Verfasst von: Enrico Kosmus | 10. September 2016

Zeichen des Fortschritts

meditation-1287207_1920.jpgSchnörkellos, einfach, bescheiden und robust

Das Zeichen guter Meditierender ist, dass sie schnörkellos, einfach und bescheiden sind. Sie sind nicht gierig und sie greifen nicht nach Dingen, so wie viele es tun. Meditation ist dazu gedacht, den Stoff des Geistes weich zu machen, so wie Butter es macht, wenn sie auf steifes Leder gebracht wird. Eine herausragende Qualität des Geistes von solchen Meditierenden ist, dass er oder sie in der Lage ist, Schmerz auf sich zu nehmen. Was immer auf einen geschleudert wird, man ist fähig, es aufzunehmen, ohne zu vergelten. Das ist deshalb, weil man zu verstehen beginnt, dass alles aus dem Geist kommt, der hinsichtlich der Phänomene völlig verwirrt ist, also gibt es keinen Grund, Raum für irgendetwas zu lassen, das erscheint.

Passt auf

Seid sehr achtsam mit den Worten, die aus eurem Mund kommen und den Taten eures Körpers. Wir müssen sorgsam sein und diese mit Respekt hüten. Das Üben betreffend der post-meditativen Handlungen ist wirklich dazu da, damit ihr fähig seid, völlig Kontrolle über euch zu haben. Jede Emotion, die aufkommt, jagt ihr nicht nach. Stattdessen solltet ihr fähig sein, euch selbst für drei Tage zu beherrschen, bevor ihr darauf reagiert. Dann werdet ihr dauerhaftes Glück finden und Freude wird wirklich entstehen.

Alles durchdringendes Mitgefühl

Das Mitgefühl, das ihr habt, sollte sowohl relativ wie auch absolut sein. Mitgefühl im ersten Sinne ist grundlegend der Respekt für andere. Absolutes Mitgefühl ist das Wissen, dass alle Wesen die Essenz des Tathagatgarba haben. Relatives Bodhicitta ist die Beachtung dieser Tatsache. Relatives Bodhicitta bezieht sich auf die Praxis, die die Theorie und Anwendung ist. Bewahrt beständiges Gewahrsein die ganze Zeit über aufrecht. Gewahrsein ist der Schlüssel – „dranpa“ auf Tibetisch.
Da gibt es keine Notwendigkeit, daran zu denken. Es sollte gleichzeitig, spontan und gutgehend in eurem Gewahrsein sein. Lest die Leben der großen Heiligen. Das sind wichtige Materialien, die euch mehr Kraft geben. Ich ermutige euch, die verschiedenen Lebensgeschichten der unterschiedlichsten Lehrer zu lesen.

Zusammengefasst

Praktiziert die drei Konzentrationen bis ihr ein festes Verständnis darüber habt, wie sich Gedanken bewegen. Das ist sehr wichtig bei Shine. Ihr müsst das festnageln, bevor Shine selbst sich verwurzeln wird. Wenn ihr eine gute Grundlage habt, dann wird das Dach nicht zusammenbrechen. Ihr müsst den Boden entsprechend aufbereiten. Es gibt drei Schritte, die zu kultivieren sind, bevor ihr die Frucht der Verwirklichung von Shine erlangt. Dann werdet ihr in der Lage sein, euch zu entspannen und wissen, wie Gedanken sich bilden.
Schaut auf eure Gesundheit. Eure Flügel müssen kräftig sein. Meditation erfordert, dass ihr in einem guten Gesundheitszustand seid. Weiters könnt ihr nicht meditieren, wenn ihr traurig oder gekränkt seid.

Aus den Belehrungen von Lama Shenphen Dawa Rinpoche zu Sicht, Meditation und Verhalten. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) zum Nutzen der Praktizierenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. September 2016

Karma ist unfehlbar

buddha-993855_1920Alle negativen Dinge, die ihr in den vergangenen Leben begangen habt, glaubt ihr, die werden kein Resultat haben oder nicht in Erfüllung gehen? Glaubt ihr, dass sie einfach verschwinden werden, dass es keine Auswirkungen geben wird, wenn ihr den Dzogchen-Geist verstanden habt. Es gibt Konsequenzen aus euren früheren Taten. Karma ist unfehlbar. Buddha hat es gesagt, wie könnte es also nicht sein?
Als Buddha erleuchtet war und nach Varanasi ging, um zu lehren, stach ein Dorn in seinen Fuß. Ananda und Shariputra waren beunruhigt und sagten: „Herr, Ihr seid der Herr der Herrn. Als Ihr Eure Hand gehoben habt, sind alle himmlischen Götter und Göttinnen herbeigeeilt, um zu dienen. Ihr seid vollständig erleuchtet, wie kann es nun sein, dass ein kleiner Dorn durch Euren Fuß sticht und Euch bluten lässt, Herr?“ Und als der Buddha dann seinen Fuß ansah und sagte: „Ja, das ist eine Vergeltung für mein Karma, dass ich durchleben muss. Zu einer Zeit in einem früheren Leben trat ich unwissentlich auf eine Ameise und sie starb. Dieser Dorn, der meinen Fuß gestochen hat, ist das Karma, das ich dabei besitze, weil ich die Ameise getötet habe. Das ist die Folge davon.“
Wenn nun der Buddha für sein Karma bezahlen muss, ist es dann noch notwendig, über die Notwendigkeit des Zurückzahlens unseres eigenen Karmas zu sprechen? Daher seid sehr achtsam hinsichtlich der Folgen eurer Handlungen, seid sorgsam. Ein guter Praktizierender wird Karma verursachende Handlungen reduzieren. Das ist wichtig, so viel wie möglich Karma, Ursache und Auswirkung zu reduzieren.

Aus den Belehrungen von Lama Shenphen Dawa Rinpoche zu Sicht, Meditation und Verhalten. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) zum Nutzen der Praktizierenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. September 2016

Positive Taten und Buddhaschaft

sri-lanka-1024347_1280Buddha selbst sagte: „All meine 84.000 Stanzas können in vier Zeilen gebracht werden: ‚Führe niemals negative Taten aus, vollführe immerzu tugendhafte Taten, zähme deinen Geist vollständig.‘“ Das Ausführen allein positiver Handlungen, das ist der Kern des Dharma, das ist Buddhaschaft. Die wichtige Sache ist unser Geist, ob wir nun positive oder negative Taten ausführen. Buddha sagte: „Bezwinge deinen eigenen Geist.“ Da gibt es nichts anderes zu unterwerfen. Bringt euren eigenen Geist unter Kontrolle. Reinigung ist äußerst wichtig, ich kann das nicht oft genug sagen.
In eurer täglichen Praxis muss ein Abschnitt davon die Reinigung sein. Begreift die Wichtigkeit der Reinigung. Normalerweise würde Seine Heiligkeit der Dalai Lama zu seinen Schülern sagen, dass das 100-Silben-Mantra 21 Mal ausreichend ist, damit das negative Karma für heute beendet ist. Wenn ihr natürlich mehr macht, dann wird es noch klarer werden, aber wenn ihr zu beschäftigt seid, dann sind 21 Mal auch in Ordnung. Aber wenn ihr könnt, macht mehr. Reinigung und Bekenntnis sind zwei Dinge, die wir zu einem Teil unserer Hauptpraxis machen müssen. Das ist extrem wichtig. Nicht nur wird es den Segen eures Gurus bringen, sondern auch die Segnungen eures Yidams. Diese werden auf euch herabkommen. Auch wird es all eure Hindernisse auf dem Pfad durch Mitgefühl beseitigen.
Für jene unter euch, die Zeit haben, ein Sang-Opfer auszuführen, also wenn ihr das „Riwo Sang Chö“ jeden Tag macht, ich kann das Ausmaß der Vorzüge gar nicht ausdrücken, die für euch dabei entstehen. Also macht ein wenig Rauch und legt die Zutaten hinein. Das wird eure karmischen Verschleierungen verzehren, die Verschleierungen der Elemente, die wir verursacht haben und alle negativen Tendenzen, die wir angesammelt haben. Alle diese sind vom Bekenntnis und der Reinigung durch den Sang abgedeckt. Es ist eine wunderschöne Praxis. Sie wird euer Windpferd zunehmen lassen, was ihr ebenfalls braucht. Sang ist sowohl ein Bekenntnis als auch eine Reinigung. Die zwei sind im Sang verbunden. Also versucht ein Sang-Opfer zu machen. Das wird auch alle Hindernisse, die durch die Meditation entstanden sind, korrigieren.

Aus den Belehrungen von Lama Shenphen Dawa Rinpoche zu Sicht, Meditation und Verhalten. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) zum Nutzen der Praktizierenden.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 19. August 2016

Avalokiteshvara und die sechs Silben

tibet-694633_1280Die Essenz des Geistes aller Buddhas und Bodhisattvas ist der Bodhicitta, die erleuchtete Geisteshaltung. Wenn dieses Bodhicitta eine Gestalt annimmt, dann erscheint es als Chenrezig (tib., spyan ras gzigs; skt., Avalokiteshvara).
Wann immer wir Chenrezig praktizieren, dann ist der wichtigste Aspekt die Praxis des Erzeugens und Entwickelns von Bodhicitta, welches das Mitgefühls ist, das Chenrezig für alle fühlenden Wesen erfährt. Wenn wir also dasselbe Mitgefühl, diesen selben Erleuchtungsgeist hervorbringen, dann wird es für uns einfach sein, Chenrezig zu verwirklichen, weil die Essenz von Chenrezig eben Bodhicitta ist. Daher werden Segen und Ergebnis sehr rasch sein.

Viele Namen – eine Essenz

Chenrezig hat viele verschiedene Emanationen und viele unterschiedliche Namen, aber im wesentlichen sind sie alle von einer Essenz, was Bodhicitta, die Natur des Geistes aller Buddhas ist. Er erscheint in einer friedvollen Manifestation, in einer vermehrenden Manifestation und in einer zornvollen Manifestation. Er erscheint in verschiedenen Farben – manchmal weiß, manchmal rot. Manchmal erscheint er mit tausend Augen und tausend Armen, manchmal erscheint er mit einem Gesicht und vier Armen, manchmal mit einem Gesicht und zwei Armen und öfters hält er verschiedene Gegenstände in den Händen. Er wird manchmal als „Thugje Chenpo“ bezeichnet, was so viel wie „Großer Mitfühlender“ bedeutet. Dieser Name wurde ihm gegeben, weil man glaubt, dass er die eigentliche Kraft des Mitgefühls aller Buddhas und Bodhisattvas ist, die Verkörperung der Macht dieses Mitgefühls. Er wird auch Chenrezig genannt, was „Der, der alle fühlenden Wesen gleichwertig und gleichzeitig sieht und sich immer ihnen und ihrer Bedürfnisse gewahr ist“ bedeutet.
Sein Blick auf die fühlenden Wesen ist allumfassend und beständig. Er wird manchmal auch als „Jigten Wangchug“ (tib., jig rten dbang phyug) bezeichnet, weil er mit seiner erleuchteten Aktivität immer wieder und auf jeden Fall erscheinen wird, bis die drei Bereiche der zyklischen Existenz in ihren Tiefen gelehrt sind. Er wird vollständig und allumfassend erscheinen, um Verbindungen herzustellen und die fühlenden Wesen der drei Bereiche zu befreien. Daher wird er auch als „Derjenige, der Macht über die Welt hat“ bezeichnet. Diese verschiedenen Namen beziehen sich alle auf eine Gottheit, nämlich Avalokiteshvara (Chenrezig). Es sind verschiedene Namen für verschiedene Emanationen derselben einen Essenz.

Eine Essenz – drei Kayas

HayagrivaUm das aus der Sicht der drei Kayas zu erklären, so ist Avalokiteshvara in der Natur des Dharmakaya der Buddha Amitabha, im Sambhogakaya ist er Nam Nang Den So und im Nirmanakaya ist er Chenrezig, der sowohl friedvoll als auch zornvoll erscheint. Im friedvollen Ausdruck erscheint er mit tausend Armen und tausend Augen oder mit einem Gesicht und vier Armen. Im zornvollen Ausdruck erscheint er als Hayagriva. Der zornvolle Ausdruck ist einfach einen intensive Erscheinung des völligen Mitgefühls, welches notwendig ist, um den Geist jener Wesen zu bezwingen, die durch friedvolle Methoden nicht gezähmt werden können. Hayagriva erscheint auch in verschiedenen Formen, manchmal mit neun Köpfen und 18 Armen, dann wieder mit drei Köpfen und sechs Armen, manchmal mit einem Gesicht und zwei Armen, manchmal rot, dann wieder schwarz. Wenn Avalokiteshvara als Beschützer, als Dharmapala erscheint, dann ist er der 6-armige Mahakala, der Beschützer uranfänglicher Weisheitserkenntnis. Wenn er als Reichtumsgottheit erscheint, dann ist er der Weiße Dzambhala.
Alle diese verschiedenen Erscheinungen sind nur unterschiedliche Methoden des Mitgefühls des Geistes, das sich manifestiert, um die Bedürfnisse und Bestimmungen aller fühlenden Wesen zu verwirklichen. Und da es zahllose fühlende Wesen gibt, die so verschieden voneinander sind, sind so zahlreiche verschiedene Methoden erforderlich. Die Zahl der Manifestationen dieser Gottheit ist unvorstellbar, aber dennoch sind sie nichts anderes als der Geist des Mitgefühls, der Ausdruck des großen Bodhicitta.
Daher kann man von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet sagen, dass die Verwirklichung von Avalokiteshvara allein ausreichen würde, weil Avalokiteshvara die Essenz des Geistes aller Buddha ist und somit die Essenz aller Gottheiten. Darüber hinaus ist Chenrezig recht einfach zu verwirklichen. Es wird gelehrt, wenn man Avalokiteshvara intensiv für sechs Monate praktiziert, dass man dann gewiss ein Zeichen der Verwirklichung haben wird. Es ist unmöglich, dass kein Zeichen der Verwirklichung eintritt. Das bedeutet, dass man eine direkte Vision von Chenrezig oder ein anderes Zeichen der Verwirklichung haben wird. Es ist auch sehr leicht, das Mantra OM MANI PADME HUM zu rezitieren. Es geschieht ganz natürlich für jeden. Buddha Shakyamuni hat gesagt, dass unter all den verschiedenen Rezitationen es keinen größeren Nutzen gibt, der von einer anderen Rezitation herkommt, als vom OM MANI PADME HUM, dem Mani-Mantra. Unter allen Praktiken, die auf einer Rezitation basieren, ist das die kraftvollste, die wirksamste.

Mani-Mantra

Mani-Stein-LadakhUm eine andere Meditationsgottheit zu verwirklichen, müssen wir die Stufen der Erzeugung und Vollendung kennen. Wir müssen wissen, wie man eine Sadhana richtig ausführt, wir müssen wissen, wie man das alles in die Praxis bringt, wie man ein Mandala errichtet und wir müssen auch viele andre Dinge wissen, die im Grunde ganz schön schwierig und kompliziert sein können – einfach um die Gottheit zu verwirklichen. Aber die Verwirklichung von Avalokiteshvara ist ganz anders, weil dafür gar nichts notwendig ist.
Es war einmal ein Lama in Ost-Tibet, der als der Mani-Lama bekannt war, da die einzige Praxis, die er ausführte, die von Avalokiteshvara war. Er sagte, dass man einfach Avalokiteshvara praktizieren und das OM MANI PADMA HUM rezitieren könne, wenn man Verlangen verspürt oder irgendein anderes Geistesgift wie Eifersucht oder Wut, wenn irgendeine Negativität im Geist auftaucht. Mit anderen Worten man muss die Praxis nicht weglegen oder das Geistesgift verwandeln oder irgendetwas anderes machen, weil die Praxis selbst einfach die störenden Gefühle beseitigt. Das ist deshalb so, weil die sechs Silben des Mani-Mantras die Kraft haben, die sechs störenden Emotionen auszulöschen. Die sechs Silben haben auch die spezielle Kraft, das Tor zur Wiedergeburt in den sechs Daseinsbereichen zu schließen, weil ausnahmslos jedes einzelne fühlende Wesen in den sechs Bereichen in seinem Körper die sechs Silben hat, die mit den sechs Bereichen der Wiedergeburt korrespondieren. Der Grund für das Umherwandern in der zyklischen Existenz ist durch den Umstand des Vorhandenseins dieser sechs Silben gegeben.
Wenn man also OM MANI PADME HUM rezitiert, die sechs Silben von Avalokiteshvara, dann ist es wichtig zu verstehen, dass sie die Kraft haben, die gewöhnlichen sechs Silben Samsaras zu unterwerfen und zu beseitigen und dass sie die Tore zu den sechs Klassen der Wiedergeburt blockieren oder verschließen. Das ist eine der speziellen Kräfte des Mani-Mantras. Auch wird in diesem Leben das bloße Rezitieren von OM MANI PADME HUM Krankheiten, Plagen und dämonische Kräfte der Besessenheit beseitigen. Man wird glücklich und friedlich werden. Es zu rezitieren wird die eigene Kraft des Meditierens verbessern und man wird tiefere Ebenen der meditativen Versenkung in diesem Leben erlangen, welche man in zukünftige Leben mitnehmen wird. Zur Zeit des Todes wird man keine Wiedergeburt in den unteren drei Bereichen annehmen, sondern stattdessen in Dewachen, im westlichen reinen Land der Großen Glückseligkeit wiedergeboren werden oder im reinen Land von Chenrezig auf dem Potala. Und dann wird man nach und nach den Zustand der Buddhaschaft erlangen. Bis dahin werden sich Segen und Kraft der eigenen Praxis nicht erschöpfen, sondern wird weiter anhalten, um als Resultat die Erleuchtung zu bewirken.

Nutzen der Praxis

Mani_MantraAvalokiteshvara ist wirklich anders als jede andere Gottheit. Viele Leute sind von zornvollen Gottheiten fasziniert und angezogen, wie Vajrakilaya, Hayagriva, Guru Dragpo usw., und sie wollen sie verwirklichen, aber ohne dass man genau weiß, wie man die Erzeugungs- und Vollendungsstufen der inneren tantrischen Praktiken der zornvollen Gottheiten praktiziert, ist es sehr schwer, sie zu verwirklichen. Avalokiteshvara ist jedoch sehr einfach zu verwirklichen und das Mani-Mantra ist sehr einfach zu rezitieren.
Es gibt viele die glauben, dass die Praxis von Avalokiteshvara und des Mani-Mantras etwas für das einfache Volk, für Kinder und alte Leute sei, aber eben nichts für echte Praktierende und Gelehrte. Diese Haltung beruht auf Unwissenheit und Ignoranz und ist ein absolutes Missverständnis. Tatsächlich ist Avalokiteshvara unter allen Gottheiten die Hauptgottheit und die wichtigste. Das ist heutzutage besonders wahr und war auch in der Vergangenheit wahr, zur Zeit der großen Panditas und Mahasiddhas Indiens, weil alle von ihnen ihre Verwirklichung durch die Praxis von Avalokiteshvara erlangt haben. Jeder einzelne von ihnen hatte Visionen von Avalokiteshvara. Und durch diese Visionen haben sie ihre spirituellen Verwirklichungen und Erkenntnisse gehabt. Und besonders in Tibet hatten alle großen Meister eine starke Verbindung mit Avalokiteshvara. Sie hatten Visionen von Avalokiteshvara, ihnen wurden prophetische Hinweise direkt von Avalokiteshvara zu teil und durch Avalokiteshvara erlangten sie ihre spirituellen Erkenntnisse.
Der Segen aus der Verwirklichung von Avalokiteshvara ist äußerst groß. Darüber braucht man keine Zweifel haben. Selbst das einmalige Rezitieren des Mani-Mantras ist äußerst nützlich, eigentlich unvorstellbar nützlich. Wenn man aus der Tiefe des Herzens zu Avalokiteshvara betet und das Mantra wirklich rezitiert, dann ist das eine sehr tiefgründige Praxis. Wenn man regelmäßig Avalokiteshvara praktiziert und das Sechs-Silben-Mantra rezitiert, dann ist es absolut sicher, dass man in diesem Leben keine Wiedergeburt in den niederen Bereichen annehmen wird. Das soll man bedenken und die Praxis in diesem Leben ausführen.
Man soll alle Erscheinungen als Avalokiteshvara sehen, alle Klänge als die Rede von Avalokiteshvara, was das Sechs-Silben-Mantra ist und man soll alle auftauchenden Gedanken als den Geist von Avalokiteshvara betrachten. Man soll das Mitgefühl und die liebende Güte für ausnahmslos alle Wesen haben, angefangen von den kleinsten bis zu den größten Lebewesen, weil alle einschließlich man selbst wünschen, glücklich zu sein und verlangen, Glück zu erfahren. Nicht ein einziges Wesen unter ihnen möchte leiden. Daher ist es immer wichtig, liebende Güte für alle fühlenden Wesen zu haben, den dreifachen Zustand des reinen Gewahrseins beizubehalten und so oft wie möglich OM MANI PADME HUM zu rezitieren.

Diese Belehrungen wurden von Yangthang Rinpoche gegeben und vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2016) übersetzt. Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 7. August 2016

Die neun Yanas – aus dem Vajra-Herz-Tantra

buddha-1431479_1920Was die Große Vollkommenheit zum Zeitpunkt des Pfades angeht, so verschwindet das Gewahrsein, das als der Grund vorhanden ist und sich manifestiert hat, in die unveränderten, gewöhnlichen Geisteszustände und Erscheinungen auf. Daher sind alle gewöhnlichen Geisteszustände und Erscheinungen vollkommen. Weil die Dharmata sich selbst nicht zum Extrem des Nihilismus führt, ist die extremistische Sichtweise der Substanzialität vollkommen. Und weil sie nicht als das Extrem der Sichtweise von Substanz wahrgenommen wird, vollendet sie den Geist, der den Pfad der nihilistischen Sichtweise sucht.

Der Pfad des Sutra

Sogar beim Leiden werden ihre Quelle, ihr Vergehen und der Pfad als substanzielle Objekte aufgefasst, durch das Erkennen der persönlichen Identitätslosigkeit wird der Pfad der Shravaka vollendet, indem man erkennt, dass sie nicht durch sich selbst existieren. Durch das Erkennen der Natur aller Erscheinungen und Geisteszustände der drei Bereiche als wechselseitig bestehende Ereignisse, wird der Pfad der Pratyekabuddha vollendet. Indem man Gewissheit darin erlangt, dass die Erscheinungen nichts anderes sind als der Geist, wird der Pfad der Cittamatra vollendet. Durch das Erkennen der Bedeutung der zwei Arten der Identitätslosigkeit, wird die Vollkommenheit der Weisheit vollendet. Indem man Samsara und Nirvana mit dem Geist des Erwachens versiegelt, wird das Fahrzeug der Bodhisattvas vollendet. Und durch das eigentliche Erkennen von Samsara und Nirvana als großes Leersein, die zur universellen Grundlage aller mittleren Wege werden, werden diese alle vollendet.

Der Pfad des Tantra

Indem man die eigenen Handlungen und Verhaltensweisen nicht mit dem Gewöhnlichen verwechselt, wird das Kriyayana vollendet. Indem man sich so verhält, dass die eigene Sicht und Lebensführung ungetrennt sind, wird das Caryatantrayana vollendet. Erkennt man, dass die Sichtweise von größter Wichtigkeit ist, wird das Yogayana vollendet. Durch das Realisieren der Ungetrenntheit der Wirklichkeit der Gottheit und der eigenen Erscheinung, wird der gesamte Pfad des Mahayoga vollendet. Indem man die Ungetrennheit der absoluten Natur und ursprünglichen Weisheit erkennt wird alles im Anuyoga vollendet. Indem man alles, was dem Geist erscheint, das durch Umgestaltung einfach verschwindet, so belässt, wie es ist, wir die Geist-Klasse des Atiyoga vollendet. Und indem man die Ungetrenntheit von absoluter Natur und Gewahrsein realisiert, wird das Yana der Raum-Klasse im Dharmakaya vollendet, dem Gewahrsein, das als der Grund präsent ist.
meditation-582464_1920Die Erkenntnis wie alle Dharmas dieser Fahrzeuge vollendet werden, wird das Fahrzeug der Geheimen Anweisungen [Upadesha] genannt. Da dies die großartige, universelle Grundlage aller Yanas ist und weil alle Grundlagen und Pfade gleichzeitig vollendet werden, wird es das höchste Fahrzeug der Großen Vollkommenheit genannt, welches die Essenz zusammenfasst. Andere Yanas sind lediglich Facetten der Großen Vollkommenheit und jene, die an ihrem eigenen Fahrzeug festhalten, sind in der Tat begrenzt, genauso als ob man einen Tropfen aus dem Ozean entnimmt und diesen weiter als den Ozean ansieht. Die Vinaya und das Shravakayana sind für jene mit geringer und unterlegener Erkenntnisfähigkeit, das Pratyekabuddhayana ist für jene mit mittleren, schwächeren Geisteskräften, das Bodhisattvayana ist für jene mit hoher, aber nachrangiger Erkenntnisfähigkeit, das Kriyayana ist für jene mit mittleren, aber niedrigen Fähigkeiten, das Upayayana ist für jene mit mittleren, durchschnittlichen Fähigkeiten, das Yogayana ist für jene mit höheren, mittelklassigen Fähigkeiten, das Mahayoga ist für jene mit geringen überragenden Fähigkeiten, das Anuyoga ist für jene mit mittelmäßig überragenden Erkenntnisfähigkeiten und die drei Abschnitte des Atiyoga sind für jene mit den höchsten, überragenden Fähigkeiten. Davon werden jenen mit den geringeren höherstehenden Fähigkeiten das Yana der Geist-Klasse gelehrt. Das Yana der Raum-Klasse wird jene mit mittelmäßig überragenden Fähigkeiten gelehrt und die Klasse der Upadeshas werden den allerhöchsten der hohen gelehrt.
In Übereinstimmung mit den individuellen Fähigkeiten und dem Verdienst wird es gelehrt, sodass eine Person durch die Grundlagen und Pfade der Befreiung voranschreiten kann. Andererseits auch wenn es keine Unterschiede in Qualität oder Größenordnung des grundlegenden Geistes der fühlenden Wesen geben mag, spricht man davon, als ob es Unterschiede in ihrer Erkenntnisfähigkeit aufgrund ihres Vorherrschens des Greifens nach einem Ich und ihrem daraus resultierenden Fehler, die Bedeutung der Identitätslosigkeit zu erkennen gibt. Die Abfolge der Yanas wird als ein Pfad des stufenweisen Vorankommens gelehrt, genauso wie bei einer Treppe. Wisse, dass dies nicht so ist, als ob jemand auf der untersten Stufe ist, völlig unfähig zu einem nahen Licht des Himmels aufzusteigen, noch ist es so, dass jemand, der ganz oben ist, nicht auch herabsteigen müsste, so wie Planeten und Sterne, die am Himmel emporsteigen. Vielmehr ist es von der Macht der früheren Übung abhängig, auf welches Yana man trifft, dem karmischen Impuls, der dabei stufenweise erweckt wird.

Dies wurde vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) aus dem Vajra-Herz-Tantra des Dudjom Lingpa übersetzt.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. August 2016

Schutz von Weisheit und Welt

Ekajati_1Die Anrufung von Schützerwesen findet sich immer wieder in der indisch-tibetischen Dharma-Tradition. Es ist nicht so, dass dies eine Besonderheit der Tibeter alleine wäre. So war beispielsweise Mahakala ein besonderer Schützer der Klosteruniversität Nalanda, wie auch aller anderen buddhistischen Klöster. Unter den vielen Mahakala-Erscheinungen werden in den verschiedenen buddhistischen Traditionen Tibets einige immer wieder zum Schutz angerufen.
Neben diesem gibt es auch noch eine Reihe anderer Schützer. Diese können Dharma-Schützer sein, dann ist ihnen der Schutz der Lehren und der Praktizierenden anvertraut. Es können aber auch eidgebundene Schützer sein, dann sind sie durch verwirklichte Meister unterworfen worden. Ihnen wurde auch immer ein bestimmtes Versprechen abgerungen, an welches sie in bestimmten Ritualen erinnert werden und ausführen müssen. Und dann gibt es Schützer, die auf bestimmte Befehle hören. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weltliche Schützer, die wie Handlanger für die Praktizierenden bestimmte Aktivitäten ausführen.
Betrachten wir einmal ein paar Schützer der Alten Übersetzungstradition Tibets. Durch bestimmte Rituale der Gabendarbringung bei denen man den Schützern bestimmte Substanzen darbringt, werden sie an ihre Aktivitäten erinnert und aufgefordert, diese auch auszuführen. Neben dem allgemeinen Trankopfer gibt es auch noch besondere Verbindungen durch eine Einweihung und nachfolgende Gabendarbringung an die Schützer, wodurch diese einen „wie der Schatten begleiten“.

Ekajati – eine Locke der Befreiung

Die Schützerin Ekajati gilt als die Hauptschützerin der Dzogchen-Lehren. Wie ihr Name schon andeutet, sind viele Dinge an ihr einzig. Zunächst hat sie eine Haarlocke, die emporlodert und ihr den Namen gibt. Doch hat sie auch ein Auge, einen Zahn und meist eine einzige Brust. Manchmal aber hat sie zwei Brüste, dann fließt aus einer davon der Nektar der Verwirklichung zu den Praktizierenden und ein Strom aus Gift zu den Feinden. Ihre weiteren Insignien wie Leichenstab, Juwelenketten und Schädelgirlanden verweisen auf verschiedene Aspekte und Aktivitäten der Erleuchtung.
Gemäß den tibetischen Legenden wurde sie Padmasambhava in das Schützerpantheon eingemeindet, indem er ihr ein Auge durchbohrte und sie ihm daraufhin noch wirksamer helfen konnte, die tibetischen Dämonen zu unterwerfen. Zusammen mit Rahula und dem eidgebundenen Vajrasadhu (tib., dam can rdo rje legs pa) bildet sie die primäre Schützertriade der Nyingma-Tradition. Auch wenn ihr Name im Mandala der 21 Taras erwähnt wird, findet man auch Schilderungen, wo sie als zornvolle Emanation von Samantabhadri erscheint. Für die Lehren ist sie jedenfalls eine äußerst wichtige Schützerin, da ihr auch immer wieder der Schutz bestimmter Texte anvertraut wurde. Sie erschien auch verschiedenen Schatzfindern (tib., gter ston) wie z.B. Longchenpa und überwachte jedes rituelle Detail aus dem Zyklus der Herzessenz der Dakinis (tib., mkha‘ ‚gro snying thig). Bei anderen wie z.B. Sri Singha war sie die persönliche Hauptschützerin. Oftmals findet man sie auch, wenn den Schatzfindern ein bestimmter Text in Dakini-Schrift offenbart wurde.

Rahula

Der Dämonen bezwingende Rahula ist ein weiterer wesentlicher Schützer in der Nyingma-Tradition. Er erscheint als schwarzer Naga, ein Wesen mit schlangenartigem Unterleib und sein Körper ist mit vielen Augen bedeckt. Ferner hat er auch mehrere Gesichter und auf seinem Haupt ist ein Krähenkopf.
Auch er wurde von Padmasambhava unterworfen und durch Eid in den Dienst des Dharma gestellt. Seine Aufgabe ist der Schutz der Lehre, insbesondere der Dzogchen-Tradition. Er bewahrt die Lehre vor Verfälschungen durch falsche Auslegungen oder fehlerhafte Kommentare. Weiters ist er der Hauptschützer im Zyklus der Thröma Nagmo, neben anderen Schützern wie Nagaraja, Yama, Tsän und Mamo.

Vajrasadhu (Dorje Legpa)

Der eidgebundene Vajrasadhu oder Damchen Dorje Legpa hat in der tibetischen Tradition eine besondere Bedeutung. Ursprünglich wurde er in der Bön-Tradition verehrt und stellte sich in der Zentralregion gegen Padmasambhava. Doch Guru Rinpoche unterwarf Vajrasadhu und band ihn mit einem Versprechen, die Lehren Buddhas zu beschützen.
Vajrasadhu hat in der Schatztradition Padmasambhavas eine besondere Rolle inne, da er als Schatzhüter bzw. „Herr der Schätze“ (tib., gter bdag) gilt. Neben den zwölf Erdmüttern – den Tenma-Schwestern, dem Berggott Nyanchen Thangla und dem Tongpon Dralha hütet er die Dharma-Schätze, die Padmasambhava für zukünftige Generationen in der Erde verborgen hat. Er gehört zur Klasse der weltlichen Schützer.

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl anderer Schützer, von denen ich in loser Folge berichten werde. Bleibt dran!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. Juli 2016

Buddhistische Herzensbande

red-313499_1280.jpgDer Begriff „Samaya“ (tib., dam tshig) ist ein Set an Gelübden, das im Rahmen einer tantrischen Ermächtigung im Vajrayana gegeben wird. Der tibetische Begriff setzt sich aus zwei Worten zusammen. „Dam“ bezeichnet eine Bindung oder ein Band und „Tshig“ ist das Wort. Dies stellt im Grunde ein Versprechen dar, das man abgibt. Auch ist eine tantrische Ermächtigung mit bestimmten Auflagen und Erfordernissen verknüpft. Das kann sein, dass eine bestimmte Anzahl des Mantras anzusammeln ist oder es werden bestimmte Erfordernisse ans Verhalten gestellt.

Gelübdeklassen

Im Vajrayana gibt es allgemeine, besondere und höchste Samayas. Die allgemeinen Samayas beziehen sich auf die drei Gelübdekategorien des Trainings in der persönlichen Befreiung (pratimoksha), der Bodhisattvas und im Geheimen Mantra. Diese drei Gelübdeklassen sollte man wie das eigene Herz hüten.
Die besonderen Samayas umfassen die allgemeinen Gelübde in Verbindung mit den Fünf Buddha-Familien, die im Anuttaratantra vorkommen. Dazu gehören eben die Wurzel- und Zweiggelübde. Diese sollte man wie das eigene Herzblut schützen.
Von den höchsten Samayas gibt es zwanzig. Diese werden in Vergleichen beschrieben, wie eben das man den Befehl des Vajra-Meisters nicht übertreten soll usw. Diese sollte man so sorgfältig behüten wie die eigene Lebenskraft.

Nutzen der Herzensbande

Grundsätzlich dienen diese heiligen Versprechen und Vorsätze der Praxis im Vajrayana als Übung und dem Schutz der Übenden sowie der Praxis. Weiters sind sie auch Leitlinien für ein gelingendes Miteinander in der Sangha. Äußerlich helfen sie dabei, harmonische Beziehungen mit dem Vajra-Meister und den Dharma-Geschwistern beizubehalten. Innerlich fördern sie die Ausrichtung und dienen dazu, die Beständigkeit in der Praxis nicht zu verlieren.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 23. Juli 2016

Schatzvasen – Fülle und Wohlstand erzeugen

SchatzvaseVon Guru Rinpoche wurde die Tradition der Schatzvasen im 8. Jhdt. nach Tibet gebracht. Die Schatzvasen wurden durch das erleuchtete Streben und das Mitgefühl der großen Heiligen geschaffen, um das Umland zu heilen und seinen Reichtum und seine Lebendigkeit wieder herzustellen.
Die Praxis mit den Schatzvasen ist ein altes Heilmittel, das die Essenz der Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum wieder auffüllt, wodurch die Unreinheiten beseitigt und die subtilen Energien des Umlandes erneuert werden.
In verschiedenen Terma-Texten wird ausgesagt, dass die Schatzvase, wenn sie ordentlich hergestellt und aufgeladen wurde, ein langes Leben frei von Krankheit gewährt, der Dharma und die Familienlinie zunehmen und die Kraft des Dharma und des weltlichen Glücks sich steigern.

Herstellung von Schatzvasen

Gewöhnlich werden Schatzvasen aus Ton, Keramik oder Metall, vorzugsweise Kupfer, hergestellt. Manchmal sind sie mit speziellen Mustern und Inschriften verziert. Als Design-Muster können die Acht Glückverheißenden Symbole verwendet werden oder man graviert ein Dharani oder einen Dharma-Text hinein. Sie können in ihrer Grundfarbe bleiben, aber auch Glasieren oder Bemalen ihrer Außenfläche ist möglich.
SchatzvasenFüllenJedoch ungeachtet ihrer äußerlichen Dekoration ist es wichtig, womit die Schatzvasen gefüllt sind. Da die Praxis der Schatzvasen auf dem Prinzip der wechselseitigen Bedingung (tib., rten ‚brel snying po) beruht, sind die Zutaten von großer Bedeutung. Daher werden die Schatzvasen gewöhnlich mit besonderen Dingen gefüllt, wie dem Mantra der Praxisgottheit oder dem Praxistext, verschiedenen Reliquien oder elementaren Substanzen von Kraftplätzen wie den vier großen Orten von Buddhas wirken oder bedeutsamen Praxisplätzen von Yogis, aber auch andere edle Substanzen wie Gold, Silber, Edelsteine, edle Hölzer, Räucherstoffe usw.
Hier ein Auszug aus den Anweisungen zu Khandro Norlha aus dem Schatzzyklus von Dudjom Rinpoche: „Um die verschiedenen Arten der benötigten Dinge zu erlangen, braucht man eine Muschelschale und einen Seelenstein der Devas [Bergkristall], einen Wasserkristall der Nagas, einen Türkis der Menschen, einen Kiesel der Yakshas zusammen mit einer Vase für die Gäste. Dann wickelt man dies in einen orangeroten Stoff und stellt es stabil hin. Man stellt es auf ein Papier, auf dem das Wurzel-Mantra geschrieben steht.“ Und weiters: „Man rollt das Papier zusammen, auf dem das Mantra geschrieben ist, man sprenkelt etwas Dütsi darüber und wickelt es in gelben Stoff. Man stellt sich die kostbaren Dinge dabei vor und sammelt neue, ungebrauchte Dinge zusammen, nimmt Haare von Pferden und Kühen, verschiedene Medizinen, Früchte und Blumen, frisches Getreide, die drei Weißen und die drei Süßen, Erde, Steine, Wasser und Holz von glückverheißenden Orten, wie großen Pilgerstätten, Palästen, Tempeln usw. Die 25 vorzüglichen Zutaten für die Vase, verschiedener Staub von ausgezeichneten Feldern, verschiedene Wasser von unterschiedlichen Gewässern, Sand von großen Seen, Erde von den Herdstellen der großen Sanghas und der großen Könige.“
Das Füllmaterial der Simhamukha-Schatzvasen wie sie im Ngakpa-Zentrum hergestellt werden, besteht aus einem Holzstück (Weltenbaum) mit Mantra-Rolle umwickelt, Dütsi (Nektarpillen), Blätter vom Bodhi-Baum aus Bodhgaya, Heiliger Staub, Erde aus Bodhgaya und Sarnath, Muscheln, Kauri-Muscheln, Bergkristall, Türkise, div. Symbole und Yantras, Rudraksha-Samen, Edelsteine, Gold und Silber (optional), Gewürze, Pfeffer, Gewürze, Paprika und Reis aus Füllmaterial.
Abschließend werden die Schatzvasen verschlossen und versiegelt. Nachdem die Schatzvasen gefüllt sind, müssen sie durch die Kraft des Samadhi in einem kürzeren oder längeren Praxisritual aufgeladen werden.

Aktivieren der Schatzvasen

SchatzvasenAktivierenFür gewöhnlich werden Schatzvasen im Zusammenhang mit den traditionellen Reichtumsgottheiten wie Dzambhala bzw. Vaishramana, dem Weißen Mahakala, Khandro Norlha oder Orgyen Norlha hergestellt. Aber es gibt auch andere Gottheiten, wie Simhamukha, die in ihrer magnetisierenden Erscheinung für diese Praxis durchgeführt werden.
In der Schatzvasenpraxis aus dem Zyklus des Tsokye Thugthig von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje wird gesagt: „Wenn man die Hauptpraxis macht, dann sollte man darauf meditieren, dass jede dieser Vasen ein vollkommenes Mandala darstellt, da sie als Wurzel für die Stütze vor einem dienen. Durch diese Mittel der Praxis wird alles Glück und aller Wohlstand in Samsara und Nirvana in einem aufgenommen. Nachdem man diese Sadhana-Praxis vollendet hat, stabilisiert man sie als Sparbüchse zum Vorteil der Götter und Menschen. Wenn man in der Lage ist, viele dieser Vasen herzustellen, versiegelt man sie und vergräbt man sie, woraus die individuellen verborgenen Qualitäten erscheinen in Überstimmung mit den verborgenen Ländern.“
Für gewöhnlich werden Schatzvasen des Khandro Norlha Zyklus (von Dudjom Rinpoche) in einem längeren Ritual der Verwirklichung (tib., sgrub chen) geweiht und aufgeladen.

Segen der Schatzvasen

Wenn man diese Praxis ausführt und die Schatzvase nicht vergräbt, sondern am Altar oder ein einer besonderen Stelle im Haus hat, dann werden dadurch auch die Energien des eigenen Körpers wieder aufgeladen. Es ist auch möglich, dadurch Reichtum und Fülle anzuziehen, die Gesundheit zu verbessern und Hindernisse für die Langlebigkeit zu beseitigen. Schatzvasen bringen den Besitzern eine Fülle an Segen. Die Kraft der Schatzvasen sammelt sich im Gebäude, wo sie aufgestellt werden und dient dazu, den spirituellen und materiellen Reichtum der Bewohner zu vermehren.
Aus dem Schatzzyklus von Dudjom Rinpoche: „Wenn man eine Schatzvase an einer hervorragenden Stelle an einem Berghang inmitten eines Landes vergraben kann, dann werden ausgezeichnete Dinge zusammentreffen, um diesem Land in allen Richtungen zu nützen. Wenn man diese inmitten eines Hauses vergräbt, dann wird Heilsames, Freude und Glück für diesen Wohnort entstehen. Wenn man sie in der Mitte eines Herdes vergräbt, dann wird eine Ansammlung von Nahrung, Reichtümer und Genüsse hervorkommen, sowie andere werden gute Dinge über einen sprechen. Wenn man sie in der hervorragenden Erde eines Feldes vergräbt, dann wird es immer reichhaltige Ernten geben. Wenn man sie in einer hervorragenden Quelle oder in einem Berg davor vergräbt, dann wird Regen fallen und Wasser wird herabkommen und frisches Wasser wird sich vermehren. Wenn man sie in einer Pferde- oder Kuhweide vergräbt, dann wird kein Verlust oder Schaden diesen Tieren widerfahren und sie werden sich bis ins hohe Alter vermehren.“
Durch das Vergraben der Schatzvase bringt man ausgezeichnete Umstände in die Umgebung und schafft so ein günstiges „Tendrel“ (tib., rten ‚brel) – eine vorteilhafte wechselseitige Bedingung.

Schatzvasen der Simhamukha sind im Ngakpa-Zentrum Lhündrub Chödzong erhältlich. (Anfragen an: enricokosmus(at)gmail.com

Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. Juli 2016

Manjushri – Gestalt der Buddha-Weisheit

Manju-1„Um die Dunkelheit der geistigen Verwirrung zu beseitigen ist die einfache Herzenspraxis der geheimen Versammlung des Manjushri, die frei von Fehlern ist, selbst für die vom Glück begünstigte Person ratsam.“ Daher haben die Siddhas der jüngeren und auch früheren Dharma-Geschichte immer wieder die Praxis von Manjushri ausgeführt.
Manjushri ist der Bodhisattva, der mit der besonderen Einsicht (skt., prajna; tib. shes rab) ausgestattet ist. Während er auf der Ebene der Sutrayana-Praxis lediglich angerufen und sein Weisheitssegen eingeladen wird, indem man beispielsweise das Manjushri Nama Samgiti rezitiert, wird er im Vajrayana als Meditationsgottheit gesehen.

Weisheitsmanifestation

VadisimhaFür gewöhnlich erscheint Manjushri als Gelber Manjushri, die rechts ein Weisheitsschwert und links einen Schriftenband der Prajnaparamita in 8.000 Versen hält. Doch es gibt auch andere Manifestationen, wie z.B. den Weißen Manjushri, der für Jamgon Kongtrul den Großen von besonderer Bedeutung war oder den Roten Manjushri Vadisimha (Jampal Mrawa’i Senge). Durch die Praxis des Weißen Manjushri im Rahmen eines Retreats erlangte Jamgon Kongtrul einen ungeheuren Weisheitssegen, der es ihm ermöglichte, sein umfangreiches Werk der fünf großen Schätze zusammenzustellen. Mipham Rinpoche wurde als eine Emanation von Manjushri angesehen und verfügte auch über eine große Kraft der besonderen Einsicht. Sakya Pandita und auch Tsongkhapa sind Emanationen von Manjushri. Der Rote Manjushri Vadisimha ist eine Form aus den Schatztexten von Dudjom Lingpa, ebenso wie der Schwarze Manjushri.
Im Kathmandu-Tal in Nepal wird Manjushri verehrt, da er nach der Legende im Swayambhu Purana mit seinem Weisheitsschwert eine Kluft in die Berge schlug, sodass das dort aufgestaute Wasser abfließen konnte und an dem Platz, wo er zuvor einen Lotus im See erblickt hatte, der Swayambhunath Stupa gebaut wurde.

Mantra-Kraft

ManjushriArapatsanaDoch die Praxis des Manjushri war bereits in der Frühzeit des Buddhismus, besonders in der nördlichen Überlieferungstradition, weit verbreitet. Bereits in der Ghandari-Sprache in der Kashmir-Region, wo die Sanskrit-Sutras aufgezeichnet wurden, findet sich die Verwendung eines seiner Mantras. Sein ARAPATSANA-Mantra wird in der Mahayana-Literatur als zentral angesehen.
A ist ein Tor zur Einsicht, dass alle Phänomene seit allem Anfang an nicht erschaffen sind.
RA ist ein Tor zur Einsicht, dass alle Phänomene ohne Befleckung sind.
PA ist ein Tor zur Einsicht, dass alle Phänomene in ihrer letztendlichen Bedeutung erklärt werden.
TSA ist ein Tor zur Einsicht, dass Abnahme oder Wiedergeburt irgendeines Phänomens nicht wahrgenommen werden können, weil alle Phänomene nicht abnehmen oder wiedergeboren werden.
NA ist ein Tor zur Einsicht, dass die Namen aller Dharmas ausgelöscht sind und die essentielle Natur hinter den Namen nicht erlangt werden oder verloren gehen kann.

Wunschgebet an Manjushri

Manjushri ist der Herr der Rede und die Praxis der Wunschgebete an ihn bzw. die Rezitation seines Mantras fördern nicht nur die höchste Einsicht, sondern vermehren auch die Qualität der Rede und Klugheit. Hier ein Wunschgebet, verfasst von Dudjom Lingpa.[1]

SWASTI – Antlitz der Versammlung der Siegreichen und ihrer spirituellen Kinder ohne Ausnahme, geschickt im zweifachen Wissen einer Vielfalt großer Schätze,
Beschützer Manjushri, Euch rufe ich an! Ermüdet vom Eingeschlossen sein in der Eierschale von Nichtgewahrsein und gewohnheitsmäßiger Tendenzen
wandle ich entlang auf der Straße von Greifen und Ergriffenem, edles Wesen! Allwissender vom Zustand der großen Weisheit gesegnet,
Dharmakaya der unwandelbaren Leerheit-Weisheit, Sambhogakaya der ungehinderten klar-lichten Weisheit,
Nirmanakaya der alles durchdringenden, grenzenlosen Weisheit, beständig in der essentiellen Natur der Weisheit der Soheit verweilend,
großes Wesen der vier Kayas, Beschützer Manjushri, zu Euch bete ich, bitte blickt mit Eurer allwissenden Barmherzigkeit und Kraft auf mich!
Die Phänomene erscheinen in Samsara als unabhängig und fest. Andere Objekte und ich werden als von meinem Geistesstrom getrennt missverstanden.
Durch die Winde in das Rad der Wandelwelt geworfen, zum Daka, der von diesen trügerischen Erscheinungen frei ist, bete ich.
Wenn wieder einmal Unwissenheit Platz ergreift, erweckt mich bitte mit Eurem Mitgefühl aus diesem dichten Schlaf, Lama, erweckt mich!
Vor diesem Leiden, oh Beschützer, beschützt mich bitte! Möge ich die große, spontane Präsenz der drei Kayas in ihrer Tiefe realisieren und
möge ich unzerstörbares Vertrauen in die Reinheit und Gleichheit der drei Tore und die 13. Stufe des Vajra-Halters erlangt werden.

ཨོཾ་ཨ་ར་པ་ཙ་ན་དྷཱི༔

OM A RA PA TSA NA DHI //

Jampal Nagpo Gotrab – Schwarzer Manjushri

JampalNagpoIm Schatzzyklus von Dudjom Lingpa wird über den Segen des Schwarzen Manjushri folgendes gesagt: „Im letzten 500-jährigen Zeitabschnitt, wenn Krankheiten, Plagen und Epidemien Macht über das Leben gewinnen und das Leben der fühlenden Wesen von unzähligen Gefahren bedroht ist, dann wird die Meditation und Rezitation den Sieg über die Krankheiten unterstützen. […] Durch die Rezitation des Mantra des Schwarzen Manjushri wird sogar das Unglück der Götter und Dämonen abgewehrt, man wird keinen Schaden erleiden und auch fortdauernde Epidemien und Plagen werden erstickt. […] Mit dem festen Meteoriteisen-Vajra kämpfend, wurde dies von Padmasambhava am Wutaishan in China aus dem Geist von Manjushri entnommen. Um im Lande der Rakshas in Lankapuri die blutrünstigen Raksha-Dämonen mit Pracht zu unterwerfen, erschien er in Form des Raksha Thöthreng. Die quintessenzielle Lebenskraftessenz erlangt man, wenn man über dem eigenen Scheitel Padmasambhava visualisiert.“
Weiters gibt es noch die Praxis der Vajra-Rüstung des ManjushriDorje Gotrab Jampal Nagpo – in diesem Zyklus. „So werden durch diese Praxis die 404 Wurzeln der Krankheiten zerschmettert. […] Für alle Krankheiten ist dies ein einziges Heilmittel. Die Dualität von zyklischer Existenz und ihrer Transzendenz wird zu einer einzigen Lebensessenz. Geheime Mantras, Vidyadhara-Mantras und Dharanis sind zu einer einzigen Essenz verbunden, wenn man diese Quintessenz ausübt. Ferner als am Leichenplatz Silwatsal – dem kühlen Hain – der Phadampa Sangye gewaltig großen Nutzen für die fühlenden Wesen anstrebte und im Samadhi des tiefgründigen Mantra versunken war, sprach die Lokadakini: „Dies ist Euer Lebensessenz-Mantra. Wenn Ihr es an die Spitze der Meditation stellt, werdet Ihr dann den Verstand mit dem erleuchteten Geist völlig zu eins vermischen.“
Und weiters: „Dieses Mantra wird als ein Mittel gegen die 404 Wurzeln aller Krankheiten rezitiert. Man rezitiert es in einem einzigen Zustand des Schweigens als Gewahrseins-Mantra. Am Ende der Rezitation opfert man den Ortsgottheiten und den Acht Klassen der Götter und Dämonen den Körper als Gabe der Großzügigkeit. Der Nutzen für andere und die Anstrengung beseitigt alle Krankheiten der fühlenden Wesen. Dieses Mantra ist gleich dem Feuer am Ende eines Zeitalters. Alle Krankheiten werden an der Wurzel wie eine Ameise von einem Spiegel verbrannt. […]“
Dudjom Lingpa sagt über sein Terma: „Der Schatulle des erleuchteten Geistes anvertraut, wurde mir das vom Seegeborenen Vajra (Padmasambhava) enthüllt und hat sich in einem wiederholten Vorgang der lichten Klarheit manifestiert. Diese reine Essenz des Herzblutes, diese Essenz der drei Arten von Mantras, auf schwarzem Papier mit kostbarer goldenen Lettern in einer einzigen Reihe aufgeschrieben, ist auf diese Weise (ein Gegenmittel) gegen das extrem schwarze, tödliche Gift und schwarze Schlangen. […] Krankheiten, bösartigen Einflüsse und Hindernisse werden an ihrem Ort unterworfen. Lebensspanne und Lebensenergie werden unerschütterlich wie ein Felsen. Die von Krankheiten, Plagen und üblen Geister des Endes der Zeiten vor sich her geschobenen männlichen und weiblichen Praktizierenden werden unerschrocken und heldenhaft sein. […]“
Er führt dann noch weitere Einzelheiten der Visualisation und Rezitation an und verweist darauf, dass dies ein besonderer Text ist, der speziell versiegelt ist und eine besondere Übertragung benötigt.

Während des diesjährigen Ngakpa-Retreats gibt es eine Einweihung des Roten Manjushri und ggf. auch eine Leseübertragung des Schwarzen Manjushri. >Details zum Retreat


[1] (von Dudjom Lingpa; aus dem Band 14, Seite 443)

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Juli 2016

Dzogchen Lamrim Prayer

Dudjom-RinpocheAn aspiration prayer for the Great Perfection’s gradual path

From the collected works of H.H. Dudjom Rinpoche Dudjom, Jigdral Yeshe Dorje.
© Translation: Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015)

Emaho – All Buddha compassion unified in one,
you are for me – one full of iniquities – my only refuge, oh Rinpoche!
Through your kindness please release me from Samsara, precious teacher,
with devotion I pray from the depth of my heart.
Hold me with constant compassion, please grant me your blessings.
Please grant your blessings so I may use these freedoms and equipment.
Please grant your blessings so I may remember impermanence and death.
Please grant your blessings so I may have insight into the misery of this mundane existence.
Please grant your blessings so I am able to perform wholesome and abandon wrongdoing.
Please grant your blessings so I may understand the Three Jewels of refuge (and protection).
Please grant your blessings so I may practice the enlightened attitude of altruism (and kindness).
Please grant your blessings so the two obscurations and habitual tendencies are eliminated.
Please grant your blessings so I may accomplish the twofold accumulation of merit.
Please grant your blessings so I may have the power to gain the realizations.
Please grant your blessings so I may have the ability to protect and respect the Samaya.
Please grant your blessings so I may accomplish the Dharma beyond deception firm and stable.
Please grant your blessings so I may transform hardship and adversity in favorable circumstances.
Please grant your blessings so I may dwell without distraction in firm diligence and striving.
Please grant your blessings so I may give up clinging to an ego in my mind.
Please grant your blessings so I may subdue the darkness of ignorance.
Please grant your blessings so I may realize the vision of primordial purity.
Please grant your blessings so I may realize the direct realization of reality itself.
Please grant your blessings so I may realize the increasing experience.
Please grant your blessings so I may realize the awareness reaching full maturity.
Please grant your blessings so I may reach the dissolution of experience into the nature of reality.
Please grant your blessings so I may be freed in the youthful vase body.
Please grant your blessings so I may finish the rainbow body in this very life.
Please grant your blessings so the cyclic existence is completely reversed.

This was written by Dudjom Jigdral Yeshe Dorje because of the learned and meritorious heart son Tshering Wangchen’s insistent request to complete this profound path. Good luck!

If you like to practice this prayer, you can download the Tibetan original text and transliteration for free (DzogchenLamrim_engl).

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