Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Oktober 2019

Überlieferungslinien des Chöd

Nun zur eigentlichen Linie des Chöd oder dem Ursprung des Chöd – womit ist die Chöd-Praxis verbunden? Eine Linie ist die Linie des Sutrayana, eine weitere ist die Linie des Tantrayana und eine dritte Linie ist eine Verbindung aus beiden (Sutrayana und Tantrayana).

Soweit man die Sutrayana-Linie betrachtet, dann hat sie natürlich ihren Ursprung in Buddha Shakyamuni, von Buddha Shakyamuni zu Manjushri, von Manjushri zu Nagarjuna, von Nagarjuna zu Aryadeva, von Aryadeva zu Dampa Sangye. Das ist die Linie des Sutrayana.

Die tantrische Linie der Chöd-Praxis stammt von Prajnaparamita ab. Prajnaparamita ist der Dharmakaya-Zustand der Buddhaschaft. Prajnaparamita gab die Lehren an Vajra Yogini, die den Sambhogakaya-Zustand der Buddhaschaft darstellt, weiter. Vajra Yogini gab es an Tara weiter. Tara ist die wiedergeborene Form oder der Nirmanakaya-Zustand der Buddhaschaft. Tara gab die Lehren an Machig Labchi Drölma weiter.

Bei der Kombination der Linien von Sutrayana und Tantrayana ist zuerst Manjushri. Manjushri gab es weiter an Tara, Tara gab es weiter an die Dakini Sukhasiddhi, die Dakini Sukhasiddhi an Aryadeva, Aryadeva an Dampa Sangye, Dampa Sangye an Sönam Lama, Sönam Lama gab es an Machig Labchi Drölma weiter. Machig Labchi Drölma gab ihre Lehren an ihre drei Söhne weiter. Dies tat sie in verschiedenen Kategorien – zuerst gab sie an ihren Sohn Gyalwa Döndrub hauptsächlich die Lehren der Sutrayana-Linie weiter. Dem zweiten Sohn Tönyon Samdrub gab sie die Chöd-Praxis der Tantrayana-Linie weiter und dem dritten Sohn Khugom Chöseng wurden die Lehren aus den Linien des Sutrayana und Tantrayana weitergegeben. Von diesen Söhnen wurde es an viele, viele Schüler weitergegeben und es gab viele erleuchtete Wesen mit einem erfahrungsmäßigen Verständnis. Und dank der Anstrengungen von Machig Labchi Drölma und dank ihrer Söhne, die ihre Lehren weitergaben, haben wir nun diese Chöd-Praxis – die große Mahamudra-Chöd-Praxis, die eine Art davon ist, sich überall hin verbreitet. Und diese besondere Ermächtigung, ist das, was wir eine Torma-Einweihung nennen.

Die Torma-Ermächtigung stammt von der Linie des Khugom Chöseng und all den verschiedenen tibetischen Namen ab und falls jemand das nachher braucht, werde ich nachher helfen, das aufzuschreiben. All diese verschiedenen Namen und der letzte wäre dann Karmapa Rangjung Dorje. Das war der dritte Karmapa. […]

Diese spezielle Chöd-Lehre kommt von Machig Labchi Drölma her. Es ist gewissermaßen eine unreine Vision, dass diese Lehre von ihr herkommt. Was eigentlich geschieht ist das, dass es Negatives in Positives bis zu dem Ausmaß wandelt, dass Feinde sich verwandeln oder als Freunde zurückkehren, ungünstige Dinge werden in günstige verwandelt; daher ist das tiefgründig und erhaben.

Machig Labchi Drölma sagte diese Dinge ihren Söhnen:

„Hört auf eure Mutter; keine Hindernisse werden jemals auftauchen, wenn ihr die Kranken und Sterbenden zu den Dämonen gebt, dann könnt ihr sicher sein, dass es nichts gibt, was zur Krankheit werden könnte, weil ihr nichts habt, das krank werden könnte. Das muss umschrieben werden – manchmal wenn wir ein Gepäck haben und es für ein paar Münzen in einen Kasten sperren, lassen wir das Gepäck in Obhut anderer Leute. Wenn ihr besondere Dinge habt, dann könnt ihr nicht über euch selbst verfügen, weder nicht nachsehen oder euch nicht darum kümmern, gebt sie einfach in die Obhut eurer Feinde, dann ist nichts zu fürchten, keine Furcht, dass es gestohlen wird oder keine Furcht beraubt zu werden. Wenn ihr alles gehen lässt, dann gibt es nichts zu wünschen. Dies sind meine Kernanweisungen.“

Machig Labdrön

Sie fuhr fort, ihren Söhnen zu erzählen, die Botschaft ist wirklich für Leute wie uns  – anstatt zu sagen, bewahrt sie auf, beschützt sie, ihr könnt hundertmal sagen, bewahrt sie auf, bewahrt sie auf… beschützt sie, beschützt sie… Sie aufzubewahren, ist ein Haften. Das ist einfach sinnlos und nutzlos, stattdessen solltet ihr einfach sofort sagen – da habt ihr sie, nehmt sie; das ist viel besser. Sie sagte, wenn ihr euren Körper in materielle Nahrung verwandeln könnt, dann ist das ein weit größerer Schutz, als alle Arten von Schutzamulette zu tragen. Hier sagt Machig Labchi Drölma nun, es ist viel besser wenn man wirklichen die beste Art des Schutzes braucht, ein Mandala, dann soll man den Körper alle jene da draußen opfern und dies ist der beste Schutz.


Aus den Belehrungen zur Einweihung und Praxis des Chöd, von Garchen Rinpoche. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es von Nutzen sein!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: