Verfasst von: Enrico Kosmus | 17. September 2019

Der Guru der großen Glückseligkeit

Die Meditation der Selbstnatur in Form des Gurus ist einer drei Punkte im Rahmen des Drei-Wurzel-Trainings. Neben einer Erscheinung des Vidyadhara-Gurus im Rahmen der Versammlung der Wissenshalter „Der Ausdruck großer Glückseligkeit“ gibt es noch zwei weitere Manifestationsformen. Eine davon ist der zornvolle Guru König der großen Glückseligkeit (Lama Dragpo Dechen Gyalpo) und eine weitere ist der äußerst zornvolle Guru (Lama Wangdrag). Je nach Erfordernis hat Padmasambhava diese drei Aspekte den Hauptschülern gelehrt. Die Versammlung der Wissenhalter ist besonders im Dudjom Tersar von besonderer Bedeutung, da sie mit dem Guru im Zentrum, umgeben von den vier Familienherrschern, den acht Hauptemanationen Padmasambhavas, den acht indischen Wissenshaltern, welche die acht Haupt-Mandalas der Nyingma-Tradition lehrten und den 28 Ishvaris , Schützern usw. ein großes Mandala umfassen. Die Steigerungsform vom friedvollen, über den zornvollen hin zum äußerst zornvollen Guru ist eine zunehmende Intensität der meditativen Methode.

Padmasambhava legte für die zukünftigen Generationen diese Lehren dar. Hier ein Einblick in die Möglichkeiten der Praxis des Lama Dragpo Dechen Gyalpo.

Prophezeiung

Die Notwendigkeit einer intensiven Praxis legt Padmasambhava mit folgenden Worten dar.

Zum Nutzen für die künftigen Generationen der Linienhalter so wie ich, habe ich, der ehrwürdige Meister Padma Thöthreng die Praxis des zornvollen Lamas Dechen Gyalpo, die als „Die wahre Herzessenz“ (bekannt ist), gelehrt. Wenn in der Zukunft, in der letzten 500 Jahr (-Periode), diejenigen, die karmisch mit mir, Padmasambhava, verbundenen sind, auf das Tor des tiefgründig geheimen Mantrayanas treffen, dann wird das für die Tage und Stunden aller Lebenszeiten beständig unumkehrbar sein. Personen, die die Aggregate zufriedenstellt, hängen von dir ab. Für diejenigen, die faul, abgelenkt, geschäftige oder wollüstig sind, ist Zweifel am heiligen Dharma ein großer Räuber. Gleichgültigkeit sind Aufschieben sind teuflischer Räuber. Gewinn, Ehre und Ruhm sind teuflische Banditen. Kurzum, nimm zu allen Zeiten und bei allen Gelegenheiten den niedrigsten Sitz ein, lege einen Pelzmantel an und verweile ganz allein, das ist die Anwendung der Schlüsselpunkte. Rechne anderen nicht prahlend vor, wie viele Jahre oder Monate du praktiziert hast! Fasse das ganze Leben in essentieller Praxis zusammen! Ein menschliches Leben ist wie ein Sonnenstrahl zwischen den Wolken. Mach das Verlangen „brauchen, brauchen, nötig, nötig“ nicht größer, die vielen Notwendigkeiten ruhen zu lassen, ist die Anwendung der Schlüsselpunkte. Wenn du, obwohl du morgen sterben könntest, keinen Gedanken daran verschwendest, dann ist alles loszulassen der wahre heilige Yoga. Wenn du die sorglose Zuversicht hast, glücklich zu sein, wenn du krank bist und freudig, wenn du stirbst, dann bist du ein Mensch, dann akzeptiere ich dich als Kind, das nach dem Vater kommt. Belasse es für diese Schlüsselpunkt nicht bei den Beispielen, sondern setzte sie in die Praxis um! Dann werdet ihr von Padma als Nachfolger angenommen, ihr Glücklichen. SAMAYA.

Hinweise zur Praxisgestaltung

Padmasambhava empfiehlt, die Praxis an einsamen, entlegenen Orten durchzuführen.

An höchst entlegenen Plätzen wie im Schnee, im Schlamm, im Dschungel oder auf Felsklippen, in einem reinen Land, abgeschieden von den weltlichen Dingen, die ausgezeichneten Orte, wo sich Wesen mit höchstem Karma und Streben aufhalten, ist insbesondere edel. SAMAYA.
Zu den guten Zeitpunkten (wie) dem zunehmenden Mond, besonders am 10. Tag, öffnet man das Mandala und praktiziert den Wurzeltext. Ein Mandala, geschmückt, arrangiert und vollkommen mit allen Merkmalen, ist die Methode mit Ausschmückungen. Sich auf eine Torma-Stütze mit den Merkmalen, die die drei Stützen repräsentieren, auf das Mandala der drei Sitze zu stützen, ist die unausführliche Methode. Man arrangiert die Festopfersubstanzen, die die Sinne erfreuen. Die Stufen des Rituals der Vorbereitung (für den Ort und das Mandala) lernt man aus den allgemein üblichen (Abläufen). SAMAYA.
Die vom Glück Begünstigten der Praxis des zornvollen Lamas, ausgestattet mit der Essenz der tiefgründigen Erzeugung und Vollendung und ohne irgendwelche Ablenkung und ohne ein Wort zu sprechen, nichts aufzugeben, die Versprechen unbefleckt, die Schutzgrenze nicht gebrochen, die Praxis der letztendlichen Essenz ist der tiefgründige Schlüsselpunkt. Nimm diesen Herzensrat von Padma an, oh Herzenskind! SAMAYA.

Zeichen der Verwirklichung

Wenn man die Mantra-Rezitation im vollen Ausmaß praktiziert, sollten sich auch die entsprechenden Zeichen einstellen.

Die Zeichen der Verwirklichung werden sicherlich erscheinen: Insbesondere das Aufgehen von Sonne und Mond, man gelangt auf den Gipfel eines Berges, fliegt am Himmel, Blumen erblühen, man erfreut sich an Getreide, das Haus lodert von Feuer, man überquert ein großes Gewässer, Musik erklingt und man erblickt das Antlitz der Gottheit, man bekommt einen klaren Spiegels – als Zeichen der Annäherung und Verwirklichung sind das die besten. Werden Felsen zerstört, ein Pflanzendickicht niedergedrückt, Lebewesen getötet, zu Dienst gebunden und unterworfen, eine Versammlung von vielen lobpreist (einen auf) einem Thron, Männer und Frauen als Mönche oder als Bön-Schamaninnen bringen einem Verehrung und Respekt entgegen und die acht Klassen der Götter und Dämonen legen Versprechen ab, das sind die Zeichen der Verwirklichung der erleuchteten Aktivität. Insbesondere, wenn Erfahrung und Verwirklichung entsteht, Federn vom Adler, dem König der Vögel herabfallen, sich ein Blumenregen herabfällt, der Nektar (in der Schädelschale) kocht, der Torma mit Feuer lodert, der Rakta überfließt, der Selbstklang von Gesang und Musik erklingt, das sind Zeichen für die tatsächliche Verwirklichung und allerhöchste Gewissheit. Wenn sich auf diese Weise die Zeichen der Verwirklichung zeigen, dann wirf Festhalten an Hoffen und Bangen fort und lasse dich in der Sphäre ohne Freude und Leid nieder! Halte diese Schlüsselanweisung als besonders hoch!

Spirituelles Festmahl

Im Rahmen einer Ganachakrapuja – ein spirituelles Festmahlopfer – werden gebrochene Praxisversprechen bereinigt. Guru Padma sagt dazu:

Damit das den zornvollen Gurus praktizierende Kind die Ansammlungen vollenden, die Verschleierungen bereinigen und die Verletzungen und Brüche der Samayas wiederherstellen kann, dreht er den Kreis des Festopfers: Alle Freude und Reichtum an Sinnesfreuden werden wie der Berg Meru und der Ozean der Genüsse aufgehäuft. […]

Nutzen

Am Ende verkündet Padmasambhava den Zweck der Praxis, beauftragt den Dharma-Schützer Rahula, diese Lehren vor Missbrauch zu behüten und versiegelt sie mit Gelübde, drei einfachen Siegeln, einem Schatzsiegel und weiteren Siegeln des Geheimen und der Tiefgründigkeit.

Dieser Lebensbindu des Ozeans der Siegreichen der drei Zeiten, zusammengefasst zur Quintessenz als tiefgründige Anweisungen wurde für die Linienhaltern Padmas vom Siegel der Überantwortung gelöst. Abgesehen von den Herzenskindern, die diese Anweisungen nicht verkommen lassen, und den durch Wunschgebete und Karma verbundene Glücklichen sind diejenigen, die dies hier treffen, so selten wie die Udumvara-Blume. Diese tiefgründige Herzessenz von mir, Padma, ist mit der Absicht von 100.000 Vidyadharas besiegelt und mit der Weite von immens vielen Myriaden von Dakinis besiegelt (und) auch mit den Segnungen von unzähligen Siegreichen besiegelt. Verglichen hinsichtlich der Kraft des Segens ist sie überragend. Wer immer damit zusammentrifft, wird das Tiefgründige und Klare völliger Befreiung haben. Es ist dem befehlshörigen Beschützer Za Düd (Rahula), dem giftigen Rasiermesser, anvertraut. Beschütze den Buddha! Befehl- und Eid-Siegel.

Ermächtigung

Wie jede tantrische Praxis ist auch für die des Lama Dragpo Dechen Gyalpo eine Ermächtigung erforderlich. Dafür gibt es Vorbereitungen.

Die Stufen der Ausführung dieser überragenden Ermächtigung des zornvollen Lamas: Der mit der höchsten Sichtweise ausgestattete Meister legt in ein wohlarrangiertes Mandala, das mit allen Merkmalen vollendet ist, die Stützen für Körper, Rede und Geist. Zuerst führt er die Praxis gemäß des Wurzeltextes aus. Dann kommt für Schüler, die geeignete Gefäße dafür sind, das Reifen durch die Ermächtigung: Zuerst setzen sie sich der Reihe nach hin und man führt die Waschung durch, bannt die hinderlichen Kräfte und meditiert den Schutzkreis. Um die ungeeigneten (Schüler) zu entfernen, werden die Vajra-Worte erklärt.

Dann folgt ein Dialog zwischen Lehrer und Schüler, bei dem es um die Willigkeit zur Einhaltung der Samayas – der tantrischen Gelübde – geht. Für die geeigneten Schüler geht es dann weiter mit einem Reinigen des Seinsstroms der Schüler, damit deren drei Tore als Vajra-Gefäße geeignet gemacht werden. Darauf folgt die eigentliche Einweihung. Wie viele tantrische Ermächtigungen ist auch dieser Vorgang der Einweihung ein vierstufiger Prozess, in dem eine elaborierte Vasenermächtigung, eine geheime Ermächtigung, eine Weisheits-Bewusstseinsermächtigung und eine kostbare Wortermächtigung gegeben werden.

Zum Abschluss werden Wunschgebete gesprochen und Padmasambhava spricht wiederum Empfehlungen und Prophezeiungen aus, und beauftragt fünf Dharma-Schützer, diese Lehren zu bewachen und vor Missbrauch zu schützen.

Man umgibt es mit einem Festopfer der Danksagung. Dies ist äußerst tiefgründig und heikel, bis auf solche (Schüler) mit reinem Samaya ist es unpassend, (die Ermächtigung) zu gewähren. Wenn man das Blut der reinen Essenz der (Herz)essenz der Dakinis verschüttet und fortwirft, werden sie einen strafen. Aus diesem Grund ist das Einhalten des Samaya von größter Wichtigkeit. Ist diese Ermächtigung erlangt und werden die Anweisungen ungetrübt geübt und in die Praxis umgesetzt, wenn dann in diesem Leben (die Stufe) eines Wissenshalters nicht erlangt wird, habe ich, Padma, euch getäuscht. Zukünftigen Generationen im zukünftigen Zeitraum der letzten 500 Jahre werden das geheime Mantra als Segenszeremonie für wankelmütige Menschenmengen machen – das ist das Zeichen für die Erfahrung der Lehren des Mahayoga. Sie werden aus Tsalung ein Spektakel machen – das ist das Zeichen für die Erfahrung der Lehren des Anuyoga. Sie werden Sichtweise und Meditation auf der Straße verkünden und darüber streiten und das Maß des Pfades von Thögal in Kurzform erklären – das ist das Zeichen für die Erfahrung der Lehren des Atiyoga. Was die drei Yogas in jener Zeit betrifft: Deren Erfahrungen sind wie der Reichtum auf einem Bild – es gibt keine Freude oder weder Nutzen noch Schaden. Zu dieser Zeit werde ich selbst, Padmasambhava, in der Art eines versteckten, die Konventionen niederreißenden Yogis als Herr des geheimen Schatzes der Dakinis, Dudjom Dorje Throlötsal ausstrahlen. Er wird die Schüler mit Wunschgebeten völlig befreien. Die heutigen 25 (Schüler) – König und Untergebene – und die 30 verwirklichten Wissenshalter werden in der Art und Weise von Lehrer und Gefolge ausstrahlen. Der Dharma der Herzessenz (Nyingthig) wird wie die jugendliche Sonne erstrahlen und die Linienhaltern werden in das Glück der Ermächtigung versetzt. In jener Zeit werden die fünf falsche Wunschgebete machenden Minister Unterbrechungshindernisse bereiten. Es werden Beleidigungen, falsche Ansichten, lächerlich machendes Gekicher, negative Worte, Feinde, Streit und Bösartigkeit auftauchen. Aber auch das kann den tiefgründigen Dharma nicht zerstören. Für Sonne und Mond sind Wolken kein ständiger Schleier. Du, Frau, Yeshe Tsogyal, schreibe diese Lehre in symbolischen Zeichen nieder! Verstecke sie in Kham, im Felsen von Sinmo Drag! Befehlshörige Schützer Mahadeva, Mamo (Ekajati), Za (Rahula), Tsän (Tsi’u Marpo) und (Dorje) Legpa beschützt es! Seid den Linienhalter-Kindern Freunde und Begleiter! Zerstört die Sinnesfähigkeiten derjenigen, die sie beleidigen!

Essenz der Praxis

In einem kurzen Kommentar wird noch auf die Essenz der Praxis verwiesen.

Der gesamte Horizont des durchdringenden, ausgebreiteten Raumes ist das Selbstgewahrsein, der eine König der großen Glückseligkeit (Dechen Gyalpo), der nicht hervorgebracht, (sondern) zeitlos vorhanden ist. Das ist das große Geheimnis aller Erzeugungsstufen, das Wandeln der Lebenskraft der gesamten zyklischen Existenz und ihrer Transzendenz. Es ist der unübertreffliche Gipfel der spirituellen Ansätze. Welches Kind auch immer es in die Praxis umsetzt, erlangt Macht über alle Wesen der phänomenalen Welt, macht Götter, Dämonen und Menschen zu Dienern gemacht (und) die Stufe des Vajradhara wird erlangt. Das ist die essenzielle Quintessenz, befehlshöriger großer Yaksha, beschütze es!


Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) und Lama Sangye Dorje (Christian Paar) aus den Wurzeltexten des Dudjom Lingpa, Band 1 seines Dharma-Zyklus. Veröffentlicht, damit ernsthaft Praktizierende eine Inspiration finden mögen. Möge es von Nutzen sein!


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