Phänomene nicht als das Spiel des Geistes erkennt und man an den Phänomenen als in sich selbst wahr festhält, dann werden die Geister sich vermehren und weiter fortbestehen.
Heutzutage gibt es viele Praktizierende, die behaupten, sie hätten diese Fähigkeiten in ihrer Chöd-Praxis. Aber vieles davon basiert auf den verschiedenen Dämonen, die sie ausgetrieben haben. Die meisten von ihnen waren möglicherweise nicht fähig, die inneren Dämonen zu eliminieren, den Dämon des Geistes. Und daher wächst ihr innerer Dämon weiter. Sie haben kein Verständnis über die absolute Bedeutung von Chöd und ihr Geist wird von dämonischer Energie gesegnet oder vom Stolz ihrer Praxis beeinflusst. Sie werden überheblicher, haften mehr an der zyklischen Existenz und sie fallen noch tiefer in den Schlamm von Samsara. Sie erhalten Opfergaben, die sie zu ihrem eigenen Vorteil genießen und dies bedeutet, dass der Dämon ihren Geist noch immer gefangen hält. Zuerst ist es ein äußerer Dämon, aber je mehr man veranstaltet, umso mehr wird es ein innerer Dämon und dann ein Haupthindernis.

Resultate des Chöd

Wenn jemand Chöd korrekt praktiziert, nehmen Stolz und Überheblichkeit ab, Anhaften an zwanghaften Annehmlichkeiten, Weltlichkeit, Samsara und seine acht weltlichen Belange nehmen ab. Sobald die acht weltlichen Dharmas abfallen, denkt man nur mehr an den Dharma. Für die meisten von uns ist dies schwierig. Selbst im Rahmen der Chöd-Praxis setzen wir das Erzeugen von Anhaftung und Abneigung fort, was aber das eigentliche Ding ist, das ausgelöscht werden sollte. Wie funktioniert das? Wenn wir beispielsweise einen Exorzismus für jemanden ausführen, dann ist dies gewöhnlich jemand, den wir mögen, ein Verwandte oder Freund, ein Schüler oder ein Förderer. So fängt man also an und macht ein Dreieck, um den Dämon zu fangen, macht ein Abbild und führt die Zeremonie in einem Zustand des Zorns gegen diesen Feind und in Anhaftung gegenüber demjenigen, der davon betroffen ist, aus. Tatsächlich sollte man bei einer wirklichen Chöd-Praxis keine Anhaftung oder Abneigung haben. Man sollte Mitgefühl für Feind und Freund haben, denn seit anfangsloser Zeit bis jetzt sind beide unfähig gewesen, die tiefgründige Bedeutung von Chöd zu verwirklichen oder auch nur auf den Dharma zu treffen und dies auf bestimmte Weise zu verwirklichen. Beide wanderten durch die drei Bereiche der zyklischen Existenz.
Durch das Verwirklichen, dass alle Erscheinungen leer sind, entsteht spontan Mitgefühl und die Dämonen und Geister sind befriedet. Dies ist der einzige Weg. Wenn jemand Wut oder Anhaftung hat, bringt dies nicht nur keinen Nutzen, sondern es verschlimmert die Situation nur. Daher ist der Hauptpunkt, dass man Ichlosigkeit verwirklicht, und dass man erlaubt, spontanes Mitgefühl aufsteigen zu lassen. Daher lehrte Milarepa, dass in diesen Tagen die meisten Chöd-Praktizierenden einige Macht durch die Kraft ihrer Meditation und Mantra-Rezitation entwickelt haben, und dass sie diese Macht als eine äußerliche Mode benutzen. So entwickelt sich dies zu Dämonen und anderen Arten falscher Wahrnehmung.

4 Dämonen befreien

Milarepa sagte: „Meine Tradition ist nicht so. Meine Tradition ist der Gebrauch der Macht der eigenen Praxis und der eigenen wundersamen Fähigkeiten um nach innen zu gehen und es auf den wahren Feind anzuwenden, der das Greifen nach einem Selbst ist. Das Durchtrennen oder Abschneiden des Bandes des Greifens nach einem Selbst durch ungekünsteltes Verhalten, dies beseitigt die vier Dämonen: äußere Dämonen – Götter und Geister; innere Dämonen – die fünf störenden Gefühle; den Dämon von Wonne und Annehmlichkeit; und viertens, den Dämon, der die Quelle von all dem ist, das Greifen nach einem Selbst. Diese vier sind durch die Kraft des Nachinnenwendens beseitigt.“ Man sollte diesem Rat folgen und die Chöd-Praxis sollte der Tradition der inneren Anwendung folgen, sodass man die Wurzel des Problems ausreißen kann.

Aus den Belehrungen des Ehrw. Yangthang Rinpoche zum Thema Chöd. Übersetzt und zusammengestellt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2010)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. April 2016

Vertrauen und Sicht im Vajrayana

tibet-623784_1920Es gibt so viele Dinge, die man beachten muss – dies sind gerade die wichtigsten. Über all diesen ist es wichtig, das unfehlbare Gesetz von Ursache und Wirkung – Karma – zu beachten. Wenn man selbst durch sorgfältiges Schauen auf Ursache und Ergebnis, dann sind die meisten Verpflichtungen durch diese Berücksichtigung gehalten. Viele Leute glauben, wenn sie ins Vajrayana und speziell ins Dzogchen eintreten, dass alles auf dieser Praxisstufe erlaubt ist, aber das ist sehr, sehr falsch. So zu denken, ist ein großer Fehler. Selbst die höchsten Praktizierenden achten noch sehr sorgfältig auf das Prinzip von Ursache und Wirkung. Man muss sich selbst beobachten und entsprechend über sich selbst wachen.

Zuversicht

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es heutzutage sehr schwierig ist, Zuversicht in das geheime Mantra zu haben. Es ist sehr schwierig jenem zu vertrauen, was einem gesagt wird und dem, was man sieht. Gemäß der Sicht des geheimen Mantras ist z.B. Kot Buddha Vairocana und Urin ist Buddha Amoghasiddi. Nun wer glaubt schon daran? Es ist schon sehr schwierig zu glauben, dass Scheiße Buddha Vairocana ist, oder? Wie kann denn das sein? Tatsächlich ist die Natur des Phänomens, von dem man glaubt, es sei schmutzig und man Abscheu empfindet, die Natur des Buddha. Aber es ist schwierig für einen jetzt daran zu glauben. Man mag beispielsweise gehört haben, dass die Natur der Erde die Dakini Sangye Chenma und die Natur des Wassers die Dakini Mamaki ist. Was bedeutet das nun? Man versteht die Bedeutung nicht, wenn man die Erde als Erde betrachtet, man erkennt die Dakini nicht, und wenn man Kot als Kot sieht, dann sieht man den Buddha nicht. Wenn man also den Grund dafür nicht kennt, und man die Welt in der Weise wie man sie sieht betrachtet, dann hält man die gewöhnliche Sicht weiter aufrecht.

Beschränkungen überwinden

Durch die Dharma-Praxis im allgemeinen und des geheimen Mantras im speziellen, versucht man die geistigen Beschränkungen, die zu gewohnheitsmäßigem Greifen nach wahrer, inhärenter Existenz führen, in das offene Gewahrsein der innewohnenden Weisheitsnatur zu verwandeln. Um dies zu tun, muss man lernen und den Belehrungen der Lamas, der spirituellen Lehrer, zuhören. Man muss die Texte lesen. Man muss über die Bedeutung der Belehrungen nachdenken und zu einem Verständnis der Bedeutung kommen. Durch Studium muss man das Vertrauen darin entwickeln und vermehren. Und speziell um die eigenen Verdunklungen und Negativitäten zu entfernen, muss man praktizieren. Allmählich wird man dann dies alles zu verstehen beginnen und tatsächlich dies als wahr erkennen. Man wird zu diesem Ergebnis durch das Entwickeln der Weisheit des Hörens, der Weisheit von Studium und Kontemplation, und durch die Weisheit der Meditation kommen, ebenso durch das Erhalten der Segnungen des Lamas, indem man Vertrauen in den Lehrer hat, und indem man dem Geist des Lehrers und seinen Segnungen erlaubt, in den eigenen Geist zu kommen.

Buddhas erkennen

Die Zeit wird kommen, wenn man unreine Dinge als Buddhas und Dakinis erkennen wird. Obwohl man jetzt solche Dinge nicht erkennen kann, soll man die Einstellung haben, dass man dies eines Tages sehen wird, und man muss das Vertrauen haben, dass dies in dieser Sicht wahr ist. Man sollte niemals eine falsche Sicht entwickeln. Eine falsche Sicht lässt einen entsetzlich leiden. Anstatt dass man sich erlaubt in eine falsche Sichtweise aufgrund eines Mangels an Verständnis zu verfallen, soll man denken: „Der Grund, warum ich das nicht verstehe, sind meine Unfähigkeiten, meine Verschleierungen und mein negatives Karma, und ich sollte besser daran arbeiten. Ich habe Vertrauen, dass dies, die höchste Lehre des Buddha, das geheime Mantra, letztendlich wahr ist, und ich werde dies langsam und sorgfältig aufnehmen, und ich werde meinen Fähigkeiten entsprechend fleißig üben. Ich weiß, dass ich zur rechten Zeit die Natur realisieren werde.“ Und wie alle wissen, gibt es am Anfang immer Schwierigkeiten, aber man sollte sich diese Anweisung, wie man mit Problemen umgeht, zu Herzen nehmen.
Eine weiße Muschel erscheint Gelb für eine Person, die Gelbsucht hat, aber sie wird weiß für eine Person ohne Gelbsucht erscheinen. Die Substanz „Wasser“ wird von den verschiedenen Wesen der vielfältigen Arten des Daseinskreislaufs gemäß ihrer jeweiligen karmischen Situation unterschiedlich erfahren. Götter erfahren es als Nektar, während die Wesen in den Höllenbereichen es als feurige Flüssigkeit erleben. Alle Erscheinen werden gemäß der karmischen Wahrnehmung der Betrachter gesehen, etikettiert und ergriffen. Man muss verstehen, dass die Art, wie man die Dinge sieht, benennt und ergreift nicht notwendigerweise wahr ist, aber der Dharma ist wahr. Wenn man den Dharma jetzt nicht verwirklichen kann, dann sollte man auf richtige Art daran arbeiten, sich in die Richtung zu bewegen, dass man fähig wird, ihn eventuell zu realisieren. Man muss das Vertrauen und die korrekte Sicht haben, dass es eines Tages geschehen wird.

Auszug aus Belehrungen von S.E. Yangthang Rinpoche zum Vajrakila aus dem Zyklus des Ratna Lingpa. Übersetzt und zusammengestellt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2009)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. März 2016

Der Ursprung der Löwenköpfigen

Die Geschichte der Simhamukha in der Nyingma-Tradition

Sengdong-schwarzGemäß Khyentse Rinpoche ist die Originalschriftquelle für Simhamukha das Drwa ba’i sdom pa’i rgyud. Dieses Tantra, in dem Simhamukha mit den acht zornvollen Gauris (tib., ke’u ri ma brgyad) und den acht Tramenmas, d.h. tierköpfigen Zauberinnen (tib., phra men ma brgyad) in Verbindung gebracht wird, scheint mit dem Guhyagarbha Mayajalazyklus (tib., sgyu ‘phrul drwa ba) in Verbindung zu stehen. Im tibetischen Totenbuch (tib., bar do thos grol) erscheinen diese Gaurihexen, die die acht Formen des weltlichen Bewusstseins repräsentieren und diese acht tierköpfigen Zauberinnen, die die acht Objekte des Bewusstseins verkörpern, dem Verstorbenen am 12. und 13. Tag der Bardoerfahrung nach dem Tode. Allerdings ist es hauptsächlich den Termas, den verborgenen Schatztexten, die seit dem 11. Jahrhundert entdeckt wurden zu verdanken, dass Simhamukha von den Nyingmapas praktiziert wird.
Im Sutrasystem nehmen die Praktizierenden Zuflucht in die drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha. Allerdings nimmt man im Tantrasystem auch Zuflucht in die drei Wurzeln Guru, Gottheit und Dakini (tib., bla ma yi dam mkha’ ‘gro gsum). Im Termasystem des Jetsun Nyingpo (tib., ‘ja’-tshon snying-po, 1585-1656), bekannt als das dKon-mchog spyi ‘dus, „Die Vereinigung der Drei Kostbaren“, ist die Hauptvisualisations-Praxis das Zhi drag seng gsum. Hier bedeutet zhi (tib., zhi ba) friedvoll und dies bezieht sich auf die friedvolle Form von Guru Padmasambhava, bekannt als Guru Zhiwa. In dieser Erscheinung ist er in seine üblichen Roben gekleidet, mit seiner rechten Hand hält er einen goldenen Vajra vor sein Herz und in seiner linken Hand hält er eine Schädelschale, in der sich eine Langlebensvase befindet. Drag (tib., drag po) bedeutet wild und bezieht sich auf die grimmige Form von Padmasambhava, genannt Guru Dragpo. In dieser Erscheinung ist er von flammendroter Farbe und erscheint als zornvolle Gottheit, wobei er einen Vajra in seiner rechten und einen schwarzen Skorpion in seiner linken Hand hält. Seng bedeutet Löwe und bezieht sich auf die löwenköpfige Dakini Simhamukha (tib., sen ge’i gdong ma). Als Dreiheit angerufen verkörpern sie die drei Wurzeln Guru, Deva und Dakini. Der berühmte Tertön Ratna Lingpa (tib., ratna gling-pa, 1403-1479) entdeckte auch viele Termas mit Bezug zu Simhamukha. In ähnlicher Weise enthüllte das berühmte Wunderkind Tulku Mingyur Dorje (tib., mi ‘gyur rdo rje, 17. Jhdt.), das die gNam-chos, die Himmelsbelehrungen erhielt, bestimmte verborgene Schatztexte von Senge Dongma. In diesem und in anderen Termas werden verschiedene unterschiedliche Übermittlungen dargelegt, die Padmasambhava direkt von seiner Dakinilehrerin in Uddiyana, von der Guhyajnana Dakini (tib., gsang ba ye shes mkha’ ‘gro ma) erhielt. Eine der acht Manifestationen von Padmasambhava (tib., mtshan brgyad) ist Simharaurava (tib., seng ge sgra sgrogs), das Löwengebrüll. Diese Erscheinungsform ist eng mit Simhamukha verbunden, da Padmasambhava die Übertragung von Guhyajnana erhielt, während er sich in dieser Form manifestierte. Wie bereits erläutert, wird Simhamukha als Emanation dieser Dakini aus Uddiyana betrachtet.

Simhamukha und Padmasambhava

Aufgrund der engen Verbindung von Simhamukha mit Padmasambhava könnte man sagen, dass sie seine Anima repräsentiert. Gemäß der traditionellen Überlieferung des Sieben-Zeilen-Gebetes (tib., tshig bdun gsol ‘debs) von Padmasambhava debattierte einst in der Nalanda Universität eine Versammlung von buddhistischen Gelehrten mit einer Gruppe von Hindugelehrten über bestimmte philosophische Themen. Aber die buddhistischen Gelehrten fanden sich schon bald auf der Verliererstraße wieder, und so brachten sie den Dakinis eine Puja dar und beteten um ihre Hilfe. Die melodiösen Stimmen der Dakinis prophezeiten, dass ihr Bruder Padmasambhava den Buddhisten am nächsten Tag zur Hilfe kommen werde. Tatsächlich betrat am darauffolgenden Tag ein wild aussehender Yogi vom nahegelegenen Verbrennungsplatz die Halle und verwickelte die Hindugelehrten in eine philosophische Debatte. Am Ende des Tages hatte er systematisch all ihre Argumente widerlegt. Aber viele Gelehrte blieben störrisch, warfen dem Yogi Beleidigungen an den Kopf und stolzierten arrogant in der Halle herum. Der Guru saß ruhig inmitten des Sturmes, der um ihn tobte, gestattete einem Anflug von Zorn in ihm aufzusteigen und projizierte dann die feurige Energie dieser Wut in den Raum vor ihm. Sie verschmolz zur erschreckenden Form der feurigen, löwenköpfigen Göttin. Die hochmütigen Gelehrten waren über diese Manifestation zu Tode erschrocken und flohen aus der Halle, aber Simhamukha verfolgte sie und warf sie zu Boden. Verschreckt bettelten sie um ihr Leben und unterwarfen sich dem Guru und seinen Lehren.

Aus dem „Secret Book of Simhamukha“ von Lama Vajranatha (John Myrdhin Reynolds; 1987); deutsche Übersetzung von Florian Lobsang Dorje (Florian Schnitzer, 2014) dankend übernommen und nachbearbeitet vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. März 2016

Der zornvolle löwenköpfige Archetyp

Simhamukha Kopie 3Nichts desto weniger ist Simhamukha trotz ihrer zornvollen Erscheinung und ihrer magischen Aktivitäten eine Manifestation erleuchteten Gewahrseins des Buddha und ihre Natur ist Mitgefühl. Wie der Erzengel Michael erschlägt sie den Drachen, der die Kräfte des Bösen und des Chaos verkörpert. Sie zeigt ihr wildes und zorniges Gesicht nur, um fehlgeleitete Wesen zu unterwerfen, ganz so wie eine Mutter ihr ungezogenes Kind in die Schranken weist. Die weltlichen Götter und Geister sind keine erleuchteten Wesen, sie sind noch immer durch ihr Unwissen und ihr Karma konditioniert und sie sind noch im Samsara, in ihrer zyklischen Existenz gefangen. Manchmal richten sie negative Energien in der Form von Verwünschungen gegen Menschen und die Praxis der Simhamukha kann dazu verwendet werden, diese übersinnlichen Angriffe abzuwehren und zurückzusenden.
Transzendente Gottheiten wie Simhamukha sind Emanationen bzw. Projektionen erleuchteter Wesen und da sie Archetypen sind, können sie als Meditationsgottheiten verwendet werden. Diese Erscheinungsformen werden grundsätzlich in drei Klassen unterteilt, da die Meditation auf sie als Gegenmittel für die drei Hauptgifte dient, die das menschliche Bewusstsein heimsuchen:

  1. Meditation auf friedvolle, ruhige Gottheiten wandelt Verwirrung um.
  2. Meditation auf zornvolle Gottheiten transformiert Wut.
  3. Meditation auf lustvolle bzw. freudvolle Gottheiten transformiert Begierde.

Woher stammen Ornamente, Kleidung und Attribute einer zornvollen Gottheit? Gemäß dem Tantra gab es in prähistorischen Zeiten auf einer Insel im indischen Ozean einen Schwarzmagier und Dämonenkönig namens Matam Rudra, der das blanke Überleben der noch primitiven menschlichen Rasse bedrohte. Daher verschafften sich die Bodhisattvas Hayagriva und Vajrapani Zugang zu seinem gigantischen Körper und ließen ihn von innen heraus explodieren. Daraufhin nahmen sie seine Kleidung und seinen Schmuck an sich und unterwarfen anschließend die niederen Dämonen, wobei sie durch ihre grimmige Erscheinung Schrecken verbreiteten. Simhamukha trägt dieselben Ornamente. Als Königin der Nacht hält sie die alptraumhaften dämonischen Wesen auf Distanz, die versuchen, aus den jenseitigen Bereichen des Zwielichts in unser Bewusstsein der Sonnenlichtwelt einzudringen. Als aktive Manifestationen von Leerheit und Weisheit zerstreut ihr Löwengebrüll das diskursive Denken und sie ist nackt, da sie gleichsam frei von diskursiven Gedanken ist.

Aus dem „Secret Book of Simhamukha“ von Lama Vajranatha (John Myrdhin Reynolds; 1987); deutsche Übersetzung von Florian Lobsang Dorje (Florian Schnitzer, 2014) dankend übernommen und nachbearbeitet vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. März 2016

Simhamukha – die Abwehr von magischen und spiritistischen Angriffen

sengdongma1Wie in einem früheren Beitrag bereits beschrieben, besteht die hauptsächliche magische Funktion der Simhamukha darin, negative Energien abzuwehren oder zurückzuschlagen (tib., bzlog pa), um sie an ihren Ursprung zurückzusenden, gleich ob diese Quelle ein Schwarzmagier oder ein böser Geist (tib., gdon) ist. Eine solche Provokation durch negative Energie wird Verwünschung genannt (tib., byad ma, byad kha) und dies wird durch die Geschichte von Bari Lotsawa im nächsten Kapitel erklärt. Meist wird diese Gottheit angerufen, um einen übersinnlichen Angriff abzuwehren. Tantrischer Buddhismus arbeitet auf konkrete Weise mit Energie durch vier Formen der Magie. Obgleich Simhamukha mit jeder dieser vier der magischen Aktivitäten arbeiten kann, steht sie hauptsächlich mit der vierten Funktion in Verbindung, d.h. mit den grimmigen magischen Praktiken (tib., drag po’i ‘phrin las). Deshalb wird die dunkelblaue Vajra Simhamukha im Zentrum des Mandalas positioniert. In spiritueller Hinsicht repräsentiert sie die Transformation von Ärger und Wut in erleuchtetes Gewahrsein und durch übersinnliche bzw. magische Praktiken vollbringt sie die Unterwerfung und Auslöschung von Angriffen negativer Energien (tib., gdon), die als Dämonen und böse Geister personifiziert werden. Sie ist von einem Gefolge aus vier Dakinis umgeben, die ihr ähneln, mit Ausnahme der Körperfarbe und spezieller Attribute. Im Osten erscheint die weiße Buddha-Simhamukha, die die magische Funktion hat, Umstände zu befrieden und zu heilen, im Süden die gelbe Ratna-Simhamukha, die die magische Funktion hat, Reichtum und Wohlstand zu vermehren, im Westen die rote Padma-Simhamukha, die die magische Funktion hat, andere zu verzaubern und unter ihre Macht zu bringen und im Norden die dunkelgrüne Karma-Simhamukha, die die magische Funktion, hat negative Kräfte zu besiegen und zu vernichten. Wenn der Praktizierende eine spezielle Absicht verfolgt, beispielsweise erfolgreich im Geschäftsleben zu werden oder beim Pferderennen zu gewinnen, so wird er die Ratna-Simhamukha im Zentrum des Mandala platzieren und ihre Visualisation durchführen, während er ihr Handlungsmantra rezitiert. Aber auf Thangkas wird die Vajra Dakini Simhamukha gewöhnlich als einzelne Figur, ohne begleitendes Gefolge dargestellt.
Nichts desto weniger ist Simhamukha trotz ihrer zornvollen Erscheinung und ihrer magischen Aktivitäten eine Manifestation erleuchteten Gewahrseins des Buddha und ihre Natur ist Mitgefühl. Wie der Erzengel Michael erschlägt sie den Drachen, der die Kräfte des Bösen und des Chaos verkörpert. Sie zeigt ihr wildes und zorniges Gesicht nur, um fehlgeleitete Wesen zu unterwerfen, ganz so wie eine Mutter ihr ungezogenes Kind in die Schranken weist. Die weltlichen Götter und Geister sind keine erleuchteten Wesen, sie sind noch immer durch ihr Unwissen und ihr Karma konditioniert und sie sind noch im Samsara, in ihrer zyklischen Existenz gefangen. Manchmal richten sie negative Energien in der Form von Verwünschungen gegen Menschen und die Praxis der Simhamukha kann dazu verwendet werden, diese übersinnlichen Angriffe abzuwehren und zurückzusenden.

Aus dem „Secret Book of Simhamukha“ von Lama Vajranatha (John Myrdhin Reynolds; 1987); deutsche Übersetzung von Florian Lobsang Dorje (Florian Schnitzer, 2014) dankend übernommen und nachbearbeitet vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 7. März 2016

Spickzettel – Geistestraining (Lojong)

Hier findet ihr einen Spickzettel zum Thema „Geistestraining“ – Lojong (tib., blo sbyong). Einfach herunterladen, ausdrucken und an eine gut sichtbare Stelle pinnen. Jeden Tag ein bisschen darin lesen und versuchen, das auch in die Praxis umzusetzen. Und wenn ihr mehr dazu wissen wollt, dann seht einfach hier auf rangdrol’s Blog unter „Geistestraining – Dharma im Alltag“ nach. Da könnt ihr euch ein bisschen Inspiration holen! Viel Erfolg dabei!

Spickzettel_Lojong

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. März 2016

businessman-1106923_1920Neben dem spirituellen Aspekt gibt es in der Lehre des Buddha auch noch einen weltlichen. Auch wenn im Buddhadharma immer wieder davon gesprochen wird, das Streben nach den acht weltlichen Dharmas wie Gewinn, Verlust, Verehrung, Verachtung, Lob, Tadel, Glück und Unglück aufzugeben, spricht Buddha von zwei Arten des Überflusses und zwei Arten des Glücks.

Überfluss

Die zwei Arten des Überflusses sind eine Fülle an materiellen Dingen und ein Überfluss an Tugend oder Wissen. Die zwei Arten des Glücks sind das von den materiellen Dingen abhängige Glück und das von den materiellen unabhängige Glück, das spirituelle Glück. Man sieht, dass die Lehre des Buddha nicht einfach ein Abwenden vom Weltlichen ist, sondern auch davon handelt, wie man geschickt mit den weltlichen Dingen umgeht. Ein geschickter Umgang mit weltlichen Dingen dient nicht zur Selbstbestätigung, sondern ist dazu gedacht, förderliche Bedingungen auf dem Pfad bereitzustellen und zu mehren.

Persönliche Übung – Wunsch und Anwendung

apples-1181882_1920Für die persönliche Übung ergeben sich drei Gebiete des verdienstvollen Wirkens: 1) Freigiebigkeit; 2) Moral; und 3) geistige Entwicklung. In buddhistischen Ländern gibt es darüber hinaus noch sieben weitere Aspekte: 1) Verehrung; 2) Dienen; 3) Verdienstübertragung; 4) sich am Verdienst anderer erfreuen; 5) die Lehre darlegen; 6) der Lehre lauschen; und 7) Wiedergutmachung bzw. die rechte Sicht wieder herstellen.
Dabei ergeben sich für Laien – also jene Praktizierenden, die keine monastischen Gelübde halten – folgende vier Tugenden: 1) Aufrichtigkeit; 2) Selbstdisziplin; 3) Enthaltung; und 4) Freigiebigkeit. Mittels dieser vier Tugenden lässt sich auch ein Zusammenleben einigermaßen konstruktiv gestalten. Wendet man zusätzlich dazu noch die vier Aspekte des wünschenden Bodhicitta – liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut – an, dann verwandelt man den Ort, an dem man sich befindet in eine Stätte, an der selbst Gott Brahma verweilen möchte.
Durch die Praxis der überweltlichen Tugenden – der Paramitas – manifestiert man das Streben nach Befreiung. Freigiebigkeit besteht aus den drei Arten des Gebens: 1) das Geben von materiellen Dingen; 2) Schutz gewähren; und 3) den Dharma geben. Ethische Disziplin ist 1) das Aufgeben von negativen Handlungen; 2) das Ansammeln von positiven Handlungen; und 3) das Wirken zum Wohle der fühlenden Wesen. Duldsamkeit zeichnet sich auch durch drei Aspekte aus: 1) das unerschütterliche Verweilen angesichts von Leid, 2) dem Leiden frohgemut zu begegnen bzw. das Annehmen von Leid und 3) das Streben nach einem wahren Wissen der Realität bzw. Gewissheit über den Dharma zu erlangen und dies alles dient dem Beseitigen von Ärger und Gram. Freudvolles Streben ist 1) ein Eifer gleich einer Rüstung; 2) ein Eifer in der Ausführung der heilsamen Taten; und 3) ein Eifer zum Wohle der anderen. Pflegt man die dreifache Sammlung wie beispielsweise die neun Arten des geistigen Ruhens oder die Konzentration, welche ausgezeichnete Eigenschaften entstehen lässt etc., verwandeln wir uns in ein reines Gefäß, das die drei Arten der Weisheit (Hören, Nachdenken, Meditation) enthält.

Lebensweise

hand-676485_1920Im Vyagghapajja-Sutra lehrt der Buddha, wie auch Laien inmitten des Weltlichen ein glückliches Leben führen können. Der Laie Dighajanu bittet den Buddha dabei um eine Lehre, die zum Wohl und Heil gereiche, sowohl diesseits wie auch jenseits. Buddha Shakyamuni rät dann zu Fleiß, Wachsamkeit, edlem Umgang und einer maßvollen Lebensweise.
Wenn jemand in der Arbeit für den Lebensunterhalt tüchtig und nicht nachlässig ist und versteht, mit den richtigen Mitteln zu handeln und auch anzuordnen, dann bezeichnet der Buddha das als Bewährung im Fleiß. Die durch Fleiß und Strebsamkeit erworbenen Güter wurden rechtschaffen angesammelt und nun müssen diese auch bewacht und behütet werden, damit Fürsten und Räuber sie nicht fortnehmen oder sie nicht der Zerstörung durch die Elemente anheimfallen oder gar von Erbschleichern ergaunert werden. Dies bezeichnet der Buddha als Wachsamkeit. Menschen, deren Charakter von Vertrauen, Sittlichkeit, Freigiebigkeit und Weisheit gekennzeichnet ist, sollte man aufsuchen und so einen edlen Umgang pflegen. Was ist nun kein edler Umgang? Buddha nennt dabei jene, die das Leben zerstören, die stehlen, einen unrechten Wandel in den Sinneslüsten betreiben, lügen und Rauschmittel konsumieren.
Vier Dinge sollte man meiden: 1) Ausschweifungen; 2) Trunksucht; 3) Spielsucht; und 4) schlechte Gesellschaft. Diese vier werden auch als die „vier Abflüsse“ bezeichnet. Buddha Shakyamuni gibt als Beispiel dazu einen Teich, der vier Zuflüsse und vier Abflüsse hat. Wenn man die vier Zuflüsse verstopft, aber die vier Abflüsse weit öffnet und die Wolken einen Regen spenden, so wird eine Abnahme des Wassers darin stattfinden. Aus diesem Grund rät der Buddha dem Laien Dighajanu in der Lehrrede über die Grundlagen der Wohlfahrt, diese aufzugeben. Genauso rät er dem Dighajanu, einer üppigen Lebensweise zu entsagen, bei der die Ausgaben höher als die Einnahmen sind. Gleichermaßen aber lehrt er auch, wenn man bei großem Einkommen eine dürftige Lebensweise führt, dass man wie ein Hungergeist sterben wird. Buddha rät daher ein maßvolles Leben zu pflegen, bei der man die Einnahmen und Ausgaben kennt und die Lebensweise demgemäß einrichtet.
Auch der rechte Lebenserwerb ist natürlich hilfreich. D.h. man nimmt Abstand der Ausübung der fünf verwerflichen Berufe wie dem Handel mit Waffen, Lebewesen, Fleisch, Rauschmittel und Giften. Daher sind die Berufe des Schlächters, Fleischhauers, Fischers und/oder Söldners für eine segensreiche Dharma-Praxis kaum zuträglich.

dagobert-1001336_1920Knausrigkeit

Im Macchariya Sutra beschreibt Buddha fünf Arten der Missgunst, die man aufgeben sollte und zwar hinsichtlich 1) der Wohnstätte; 2) der Unterstützer; 3) des Gewinns; 4) des Ansehens; und 5) des Wissens bzw. der geistigen Fähigkeiten. Wenn man diese fünf Arten aufgibt, dann „ist das heilige Leben erfüllt“. Das bedeutet, dass man ohne diese aufzugeben, nicht in der ersten Versenkungsstufe verweilen kann.

Vermögensverwaltung

Abschließend beschreibt Buddha auch noch zehn Arten, wie Menschen mit ihrem Besitz umgehen. Er beginnt mit jenen, die auf ungesetzliche und gewaltsame Weise nach Vermögen streben. Diese vollbringen in gar keiner Weise gute Taten, da sie das Vermögen nicht mit anderen teilen und machen sich und andere durch Erwerb und Besitz unglücklich. Dann gibt es jene, zwar genauso ungesetzlich und gewaltsam streben, aber zumindest für sich selbst ein kleines Glück daraus schöpfen, obwohl sie es nicht mit anderen teilen. Dann gibt es die Robin Hoods unter den drei Unglücklichen, die zwar auch ungesetzlich und gewaltsam handeln, aber das Vermögen mit anderen teilen und so gute Werke tun. Buddha nennt dann drei weitere Kategorien, in denen Menschen sowohl gesetzlich als auch ungesetzlich, gewaltsam als auch gewaltlos handeln. Einige davon teilen ihr Vermögen mit anderen, andere wiederum nicht. Je nachdem schaffen sie so gute Werke oder eben nicht. Und abschließend nennt der Buddha vier Arten des gesetzlichen und gewaltlosen Erwerbs. Jedoch nur jene, die dabei sich selbst und andere glücklich machen, es mit anderen teilen und gute Werke tun, kommen auch in einen Genuss des Vermögens. Sie hängen nicht an ihrem Besitz, verwenden diesen nicht zur Selbstbestätigung und erkennen sogar die mit Besitz verbundenen Gefahren. Aber sie verfügen auch über die nötige Einsicht in den vergänglichen Nutzen des Vermögens und erlangen deshalb geistige Freiheit dabei.

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