Verfasst von: Enrico Kosmus | 29. Mai 2016

Schwarzer Hayagriva – zornvolles Mitgefühl & wirksamer Schutz

TamdrinNagpoDer Tamdrin Yangthrö Nagpo – der äußerst zornvolle schwarze Hayagriva – wird heutzutage selten praktiziert und ist daher eher weniger bekannt. Dennoch ist diese Praxis für unsere Zeiten genau richtig, da sie in der Lage ist, große Hindernisse zu beseitigen.

Prophezeiung

Hayagriva ist allgemein die zornvolle Erscheinung von Chenrezig, dem Bodhisattva des allumfassenden Mitgefühls und steht auch für die Ebene der Buddha-Rede. Da sanftes Mitgefühl manchmal nicht in der Lage ist, die wildesten Wesen zu bezwingen, manifestiert sich Chenrezig als äußerst zornvoller Hayagriva.
In diesen Zeiten des Niedergangs sind die inneren Elemente der Wesen durch großes Klammern und durch Leidenschaften sehr unausgewogen. Äußerlich bewirkt das Krieg und den Einsatz von biologischen und chemischen Waffen. Aber auch die zunehmende Verunreinigung von Nahrungsmitteln durch Pestizide, Herbizide etc. ist damit verbunden. Viele neue Krankheiten, von denen man oft noch keine genauen Ursachen kennt oder nicht weiß, wie man sie heilen soll, treten auf und Epidemien verbreiten sich sehr rasch. Weiters scheinen Freunde, Ehepartner und Kinder soziale Probleme zu verursachen und versuchen einander zu manipulieren, sodass man nicht mehr weiß, auf wem man noch vertrauen kann. Das führt selbstverständlich auch zu einer weiteren Disharmonie in den äußeren Elementen.
Das Wasser-Element verursacht Fluten, Tsunamis und Wirbelstürme. Das Feuer-Element verursacht Vulkanausbrüche, Trockenheit und Hitzewellen, Wind verursacht Stürme und das Erd-Element verursacht Erdbeben und Erdrutsche. Ebenso erheben sich die verschiedenen Klassen der Geister. Die gesamte Welt, wird äußerst turbulent und gerät außer Kontrolle, egal ob es sich nun um die inneren Elemente bei den fühlenden Wesen oder die äußeren Elemente handelt. Zu diesen Zeiten ist es für Buddhas, Bodhisattvas und zornvolle Gottheiten äußerst schwierig, den Geist der Wesen zu durchdringen. Das ist dann die Zeit, in der Hayagriva in Vereinigung mit Thröma Nagmo in seiner äußerst zornvollen und auch intensiv mitfühlenden Gestalt erscheint. Sein Mandala umfasst neben seiner Gefährtin Thröma Nagmo u.a. auch den Schwarzen Manjushri und den roten Hayagriva.

Praxis-Segen

Der schwarze Hayagriva ist deshalb eine unglaublich wirksame Praxis für turbulente, chaotische Zeiten. Sein Segen wirkt sehr rasch, um wieder Harmonie herzustellen und dem Geist der Wesen zu nützen, sodass die äußeren Elemente zu balancieren, Krankheiten zu heilen und dämonische Kräfte zu beseitigen. Padmasambhava selbst erlangte durch die Praxis des Hayagriva den Zustand der Todlosigkeit.
Padmasambhava übertrug diese Praxis seinen Herzensschülern Yeshe Tsogyal und dem Dharma-König Thrisong De’u-Tsen zur Praxis und beauftragte sie, dies als Schatztext zu verbergen. Das Terma wurde später dann von Dudjom Lingpa entdeckt, der die Emanation von Khye’u-Chung Lotsawa und Guru Dorje Drolö in Person war. Schließlich hat S.H. Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje diese gesamte Praxis zusammengestellt, damit sie leicht zu praktizieren ist.
Der Praxiszyklus umfasst neben der Einweihung, der Aktivitätspraxis und den „niederen Riten“ auch verschiedene kurze Texte zur täglichen Ausführung. Darin befinden sich Praktiken zum Unterwerfen der Nagas oder zum Beseitigen von hartnäckigen Hindernissen.

Wirkung des Hayagriva

Die vereinigte Essenz aller unzähligen Hayagriva-Praktiken findet sich im äußerst zornvollen schwarzen Hayagriva. Dadurch hat er die besondere Kraft, den Geist der Wesen zu durchdringen und all jenen zu nützen, die niedergedrückt, zerrüttet oder verwirrt sind, sowie an verschiedenen Krankheiten leiden. Seine Praxis ist sehr leicht auszuführen und höchst wirksam. Allein schon seine Einweihung zu empfangen und seiner Praxis zu lauschen, unterwirft alle Klassen der Geister. Sich an ihn zu erinnern beseitigt alle falschen Sichtweisen und dämonischen Kräfte an der Wurzel. Sein Bildnis zu berühren, befriedet Plagen und die Leiden der fünf Gifte. Alle die eine Verbindung mit dieser Praxis herstellen, werden den Keim Samsaras zerstören.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 26. Mai 2016

Tantrisches Erfreuen

Ablauf des Ganachakra-Festmahls

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An wichtigen Tagen des tibetischen Mondkalenders wie z.B. dem 8. Tag, dem 10. Tag, dem 15. Tag oder dem 25. Tag werden längere Gebetsrituale praktiziert. Genauso auch wenn man für längere Zeit in Klausur geht, beginnt man die Praxis mit einer Ansammlung von Verdienst und Weisheit in Form einer Ganachakra-Puja. Das macht man, um sich auf das Retreat vorzubereiten und auch um eine gute Motivation anzusammeln. Dann wird die kommende Praxiszeit gewiss erfolgreich verlaufen. Auch wenn eine Praxisklausur nur von kurzer Dauer ist, wird sie durch das häufige Ausführen von Ganachakra-Ritualen sehr machtvoll sein. Wenn man auf diese Weise mit entsprechender Motivation und Ansammlung praktiziert, dann wird die Klausur gleich einer langen sein. Daher sollte man dafür auch ein Verständnis für diese Praxis und ein Vertrauen in sie haben.
Gewöhnlich besteht eine Ganachakra-Puja aus fünf bis sechs Abschnitten. Nach der Mantra-Ansammlung kann man die Praxis der Schützer ausführen. Das ist optional, aber auf jeden Fall sehr förderlich. Um jedoch ein Ganachakra-Festmahl auch darbringen zu können, müssen zunächst die Samayas – die buddhistischen Gelübde – gereinigt werden. Danach beginnt der eigentliche Teil des Ganachakra-Festes.
Der erste Aspekt besteht darin, dass Opfergabe durch Feuer, Wind und Wasser von den Verunreinigungen durch die gewöhnlichen Konzepte gereinigt werden. Dann werden sie mit den drei Vajra-Silben OM AH HUM verwandelt und vermehrt. Schließlich werden die Gäste für dieses Festmahl eingeladen. Dann wird der erste Teil des Ganachakra-Festmahls den hohen Wesen – der Meditationsgottheit und den Buddhas und Bodhisattvas – dargebracht. Der zweite Teil wird als Bekenntnis geopfert. Dann folgt der dritte Teil als Akt der Befreiung. An dieser Stelle werden die Konzepte und Hindernisse, personifiziert durch Rudra, in die reine Natur des Geistes befreit und die restlichen Skandhas werden dem Mund der Gottheit dargebracht. Als vierter Teil werden die tatsächlich aufgestellten Gaben in fester und flüssiger Form, die die fünf Geschmäcker und fünf Farben enthalten sollten, von den Anwesenden empfangen. Zunächst wird der dem Ritual vorsitzenden Person geopfert und dann allen anderen anwesenden Praktizierenden, die in ebenfalls in reiner Form als Mandala-Gottheiten geschaut werden. Schließlich wird ein Teil der Ganachakra-Speisen den Übriggebliebenen dargebracht. Dies wird allgemein als „Resteopfer“ bezeichnet. Damit sind meint man aber nicht, dass man die angebissenen Reste hinauswirft. Vornehm und edel ist es, wenn man vor der Verteilung der Ganachakra-Speisen an die versammelte Gemeinschaft einen Teil davon für das Resteopfer separiert. Schließlich gibt jede anwesende Person noch einen Teil selbst dazu. Manchmal kann allerdings auch der Ganachakra-Anteil der vorsitzenden Person als Resteopfer dargebracht werden.

Die Übriggebliebenen

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Das Resteopfer wird im Tibetischen als „Lhagma“ (tib., lhag ma) bezeichnet. Die Wesen, die diese Gabe empfangen, werden „Lhag Drön“ (tib., lhag mgron) genannt. Diese bestehen aus den 28 Ishvaris (tib., dbang phyug), den 32 Dakinis (tib., mkha‘ ‚gro), den 18 Großen Ging (tib., ging chen), den 16 Lankas (tib., lang ka), den 8 Barma (tib., ‚bar ma brgyad), den 7 Müttern (tib., ma), den 4 Schwestern (tib., sring), den 360 Dienern (tib., pho nya), den 4 Großen Königen (tib., rgyal chen), den Schützern der 10 Richtungen (tib., phyogs skyong), den Devas und Nagas (tib., lha glu), den 28 Wesenheiten der Planeten und Sterne (tib., gza‘ skar) und den 9 Furchteinflößenden (tib., ‚jigs byed).
Zusätzlich gibt es noch 75 Glorreiche Beschützer (tib., dpal mgon), die 12 Tenma-Schwestern (tib., brtan ma) und die 13 Gul-Lha (tib., mgul lha), sowie weitere weltliche Beschützer, die unter dem Befehl stehen oder durch Eide gebunden sind. Alle diese Gottheiten sind zum Teil Weisheitswesen und zum anderen Teil weltliche Gottheiten. Ihnen ist nur gestattet, die Überreste (tib., lhag ma) zu konsumieren und nicht vom Hauptteil der Ganachakra-Speisen (tib., tshogs phud).

Sechsfaches Erfreuen

Durch das Ganachakra werden sechs Arten des Erfreuens vollbracht.
Zunächst werden durch die vollkommene Sichtweise, die man während des Ganachakras beibehält, erfreuen sich die Wurzel- und Linienlehrer.
Dann werden durch die Kraft der meditativen Versenkung die Meditationsgottheiten erfreut.
Durch das reine Samaya, das die Praktizierenden beim Ganachakra halten, werden die Dakinis und Dharma-Schützer erfreut. Indem sich alle beim Festmahl Anwesenden als Wesen im selben Mandala und als Gottheit verstehen und die Art, wie man auf diese Weise miteinander verbunden ist, werden alle Dakinis erfreut. Durch die tantrischen Samaya-Handlungen, von denen alle durch Meditation in die höchste Sicht integriert werden, werden die Dharmapalas zufriedengestellt. Indem man dasselbe Samaya während des Empfangens der Lehren hält, mit demselben Lehrer ist und sich im selben Mandala mit den Vajra-Geschwistern befindet, wird das gesamte Mandala zufriedengestellt.
Die Praktizierenden selbst werden durch das Erfreuen an Speise und Trank zufriedengestellt. Man genießt die Ganachakra-Substanzen, einschließlich Fleisch als Repräsentant für geschickte Mittel und Alkohol als Repräsentant für uranfängliche Weisheit.
Durch die Gabe der Reste werden die eingeladenen Gäste, die äußeren und inneren Ortsschützer, welche durch Eide gebunden sind, zufriedengestellt.
Und schließlich werden durch das Singen von Vajra-Lieder die Dakinis der 21 und 32 heiligen Plätze erfreut.

Körper als Mandala

Gemäß der Sicht im Vajrayana sehen die Praktizierenden den Körper als Wohnstätte der Mandala-Gottheiten an. Auch werden alle Phänomene als Manifestation der Meditationsgottheit betrachtet, alle Klänge als Mantra gehört und alle Gedanken als Ausdruck der letztendlichen Natur des Geistes erkannt. Somit existieren in der Sicht der Vajrayana-Praktizierenden zahllose Gottheiten, sowie Dakas und Dakinis in unseren Körpern. Wenn jedoch Wissenschaftler mit ihren Instrumenten in den Körper blicken, dann sehen sie zahllose winzige Wesenheiten und keine Dakas und Dakinis. Das hat einfach damit zu tun, dass sie eben nicht die Sicht darüber verfügen.
Tantrische Praktizierende sehen jedoch unzählige Gottheiten und Dakinis. Und diese werden durch den unerschöpflichen Nektar uranfänglicher Weisheit der symbolischen Ganachakra-Substanzen genährt. Dadurch wird das Ganachakra-Festmahl zu einer sehr machtvollen Praxis.

Nach einer Belehrung von Lama Tharchin Rinpoche, ergänzt durch weitere Belehrungen zum Ganachakra von anderen Lehrern und Quellen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. Mai 2016

Ein tantrisches Festmahl

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Die tiefgründigste Methode für die Ansammlung von Verdienst und Weisheit ist im Vajrayana ein Ganachakra-Festmahl (tib., tshogs). Diese Zeremonie schafft eine wunderbare Gelegenheit für die Praktizierenden, zumindest ein wenig zu verstehen, dass sie nicht länger mehr gewöhnliche fühlende Wesen sind. Üblicherweise haben wir ja nicht die geringste Ahnung davon, dass wir eigentlich Gottheiten[1] sind, daher sind wir ohne dieses Vertrauen immer nur gewöhnlich. Beim Ganachakra-Festmahl haben die Praktizierenden die Möglichkeit vorzugeben, dass sie Gottheiten sind. Das ist der Anfang der reinen Schau (tib., dag snang). Wenn man also versteht, dass wir Gottheiten sind, dann erschaffen wir ein reines Mandala und durch diese Erfahrung können wir Erleuchtung erlangen.

Nur im Vajrayana

Die Praxis des Ganachakra-Festmahls gehört einzig zum Pfad des Tantra, dem Vajrayana. Weder die Pfade des Hinayana noch des Mahayana haben eine Vorstellung, wie man ein Ganachakra ausführt. Es ist eine machtvolle Praxis, weil sie uns über die gewöhnlichen Konzepte hinausführt. Das Training im Sutrayana bezieht sich immer auf den Geisteszustand. Gemäß dem Sutrayana sollten wir immer Dinge opfern, von denen wir denken, dass sie nett oder schön sind, wie Räucherwerk, Blumen, die drei Weißen (Milch, Joghurt und Butter) oder die drei Süßen (Honig, Zucker und Melasse). Wir können im Sutrayana keine Dinge wie Fleisch oder Alkohol opfern. Außerdem sind die Praktizierenden meistens Mönche oder Nonnen gemäß der Sutrayana-Tradition und diese praktizieren häufig nicht gemeinsam. Gemäß dem Vajrayana können die Praktizierenden auch Yogis oder Yoginis sein und eine Zusammenkunft für ein Ganachakra-Festmahl beinhaltet sowohl Männer wie auch Frauen. Das Sutrayana bezieht sich auf die äußere Ebene und fokussiert auf speziell vorgeschriebene Handlungen. Die Praxis des Vajrayana gleicht alle diese Konzepte aus und nivelliert sie.

Sichtweise und Konzepte

Eine Geschichte von Lama Tharchin soll das veranschaulichen. Vor ein paar Jahren kam ein Besucher aus Europa zur Ganachakra-Puja. Er sah sehr „professionell“ aus, war wie ein Yogi gekleidet, hatte einen Haarknoten und trug einen Meditationsgurt. Als der Lama ihn zum ersten Mal erblickte, dachte er sich: „Wow! Ein echter Yogis ist heute gekommen!“ Dann machten sie alle gemeinsam eine Ganachakra-Puja. Lama Tharchin blickte weiter in das Gesicht des Yogis. Das war ziemlich hart, viele Muskeln waren sehr angespannt. Am Ende des Ganachakra-Festmahls kam der Yogi zum Lama und sagte: „Siehst du dich selbst als Buddhist?“ Lama Tharchin antwortete: „Ja, schon irgendwie.“ Der Yogi: „Was denkst du dir dabei, du ist Fleisch und trinkst Wein?! Nicht nur das, sondern du stellst sie auch auf den Schrein! Wie bringst du das alles mit der buddhistischen Philosophie in Einklang?“ Der Yogi war wirklich aufgebracht! Lama Tharchin empfand, wenn er seine Frage beantworten würde, dann würde es den Yogi wohl umhauen, also sagte er bloß: „Ja, wir sind einfach ein paar schlechte Buddhisten hier.“ Dann fragte ein anwesender Khenpo, es war Khenpo Orgyen Thinle Rinpoche, der neu dabei war und nicht viel Englisch sprach, was geredet worden war. Nachdem Lama Tharchin ihm das erzählt hatte, meinte er: „Das ist wirklich eine gute Antwort! Kein weiteres Argument.“
Was mit diesem Mann jedoch wirklich geschah, er hatte einfach Konzepte, dass Buddhisten kein Fleisch essen und keinen Wein trinken. Das war deshalb so, weil er nur Sutrayana-Buddhismus kannte. Er hatte überhaupt keine Ahnung vom Vajrayana und glaubte nicht an seine Traditionen. Das Ganachakra-Festmahl ist auch sehr speziell, weil der Kern des Buddhadharma nicht äußerlich ist. Indem man die Praxis des Ganachakra ausführt, kann man wirklich Resultate erzielen. Wenn man die eigene Praxis nur auf einer äußerlichen Handlungsebene bleibt, dann ist das etwas, was Patrul Rinpoche als „Weißes Samsara“ bezeichnet hat. Es ist nicht wirklich negativ, weil man Heilsames praktiziert, aber diese Art der Übung basiert noch immer auf einem dualistischen Standpunkt. Vielleicht trifft man eine Entscheidung, dass die Opfergabe der drei Süßen und der drei Weißen eine reine Gabe ist, während die Opferung von Fleisch und Alkohol eine unreine Opfergabe ist. Während das Darbringen dieser Gaben heilsam ist und somit einen positiven Effekt hat, wird eigentlich eine dualistische Geisteshaltung beibehalten. Natürlich dient das Sutrayana als Grundlage für das Vajrayana, aber wie kann man jetzt gegen die Grundlage sein, wo doch das ganze Gebäude darauf fußt? Wenn man jetzt dagegen wäre, dann wäre das auch Dualismus. Aber es ist besser, nicht auf einer äußeren Praxisebene festzustecken, die auf spezielle Handlungen fokussiert. Wir müssen wirklich unseren Geist prüfen. Wer ist der Wahrnehmende? Wer trifft diese Entscheidung, dass ein Ding rein und ein anderes unrein ist? Wer akzeptiert nicht, dass Fleisch und Alkohol eine Opfergabe an die Mandala-Gottheiten sind?

Geschickte Mittel

Das Vajrayana hat sehr machtvolle Techniken, die es ermöglichen, direkt die uranfängliche Weisheit zu erkennen. Da gibt es Techniken, um alle diese dualistischen Konzepte zu befreien, alles auszugleichen, einschließlich der drei Weißen und drei Süßen und Fleisch und Alkohol – ohne irgendetwas anzunehmen oder zurückzuweisen. Dieser Ort ist die Grenze des Geistes, der Ort, wo die dualistischen Gedanken verschwinden. Wenn wir unsere Praxis bis zu diesem Punkt bringen, dann kann sie wirklich sehr machtvoll sein. Wenn wir auf einer objekthaften Ebene bleiben, dann treffen wir Urteile wie: „Die Gottheiten mögen kein Fleisch und keinen Alkohol. Sie mögen die drei Weißen und die drei Süßen.“ Das macht die Gottheiten dann zu etwas sehr Gewöhnlichem oder Weltlichem. Wenn die Gottheiten ein paar Opfergaben akzeptieren und andere zurückweisen, wie ist diese Gottheit dann wirklich von uns verschieden? Wenn wir über alle diese Konzepte und diskursiven Gedanken jenseits des Annehmens und Zurückweisens hinausgehen, dann haben die tantrischen Substanzen wie die fünf Fleische die Macht, die Verwirklichungen, die Siddhis, rascher herbei zu ziehen. Es gibt auch fünf Substanzen uranfänglicher Weisheit, die wie eine Lampe fungieren, die die Fähigkeit hat, dass unsere Weisheit erstrahlt und glänzt. Diese uranfängliche Weisheit erscheint mächtiger ohne Anzunehmen und Zurückzuweisen, einfach durch Entzerren, durch Ausgleichen. Diese Art der höheren Sichtweise und Ansammlung von Verdienst ist viel mächtiger als andere Techniken, die nur auf äußerliche Handlungen fokussieren, weil der Fokus selbst nichts anderes als der konzepthafte Geist ist.

Zusammengestellt aus einer Belehrung von Lama Tharchin Rinpoche. Das nächste Mal schildere ich den Ablauf des Ganachakra-Festmahls sowie die Wesen, an die das Resteopfer geht und das sechsfache Erfreuen. Bleibt dran!

[1] Damit sind Meditationsgottheiten gemeint, die eben ein Ausdruck der Buddha-Natur sind.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 15. Mai 2016

Butterlampenopfer

ButterlampenopferButterlampen zu opfern ist eine sehr machtvolle Opfergabe, weil ihr Licht Weisheit symbolisiert. So wie eine Lampe die Dunkelheit vertreibt, repräsentiert das Opferlicht von einer Butterlampe das Beseitigen der Dunkelheit der Unwissenheit, um die leuchtend klare Buddha-Weisheit zu erlangen. Das Lampenopfer ist eine Opfergabe der Sinne an die Augen des Buddhas. Da die Augen Buddhas Weisheitsaugen sind, haben sie nicht die Extreme von Klarheit oder Nicht-Klarheit. Unsere gewöhnlichen Augen sind jedoch von der Dunkelheit der zwei Befleckungen – den groben emotionalen Störungen und den subtilen gewohnheitsmäßigen Befleckungen – verschleiert. Während der Buddha keinen Wunsch nach Opfergaben hat, opfern wir zum Zweck unserer Ansammlung von Verdienst und Weisheit. Durch die Kraft dieser Ansammlung können wir die Starre in unseren Augen der Unwissenheit beseitigen, um Buddhas überragende lichthafte Weisheitsaugen zu erlangen.

Nutzen des Lichtopfers

Wenn wir Licht opfern, dann sind die Ergebnisse die Erkenntnis der Weisheitsphänomene des Klar-Lichts in diesem Leben, die Klärung des dualistischen Geistes und das Beseitigen der Verwirrung und Erkenntnis des Klar-Lichts im Bardo und das Vermehren von Weisheit in jedem Leben, bis man Erleuchtung erlangt hat.
Traditionell werden Butterlampen auch als Widmung an die Toten dargebracht, um sie mit dem Weisheitslicht durch den Bardo zu geleiten. Wir können auch beten, dass dieses Licht alle Wesen der sechs Bereiche führt, ihre Verschleierungen beseitigt, sodass sie zu ihrer wahren Natur erwachen. Mit aufrichtigem Vertrauen und aufrichtiger Hingabe visualisieren wir, dass mit unseren Opfergaben zahllose Opfergöttinnen allen erleuchteten Wesen unermesslich viel Licht darbringen.

Von Lama Tharchin. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2016). Möge es von Nutzen sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Mai 2016

Der Eid des Buddha

Gurgon_MahakalaGelübde, Versprechen, Schwüre oder einfach Regeln sind für Praktizierende eine Stütze auf dem Pfad. Da man sich in der Praxis bekanntermaßen auf unbekanntem Gelände bewegt, kann man die Vinaya – das umfangreiche buddhistische Regelwerk – als eine Richtschnur im vernebelten Geist ansehen, die einen sicher leitet. Für Praktizierende des Vajrayana sind die Samayas das Herzblut für die Verwirklichung. Zu glauben, dass man diese missachten könne und „verrücktes Verhalten“ zur Schau stellen solle, ist ein fataler Irrtum.

Grundlegendes

Mit unseren drei Toren von Körper, Rede und Geist können wir zwar eine grenzenlose Anzahl an unheilsamen Handlungen begehen, aber sie lassen sich auf zehn zusammenfassen.

Zunächst die des Körpers:
1) Leben nehmen; 2) Stehlen; 3) sexuelles Fehlverhalten.

Dann die der Rede:
4) Lügen; 5) trennende Rede; 6) harsche Rede; 7) sinnlose Rede.

Und schließlich die des Geistes:
8) Habsucht, Begehrlichkeit; 9) Bösartigkeit, Übelwollen; 10) falsche Ansichten.

Untaten, Vergehen, abwegige Handlungen

Die fünf Untaten, die sofortige Konsequenzen nach sich ziehen, welche ein Resultat einer sofortigen Wiedergeburt in der Hölle unaufhörlicher Qualen ist, ohne einen Übergang (Bardo) zu durchlaufen:
1) die eigene Mutter töten; 2) den eigenen Vater töten; 3) ein Weisheitswesen töten; 4) eine Spaltung der spirituellen Gemeinschaft (Sangha) herbeiführen; und 5) einen Buddha aus Bösartigkeit bluten lassen.
Die fünf Vergehen, die diesen der unmittelbaren Konsequenzen nachfolgen sind: 1) mit einer Nonnen unrein verkehren; 2) einen Bodhisattva töten; 3) jemanden, der sich im Pfad der Erleuchtung übt, zu töten; 4) die Güter der spirituellen Gemeinschaft stehlen; und 5) einen Stupa zerstören.
Die fünf abwegigen Handlungen sind: 1) Gutes kritisieren; 2) Böses preisen; 3) eine tugendhafte Person beim Ansammeln von Verdienst stören; 4) den Geist jener, die Hingabe haben, stören; 5) den eigenen spirituellen Meister aufgeben; 6) die eigene Meditationsgottheit aufgeben; 7) die eigene Vajra-Familie aufgeben; 8) ein Mandala entweihen.

Gelübdekategorien

Die sieben Gelübdekategorien der individuellen Befreiung (Pratimoksha-Gelübde) sind: 1) Mönche; 2) Nonnen; 3) Novizen; 4) Novizinnen; 5) männliche Laien; 6) weibliche Laien; 7) Novizinnen in Ausbildung.

Vollständigkeit

Damit eine Verfehlung auch zu einem vollständigen Bruch wird, müssen vier Aspekte zusammenkommen. Es muss 1) eine Basis geben, 2) die entsprechende Absicht muss vorhanden sein, 3) die Handlung muss ausgeführt werden und 4) sie muss zur Vollendung kommen. Wenn also ein Aspekt davon fehlt, dann gilt eine unheilsame Handlung nicht als vollständig und zieht eben nicht die gesamten Konsequenzen nach sich.

Monastische Sangha

Die vier Niederlagen für Angehörige der monastischen Sangha sind: 1) Geschlechtsverkehr; 2) Diebstahl; 3) Mord; und 4) über den Grad der eigenen spirituellen Errungenschaften lügen.
Die 13 teilweisen Niederlagen für Angehörige der monastischen Sangha sind: 1) Ejakulation; 2) Körperkontakt mit sexuellen Absichten; 3) Gespräche mit sexuellen Absichten mit einer begehrten Person; 4) Geschlechtsverkehr zustimmen als eine Methode der Verehrung; 5) Kuppelei; 6) ein unpassendes Domizil errichten; 7) ein unpassendes Domizil für vier oder mehr Angehörige der monastischen Sangha errichten; 8) grundlose Anschuldigungen anderer Angehöriger der monastischen Sangha; 9) andere Angehörige der monastischen Sangha belanglos zu beschuldigen; 10) eine Spaltung in der Klostergemeinschaft zu bewirken; 11) sich mit anderen zusammentun, um eine Spaltung zu bewirken; 12) veranlassen, dass eine Laienperson ihr Vertrauen verliert; 13) einer wahren Anschuldigung trotzen, indem man ablehnt, ein Vergehen offenzulegen.
Weitere Niederlagen für Angehörige der Klostergemeinschaft sind jene, die das Aufgeben eines Gegenstandes erfordern, der die Grundlage für den Sturz vor dem Bekenntnis ist. Diese werden in drei Gruppen zu je zehn gezählt. Aber da dies zu umfangreich ist, werden sie hier nicht aufgelistet.
Ursachen für den Verfall der Angehörigen der monastischen Sangha sind Niederlagen, die nur ein Bekenntnis erfordern, kein Aufgeben des Gegenstandes, der die Niederlage bewirkt hat. Dies werden in neun Gruppen zu je zehn gezählt und sind für eine Auflistung auch zu umfangreich.
Es gibt aber auch kleinere Vergehen, die als Unterbrechungen gezählt werden, welche Angehörige der monastischen Sangha begehen können. Dies sind insgesamt 112 Unterbrechungen.
Die vier schwarzen Taten, die als Niederlagen angesehen werden sind: 1) den eigenen Lehrer oder andere Wesen, die der Verehrung würdig sind, betrügen; 2) Bedauern darüber empfinden, was nicht zu bedauern ist [bedauernswerte Handlungen sind jene, die eine Niederlage darstellen bzw. die zehn unheilsamen Taten]; 3) aus Zorn bittere Worte jemanden gegenüber verwenden, der den Erleuchtungsgeist entwickelt hat; 4) hinterlistig oder auf irgendeine Weise betrügerisch sein.

Könige, Minister, Volk

Die fünf Niederlagen, die hauptsächlich auf Könige Anwendung finden, die Bodhisattvas im Training sind: 1) in direkter oder anderer Weise den Besitz stehlen, der den Repräsentationen von Körper, Rede und Geist des Buddhas oder der spirituellen Gemeinschaft dargebracht wurde; 2) die Lehren des Hinayana oder Mahayana zurückweisen oder bewirken, dass andere sie ablehnen; 3) einer Person Leiden zufügen, die die Attribute von Klosterzugehörigkeit trägt, ungeachtet ihrer Reinheit; 4) irgendeine der fünf Übeltaten mit sofortigen Konsequenzen begehen; und 5) nihilistische Sichtweisen erklären und sich demgemäß verhalten.
Die fünf Niederlagen, die hauptsächlich auf Minister Anwendung finden, die Bodhisattvas im Training sind: 1) – 4) sind gleich wie bei den Königen; und 5) eine Region durch eine der fünf Arten der Plünderung überfallen und ausrauben [die fünf Arten sind: ein Dorf, eine Stadt, ein Land, eine Provinz oder ein Land].
Die acht Niederlagen, die auf das Volk angewendet werden: 1) den Ungeschulten Leerheit lehren; 2) jemanden veranlassen, den Erleuchtungsgeist aufzugeben; 3) jemanden veranlassen, den Pfad der individuellen Befreiung (Hinayana) als unnötig aufzugeben; 4) unnötigerweise behaupten, dass der Pfad der individuellen Befreiung ein unwirksamer wäre, um Emotionen zu besiegen; 5) sich selbst loben und andere herabsetzen; 6) aus Gründen persönlichen Gewinns fälschlicherweise behaupten, Leerheit realisiert zu haben; 7) einen König veranlassen, ein Kloster zu überfallen und eine Beute, die daraus gestohlen wurde, anzunehmen; 8) die Meditation eines Praktizierenden zu unterbrechen oder den Besitz eines Praktizierenden zu unterbrechen, der nur Schriften rezitiert.

Vajrayana

Die 14 Wurzelverfehlungen der Praktizierenden des Vajrayana sind: 1) den spirituellen Meister missachten; 2) die Lehren des Buddha übertreten; 3) den Vajra-Geschwistern verächtlich begegnen; 4) liebende Güte aufgeben; 5) die Vitalessenz des Bodhicitta verlieren; 6) religiöse Philosophien allgemein herabsetzen; 7) ungeeigneten Empfängern Geheimnisse enthüllen; 8) die Skandhas nicht achten; 9) am Dharma zu zweifeln; 10) Zuneigung zu üblen Wesen empfinden; 11) begriffliche Konzepte auf den Dharma anwenden; 12) bei Gläubigen bewirken, dass sie ihr Vertrauen verlieren; 13) die Substanzen der tantrischen Verpflichtung zurückweisen; und 14) Frauen herabsetzen.
Die acht ernsthaften nebensächlichen Vergehen sind: 1) sich auf eine ungeeignete, ohne tantrische Voraussetzungen stützen; 2) während tantrischer Rituale streiten; 3) Nektar von einer unpassenden Gefährtin annehmen; 4) aufrichtige Schüler nicht zu lehren, obwohl es passend wäre; 5) Fragen absichtlich falsch beantworten; 6) sich länger als eine Woche im Haus eines Hörers aufhalten; 7) damit prahlen, ein tantrischer Praktizierender zu sein, obwohl man die Stufen des Geheimen Mantras nicht kennt; und 8) ungeeigneten Empfängern Geheimnisse offenbaren.
Die 25 ungewöhnlichen Aktivitäten werden in fünf Gruppen zu je fünf erklärt. Diese Gruppen sind fünf Dinge, aufzugeben sind, fünf Dinge, die zu vermeiden sind, fünf Dinge, die zu töten sind, fünf Dinge, denen man keinen Zorn gegenüber haben soll und fünf Dinge, an denen man nicht anhaften soll.

Wer mehr Einzelheiten dazu wissen möchte, empfehle ich das Buch von Dudjom Rinpoche „Perfect Conduct“ oder das Werk von Jamgon Kongtrul „Buddhist Ethics“ aus seinem Zyklus „Schatzhaus des Wissens“.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. Mai 2016

Die Prophezeiung für Tamdrin Yangthrö

VajraRüstung.jpgDudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje hat die Praxis aus den Schatztexten seiner früheren Inkarnation (Dudjom Lingpa) im Alter von 70 Jahren zusammengestellt, da er erkannte, dass nun die Zeit für diese äußerst kraftvolle Praxis gekommen sei. Er schreibt in der Einleitung des Termas (Schatztext) zur Praxis des schwarzen, äußerst zornvollen Hayagriva:

„Ich bin glücklich, eine kurze Methode für die Verwirklichung dieser Praxis zu zeigen. Diese Anweisung für die geschickte Aktivität der Verwirklichung des Tamdrin Yangthrö Nagpo, die bis zuvor noch nicht gehört wurde, ist das Herzblut von Padmasambhava und ist mit dreizehn Siegeln versiegelt. Im Wurzeltext werden die Prophezeiungen verkündet:
Die zukünftige Zeit des Niedergangs wird erkannt, wenn die Könige auf die Ebene der Gemeinen herabsinken und die Gemeinen auf den Stand der Könige erhoben werden, wenn der Unschuldige ohne Ursache verfolgt und abgebrühte Verbrecher Herrschaft erlangen, wenn spirituell Praktizierende verhöhnt und Sünder gepriesen werden, wenn unreines Essen verzehrt wird, wenn das Gewerbe der Kriegskunst, Vergewaltigung und Plünderung die Norm sind, wenn jeder nur auf sich schaut, niemandem vertraut, wenn sogar Geschwister, Verwandte und Partner dich betrügen, wenn Ngakpas und Mönche ihre Samayas und Gelübde brechen, wenn Gyalpos, Sinmos, die acht Klassen der Geister und besonders böse Nagas und Nyens sich erheben und mächtig werden und eine Vielzahl an epidemischen Krankheiten auf Menschen und Tiere losgelassen sind, wenn das Verhaltensmuster wiederholt gebrochener Versprechen bewirkt, dass Samayas und Gelübde gebrochen werden. Zu dieser Zeit sind die Wesen so voller Negativität, dass selbst wenn sie den Pfad des Dharma betreten, ihre Sinne vollständig von den Maras der Vergnügungen überwältigt werden. Verführt von Zerstreuung und Faulheit werden sie zu den Toren des Unheilsamen geführt. Jene, die wahre Praktizierende des Dharma bleiben, sind so selten wie Sterne am Tag. Jene seltenen Praktizierenden, sollten sie von Übeltätern gequält werden, wenn sie dieses Aktivitätsritual des Dorje Tumpo verwirklichen, werden alle Übeltäter und Hindernisse vollständig besiegen. Sie werden zu Siegreichen über die Maras und frei von Krankheiten. Indem sie die Pracht sowohl von Samara wie auch Nirvana erlangen, werden sie zum Herrscher über alle möglichen Erscheinungen.
Wir können sehen, dass diese Vorhersage, die in diesen Prophezeiungen gemacht wurde, sich nun bewahrheiten. Das ist die Zeit für den höchst zornvollen Hayagriva, der mehr Energie und Macht als jeder andere Yidam hat. Daher sollst du dies als deine vorrangige Gottheit halten und dich anstrengen, diese Aktivität zu verwirklichen.“

Schwarzer Hayagriva & die Vajra-Rüstung (Dorje Gotrab)

Weiters sind mit der Praxis des Tamdrin Yangthrö Nagpo auch die Aktivitätsrituale des Vajrapani und des schwarzen Manjushri in Form der Vajra-Rüstung (Dorje Gotrab) verbunden. Durch die Praxis dieser Visualisationen und Mantras erlangen die Praktizierenden einen unzerstörbaren Schutz vor negativen Einflüssen und können bei entsprechender Verwirklichung der Mantras, diese auch zu Heilzwecken für andere einsetzen. Die Bedeutung des schwarzen Manjushri erkennt man aus den einleitenden Worten zu seiner Praxis, so wie Dudjom Lingpa sie aufgeschrieben hat: „Im letzten 500-jährigen Zeitabschnitt, wenn Krankheiten, Plagen und Epidemien Macht über das Leben gewinnen und das Leben der fühlenden Wesen von unzähligen Gefahren bedroht ist, dann wird die Meditation und Rezitation den Sieg über die Krankheiten unterstützen.“

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Mai 2016

Meditationshaltung

buddha-199462_1920.jpgDie Position des Vairocana wird gewöhnlich als die fünf Aspekte der Meditationshaltung beschrieben oder als die sieben Aspekte der Haltung des Buddha Vairocana. Die Unterschied variieren von Text zu Text, sogar überraschend verschieden in jedem „maßgeblichen“ Werk. Die Verschiedenheiten entstehen hauptsächlich deshalb, weil zwei Merkmale als eins gezählt werden oder ein anderes ausgelassen wird. Hauptunterschiede sind, wohin die Augen gerichtet werden, ob auf die Nasenspitze oder acht Finger breit darunter. Während eine Version bloß anmerkt, dass die Hände vier Finger unterhalb des Nabels in der Meditationsgeste sind und dass die Schultern auf einer Ebene sind, besagt eine andere Besonderheit, dass die Ellbogen nicht abgebogen sein sollten und die Schulter in die Höhe gezogen wie die Flügel eines Geiers sind sollten.
Ein Beispiel fünf Merkmale: 1) Beine gekreuzt; 2) Hände in Meditations-Mudra vier Finger unterhalb des Nabels mit hochgezogenen Schultern; 3) Kinn nach innen gebeugt; 4) Augen blicken auf die Nasenspitze; 5) Lippen und Zähne berühren sich nur und die Zungenspitze ist gegen den Gaumen gedrückt.
Ein anderes Beispiel für die sieben Merkmale: 1) Beine in Vajra-Haltung; 2) Hände in Meditations-Mudra vier Finger breit unterhalb des Nabels; 3) ein aufrechter Rücken; 4) Schultern hochgezogen; 5) Kinn nach unten gebeugt; 6) Lippen berühren sich nur und die Zungenspitze drückt gegen den Gaumen; 7) die Augen richten sich vier Finger breit über die Nasenspitze hinaus.

Dies wird auch als der äußere Aspekt angesehen. Der innere Aspekt bezieht sich auf die Wirkung der Haltung. Dabei werden die Winde zur Ruhe gebracht, der Geist geklärt etc. Dazu findet ihr hier einige Details.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. April 2016

Rakta – das Rot der Tantriker

cup-656717_1920Bei den Opfergaben im Tantra wird immer wieder von Rakta gesprochen. Meist wird damit Menstruationsblut verstanden. Jedoch gibt es viele verschiedene Raktas. Hier nun eine Darstellung der Raktas.
Die 35 Zutaten zum Rakta (wortwörtlich „Blut“); jedoch sollte die tantrische Terminologie nicht wortwörtlich genommen werden. Dieses „Blut-Opfer“ wird faktisch als eine Opfergabe des Blutes aus dem Töten der Geistesgifte Ignoranz, Stolz, Ärger, Anhaftung und Neid angesehen.

Drei Rakta-Arten

Die erste Zutat besteht eigentlich aus drei Arten von Rakta:

A) „Der Rakta des vollständig reinen Raumes“, was idealerweise das Blut aus dem Lotus – Raum und Lotus sind eine Umschreibung für die Vagina – einer Dakini, wie Padmakaras Gefährtin Yeshe Tsogyal bedeutet oder andernfalls das erste Menstruationsblut einer Jungfrau aus guter Familie oder sonst von einer gesunden Frau einer edlen Familie oder anderweitig Sindura (siehe folgende Anmerkung) von einem kraftvollen, heiligen Platz.

B) „Der Rakta der Existenz“, was natürliches Teer ist, von dem man sagt, dass er aus dem Menstruationsblut der Gefährtinnen der Buddhas der vier Richtungen entstammt: Buddhalocana, Mamaki, Pandara und Samaya-Tara, die die Gefährtinnen von Akshobhya (Osten), Ratnasambhava (Süden), Amitabha (Westen) und Amoghasiddhi (Norden) sind.

C) „Der Rakta des geheimen Kanals“, der das Herzblut aus dem Lebenskanal (der Aorta) von jemandem ist, der im hohen Alter verstorben ist. Dieser wird auch „der Kanal-Rakta der zwölf Phasen des wechselseitigen Entstehens“ genannt, weil alle zwölf, von Unwissenheit bis Tod, vollständig darin enthalten sind. Die nächsten zehn Zutaten sind Fixative für die Wurzelzutat. Es sind solche Substanzen wie rotes Sandelholz, wilder Safran, Gewürznelken, Muskat, Granatapfel und Maulbeerblätter. Die anderen 25 Zutaten sind die Zweigzutaten und werden in fünf Gruppen zu je fünf Substanzen eingeteilt, alle werden „der Rakta (Blut), für das kein Leben genommen wird“ genannt. Alle diese sind natürliche Substanzen. Es gibt fünf Arten des Stein-Rakta, wie Zinnober und roten Ocker; fünf Arten des Holz-Rakta, wie Gummilack, Sandelholz und Sturmeisenhut (Aconitum napellus); fünf Saft-Raktas, wie Moschus, Rohzucker und Honig; fünf Frucht-Raktas, wie Rosinen, Berberitze und Myrobalam (Phyllanthus emblica) und fünf Blumen-Raktas, wie Gloxinie (Incarvillea). Es gibt eine spezielle Methode zum Zubereiten und Segnen dieser Substanzen, daher ist deren Sammeln und Zubereiten die Aufgabe eines Spezialisten. Ein Praktizierender stützt sich daher auf ein kleinwenig zubereiteten Rakta, den er geliefert bekommt. Das ist auch im Falle der Dharma-Medizin, die für den Amrita verwendet wird, für die noch eine viel größere Bandbreite an Zutaten erforderlich ist.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 18. April 2016

Vesakh-Feier in Graz

Vesakhfeier20160521.png

Liebe große Sangha,
anbei die Einladung zum Vesakh-Fest beim Stupa im Grazer Volksgarten.
Das vorläufige Programm:

10:00
– Grussworte der Repräsentant/inn/en
– Zeremonie der Thai Gemeinde
– Ritual der tibetischen Traditionen
– gemeinsame Widmung der Verdienste
– Picknick im Umkreis des Stupa
12:30

Es soll, wie in den letzten Jahren, ein Fest werden, bei dem möglichst alle in der Steiermark vertretenen buddhistischen Gruppen dabei sind. Es fehlen noch Vertreter der Zen- und Interseingruppen, vielleicht kennt ihr wen, das Programm lässt sich auch noch dahingehend erweitern. Das Programm ist noch nicht vollständig, vielleicht können sich die tibetischen Gruppen wieder auf eine gemeinsame Shakyamuni-Praxis einigen. Bitte um Verbreitung des Flyer… und um Rückmeldungen an Michael Aldrian (Vertreter der ÖBR in der Steiermark).
Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. April 2016

Dzogchen-Lamrim (Wunschgebet)

Dudjom-RinpocheWunschgebet für den Stufenpfad zur Großen Vollkommenheit

Aus den gesammelten Werken von S.H. Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje.
© Übersetzung: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015)

EMAHO – Aller Buddha Mitgefühl in einem vereint,
seid Ihr für mich, einem voller Übeltaten, meine einzige Zuflucht, oh Rinpoche!
Durch Eure Güte befreit mich aus Samsara, kostbarer Lehrer,
so bete ich hingebungsvoll aus der Tiefe meines Herzens.
Mit beständigem Mitgefühl umsorgend, gewährt mir Euren Segen.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich diese Freiheiten und Ausstattungen gebrauche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich mich an Unbeständigkeit und Tod erinnere.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich Einsicht in das Elend dieses weltlichen Daseins habe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich fähig bin, Heilsames auszuführen und Übeltaten aufzugeben.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Drei Juwelen als Zuflucht (und Schutz) verstehe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich mich in der erleuchteten Geisteshaltung der Nächstenliebe (und Güte) übe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit die zwei Verschleierungen und Gewohnheitstendenzen bereinigt werden.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Verdienst der zwei Ansammlungen vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Ermächtigung empfange, um die Verwirklichungen zu erlangen.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Fähigkeit habe, das Samaya zu schützen und einzuhalten.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Dharma jenseits von Täuschung fest und stabil vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich Not und Widrigkeit in günstige Umstände verwandle.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich nicht abgelenkt in festem Eifer und Streben verweile.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das Festhalten an einem Ich in meinem Geist aufgebe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Dunkelheit des Nicht-Gewahrseins unterwerfe.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Sicht ursprünglicher Reinheit realisiere.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich die Manifestation der Dharmata nackt und klar wahrnehme.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das Anwachsen der visionären Erfahrung erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich den Gipfel und die Vollendung des Gewahrseins erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich das vollständige Erschöpfen der Dharmata erreiche.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich in den jugendlichen Vasenkörper befreit werde.
Bitte gewährt Euren Segen, damit ich in diesem Leben den Regenbogenkörper vollende.
Bitte gewährt Euren Segen, damit die zyklische Existenz vollständig umgekehrt wird.

 Damit der gelehrte und verdienstvolle Herzenssohn Tshering Wangchen diesen tiefgründigen Pfad vollenden kann, hat Jigdral Yeshe Dorje dies aufgrund eindrücklicher Bitten niedergeschrieben. Glück auf!

Das Gebet als Praxistext inkl. des tibetischen Originaltextes und Transliteration könnt ihr hier gratis herunterladen (DzogchenLamrim).

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