Verfasst von: Enrico Kosmus | 13. Juni 2019

Vairocana-Haltung und ihre Eigenschaften in der Meditation

Elemente der Körperhaltung

Der Körper nimmt eine Position [gekennzeichnet durch die Anwesenheit] der sieben Elemente von Vairocana ein. Diese sieben Elemente sind:

Die Beine sind gekreuzt (in Vajrasana – „Vajra-Haltung“: der rechte Fuß befindet sich auf dem linken Oberschenkel, das linke Schienbein befindet sich über dem rechten Knie und der Fuß befindet sich auf dem rechten Oberschenkel. Dieses Beinkreuz symbolisiert die Einheit von Methode und höchstem Erkennen – Prajna.

Die Hände in der Haltung des Gleichmuts: eine Handfläche liegt auf der anderen, so dass sich die Daumenspitzen leicht berühren und sie werden vier Finger breit unterhalb des Nabels gelegt. Wenn in der Klasse der Schwerpunkt auf der Methode liegt, dann ist die rechte Hand auf der linken und wenn auf dem Prajna, dann umgekehrt.

Die Schultern sind gespreizt wie die Flügel eines Adlers, aber nicht zu hoch und nicht niedrig.

Der Hals ist wie ein Haken gebogen, das Kinn drückt leicht gegen den Hals. Es sollten vier Finger vom Kinn bis zur Basis des Halses sein.

Die Wirbelsäule ist wie ein Pfeil gerade und kippt nicht nach hinten, vorne oder zur Seite.

Die (halbgeschlossenen) Augen sind auf die Nasenspitze oder auf einen Punkt des Raums gerichtet, in einem Abstand von vier Fingern zur Nasenspitze. Die Lippen sind leicht verbunden, Zähne leicht zusammengedrückt. Die Zungenspitze berührt das Gaumendach.

All dies erfolgt sitzend auf einem bequemen Sitz, der normalerweise einen Arm voll Durva, Kusha usw. darstellt, welcher auf ein weißes Vajra-Kreuz – Vishvavajra oder ein linksdrehendes Hakenkreuz – gelegt wird oben.

Im Vajra-Tantra wird dazu gesagt:

„Der Praktizierende sitzt auf einem bequemen Sitz. Die Nasenspitze im Auge behaltend, das Sehen der Nase ist nach dem Kriterium des Blickes zu erfassen. Die Schultern sind gestreckt, die Zunge berührt den Himmel. Zähne und Lippen sitzen bequem. Entspannende Atembewegungen. Man verweilt richtig im Vajrasana. Mit angemessener Weisheit ist man selbst der kleinsten Spannung beraubt.“

Weiters wird im Vajra-Tantra gesagt:

„Beseitige die drei Mängel. Die Eigenschaften der Position des Körpers, die sich aus den vier Hauptelementen – Mahabhuti – zusammensetzt, sind: entspannt, geräumig, leicht – drei.“

Dazu wird im Hevajra-Tantra gesagt:

„Es gibt eine große Weisheit im Körper, die alle diskursiven Dinge wirklich zurückweist und alle Dinge umfasst. Sie wohnt im Körper, es wird nicht außerhalb des Körpers geboren.“

Und im Allwissenden Monarchen wird gesagt:

„Wenn du diesen Berg siehst, zeige durch diesen Berg. Wenn du die Leere – Shunyata – verstehen willst, muss man sich mit der Manifestation befassen. Wenn du einen richtigen Geisteszustand erreichen möchtest, binde den Körper mit Yantra…“

Wenn daher der unterstützende Körper mit Yantra gebunden ist, dann blitzen im Ruhezustand keine Gedanken auf, alle Impulse kommen von selbst zu einem Ende. Wenn also zum Beispiel Eisen in die Tür eines Hauses gestellt wird, hat die daran gelehnte Person keinen Platz zum Gehen. Ebenso wird, wenn der Geist in die Gedankenfreiheit eintritt, die höhere Vision der entstandenen Weisheit erlangt. Um diese Vision zu verwirklichen, braucht man einen richtigen Geisteszustand. Um diesen Geisteszustand zu verwirklichen, ist es notwendig, den Körper mit Yantra zu binden.

Da Anhänger des Streitwagens der Philosophie die Erkenntnis der anhaftenden Weisheit nicht in den Vordergrund stellen, praktizieren sie lange Zeit und sie können die Position Buddhas nicht in einem Leben in einem Körper erlangen. In diesem Zusammenhang heißt es im Samputa:

„Die Gesamtheit der 84.000 Abschnitte der Lehre sind alle nutzlos, wenn man die wahre Essenz des Körpers nicht versteht.“

In den Vinaya-Reden wird auch erzählt, wie ein bestimmter Pratyeka 500 wenig bewegliche Rishis diese Elemente der Körperhaltung lehrte, dank derer alle fünf Arten des direkten Wissens (Abhijnas) erlangten und die Erleuchtung erreichten. In vielen der Anweisungen wird angegeben, dass dank der aufrechten Haltung des Körpers die Kanäle begradigt werden. Aufgrund der korrekten Position der Kanäle und der Bewegung wird der richtige Zustand des Geistes verwirklicht. Wenn sie erwägen, den Körper zu beugen, dann wird der richtige Zustand des Geistes, egal wie sehr sie es versuchen, nicht kommen. Die subtilen Winde sind das Pferd des Denkens. Durch die richtige Bewegung der inneren Winde (Prana) wird der richtige Zustand des Geistes verwirklicht.

Im Allgemeinen gibt es Anweisungen der großen Verwirklichten Saraha und Naropa über zwei Methoden: die Methode, durch Kontrolle über Prana die Verwirklichung eines richtigen Zustands des Geistes zu erlangen und die Methode, durch die Verwirklichung eines richtigen Zustands des Geistes die Verwirklichung der Kontrolle über Prana zu erlangen. Das erste ist, dass durch das Etablieren des Geistes in seinem natürlichen Zustand alle Gedankenimpulse von selbst zur Ruhe gelangen und gleichzeitig dank der Verwirklichung eines angemessenen Zustandes des Geistes die volle Kontrolle über Prana erlangt wird. Die zweite besteht darin, die Lehrer über dem Scheitel zu visualisieren und zu bitten: „Ich bete um den Segen meiner Geburt von Samadhi.“ Danach stellt man sich vor, dass der Lehrer in den Praktizierenden eintritt. Entferne durch die Nase alle schlechte Luft und denke daran, dass mit der ausgeatmeten Luft alle Krankheiten, Grahas und Gedanken hinausgehen. Das obere Prana sammelt sich allmählich an und das untere Prana beruhigt sich. Die Aufmerksamkeit ist nach vorne gerichtet und hört auf zu wandern. In diesem Fall wird der richtige Geisteszustand durch Kontrolle über Prana verwirklicht. Diese Verbindung von Denken und Prana drückt sich in der Idee aus: „Durch die Annahme einer richtigen Haltung des Körpers entsteht Einsicht der Wahrheit.“

Die Notwendigkeit der Körperhaltung

Durch das Überkreuzen der Beine gelangt der nach-unten-ausscheidende Wind in den Zentralkanal, das Feuer wird beruhigt und Neid wird beendet. Durch das Auflegen der gefalteten Mudra-Hände vier Finger unterhalb des Nabels gelangt der Wasser-Wind in den Zentralkanal. Dank der pfeilgeraden Wirbelsäule und der gestreckten Schultern wie die Flügel eines Adlers gelangt der Erd-Wind in den Zentralkanal, die Unwissenheit wird beruhigt. Aufgrund der leichten Neigung des Halses zur Brust gelangt der Feuer-Wind in den zentralen Kanal und beruhigt die Leidenschaft.

Dank der fokussierten Augen auf einen Punkt in einem Abstand von vier Finger von der Nasenspitze entfernt und der Berührung der Zunge mit dem Gaumen tritt das der Luft-Wind in den Zentralkanal ein, Stolz beruhigt sich, der Geist klärt sich auf. Da der Geist mit den subtilen Winden verbunden ist, ist Prana auch mit den Kanälen und Kanälen verbunden. Bei den Augen ist es sehr wichtig, dass die Augen nicht umherwandern.

Wenn also der Körper eine Position einnimmt, die den fünf Elementen des Versenkung oder den sieben Elementen der Haltung des Vairocana entspricht, beruhigen sich die fünf „Gifte“ und der unzerstörbare Wind des Geistes tritt selbst in den Zentralkanal ein, wodurch alle Gedanken aufhören, Sanftheit, Reinheit und Verständnis entsteht schnell. Daher ist die Körperhaltung ein sehr wichtiges Element der Übung.

Wenn der Körper nicht die rechte Position eingenommen hat – er wird von seinem Rücken, seiner Krümmung usw. gestützt –, werden Gedankenketten aktiviert, weshalb die wahre Natur des Geistes nicht erkannt wird. Folgendes wird beobachtet:

Wenn das Yantra nach rechts geneigt ist, geht zuerst die Klarheit verloren. Dann entstehen Hass und Behinderung von Rajagraha usw. von selbst.

Wenn man sich nach links biegt, geht die Glückseligkeit zuerst verloren, und dann gibt es eine starke Leidenschaft und Schaden von Nagagraha, Mo usw.

Wenn man sich nach vorne beugt, ohne nachzudenken, wird zuerst Gedankenlosigkeit geboren und dann Unwissenheit und Schaden auf der Seite von Graha – dem „Meister der Örtlichkeit“ usw. Insbesondere, wenn man diese zwei Menschen usw. sieht. Man denkt, „Diese beiden reden über mich“, und man wird traurig. Die falsche Bewegung des lebenserhaltenden Windes wird sehr beeinträchtigt.

Wenn der Körper nach hinten geneigt wird, wird zuerst das Verständnis von Leerheit geschwächt. Dann gibt es Stolz und andere Gefühlswallungen. Insbesondere ist der Geist nicht in seinem rechten Zustand, wird die Gedankentätigkeit angeregt. Der Körper färbt sich blau und trocknet aus, das Sperma fließt heraus und andere Schäden treten auf.

Da also bei richtiger Körperhaltung nichts Schlimmes entsteht und alle Vorteile erkannt werden, ist die korrekte Ausführung von Yantra sehr wichtig.

Die fünf Elemente der Meditation sind laut Meister Zhang:

„In der Position des Körpers – fünf [Elemente]: gerade wie ein Pfeil (Wirbelsäule), gebogen wie ein Haken, vereint als Felder auf einem Schachbrett (Knöchel), gefesselt wie eine Kette (Knie), zusammengeknüpft wie eine Peitsche (untere Öffnung).“

„Gerade wie ein Pfeil“: die Wirbelsäule ist gerade wie ein Pfeil, aber nicht starr. Die Notwendigkeit hierfür: die drei Hauptkanäle sind vorhanden, und da der Zentralkanal gerade verläuft, werden die Knoten in den Kanälen gelöst und die subtilen Winde treten leicht in den Zentralkanal ein.

„Gebogen wie ein Haken“: der Hals ist bequem geneigt, so als würde er leicht von selbst hängen. Die Notwendigkeit dafür: da die beiden Kanäle – rechts und links – wie ein Fisch sind, der sein Maul geöffnet hat, hört die Aktivität von subtilem Wind und Gedanken auf, was zu Gedankenfreiheit führt.

„Verbunden wie Felder auf einem Schachbrett“: die Fußknöchel sind verbunden. Die Notwendigkeit hierfür: Da diese Haltung dem Vajrasana entspricht, werden Störungen beendet.

„Gefesselt wie eine Kette“: die Knie sind fest mit einem Vajra-Knoten oder einem Seil verschnürt. Die Notwendigkeit dazu: der Körper weicht nicht von der aufrechten Haltung ab.

„Zusammengeknüpft wie eine Peitsche“: Nimm in Abwesenheit von einem geeigneten Stoff Oberbekleidung und verschnüre das untere Loch fest. Die Notwendigkeit hierfür: verursacht die rasche Entstehung von Glückseligkeit durch die Verbindung der beiden Seitenkanäle im Zentralkanal.

Marpa Lotsawa spricht über diese fünf Elemente der Körperhaltung wie folgt:

„Diese Anweisung zu den fünf Elementen der Körperhaltung ist großartig, da sie alle tibetischen Anweisungen enthält. Warum ist das so? Dank der Erkenntnis dieser fünf Elemente der Position des eigenen Körpers tritt Prana selbst in den Zentralkanal ein. Aus diesem Grund lodert das Feuer im Nabel von selbst auf. Aufgrund dessen fließen Bodhichitta-Tropfen aus der Krone herab. Dank dessen wird Glückseligkeit von Natur aus geboren. Aus diesem Grund müssen die Gedanken nicht gestoppt werden, es gibt überhaupt keine Gedanken. Aus diesem Grund entsteht die Weisheit der Einsicht.“

Daher ist es von Anfang an sehr wichtig, die Methode anzuwenden, mit der der Körper die richtige Position einnimmt. Dank eines langen Trainings werden die primären Elemente im Körper in Harmonie gebracht, das Leben wird verlängert, die vorher existierenden Krankheiten verschwinden und treten später nicht mehr auf und die Kanäle, Winde und Tropen werden stark, wodurch das obere Gewicht nicht darunter schadet. Und da Kanäle, Winde und Tropfen ein einziges System bilden, wird es auch dann keine Beschwerden geben, wenn sie ein Jahr oder einen Monat in dieser Position wären. Und da die Tropfen voll ausgereift sind, wird das Bewusstsein von selbst klar und Verständnis wird ohne Anstrengung geboren.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 6. Juni 2019

Longchen Rabjams 30-facher Herzensrat

Verfasst von: Enrico Kosmus | 3. Juni 2019

Ganesh – der Herr der Scharen

Die Hauptfunktion von Ganapati im tantrischen Buddhismus ist die einer Wohlstandsgottheit – eine Praxis, die zum Zwecke der Erlangung von Wohlstand praktiziert wird. Die meisten Formen von Ganapati gehören zur Kriya-Klassifikation des buddhistischen Tantra. Im 11. Jahrhundert macht Jowo Atisha mindestens zwei Formen von Ganapati in Tibet beliebt und der indische Pandita Gayadhara führte zahlreiche andere ein, die durch die Sakya-Tradition des tibetischen Buddhismus entstanden. In den folgenden Jahrhunderten hat die Nyingma-Tradition durch den Prozess der Schatzfinder zahlreiche Formen hervorgebracht. So findet man beispielsweise eine gemischte Figur von Mahadeva und Ganapati in der Praxis des Padma Gyalpo, eine Reichtums- und Schutzpraxis, die von Dudjom Lingpa offenbart wurde.

Ganesh – der elefantenköpfige Beschützer

Ganesh / Ganesha ist der Name, den die modernen Anhänger der Shaiva und Vaishnava Hindu am häufigsten für den elefantenköpfigen Gott verwenden. Der Name Ganapati wird auch verwendet. Ganesha ist die richtige Sanskrit-Aussprache und Ganesh folgt der modernen Hindi-Aussprache. Vinayaka ist ein anderer Name, der von Buddhisten für den elefantenköpfigen Gott verwendet wird, besonders wenn er unter den Füßen von Shadbhuja Mahakala oder der Charya Tantra Form von Bhutadamara Vajrapani erscheint.

Für viele Mahayana-Buddhisten ist Ganesha mehr als nur ein Wächter am Eingang des Hauses oder des Tempels. Er ist ein Bodhisattva, eine zornvolle Beschützergottheit – und er übernimmt viele andere Rollen.

Ganesh wird in vielen Aspekten vorgestellt. Letztendlich sollte jedoch nur die jeweils eigene Tradition, der eigene Lehrer oder die eigene Schule bestimmen, wie man Ganesh sieht. Ganesh tauchte nur in verschiedenen Mahayana- und Vajrayana-Traditionen auf. In einigen buddhistischen Traditionen ist Ganesh eine weltliche Figur. In anderen wird nie von ihm gesprochen. In einer Tradition sind der Ganesh des Buddhismus und der Ganesh der vedischen Tradition nicht einmal verwandt. In anderen kann sich ein Buddha als Ganesh manifestieren. In einigen Mahayana-Traditionen wird er als Gott angesehen. Manchmal als Dämon. In anderen als Bodhisattva. Es gibt keine Universalität. Mit anderen Worten, in diesen verschiedenen Ansichten gibt es kein Richtig oder Falsch, und letztendlich sollte man sich für die Praxis nur von der eigenen Tradition und dem eigenen Lehrer leiten lassen.

Warum ist Ganesh so beliebt? Ist es, weil er so liebenswert erscheint, sein Aussehen weise, freundlich und charmant ist? Nicht immer sind einige seiner Gestalten gruselig zornig. Ist es, weil sein Kopf symbolisch ein Elefant ist, eines der beliebtesten Tiere? Ist es seine Assoziation mit der Beseitigung von Hindernissen, die uns begegnen oder seine Rolle als „Wohlstandsgottheit“?

Ursprünge von Ganesh

Natürlich hat Ganesh seine früheste Erwähnung in der vedischen Tradition. Nicht alle Gottheiten mit Elefantenkopf, die in der Himalaya-Kunst zu finden sind, sind tatsächlich die gleiche Gottheit, Wesenheit oder Gott, obwohl sie allgemein als Ganesha / Ganapati bezeichnet werden.

Für tibetische und tantrisch-buddhistische Anhänger ist Ganapati der allgemein verwendete Sanskrit-Name und das in der tibetischen Literatur gefundene Wort. Die beiden Wörter Ganesha und Ganapati haben im Englischen dieselbe grundlegende Bedeutung: Herr der Heerscharen (d.h. die Heerscharen von Shiva). Für Hindus sind die Namen austauschbar. Für Buddhisten sind die Namen teilweise oder im Allgemeinen austauschbar, aber das spezifische Sanskrit-Wort GaneshGana/Ganesha kommt normalerweise nicht in tibetischen Texten oder in tantrischen buddhistischen Mantras oder Lobeshymnen vor, die aus buddhistischen Sanskrit-Texten stammen.

Im Buddhismus gibt es zwei Sutras, die Ganapati erwähnen und eines mit seinem „Dharani“ (Mantra), das von jedem gesungen werden kann. In dem Sutra sagt Buddha:

„Jeder Sohn oder jede Tochter von hoher Geburt, ob Mönch oder Nonne, Laienbruder oder -schwester, die sich darum bemühen, die (Riten, um ein heiliges Wesen zu rufen, mittels) Mantras zu bewerkstelligen, die drei Juwelen anzubeten und in ein anderes Land zu reisen Wenn sie zum königlichen Hof gehen oder [aus dem Blickfeld] verbergen, sollten sie, nachdem sie den gesegneten Buddha verehrt haben, sieben Mal die Arya Ganapati Hrdaya (Mantras) üben: Für sie werden alle Aufgaben vollbracht sein. Kein Zweifel!“

Es gibt zwei Sutras auf Ganapati, die die Dharani von Ganapati enthalten. Eines ist das Dharani Sutra des Goldenen Ganapati, das im T. XXI 1269 gefunden wurde und von Buddha an seinen Schüler Shariputra übergeben wurde, als der Buddha in Shravasti residierte. Das aufgenommene Dharani ist sehr korrumpiert. Das Dharani, wie es in diesem Sutra vorgestellt wird, ist eine Variation des Dharani im Ganapati-Herz-Sutra. Am Ende des Sutras erscheint Ganapati selbst und sichert zu, dass er die Wünsche derer schützen und erfüllen wird, die dieses Dharani hochhalten. Der andere Text, der hier vorgestellt wird, ist der „Arya Maha Ganapati Hridaya Dharani“ (Herz-Dharani von Maha Ganapati).

Im Buddhismus wird Ganesh manchmal als eine weltliche Gottheit angesehen, die sich dem Schutz des Buddhismus widmet (oft unter Vajrapani), aber in einigen Mahayana-Geschichten ist er ein Bodhisattva und ein Gefährte von Avalokiteshvara, und in einigen tantrischen Formen – in einigen Abstammungslinien – ist er eine erleuchtete Gottheit.

In den meisten tantrischen Traditionen tritt Genesha als weltliche Gottheit oder Beschützer auf. Ganapati, Maha Rakta (tibetisch: ཚོགས་ཀྱི་བདག་པོ་དམར་ཆེན། tshogs kyi bdag po dmar chen/) ist eine tantrisch-buddhistische Form von Ganapati (Ganesha), die mit dem Chakrasamvara-Zyklus der Tantras verwandt ist. Diese Form von Ganapati wird als Emanation von Avalokiteshvara angesehen.

„… Neben einem Lapislazuli-Felsenberg befindet sich ein roter Lotus mit acht Blütenblättern, in der Mitte eine blaue Ratte, die verschiedene Juwelen ausstößt, [oben] Shri Ganapati mit einem rot gefärbten Körper, einem Elefantengesicht mit scharfen weißen Stoßzähnen und drei Augen , schwarzes Haar zu einem Haarknoten zusammengebunden mit einem Wunschedelstein und einem roten Seidenband [alle] zu einem Bündel auf der Kopfkrone. Mit zwölf Händen halten die sechs rechten eine Axt, einen Pfeil, einen Haken, ein Vajra, ein Schwert und einen Speer. Die sechs verließen einen Stößel, einen Bogen, eine Khatvanga, eine mit Blut gefüllte Schädelschale, eine mit menschlichem Fleisch gefüllte Schädelschale und einen Schild zusammen mit einem Speer und einem Banner. Die friedliche rechte und linke Hand sind durch den Vajra und die Schädelschale gekennzeichnet, die mit Blut gefüllt sind, das an das Herz gehalten wird. Die verbleibenden Hände werden bedrohlich angezeigt. Der linke Fuß, der verschiedene Seidenstoffe als Unterkleid trägt und mit einer Vielzahl von Schmuckstücken verziert ist, ist tanzend ausgestreckt und steht inmitten der hellen Strahlen des rot flackernden Lichts. “

(Ngorchen Konchog Lhundrup, 1497–1557)

Vinayaka Ganesh

In der Tradition von Arya Maha Ganapati nimmt Avalokiteshvara die Form einer Frau an, um den weltlichen Vinayaka (Ganesh) zu verführen – danach wird er im Wesentlichen als nichts anderes als eine Emanation von Avalokiteshvara betrachtet. Es kommt auf die Tradition und den Lehrer an. In einer Tradition des Mahanirvana Tantra wurde er vom Beschützer Mahakala bekehrt und erscheint symbolisch unter seinen Füßen.

In der Maharakta-Tradition erzählt die Erzählung, wie Avalokiteshvara, nachdem er den Shaiva Hindu Ganesha getötet hatte, fortfuhr, den Elefantenkopf abzuschneiden und dann auf seinen eigenen zu legen, wodurch er das Aussehen des besiegten „bösen“ Ganesha annahm.

„Der elefantenköpfige Gott des Reichtums, Ganapati, erschien dem Siddha Zangtsa Sonam Gyaltsen während seiner Meditation und trug ihn auf den höchsten Gipfel des weltlichen Daseins. Von diesem Aussichtspunkt aus sah Zangtsa nach Osten, wie sich die Königreiche Tibets China und die Mongolei in die Ferne unter ihm erstreckten, aber die großen Weiten jenseits von ihnen irritierten ihn so sehr, dass er es nicht wagte, weiterzuschauen. Die Gottheit informierte ihn: ‚Weil du es nicht gewagt hast weiterzuschauen, herrsche über diese Länder, die du gesehen hast. Die anderen gehören nicht dir, sondern deinen Nachkommen. Wenn du weiter geschaut hättest, wärst du der Herrscher des Universums geworden.‘

Um seine Prophezeiung zu erfüllen, trat Ganapati an einen älteren Weisen heran, der in gLang-dor in Einsamkeit lebte. Dieser große Einsiedler, Se-ston Ripa, war eine Säule des Kadampa-Ordens, ein Autor vieler Bücher und eine Emanation des Bodhisattva Avalokiteshvara. Die Gottheit bat ihn, in Sakya als Sohn von Zangtsa Sonam wiedergeboren zu werden und Se-ston Ripa stimmte zu.“

(Ngorchen Konchog Lhundrup, 1497–1557)

Diese Form von Ganapati gehört zu einer Gruppe von drei mächtigen Gottheiten, die als „dmar chen ‚khor gsum“ oder „Die drei großen roten Gottheiten“ bekannt sind und in einer größeren Gruppe namens „Die dreizehn goldenen Dharmas“ von Sakya enthalten sind. Die anderen beiden Gottheiten sind Kurukulle und Takkiraja aus dem Guhyasamaja-Tantra.

Weniger Anbetung, mehr Übung

Aus buddhistischer Sicht gibt es weniger „Anbetung“ von Gottheiten als vielmehr „Übung“ von Gottheiten als Pfad. Im tantrischen Buddhismus stellt man sich zum Beispiel als die vollkommenen Formen der Erleuchtung vor – als die Gottheiten – dies als Übung für unseren Geistesstrom. Es geht nicht um Anbetung.

Das bedeutet nicht, dass man keine Opfergaben oder Ehrbezeugungen macht. Opfergaben und Niederwerfungen helfen einem, positive karmische Prägungen zu entwickeln – Verdienste, wie sie oft genannt werden.

Ganeshs Wirkung ist weitreichend, nicht nur im Spirituellen. Ganesha Tatoos und T-Shirts sind weltweit sehr beliebt. Es gibt eine „lebensbejahende“ Eigenschaft an seinem Image, selbst für Nicht-Religiöse. Ganesha hat Strahlkraft. Er tritt sogar als Marke, im Marketing, in der Popkultur und in der Mode auf. Und für eine Milliarde oder mehr Menschen ist er natürlich eine kostbare Gottheit.

Wirkungsbereich

Einige spezifische Formen von Ganapati, wie Maharakta, sind Machtgottheiten. Das Konzept von Reichtum, Macht usw. gehört zum tantrischen System der vier Aktivitäten. Die Aktivitäten sind besondere Kräfte, die durch die Praxis des tantrischen Buddhismus erreicht werden. Diese Kräfte werden eingesetzt, um auf geschickte Weise allen Lebewesen zu nützen: friedliche Aktivitäten, die zunehmen, mächtig und zornvoll sind. In der Kunst sind diese Kräfte mit bestimmten Farben und Formen wie Weiß, Gelb, Rot und Dunkelblau, zusammen mit der physischen Erscheinung und dem Gesichtsausdruck wie einem lächelnden Gesicht oder einem furchterregenden Gesicht verbunden. Die Farbe Grün wird allgemein als die Kombination aller Farben und Aktivitäten angesehen.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 22. Mai 2019

Wie man den Guru als Buddha ansieht

von Dodrupchen Jigme Tenpe Nyima

Es gibt viele Möglichkeiten, den Guru als Buddha zu sehen, aber der wichtigste Punkt ist der folgende. Wann immer der Guru die Bedeutung der Worte Buddhas erklärt, wird sein oder ihr Weisheitsgeist vom Buddha durchdrungen. Schließlich ist es unmöglich, die Lehren Buddhas zu erklären, ohne sich von den Segnungen Buddhas inspirieren zu lassen. Unabhängig davon, ob der Guru tatsächlich erleuchtet ist, ist die Vermittlung von Anweisungen sicherlich eine Buddha-Aktivität. In dieser Hinsicht ist der Guru vergleichbar mit einem Medium und der Buddha mit einer Orakelgottheit, die kanalisiert wird. Es reicht aus, das Prinzip auf diese Weise zu verstehen.

Zusätzlich wurden wir jedoch in der Vergangenheit aufgrund unseres negativen Temperaments und Unglücks von Tausenden und Abertausenden von Buddhas zurückgelassen. Indem der Guru das Dharma erklärt und uns mit großer Güte Anweisungen erteilt, ist er wie jemand, der einen Hund aus der Wildnis mitbringt, um unter Menschen zu leben.

Ein vollkommen erleuchteter Buddha ist ein wahrer Freund der ganzen Welt, auch wenn Menschen mit unreinem Karma nicht in der Lage sind, ihn als solchen wahrzunehmen. Daher der berühmte Ausdruck „der Lehrer, ein ausgezeichneter Freund“. Doch Gurus sind außergewöhnlich freundlich, denn genau wie jemand, der uns Essen anbietet, wenn wir hungrig sind, fungieren sie im Zeitalter des Niedergangs als spirituelle Führer.

Außerdem heißt es: „Für einige, die dieses Ziel haben, halte ich mich an ihre physische Form.“ Es gibt viele solche Aussagen, die darauf hinweisen, dass alle Buddhas in den Körper des Vajra-Meisters eintreten, um Opfergaben zu empfangen und so weiter. Es ist daher vernünftig, ihn im hingebungsvollen Guru-Yoga als Yidam-Gottheit zu behandeln.

Von dem, der Jigme heißt.


༄༅། །བླ་མ་ལ་སངས་རྒྱས་སུ་བལྟ་ལུགས་བཞུགས།
༄༅། །ལགས་བླ་མ་སངས་རྒྱས་སུ་བལྟ་ལུགས་མང་ཡང་། གཙོ་བོར་བླ་མས་འོ་སྐོལ་ལ་སྟོན་པའི་གསུང་རབ་ཀྱི་དོན་འཆད་པ་དེ་བླ་མའི་ཐུགས་ལ་སངས་རྒྱས་ཞུགས་པས་ཡིན་གྱི། སངས་རྒྱས་ཀྱིས་བྱིན་གྱིས་མ་བརླབ་པར་རྒྱལ་བའི་གསུང་རབ་འཆད་མི་ནུས་ཤིང་། དེ་ཙ་ན་བླ་མ་ཁོ་རང་སངས་རྒྱས་ཡིན་རུང་མིན་རུང་འོ་ཅག་ལ་གདམས་ངག་སྟོན་པ་དེ་རྒྱལ་བ་ཉིད་དུ་ངེས་པ་རྙེད་ནས་བླ་མ་དང་སངས་རྒྱས་ཀྱིས་སྐུ་རྟེན་པ་དང་ལྷ་བབ་པ་བཞིན་དུ་ཤེས་ན་དེས་ཆོག །གཞན་འུ་ཅག་གི་སེམས་རྒྱུད་སྐལ་བ་ངན་པ་སྔོན་འདས་པའི་རྒྱལ་བ་ཁྲི་ཕྲག་གིས་ཀྱང་མ་ཐུལ་བར་བཞག་པ་དེ་བླ་མས་ཆོས་བཤད། གདམས་ངག་གནང་སྟེ་ཁྱི་མིར་གཏོང་མཁན་དེ་དྲིན་ཆེ། རྫོགས་པའི་སངས་རྒྱས་ནི་འཇིག་རྟེན་ཐམས་ཅད་ཀྱི་མ་འདྲིས་པའི་མཛའ་བཤེས་ཡིན་མོད་ཀྱི། ལས་མ་དག་པའི་འགྲོ་བ་རྣམས་ལ་སྣང་མི་ཐུབ་པ་ཡིན་ཏེ། སྟོན་པ་བཟང་གྲོགས་ཞེས་གྲགས། བླ་མ་ནི་ལྟོགས་པའི་དུས་སུ་ཟན་བྱིན་པ་ལྟར་སྙིགས་མའི་དུས་སུ་དགེ་བའི་བཤེས་གཉེན་མཛད་པ་ཡིན་པས་སྐུ་དྲིན་ཆེ། གཞན་ཡང་། འདི་ཡི་དོན་ལྡན་འགའ་ཞིག་ལ། ང་ཉིད་དེ་ཡི་ལུས་གནས་ཏེ་ཞེས་སོགས་གསུངས་པ་ལྟར་སངས་རྒྱས་ཐམས་ཅད་རྡོ་རྗེ་སློབ་དཔོན་གྱི་ལུས་ལ་ཞུགས་ནས་མཆོད་པ་སོགས་ལེན་པར་མང་དུ་བཤད་པས་མོས་གུས་བླ་མའི་རྣལ་འབྱོར་ལ་ཡི་དམ་དུ་མཛད་པར་རིགས་སོ། །འཇིགས་མེད་པས་སོ།།


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019). Möge es nützlich sein!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Mai 2019

Über Verliebtsein und andere geistige Verirrungen

Es kann vorkommen, dass sich bei Dharma-Veranstaltungen romantische Beziehungen zu anderen Dharma-Geschwistern entwickeln. Einerseits kann was dran sein und sich daraus eine echte Beziehung entwickeln. Andererseits kann es sich auch um eine simple Projektion und romantische Episode handeln. Da projiziert man dann alle möglichen idealen Vorstellungen auf den Partner oder die Partnerin und spinnt sich was zusammen.

Beispielsweise kennt man so etwas als „Vipassana-Romanze“. Das passiert bei Vipassana-Seminaren, wo manche Leute während eines 10-Tages-Retreats ihre ganze Beziehungsvorstellungen angefangen von romantischem Kennenlernen über Eingehen der Beziehung, Heirat, Kinder und dem ganzen Rest bis hin zum Sterben („bis dass der Tod euch scheidet“) oft in einer einzigen Sitzung oder in mehreren Sitzungen durchlaufen. Irgendwann checken die Leutchen dann, dass es sich lediglich um Projektionen und um ein zwanghaftes und/oder besitzergreifendes Spiel des Geistes handelt.

Projektionen

Warum ist das so? Ganz einfach. Jeder Mensch ist auch ein Beziehungswesen. Manche leben in glücklichen Beziehungen, manche in unglücklichen Beziehungen, manche wünschen sich Partner/Partnerinnen, mit denen sie ihre Interessen teilen können an ihre Seite usw. Buddha hat bereits in den Erklärungen zu den acht Leiden des menschlichen Daseinsbereichs darauf hingewiesen. „Zusammen sein mit jenen, die man nicht mag, nicht zusammen sein mit jenen, die man mag“ wird dieser Punkt genannt. Soweit der Vorspann.

Wenn man nun bei einem Seminar wie einem Vipassana-Retreat ist, wo das Setting u.a. in Schweigen besteht, beginnt der Geist aufgrund mangelnder äußerlicher Unterhaltung, selbst für Unterhaltung zu sorgen. Das innere Kino läuft an. Bei manchen ist vielleicht „Rambo – First Blood“ angesagt, wenn sie ihre letzten Enttäuschungen und Kränkungen durcharbeiten, bei anderen läuft vielleicht eine Liebesgeschichte, bei anderen wiederum eine interessante Koch-Show usw. Der gewöhnliche Geist kann unendlich für Unterhaltung sorgen.

Je strenger der Reizentzug ist, umso rascher beginnt der innere Film zu laufen. Das kann sich soweit steigern, dass man nicht nur während den Meditationssitzungen diesem Gedankenkarussell folgt, sondern sogar ganz intensive körperliche Empfindungen hat. Man kann sogar ganz intensive Gefühle für das Gegenüber entwickeln und deutet dann sogar auch noch die Handlungen der anderen Person als Zustimmung oder Ablehnung – je nachdem, wie die eigenen Beziehungshistorie gestrickt ist.

Macht euch nichts draus, macht kein großes Ding daraus. Es sind einfach karmische Muster, die hochkommen und sich entladen, wenn man sie als Gedankenstürme, innere Filme oder eben Projektionen erkennt und als das belässt, was sie sind – eben geistige/emotionale Ereignisse. Wenn man allerdings diesen Ereignissen einen Wahrheitsgehalt beimisst und sie als real ergreift, dann beginnt man nicht nur eine weiterführende Geschichte zu stricken. Man lässt die karmische Reinigung nicht geschehen, sondern verstrickt sich weiter und setzt die eigenen Handlungsgewohnheiten -„Karma“ genannt – fort.

Übrigens kennt man Liebe auch im Dharma. Nennt sich Maitri (Metta), ist fernab einer romantischen Liebe und umfasst weit mehr. Diese Art der Liebe ist von Freundlichkeit, Wohlwollen, Barmherzigkeit, Güte und dem Wunsch, dass es dem anderen Wesen gut ergehen möge, geprägt. Diese Form der Liebe ist frei von Besitzdenken und überdauert sogar Trennungen.

Trennungen und Begegnungen

Trennungen sind übrigens auch unweigerlich, da alle Phänomene – eben auch Beziehungen – bedingt und zusammengesetzt sind. Wenn die Ursachen für das Zusammensein erschöpft sind, die bedingenden Faktoren nicht vorhanden sind, dann lösen sich Beziehungen unweigerlich auf. Die Leute gehen auseinander.

Haben sich ihre Beziehungsursachen wirklich erschöpft, gibt es kein Treffen mehr. Weder in naher, noch in ferner Zukunft. Wenn sie jedoch im Unfrieden von einander geschieden sind, dann treffen sie sich in Zukunft unweigerlich. Dies geschieht dann aufgrund eines „Gläubiger-Schuldner-Verhältnisses“ – oder einfach gesagt aufgrund von „karmischen Verstrickungen“. Daher sollte man auch bei Trennungen nicht nur klug, sondern weise sein.

Begegnungen ereignen sich jedoch nicht nur aufgrund von negativen karmischen Verstrickungen, sondern auch aufgrund von konstruktivem karmischen Potential. Wie man in den Berichten von früheren Leben der Buddhas und Bodhisattvas lesen kann, haben diese ihren Geist in so einer Begegnung auf das Ziel der Erleuchtung ausgerichtet. Ihre Geisteshaltung übertrifft das unmittelbare Dingliche und den eigenen persönlichen Nutzen. Diese Haltung ist auf einen transzendenten Zustand fokussiert. Solche Beziehungen sind dann förderlich und enden nie, da sie aus der Unendlichkeit des transzendenten Zustandes – der Leerheit – schöpfen und nie davon getrennt sind.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 4. Mai 2019

Schöne Körper – cheesecake factory

Der Wunsch nach einem gesunden und schönen Körper ist auch im Buddhismus nicht unbekannt. Zwar werden kosmetische Behandlungen, schönheits-chirurgische Eingriffe oder ähnliche Verfahren nicht unbedingt angewandt, aber man weiß darum, dass entsprechende Handlungen wie das körperliche Verletzen von anderen nicht unbedingt hilfreich ist und nur Qual und Pein über einen bringt. Dharmarakshita meint dazu in seinem „Rad der scharfen Waffen“, einem Text des Mahayana-Geistestrainings folgendes:

Wenn unsere Körper schmerzen und von großer Pein schrecklicher Krankheiten geplagt sind, die wir nicht ertragen können, dies ist das Rad der scharfen Waffen, welches den ganzen Kreis unseres Fehlverhaltens über uns zurückbringt.
Bis jetzt haben wir die Körper von anderen verletzt; von jetzt an lasst uns ihre Krankheit auf uns nehmen.

Dharmarakshita „Rad der scharfen Waffen“; Vers 10

Oder weiter in einem anderen Vers, wo er Bezug auf Schönheit und Hässlichkeit nimmt und Ursachen für einen entwürdigenden Umgang anspricht.

Wenn unsere Körper hässlich sind und andere uns quälen, indem sie sich über unsere Mängel lustig machen, und nie Respekt zeigen, dies ist das Rad der scharfen Waffen, welches den ganzen Kreis unseres Fehlverhaltens über uns zurückbringt.
Bis jetzt haben wir uns Vorstellungen gemacht, denen es an Schönheit mangelt, indem wir unserem Ärger Luft gemacht haben, haben wir hässliche Szenen geschaffen.
Von nun an lasst uns Bücher drucken und gefällige Statuen machen, und nicht unbeherrscht, sondern frohgemut sein.

Dharmarakshita „Rad der scharfen Waffen“; Vers 38

Mipham Rinpoche, ein Meister der tibetischen Rime-Bewegung, hat ein Gebet zur Inspiration für einen schönen Körper verfasst:

༈ བདག་ནི་སྐྱེ་བ་ཚེ་རབས་ཐམས་ཅད་དུ།
DAG NI KYE WA TSHE RAB THAM CHE DU /
Damit ich in all meinen Wiedergeburten und Leben außergewöhnlich gut aussehe
།མཚུངས་མེད་ལྟ་ན་སྡུག་པའི་ལུས་མཆོག་ནི།
TSHUNG ME TA NA DUG PA’I LÜ CHOG NI /
und mein gewöhnlicher Körper schön aussieht,
།ནད་མེད་སྟོབས་ལྡན་རྡོ་རྗེ་ལྟ་བུ་ཐོབ།
NÄ ME TOB DÄN DORJE TA BU THOB /
möge ich frei von Krankheiten sein und vajra-gleiche Macht erlangen und
།རྒྱལ་ཀུན་སྐུ་ཡི་བྱིན་རླབས་འཇུག་པར་ཤོག
GYAL KÜN KU YI JIN LAB JUG PAR SHOG //
den Segen der Körper aller Siegreichen empfangen!

།ལུས་ལྟ་ན་སྡུག་པའི་སྨོན་ལམ་མོ༎
Dies ist das Wunschgebet für einen schönen Körper.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 30. April 2019

Mantra-Heilen und magische Praktiken

Im vorigen Beitrag über das Entfalten der erleuchteten Aktivität habe ich über die Grundlagen und Voraussetzungen für das Mantra-Heilen geschrieben. Hier folgt nun eine kurze Abhandlung über Mantra-Heilen und das Menschenbild im tantrischen Buddhismus.

Elementares Welt- und Selbsterleben

Der Mensch wird als eine Ansammlung von körperlichen und geistigen Erlebnishaufen gesehen. Diese bestehen aus den fünf äußeren Elementen und dem jeweiligen inneren Formerleben, sowie aus den vier weiteren geistigen Erlebnishaufen von Empfindung, Unterscheidung, Gewohnheitsmustern und Bewusstseinsarten. Genauso wie der Mensch aus den fünf Elementen besteht, ist die äußere Welt aus den fünf Elementen aufgebaut. Dadurch stehen diese inneren und äußeren Elemente in einer Wechselwirkung zueinander und beeinflussen sich beständig.

Im Menschen sammeln sich diese fünf Elementen auch noch in Form von drei prinzipiellen Funktionen, die Wind (tib., rlung), Galle (tib., mkhris pa) und Schleim (tib., bad kan) genannt werden. Ähnlich dem Ayurveda kennt man diese Funktionen auch in der mittelalterlichen Medizinlehre als die drei Säfte.

Krankheiten und ihre Bedingungen

Man sagt, dass Krankheiten Manifestationen bestimmter energetischer Störungen sind, die ihre Wurzel wiederum in einer Disharmonie von Geist und inneren Winden haben. Durch Visualisationen werden diese Disharmonien beseitigt. Mittels der Rezitation, die die Kraft der inneren Winde nutzt, werden diese geklärt.

Neben diesem spirituellen Ansatz kennt man im Rahmen der tibetischen Heilkunst natürlich auch noch andere Ansätze. Die primäre Krankheitsursache, wie auch die Ursache allen Leidens ist Unwissenheit, das Nichtwissen um die wahre Beschaffenheit aller Phänomene. Daraus entstehen die Wurzelgifte von Täuschung, Anhaftung (Gier) und Ablehnung (Hass). Diese Wurzelgifte sind die Ursachen, da sie im eigenen Geistesstrom sind. Damit dann Krankheiten auch tatsächlich noch ausbrechen können, benötigt es die hinzukommenden Faktoren, die bedingenden Umstände. Diese sind Ernährung, Bewegung, Verhalten und geistige Einstellungen. Außerdem wirkt der Wechsel der Jahreszeiten auf uns ein.

Man kennt vier Klassen von Krankheiten: 1) jahreszeitlich bedingte Krankheiten; 2) sichtbar manifestierte Krankheiten; 3) Geister- und Dämonenkrankheiten; und 4) karmische Krankheiten.

Saisonal bedingte Krankheiten entstehen und vergehen gemäß der Jahreszeit und müssen nicht notwendigerweise behandelt werden. Wenn man Ernährung und Verhalten entsprechend auf die Jahreszeit abstimmt, dann treten diese Krankheiten entweder nicht auf oder können rasch beseitigt werden. Sichtbar manifestierte Krankheiten entstehen durch das Zusammenspiel von äußerlichen Bedingungen mit dem eigenen Verhalten. Diese benötigen eine medizinische Behandlung über Änderung des Verhaltens und der Ernährung, sowie ggf. durch Medikamente und/oder äußere Eingriffe wie Moxa oder Operationen. Geister- und Dämonenerkrankungen sind geistig-emotionale und/oder spirituelle Störungen des Geistes oder des Geistes mit der Umwelt. Diese werden über Heil-Mantras und entsprechende Rituale behandelt. Karmische Erkrankungen werden als unheilbar angesehen und sind zu ertragen. Der Krankheitszustand wird als eine Reinigung von früheren negativen Handlungen verstanden.

Missverständnisse und Fehldiagnosen

Fehldiagnosen aufgrund von naiven Ansichten und daraus resultierende Fehlbehandlungen können nicht nur fatal, sondern auch letal sein.

Da Spiritualität, die Beschäftigung mit dem Zusammenhang von geistigem Erleben mit der Umwelt, mittlerweile einen immer breiteren Raum beim Versuch einnimmt, das Leben als ganzheitlich zu erfahren, müssen an dieser Stelle einige Missverständnissen aufgeklärt werden. Wenn man die vier oben erwähnten Kategorien von Krankheiten nicht beachtet, entsteht rasch der Eindruck, alles würde aus dem Geist entstehen und man müsste nur die Unwissenheit beseitigen. Aus letztendlicher Perspektive betrachtet, ist das durchaus richtig, aber in diesen Zustand letztendlicher Wahrheit einzutauchen, ist aufgrund der geistigen Verschleierungen nicht vielen sofort gegönnt. Daher müssen sich diese mit dem Vorläufigen begnügen und die manifestierten Erkrankungen konkret behandeln.

Man kennt durchaus Fälle wie die afghanische buddhistische Nonne Gelong Palmo, die Lepra durch die Praxis des Nyungne (Kriyatantra-Fastenpraxis auf Avalokiteshvara) geheilt oder Jigten Sumgön, der trotz Erkrankung an Ruhr und der eindringlichen Bitten seiner Sponsorin im Retreat verblieben ist und konventionelle Heilbehandlungen abgelehnt hat und geheilt wurde. Doch auch die großen spirituellen Meister der Vergangenheit und Gegenwart haben immer wieder auf ganz konventionelle Heilbehandlungen und Medizinen zurückgegriffen. Auch zu Buddhas Zeit wurde der Hygiene und der Pflege von Kranken ein positiver Stellenwert eingeräumt und die Einnahme von Medizin in der Vinaya als nützlich bei Erkrankungen erwähnt. Nirgendwo hat Buddha oder ein späterer Meister des Dharma spirituelle Praktiken oder magische Heil-Mantras hervorgehoben und eine konventionelle Behandlung verworfen.

Tradition der Heil-Mantras

Zusätzlich zu den vier erleuchteten Aktivitäten findet man im Kontext einiger Mandalas auch noch weitere Mantras.

Im Praxiskontext von Dorje Drolö oder Vajrakilaya finden sich noch weitere Mantras, die dem Weihen der Praxis-Phurbas dienen, aber auch Mantras, die zum Schützen (tib., srung ba), zum Zurückwerfen (tib., zlog pa) und dem Vernichten (tib., bsad pa) rezitiert werden. Dann gibt es noch Rezitationen zum Schärfen der Zaubersubstanzen.

Im Rahmen des Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa findet man in Rahmen der Praxis auf Guru Rinpoche mehrere Mantras zum Wettermachen, dem Vertreiben von Räubern, dem Vernichten von Feinden oder dem Heilen von Seuchen und Ansteckungskrankheiten oder zum Schützen. Meist wird neben Rezitation und Visualisation noch mit bestimmten Gesten – Mudras – gearbeitet.

Im Zyklus des Khandro Thugthig – der Herzessenz der Dakini – von Dudjom Rinpoche finden sich viele Aktivitätspraktiken, u.a. auch ein Zauberhandbuch mit ca. 50 Aktivitäts- und Heil-Mantras. Manche dieser Mantras sind Erweiterungen und Ergänzungen der vier erleuchteten Aktivitäten, andere Mantras dienen ganz konkret zum Lindern von bestimmten Krankheiten und dem Heilen. Ebenso gibt es eine Anleitung zur Spiegel-Divination, zum raschen Hervorbringen der Verwirklichungen, zur Verwandlung der Gestalt, zum Entwickeln von Gedankenlesen, zum Versammeln von Menschen, zum Heranziehen bestimmter Personen, zum Vermehren von Nahrung und Reichtum. Außerdem sind in diesem Mantra-Zyklus auch Mantras enthalten, die einen vor verschiedensten Verletzungen wie durch Feuer, Kälte, Wasser oder das Anschlagen des Kopfes behüten. Ebenso ist ein Schutz vor Feinden und Räubern hier enthalten. Mittels bestimmter Mantras und Substanzen kann man den Blutfluss stoppen, Zahnprobleme behandeln oder Schwellungen und Störungen der Mamos beseitigen.

Heilrituale

Die Grundlage des tantrischen Heilens ist die „Seelenrückholung“ – La Gug (tib., bla ‚gugs) genannt – womit ein Ritual zum Herbeiziehen des La (tib., bla) – der Lebensenergie – gemeint ist. Durch diese balanciert der Ngakpa (tantrischer Heiler) die Geistes- und Vitalkraft des Klienten. Der Ngakpa als Experte sieht die Geistes- und Vitalkraft des Menschen in einer vielschichtigen Gestalt miteinander verwoben. Lebensenergie (tib., bla), Vitalität (tib., srog), Körper (tib., lus), Einfluss-Präsenz (tib., dbang thang) und Windpferd (tib., lung rta) wollen bewahrt werden.

Wie die Schamanen die ersten Seelenführer in den Gemeinschaften waren, so wirken die Ngakpa-Lamas als Ritualkundige auf dem Lebensweg. Aufgrund ihres umfangreichen Wissens über Schöpfung, Natur, Identität und Wandlung des Geschaffenen werden sie in allen Lebenslagen von der Geburt bis zum Tod konsultiert. Nur wenige verfügen über ein umfassendes Wissen der Welten UND die Kraft, Wesen zu führen, zu befrieden, zu bannen, zu kontrollieren etc. Erst nachdem Ngakpas einen Stufenweg in ihrer Ausbildung durchlaufen, sind sie in der Lage heilsam zu wirken. Heil-Mantras dienen dazu, diese fünf Kräfte von Lebensenergie, Vitalität, Körper, Einfluss-Präsenz und Windpferd ins Gleichgewicht zu bringen.

Mehr dazu gibt es im Rahmen der Übertragung der Zyklen von Khandro Thugthig und Tsokye Thugthig. Siehe Veranstaltungskalender.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. April 2019

Erleuchtete Aktivität entfalten

Über Mantra-Heilen und die Anwendung von Mantras für bestimmte Zwecke ist gewiss schon viel geschrieben worden. Auch verschiedenste CDs mit allerlei Aufnahmen von Heilmantras zum Anhören und als Begleitung für Meditation sind am esoterischen Markt erhältlich. Doch kaum ein Buch oder eine CD enthält authentisches Material mit den entsprechenden Anleitungen dazu.

In der buddhistischen Tradition findet man zahlreiche Sammlungen mit Aktivitätsmantras, die entweder bereits in den Sutras überliefert wurden und Dharanis (tib., gzungs) genannt werden und magische Formeln darstellen, oder viele Mantra-Aktivitäten in Verbindung mit der Praxis der drei Wurzeln von Guru, Deva und Dakini bzw. Dharmapala. Will man die Mantra-Aktivität entfalten, dann ist eine Ermächtigung in die entsprechende Praxis und deren Vollendung erforderlich. Grundsätzlich kennt man einmal drei Arten von Rezitation der Mantras: 1) Annäherung; 2) Vollendung; und 3) Aktivität. Jede dieser Rezitationsklassen ist mit einer speziellen Visualisation verbunden, ohne die die Wirksamkeit des Mantras nicht eintritt.

Mudra, Mantra und Samadhi

Die magische Erschaffung von Mandala und Gottheit – also Welt und Wesen – durch Imagination im Rahmen der Erzeugungsstufe wird auch als Mudra (tib., phyag rgya) genannt, womit die symbolische Form der Gottheit gemeint ist. Im Rahmen dieser Ausführung übt sich der Praktizierende in den Stufen der Versenkung mittels Stütze auf eine spezifische Figur und ihre Umgebung – dem Mandala. Diese Vertiefungen werden durch Handlungen wie Gabendarbringung und Lobpreisungen intensiviert, sodass der Yogi von dieser Meditation völlig durchtränkt ist. In weiterer Folge wird durch Mantra und Samadhi – also durch magischen Wirkspruch und meditativer Konzentration – die jeweilige Meditation und Aktivität praktiziert.

Nach dem Darbringen von Gaben und den Lobpreisungen folgt die erste Rezitation und Visualisation, die als Annäherung (tib., bsnyen pa) bezeichnet wird. Die Annäherung dient einem weiteren Vertrautwerden als Meditationsgottheit. Im Rahmen der Praxis wird dabei mit zwei bis drei Ebenen von Wesensformen gearbeitet, von dem die innerste Essenz in Gestalt der Keimsilbe mit dem Mantra erscheint. Dadurch wird ein Selbstverständnis von einem selbst als Meditationsgottheit und der Welt als Mandala manifestiert. Bei vielen tantrisch Praktizierenden wird diese Stufe der Rezitation und Visualisation sehr ausführlich durchgeführt. Wenn man im Rahmen der gesamten Liturgie bestimmte Aktivitäten ausführen möchte, wie beispielsweise das Aktivieren der Einweihungs- und Reinigungsvasen, dann wird die entsprechende Rezitationspraxis an dieser Stelle hier eingefügt.

Die zweite Rezitationsklasse wird als „Vollendung“ (tib., sgrub pa) bezeichnet und in der damit verbundenen Visualisation werden die Siddhis, die spirituellen Verwirklichungen der Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten und zehn Richtungen, der drei Wurzeln usw. empfangen. Erst wenn man diese Rezitationsstufe gemeistert hat, tritt die Vollendung der Praxis ein und man hat entsprechende spirituelle Verwirklichungskraft, um erleuchtete Aktivitäten auszuführen. So mancher Praktizierender hat schon versucht, sich in allen möglichen Aktivitäten zu betätigen, hatte aber die beiden Stufen von Annäherung und Vollendung nicht erfüllt. Das Ergebnis war dann dementsprechend dürftig. Meist zeigen sich solche Zauberlehrlinge dadurch, dass sie ihre eigenen Probleme bei anderen wahrnehmen und diese dort dann zu heilen versuchen. Daher ist jedem Praktizierenden, der nach dem Ausführen von Buddha-Aktivitäten strebt, anzuraten, zuerst die dafür nötigen Grundlagen und Voraussetzungen zu erfüllen. Sobald aber diese Vollendung erreicht ist, werden diese vier Aktivitäten direkt als Aspekte erleuchteten Aktivitäten zum Nutzen anderer ausgeführt.

Die dritte Klasse der Rezitation ist die der Aktivität (tib., las byor), womit die Buddha-Aktivität gemeint ist. Für gewöhnlich kennt man vier Buddha-Aktivitäten (tib., ‚phrin las bzhi) bzw. vier Arten magischer Handlung, die mit vier Farben verbunden sind. Die weiße, befriedende Aktivität (tib., zhi ba) dient dem Befrieden von Konflikten, dem Heilen von Krankheiten und dem Beruhigen von Hunger und Not. Die gelbe, vermehrende Aktivität (tib., rgyas pa) wird zum Ausdehnen der Lebensspanne und dem Anwachsen von Verdienst eingesetzt. Die rote, kontrollierende oder magnetisierende Aktivität (tib., dbang ba) hilft, Herrschaft über die drei Bereiche zu erlangen und die Welt und Wesen unter Kontrolle zu bringen. Die blaue (grüne oder schwarze), zornvolle Aktivität (tib., drag po) dient dem vernichten feindlicher Kräfte. Dabei kennt man zehn Arten feindlicher Kräfte, die durch die zornvolle Aktivität einer direkten Befreiung zugeführt werden.

Um diese erleuchteten Aktivitäten auszuführen, visualisiert sich der Praktizierende in der Form der Meditationsgottheit und führt die erleuchteten Aktivitäten durch die Visualisation von entsprechenden Lichtstrahlen aus.

Die erleuchtete Aktivität (tib., ‚phrin las) ist die Aktivität der Buddhas zum Wohlergehen der Wesen. Sie ist durch drei Aspekte charakterisiert. Sie ist ihrer Natur nach dauerhaft, alles durchdringend und mühelos präsent (tib., rtag khyab lhun grub). Die erleuchteten Aktivitäten sind allerdings nur Teil der inneren oder höheren Tantras. Man findet diese Art der Aktivität weder in den äußeren Tantras, noch im Sutrayana, wo der Arhat lediglich in einem ewigen untätigen Frieden verweilt oder Bodhisattvas nur Bodhisattva-Aktivitäten ausführen.


Der nächste Beitrag handelt dann vom Mantra-Heilen. Bleibt also dran!

Verfasst von: Enrico Kosmus | 25. April 2019

Dakini – die weibliche Weisheit

Der tibetische Begriff „mkha‘ ‚gro“ (sprich: Khandro oder Khadro) setzt sich aus den Silben „mkha‚“ (Himmel) und „‘gro“ (umherziehen, wandern) zusammen und meint ein Wesen, das am Himmel umherwandert. Daher wurde die Dakini schon öfter auch als „Himmelstänzerin“ oder „Himmelswanderin“ bezeichnet. Rasch tauchen einem da Bilder von am Himmel fliegenden Hexen auf. Durchaus eine Möglichkeit in der Begriffsdeutung, aber darüber hinaus gibt es noch weitere.

Grundsätzlich kennt man drei Arten von Dakinis: 1) überweltliche; 2) weltliche; und 3) als Ehrbezeichnung. Die überweltlichen Dakinis sind jene, welche die Leerheit verkörpern und auf diese Weise den Raum (Himmel) durchqueren. So wie der Raum (Weltraum) überall ist, ist auch alles leer von sich aus. Die Praxis der Dakini ermöglicht daher dem Praktizierenden des Vajrayana diese Qualität rasch zu manifestieren. Da die Realisation von Leerheit mit der Realisation des Dharmakaya gleich ist, führt dies rasch zur Befreiung.

Weltliche Dakinis sind durchaus die bereits erwähnten Hexen und weißen Frauen, können aber auch nicht-sichtbare Wesen in Gestalt von Dämoninnen und heilsamen wie unheilsamen Erdmüttern (skt., matrika; tib., mamo) sein. Diese halten sich an bestimmten Plätzen wie Leichenstätten auf, fressen Menschenfleisch – bevorzugt Kinder – oder treten als Störenfriede auf. Dabei handelt es sich auch schon mal um unerleuchtete Wesen.

Der Begriff „Dakini“ (Khandro) wird aber ebenso als Ehrbezeichnung für die Frau eines hohen Lehrers verwendet.

Drukpa Künley, der verrückte Heilige, benannte neun Arten von Dakinis:

Jnana-Dakini / Yeshe Khandro

Die Weisheits-Dakini ist hübsch, durchflutet und strahlend. Sie hat fünf Muttermale auf ihrer Haarlinie und ist mitfühlend, rein, tugendhaft und fromm und hat eine gute Körperform. Die Verbindung mit ihr bringt Glück in dieses Leben und verhindert, dass man bei der nächsten Geburt in die Hölle fällt.

Vajra-Dakini / Dorje Khandro

Die Vajra -Dakini ist liebreizend mit einem gut gefüllten, geschmeidigen Körper. Sie hat lange Augenbrauen, eine süße Stimme und singt und tanzt gerne. Die Verbindung mit ihr bringt Erfolg in diesem Leben und die Wiedergeburt im Götterbereich.

Ratna-Dakini / Rinchen Khandro

Die Ratna-Dakini hat ein hübsches weißes Gesicht mit einem angenehmen gelben Schimmer. Ihr Körper ist schlank und sie ist groß. Ihr Haar ist weiß und sie hat wenig Eitelkeit und eine sehr schmale Taille. Die Verbindung mit ihr gibt einen Reichtum in diesem Leben und verschließt die Tore der Hölle.

Padma-Dakini / Pema Khandro

Die Padma-Dakini hat eine hellrosa Haut, einen öligen Teint, einen kurzen Körper und Gliedmaßen sowie breite Hüften. Sie ist lustvoll und geschwätzig. Durch die Verbindung mit ihr werden viele Söhne erzeugt, während Götter, Geister und Menschen kontrolliert werden und die Tore zu den niederen Bereichen geschlossen werden.

Karma-Dakini / Lekyi Khandro

Die Karma-Dakini hat eine strahlend bläuliche Haut mit einem bräunlichen Farbton und einer breiten Stirn. Sie ist eher sadistisch. Die Kopplung mit ihr ist eine Verteidigung gegen Feinde und schließt die Tore zu den niederen Reichen.

Buddha-Dakini / Sangye Khandro

Die Buddha-Dakini hat einen bläulichen Teint und ein strahlendes Lächeln. Sie hat wenig Lust, ist langlebig und trägt viele Söhne. Die Verbindung mit ihr verleiht eine lange Lebensdauer und eine Wiedergeburt im reinen Land des Orgyän Gurus.

Shaza Khandro

Die fleischfressende Dakini hat einen dunklen und aschgrauen Teint, einen breiten Mund mit hervorstehenden Reißzähnen, eine Spur eines dritten Auges auf ihrer Stirn, lange klauenartige Fingernägel und ein schwarzes Herz in ihrer Vagina. Sie genießt es, Fleisch zu essen, und sie verschlingt die Kinder, die sie trägt. Sie ist auch eine Schlaflose. Die Verbindung mit ihr verursacht ein kurzes Leben, viele Krankheiten, wenig Reichtum in diesem Leben und eine Wiedergeburt in der tiefsten Hölle (Avici-Hölle).

Jigten Khandro

Die weltliche Dakini hat ein weißes, lächelndes und strahlendes Gesicht und sie ist respektvoll gegenüber ihren Eltern und Freunden. Sie ist vertrauenswürdig und großzügig. Die Verbindung mit ihr sichert den Fortbestand der Familienlinie, erzeugt Nahrung und Reichtum und sichert die Wiedergeburt als Mensch.

Gupa Go Thal Khandro

Die Asche essende Dakini hat gelbes Fleisch, das einen aschfrauen Teint und eine schwammige Textur hat. Sie isst Asche vom Rost des Herdes. Die Verbindung mit ihr verursacht viel Leiden und Erweckung und eine Wiedergeburt als hungriger Geist.

So sprach Drukpa Künley zu 15 Mädchen auf die Frage, welche Art von Dakini (Khandro) sie wären, als er Nyerong verließ und sich auf den Weg nach Kongpo begab.

Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. April 2019

Dharma oder Kultur

Der Unterschied zwischen Dharma und Tradition oder Kultur

Um in die buddhistische Sichtweise einzuführen, sollten wir zuerst wissen, was Dharma ist. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Dharma und den verschiedenen Traditionen der buddhistischen Lehren. Wenn wir im Dharma Zuflucht suchen, nehmen wir keine Zuflucht in die buddhistische Tradition. Wir müssen also wissen, wie man zwischen Dharma und den buddhistischen Traditionen unterscheidet. Der Buddhismus hat sich nicht nur in Bhutan verbreitet, sondern auch in vielen anderen Ländern wie Korea, Japan, China, Thailand, Sri Lanka usw. Es ist jedoch ein großer Fehler in der Art und Weise, in der diese Länder dem Buddhadharma folgen, da sie die buddhistische Tradition mit Dharma verwechseln. Und im Laufe der Zeit legen sie mehr Wert auf die Traditionen als auf den authentischen Buddhadharma.

Diese Verwirrung zwischen den Lehren und der Tradition zeigt sich nicht nur bei Buddhisten, sondern auch bei anderen Lehren wie dem Christentum. Zum Beispiel feiern Christen den 25. Dezember als Weihnachtstag, und es ist zu einem Tag geworden, an dem Geschenke gekauft und dargebracht werden, ein Baum aufgestellt und mit schönen Dingen verziert wird. Sie geben diesen Dingen so viel Bedeutung und nicht wirklich den Lehren Jesu Christi. Und etwas Ähnliches passiert in Bhutan. Ich warne Sie nicht nur, dass dies in Zukunft passieren könnte – es ist bereits geschehen. Wir legen großen Wert auf Festivals, machen Maskentänze und machen alles schön, um es den Touristen zu zeigen. Aber die Menschen vergessen den authentischen Dharma und geben stattdessen den Traditionen eine so große Bedeutung und Betonung. Traditionen sind eigentlich gar nicht so schlecht. Anders als beim Dharma ändern sich Traditionen und Kultur mit der Zeit und dem Ort. Zum Beispiel haben sich viele Aspekte der bhutanischen Tradition, wie zum Beispiel die Kleidung der Bhutanesen und ihr Verhalten, seit dem Anfang verändert.

Die Lehre praktizieren statt bloß der Tradition folgen

Aber die Lehren, die der Buddha lehrte, werden sich niemals ändern. Buddha sagte, dass sich die wahre Natur der Dinge nicht ändern wird, egal ob der Buddha in dieser Welt erscheint oder nicht. Die Lehren der Vier Edlen Wahrheiten, vier Siegel usw. werden sich niemals mit Zeit und Ort ändern. Zum Beispiel lehrte Buddha, dass alle zusammengesetzten Dinge unbeständig sind. Alle zusammengesetzten Dinge waren vor dem Buddha unbeständig, und selbst nach 2500 Jahren, nachdem Buddha auf diese Erde gekommen war, ist nichts dauerhaft geworden – alles ist immer noch unbeständig. So ändern sich die Lehren des Buddha, das Dharma, nicht mit Zeit und Ort. Nur die Traditionen ändern sich.

Wir werden nicht als Buddhisten außergewöhnlich, nur indem wir Buddha Shakyamuni folgen. Außergewöhnlich ist, dass wir durch Befolgung der Lehren des Buddha die wahre Natur des Geistes und der Phänomene erkennen können. Wenn wir die wahre Natur der Phänomene erkennen, werden wir außergewöhnlich. Wir werden einzigartig. Und wir werden nicht außergewöhnlich, wenn wir nur daran denken, das zu tun, was Buddha gelehrt hat. Sie werden sich nicht von den Anhängern anderer Glaubensrichtungen unterscheiden, indem Sie einfach den Lehren Buddhas folgen. Sie müssen die Sicht üben und verwirklichen. Buddha Shakyamuni ist derjenige, der die wahre Natur der Phänomene gelehrt hat. Er ist jedoch nicht der Schöpfer der wahren Natur – er hat keine Leere geschaffen. Buddha Shakyamuni ist derjenige, der die Realität oder die wahre Natur gelehrt hat und wie man durch das Erkennen der wahren Natur außergewöhnlich wird. Wie er lehrte, ist, dass, wenn Sie zum Beispiel davon träumen, dass Sie gerade von einem hohen Gebäude fallen, Sie Angst bekommen. Wenn jemand aus dem Nichts auftaucht und sagt: “Kein Grund zur Sorge, keine Angst, es ist ein Traum, es ist nicht real” – dann werden Sie keine Angst haben. Sie wissen, dass es ein Traum ist. Sie erkennen, dass es ein Traum ist. Die Person, die Sie unterrichtet, die Ihnen zeigt, dass es ein Traum ist, ist genauso wie Buddha Shakyamuni, der gelehrt hat, dass das, was Sie jetzt erleben, all diese Verwirrung wie ein Traum ist. Es ist nicht real.

Buddha lehrt einen also die Realität, die wahre Natur. Und wenn Sie die wahre Natur erkennen, haben Sie keine Angst vor Samsara. Die Person, die die Realität oder die wahre Natur gelehrt hat, ist Buddha Shakyamuni. Der Punkt hier ist, dass er kein Schöpfer ist. Er hat keine Realität geschaffen – er hat uns die Natur der Realität gelehrt.

In relativer Hinsicht wurde Buddha Shakyamuni in Lumbini geboren, und dann verzichtete er auf die Welt und übte sechs Jahre lang Entsagung. Am Ende meditierte er unter dem Bodhi-Baum und erlangte Erleuchtung. Alle diese Dinge tat er aus Gründen des Glücks. Das einzige, was alle Menschen sehnen, ist Glück – und das Einzige, was der Mensch nicht will, das jedes Wesen nicht will, ist das Leiden. Buddha Shakyamuni verzichtete ebenfalls auf den Palast und wurde zu einem Entsagenden, weil er Glück wollte.

Was ist Dharma?

Dharma ist etwas, das die Wahrheit, die Realität, festlegt. Wir müssen Dharma üben, um Frieden und Glück zu haben. Wir machen alle möglichen Dinge für das Glück. Zum Beispiel haben nicht nur Buddhisten so viele Mittel, um Frieden und Glück zu finden, sondern auch in Ägypten und Griechenland gab es viele Philosophen, die Bücher darüber geschrieben haben, wie man Glück finden kann. Sogar Wissenschaftler machen alle möglichen Experimente und ziehen dann alle möglichen Schlüsse, zum Beispiel, dass die Erde rund ist und sie auch zum Mond gehen können, nur um Frieden und Glück zu schaffen. Und wenn Buddhisten diese Dinge untersuchen, kommen sie zu dem Schluss, dass keines dieser Dinge ein perfektes Mittel ist, um Glück zu erlangen. Wissenschaft, Technologie, Politik, Wirtschaft, alles – all diese Dinge – sind nicht das ultimative Mittel, um Glück zu finden. Buddhisten stellen auch fest, dass keines dieser Dinge besser ist als das, was Buddha gesagt hat. Wir müssen uns nicht zu diesen Dingen Fragen stellen.

Wir sollten uns selbst untersuchen und erforschen. Wenn wir genau untersuchen, was Buddha gesagt hat, sagte er, dass alle zusammengesetzten Dinge unbeständig sind, alle Emotionen Leiden sind usw. Und wenn wir dies vollständig untersuchen, werden wir feststellen, dass dies wahr ist. Wir werden feststellen, dass nichts dauerhaft geworden ist und dass keine Emotionen zu Glück oder Glückseligkeit geworden sind. Buddha sagte, wenn wir die Anhaftung an uns selbst nicht zerstören, unser Selbstklammern, dann gibt es keinen Weg, auf dem wir Glück erreichen können. Und Buddha sagte, dass alle zusammengesetzten Dinge unbeständig sind: Alles Unbeständige hat das Potenzial, zusammen zu brechen oder zu zerfallen. Und was das Potenzial hat, auseinander zu fallen oder zu erschöpfen, leidet. D.h. alle unbeständigen Dinge werden durch Emotionen getätigt, und alles, was durch Emotionen getätigt wird, ist von Natur aus Leiden. Indem er sich an unbeständige Dinge klammert, ist dies die Ursache allen Leidens – das erklärte Buddha. Aber nirgends in den Lehren hat Buddha gesagt, dass wir seine Lehren einfach akzeptieren müssen, nur weil er es gesagt hat. Wir müssen seine Lehren prüfen.

Frieden und Glück

Glück kann nicht durch äußeren materiellen Wohlstand erreicht werden. Je mehr materiellen Reichtum Sie haben, desto mehr Leid wird er bringen. Heute hat sich die Welt im Hinblick auf den materiellen Wohlstand so dramatisch entwickelt, aber das Leiden hat nicht abgenommen. Stattdessen hat all diese Entwicklung das Leiden verstärkt, vergrößert und beschleunigt. Zum Beispiel haben wir jetzt Mobiltelefone. Wenn also hier in Bartsham etwas passiert, werden Sie in Kürze in Trashigang davon erfahren, und die Menschen dort werden darunter leiden.


Von Dzongsar Khyentse Rinpoche; übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2019).

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