Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Juli 2016

Guru Rinpoche und Guru-Yoga

GuruRinpoche_25DiscipleDen Überlieferungen nach erscheint Guru Rinpoche allen fühlenden Wesen, die Opfergaben darbringen und ihn voller Hingabe anrufen. Dies ist besonders am 10. Tag des Mondkalenders der Fall, weshalb auch an diesem Tag die Guru-Puja gefeiert wird.

Sicht und Verständnis

Der absolute Guru ist die uranfängliche, unwandelbare eingeborene Natur, die unsere Buddha-Natur ist, frei von jeglicher Künstlichkeit. Der Guru wird als die Verkörperung aller Aspekte des erleuchteten Gewahrseins angesehen. Wenn man dies nun auf die Drei Juwelen, der Basis-Zuflucht aller Buddhisten, bezieht, ist der Körper des Guru Sangha, die Rede des Guru ist Dharma und der Geist des Gurus ist Buddha. Der Guru ist ebenso Deva, Dakini und Dharmapala. Der Guru ist Dharmakaya, Sambhogakaya und Nirmanakaya. Der Guru ist daher die Quelle allen Segens.
Wer den Guru als gewöhnliche Person sieht, wird diesen umfassenden Segen nie empfangen. Glaube und Hingabe bieten den einzigen Zugang zum zeitlosen, immer gegenwärtigen Guru Rinpoche und dieser Glaube und diese Hingabe müssen mit einer Beziehung zu einem menschlichen spirituellen Meister und einer Linie beginnen. Für einige Menschen ist das eine unmögliche Herausforderung, die aber kein Problem für jene darstellen sollte, die sich vorstellen, dass den tantrischen Pfad des Buddhadharma praktizieren möchten. Menschen, die sich selbst nicht dazu antreiben, in ein Flugzeug zu steigen, können nicht fliegen. Daher können Menschen, die eine Verbindung nicht akzeptieren, die auf Glaube und Hingabe beruht, können nicht Tantra praktizieren.

Egoismus und Hingabe

Wenn der Dharma dazu dient, Erleuchtung zu erlangen, die Natur des Geistes zu realisieren, dann geht dies nur, wenn man sich vom Grundübel der Unwissenheit, des Nichtgewahrseins befreit. Und die Wurzel für Nichtgewahrsein und Unwissenheit ist die Vorstellung von Identität und der Glaube an eine eigenständige, unwandelbare, fixe Identität. Egal welchen Pfad man einschlägt, ob er kurz und querbeet ein geht oder ob er lange und strukturiert ist, am Ende des Tages steht die Erschöpfung des Greifens nach und Klammerns an einem Ich zur Debatte.
Im Vajrayana ist daher das Guru-Yoga in all seinen Schattierungen von so essentieller Bedeutung. Einerseits ist der Guru ein menschliches Wesen, das einem immer wieder die eigenen Vorurteile und Fehler spiegelt, andererseits ist der Guru nicht verschieden von der eigenen Natur des Geistes. Sich in diese Weite des Erlebnismoments frei von Konstrukten, bar jeden Ersinnens zu entspannen, ist eine Herausforderung, an die man sich oft nur schrittweise gewöhnt. Allzu oft sind die Reflexe einer dualistischen Sicht, einer trennenden Auffassung vorhanden. Nur allzu rasch wird Guru verdinglicht, besonders da er/sie als menschliches Wesen erscheint, aber das Verständnis der Schüler jenseits davon gelangen soll. So mancher Praktizierender meint, es genüge einfach ein Buch zu lesen, wie man das Ego beseitigt. Aber Bücher sprechen nicht mit einem und die Interpretationen daraus sind immer von den Grenzen des eigenen Geistes bestimmt. Der Guru als menschliches Wesen hingegen wühlt das Ego in seiner Tiefe auf. Ob das nun zornvoll oder sanft geschieht, ist unerheblich. Wesentlich ist, dass es geschieht, sodass die Instinkte des Konstruierens einer Identität sich allesamt erschöpfen.

Hier eine äußerst kurze Praxis des Guru-Yoga – der Vereinigung des eigenen Geistes mit dem des Gurus.

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Verfasst von: Enrico Kosmus | 9. Juli 2016

Padmasambhava in Zeiten des Umbruchs

stones-942207_1920Neben Buddha Shakyamuni, der als der „erste Buddha“ angesehen wird und vornehmlich die Sutras gelehrt hat, wird Guru Rinpoche als der „zweite Buddha“ bezeichnet, auf den die tantrischen Überlieferungen Tibets zurückgehen. Hier ein paar Gedanken dazu.

Zeit der Umbrüche

Auf einer weltlichen Ebene war die Zeit des Erscheinens des Tantrikers Padmasambhava in Tibet eine Zeit der politischen Veränderungen und religiösen Umbrüche. Da in der Weite des tibetischen Hochlandes verschiedene Fürsten unter einem zentralen König herrschten, versuchte bereits Songtsen Gampo die Macht mehr und mehr zu zentralisieren. Erst einige Zeit später gelang dies unter dem Dharma-König Trisong Detsen.
Damit verbunden war auch eine große religiöse Veränderung, die sich in der Abkehr von den Ritualen der Tieropfer zeigte, welche die lokalen Vertreter des Bön ausübten, die nicht dem Yungdrung-Bön folgten. Ein alter Bön-Text, genannt „Sidpa Chidö“ (tib., srid pa spyi mdos) nennt eine Reihe dieser Vertreter als Dön Bön (tib., gdon bon), Düd Bön (tib., bdud bon), Dur Bön (tib., ‚dur bon), Srid Bön (tib., srid bon) und Tsän Bön (tib., btsan bon). Diese prähistorischen Bönpos führten Blutopfer durch, um Wesenheiten zu befriedigen, die Dön Bön erzeugten negative Energien und dämonische Geister (tib., gdon) an, die Düd Bön befriedeten Dämonen (tib., bdud), die Dur Bön betrieben Toten- und Geisterbeschwörungen und die Tsän Bön beschäftigten sich mit einer bestimmten Geisterklasse – den Tsän (tib., btsan).
Erst der Tantriker Padmasambhava war in der Lage, diese verschiedenen Gruppierungen, die einen Geisterglauben vertraten, mit seinen tantrischen Praktiken zu bezwingen. Wahrscheinlich wurde dies auch von der einheimischen Bevölkerung leichter akzeptiert, da die tantrische Ritualistik des Buddhadharma in ihrer äußerlichen Erscheinung von jener des Bön nicht besonders verschieden war. Was auch heute noch so manche verwirrt, da sie den wesentlichen Unterschied, der in Sicht, Pfad und Frucht begründet liegt, nicht erkennen.
In den verschiedenen Aufzeichnungen seines Lebens wird immer wieder von den Auseinandersetzungen zwischen Vertretern des Buddhadharma und den Geister beschwörenden Bönpos berichtet. Auch damals wurde schon die Ausländerthematik in den Vordergrund gerückt, indem man dem König vorhielt, die „ausländischen Vertreter aus Indien“ zu protegieren. In Yeshe Tsogyals spiritueller Lebensgeschichte treten die Minister Takra und Lugong vor den König und fragen ihn, wo denn die Königin – Yeshe Tsogyal – geblieben sei.

[…] Die erste unter den königlichen Königinnen
ist Yeshe Tsogyal.
Wahrhaftig gleicht sie Brahmas Tochter.
Was ist geschehen? Wo ist sie?
Hat dieser ausländische Hindu-Bettler sie ermordet?
Und Ihr, oh König,
seid Ihr so unvernünftig und verwirrt?
Was ist geschehen? Seid Ihr euch dem nicht bewusst?

Wenn dem so ist, dann lässt die königliche Macht nach
und wird rasch zu nichts werden.
Daher bringt Tsogyal zurück.
Gebt Ihr Euer Bett zurück
und haltet Gericht über diesen Ausländer!

Dieser radikale Wandel in der religiösen und politischen Ausrichtung in Tibet war für die verschiedenen Landesfürsten natürlich dramatisch. Schließlich strengten sie seine Vertreibung an und Padmasambhava zog sich mit seiner Gefährtin Yeshe Tsogyal aus der zentralen Region Tibets zurück.

Lehre und Segen

Sie reisten durch verschiedenen Regionen und praktizierten in entlegenen Gegenden und Höhlen. Schließlich nach längerer Zeit der Abwesenheit kehrten sie wieder an den Hof von König Trisong Detsen zurück.
Der Ursprung dieses Schatztextes von Tulku Zangpo Dragpa liegt in der Zusammenkunft von Guru Rinpoche mit fünf seiner engsten Schüler im Tempel von Samye. Diese Schüler waren der Dharma-König Trisong Detsen, Namkha’i Nyingpo, Yeshe Tsogyal, Nanam Dorje Düdjom und der Prinz Mutri Tsenpo. Diese brachten ihm Opfergaben dar und erbaten ein Gebet.
Zunächst lehrte Guru Rinpoche ihnen das Gebet an die drei Kayas des Gurus und dann bat jeder der Schüler um ein Gebet. Dem Chögyal Trisong Detsen gab er ein Gebet für die tantrische Linie. Der Dakini Yeshe Tsogyal gab er ein Gebet über den Kupferfarbenen Berg und die Verse zum Herabflehen des Segensstromes. Dem Mönch Namkha’i Nyingpo übertrug er ein Gebet an die unterschiedlichen tantrischen Linien und auch Verse, wie man Wahrnehmung, Hören und Gedanken reinigt. Dem Nanam Dorje Dudjom lehrte er ein Gebet über seine Lebensgeschichte. Der Prinz Mutri Tsenpo bekam ein Gebet, das von den Körper, Rede, Geist, Qualitäten und erleuchteten Aktivitäten handelt. Außerdem lehrte er dem Prinzen weitere segensreiche Gebete.
Guru Rinpoche versprach, jeden Morgen bei Tagesanbruch und jeden 10. Tag des Mondmonats den hingebungsvoll Praktizierenden zu erscheinen, die ihn mit Opfergaben aus Räucherwerk, Licht und Musik einladen. Er lehrte dabei auch Gebete zum Schutz vor Krieg, Krankheit, Hungersnöten, schwierigen Reisen, gefährlichen Tieren, Erdbeben, Yetis, Räubern und autoritärer Polizei, den Ängsten des Todes, während des Zwischenzustandes und vor den Ergebnissen des eigenen Karmas.

„Wenn der bloße Gedanke, anderen zu helfen ausgezeichneter ist, als die Verehrung der Buddhas, ist es unnötig zu erwähnen, wie großartig das Streben nach dem Wohle aller Wesen ohne Ausnahme ist.“

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. Juli 2016

Namthar – spirituelle Biografie und vollständige Befreiung

Der tibetische Begriff Namthar (tib., rnam thar; skt., vimoksha) bedeutet „vollständige Freiheit“ bzw. „vollständige Befreiung“. Im Grunde wird dabei die Geschichte erzählt, wie die vollständige Befreiung erlangt wurde.
Im Falle einer gewöhnlichen Person verweist der Namthar auf die vollständige Freiheit von einem Leben in elenden Zuständen, die durch den reinen Glauben erlangt wird. Im Falle einer überdurchschnittlichen Person verweist dies auf die vollständige Freiheit aus dem Ozean der zyklischen Existenz durch das reine Abstandnehmen von den weltlichen Belangen. Im Falle einer außergewöhnlichen Person verweist es auf die vollständige Befreiung aus den Extremen des zyklischen Daseins (Samsara) und der Erlangung des vollkommenen Friedens (Nirvana) durch die reine höhere Motivation, anderen zu helfen. Kurz gesagt ist ein Namthar die Erzählung einer höchst überragenden Geschichte und zwar die Erlangung vollständiger Freiheit vom Leiden und seinen Ursachen und auch von den nachfolgenden Handlungen, die andere aus ihren Begrenzungen befreien.

aus: Die Autobiographie des Jamgon Kongtrul.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 2. Juli 2016

Buddhistische Frühgeschichte

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Manche glauben, dass es den Buddhismus als einheitliche Tradition mit Sicht, Pfad und Ergebnis gäbe und vergessen, dass sich die Sicht im Dharma anhand von philosophischen Schulen entwickelt hat. Wurde beim 1. Konzil gleich nach dem Dahinscheiden von Buddha Shakyamuni noch um die Sammlung der Überlieferung gerungen, so fanden bald darauf Spaltungen anhand unterschiedlicher Sichtweisen statt. Da alle buddhistischen Schulen sich in ihrer Schriftensammlung auf Buddha Shakyamuni beziehen, muss man deren historische Entwicklung bei der Textsammlung und den Gelübden betrachten.
Gewiss mag es für einige beschwerlich sein, sich durch die einzelnen Fachbegriffe zu arbeiten, doch ist es notwendig, damit auch die Entwicklung des Dharma und der verschiedenen Standpunkte der Schulen verstanden wird. Die Darlegung der Sicht ist im Dharma von essentieller Wichtigkeit, da ohne Sichtweise wenig Sinn für bestimmte Methoden gegeben ist. Ein Schritt zum besseren Verständnis ist eben ein kurzer historischer Überblick.

Vier Nikaya-Schulen

In der Überlieferung des Dharma haben sich im Laufe der Jahrhunderte mehrere Überlieferungslinie gebildet, von denen heute noch zwei bis auf die Ursprünge zurückgehen. Eine Linie davon ist jene der heutigen südlichen Nikaya-Schulen der Theravadin. Diese beziehen sich auf die Überlieferung der Sthaviravadin, welche sich im Laufe der Zeit in drei große Traditionen gegliedert haben: 1) den Pudgalavada; 2) den Vibhajjavada; und 3) den Sarvastivada. Im 4. Jhdt. vor unserer Zeitrechnung hat sich die Sangha in die Sthaviravadins und die Mahasanghikas gespalten, woraus der andere Zweig besteht. Die Lehren der Sthaviravadin waren jene des Hinayana und wie der Name schon suggeriert, hat sich aus der Sicht der Mahasanghika das Mahayana weiterentwickelt. Ebenso wird die Sicht im Vajrayana basierend auf den Ansätzen des Sarvastivada (Hinayana), sowie der zwei Mahayana-Zweige der Yogachara (auch Cittamatra oder „Nur-Geist-Schule“ genannt) und Madhyamaka („Mittlerer Weg“) dargelegt. Die Sicht der Nur-Geist-Schule wird für die Darlegung der vorläufigen, der relativen Wahrheit herangezogen und die Sichtweise der Prasanghika-Madhyamaka wird für die Darlegung der letztendlichen Wahrheit verwendet.

Die Schule der Älteren

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Der Sthavira Nikaya war eine konservative Schule in der Darlegung des Dharma. Ungefähr hundert Jahre nach dem Dahinscheiden des Buddha Shakyamuni spaltete sich die Sangha in Vaishali beim 2. Konzil in die Auffassung der Sthaviravada und der Mahasanghika. Die Spaltung entstand in der unterschiedlichen Auffassung über die Vollkommenheit des Arhat. Die Frage war, ob der Arhat gleich dem Buddha sei oder doch nicht die vollkommene, allwissende Buddhaschaft erlangt hatte. Die Mahasanghikas sahen den Arhat als noch etwas verschleiert an.
Andere wiederum sehen den Grund für die Spaltung in der Unfähigkeit der Sangha, sich über eine Reformation der Vinaya zu einigen. Von der großen Sangha – der Mahasanghika – spaltete sich eine Gruppe von „älteren Mitgliedern“ ab. Die größere Gruppe wollte eine Veränderung der Vinaya durch Hinzunahme von Regeln nicht akzeptieren, was aber eine kleinere Gruppe wollte. Von den Mahasanghikas wurden die Sthaviravadin daher als ein Abfallen von der ursprünglichen Vinaya angesehen. Heutige Gelehrten sehen daher die Mahasanghika als die ältere Vinaya-Tradition an und nicht die Sthaviravada.
Die Vinaya-Tradition der Sthaviravada blieb im Theravada erhalten. Die Theravada-Nikaya von Sri Lanka, Myanmar, Thailand etc. sehen sich als die „Älteren“ an, da das Pali-Wort „Thera“ dem Sanskrit-Begriff „Sthavira“ entspricht. Doch bestehen zwischen der Sicht des heutigen Theravada und der der Sthavira einige wesentliche Unterschiede. Zusätzlich haben sich die Sthavira ca. zwei Jahrhunderte später in weitere Gruppen aufgespalten.
Im 4. Jhdt. unserer Zeitrechnung wurden in der Dipavamsa-Chronik die Lehren des Theravada als einen großen Banyan-Baum bezeichnet, wohingegen die anderen buddhistischen Schulen lediglich Dornen wären. Heutige Vertreter des Theravada betrachten dies jedoch auch entspannter und sehen das heutige Theravada als eine unter mehreren alten Schulen.

Die Personalisten

Die Pudgalavadin vertraten die Sicht, dass es die Person als Realität gäbe. Deshalb werden sie auch als „Schule der Personalisten“ bezeichnet. Das stand natürlich im Widerspruch zur ursprünglichen Lehre des Buddha, der die Lehre vom Nicht-Ich (Anatta) verkündet hatte. Ihr Argument war, dass es zwar kein Ich (Atman) gäbe, aber es gäbe eine „Person“, die weder dasselbe wie die Skandhas sei, noch verschieden davon. Anhand dieser Sichtweise handelten sie Themen von Karma, Wiedergeburt und Nirvana ab. Ihre Sicht wurde vom Theravada (damals noch Vibhajjavada), sowie vom Sarvastivada und auch im Madhyamaka kritisiert. Dennoch behauptete diese Schule ihre Sichtweise ca. 1000 Jahre lang in Südwestindien und wurde schließlich von den brahmanischen Traditionen verdrängt.

Die Analytiker

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Die Vibhajjavadin bilden den Ursprung der heutigen Theravadin. Ihr Name ist Programm, da die Analyse der Phänomene (dharmas) ihr Fokus in der Lehre war. Aus dem Vibhajjavada entstanden wiederum ein paar Schulen, wovon die Dharmaguptaka-Tradition jene ist, die wiederum eine eigene Tradition von Gelübden bis heute herauf hat.
Die Spaltung in der Sangha fand in Pataliputra beim 3. Konzil statt und entstand diesmal, weil eine Gruppe die Sicht, dass alle Phänomene (dharmas) in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren, zurückwies. Ihre Standpunkte findet man im Kathavatthu dargelegt, das eines von sieben Büchern des Abhidhamma-Pitaka der Theravada darstellt. Sie waren in Südindien, Bangladesh, Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha verbreitet. Lediglich in Südindien und Bangladesh sind sie mittlerweile durch die brahmanische Tradition verschwunden, in den anderen Ländern stellen sie in Form der Theravada die Hauptform des Buddhismus. Jedoch sei an dieser Stelle angemerkt, dass das heutige Theravada eine weit größere Sicht umfasst und nicht nur auf das Vibhajjavada begrenzt. Doch hat das Theravada mit dem Pali-Kanon, der Vinaya und dem Abhidhamma eine andere Überlieferungslinie genommen als die nördliche Tradition.

Theoretiker über alles Existierende

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Die Sarvastivadin entwickelten sich in Nordindien und bildeten das Fundament für die späteren Dharma-Traditionen in Indien, China und Tibet. Beim 3. Konzil gab es Meinungsverschiedenheiten über den Abhidharma mit dem Vibhajjavada. Das Sarvastivada ist das Hinayana, auf das in den nördlichen Mahayana-Traditionen Bezug genommen wird. Es war in Zentralindien und im heutigen Pakistan verbreitet und wurde im Laufe der Zeit durch die gesellschaftlichen Veränderungen aufgrund der muslimischen Invasionen verdrängt und ausgelöscht.
Das Sarvastivada hatte eine eigene Sanskrit-Version von Buddhas Lehrreden – den Sanskrit-Kanon. Teile davon sind heute noch im Gandhara-Kanon erhalten und stellen die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen des Buddhismus dar. Ebenso verfügte das Sarvastivada über eine eigene Überlieferung des Abhidharma, die allerdings von der des Pali-Kanons stark abwich. Die Sarvastivadin vertraten eine Sicht des pluralistischen Realismus, d.h. sie sprachen den Daseinsfaktoren eine dauerhafte Eigenexistenz zu. Diese ewig bestehenden Faktoren wechseln lediglich vom Zustand der Latenz in die Manifestation und bilden dann den Erfahrungshorizont und die Dinge der Welt. Sobald deren Bindungen enden, fallen sie auseinander, aber verlöschen nicht vollständig, bis sie wieder aktiviert werden. Der finale Zustand der Erlösung bedeutet aus Sicht des Sarvastivada somit ein endgültiges Nicht-Aktivieren dieser Daseinsfaktoren und man gelangt in einen Zustand dauerhafter Ruhe. Deshalb wird diese Sicht von späteren Schulen dann verworfen, da sie kein vollständiges Verlöschen bedeutet.
Aus dem Sarvastivada entstand im Laufe der Zeit die Sicht der Sautrantika, die sich in Indien und auch in China, Japan und Korea verbreitete. Die Schule der Vaibhasika entstand dann einige Jahrhunderte später. Beide Schulen stellen die Sichtweise des Hinayana dar.
Daneben bildete sich noch die Tradition des Mulasarvastivada, welche die heutige tibetische Gelübdetradition darstellt. In dieser Linie wurde allerdings die Nonnenordination nie nach Tibet übertragen, sodass heutige Nonnen der tibetischen Tradition nach Taiwan ausweichen müssen, um die vollständige Ordination zu empfangen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. Juni 2016

Pratimoksha – das Versprechen zur Selbstbefreiung

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Das Gelübde des Pratimoksha (individuelle Befreiung) betont hauptsächlich die Schulung des eigenen körperlichen Verhaltens und andere nicht zu quälen. Die Pratimoksha-Disziplin wird auch als die Grundlage des Buddhismus bezeichnet, weil für gewöhnliche Leute die körperliche Schulung der Beginn des spirituellen Trainings ist und die Basis für den spirituellen Fortschritt ist. Das Bestreben der reinen Pratimoksha-Disziplin ist das Erlangen der Befreiung von einem selbst, da es zum Training der Shravakas gehört. Da jedoch der Vajrayana-Buddhismus automatisch dem Mahayana folgt, wird das Nehmen der Pratimoksha-Gelübde mit der Geisteshaltung des Bodhicitta betont. Die Gelübde werden genommen und gehalten, damit alle Wesen Glück erfahren und Erleuchtung erlangen.
Im Pratimoksha gibt es acht Kategorien von Verhaltensmaßregeln. Die Upavasika halten acht Gelübde für vierundzwanzig Stunden. Der Upasaka (nicht-monastischer Haushälter) und die Upasika (nicht-monastische Haushälterin) halten fünf Gebote. Diese drei sind die Regeln für die nicht-monastischen Haushälter. Die Shramanera (Novize) und Shramanerika (Novizin) halten zehn, dreizehn oder sechsundreißig Gelübde. Die Shiksamana (Novizin in Schulung) hält zwölf Gelübde zusätzlich zu den Versprechen einer Shramanerika. Der Bhikshu (voll ordinierter Mönch) hält 253 Gelübde und die Bhikshuni (voll ordinierte Nonne) hält 364 Gelübde. Diese fünf sind die Verhaltensrichtlinien für jene, die zölibatär leben und dem Lebensstil eines nicht-monastischen Haushälters entsagt haben. In der klösterlichen Praxis Tibets werden die letzten sieben Pratimoksha-Kategorien für die Dauer des eigenen Lebens genommen. Einige zählen das Upasika-Gelübde nicht zur Pratimoksha-Kategorie, weil es eine vorübergehende Vorschrift ist.
Im Wesentlichen dient das Training im Einhalten des Pratimoksha-Gelübdes, jegliche negative Handlung zu vermeiden, die die Quelle der geistigen Störungen und für das Leiden von einem und anderen ist. Auf diese Weise wird die Kette der negativen Ursachen und Gewohnheiten durchbrochen und eine spirituelle Grundlage errichtet, welche die Quelle für Friede, Freude und Vorteil von einem und allen anderen fühlenden Wesen, die unsere Eltern gewesen sind, ist. Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass wir, solange wir unser eigenes Leben nicht nach und nach verbessert haben, wir nicht entsprechend ausgerüstet sind, ein vollkommenes Werkzeug zu sein, um anderen wahre Freude zu bringen.
Solange der eigene Geist schwach ist und sich von den Quellen der Emotionen angezogen fühlt, wird er ganz leicht von Ärger, Verlangen und Verwirrung beeinflusst oder überwältigt. Daher ist es äußerst wichtig, sich von den Quellen der Emotionen durch das Einhalten der Pratimoksha-Gelübde zurückzuhalten. Beispielsweise wenn wir schwach sind, ist es klüger, sich nicht mit mächtigen Feinden anzulegen, sondern sie zu vermeiden. Die Pratimoksha-Gelübde sind ein Weg, uns selbst vor der Begegnung mit den geistigen Störungen oder ihren Quellen zu beschützen. Diese Gelübde sind leicht einzuhalten, weil sie als körperliche Disziplinen offensichtlich sind, wie das Abstandnehmen von Töten und Stehlen. Wenn der eigene Geist stark genug ist, auf sich selbst zu verlassen, dann kann man mit weniger Einfluss von körperlichen Aktivitäten oder äußeren Einwirkungen sich mehr der Disziplin der Bodhisattvas zuwenden.

Übersetzt aus dem Vorwort des Tulku Thondup zu „Perfect Conduct“, einem Kommentar von Dudjom Rinpoche zum Wurzeltext des Ngari Panchen über das Halten der drei Gelübde. Zum Nutzen der Praktizierenden vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) in die deutsche Sprache übertragen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. Juni 2016

AmitayusDer Buddha Amitayus gehört zur Lotusfamilie und ist seiner Essenz nach ident mit Buddha Amitabha. Gemäß der Mahayana-Tradition wird ein Buddha in drei Erlebnisdimensionen bzw. drei erleuchteten Körpern beschrieben: 1) Nirmanakaya; 2) Sambhogakaya; und 3) Dharmakaya. Amitayus ist der Sambhogakaya-Aspekt von Amitabha. Darüber hinaus gibt es noch eine ikonographische Unterscheidung. Buddha Amitabha ist Buddha-Erscheinung und Amitayus ist die Bodhisattva-Erscheinung.

Buddha und Bodhisattva

Auch wenn Amitabha und Amitayus in den Mahayana-Schriften einen großen Stellenwert haben, so kommen beide auch im Vajrayana als Meditationsgottheiten vor. Amitabha (tib.; ‚od dpag med; Grenzenloses Licht; oder auch snang ba mtha‘ yas) als Herrscher der Lotusfamilie und mit seinem reinen Land der Großen Glückseligkeit (Mahasukhavati) ist eine der zentralen Figuren für die Praxis der Bewusstseinsübertragung (tib.; pho ba) in sein reines Land. Auf diese Weise wird vertrauensvoll auf Buddha Amitabha praktiziert und man hofft auf eine Wiedergeburt dort, um über diese Zwischenstation dann die endgültige Befreiung zu erlangen. Amitabha ist einer der Buddhas der fünf Familien und wird mit dem Westen und dem Erlebnishaufen (skt.; skandha; Aggregat) der Unterscheidung und dem tiefen Gewahrsein der Einzelheit assoziiert, sowie mit der Verwandlung des Geistesgiftes des Verlangens. Amitabha wird im Vajrasana sitzend dargestellt, hat einen roten Körper und hält eine Almosenschale in seinen Händen, die in meditativem Gleichmut in seinem Schoß ruhen. Er trägt die Dharma-Roben und ist sonst weitestgehend schmucklos. Er verkörpert die grenzenlos lichthafte Natur unseres Geistes. Seine Gefährtin ist Pandaravasini.
Amitayus (tib.; tshe dpag med; Grenzenloses Leben) wird gewöhnlich auch im Rahmen der Praxis der Bewusstseinsübertragung meditiert und zwar am Ende jeder Praxis, wo es um das Zurückholen von verlorener Lebenskraft geht. Man sagt, dass eine Phowa-Praxis ohne Amitayus am Ende das Leben verkürzt. Amitayus ist eine der drei „Großen Langlebensgottheiten“ (tib.; tshe lha rnam gsum), die im Vajrayana meditiert werden. Die anderen beiden sind die Weiße Tara (tib., sgrol dkar) und Ushinishavijaya (tib.; gtsug tor rnam rgyal ma). Amitayus wird gewöhnlich sitzend dargestellt und hält seine Hände in der Geste des meditativen Gleichmuts und darin hält er eine Langlebensvase, die mit dem Nektar der Langlebigkeit gefüllt ist. Er trägt den Sambhogakaya-Schmuck, d.h. er trägt eine Krone, ist in verschiedene Gewänder aus Seidenbrokat gehüllt und mit Halsketten, Ohrringen, sowie Arm- und Fußreifen geschmückt. Seine Gefährtin ist Tsendali (tib.; tsan da li).

Langes Leben

LangLebensVaseDie Praxis der Langlebenseinweihungen ist in Tibet sehr beliebt. Verständlich, wenn man Gesundheitsversorgung und sonstige Gefahren für Leib und Leben berücksichtigt. Weltlich orientierte Menschen sehen Gesundheit und langes Leben natürlich als wünschenswert an. Aber was nützt es, wenn das Leben von Armut und Elend geprägt ist? Daher wird in Tibet auch gerne eine Reichtumsermächtigung genommen.
Auf spiritueller Ebene sind beide – langes Leben und Reichtum – ebenfalls von großer Wichtigkeit, doch werden sie anders gewichtet. Während weltlich ausgerichtete Menschen den Nutzen solcher Übertragungen auf sich beziehen, haben spirituell orientierte eine andere, eine überweltliche Perspektive. Zumindest kann man mit einem transzendenten Standpunkt langes Leben als hilfreich ansehen, da es einem eine lange Zeit verspricht, in der man die kostbare menschliche Geburt für die Praxis und Verwirklichung der befreienden Information – des Dharma – verwenden kann. Und weiters kein ein langes Leben dazu genutzt werden, Befreiung nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu erlangen.
In den Lebensgeschichten tibetischer Meister finden sich immer wieder Schilderungen von deren krankheitsbedingten Umständen und wie sie Heilung darin erfahren. So wurde häufig der betreffenden Person die Ermächtigung in Amitayus gegeben, nicht nur, damit diese Person diese Praxis ausübt, sondern um sie immer wieder und wieder mit dieser Qualität des Grenzenlosen Lebens in Verbindung zu bringen. Wie jede andere Einweihung reinigt auch diese Ermächtigung. Sie reinigt von den Hindernissen und Blockaden und bringt verlorene Vitalität, verlorenen Lebensatem und verlorene Lebenskraft zurück. Bereits das Empfangen so einer Einweihung führt diese verlorene Lebensenergie wieder zurück. Daher wird es auch in der indisch-tibetischen Dharma-Tradition als wichtig erachtet, immer wieder diese Einweihung zu nehmen und diese Praxis entweder täglich oder doch zumindest einmal pro Jahr dann etwas länger auszuführen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 19. Juni 2016

Wiedergeburt ohne Seele

beyond-602060_1280Buddhismus und die Vorstellung einer Wiedergeburt sind eng miteinander verknüpft. Für manche erscheint die Idee einer Wiedergeburt eine Heilsperspektive zu sein, da sie glauben, in einem zukünftigen Leben alle bisherigen Versäumnisse nachholen zu können, zukünftig die bisherigen Fehler vermeiden zu können und sich in Zukunft mit geliebten Personen wieder treffen zu können. Leider funktioniert das nicht so, wie sich das einfache Gemüter vorstellen.
Auch versuchen manche, dem Dharma gegensätzlich eingestellte Personen, Buddhisten mit der Frage nach dem Bevölkerungswachstum zu fangen. Schließlich nimmt doch die Bevölkerung ständig zu. Wo kommen also alle diese zusätzlichen Menschen her?
Der Buddha lehrte jedoch nichts dergleichen. Er lehrte, dass allen Wesen keine individuelle Seele innewohnt. Diese Lehre wird als Lehre von Anatman (Fehlen einer inhärenten Entität) genannt und stellt einen der Hauptunterschiede zu anderen Religionen dar. Dieses Fehlen einer innewohnenden Seinseinheit und das dennoch Erscheinen wurde im alten Indien in langen Debatten abgehandelt und gipfelte in der siebenfachen Begründung von Chandrakirti in einem Kommentar zum Mittleren Weg (Madhyamaka). Verschiedene Hindu-Traditionen, aber auch die Jains verwendeten den Begriff Atman, um eine individuelle Seele zu bezeichnen, da sie dachten, dass dieses Atman als Essenz des Brahman allen Wesen innewohne. In diesen Traditionen wird Wiedergeburt als Übergang des Atman von einer toten Person in einen neuen Körper angesehen.
Der Buddha hat dennoch gesagt, dass es keine solche individuelle Wesenheit gäbe, die von einem Haus in ein neues umziehen würde. Auf diese Weise hat der Buddha die Sichtweise eines Ewigkeitsglaubens (Eternalismus) abgelehnt. Außerdem hat er auch die Sicht eines Nichtigkeitsglaubens (Nihilismus) zurückgewiesen, da ja offensichtlich etwas erscheint, erfährt, sich wandelt und ein beständiger Strom des Erlebens gegeben ist.

Buddhismus und Wiedergeburt

animal-21649_1920Wenn man die buddhistische Lehre des Wieder-in-Erscheinung-Tretens verstehen will, dann muss man dabei die buddhistische Sicht auf ein Selbst betrachten. Der Buddha lehrte, dass unsere gewöhnliche Wahrnehmung von einzelnen, für sich abgetrennten Individuen eine Täuschung ist und dies die Ursache für unsere Probleme darstellt. Vielmehr treten alle Phänomene, einschließlich der Wesen, wechselseitig bedingt in Erscheinung. Aufgrund der individuellen Ursachen und Bedingungen erleben die Wesen dann ihre Geburt in einer Welt.
Etwas einfach betrachtet glauben machen, dass jedes Wesen wie eine Welle oder ein Tropfen in einem riesigen Ozean sei. Doch auch das stimmt nicht. Denn a) liegt dieser Überlegung auch ein substanzieller Ansatz zugrunde; und b) würden alle Wesen dadurch vermischt sein, was zu einer Erleuchtung schon vor ca. 2.500 Jahren geführt hätte, was aber offensichtlich nicht geschah. Anders als in der westlichen Philosophie fragt man sich im Dharma nicht nach einer Tatsächlichkeit der Welt, sondern erkennt, dass das eigene Erleben das einzige ist, was man tatsächlich erlebt und wie man mittels Wahrnehmung sich und Welt gestaltet.
Das Beispiel von Ozean und Welle wird jedoch immer wieder dazu verwendet, um das Auftauchen der diskursiven Gedanken aus der Natur des Geistes zu veranschaulichen. Jedoch haben alle Wesen die gleiche Natur des Geistes, doch ist bei jedem Wesen dieses Auftauchen klar-deutlich verschieden.
Hier kommen wir zu zwei Aspekten der Lehre Buddhas, und zwar a) zum Aspekt des Leerseins von Eigennatur und b) zum Aspekt des klar-deutlichen Erscheinens, dem Klarheitsaspekt, der sich wiederum in zwei weitere, nämlich der Lichthaftigkeit und der ungehinderten Manifestation, gliedert.
medusa-1253383_1920Im gewöhnlichen, verschleierten Geisteszustand erleben sich also die fühlenden Wesen als von einander getrennte Individuen in ganz bestimmten Erlebniswelten. Diese Erlebniswelten werden im Dharma in die sechs Daseinsbereiche der Götter, Gegengötter, Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenwesen gegliedert. Manchmal wird noch eine siebte Erlebniswelt – der Zustand zwischen Tod und Ergreifen einer neuen Geburt – dazu genommen. Diese Welten erscheinen in ihrem Zustand für die darin befindlichen Wesen absolut zu sein, da sie deren Geisteszustände bestimmte Bedingungen erschaffen und wahrnehmen. Wasser wird von den Göttern als Nektar der Langlebigkeit gesehen, von den Gegengötter als das Streitobjekt mit den Göttern, von den Menschen als Wasser, von Tieren als Lebensraum (oder auch Trinkwasser), von Hungergeistern als ein Fluss einer ekelerregenden Flüssigkeit (z.B. Eiter, Blut, Urin) und von den Höllenwesen je nach Höllenbereich als Feuerwasser, das einem unsägliche körperliche Schmerzen bereitet.
Buddhistische Schulen lehren eine Form des Übergangs. Bei manchen wie im Pali-Kanon der Theravadins folgt auf den Tod unmittelbar die nächste Geburt, bei anderen wiederum wird ein Zwischenzustand postuliert. Wie nun auch immer, es wird ein subtiler Geistesstrom aufgezeigt, der auch „lichthafter Geist“ oder die „lichthafte Natur des Geistes“ genannt wird und der nicht Gegenstand von Geburt und Tod ist. Natürlich ist das nicht dasselbe wie unser gewöhnliches, alltägliches Bewusstsein von uns selbst, das sich anhand von Kontakt, Name und Form etc. konstituiert, sondern es wird in tiefen Versenkungszuständen erfahren. Schließlich ist ja nicht unser alltägliches Bewusstsein, das sich von einem Körper zum nächsten bewegt. Es ist diese lichthafte Natur des Geistes, die im verschleierten Zustand als „fühlendes Wesen“ einen Daseinsbereich erschafft und darin erscheint, während im befreiten Zustand diese Lichthaftigkeit sich ungehindert als erwachte Körper in unzähligen Formen manifestiert.

Weltliche Furcht und spirituelle Führung

VajrasattvaWas lässt nun erscheinen? Wesen, die im gewöhnlichen, verdunkelten Geisteszustand gefangen sind, werden von ihren karmischen Winden, also den instinktiven Impulsen in ihrem Geistesstrom getrieben und ergreifen aufgrund von Furcht und Verlangen eine neue Geburt. Wesen, die aufgrund von spirituellen Einsichten und durch heilige Versprechen und Gelübden geführt werden, erscheinen zum Wohle anderer.
Mit durchdringender Einsicht ausgestattet, erscheint diesen Wesen der Tod dann nicht als die Vernichtung und ist kein angsterfüllter Moment, sondern sie sind transferieren ihr gewöhnliches Bewusstsein in die Weite des Raumes, die nicht verschieden ist von der Natur des Geistes, sehen die im Bardo auftauchenden Gestalten als die lichthaften Erscheinungen dieser Natur des Geistes und ergreifen keine Geburt mehr. Durch die Bodhisattva-Gelübde sind sie jedoch in der Lage, zum Wohle der Wesen, die diesen Zustand noch nicht realisiert haben, zu erscheinen und unvorstellbare Taten auszuführen.
Noch ein Schlusswort: Wiedergeburt – also eigentlich ein Wieder-in-Erscheinung-Treten – beschränkt sich nicht auf das Verständnis von einem Ende des Lebens in diesem Körper und einem Wiedererscheinen. Es umfasst eigentlich jedes Wieder-in-Erscheinung-Treten. Auch jetzt und jetzt und jetzt und… Es ist die Kunst des Gestaltens von Übergängen, damit man nicht den instinktiven Neigungen ausgeliefert sich in immer wieder denselben misslichen Lebenslagen wiederfindet und handelt von der Natur des Geistes und seinem ungehinderten, klar-deutlichen Erscheinen.

Mehr dazu beim Retreat vom 17. – 22. Mai, insbesondere bei der Praxis für das Geleit von Verstorbenen durch den Bardo aus dem Zyklus der 100 Friedvollen und Zornvollen. >mehr lesen

Verfasst von: Enrico Kosmus | 16. Juni 2016

Buddhistische Trauerarbeit

DrubwangRinpoche-RelicBegleitung von Toten

Am Ende der 49 Tage und/oder einer Neydren-Zeremonie nachfolgend, werden die Tsatsas hergestellt und geweiht. Tsatsas sind kleine Tonstatuen in Form von Stupas oder Buddhas. Traditionell werden sie gemacht, um die Asche des Verstorbenen aufzubewahren. Familie und Freunde können dabei helfen, sie herzustellen oder man einem geeigneten Praktizierenden Opfergaben darbringen und darum bitten, sie herzustellen. Wenn fertig, dann werden sie an verschiedenen Orten aufgestellt, wobei es buddhistische Bauten gibt, die speziell dafür gemacht sind, Tsatsas aufzunehmen – Tsarkhang in Tibetisch genannt – oder an heiligen Plätzen in der Nähe von Stupas. Orte in der freien Natur, wo sie sich in die Elemente auflösen, sind auch angemessen. Wenn sie sich auflösen, wird der Segen „zerstäubt“, das dem Verstorbenen, allen Wesen und der Umgebung nützt. Das Anfertigen von Tsatsas symbolisiert, dass die Gottheit aus der Leerheit erscheint und sich mit dem Verstorbenen im Zustand des Nirmanakaya verbindet.

Herstellen von Tsatsas

Nachdem die Tsatsas (tib., sa tstsha; སཱཙྪ) fertiggestellt und geweiht sind, bewahrt die restliche Asche des Verstorbenen nicht am Altar oder im Schrein auf. Genauso wie mit der Asche von Verstorbenen gebt sie entweder drinnen oder draußen an einen würdevollen Platz oder bewahrt sie in Respekt auf.
Zu allererst als Annäherung bei jeder Praxis vergegenwärtigt euch eure Motivation. Bedenkt das gute Geschick des Zusammenkommens mit anderen, ein Ergebnis des Segens und Mitgefühls der Buddhas und die Qualität eures Strebens, um dem Verstorbenen zu nutzen. Haltet das Gewahrsein, als ob der Verstorbene euer Lehrer wäre. Er oder sie handeln als euer Lehrer, indem sie uns die Wahrheit unserer Sterblichkeit, Vergänglichkeit zeigen und uns zur Praxis beeinflussen. Die Teilnahme an einem Neydren-Ritual erzeugt einen sehr machtvollen Segen, der den Verstorbenen nützt, wie auch uns und jedem Wesen im Zustand des Leidens. Man braucht eine weite Geisteshaltung, während man das ausführt und muss beständig den Nutzen für alle Wesen darin sehen, nicht nur für den Verstorbenen. Dies wird die Qualität und Kraft der Praxis vermehren.

Tsatsas und Reliquien

Die benötigte Form um Tsatsas herzustellen, die die Asche von Lamas beinhalten sollen, ist in Gestalt von Buddhas. Für Schüler ist es am besten Formen zu verwenden, die Stupas entsprechen, obwohl es erlaubt ist alles Mögliche zu benutzen, was verfügbar ist. Wenn man festen Töpferton verwendet, dann muss man ihn auf einem Holzbrett so lange kneten, bis etwas steif wird, um die Extraflüssigkeit aufzunehmen. Wenn der Ton zu weich ist, dann wird er in der Form steckenbleiben und die Formen werden zerstört oder er wird sich einfach nicht aus der Form lösen lassen.
Es gibt ausführliche Rituale für das Herstellen von Tsatsas, die verschiedene Visualisationen und Mantras, die während jedes einzelnen Aspekts rezitiert werden. Wenn ihr keine spezielle Praxis habt, die für das Anfertigen von Tsatsas gedacht ist, visualisiert euch selbst als Vajrasattva und rezitiert das 100-Silben-Mantra mit klarer Absicht, während ihr den ganzen Vorgang durchführt. Der Verdienst, der dadurch geschaffen wird, ist unermesslich. Tsatsa-Formen und –bausätze sind online über verschiedene Internet-Shops erhältlich.

Trauerarbeit und Segen

Nachdem man die Erfahrung des Dahinscheidens eines Freundes oder geliebten Menschen als einen spirituellen Vorgang gemacht hat, kann man sich auf eine bisher nie gekannte Weise bereichert und beglückt fühlen. Obwohl wir die Erfahrung von Verlust gemacht haben, haben unsere Anstrengungen nicht nur für den Verstorbenen einen großen Nutzen, sondern verstärken auch unser Verständnis. Außerdem bringt die Verdienstansammlung des Guten für alle Wesen positive Ergebnisse, spirituelles Wachstum und ein größere Würdigung für die kostbare Gelegenheit, die wir mit anderen in diesem Leben teilen.

Aus den Belehrungen des Gyatrul Rinpoche zur Begleitung von Verstorbenen. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Praktizierenden.

Im Rahmen des Ngakpa-Retreats gibt der Lopon Ogyan Tanzin Rinpoche vom 19. – 22. August die Übertragung des Lama Dorje Sempa und die Lehren zur Begleitung von Verstorbenen, inkl. das Herstellen von Tsatsas. >mehr lesen

 

Verfasst von: Enrico Kosmus | 11. Juni 2016

Buddhistische Begleitung von Verstorbenen

Verbrennung_1Geisteshaltung der Begleitenden

Es ist wichtig, den Geist in einem positiven Zustand der Freude und Offenheit zu halten, damit man dem Verstorbenen nützt und vielmehr noch, wenn der Körper am Praxisort gegenwärtig ist, was ein zusätzlicher Nutzen ist, aber nicht unbedingt notwendig. Das Verhalten rund um den Körper hat Auswirkungen. Zum Zeitpunkt des Todes und danach ist die Wahrnehmungsfähigkeit des Bewusstseins des Verstorbenen weit über das gewöhnliche hinaus vergrößert, zumindest neunmal größer als seine normale Fähigkeit. Alle negativen Emotionen im Geist der Teilnehmer können Hindernisse im Geist des Verstorbenen verursachen. Vertreibt sofort alle solche Gedanken. Das Öffnen eures Herzens und das Bewahren von Ruhe sind die vorrangigsten Angelegenheiten. Alle fühlenden Wesen sich zu vergegenwärtigen, um ihnen mit dieser Praxis zu nützen, verschafft eine Gelegenheit von großer Verdienstansammlung.

Das Totengeleit

Verbrennung_2Die Zeremonie des Führens und Befreiens (tib., gnas lung; གནས་ལུང) ist eine Praxis, die von Praktizierenden ausgeführt wird, die Verständnis und Geschick in den Methoden des inneren Mantra haben. Diese Praxis wird immer in Verbindung mit einer Weisheitsgottheit ausgeführt. In diesem Zustand reinen Gewahrseins besteht die Möglichkeit des Führens des Bewusstseins, damit es im Bardo nicht verloren geht. Kontakt wird mit dem entkörperten Bewusstsein hergestellt, indem man die Keimsilben, die mit den sechs Bereichen des Daseins in Verbindung stehen aufschreibt und ebenso durch das Anfertigen von Abbildern und Replikaten der Individuen. Durch die Kraft und den Segen des Gebets, des Mitgefühls, der Methode und Weisheit wird das Bewusstsein angezogen und von den wilden, verwirrten Geisteszuständen und Ängsten herbeigeführt und auf höhere, konstruktivere, positivere und spirituelle Stadien der Wiedergeburt geführt. Es hat auch die Möglichkeit, in den reinen Bereichen des Weisheitsgewahrseins zu erwachen. Diese Zeremonie ist sehr machtvoll und auf vielen Ebenen hilfreich. Allein der Gedanke anderen auf diese Weise zu nützen, ist ein wichtiger Schritt in die Richtung, sie schließlich vom Leiden zu befreien.

Das Bewusstsein erheben

Verbrennng_3Im Vajrayana werden Rituale praktiziert, die auch dem Bewusstsein von jemandem helfen, der bereits verstorben ist. Diese Rituale kennt man auch als „Nedren“, was wörtlich „die Führung des Bewusstseins fort von den negativen Zuständen der Wiedergeburt“. Diese Rituale benötigen als einfache Grundlage ein Abbild, auf das der Name der verstorbenen Person geschrieben steht. Es kann heutzutage auch ein Foto von der verstorbenen Person sein. Dieses Abbild ist die Basis für das Bewusstsein, das dort hineingezogen und durch Rituale der Abbitte gereinigt wird. Danach wird diesem Bewusstsein die Ermächtigung erteilt und nach dem Reinigungsvorgang wird es im Rahmen einer Feuer-Puja verbrannt. So werden die sterblichen Überreste symbolisch verbrannt und das Bewusstsein wird befreit. Durch das glückliche Zusammentreffen dieser förderlichen Umstände und wenn das Ritual ordentlich von jemanden ausgeführt wird, der diese Methoden beherrscht, kann man eben dem Bewusstsein der verstorbenen Person noch einen Nutzen erweisen, selbst wenn diese Person schon länger verstorben ist.
Nach der Verbrennung wird die Asche aus dem Nedren-Ritual für das Herstellen von Tsatsas verwendet. Diese Tsatsas werden dann im Falle von gewöhnlichen Verstorbenen in einen Fluss gelegt oder sonst irgendwo in der Natur an einen schönen Ort gestellt. Im Falle von verwirklichten Praktizierenden kann man so eine Tsatsa als Objekt der Verehrung auf den Altar stellen.

Aus den Belehrungen verschiedener Lamas zur Praxis des Dahinscheidens und der Begleitung von Verstorbenen, ein Leitfaden für Sterbende und Hinterbliebene. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Wesen.

Im Rahmen des Retreats auf Thröma Nagmo vom 23. – 28. Feb. 2017 werden Rituale und Praktiken zum Geleit von Verstorbenen gelehrt. Anschließend erfolgen Erklärungen zur Praxis und der Führung von Toten inkl. einiger Rituale für die Zeit danach. >mehr lesen

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Juni 2016

Vajrasattva und Zwischenzustand

VajrasattvaWährend der drei Tage nach dem Tode, rufen diejenigen, die eine buddhistische Praxis für den Verstorbenen ausüben, Vajrasattva an. Die Eigenschaft der Reinheit von der Gottheit verwandelt störende Emotionen und die Verwirrung, die unser Leiden mit sich bringt. Strengt euch an, das Gewahrsein während diesem Vorgang zu erkennen. Drei Visionen entstehen zu dieser Zeit im Bewusstsein des Verstorbenen, die die Ursachen für die störenden Emotionen loslassen und das negative Karma ausleeren, während das Bewusstsein sich in die ursprüngliche Natur entwirrt, um zu ruhen. Dies geschieht, wenn sich das Gewahrsein vom Körper trennt. Innerhalb von ein oder zwei Tagen nach dem Tod oder in den Stunden zuvor lösen sich die Elemente auf.

Auflösung

Wenn der Atem am ersten Tag aufhört, tritt die „weiße Erscheinung“ auf, bei der man Mondlicht wahrnimmt, die mit dem Ärger korrespondiert. Der weiße Bodhicitta-Tropfen oder Tigle (Bewusstsein) des Vaters fällt vom Scheitel herab, tritt in den Zentralkanal im Herzzentrum ein. Die Ursachen oder das Karma für Ärger entspannen sich und lösen sich in die spiegelgleiche Weisheit auf.
Während des zweiten Tages tritt die „rote Erscheinung“ auf, die mit Begierde oder Anhaftung korrespondiert. Der rote Bodhicitta-Tropfen oder Tigle (Bewusstsein) von der Mutter steigt von unten vom geheimen Chakra (vier Finger breit unterhalb des Nabels), wo es sich sonst aufgehalten hat, ins Herzzentrum auf. Die Ursachen für Begierde lösen sich in die unterscheidende Weisheit auf. Am dritten Tag tritt die „schwarze Erscheinung“ auf, die mit Unwissenheit korrespondiert. Sobald sich die zwei Tigles im Herzzentrum treffen, zerplatzen sie und vereinigen sie sich, verschmelzen mit dem Gewahrsein des Verstorbenen. Dann tritt die „schwarze Erscheinung“ auf. Das Bewusstsein eines Menschen ohne eine Grundlage in der Praxis, dessen Täuschungen aktiv sind, wird an diesem Punkt schwach und sich einige Zeit später in der Erfahrung des Bardo-Zustandes fortsetzen. Ein geschulter Praktizierender, wie nun immer, erwacht und tritt in die ursprünglich reine Gewahrseinsnatur ein. Das Entflechten und Lösen der Verwirrung, die der Sitz des Leidens ist, geschieht. Dies ist eine große Gelegenheit für das Individuum, das gestorben ist. Gewahrsein entspannt sich in seinen ursprünglichen Zustand. Der gesamte Vorgang wird genannt: „Das Kind kommt zur Ruhe im Schoß der Mutter.“ Die Emotionen lösen sich und verschwinden in den Gewahrseinsgrund. In den meisten Situationen verlässt am Ende des dritten Tages das Bewusstsein den Körper.
Danach ist es an der Zeit für die Verbrennung.

Anweisungen für den Zwischenzustand

Traditionell werden buddhistische Anweisungen für den Übergangszustand während des Sterbevorgangs gegeben und für die 49 nachfolgenden Tage nach dem Tode gelesen. Dies zu hören, ist sehr förderlich, egal ob die Person noch lebt oder schon verschieden ist. Ihr findet sicher irgendwo eine Quelle für die Anweisungen, die unten aufgelistet sind. Praktizierende, Freunde oder Familienangehörige können dies laut lesen oder eine aufgenommene Version kann abgespielt werden. Besonders interessant ist der Abschnitt, der „Selbstbefreiung von Gewohnheitstendenzen“ genannt wird. Macht was immer ihr könnt und gebt euer Bestes, die benötigten Substanzen zusammenzutragen.

Reiner Geist

Als symbolische Figur für die reine Natur des Geistes fungiert Vajrasattva. Manchmal als „Diamantwesen“ übersetzt, verkörpert er die unzerstörbare, letztendliche Natur des Geistes. Dies offenbart sich in mannigfaltigen Erscheinungen und zeigt sich im Bardo in Gestalt der 100 friedvollen und zornvollen Wesenheiten. Zunächst manifestiert sich diese strahlende Geistesnatur noch in friedvollen Formen, bis sich diese schließlich nach ca. 14 Tagen in Schrecken erregende Gestalten verwandeln, die die Schattenseiten verkörpern. Das Bardo-Wesen begegnet auf diese Weise zuerst den lichthaften Wesensanteilen und später seinen Schattenseiten. Wenn das Bardo-Wesen nicht erkennt, dass alles davon lediglich Projektionen der eigenen Natur des Geistes sind, versucht es getrieben von den karmischen Winden eine Wiedergeburt zu ergreifen.
In diesem Stadium ist es durch verschiedene Rituale möglich, das Bardo-Wesen zu beeinflussen und ihm die Natur des Geistes aufzuzeigen. Dafür wird das Ritual zur Führung der Verstorbenen durch den Bardo praktiziert. Der zentrale Inhalt dafür ist die Praxis des Vajrasattva.

Basierend auf den Belehrungen von Gyatrul Rinpoche zur Praxis des Dahinscheidens und der Begleitung von Verstorbenen, ein Leitfaden für Sterbende und Hinterbliebene. Übersetzt und ergänzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2013) zum Nutzen der Wesen.

 

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