Verfasst von: Enrico Kosmus | 7. Dezember 2016

Die Natur des Geistes

theravada-buddhism-1823527_1280.jpgNun werden wir über die Natur des Geistes sprechen. Die Natur des Geistes ist die Natur der absoluten Realität. Diese Natur des Geistes ist frei von allen künstlichen und bedingten Merkmalen, die vom Intellekt geschaffen sind. Diese Natur des Geistes ist weit und unendlich. Sie kann nicht mit Worten erklärt werden, noch kann sie veranschaulicht werden, noch kann sie aufgezeigt werden. Das ist ihre Natur. Diese Natur ist also gewaltig weit und endlos, und enthält alle Kayas, daher enthält sie alle uranfänglichen Weisheiten. Sie ist jenseits der Phänomene der Dualität. Sie gehört überhaupt nicht zur Dualität. Sie ist uranfänglich rein. Sie ist weder existent, noch nicht-existent. Sie ist keiner Seite zugehörig. Das ist der uranfängliche Grund, auf dem sich alle Weisheiten manifestieren. Es ist die Erschöpfung von allem in Samsara und Nirvana, uranfänglich und angeboren rein. Sie ist das vollkommene Erscheinen und die Versenkung der Kayas. Ihre grundlegendes Prinzip ist ungehindertes Mitgefühl allen belebten und unbelebten Objekten gegenüber.

Das Relative verweist auf das Absolute

Obwohl sie weder veranschaulicht oder erklärt werden kann, versuchen wir eine Anstrengung zu unternehmen, die Richtung auf diesen absoluten Geist hin aufzuzeigen. Wenn ihr natürlich auf einer schwarzen Tafel mit schwarzer Kreide schreibt, dann werdet ihr nicht sehen, aber wenn ihr mit weißer Kreide schreibt, dann werdet ihr das Geschriebene sehen. Daher werden wir hier die relative Wahrheit verwenden, um die Richtung der absoluten Wahrheit zu erklären. So funktioniert das, anders kann sie nicht aufgezeigt werden. Allerdings ist die Kommunikation als ein Mittel für das Verstehen wichtig, daher werden wir das in der Weise des Relativen und Absoluten verwenden.
Von einem absoluten Standpunkt aus ist dieses Gewahrsein seit allem Anfang an von anfangsloser Zeit erleuchtet. Da gibt es nichts zu verfälschen, nichts dabei zu machen. Es kann nicht von Samsara verfälscht werden, noch kann es von Nirvana verbessert werden. Es ist jenseits davon. Es ist ungeboren und ungeschaffen. Dieses uranfängliche Gewahrsein kann durch kein Verständnis verpfuscht oder manipuliert werden. Es ist grundlegend so wie es ist, uranfänglich rein, in dem eine enorme Lichtheit aller Kayas aus diesem Gewahrsein erscheint. Also aus der Sicht der absoluten Wahrheit hält dieses Gewahrsein an keinem Gewahrsein fest und kann nicht ausgedrückt, gesehen oder aufgezeigt werden. Das ist auch der Grund, warum alle Buddhas, als sie erleuchtet waren, nicht gesagt haben: „Das ist Erleuchtung,“ und es dann sofort aufgezeigt haben. Sie waren nicht in der Lage, es so aufzuzeigen. Jedoch aus der Sicht der relativen Wahrheit, weil ihr euer Gewahrsein nicht erkannt habt, ihr die absolute Wahrheit nicht erkannt habt, manifestiert sich das Feld der relativen Wahrheit.
Aus dem Raum der Manifestation der relativen Wahrheit erscheinen dann alle Buddhas, die Buddha-Felder, alle Bereiche und die ganze Unendlichkeit der Dinge. Sie werden gemäß der Wahrheit der wechselseitig bedingten Entstehung erscheinen. Auf diese Weise werden sie hervortreten. In der buddhistischen Praxis ist es wichtig, sowohl das Relative wie auch das Absolute zu respektieren. Wie wir glauben, wird Erkenntnis durch das Vereinen des Relativen und des Absoluten zu einem Geschmack erlangt, weil diese absolute Wahrheit in keine Begrenzung fällt, noch zu irgendeiner Seite. Das Wissen, wie das absolute Verständnis und das relative Erscheinen vereint werden, ist in eurer Praxis sehr wichtig. Das ist der Grund, warum Erkenntnis nicht durch das Abspulen von Rezitationen und Umkreisungen und all dem erreicht wird und all dem, ohne das Absolute durchdrungen zu haben. Warum? Weil ihr sonst einseitig praktiziert. Das ist der Grund, warum beim Kyerim – der Erzeugungsstufe – wenn wir visualisieren, zuerst die Visualisation von allem machen und dann das Auflösen von allem in Leerheit machen. Das ist genau das, worum es geht. Das Erscheinen zu verstehen und auch die Auflösung, das sind das Relative und das Absolute. Andernfalls, egal wie viele Jahre ihr eure Praxis macht, das Rezitieren und Visualisieren, wenn ihr nicht diese Kernessenz, welche das Absolute ist, begriffen habt, dann ist das nichts als eine Manifestation, nichts als ein Ausdruck, ein geschickter Ausdruck der uranfänglichen Weisheit, dann wird wahrer Fortschritt schwierig sein. Egal welche Praxis ihr nun macht, es ist wichtig, nicht in eine Steifheit der Praxis zu verfallen. Nein, fallt keiner Steifheit der Praxis anheim. Stattdessen legt den ganzen Fokus auf das grundlegende Verweilen ohne irgendeine Ausschmückung und Künstlichkeit, schaut einfach in die Natur des Geistes selbst, genauso wie ihr es bei der Praxis des Shine macht. Deshalb ist die Shine-Praxis so wichtig für euch, weil Shine in euch ein Verständnis von dem, was der absolute Geist ist, entstehen lassen, oder in den Begriffen des Dzogchen, was Rigpa bedeutet.

Relatives und Absolutes gleichwertig praktiziert – Vereinigung anstreben

Dementsprechend muss sowohl dem Relativen wie auch dem Absoluten gleich viel Zeit eingeräumt werden. Genauso wie ein Vogel nicht mit einem Flügel allein fliegen kann, müsst ihr sowohl die relative wie auch die absolute Wahrheit zusammen praktizieren. Es gibt Leute, die mehr an die absolute Wahrheit glauben und nicht sehr an die relative. Sie glauben, wenn sie das Absolute durchdringen, dass sie dann die Essenz des Gewahrseins verstanden hätten. Das ist aber nicht korrekt, weil die absolute Wahrheit niemals vergehen wird, damit die relative entstehen kann. Sie wird immer selbstmanifest sein. Das ist die schöpferische Kraft des Geistes. Wenn ihr zum Extrem der absoluten Wahrheit selbst geht und ihr bloß das praktiziert, dann findet ihr euch möglicherweise in einer dämonischen Leerheit wieder, aber das ist nicht die erleuchtete Leerheit. Das ist eine nach innen gekehrte Sichtweise, die denkt: „Oh, alles ist leer. Da gibt es kein solches Ding wie Negativität. Da gibt es nicht so etwas wie Göttlichkeit. Alles ist von meinem Geist erzeugt.“ Dadurch negiert ihr das Erscheinen der relativen Wahrheit. Wenn ihr das negiert, dann verfällt ihr in eine dämonische Sichtweise. Dann werdet ihr einseitig. Das, was über die Begrenzungen hinausgeht, fällt in einen begrenzten Raum. Da besteht also diese Gefahr, dass ihr auf eine extreme Seite geraten könnt, wenn ihr euch bei der Praxis auf die absolute Wahrheit ausrichtet und erkennt, dass alles leer ist, bar irgendeiner Natur. Das Relative und Absolute müssen harmonisch Hand in Hand gehen.
Das gleiche bei eurer Praxis nun, am Ende jeder Praxis, und da ist es egal, welche Praxis ihr macht, versucht Subjekt, Objekt und Handlung in einem Gewahrsein zu vereinen, versucht das zu machen. Es wird sehr gut sein, wenn ihr das machen könnt. Habt nicht das Ego, dass ihr praktiziert habt, das ihr widmet, dass ihr eine wunderbare Sache für alle fühlenden Elternwesen gemacht habt. Haltet vielmehr den Stolz, praktiziert zu haben, nicht fest. Subjekt, Objekt und Handlung sind von einem Geschmack.

Dies stammt aus den Belehrungen von Lama Shenphen Dawa Rinpoche zum Thema „Sicht – Meditation – Verhalten“. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. Dezember 2016

Drei Dinge jeder Praxis

budha-198890_1920.jpgMotivation

Am Anfang jeder Praxis trefft drei Dinge, die ihr korrekt treffen müsst. Zuerst trefft die Motivation. Praktiziert nichts, ohne die korrekte Motivation. Das ist von keinem Nutzen. Zieht zuerst die Motivation heran. Warum praktiziert ihr? Was ist der Grund für eure Praxis? Was beabsichtigt ihr, durch diese Praxis zu erlangen? Schaut zuerst auf euer Verhalten. Das ist eure Motivation. Motivation ist einfach. Es geht um das Befreien aller fühlenden Wesen. Das ist die Motivation. Es gibt keine andere Motivation. Was ist mit „fühlende Wesen, die unsere Eltern sind“ gemeint? Damit meint man, dass die Bezeichnung, wer eure Eltern sind und wer euer Feind ist, aufgelöst wird. Die Auflösung dessen sind die fühlenden Wesen, die unsere Eltern sind. Ihr müsst diese Idee auflösen. Deshalb werden euer Vater und eure Mutter zu eurer rechten und linken Seite visualisiert, wenn ihr die Niederwerfungen macht, eure zukünftigen Eltern sind alle hinter euch, während eure feindlichen Wesen auch im selben Mandala sein müssen. Das Mandala ist ein. Das ist Bodhicitta und der Nutzen für alle. So müsst ihr damit umgehen.

Konzentration

Zuerst ist die Motivation, überprüft das sehr sorgfältig und zweitens ist dann die Konzentration. Konzentration ist der zweite Punkt, den ihr haben müsst. Konzentration bedeutet, dass der Geist nicht vom lebendigen Gewahrsein wegflattert. Geist ist präsent bei allem, was ihr macht. Der Geist geht dabei nicht weg. Wenn ihr also das Mantra rezitiert, dann rezitiert es klar. Rezitiert es auf die Art und Weise, wie ihr rezitieren sollt und versucht die Visualisation so klar wie möglich zu halten und eure Kanäle so klar wie möglich zu halten. Um welche Anweisung es sich auch handelt, das ist die rechte Konzentration. Also folgt den Benimmregeln des rechten Verhaltens, das von euch während eurer Praxis verlangt wird. Da gibt es Dinge, die man tut und Dinge, die man nicht tut. Fehler könnt ihr machen, all das wird euer Lehrer erklären und ihr solltet die Fehler vermeiden. Ihr vermeidet die Fehler so oft wie möglich.

Widmung

Der letzte Punkt, der wirklich von entscheidender Wichtigkeit ist, ist die Widmung. Widmet die Verdienste eurer Praxis. Widmet die Verdienste eurer heilsamen Gedanken. Widmet das. Da gibt es die allgemeine Widmung und die Widmung im Raum des Dharmakaya. Eure Widmung sollte die letztere sein. Niedrigere Schulen widmen den Verdienst einfach so, wie er ist, aber sie werden nicht unbedingt es im Dharmakaya widmen. Wenn ihr den Verdienst im Dharmakaya widmet, dann wird er sich vermehren, sodass er unerschöpflich ist.

Diese drei also – Motivation, Konzentration und Widmung – sind also die drei Hauptnägel in der Praxis des Vajrayana.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Dezember 2016

Greifender Geist

wave-1646757_1920.jpgGreifender Geist erschafft Festigkeit

Das wird euch dabei helfen zu begreifen, was gesehen wird und wer sieht. Es ist euer Geist, der sieht und nichts anderes, niemand anderer. Eure Augen sind noch immer geöffnet und aber das Objekt ist nicht da. Das zeigt, wie Phänomene vom Geist erkannt werden. Das ist beim Ablauf eurer Gedanken genauso. Wenn der Geist sich auf einen Gedanken ausrichtet, dann erscheint der Gedanke. Wenn der Geist sich auf nichts ausrichtet, dann bewegen sich die Gedanken. Also hier müssen wir die Gedanken bewegen und verändern lassen – das ist wichtig. Ich habe euch gesagt, Gedanke bedeutet Unbeständigkeit. Es gibt keine Festigkeit bei einem Gedanken. Wir glauben, dass Gedanken fest wären, aber sie sind nicht solide. Die Festigkeit im Gedanken wird durch unseren greifenden Geist gebildet, der das Phänomen ergreift, um es solide zu machen. Aber was ist solide, fest? Nichts ist fest. Heute sind wir in diesem Haus. Nach ein paar Jahren wird dieses abgerissen. Ziegel und Steine werden sich zu Staub verwandeln. Das ist die zusammengesetzte Natur aller Dinge, die sie fest erscheinen lässt, aber eigentlich sind sie Leerheit. Aber es ist schwer für uns, diese Leerheit in der Natur aller Dinge zu sehen.

Die Konzentrationen abwechseln

Während eurer Sitzungen könnt ihr diese drei Konzentrationsübungen bei eurer Hauptpraxis abwechseln. Macht manchmal diese letzte Praxis, manchmal macht die Praxis des äußeren Lichts und manchmal richtet euch nach innen. Die meiste Zeit über wenn ihr euch nach innen auf das rote Licht ausrichtet, was eure Mutter- und Vater-Essenz ist, werdet ihr Empfindungen von Wonne und Wärme haben. Ihr werdet euch gut fühlen und wie in einem offenen Raum, aber wie ich schon zuvor gesagt habe, das ist es nicht, warum ihr die Praxis macht.

Keine Erwartungen, keine Enttäuschungen

Diese Dinge sind eure Hoffnung, was ihr euch von eurer Praxis erwartet. Es ist eure Hoffnung. Als ich diese Praxis angeleitet habe, habe ich Fragen der Schüler beantwortet und sie gefragt, wie sie sich fühlen und manchmal erzählen sie mir: „Es fühlt sich warm und schön an.“ Sie fühlen sich gut dabei. Aber das ist nicht der Punkt. Sich gut zu fühlen, ist eure Hoffnung sich gut zu fühlen. Ich habe euch einfach etwas von eurer roten Vater-Mutter-Essenz in eurem Herzen, eurer Kehle und eurem Scheitel erzählt, das war alles. Sie sind nicht aufgefordert worden, Hitze, Wonne, Klarheit oder Visionen hervorzubringen. Einige von euch haben Visionen dabei. Das sind eure Erwartungen. Erwartungen, was ihr von eurer Meditation erhalten könntet. Erwartet überhaupt nichts. Bei der Meditation gibt es nichts zu erwarten. Da ist nichts zu erwarten. Erwartet nichts. Obwohl wir sagen, dass die vorherrschende Erfahrung bei Shine Glückseligkeit, Klarheit und Nicht-Denken ist, sollten wir das nicht erwarten. Das sind Erfahrungen von Shine, die ihr haben werdet, aber erwartet sie nicht. Erwartet nicht irgendetwas davon. Erwartet nichts und ihr werdet nicht enttäuscht sein. Ihr werdet eine glücklichere Person sein. Die Haltung sollte sein, „möge kommen was wolle“. Gemäß eurem Karma werdet ihr Gewahrsein verschieden erfahren.

Keine Verunreinigungen

Alle eure Erfahrungen werden nicht dieselben sein. Sie können nicht gleich sein. Wie könnten sie es? Es ist für euch daher sinnlos, eure Erfahrungen jemandem anderen zu beschreiben. Es ist gegenstandslos, weil es hat nichts mit ihnen zu tun. Die jeweilige Person, die meditiert, wird ihrem eigenen Karma begegnen. Eure Erfahrung, die ihr einer anderen Person beschreibt, ist eine Verunreinigung von dem, was die reine Erfahrung dieser Person ist. Es ist von keinem Nutzen. Genauso wenn ihr Ermächtigungen oder Belehrungen erhaltet, beschreibt der anderen Person nicht, was ihr erhalten habt. Es ist nutzlos. Wieso möchtet ihr die Sicht dieser Person verunreinigen? Diese Person wird dann denken: „Ich sollte dasselbe erfahren, was die gesehen oder empfunden haben, aber ich bekomm das nicht.“ Ihr verunreinigt ihr reines Feld, indem ihr euch auf eure Erfahrung bezieht. Aber wenn ihr sagt: „Das ist meine Erfahrung, aber deine Erfahrung wird anders sein.“ Dann erweckt ihr in dieser Person nicht die Hoffnung, dieselbe Hoffnung haben zu müssen, wie ihr. Keine zwei Personen haben dieselbe Erfahrung bei Shine. Nein. Da gibt es überhaupt keine Duplikate. Das ist einzig aufgrund eurer karmischen Veranlagungen, dass die Erfahrungen auftauchen werden.

Diese Belehrungen wurden von Lama Shenphen Dawa Rinpoche gegeben und vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) übersetzt. Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. November 2016

Lichtkanal – selbstloses Selbst

black-26070_1920Dinge werden hochkommen. Wir haben eine Menge negativen Karmas ausgeführt. Erinnerungen aus der Kindheit werden auftauchen. Die kommen nicht daher, um euch zu unterhalten, sondern um selbstbefreit zu werden. Ihr müsst euch selbst beraten. Ihr müsst euch erinnern, wie glücklich ihr seid, diese Lehren erhalten zu haben, an euren Lehrer und alle die Freiheiten und Reichtümer, die notwendig sind, um den Dharma zu würdigen. Betrügerische, zerstreute, traurige und reumütige Gedanken werden hochkommen. Aber zum ersten Mal beachtet ihr diese Gedanken. Wenn ihr in betrügerischen Erfahrungen gefangen seid, dann seid ihr verloren. Ihr müsst in der Spur bleiben. Niemand anderer kann dies für euch machen. Was immer geschieht, betet zu Guru Rinpoche, zu Buddha Shakyamuni und/oder zu eurem Guru. Beachtet eine einzige verdreht Idee nicht allzu sehr. Das wird euch nicht befreien. Falls ihr das macht, werden sie euch an eurem schwachen Punkt fangen und anfangen, zu voll aufgeblühten Gebilden anzuwachsen.

Rechte Bedingungen

Wenn ihr euch dumpf oder übel fühlt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Winde schwach sind. Diese Meditation wird eine Menge an Energie verbrauchen. Versucht, etwas Rindsuppe mit Knochen zu bekommen – das wird helfen. Auch Agar 35 ist eine gute tibetische Medizin, die ihr einnehmen könnt, um den Wind zu stärken. S.H. Dudjom Rinpoche hat auch geraten, wenn ihr euch traurig fühlt, dass ihr dann die Meditation beendet. Es würde nichts helfen. Stattdessen würdet ihr nur auf eure negativen Gefühle und Sichtweisen meditieren. Guter Humor ist wichtig. Auch müsst ihr die Unterstützung der richtigen Kleidung haben, damit eure Körpertemperatur genau richtig ist.

Selbstermächtigung

Diese Praxis, wenn sie richtig gemacht wird, ist eine Selbstermächtigung in den Dzogchen-Kanal (tib., rigpa’i sel wang). Alle Unreinheiten und Hindernisse werden beseitigt. Nichts kann feiner sein, als das Erlernen, wie ihr euch selbst in euren eigenen Kanal aus dem Letztendlichen einweiht. Wenn diese Art der Ermächtigung im Hinblick auf jedes Zentrum geschehen ist, dann ist jedes Chakra gereinigt. Verschleierungen des Relativen sind beseitigt. Blickt auf dieses Licht. Freundet euch damit an. Das ist euer Lichtkörper, der Hauptnerv und der Pfad, der pfadlos ist. Alle diese Praktiken entwickeln sich aus dem Zentralkanal heraus. Es ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Das ist der Zentralkanal.

Lichtkanal – selbstloses Selbst

Anstatt den groben Körper als sich selbst zu erkennen, lernt, wie man den Lichtkanal als das selbstlose Selbst erkennt. Er ist die Essenz aller fünf Elemente, Kanäle, Räume und Buddha-Familien. Jede Ermächtigung, die ihr erhalten habt und auch bei Phowa wird das durch den Zentralkanal gemacht. Am Bedeutsamsten ist, dass es der Lichtkörper ist, mit dem wir Wiedergeburt annehmen. Seine Natur ist unzerstörbar.
Wenn ihr visualisiert, dass das Licht in euch hinein kommt, dann wird aus jedem eurer fünf Zentren Licht wieder zurückkehren, um mit jeder dieser Sphären verbunden zu sein und deren jeweiligen uranfänglichen Raum. Daher müsst ihr in diesen Lichtaustausch eingetaucht sein. Dann gibt es keinen Raum, wo gewöhnliche Konzepte entstehen können. Ihr seid schon in den strahlenden Raum hineingezogen. Praktiziert das. Dabei kann man viel gewinnen, indem man das macht.

Visualisation

Zuerst könnt ihr damit beginnen, das AH als ein rundes, vielfarbiges Licht zu visualisieren. Zusätzlich könnt ihr, indem ihr das AH sagt, sozusagen wie mit einem Fallschirm in die Meditation selbst hineinspringen. Einige von euch sehen vielleicht, dass das AH nicht länger mehr außerhalb von ihnen ist, sondern dass ihr nur mit eurem Geist darauf meditiert. Das ist aber kein Problem. Der Zentralkanal ist nun zum AH geworden und hat sich mit dem Zentralkanal selbst verbunden. Sucht nicht mehr danach. Entspannt euch einfach im Vertrauen, ob es nun außen oder innen ist, dass es dort ist, wo es sein sollte – im geheimen Ort eures Geistes. Wie schon erwähnt, das wird Selbstermächtigung genannt. Es ist der letztendliche Buddha. Das ist von tiefgründiger Einfachheit. Der Punkt ist, dass es so einfach ist, dass man ganz leicht den Punkt verpasst. Das ist das Problem bei der Großen Vollkommenheit. Sorgt euch nicht wegen der Einfachheit.

Als zweites visualisiert ein rotes Licht in Größe einer Erbse im Zentrum des Scheitels und ein weiteres in der Kehle und eines im Herzen. Diese Meditation richtet sich auf ein inneres Licht aus, nicht so, wie in der vorigen Praxis beschrieben. Der Punkt hier ist, stufenweise den Lichtfokus im Scheitel mit der Kehle und dann mit dem Herzen zu vermischen. Aber zuerst konzentriert euch auf den roten Punkt im Scheitel und stabilisiert diesen. Dieser rote Bindu im Scheitel ist die männliche und weibliche Essenz. Lasst euren Fokus mit den drei Kayas verschmelzen. Wenn ihr lange Zeit darauf meditiert, dann wir die Konzentration im Scheitel mit dem der Kehle verschmelzen. Das ist das Verschmelzen von Dharmakaya und Sambhogakaya. Wenn diese sich vermischen, dann seid ihr an die Grenze zu Rigpa gelangt. Hier gibt es nichts, worauf man hinweisen könnte oder dessen man sich gewahr sein sollte. Gewahrsein ist lebendig. Wenn es in diesen Raum geht, ist es der Raum des Dharmakaya. Ihr werdet nicht in der Lage sein, lange dort zu bleiben. Viele Gedanken werden kommen. Der Gedanke des Leuchtens im Herzen, der Kehle und im Scheitel wird auftauchen und dann werden von dort aus grobe Gedanken auftreten. Es wird diesen Weg nehmen. Wir sind nicht in der Lage, lange in diesem reinen, lebhaften Gewahrsein zu verweilen. Nein, wir haben zunächst nicht diese Fähigkeit. Gute Praktizierende sind fähig, in diesem Raum zu verweilen. Ihr könnt von Glück sprechen, wenn ihr etwas mehr als ein paar Sekunden dort verbleiben könnt.

Die dritte Konzentration ist auf diese Blume hier auf meinem Tisch. Ich möchte, dass ihr euch entspannt. Bitte versucht nicht herauszufinden, was für eine Blume das ist oder welche Vase das ist. Sondern ich möchte nur, dass ihr darauf schaut. Beurteilt nichts dabei. Sondern schaut aus einer entspannten Haltung heraus, wo ihr ein- und ausatmet und wie das einfach natürlich funktioniert und schaut einfach hier her. Schaut weiter darauf. Ihr seht die Blätter, die Blumen und die wunderschöne Anordnung der verschiedenen Farben. Haltet nichts fest, weist nichts zurück. Beobachtet einfach. Das ist alles. Also blickt einfach darauf. Nun werden einige von euch spüren, wie eure Augen angestrengt sind und es nicht so angenehm ist, da drauf zu blicken. Der Geist muss immer eine Entschuldigung finden. Einige von euch werden spüren, dass eure Augen zu brennen beginnen und die Tränen kommen. Das sind alles eure Hindernisse, nichts geschieht euren Augen. Sie haben immer so gesehen, warum also sollte jetzt ein Problem sein? Aber der Punkt ist, euer Geist kann nicht dortbleiben, wo er ist. Er schleudert immer seine Blicke herum und nun auf einmal ist es für ihn ungemütlich, sich nur auf ein einziges Objekt zu konzentrieren und sonst nichts. Nichtsdestotrotz blickt einfach darauf. Wenn ihr darauf blickt, dann ist euer Geist vielleicht daran interessiert, die Blätter zu zählen und die Details zu untersuchen. Macht das nicht. Niemand bittet euch, irgendetwas zu zählen. Schaut einfach da drauf. Alle Phänomene sind genauso. Sie erscheinen einfach, aber wir sind nicht fähig, sie einfach erscheinen zu lassen, wir greifen nach dem Phänomen. Die Blume wird nicht in eure Augen springen. Meistens schaut es so aus, dass euer Geist in die Blume springt. Wenn ihr darauf blickt und weiter dranbleibt, dann wird es beizeiten verschwommen und beizeiten scharf sein. Das hat nun nichts mit einem Fehler eurer Augen zu tun oder sonst etwas, es hat mit eurem Geist zu tun. Wenn euer Geist denkt: „Ich schaue dort hin.“ Dann wird das Bild scharf werden, weil es dann zurück in euren Fokus gekommen ist, auf den ihr blickt. Aber wenn der Geist nicht interessiert ist, dann driftet er ab und die Blume wird unscharf. Es wird nicht innewohnend klar sein, so wie es war. Es wird nur färbig sein, aber ohne zu wissen, welche Farbe.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. November 2016

Buddhismus ist anders

Alles ist eins! Oder doch nicht?

buddha-989762_1920In den letzten 30 Jahren hat sich ein Zugang entwickelt, bei dem manche gerne sagen: „Wir haben viele Pfade studiert und deren Essenz extrahiert. Nun bieten wir euch die Essenz aller Religionen und spirituellen Traditionen an.“ Doch was gewinnt man dadurch wirklich? Die Möglichkeiten, die eine Religion oder ein spiritueller Pfad bieten, gehen dadurch verloren. Schließlich bietet Spiritualität eine Sicht für das Unerklärliche im Leben, eine Handhabe, den Unwägbarkeiten des Lebens zu begegnen und ihnen Platz im eigenen Leben zu geben. Eine Wahlfreiheit in Religion oder spiritueller Tradition sollte dennoch keine Beliebigkeit fördern, weil man dadurch dem Beantworten der entscheidenden Lebensfragen sehr leicht entkommen kann.

Regression

Häufig taucht die Frage auf, ob man nicht zwei (oder mehr) Religionen und/oder spirituelle Pfade miteinander verbinden könnte oder gar sich einfach das Beste aus jeder Religion oder jedem spirituellen Pfad herausnehmen könnte. Schließlich hat ja der Dalai Lama auch gesagt, einfach ein guter Mensch mit einem guten Herzen zu sein, wäre das Wichtigste. Naja, so einfach ist das dann auch wieder nicht. Auch wenn man gerne den Dalai Lama als argumentative Autorität ins Feld führt, um sich eine Patch-Work-Spiritualität zu basteln. Ein Vermischen von spirituellen Sichtweisen und Ansätzen ist eine Regression von Spiritualität, basierend auf ungelösten emotionalen Konflikten.

Sicht, Pfad, Resultat

Eine Religion bzw. eine spirituelle Tradition beruht auf einer Sicht, beinhaltet einen zu beschreitenden Pfad und nennt ein Resultat für das Ende des Weges. Doch nicht alle Religionen oder spirituelle Traditionen haben dieselbe Sicht, auch wenn sich manche Methoden für den Pfad vielleicht gleichen mögen. Und daher erlangt man auch immer spezielle Resultate, auch wenn sich Religionen bzw. spirituelle Traditionen als universell verstehen mögen. Doch die Universalität liegt in der allgemeinen Anwendung und nicht in der Gleichheit von Resultaten.

Wert durch Verschiedenheit

hand-1607215_1920Unterschiede und Grenzen mögen vielleicht bedrohlich erscheinen, wenn sie Andersartigkeit und Ausschluss vermitteln. Doch Unterscheidung ist wertvoll, da sie Individualität erlaubt. Das Erkennen von Grenzen gestattet Individualität zu erfahren. Dadurch ist es auf einer reifen Stufe auch möglich, dem eigenen Leben Sinn und Richtung zu verleihen.
Obwohl Konsens die höchste Form der Konfliktlösung darstellt, unterscheidet sich das Finden einer übereinstimmenden Auffassung ganz wesentlich von Gleichmacherei und Beliebigkeit. Konsens basiert auf der Wertschätzung der Unterschiede und der Fähigkeit, Verschiedenheit als Ausdruck von Individualität zu sehen und als Gewinn zu erfahren. Die Aussage „Alles ist eins“ muss nicht immer eine übereinstimmende Auffassung zum Ausdruck bringen. Sie kann auch den Wunsch nach Lösung eines unterdrückten Konflikts sein.
Betrachten wir die Unterschiede zwischen dem Buddhadharma und anderen Religionen.

Wer hat’s gemacht?

Zunächst einmal gibt es im Buddhismus keinen allmächtigen Gott, der einen verfolgt oder an einem Tag des Jüngsten Gerichts bestraft. Daher ist der Buddhismus auch keine Religion in dem Sinne, dass ein Glaubenskonzept angenommen und die Anbetung eines übernatürlichen Wesens erfolgen müsste.
Im Buddhismus fehlt auch das Konzept des Heilsbringers, der einen durch sein persönliches Opfer erretten würde. Auch wenn man Zuflucht zum Buddha nimmt, so wird er einfach als unvergleichlicher Lehrer gesehen, aber es erfordert keine Unterwerfung unter ihn, seine Lehre oder die Gemeinschaft. Es ist nicht in der Macht eines Buddha, die in einem vorhandenen Unreinheiten, geistigen Befleckungen etc. zu bereinigen. Da muss man schon selber ran an die Sache. Glaube an den Buddha, an die Lehre allein hilft da nichts.
thailand-315034_1280Auch ist ein Buddha keine Inkarnation eines Gottes. Die Beziehung zwischen einem Buddha und seinen Schülern ist einfach wie zwischen Lehrer und Schüler.
Die Befreiung vom Greifen nach und Festhalten an Identitätsvorstellungen liegt einfach bei einem selbst. Im Buddhismus wird man nicht zu blindem Glauben aufgerufen. Der Schwerpunkt liegt einfach wirklich in Selbstverantwortung, Selbstdisziplin und persönlichem Streben.
Wie oben schon angedeutet, ist die Zuflucht zu den Drei Juwelen – Buddha, Dharma, Sangha – keine Unterwerfung und Selbstaufgabe oder das Verlassen auf eine äußere Kraft, die einen erlöst. Der Dharma – die befreiende Lehre – besteht ungeachtet davon, ob es einen Buddha gibt oder nicht. Der historische Buddha Shakyamuni war weder der erste, noch wird er der letzte sein. Er hat die Lehre entdeckt und sie mit uns geteilt. Weder ist er der Schöpfer des Dharma, noch ist er ein Prophet eines allmächtigen Gottes. Der Buddha ist weder allmächtig, noch allwissend.

Buddha-Natur

Da jedem fühlenden Wesen Buddha-Natur innewohnend ist, haben alle Wesen die Möglichkeit, die vollständige Buddhaschaft zu erlangen. Es hängt einfach von einem selbst ab, wie eifrig man praktiziert und die ursprüngliche Reinheit der Natur des Geistes realisiert. Das letztendliche Ziel im Buddhismus ist die Befreiung aus der zyklischen Existenz (Samsara), manchmal auch Erleuchtung oder die Realisation der Natur des Geistes genannt. Es geht im Dharma nicht darum, eine günstigere Existenz zu erlangen, in einen Himmel zu kommen, sondern die Störgefühle und Begriffsketten zum Erlöschen zu bringen, welche die Natur des Geistes verdunkeln.

Karma und Wiedergeburt

candles-1658811_1920Karma und die unausweichliche Kraft von Handlungen und Resultaten ist einer der Grundpfeiler der Lehre. In allen buddhistischen Traditionen wird das dargelegt, wenn auch unterschiedlich gewichtet. Karma bezieht sich auf Handlungen und ihre Resultate. Dieses Konzept dient zur Erklärung des Leidens. Und Leiden (skt., dukkha) ist die „seelische“ Qual, die ein Individuum erfährt. Es bezeichnet das, was schwer zu ertragen ist. Allerdings ist Karma kein Mysterium von Schicksal und Verdammnis, sondern erklärt die positiven und negativen Wirkzusammenhänge. Karma ist im Grunde ein sehr flexibler Prozess, der eben von den Motivationen und Handlungen des Individuums bestimmt ist. Da Personen nicht nur ausschließlich negative, sondern auch positive Handlungen vollbringen, liegt es in der Hand des Individuums, günstige oder ungünstige Umstände, zeitweiliges Glück oder Ungemach zu schaffen. Weiters gibt es keine Sünde oder Ursünde im Dharma, da jedes Wesen für seine Handlungen selbst verantwortlich ist. Niemand anders ist dafür verantwortlich – das ist der Kern von Karma.
Wiedergeburt – oder Wiedererscheinen – ist auch so ein Eckpfeiler in der Lehre Buddhas und geht mit Karma einher. Es gibt jedoch einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Wiedergeburt und Reinkarnation wie es bei den Hindus erklärt wird. Im Buddhismus wird die Theorie einer Seelenwanderung verworfen, da ja die Lehre des Nicht-Selbst (anatta) dargelegt wird. Es gibt keine dauerhafte Seele oder kein beständiges Selbst, das von einem Gott erschaffen oder als göttliche Essenz hervorgebracht wurde.

Im Hamsterrad des Daseins

Im Buddhismus gibt es keine erste Ursache für die Schöpfung, sondern es wird eine anfangslose und endlose Existenz erklärt. Schwer zu verstehen? Ja, wir lieben es, in Grenzen zu denken. Doch was war vor einem Urknall? Einfach eine weitere Existenz…
Es gibt auch keinen Schöpfergott, der das ganze Universum ins Dasein gebracht hätte. Vielmehr wird im Dharma ein beständiges Kreisen im Dasein gesehen. Dieser Daseinskreislauf – auch Samsara genannt – ist ein fortwährendes Auf und Ab in verschiedenen Daseinsbereichen, die gemäß der individuellen Absichten und Handlungen erfahren werden.

Was Buddhisten essen

Müssen Buddhisten Vegetarier sein? Nein! Zwar ist Vegetarismus empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Das Töten von fühlenden Wesen gilt als eine der zehn unheilsamen Handlungen. Manche leiten es aus den Haltungen der liebenden Güte (maitri) und Mitgefühl (karuna) ab, da eben ausnahmslos allen fühlenden Wesen mit dieser Haltung begegnet wird. Doch hat der Buddha vier Ausnahmen gelehrt, unter denen auch Fleisch angenommen werden kann. Tieropfer sind strengstens untersagt.

Sind Buddhisten gute Menschen?

theravada-buddhism-1769528_1920Ein guter Mensch sein? Ja, das ist sicherlich gut und hilfreich. Doch der Buddhismus geht über die Vorstellung von Gutes tun und ein guter Mensch sein hinaus. Wenn man an einem Gut-sein festhält, dann besteht wiederum Verlangen und Anhaftung. Man ist dadurch nicht frei, sondern weiterhin im Wechselspiel von Festhalten und Ablehnen gefangen.

Kein Kampf für Gerechtigkeit und Glaube

Es gibt im Buddhismus auch keine Vorstellung von einem Heiligen Krieg. Ein Wesen zu töten ist der Bruch eines der essentiellen Vorsätze im Dharma. Ein Wesen im Namen der Drei Juwelen zu töten oder auch im Namen eines religiösen Führers oder egal welche Ausrede man sich dafür einfallen lässt, ist strengstens verboten.

Leiden oder schmerzhaft?

Obwohl das Leiden (dukkha) im Buddhismus einen wesentlichen Punkt einnimmt, so ist es doch nicht so, dass Buddhisten beständig traurig oder schmerzerfüllt umherlaufen. Das Leiden und die Ursachen für das Leiden werden in den ersten beiden Edlen Wahrheiten dargelegt. Die nächsten beiden Edlen Wahrheiten behandeln das Beenden des Leidens und den Pfad der zur Beendigung führt. Dem Buddhismus eine pessimistische Einstellung oder eine freudlose Haltung zu unterstellen, geht am Ziel vorbei. Vielmehr sind die ersten beiden Edlen Wahrheiten mit einer Anamnese vergleichbar, während die zweiten beiden von der Gesundheit und Therapie sprechen.

Keine Welt ohne Erkennen

nepal-394_1280Erkennen ist auch so ein Schlüsselpunkt in der Lehre Buddhas. Es gibt ein Höchstes Erkennen (skt., prajna; tib., shes rab), damit werden Erkennen aufgrund der analytischen Meditation und des Durchdringens der Wissensobjekte bezeichnet. Und dann gibt es ein Zeitloses Erkennen (skt., jnana; tib., ye shes) – häufig auch als Weisheit oder uranfängliche Weisheit bezeichnet, dass ein Gewahrsein des ersten Erkenntnismoments bezeichnet. Warum ist das wichtig? Weil im Dharma eine Welt außerhalb unseres Erkennens nicht angenommen wird. Ohne Erkennen und Wahrnehmen ist Welt nicht vorhanden. Es gibt keine vom Erkennenden und vom Akt des Erkennens getrennte Welt als erkanntes Objekt. Gerade deshalb beschäftigt man sich im Dharma mit durchdringender Einsicht (skt., vipashyana). Die Praxis des geistigen Ruhens (skt., shamatha) ist einfach nur ein methodischer Vorspann, damit eben durchdringende Einsicht geschehen kann.
Meditation besteht auch nicht nur in einem ruhigen Sitzen ähnlich eines Heiligen, sondern umfasst ein breitgefächertes Methodenangebot, um bestimmte Geisteshaltungen zu kultivieren, bestimmte Einsichten zu erlangen und schließlich die Samen für das Schwer-zu-Ertragende (skt., dukkha) erlöschen zu lassen. Daher ist buddhistische Praxis nicht nur auf ein Sitzen begrenzt. Sie umfasst alle Aspekte des Lebens. Auf die Frage, wie lange man pro Tag meditieren soll, kann man nur sagen:„24/7“, denn schließlich erkennt und erfährt man jeden Moment.

Leer und doch so voll

Die Lehre vom Leersein aller Phänomene von sich selbst ist ein Schlüsselpunkt am Pfad der Befreiung. Dieses Leersein meint kein Nichts oder ist keine Verneinung der Phänomene, sondern beschreibt das letztendliche Fehlen einer angeborenen Identität oder eines unveränderlichen Wesenskern. Ausnahmslos alle Erscheinungen inklusive einem selbst sind „leer von sich selbst“.
Dennoch erscheinen Phänomene (und man selbst) aufgrund des bedingten Entstehens. Hier biegt sich der Kreis auch wieder zurück zu Karma und Wiedergeburt (bzw. Wiedererscheinen), da aufgrund von Hindernissen und konstruktivem Potential Phänomene erscheinen. Es gibt niemanden, der persönlich dafür haftbar ist, aber dennoch nimmt jedes Wesen Einfluss durch negative und positive Absichten und Handlungen.

In diesem Sinne… sammeln wir konstruktives Potential an, da sich Leben hier leichter ereignen lässt.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. November 2016

Leer von Samsara

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Da nun deine spirituelle Verbindung geschmiedet worden ist, verwirkliche deine immer währenden Ziele.

Strebe nach dem einen Pfad der Erben aller Siegreichen: entwickle Mitgefühl und den Geist des Erwachens.
Die Sicht ist die große Leerheit von Samsara und Erleuchtung. Folgernd, dass dein eigenes Gewahrsein der ungekünstelte Dharmakaya ist, ist die unübertreffliche Sicht.
Meditation ist, unbekümmert im nicht vorgefertigten, momentanen Gewahrsein zu ruhen.
Nimm als höchste Art des Verhaltens „uneingeschränkt von Greifen“ ohne unter den negativen Einfluss von Achtlosigkeit zu geraten, sondern lasse deine Taten im Einklang mit dem Dharma sein.

Sei gewissenhaft bei nicht abgelenkter Praxis.

 (Dudjom Rinpoche, Jigdral Yeshe Dorje)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. November 2016

Emotionen verwandeln

man-1756907_1920Im Dharma werden Emotionen als geistige Regungen gesehen, die die Klarheit der Natur des Geistes verschleiern. Sie machen den Geist schwer und träge, und werden öfters auch als Störgefühle betrachtet.
Diese Emotionen befallen Körper und Geist und machen sie ruhelos. Jedes dieser Störgefühle ist im Grunde fehlerhaft, weil wir dadurch eine Situation eingeschränkt wahrnehmen. Und wenn sie nicht zu uns passt, dann lassen wir einiges draußen und orientieren uns an jenen Aspekten, die uns bestätigen. Weil dadurch fühlen wir uns wieder gut. Aber was sich wirklich gut fühlt, ist einfach eine oberflächliche, vergängliche Stimmigkeit von Identität. Da diese eben nicht von Dauer ist, versuchen wir weiterhin durch Abwehren von unangenehmen und Ergreifen von angenehmen Emotionen eine möglichst dauerhafte und glückliche Identität zu konstruieren.
Doch dieses Abwehren und Ergreifen führt zu einer beständigen Qual, deren eigentliche Ursache uns so lange verborgen bleibt, bis wir den Grund dafür erkennen. Da wir für uns eine eigenständige Identität wie auch für unsere Umwelt eine fixe Eigennatur konstruieren, unterliegen wir einer Täuschung. Diese Täuschung gilt es jedoch aufzuklären.

Ent-Täuschung

Gewöhnlich sind wir in einem Spiel von laufender ent-Täuschung und Täuschung gefangen. Wir täuschen uns über die wahre Bestehensweise von uns selbst wie auch der Phänomene und erleiden jedesmal wieder eine Enttäuschung, wenn eben dieses erschaffene Bild nicht mehr funktioniert. Es ist wie ein Griff ins Leere, wo wir gerade noch etwas Substanz vermutet hatten. Ertragen wir also diese Leere nicht? Macht uns dieses fluidale Nicht-Sein von Substanz so Angst? Wie können wir nun mit diesem Ereignis umgehen?

Ent-Wöhnung

Um mit den Störgefühlen konstruktiv zu arbeiten, gibt es mehrere verschiedene Ansätze. Einerseits bieten die Lehren des Buddha die Möglichkeit, durch die Praxis des geistigen Ruhens sich zu entspannen und einen Raum zu schaffen, sodass wir in der Lage sind, sie aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Aus einer gewissen Entfernung betrachtet sind dann die an der Situation beteiligten Aspekte schon etwas leichter zu erkennen. Die eigene Identität fühlt sich schon nicht mehr so unter Druck gesetzt, etwas Raum ist entstanden und die Ursache für den Druck wird vielleicht auch klarer erkannt.

Vier Aktivitäten

woman-1645585_1280Auf diese Weise kann man dann damit arbeiten, indem man eine von vier Handlungweisen – befrieden, vermehren, verwandeln und schließlich auflösen – anwendet.
Zunächst kann man ein Störgefühl dadurch befrieden, indem man die Ursache dafür aufgibt oder die auslösende Situation dafür meidet. Dies stellt eine sehr einfache Methode bereit. Man kann das Problem betrachten und das Zusammentreffen von Zeit und Ort erkennen. D.h. Dinge manifestieren sich eben nur durch das Zusammenkommen bestimmter Ursachen mit für sie förderlichen Bedingungen. Also ist es auch hin und wieder hilfreich, bestimmten Dingen einfach aus dem Weg zu gehen. Man ändert also Ort und Zeit. Auf diese Weise kann man zumindest einen vorübergehenden Frieden schaffen, Vermeidung als Strategie ist nicht immer die schlechteste Lösung.
Störgefühle können aber auch aus einem Mangel erscheinen und somit kann man eben diesen allfälligen Mangel beheben, indem man etwas Heilsames vermehrt. Betrachtet man beispielsweise Störgefühle wie Stolz, Eifersucht, Habgier, Zweifelsucht etc., dann findet man in der Praxis mit dem Gebet der Sieben Zweige ein probates Mittel, diese Störgefühle im Laufe der Zeit aufzulösen. Indem man sich eben vor anderen verneigt – und in der buddhistischen Praxis eben zunächst imaginär – mindert sich Überheblichkeit. Indem man sich am Heilsamen anderer erfreut, verringert sich Eifersucht. Durch das Darbringen von Gaben, wird Habgier gemindert usw. Diese Störgefühle sind einfach aus einer falschen Sichtweise über einen selbst entstanden und so wurde ein mangelhaftes Selbstbild geschaffen. Grundsätzlich ist ja bereits das Festhalten an einem Selbstbild schon das Kernproblem, aber wenn man noch nicht fähig ist, das Leersein von einem Selbst zu meditieren, dann ist die Anwendung von Gegenmitteln bei Störgefühlen sehr hilfreich. Damit schafft man zumindest eine emotionale Linderung und kann von einem positiven Zustand aus dann dieses Leersein kultivieren.
Im Falle sehr intensiver emotionaler Beeinträchtigungen kann man sie auch verwandeln. Wenn man auf den Pfaden der persönlichen Befreiung und der Bodhisattvas auf den Aspekt des Leerseins fokussiert, so liegt der Schwerpunkt der Betrachtung im Vajrayana auch im klar-deutlichen Erscheinen von Energie. Ja, im Vajrayana wird tatsächlich oft von Energie gesprochen und damit ist einfach das klar-deutliche Manifestieren aus der Natur des Geistes gemeint. Da Mahayana spricht auch oft von einem „Darüber-Hinaus-Gehen“ (para), während im Vajrayana die vorhandenen Phänomene im Vordergrund stehen und eben in eine reine Sicht verwandelt werden. Man betrachtet die Phänomene als reiner Ausdruck von Energie bar einer Eigennatur. Sie werden so als spielerische Manifestation der Natur des Geistes wahrgenommen.
Und schließlich gibt es auch noch besonders hartnäckige Störgefühle, die aus einer rigiden Geisteshaltung herrühren. Dafür gilt es einfach diese Rigidität zu befreien. Wie das geschehen kann? Man betrachtet ganz genau das betreffende Störgefühl und ergründet seine Substanz, sein Wesen. Da besonders hartnäckige Störgefühle immer in der Täuschung über die eigene Identität bestehen, versucht man am besten mal diese Identität – das Ich – zu finden. Falls man es nicht findet, kein Problem. D.h. es besteht kein Problem mehr.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. November 2016

Über die Mala (Gebetskette)

moon-and-stars-bodhi-1496526_1920In verschiedenen Dharma-Traditionen findet zum Zählen der Wiederholungen eine Gebetskette (skt., mala; tib., phreng ba) eine große Verbreitung. Hier nun ein paar Gedanken von Gyatrul Rinpoche zu diesem Thema.

„Halte deine Mala geheim.“ Es ist sehr wichtig, die Mala vor Verunreinigung durch untugendhafte Personen zu behüten. Sogar eine spezielle Mala aus Bodhi-Samen oder Gold kann ihren Nutzen für jemanden verlieren. Wenn sie mit den Händen einer Person in Kontakt kommt, die eine der fünf abscheulichen Handlungen begangen hat, dann wird man beim Versuch etwas anzusammeln einfach versagen.
Allgemein ist es am besten, die persönliche Praxis einschließlich der Yidam-Bilder, Ritualgegenstände, die mit dieser Praxis zusammenhängen, wie eben Mala, Sadhana-Texte etc. vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Die eigene Praxis ist dazu gedacht, Kraft anzusammeln, wenn man das auf geheime Weise macht, verborgen vor den Augen und Ohren anderer fühlender Wesen. Jedoch kann diese Kraft sehr leicht wie Nebel verdunsten oder kochendes Wasser in einem Topf ohne Deckel verdampfen.

Arten der Mala

Padmasambhava sagt: „Die beste Art um mit einer Mala die Anzahl der Rezitationen zu vermehren, ist eine Mala aus einer bestimmten Art Edelstein. Eine mittelmäßige Art einer Mala wird aus einem Samen von einem Baum oder einer Frucht hergestellt und eine niedrigere Art einer Mala ist aus Holz, Erde, Stein oder Medizin gemacht.“
Eine Mala, die aus Muscheln, Erde, Holz oder Samen von Bäumen oder Früchten gemacht ist, ist dafür gedacht, friedvolle Sadhanas und friedvolle Handlungen zu vollbringen. Eine Mala, die aus Gold gemacht ist, wird vermehrende Handlungen vollbringen. Eine Mala aus roter Koralle ist am Besten für das Vollbringen machtvoller Sadhanas. Eine Mala aus Stahl oder Türkis ist gut für zornvolle Aktivitäten. Eine Mala, die aus Dzi oder anderen kostbaren Steine gemacht ist, kann für alle karmischen Aktivitäten verwendet werden, die man ausführt.
Eine Mala, die aus einem Aprikosenkern gemacht ist wird die vermehrende Aktivität vollenden. Eine Mala, die aus „Lotton“ – einem winzigen, runden Samen mit einer Frucht darin – gemacht ist, wird machtvolle Aktivitäten vollenden. Eine Mala, die aus Raksha-Samen gemacht ist, wird zornvolle Praktiken vollenden. Eine Mala aus Bodhi-Samen wird alle Handlungen vollenden. Eine Mala aus den Samen eines Bodhi-Baumes wird auch friedvolle Handlungen verwirklichen. Eine Mala aus Maulbeersamen wird machtvolle Handlungen vollenden. Malas aus Mahagony-Holz werden zornvolle Praktiken vollenden. Malas aus Elfenbein, insbesondere vom Stoßzahn eines Elefanten, werden alle gewünschten Aktivitäten vollbringen.

Nutzen der Mala

Als nächstes erwähnt der Text verschiedene Arten des Nutzens, der aus den unterschiedlichen Arten von Malas herrührt. Eine Eisen- oder Stahl-Mala vervielfältigt ganz allgemein das Heilsame, das bei jeder Rezitation angesammelt wurde. Eine Kupfer-Mala vervielfältigt jede Rezitation um das Vierfache. Eine Raksha-Mala vervielfältigt jede Rezitation um das 20-Millionenfache und eine Perlen-Mala um das 100-Millionenfache. Eine Silber-Mala vervielfältigt um 100.000 und eine Rubin-Mala um 100 Millionen. Eine Mala aus Bodhi-Samen manifestiert grenzenlosen Nutzen in jeder Form der Praxis, sei es friedvoll, vermehrend, machtvoll oder zornvoll.

Eine Mala binden

Man sollte die Bedeutung einer Mala und die beste Art, sie zu binden, kennen. Man bindet die Mala, indem man drei, fünf oder neun Fäden oder egal welche Anzahl an Fäden zusammen nimmt. Drei Fäden symbolisieren die drei Kayas, fünf Fäden symbolisieren die fünf Buddhas und neun Fäden symbolisieren die neun Fahrzeuge.
Die Hauptperle – die Guru-Perle – kann aus drei Kugeln gemacht sein, die die drei Vajra-Zustände des Seins symbolisieren, die drei Kayas. Die kleinste Perle an der Außenseite sollte blau sein, vielleicht aus Lapislazuli gemacht. Die Farbe Blau symbolisiert den unwandelbaren Geist der letztendlichen Wahrheit. Die Kugel in der Mitte sollte rot sein, um die Vajra-Rede zu symbolisieren und die innerste Kugel sollte weiß sein, um den Vajra-Körper zu symbolisieren.

Segnung der Mala

Die Mala soll von einem Lehrer gesegnet werden und man sollte die Mala selbst beständig segnen, indem man sie mit Energie durchflutet. Man muss die Energie vor dem Rezitieren in die Mala bringen, damit man wirklich einen Nutzen davon hat. Man sollte Mund und Hände reinigen, bevor man die Mala verwendet. Man sollte sie auch mit duftendem Sandelholzöl salben.
Als nächstes bringt man sich selbst als Gottheit hervor, legt die Mala in die linke Hand und hält sie so, dass die Guru-Perle vertikal in der Mitte ist. Man rezitiert das Mantra, das alle Dharmas (Phänomene) in das Gewahrsein ihrer wahren Natur verwandelt: OM SWABHAVA SHUDDHO DHARMA SWABHAVA SHUDDHO HAM. Dieses Mantra reinigt und verwandelt die unreinen Wahrnehmungen in das reine Gewahrsein der Leerheit.
Aus der Leerheit erscheint die Guru-Perle als die Hauptgottheit im Mandala und die anderen Perlen erscheinen als das Gefolge rundum. Dieser Teil der Gottheit ist die Meditation auf den Samayasattva (Verpflichtungswesen; tib., dam tshig pa). Als nächstes ruft man den Jnanasattva (Wesen uranfänglicher Weisheitserkenntnis; tib., ye shes pa) an. Man lädt den Jnanasattva ein herbeizukommen, zieht ihn heran, sodass er sich in den Samayasattva auflöst, genauso wie man es in einer Sadhana macht. Man lädt die Weisheitswesen aus ihren reinen Ländern im Raum vor einen ein. Dann lösen sie sich in die Mala auf und verweilen fest darin. Auf diese Weise wird jeder Teil der Mala zum gesamten Mandala. Das schließt die Hauptgottheit mit ein, sowie das Gefolge, die Lotossitze, den Schmuck, die Handsymbole, Farben usw.
Die Mala segnet man dadurch, indem man dann jede Silbe egal welchen Mantras 100.000 Mal rezitiert. Abgesehen davon bewirkt das auch gute karmische Resultate. Daher ist es äußerst wichtig, das so zu machen. [Anm.: Gewöhnlich spricht man für die tägliche Segnung der Mala einfach 100 Mal die Silben OM AH HUM, sodass die Mala mit Körper, Rede und Geist der Erleuchtung gesegnet sind.]
Die Mala repräsentiert nicht nur die Form der Gottheit, sondern auch die Rede der Gottheit. Wenn man beispielsweise das 100-Silben-Mantra rezitiert, dann repräsentiert die Guru-Perle die Silbe OM und die anderen Perlen repräsentieren die verbleibenden Silben.

Verwendung beim Zählen

Padmasambhava hat gesagt: „Wann immer man friedvolle Mantras rezitiert, dann benutzt man dafür die Daumenspitze, um mit der Mala zu zählen. Wenn man vermehrende Mantras rezitiert, dann verwendet man den dritten Finger. Verwende Ringfinger und Daumen beim Rezitieren von machtvollen Mantras und benutze den kleinen Finger, wenn zornvolle Mantras rezitiert werden.“ Verwendet nur die linke Hand, um Mantras zu zählen. Die rechte Hand wird selten benutzt, beispielsweise nur bei ein paar wenigen zornvollen Praktiken. In einigen Büchern wird gelehrt, sie mit beiden Händen zu verwenden, aber verwendet nicht nur die rechte Hand allein.
Welche Art von Praxis man auch macht, ob friedvoll, zornvoll, machtvoll oder vermehrend, man soll sich dabei immer bewusst sein, dass der Daumen ein Vajra-Haken ist, der die spirituellen Kräfte, die Gottheiten und anderen Segnungen herbeizieht. Es ist auch einfach, die Kugeln mit dem Daumen zu bewegen.

Der Text ist nicht besonders ausführlich, aber es gibt weitere Belehrungen, wie man die Kugeln der Mala bewegt, wenn man bestimmte Praktiken ausführt. In einigen zornvollen Praktiken schnepft man die Kugeln mit beiden Händen usw. Die Belehrungen, die erklären, wie man auf die Mala aufpasst, wann man sie nicht verwendet, kommen direkt aus dem Munde Guru Padmasambhavas. Wenn man die Mala wiederholt von großen Lehrern segnen hat lassen oder vom eigenen Lehrer und wenn man sie selbst als Teil der Gottheitenpraxis verwendet, dann sollte sie einem wie ein Schatten folgen. Man hält das Wurzel-Samaya der Vajra-Mala, indem man sie nie vom Körper trennt.“

Und um noch etwas zu diesem Thema vom Drikung Kyabgön Chetsang zu zitieren: „Die beste Mala ist aus Bodhicitta-Samen.“

Auf die Bitte des Ngawang Senge hat der Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2016) diese Belehrungen von Gyatrul Rinpoche in die deutsche Sprache übertragen, mit Überschriften versehen und kursive Anmerkungen gemacht. Möge es von Nutzen sein!

HIER kann man sich einen kurzen Text zum Segnen der Mala herunterladen! (Download)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. Oktober 2016

Dakini-Prinzip

owl-1212930_1280Die Dakini repräsentiert im buddhistischen Kontext ein Wiedererscheinen des Weiblichen auf allen Ebenen des spirituellen und übersinnlichen Bereiches, nicht nur als Zusatz zu einer männlichen Gottheit, sondern als unabhängige Kraft mit eigener Berechtigung. Gemäß dem Anuttara-Tantra begegnet der Kandidat der Weisheit in der Verkörperung der Dakini von Angesicht zu Angesicht, wenn er anlässlich der dritten, der Weisheitsinitiation vom Guru durch das östliche Eingangstor ins Zentrum des Mandala geführt wird. Ohne die Integration des Weiblichen kann die Psyche des Mannes nicht vollständig, nicht erleuchtet werden.
Vom historischen Standpunkt aus hat das westliche Bewusstsein die Tendenz, sowohl die weibliche Seite als auch die Schattenseite aus dem Himmel, aus dem Herrschaftsbereich des Spirituellen auszuschließen. Wir finden jedoch im tantrischen Buddhismus des mittelalterlichen Indien und Tibet, insbesondere im Anuttara-Tantra den interessanten Vorgang der Wiedereingliederung, sowohl des Weiblichen als auch der Schattenseite des Bewusstseins in das Mandala der Psyche. Diese manifestieren sich nicht als zweitrangige Gestalten von geringer Bedeutung in der Peripherie, sondern sie nehmen als unmittelbare Manifestation von erleuchtetem Gewahrsein eine zentrale Stellung im Mandala ein. Hier findet die Methode der Alchemie, der Prozess der Transformation (gyur lam) Anwendung, in dem negative Emotionen nicht verleugnet werden, sondern ihre Energie wird akzeptiert und in erleuchtetes Gewahrsein in der Erscheinungsform einer Meditationsgottheit transformiert.

Aus der Einleitung zum „Geheimen Buch der Simhamukha“ von Lama Vajranatha (John M. Reynolds, 1987). Übersetzt von Florian Lobsang Dorje (2015).

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. Oktober 2016

Cheat sheet „Sutra & Tantra“

When Buddha’s teachings reached Tibet, they had been established and systematized since long time in the north of India. The teachings were divided into the cause vehicle and the resultant vehicle, in Sutra and Tantra – the exoteric and esoteric teachings of the Buddha.
The Tibetan School of the Ancient Translation (Nyingma) has an unbroken line of enlightened masters of the Sutrayana and Mantrayana since the time of the students of Buddha Shakyamuni and goes back to the efforts of the Dharma king Trisong Detsen, the Abbot Shantarakshita and the tantric master Padmasambhava. It classifies the entire Buddhadharma’s teaching corpus in nine paths. Each of these paths you enter through a particular gate, i. a. motivation and / or empowerment. Each path is based on a particular view, i. e. an understanding of how one considers oneself, the phenomena and how they work together. Each path is associated with certain vows and samayas, has certain meditative practices, behaviors and leads to a corresponding fruit.
Here is an overview of the nine yanas – the nine vehicles that lead to liberation or Buddhahood.

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