Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. Februar 2016

Die Legende von Yamantaka

Yamantaka_GelugEinst lebte ein Einsiedler lange Zeit in einer Höhle. Er bemühte sich, dort volle 50 Jahre zu meditieren, um Nirvana zu erlangen. Er hatte nur noch einen Tag, als zwei Räuber in die Höhle eindrangen.
Sie schleppten einen gestohlenen Büffel mit sich, den sie getötet hatten, indem sie ihm den Kopf abschnitten. Aber als sie den Einsiedler erblickten, beschlossen sie ihn zu töten, weil er sonst Zeuge ihres Verbrechens gewesen wäre. Sie hackten ihm den Kopf ab, obwohl er sie anflehte, es nicht zu tun. Aber der Einsiedler hatte bereits übernatürliche Kräfte erlangt. Er hob den Büffelkopf auf seine Schultern und verwandelte sich in die furchteinflößende Gottheit Yama. Yama tötete die beiden Räuber und trank ihr Blut. So verlor er jede Hoffnung, Nirvana zu erlangen. Voller Raserei versuchte er, alle Tibeter zu töten. Die Tibeter baten den Bodhisattva Manjushri ihnen zu helfen. Manjushri nahm die Schrecken erregende Gestalt des Yamantaka an und vertrieb Yama in die Bereiche der Unterwelt.

Geschichte(n) zu Yamantaka

Der von den Gelugpas und Sakyapas häufig praktizierte Yamantaka in Gestalt des Vajrabhairava (tib., rdo rje ‘jigs byed) ist der unzerstörbar Schreckliche – wie sein Name besagt. Yamantaka ist der Besieger des Todes und unterwirft Yama – den Herrn des Todes.
Yamantaka erscheint sowohl als Yidam-Gottheit wie auch als Beschützer (Dharmapala). Im Zyklus der Thröma Nagmo tritt er neben Rahula, Nagaraja, Tsen und Mamo auch als Beschützer des Dharma auf. Wesentliche Gottheitenpraktiken gehen auf Ra Lotsawa zurück, der Vajrabhairava als Meditationsgottheit verwendete, um Feinde zu vernichten.
In einem Text wird Yamantaka von Vajrapani gebeten, die bösartigen Geister zu unterwerfen und diese opferten ihm die Essenz ihrer Lebenskraft. Diese Geister wurden in den Zustand der meditativen Gelassenheit geführt. Aber dann begannen die arroganten Gespenster und ihr Gefolge wieder, blanken Schrecken zu verbreiten. Und Yamantaka sandte erleuchtete magische Waffen in Form von Eisenrädern, Schlingen, Haken, Ketten und Glocken aus und ließ Mantra-Silben ertönen, sodass diese Arroganten sofort unterworfen und gezähmt wurden.
Yamantaka offenbarte dann einige Tantras, die von Vajrapani gesammelt wurden. Diese wurden dann Garab Dorje anvertraut, der sie wiederum Manjushrimitra gab. Dieser gab einige dem Jnanagarbha und dem Shantigarbha. Der Meister Tsuglag Palge entnahm daraus dann einige sehr tiefgründige Anweisungen für das Schützen, Abwehren, Befreien und Unterwerfen.
Später wurden diese dem Padmasambhava gegeben und dann dem Vasudhara. Dessen jüngerer Bruder wurde dann als Nub Sangye Yeshe wiedergeboren. Dieser ging dann nach Kathmandu und bat Vasudhara sieben Mal um die Übertragung der Tantras und versiegelte dies, indem er einen Manjushri auf Nub Sangye Yeshes Kopf stellte. Die Anweisungen dieser Tantras durften zunächst nicht verbreitet werden, bis sie in ihm herangereift waren.
Obwohl alle anderen Tantras zu der Zeit in Tibet weithin blühten, konnte das Yamantaka-Tantra nicht verbreitet werden. Also sprach Nub Sangye Yeshe folgenden Wunsch aus: „Zur Zeit der fünf Arten des Niedergangs sollen diese mit den vom Glück gesegneten Ngakpas zusammentreffen und mögen so die Feindes des Dharma besiegt werden.“ Dann verbarg er diese Anweisungen in Lhodrag und in Phungpo Riwoche. Diese wurden dann später von Gyazhang Trom entdeckt und dann dem Lharje Nub Chung anvertraut. Später kamen diese Anweisungen zum Gyalwa Rinchen Phüntshog aus der Linie der Drikung Kagyü. Der Drikung Rigdzin Chökyi Dragpa verfasste dann einen berühmten Praxistext, der auch heute noch in der Drikung-Linie praktiziert wird.

Buddhisten und Shiva

03 LalitavajraIn der Gelug-Tradition wird Lalitavajra als Enthüller der Vajrabhairava-Tantras angegeben. Lalitavajra war ein Gelehrte an der Kloster-Universität von Nalanda im 10. Jhdt., der als Haupt-Yidam Manjushri praktizierte. Eines Tages erhielt er in einer Vision den Auftrag, nach Oddiyana zu gehen und die Tantras des Yamantaka zu enthüllen. Dort traf er auf die Weisheits-Dakini in Gestalt der Vajra-Vetali und auch auf andere Dakinis. Doch diese lehnten es ab, ihm diese Texte auszuhändigen. Er durfte die Lehren nur auswendig lernen und sie nach seiner Rückkehr aufschreiben.
Manche Gelehrte sehen die Vajrabhairava-Tantras in Verbindung mit der Tradition des kaschmirischen und afghanischen Shivaismus. Der Name „Bhairava“ verweist auf eine der Haupterscheinungen von Shiva und auch viele seiner Attribute wie Dreizack, Tigerhaut, Asche, Damaru etc. finden sich in beiden Traditionen. Jedenfalls entstand der Shivaismus im 8./9. Jhdt. und wahrscheinlich werden sich einige Parallelen zum buddhistischen Tantra finden. Jedoch lassen äußere Attribute keine Herkunft ableiten. Vielmehr ist der Unterschied in der Sicht – dem spirituellen Ansatz – zu finden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Februar 2016

Spickzettel – Longchenpa 30 Ratschläge

Die 30 Ratschläge des Longchenpa sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Geist zu trainieren. Der Spickzettel hier kann heruntergeladen werden und mag als Erinnerung dienen. Viel Freude und Erfolg damit!
Den ausführlichen Text von Longchenpa findet ihr hier zum Nachlesen.

Spickzettel_LongchenpasRat

Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. Februar 2016

Nyingma-Mönlam 2016 – Ngakpa-Zentrum

Titel_NyingmaMönlamWunschgebete sind Bestandteil der täglichen Praxis. Alljährlich finden aber große Gebetsfeste – „Mönlam“ genannt – statt. Hier der Ablauf für unser kurzes Mönlam, das wir zwischen Losar und Chotrul Düchen vom 10. – 21. Februar 2016 hier im Ngakpa-Zentrum abhalten. Der Ablauf basiert auf dem alljährlich in Bodhgaya stattfindenden Nyingma-Mönlam. Die entsprechenden Texte kann man HIER (Tibetisch/Transkript/Englisch) gratis herunterladen. Falls der Link nicht funktioniert, bitte eine kurze eMail an das Ngakpa-Zentrum, dann bekommt ihr einen anderen Link zugesandt.
Man kann also für sich daheim praktizieren, aber ihr könnt auch gerne bei uns im Zentrum vorbeischauen. Wir praktizieren immer von 19.00 bis 21.00 Uhr; bitte kurze Anmeldung per eMail, FB-Messenger oder Telefon vorher. An den Samstagen und Sonntagen sind die Zeiten flexibel.

Ablauf Nyingma Mönlam im Ngakpa-Zentrum Lhündrub Chödzong

  • Tashi Tsigpa – die Verse der acht edlen Glückverheißenden
    1. Und weitere Einleitungsgebete inkl. ausführlicher Mandala-Opferung
  • Nehmen der Bodhisattva-Gelübde (kurz)
  • Tara-Gebet
  • Guru-Yoga auf Padmasambhava
    1. Gebete aus dem Le’u Dünma
    2. Rezitation des Vajra-Guru-Mantras
    3. Sampa Lhündrub
    4. Barche Künsel
    5. Auflösungsphase
  • Manjushri
    1. Kurze Praxis
    2. Kurzes Namasamgiti
  • Herz-Sutra
  • Gebete zum Beseitigen von Hindernissen
    1. Barwa’i Khorlo Sutra
    2. Ushnishavijaya-Praxis
    3. Simhamukha plus Abwehrpraxis
  • Amitayus
    1. Kurze Praxis
    2. Dharani
  • Wunschgebete
    1. Kurzes Dewachen-Mönlam
    2. Vajradhatu Mandala
    3. Yeshe Tsogyal’s Gebet an Guru Rinpoche (ggf. nur kurzes)
    4. Für Bestehen der Nyingma-Tradition
    5. Vajra-Knoten
  • Langlebensgebete
Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. Februar 2016

Vajrakila – Praxisarten

Gyulug_KilaDa gibt es äußere, innere, geheime und äußerst geheime Vollendungen. Jede korrespondiert mit Praktiken mit vielen Einzelheiten, Praktiken ohne genauere Angaben und Praktiken, die äußerst wenig detailliert sind.
Die Praxis mit vielen Ausschmückungen bezieht sich auf die äußere Vollendung. Die schließt den Aufbau eines vollständigen Mandalas mit ein, eines großen Mandalas im Zusammenhang mit einem Drubchen (tib., große Übung). Die Gottheit kann dabei 26 Köpfe und 42 Arme haben oder vielleicht neun Köpfe und 18 Arme. Es können auch 725 Gottheiten im vollständigen Mandala der ausführlichen Phurba-Vollendung sein, die dann alle männlichen und weiblichen Manifestationen der Hauptgottheit beinhaltet. Viele Lamas und idealerweise eine Versammlung männlicher und weiblicher Praktikanten versammelt sich in einem Vajra-Mandala. Wenn dies nicht möglich ist, dann sollten es zumindest 20 bis 30 männliche Praktikanten sein, die zusammenkommen. Einige von ihnen praktizieren das Wurzel-Mantra, einige das Vollendungs-Mantra und andere Zweige der Praxis. Auf diese Weise ist eine kontinuierliche Praxis ohne eine Pause gegeben. Dies wird „Drubpa Chenpo“ – ein großes Vollendungsmandala – genannt.
Wenn die Praxis zur inneren Art der Übungen zählt, welche weniger Einzelheiten hat, dann ist die Gottheit auch weniger ausgeschmückt, mit drei Köpfen und sechs Armen. Das Mandala ist dann ebenfalls weniger detailliert. Dies kann eine Person allein ausüben. In der äußerst geheimen Praxis, die keine Ausschmückungen hat, ist dann die Gottheit mit einem Gesicht und zwei Armen. Der Praktizierende muss dann einen Phurba als materielle Unterstützung für das gesamte Mandala haben. Wenn jemand mit dieser Praxis beginnt, setzt er sie dann für den Rest seines Lebens fort.
Dies sind die Unterschiede zwischen äußeren, inneren, geheimen und äußerst geheimen Praktiken hinsichtlich der Ausschmückung. In der besonders äußerst geheimen Praxis ist die Gottheit ein wenig ausgeschmückt als Vajrakilaya mit drei Köpfen und sechs Armen. Dieses Merkmal ist speziell in dieser besonderen Praxis.

 

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series)

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series) Martin Boord macht durch seine Übersetzung ins Englische erstmals das Phur ‘grel ‘bum nag und andere verwandte Texte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Das Phur ‘grel ‘bum nag besteht aus Erläuterungen von Padmasambhava, Vimalamitra und Shilamanju. Es entstand während einer konzentrierten religiösen Klausur der drei Acarya in Nepal vor mehr als zwölfhundert Jahren und wurde an Yeshe Tsogyal überliefert. Dieser bemerkenswerte enzyklopädische Text markiert den Beginn der tantrisch-buddhistischen Praxis der zornvollen Visualisationsgottheit Vajrakila. Er stellt den wichtigsten Kommentar zu den Kila-Riten dar. Eingeschlossen in diese Publikation sin(…)

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Februar 2016

Yamantaka – siegreich über Verfall

YamantakaDie Praxis des Yamantaka hat eine lange und berühmte Tradition in der Dharma-Linie der Gelugpas. Doch auch in der Nyingma-Tradition und in der Kagyü-Tradition finden sich Praktiken, die auf Yamantaka basieren. In der Gelug-Tradition wird Yamantaka immer mit einem Büffelkopf und zwei oder mehreren Armen dargestellt. In der Nyingma-Tradition hat Yamantaka den üblichen Heruka-Kopf und auch mehrere Arme, die für seine Aktivitäten stehen.
Von Yamantaka (skt.; tib., Shinje Shed; gshin rje gshed) findet man drei Namensvariationen: 1) Yamantaka; 2) Vajrabhairava; und 3) Mahisasamvara. Als Yamantaka steht sein Name für „Yama“ – den Herrn der Unterwelt – und „Antaka“ – der Vernichtende. Hier bedeutet sein Name „Vernichter des Todesherrn“. Yamantaka wird als generell als zornvolle Manifestation des Manjushri angesehen und fungiert manchmal auch als Dharma-Schützer. Vajrabhairava besteht aus „Vajra“ und „Bhairava“, was soviel wie „Unzerstörbarer schrecklich Zornvoller“ heißt. Dies ist die bekannteste Erscheinungsform mit Büffelkopf und zwei oder vielen Armen. Dann gibt es noch den Mahisasamvara, was einen beschreibt, der auf dem Rücken eines Büffels sitzt. Diese Variation findet sich in Ostasien als zornvolle Manifestation von Manjushri oder Amitabha mit sechs Armen, Beinen und verschiedene Waffen haltend auf einem Wasserbüffel.
Weiters ist Yamantaka Beststandteil des Kagye-Mandalas[1] (tib., bka‘ brgyad), wo er den erleuchteten Körper darstellt. Manchmal gibt es auch noch andere Erscheinungsformen von ihm in Gestalt des roten Yamari, des schwarzen Yamari und eben des bereits genannten Vajrabhairava. Er ist auch mit der Praxis des Vajrakilaya verbunden. Im Zyklus des Longchen Nyingthig findet er sich in der „Versammlung der Glorreichen“ (Palchen Düpa; tib., dpal chen dus pa) als derjenige, der „Yama, den Todesherrn unterwirft“. Generell erscheint Yamantaka im südlichen Quadranten des Vajrakila-Mandalas.

Entstehungsmythos

In seiner Entstehungsgeschichte manifestierte sich Manjushri – der Bodhisattva der Buddha-Weisheit – in dieser zornvollen Erscheinung, um Yama und sein Gefolge zu unterwerfen. Im Inneren des Weltenberges wogte ein Ozean und brannte ein Feuer, glühende Lava schoss aus seiner Spitze und der schwarze Todesherr Yama nährte sich vom Fleisch und Blut der Menschen. Yama saugte die Lebenskraft der Geschöpfe, sowie der Götter und Dämonen der Erscheinungswelt auf und machte sie zu Dienern und Sklaven. Da versammelten sich die Buddha der zehn Richtungen und drei Zeiten und ihr Weisheitsgeist erschien in Gestalt des Manjushri Yamantaka. Dieser besiegte den karmischen Todesherrn Yama, sein Gefolge wurde ebenfalls unterworfen und durch Eide als Schützern des Dharma – der befreienden Information – in die Pflicht genommen. Auf diese Weise wurden Yamaraja und sein Gefolge dann in die fünffache Weisheitsdimension von Körper, Rede, Geist, Eigenschaften und Aktivitäten aller Buddhas integriert.

Yamantaka – Besieger des Todesherrn

YamaInteressant sind die Variationen, die sich im Terma bei Dudjom Lingpa finden. Dort gibt es neben einer schwarzen bzw. dunkelblauen Erscheinung auch eine gelbe Manifestation. Die Praxis selbst wurde von Padmasambhava für die Wesen in zukünftigen Zeiten des Niedergangs verborgen. Padmasambhava gibt darin ganz klare Anweisungen, wie diese Zeiten sich gestalten und welche Gegenmittel aus spiritueller Sicht hilfreich sind. So beschreibt er, dass in den Zeiten des Niedergangs die Ablenkungen überhand nehmen und nennt dies einen „Ort, wo die Sonne nicht existiert. Gesellschaft [Unterhaltung] ist ein Dieb. Ehre und Gewinn sind teuflische Begleitungen. Anmutige Freunde sind Verführer…“ Daher legt er einem ans Herz, bei den Schlüsselanweisungen zu bleiben und diese speziell für die Praxis einzuhalten.
Besonders schwierig ist die Zeit des Verfalls für jene, die „ihre Disziplin durch Nicht-Mantras und entstellte Mantras verletzt haben“, die „durch ihr hinterlistiges und tückisches Handeln gegenüber Frauen betrogen“ haben. Diese sieht er in den Abgrund stürzen und vom Baum der Erleuchtung abgeschnitten. Dann offenbart er weiter, dass dies die Zeit derjenigen ist, die durch das Terma des Yamantaka gezähmt werden sollen. Und er verspricht, dass „jene, die dies in der Praxis umsetzen, über die schädlichen Einflüsse siegreich sein werden und sich aus dem dunklen Hohlweg“ befreien werden.
Eine andere Linie des Yamantaka findet sich auch bei Ra Lotsawa. Er brachte die Vajrabhairava Linie des Yamantaka nach Tibet. Dieser ging von Tibet nach Indien um diese Lehren zu finden. Beim ersten Mal erhielt er vom Lehrer nur die Erlaubnis für ein Tantra. Nochmals zurück in Indien erbat er dann die eigentliche Lehre. Diese erforderte von ihm ein großes Vertrauen in den Guru, viele Opfergaben an die Dakas und Dakinis und andere kostbare Opferungen wie Gold und Edelsteine. Der Guru beschrieb ihm die Lehre des Yamantaka als das Herzblut der Dakinis. Viele Monate vergingen und Ra Lotsawa hatte es schwer, die Lehre zu finden, da die Inhaber des Tantras nicht wirklich daran interessiert waren, dass dieses Tantra so leicht verfügbar ist.

Zeitalter des Niedergangs

PhurbaIm Allgemeinen gibt es im Zeitalter des Niedergangs fünf Arten des Verfalls: 1) Dauer des Lebens; 2) Zeit; 3) emotionale Störungen; 4) Ansichten; und 5) Erleben. Der Verfall der Lebensspanne zeigt sich im Abnehmen der Lebensdauer. Vielleicht fragen sich manche, wie sich das gerade in unserer heutigen Zeit äußert, da ja die Lebenserwartung doch zunimmt und auch die Bevölkerung auf der Erde in den letzten Jahrzehnten einen rasanten Anstieg verzeichnet hat. Nun ja, eine Zeitspanne von 100 Jahren ist nicht gerade lang, wenn man das aus der Dimension eines Zeitalters betrachtet. Somit ist das einfach für uns derzeit eine offene Frage des Beobachtungszeitraums.
Der Verfall der Zeit äußert sich im Abnehmen der Qualität der Dinge, wie beispielsweise, dass Nahrungsmittel weniger schmackhaft und nahrhaft sind, dass sie nicht wirklich reifen usw. Auch das vermehrte Auftreten von Kriegen und Hungersnöten ist ein Zeichen für den Niedergang der Zeit.
Der Niedergang durch emotionale Störungen zeigt sich in einer Abnahme der Tugenden der Haushälter, in negativen Gefühlskonflikten und Streitigkeiten. Die fünf Gifte – Gier, Hass, Arroganz, Missgunst und Dumpfheit – nehmen in einem Kaliyuga (skt., schwarzes bzw. dunkles Zeitalter) überhand und zu einer Quelle des Leidens. Etwas einfacher formuliert könnte man sagen, die Wesen im dunklen Zeitalter leiden an seelischen Qualen. Da die tugendhaften Taten der Haushälter abnehmen, mindern sich auch Großzügigkeit, Güte und Weisheit. Diese drei sind die Gegenmittel für die drei Gifte – Verblendung, Wunschverlangen und Abneigung. Somit handeln die Wesen unheilsam, wodurch sie mehr und mehr Verstrickungen und emotionale Verwicklungen erschaffen. Dieses Rad des Karma scheint sich im dunklen Zeitalter nicht zu erschöpfen.
Auf diese Weise werden auch die Ansichten der Wesen beeinträchtigt. Besonders zeigt sich das im Verfall der ordinierten Sangha. Falsche Sichtweisen wuchern in einem dunklen Zeitalter und die Wesen verlieren die Orientierung und das Vertrauen. Daher bedürfen die Wesen in solch einem Zeitalter sehr kraftvoller Methoden, um das vollständige Potential des Geistes zu realisieren.
Der Niedergang des Erlebens äußert sich im Verfall der körperlichen Gestalt, des Verstandes, der Gesundheit usw. Solche Merkmale der Degeneration findet man heutzutage in einer Zunahme an ernährungsbedingten Krankheiten und Störungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Zahn- und Gebissproblemen oder der Häufigkeit von Krebserkrankungen. Betrachtet man die Auswirkungen der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion mit ihren Begleitumständen der Massentierhaltung, Saatgutpolitik, Überfischung, Verunreinigung von Boden und Wasser etc., erkennt man, dass ein Nahrungsmittelwohlstand in einem bestimmten Teil der Erde gleichzeitig auch mit viel Leid verbunden ist.

Guru Rinpoches Prophezeiungen

AchtSubstanzenPadmasambhava beschreibt in seiner spirituellen Biografie, aufgezeichnet von Orgyen Lingpa, dass eine „Fülle an Rindfleisch die Billigung der dämlichen Meute“ haben wird. Weiters sagt er, dass die „Grenzen und das Zentrum im Krieg stehen wird, Mütter und Kinder werden nicht mehr gläubig sein. Statuen, Thangkas, Bücher und Stupas werden zerstört. Regen fällt unregelmäßig, Früchte reifen nicht. Tödliche ansteckende Krankheiten treten auf. Mit der Hungersnot wird die Zahl der unfruchtbaren Witwen und Witwern zunehmen. Jeder wird im eigenen Herzen skeptisch sein und Nachbarn werden sich untereinander bekämpfen...“ Ok, genug der Schauergeschichten. Er zählt noch einige ähnliche Sachen auf. Aber Padmasambhava offenbart auch, dass eine Inkarnation von Padma im Osten, dann an der südwestlichen Grenze und schließlich im Norden auftauchen. Und ganz am Ende des dunklen Zeitalter wird schließlich Maitreya, der Buddha der Liebe, erscheinen.
Zuvor aber offenbarte Guru Rinpoche noch, wie die spirituellen Schätze zu finden sind, wo sie verborgen wurden, welche Umstände beim Auffinden gegeben sein werden usw. Also besteht Hoffnung. Der Schatz des Yamantaka wurde von Dudjom Lingpa aufgefunden, nachdem es zuvor von der Dakini Yeshe Tsogyal als Silbe in seinem Geistesstrom eingepflanzt und zusätzlich Dorje Drag verborgen worden war. Diese Lehre war 15 Jahre lang mit einem Befehlssiegel versehen und durfte erst danach niedergeschrieben und verbreitet werden.

Vom 3. – 6. März 2016 gibt Lama Norbu Tsering Rinpoche die Übertragung in den Manjushri Yamantaka und den Vajrakilaya Namchag Putri aus dem Schatzzyklus des Dudjom Lingpa. Näheres im Veranstaltungsteil.

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[1] Die Kagye sind die acht Hauptgottheiten in der Nyingma-Tradition, das Padmasambhava und den acht indischen Vidyadharas anvertraut wurde. Das Kagye-Mandala besteht aus Yamantaka (Körper), Hayagriva (Rede), Yangdag Heruka (Geist), Chemchog Heruka (Qualitäten), Vajrakilaya (Aktivitäten) und den drei weltlichen Gottheiten Mamo Bötong, Jigten Chöto und Möpa Drag-ngag. Die Zentralfigur ist dabei Chemchog Heruka.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 28. Januar 2016

Die vier Phurbas

GyuLugPhurba_VajrakilaDer tibetische Name für Vajrakilaya ist „Dorje Phurba“. Zunächst einmal bedeutet „Phur“ das Gewahrsein der Wahrheitssphäre. Das bedeutet, wenn jemand alle Phänomene des Daseins – diese unbelebte Welt und alle lebenden Wesen, die darin enthalten sind – wahrnimmt, ist „phur“ die Bestätigung, dass nichts davon wahre, inhärente Existenz besitzt. Es ist weder nicht existent, noch nicht-existent oder beides. Es ist frei von allen Begrenzungen des Verstandes. Es ist nichts anderes als die Sphäre der absoluten Wahrheit. „Ba“ bezieht sich auf das makellose, ursprüngliche Gewahrsein, das man im Zustand der meditativen Versenkung verwirklicht. Die Natur dieses Gewahrseins ist leer, offen, selbstleuchtend klar und ungehindertes Mitgefühl. Das ist Rigpa. „Dorje“ (skt. Vajra) bezieht sich ebenfalls auf die Wahrheitssphäre, die frei ist von jeglicher Künstlichkeit oder Begrenzung. Vom inneren Standpunkt sind die Qualitäten des Dorje siebenfach: nicht zu beschädigend, unzerstörbar, beständig, solide, wahr, ungehindert und unbesiegbar – unwandelbar in den drei Zeiten.

Die vier Arten des Phurba

Es gibt vier Arten von Phurba. Der erste ist der Phurba objektiver Erscheinung, was nichts anderes ist als die Sphäre der Wahrheit, frei von Ausschmückung. Der zweite ist der innere Phurba, welcher der erwachte Geist des Bodhicitta ist. Diese beiden sind untrennbar eins. Der äußere Dharmadhatu und der innere Bodhicitta-Geist in Vereinigung, ergeben den dritten Phurba. Dies ist der ultimative Phurba der Wahrheitsnatur. Schließlich ist der vierte Phurba der materielle, substanzielle Phurba, der entweder aus Eisen, Kupfer, Holz oder was immer auch gemacht sein kann – das aktuelle Utensil.
Wie werden diese Phurbas nun genutzt? Wo stechen sie zu, greifen sie an? Der erste Phurba, welcher der Phurba der Wahrheitssphäre – des Dharmadhatu – ist, sticht bei den objekthaften Erscheinungen. Er greift die falsche Auffassung des Greifens nach wahrer, inhärenter Natur der objekthaften Erscheinungen an, sodass man begreift, dass die objekthaften Phänomene nicht wahr sind und ihre Natur leer ist. Der zweite Phurba greift innerlich an. Er sticht in das Greifen nach einem Selbst, das Ergreifen der Skandhas oder Aggregate, in die Meinung, diese hätten wahre, inhärente Existenz. Durch die Verwirklichung des inneren Phurbas des Bodhicitta-Gewahrseins realisiert man die Selbstlosigkeit. Der dritte Phurba, der auch der Phurba der letztendlichen Wahrheitsnatur ist, greift das dualistische Greifen und Anhaften an. Wenn dies ausgelöscht ist, verwirklicht man die Natur der nicht-dualen ursprünglichen Weisheit, der unteilbaren uranfänglichen Weisheit. Der vierte, der substanzielle Phurba, sticht in den Linga – die Teigfigur, die der Repräsentant für die Feinde der Lehre und jene mit extremer Negativität ist. Auf diese Weise wird ihr Bewusstsein von ihrem negativen Zustand befreit und sie können in reine Bereiche geleitet werden.
Dies ist eine extrem kurze Erklärung von der Bedeutung der vier Phurbas. Das Thema ist sehr tiefgründig und würde längere Zeit in Anspruch nehmen, um es tiefgehender zu erklären. Tatsächlich gibt’s einen eigenen Band, der sich jedem einzelnen widmet. Diese extrem kurze Erklärung ist als ob man vom Titel jedes Bandes spricht.

Hier eine kleine, aber feine Fachliteratur über Vajrakila ganz allgemein:

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series)

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series) Martin Boord macht durch seine Übersetzung ins Englische erstmals das Phur ‘grel ‘bum nag und andere verwandte Texte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Das Phur ‘grel ‘bum nag besteht aus Erläuterungen von Padmasambhava, Vimalamitra und Shilamanju. Es entstand während einer konzentrierten religiösen Klausur der drei Acarya in Nepal vor mehr als zwölfhundert Jahren und wurde an Yeshe Tsogyal überliefert. Dieser bemerkenswerte enzyklopädische Text markiert den Beginn der tantrisch-buddhistischen Praxis der zornvollen Visualisationsgottheit Vajrakila. Er stellt den wichtigsten Kommentar zu den Kila-Riten dar. Eingeschlossen in diese Publikation sin(…)

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. Januar 2016

Glück berechnen – das Affen-Jahr 2016

Da in Kürze das 30. Jahr im 17. Rabjung – das Jahr des Feuer-Affen – beginnt, hier eine kleine Vorschau.

Herausforderungen allgemein

Affe_rotEin Affen-Jahr ist ein sehr dynamisches Jahr, das einige Überraschungen bereithält. Es ist fast ein „Alles-ist-möglich-Donnerstag“, bloß auf das ganze Jahr verteilt. Dieses Jahr bietet für jene, die geschickt vorgehen und die Initiative ergreifen, viele Chancen. Das erfordert Flexibilität. Sture Menschen, die an ihren Überzeugungen und Ansichten festhalten, werden in diesem Jahr daher ihre liebe Not haben.
Weil Feuer eine transformative Energie hat, kann man dieses Jahr auch für größere Veränderungen nutzen. Dieses Jahr wird daher auch rasante Entwicklungen, aber auch Konflikte und Gewalt mit sich bringen. Feuer drängt nach Ausdruck, diese Energie will an die Öffentlichkeit. Daher kann man dieses Jahr auch dafür nutzen, etwas zu publizieren, raus aus dem Schneckenhaus zu gehen und wagemutige Entscheidungen zu treffen. Aufgrund seiner Dynamik muss man aber aufpassen, dass die eigenen Bestrebungen nicht mit Gewalt durchgesetzt werden und man etwas zerstört. Auch diese Kraft ist dem Feuer innewohnend.
Dies wird man auch auf der politischen Ebene sehen. Wenn Eliten nicht in der Lage sind, alternative Lebensmodelle zu entwerfen, wird dieses Jahr für viele Länder größere Herausforderungen mit sich bringen. Es sind wagemutige Fortschritte gefordert. Ein Jahr des Feuer-Affen ist kein Jahr für zögerliche Fragen an Experten, sondern erfordert rasches und dennoch weises Handeln.

Chancen individuell

Einige spezielle Herausforderungen finden Menschen die selbst in einem Affen-Jahr geboren sind. Also die Jahrgänge 1932, 1944, 1956, 1968, 1980, 1992 und 2004 werden durch ihre eigene Energie etwas blockiert. Sie sollten sich selbst etwas disziplinieren, damit ihre Energie nicht überbordend wird. So können sie Schwierigkeiten vermeiden. In den Monaten Schlange (ca. März), Affe (ca. Juli) und Tiger (Ende Dez. – Jan. 2017) werden sie ihre größten Chancen vorfinden. Gesundheitlich sollten Menschen der Affen-Jahre speziell im 4. und 10. Monat auf ihre Gesundheit achten.
Ebenfalls etwas herausfordernd wird dieses Jahr für Menschen mit den Zeichen Schwein (1935, 1947, 1959, 1971, 1983, 1995, 2007) und Schlange (1929, 1941, 1953, 1965, 1977, 1989, 2001, 2013), da es für sie ein „Zhi She“-Jahr ist.[1] Auch Menschen, die in einem Tiger-Jahr (1938, 1950, 1962, 1974, 1986, 1998, 2010) geboren sind, werden ihre Vorhaben im Affen-Jahr nur mühsam verwirklichen können.

Guru Padmasambhava

Guru Rinpoche erschien im Jahr des Erd-Affen oder des Holz-Affen[2] im Affen-Monat in dieser Welt. Daher sind Jahr und Monat von so großer Bedeutung in der tibetischen Dharma-Tradition. Das Affen-Jahr gibt es nur alle 12 Jahre im Rabjung-Zyklus. Und wird dann empfohlen, die Praxis des Guru Rinpoche zusammen mit entsprechenden Gebeten an ihn und seinen Mantras bis zum Affen-Monat anzusammeln. Dzongsar Khyentse Rinpoche empfiehlt, dass alle Praktizierenden insgesamt an die 100 Mio. vom 7-Zeilen-Gebet ansammeln.
Außerdem sollte man sich in diesem Jahr mit der spirituellen Lebensgeschichte von GR beschäftigen und seine kurzen, mittleren oder langen spirituellen Biografien (tib., studieren. Eine Empfehlung für eine Biografie siehe unten.

Kegtsi – 5 individuelle Kräfte

Natürlich haben auch die fünf Elemente in diesem Jahr einen Einfluss auf das individuelle Befinden. Unten findet ihr ein Chart für das Jahr 2016. Dort könnt ihr ersehen, wie es sich um euren Jahrgang heuer verhält. Wenn sich bei jemandem sehr viele negative Umstände in einem Jahr häufen, dann sollten Maßnahmen zur Abwehr der Hindernisse und zum Vermehren des heilsamen Potentials unternommen werden. Alternativ sollten sich diese Personen in diesem Jahr auch verstärkt der spirituellen Praxis widmen und das eine oder andere Retreat durchführen.
Eine detaillierte Analyse inkl. der 4 Säulen der Geburt, der 5 individuellen Kräfte, des Mewa – magischen Quadrats und des Parkha – der acht Trigramme kann man gegen eine Spende von € 40,– im Ngakpa-Zentrum erhalten. Für die Spende bitte den PayPal-Link benutzen oder ggf. per eMail anfragen.

Gratis-Download des TTA_Chart_2016 Blatt1 hier.

TTA_Chart_2016 Blatt1

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[1] Diese Zeichen bilden ein Quadrat zum Affen.

[2] Folgt man Tsele Natsog Rangdrol, so ist es schwierig, das genaue Jahr des Dahinscheidens von Buddha Shakyamuni zu bestimmen. Es gibt daher die Sicht, dass Buddha Shakyamuni im Jahr des Feuer-Vogels ins Parinirvana einging und Padmasambhava im Jahr des Erd-Affen geboren wurde. Dudjom Rinpoche vermerkt jedoch, dass Buddha Shakyamuni im Jahr des Eisen-Drachen dahinschied und Guru Padmasambhava im Jahr des Holz-Affen geboren wurde. Dies findet sich auch in Sangye Lingpa’s Zyklus „Lama Gongdü“.

Der Lotosgeborene im Land des Schnees

Der Lotosgeborene im Land des Schnees Dieser Basistext des tibetischen Buddhismus erzählt die erstaunliche Geschichte vom Leben und Wirken Padmasambhava, dem ‚Lotosgeborenen‘. Diesem Großen indischen Meister des tantrischen Buddhismus, der von den Tibetern bis heute als zweiter historischer Buddha verehrt wird, gelang es im 8. Jahrhundert aufgrund seiner ungewöhnlichen Kräfte, den Buddhismus gegen den Widerstand der Bön-Zauberer in Tibet heimisch zu machen. Der Text erzählt nicht nur die Lebensgeschichte des ‚Dämonenbezwingers‘, sondern enthält zugleich die.Essenz seiner Lehre, die das Fundament der Geheimnis umwobenen tibetischen Form buddhistischer Praxis darstellt. Copyright für die deutsche Übersetzung ©S.Fischer (…)

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. Januar 2016

Vajrakilaya – Tantra-Kraft

VajrakilayaIn den fünf Arten der Buddha-Familien gehört dieser Vajrakilaya zur Karma-Klasse, der Klasse der erleuchteten Aktivität. Jede der fünf Klassen beinhaltet die anderen vier. Daher auch in diesem Fall, obwohl Vajrakilaya zur Karma-Klasse gehört, sind die anderen – Buddha, Vajra, Ratna und Padma – von Natur aus präsent.

Zahllose Emanationen

Im Vajrakilaya-Zyklus gibt es zahllose Praktiken und Emanationen von Vajrakilaya. In seiner friedvollen Manifestation ist er Vajrasattva und natürlich das 100-Silben-Mantra. In einer weiteren Emanation ist er Dorje Namjong. Als Bodhisattva ist er Vajrapani. Als Buddha Shakyamuni in diese Welt kam, war Vajrapani einer in seinem Gefolge, und als Manifestation von Vajrakilaya beschützte er den Buddha vor Hindernissen. In einer weiteren zornvollen Emanation kennt man Vajrakilaya als Dorje Tsuktor. Als ein anderer Heruka oder zornvolle Emanation ist er als Dütsi Kilwa (Amritakundalin) bekannt, der besonders effektiv im Reinigen von Negativität, Hindernissen und negativen Gewohnheitstendenzen ist.

Kraft des Kila-Tantras

In allen Tantra-Klassen des Kilaya gibt es Methoden und Manifestationen, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen – Friede, Vermehrung, Macht und Zorn – mit Vajrakilaya als Hauptgottheit. Wenn wir die Kilaya-Tantras mit einem Baum vergleichen, um ein Gleichnis zu benutzen, dann würde die Wurzel des Baumes der Körper der tantrischen Gliederung sein, die vier Unterteilungen sind. Der Stamm des Baumes wären acht zusätzliche Tantra-Unterteilungen; die Zweige des Baumes zehn Tantras; die Blätter, drei; die Blüten, vier; die Früchte, vier. Da sind dann noch zusätzlich drei Hilfstantras, die verschiedene nützliche Gebete und Praktiken beinhalten, die alles vervollständigen. Dies ergibt auf diesen Weg insgesamt 36 Tantra-Klassifikationen des Kilaya. Wie auch immer, man kann sie nicht auf gerade diese 36 begrenzen; es gibt eine unvorstellbare Anzahl von Kilaya-Tantras und weiters zusätzliche Abteilungen darin.
Hinsichtlich des Ursprungs des Kilaya in dieser Welt, ist Kilaya eine der acht großen Meditationsgottheiten, die von den Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten und den zehn Richtungen entstanden sind. Das Kilaya-Tantra wurde besonders von Dakini Lekyi Wangmo gepflegt. Sie gab diese Praxis an den indischen Meister Prabahati weiter, von diesem erhielt Guru Rinpoche sie. Als Guru Rinpoche nach Nepal ging um die Yangdak Chemchok Heruka-Praxis zu vollenden, gab es in Nepal Hungersnot, Krankheit und viele Hindernisse, die von den lokalen Geistern des Landes geschaffen wurden. Daher sandte Guru Rinpoche einen Boten zu Prabahati nach Indien um die Vajrakilaya-Tantras zu erbitten, da er wusste, dass diese Praxis notwendiger Weise zu dieser Zeit ausgeführt werden sollte. Zwei Träger brachen auf und kehrten mit den Bänden auf ihrem Rücken zurück. Sobald die Bände über die Grenze nach Nepal gelangten, verschwanden die Hindernisse einfach durch die bloße Gegenwart der Kilaya-Tantras in diesem Land.

Guru Rinpoche und Vajrakilaya

Als Guru Rinpoche in Tibet war, hatte er 25 Hauptschüler und ebenso zahllose andere Schüler. Sie alle erhielten viel Belehrungen von ihm, speziell Vollendungspraktiken und die verschiedenen Tantra-Klassen der Vollendung. Sie erhielten viele Übertragungen der Vajrakilaya-Tantras, weshalb es dazu kam, dass man verschiedene Traditionen des Kilaya kennt, wie z.B. die Gyalpo-Tradition, die Changmo-Tradition und die So-Zur-Nub-Tradition. Von all diesen kann man sagen, dass die beste Kilaya-Praxis jener Schatztext ist, der in der südlichen Richtung vom Tertön Ratna Lingpa entdeckt wurde. Sie ist deshalb die beste oder höchste Praxis des Vajrakilaya, gemäß der Tatsache, dass die Segnungen die größten sind und es ist die nützlichste, da sie die geschwindeste ist.
Die Praxis des Vajrakilaya sollte mit der Praxis von anderen Meditationsgottheiten kombiniert werden. Welche Meditationsgottheit man immer auch praktiziert, man sollte zusätzlich Vajrakilaya üben. Beispielsweise im Falle von Guru Rinpoche, als er in Yangleshö (das in Pharping, dem Kraftplatz von Nepal ist) Yangdak Heruka, die Gottheit des Geistaspekts, praktizierte, war er unfähig, die Hindernisse der Geister und Götter, die ihn plagten, aufzulösen oder umzukehren. Ohne Vajrakilaya war er unfähig, sie zu befrieden. Als er später Kilaya praktizierte, wurden alle Behinderungen abgewendet und aufgelöst, befriedet. Wenn man daher eine andere Meditationsgottheit als seine Hauptgottheit übt, und man ebenso Vajrakilaya praktiziert, dann wird Vajrakilaya wie ein Schützer sein, die Hindernisse klären und Glück, Macht und Nutzen bringen. Vajrakilaya bringt auch großen Nutzen für den Platz, an dem man praktiziert.

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series)

A Bolt of Lightning from the Blue: The vast commentary on Vajrakila that clearly defines the essential points (Khordong Commentary Series) Martin Boord macht durch seine Übersetzung ins Englische erstmals das Phur ‘grel ‘bum nag und andere verwandte Texte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Das Phur ‘grel ‘bum nag besteht aus Erläuterungen von Padmasambhava, Vimalamitra und Shilamanju. Es entstand während einer konzentrierten religiösen Klausur der drei Acarya in Nepal vor mehr als zwölfhundert Jahren und wurde an Yeshe Tsogyal überliefert. Dieser bemerkenswerte enzyklopädische Text markiert den Beginn der tantrisch-buddhistischen Praxis der zornvollen Visualisationsgottheit Vajrakila. Er stellt den wichtigsten Kommentar zu den Kila-Riten dar. Eingeschlossen in diese Publikation sin(…)

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. Januar 2016

Buddha-Wort und Tantra

ShakyamuniWie wirken nun Buddhas in der Welt? Sicherlich gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten und Äußerlichkeiten sind für eine Beurteilung nicht hilfreich. Die verschiedenen buddhistischen Fahrzeuge (Yana) schildern eine Vielzahl an erleuchteten Handlungsmöglichkeiten.
Neben dem Sutrayana – dem äußeren Fahrzeug – gibt es auch das Fahrzeug des geheimen Mantra-Pfades – das innere Fahrzeug. In dieser Sichtweise werden Wesen und Welt als Gottheit und Mandala angesehen, d.h. man selbst versteht sich als bereits erleuchtetes Wesen, die anderen Wesen sind ebenfalls erleuchtete Wesen und die Welt selbst wird als der Mandala-Palast der Gottheit verstanden. Wie im letzten Blog-Beitrag beschrieben, gibt es unzählige Manifestationen aus dem letztendlich offenen Raum der Natur des Geistes, aus dem spontan die erleuchteten Wesen entsprechend der Möglichkeiten und Fähigkeiten der fühlenden Wesen erscheinen.
Mit der erleuchteten Geisteshaltung – Bodhicitta – als Ursache zeigen sie sich in friedvollen, halb-zornvollen und zornvollen Gestalten, um die Geistesgifte der Wesen zu bezwingen. Die eigentliche Natur der Geistesgifte offenbart sich durch die geschickten Mittel des geheimen Mantra-Pfades als uranfängliche Weisheitserkenntnis bar jeder Ichbezogenheit.

Buddha-Wort

Vielleicht fragen sich manche, hat der Buddha Shakyamuni dies alles gelehrt? Nun, es gibt drei Arten des Buddha-Wortes:
1) Worte, die von ihm selbst gesprochen wurden;
2) Worte, die von ihm autorisiert sind; – d.h. er ist dabei gesessen (meist in Versenkung) und jemand anderer hat gesprochen (siehe die Prajnaparamita-Literatur wie „Herz-Sutra“); und
3) Worte, die im Einklang mit seiner Lehre stehen, aber sonst weder von ihm ausgesprochen oder sonstwie autorisiert wurden. Diese wurden und werden meist in Form von Sambhogakya-Übertragungen, in Form einer reinen Vision etc. offenbart.
Manche Leute fixieren sich dann auf die gesprochenen Worte als wahr und authentisch und akzeptieren abseits davon nichts. Andere wiederum akzeptieren gerade noch, was von ihm autorisiert wurde – aber halten Sambhogakaya-Erscheinungen für doch befremdlich, weil sie so sehr an das dinglich Greifbare und offensichtlich Sichtbare und Messbare glauben. Aber so funktioniert es nicht mal im alltäglichen Leben. Da gibt’s zum Glück auch Menschen, die über ein hohes Maß an Einsicht und Weisheit verfügen und so einen Zugang zu einer beständigen Weisheitsnatur haben und daraus schöpfen können. Und so werden auch heute noch Lehren aus dieser Weisheitsnatur offenbart. So wurden die Tantras dem Bodhisattva Vajrapani anvertraut, der diese stellvertretend für den Buddha lehrte.
Betrachtet man die Worte aus dem Palikanon, so sieht man, dass die vielen Texte darin als vom Buddha selbst gesprochen angesehen werden. Man findet aber auch im Palikanon Textstellen, wo vermerkt ist, dass der Buddha einer kleineren Anzahl von Schülern etwas gelehrt hat. Zwar wird das Lehrthema durchaus benannt, aber die jeweilige Methode wird nicht weiter erläutert. Man sieht, dass bestimmte Praktiken, die man später in den Schriften der nördlichen Dharma-Tradition wie dem Vajrayana vorfand, hier im Palikanon ebenfalls gelehrt wurden. Andere Texte wie die Mahayana-Sutras beschreiben immer die Lehrsituation und dass der Buddha sich in Samadhi begibt. Daraufhin beginnt ein Gespräch zwischen einem Shravaka und einem Bodhisattva oder ein Bodhisattva bzw. ein Praktizierender stellt eine Frage oder der Erhabene begibt sich in einen Dialog mit einem Bodhisattva. Das Herz-Sutra ist ein Beispiel für einen Dialog zwischen dem Shravaka Shariputra und Avalokiteshvara. Im Diamant-Sutra entwickelt sich das Lehrgespräch zwischen Subhuti und dem Tathagata. Und im „Sutra der vier Kräfte“ stellt der Buddha eine Frage an Maitreya. Das Manjushri Nama Samgiti wird durch den Bodhsattva Vajrapani erbeten.

Schätze, Visionen, Offenbarungen

buddha-439344_1280Im Vajrayana gibt es dann zwei Kategorien an Texten: 1) das Wort Buddhas; und 2) die verborgenen Schätze, „Reinen Visionen“ und die Offenbarungen aus dem magischen Weisheitsnetz.
Das Buddha-Wort (bka’ ma) ist die ungebrochene Lehrüberlieferung von Sutra und Tantra, die von Meister zu Schüler weitergegeben wird.
Die Termas – die verborgenen Schätze – sind jene Lehren, die Padmasambhava seinen Schülern gelehrt hat und dann für zukünftige Zeiten verborgen hat. Diese sollten bei passender Gelegenheit, wenn zur rechten Zeit die richtige Person am richtigen Ort ist, entdeckt und offenbart werden. Manchmal wurden solche Texte auch als Schätze in den Elementen oder im Geist der Person verborgen. Manchmal wurden diese Texte auch in Dakini-Schrift – einer Art Geheimschrift – abgefasst und wurden vom Schatzfinder (Tertön) gefunden und entschlüsselt. Bei den Schätzen unterscheidet man zwischen Erdschätzen (sa gter), Geist-Schätzen (dgongs gter), „reinen Visionen“ (dag snang) oder auch wiederentdeckten Schätzen (yang gter), Offenbarungen aus der Erinnerung (rjes dran) und auch mündlichen Übertragungen (snyan brgyud).
Die „Reinen Visionen“sind Lehren, die den Meistern direkt von der Meditationsgottheit oder den Lehrern als visionäre Erfahrungen oder in Träumen übermittelt werden. Die Geist-Schätze sind Lehren, die Padmasambhava im Geistesstrom einer Person verborgen hatte und die dann in einem späteren Leben von jemandem daran erinnert wird. Beispiele dafür sind die Lehren des Himmels-Dharma (Namchö; tib., gnam chos) oder die Sieben Schätze des Longchenpa oder die Termas von Dudjom Rinpoche. Ein Erd-Schatz wiederum ist ein Schatz, der auch eine physische Repräsentanz hat. Das kann beispielsweise ein Paket Texte oder auch nur ein Papierschnitzel mit einer Silbe oder ähnliches sein. Das Thugdrub Barche Künsel von Chokgyur Lingpa wäre ein solcher Erd-Schatz. Auch der Schatz-Zyklus des Khandro Nyinthig von Dudjom Lingpa ist dieser Erd-Kategorie zuzurechnen. Wie der Name „wiederentdeckter Schatz“ schon besagt, wurde diese Lehre nach ihrer Enthüllung wieder verborgen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Januar 2016

Die Ermächtigung in eine tantrische Praxis des Buddhadharma ist ein mehrstufiger Vorgang, durch den Praktizierende in eine alternative – erleuchtete – Erlebniswelt eingeführt und in die Lage versetzt werden, sich selbst, sowie die Welt und die Wesen in reiner Sicht zu erfahren.
Im Grunde ist so eine Ermächtigung auch ein Verfahren, unsere eingefrorenen Herzen aufzutauen und den Herzgeist mit seiner Warmherzigkeit (oder sollte man Barmherzigkeit sagen?) zu erwecken. Deshalb ist es auch so wichtig, dafür eine sichere Ausrichtung zu finden und die unübertroffene Motivation und das Streben der Herzenseinstellung – Bodhicitta genannt – zu entwickeln. Betrachtet man die Person, die diese Ermächtigung initiiert als erleuchtetes Wesen, d.h. erkennt man die Natur des Geistes dieser Person als gleich mit der eigenen Geistesnatur, dann entsteht eine tiefe Verbindung und Gewissheit, dass das Potential zur vollkommenen Erleuchtung in einem schon vorhanden ist und nur mehr zur Reife geführt werden braucht.

Leerheit und Erscheinung

Um dieses Erwachen und zur Reife führen etwas besser zu verstehen, ist eine kurze Darstellung des Verständnisses von Leerheit und Erscheinung notwendig. In der offenen Weite der Natur des Geistes sind alle Buddhas eins, auch überhaupt alle Wesen. Doch im Unterschied zu den Buddhas erkennen die fühlenden Wesen dies nicht und fallen dadurch einem trügerischen Spiel des Dualismus anheim.
HUM_KristallDiese Natur des Geistes (tib., sems nyid) ist nicht verschieden vom letztendlichen Raum und wird auch Dharmakaya (tib., chos sku) – Körper (Bereich) der letztendlichen Wahrheit – genannt. Darin sind sich alle Buddhas und Wesen gleich. Buddhas aber erkennen dies, da sie die vorübergehenden Schleier bereinigt haben. Deshalb werden sie auch „Sangye“ (tib., sangs rgyas) genannt, was soviel wie „bereinigt und erblüht“ bedeutet. Das Tibetische „sangs“ bedeutet „bereinigt“ und das „rgyas“ bedeutet „voll aufgeblüht“ oder auch „entfaltet, entwickelt“, einfach etwas bis zu seinem vollen Ausmaß gebracht. Im Unterschied zu den fühlenden Wesen entfernen sich Buddhas nicht aus diesem Seinsgrund.
Dieser Grundzustand ist leer von jeglicher Eigennatur und seine natürliche Ausstrahlung ist Mitgefühl. Und dieses Mitgefühl manifestiert sich als die der Natur des Geistes innewohnende natürliche Strahlkraft in unzähligen Formkörpern (skt., rupakaya). Diese Formkörper sind die Sambhogakaya-Manifestationen, die von Bodhisattvas wahrgenommen werden können. Und für die gewöhnlichen fühlenden Wesen manifestieren sie sich in Nirmanakaya-Formen, d.h. in für das gewöhnliche Auge sichtbaren Formen, um den Geist der Wesen zu zähmen und ihnen zu nützen.

Motivation der Buddhas

Der Nirmanakaya-Buddha im menschlichen Bereich ist z.B. Buddha Shakyamuni. Aber darüber hinaus gibt es noch unzählige Nirmanakaya-Buddhas im menschlichen Bereich, je nach Bedarf der Wesen, die eine Verbindung mit diesen haben. Und auch in den anderen Daseinsbereichen gibt es die entsprechenden Nirmanakayas.
KarmapaDie Lehren Buddhas sind von zwei wesentlichen Aspekten getragen, nämlich Mitgefühl und Leerheit – eben geschickte Mittel und höchste Erkenntnis. Diese beiden Aspekte stehen auch mit den Kayas – Dharmakaya und Rupakaya – in Verbindung. Die Realisation des Dharmakaya, also der Natur des Geistes, ist die Befreiung und der Nutzen für einen selbst. Die Realisation des Rupakaya ist der Nutzen für die anderen und führt sie mit geschickten Mittel und zähmt ihren Geist.
Dieses Leersein von Eigennatur ist bereits unsere Grundnatur. Wir brauchen nicht danach zu suchen, sondern wir werden durch den Lehrer darauf hingewiesen und kultivieren dies durch die spirituelle Praxis. Doch meist ist unser Herzgeist fest und steif wie ein Buttersack oder ein Eisblock, da wir an einem Ich festhalten. Um diese Starrheit aufzuweichen, hat Buddha Shakyamuni auch die höchste Geisteshaltung – Bodhicitta – gelehrt. Diese hohe Motivation ist von liebender Güte und Mitgefühl getragen.
Dazu hat der Buddha die drei Pfade gelehrt, den Pfad der persönlichen Befreiung, den Pfad zur Befreiung aller Wesen und den Pfad der reinen Sicht und geschickten Mittel des geheimen Mantras. Für Menschen mit geringem Verständnis mögen diese Pfade getrennt und manchmal widersprüchlich aussehen. Aber alle drei haben ein einziges Ziel – das der Befreiung von den störenden Emotionen und des Erkennens der Natur des Geistes. Sie unterscheiden sich lediglich im Ausmaß der Motivation und der Wahl der Mittel.

Ausrichtung, Verwandlung, Erkenntnis

Die Geistesgifte ergeben sich aus der grundlegenden, gemeinsam entstandenen Verdunklung der Natur des Geistes und sie setzen ein Spiel von Verstrickungen des Ergreifens und Zurückweisens in Gang. Dies verschleiert die Geistesnatur wie aufgewühlter Schlamm in einem Glas klaren Wasser.
KunzangYabYumWill man diesen verwirrten Zustand klären, dann verschlimmert Umrühren diesen noch mehr. Also benötigt man zuerst eine klare Ausrichtung und ein Zur-Ruhe-Kommen, sodass sich dieser emotionale und gedankliche Aufruhr legen kann. Dies geschieht zunächst durch eine klare Ausrichtung. Im Alltag gefangen, legen wir all unsere Hoffnung in verschiedenste weltliche Bestrebungen – Partner, Familie, Arbeit, Freizeitaktivitäten, Studien etc. Doch bringen diese alle nur vorübergehende Linderung. Die Ausrichtung auf die Natur des Geistes – verkörpert in Buddha -, auf die befreiende Lehre – den Dharma – und die Gemeinschaft der Wesen, die diese klare Ausrichtung bereits haben, betritt man einen spirituellen Pfad, der über das Weltliche hinausführt.
Die Praxis dabei wird dabei zuerst durch den aktiven Entschluss unterstützt, unheilsame und verstrickende Handlungen aufzugeben und heilsame auszuführen. Natürlich benötigt man dabei auch Vertrauen, dass dieser Pfad für einen hilfreich ist. Dieses Vertrauen bringt man vor allem jenen entgegen, die bereits ein gewisses Freisein von diesen unheilsamen und verstrickenden Emotionen und Geistesregungen erlangt haben. So wird Buddha definiert. Der Dharma ist die befreiende Information, die einem hilft, selbst auch dieses Freisein zu erlangen. Und die Begleiter auf diesem Pfad, die spirituelle Gemeinschaft, wird von jenen gebildet, die einen dabei unterstützen, diese befreiende Information anzuwenden und manchmal auch Übefeld sind.
In verfeinerter Form zeigen sich diese drei Kostbarkeiten auf dem Pfad des geheimen Mantra im Guru, der den Segen spendet, in der Meditationsgottheit, die die Verwirklichungen bringt und die Himmelswandlerinnen und Schützer, die die Aktivitäten ausführen. Auf einer inneren Ebene entsprechen diese kostbaren Wurzeln den feinstofflichen Kanälen, den Energiewinden und den essentiellen Tropfen. Und auf einer letztendlichen Ebene sind sie die drei erleuchteten Körper eines Buddha – die zuvor beschriebenen Trikaya.

Herzensöffnung

o-south-cant-mass-rotor-fo-535817_1920Diese vielschichtige klare Ausrichtung hilft einem, zunächst einmal zur Ruhe zu gelangen und einen klaren Blick auf das Wesentliche zu bekommen. Doch bedeutet das noch nicht, dass man schon diese Loslösung vom Ich-Denken verwirklicht hat.
Nun gilt es die Verkrustungen des Herzgeistes zu beseitigen. Damit man diese Verhärtungen beseitigen kann, erweckt man eine hohe Absicht und ein hohes Streben das die eigenen Belange völlig in den Hintergrund stellt und die Anliegen der anderen fördert. Man öffnet einfach sein Herz den Wesen und der Welt und lädt sie ein, Gäste zu sein.
Bedenkt man die Güte der eigenen Eltern, die aber noch immer kein Freisein aus diesem Kreislauf der redundanten Erlebnisse erlangt haben, erkennt man das Dilemma der weltlichen Bestrebungen. So fasst man den Entschluss, sie alle auf die höchste Stufe der Seligkeit zu führen. Indem wir ihnen unterschiedslos begegnen, in Wohlwollen und liebende Güte begegnen, beginnen die Verkrustungen abzufallen und wir erkennen, dass auch sie Träger der höchsten Erkenntnis aufgrund der innenwohnenden Buddha-Natur sind. Mit dieser Haltung erst ist man reif für den Pfad der reinen Sicht und der geschickten Mittel.

Pfad der Einsicht und geschickten Mittel

Auf dem Pfad der persönlichen Befreiung trachtet man danach, Unheilsames aufzugeben und hat dabei besonders die ethische Disziplin im Fokus. Als Wurzelgift wird auf diesem Pfad das Verlangen und Greifen nach einer Identität angesehen. Mit Hilfe der Meditation wird der Geist geschult, die Wurzel des Greifens nach Identität erkannt und man macht sich mit der ethischen Disziplin vertraut, sodass die negativen Gewohnheiten nicht mehr weiter ausgeführt werden. Wir erlangen so einen großen persönlichen Frieden.
nepal-292172_1920Der Pfad großer Absicht und großen Strebens arbeitet vorwiegend mit dem Gegenmittel zu den Giften. Ein unheilsamer und ein heilsamer Geisteszustand können nicht zur selben Zeit auftreten. Als Wurzelgift auf diesem Pfad wird die Ablehnung, der Hass betrachtet. Der gesamte große Pfad ist dabei ein Mittel, dieses Ablehnen zu verwandeln und eine Übung für Liebe und Dankbarkeit. Dies geschieht durch das Austauschen mit anderen, bei dem man das Leid der anderen aufnimmt und ihnen das eigene Glück sendet. Auf diese Weise werden die Verkrustungen des Herzgeistes abgebaut und man erlangt schließlich eine enorme Herzensweite. Diese Herzensweite ist ein Freisein, das nun dafür eingesetzt wird, andere auf dieselbe Stufe der Seligkeit zu führen.
Darüber hinaus gibt es noch einen dritten Pfad – den der Transformation. Auf diesem Pfad der reinen Sicht und geschickten Mittel verwandelt man sich selbst und alle Phänomene in reine Erscheinungen. Als Wurzelgift auf diesem Pfad wird die Unwissenheit, das Nichtwissen um die Natur des Geistes identifiziert. Man versteht, dass ausnahmslos alle Lebewesen die Fähigkeit zur vollständigen Realisation der Natur des Geistes haben. Und dieser Grundzustand ist seit Anbeginn makellos rein, frei von jeglichen Geistesgiften oder vorübergehenden Trübungen. Alle diesen Geistesgiften wohnen ursprüngliche Weisheiten inne, die vorübergehend durch das Nichterkennen des natürlichen Geisteszustandes verschleiert sind. Ein geschickter Umgang mit diesen Störungen, die jedoch Weisheit in sich tragen, zeigt sich in den erleuchteten Manifestationen der Meditationsgottheiten. Ihr friedvolles Erscheinen ist Zeichen dafür, dass selbst in Begierde Weisheit enthalten ist. Ihre rasende und schreckenerregende Manifestation veranschaulicht, dass in Hass und Unwissenheit durchdringenden Einsicht und Befreiung liegen. Schaut man mittels der Praxis mit einer Meditationsgottheit direkt in diese Gifte, erkennt man ihre Hohlheit und kann die verstörende Wirkung der Emotionen in klare Strahlkraft der Natur des Geistes und reines Buddha-Wirken verwandeln.

Das nächste Mal werde ich etwas über das Buddha-Wort und Tantra erzählen. Also dranbleiben!

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