Verfasst von: Enrico Kosmus | 27. März 2020

Chöd – Verwirklichung

Beweise für den Erfolg der Verwirklichung der Frucht

Die Kraft der vollständigen Vervollständigung der Beweise für den Erfolg der spirituellen Kräfte bis zu diesem Punkt stellt alle gewöhnlichen Vorstellungen und das Festhalten an weltlichen Erscheinungen in den Schatten. Die große zeitlose Weisheit des Nicht-Konzepts, der Nicht-Wahrnehmung, der Nicht-Anhaftung und des Nicht-Handelns entfaltet sich vollständig. Es ist, als ob die Sonne an einem unberührten Himmel aufgeht und ein Mensch mit Augen herausschaut und das ganze Land ohne Verdunkelung oder Bedeckung klar sieht.

Sobald die Verdunkelungen gereinigt sind, entstehen in deinem Seinsstrom durch die Kraft, die höchste spirituelle Kraft zu erlangen, besondere Verwirklichungen, und die Träume werden scharf und klar. Hellsehen entsteht, und du siehst und triffst die reinen Bereiche der Buddhas und Bodhisattvas und ihre ganze Umgebung im Traum. Du sitzt auf dem Löwenthron und lehrst den Dharma. Du sitzt auf der Spitze eines Stupa und verbreitest Lichtstrahlen. Du erreichst ein reines Land, das mit Blumen geschmückt ist. Du betrittst das geheime Mandala deiner eigenen Yidam-Gottheit und erhältst die vollständigen vier Ermächtigungen.

Die Kraft, all dies klar in Erfahrungen und Träumen zu erreichen, erzeugt besondere Fähigkeiten in Körper, Rede und Geist. Du hast die Fähigkeit, Götter, Dämonen, Menschen, Nahrung, Reichtum und Vergnügungen tatsächlich zu kontrollieren. Tagsüber versammelst du die Menschen und in der Nacht die Dämonen. Im Allgemeinen versammelst du die Götter, und morgens und abends sammelst du Nahrung, Reichtum und Vergnügungen. Die Kraft deiner Fähigkeit wird automatisch alle Dämonen und bösen Geister unterwerfen und so weiter. Viele solcher Vorzeichen deiner Qualitäten werden sich natürlich und spontan einstellen und alle deine Handlungen werden in Harmonie mit dem Dharma sein. Dies ist die Frucht der Vollendung des neunten Erfolgsbeweises, und solche Qualitäten sind der zehnte Erfolgsbeweis: die Frucht.

Es ist wichtig, dass diese zehn Erfolgsbeweise genauso wie einzeln erklärt, ohne Vermischung, klar und glaubwürdig als besondere Erfahrungen in Träumen auftreten. Die Mehrzahl der Qualitäten des Erfolgsnachweises der Erfüllung muss wirklich geschehen. So sind die Qualitäten der Vollendung der zehn Erfolgsnachweise Vorzeichen für das Entstehen der Offensichtlichkeit des Durchtrennens.

Wie bereits erläutert, musst du die erste Bodhisattva-Stufe für den Nachweis der Trennung erreichen. Wenn du in der Aufblähung von Arroganz und Freude an den Qualitäten der Erfolgsbeweise anheimfällst, wird es wie ein Teufel wirken, wenn du den Pfad des Sehens und der Beweise für das Durchtrennen nicht erreichst. Welche Qualitäten des Erfolgs auch immer auftreten, fixiere dich nicht darauf oder hänge dich nicht mit einem aufgeblähten Geist daran. Übe mit allem, was sich ereignet, als wäre es ein Traum oder eine Illusion. Schneide in dieser Wahrheitslosigkeit die Wurzeln der Inflation durch, mein Sohn. Hört nun wieder zu, ihr hier versammelten Jünger.

Herausforderungen, Erscheinungen, Beweise für den Erfolg sind nur Bezeichnungen des Geistes – sie haben nie existiert. In der Realität ihrer ursprünglichen Nichtexistenz ist jede Ablehnung oder Akzeptanz der Teufel selbst. Verfolgt keine Objekte. Durchschneidet die Inflation. Erkennt das Nicht-Selbst des selbstfixierten Teufels. Wenn ihr das Nicht-Selbst kennt, seid ihr von der Ich-Fixierung befreit. Wenn ihr das wisst, dann existiert das Abschneiden und Durchtrennen von Objekten, dieser oder jener Teufel, nicht einmal dem Namen nach. Der Teufel des aufgeblasenen Objekts und der Teufel der Überhöhung selbst. Wenn ihr wisst, was sich aufbläht, kann die Überhöhung euch nichts anhaben. Wenn man die Überhöhung dieses Teufels abschneidet, erscheint die bloße Aufblähung wie das Wasser einer Fata Morgana. Ein illusorisches Wesen kann sich selbst und andere nicht aufrechterhalten – ihr seid frei von dem beeinträchtigten Auge, das zwei Monde sieht. Wolken steigen am Himmel auf, ohne den Himmel abzuweisen. Da alles natürlich erscheint und natürlich frei ist, wie könnte es sich selbst akzeptieren oder aufgeben? Wenn es möglich wäre, dann würde das, was ihr akzeptiert oder aufgebt, geschätzt werden, und das ist der Teufel selbst. Deshalb, Jünger, hegt und pflegt nichts. Befreit von der Wertschätzung gibt es keine Trennung oder ein Objekt, das abgetrennt werden muss, keinen höchsten Pfad der Befreiung oder irgendwelche höchsten spirituellen Kräfte. Der Teufel, der zurückgewiesen werden muss, ist derselbe Gott, der vollendet werden muss. Ihr sollt wissen, dass sie dieselben sind, bloße Bezeichnungen, die es nie gegeben hat, ohne dass eine einzige Sache gezeigt werden muss. Wenn ihr eure Überhöhung kennt, wird sie in ihrem eigenen Boden freigesetzt und ihr könnt nicht über euer eigenes Wesen sprechen oder daran denken. Die dualistische Fixierung von Objekt und Subjekt wird abgeschnitten. Jünger, ruht frei und ohne Erfindung in der Realität selbst, rein wie der Himmel, in der Leere, Nicht-Selbst und in völliger Einfachheit.

Das war es nun mit den Zeichen. Viel Erfolg!

Aus dem Machig Namshe, den Erklärungen der Machig Labdrön zum Chöd. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2020). Möge es von Nutzen sein!


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