Verfasst von: Enrico Kosmus | 20. August 2019

Guru Rinpoche – 7 Zeilen

So beten wir dann also zum großen Meister aus Orgyen, der Verkörperung aller Buddhas. Die erste Zeile des Gebets offenbart den Ort seiner Geburt; die zweite die Art und Weise wie er geboren wurde; die dritte zeigt die außergewöhnliche Natur seiner Großartigkeit; und insbesondere die vierte offenbart Guru Rinpoches wahren Namen. Die fünfte Zeile erwähnt das Gefolge des Gurus, die Dakas und die Dakinis, zu denen wir auch beten, aber die in Wahrheit niemand anderer sind als der Ausdruck seines Mitgefühls, das den Wesen entsprechend ihrer Bedürfnisse hilft. Die sechste Zeile zeigt uns, wie wir beten sollten. Nachdem wir die Qualitäten des Gurus erblickt haben, wenden wir unsere Herzen ihm zu und wir beten mit unumkehrbarem Vertrauen, indem wir unsere Hingabe sowohl körperlich als auch verbal zum Ausdruck bringen – wir flehen hingebungsvoll, schließlich mit ihm untrennbar zu werden. Die siebte Zeile zusammen mit dem Mantra zeigt, dass durch solch eine Anrufung unser Geist gesegnet wird und wir Verwirklichung erlangen. Wenn wir Hingabe haben und wenn wir zu Guru Rinpoche beten, der in einem unsterblichen Weisheitskörper im natürlichen Nirmanakaya-Buddha-Feld weilt, dann wird der Segen seines Mitgefühls sofort und sicher in uns eintreten. 

Als im Heldengesang des Padma Guru Rinpoche von der Prinzessin ersucht wird, sagt er folgendes: „Resultate werden gemäß der Natur der eigenen Gebete erlangt. Bete zu mir. Eure Bedürfnisse und Wünsche werden so erfüllt.“ Im Führer zur Verwirklichung des Guru steht geschrieben: 

Am zehnten Tag des Affen-Monats, dem Affen-Jahr in jeder Region Tibets, werde ich aus Orgyen erscheinen und das ist sicher, mein Ehrenwort und Versprechen. An jedem zehnten Tag des Mondes werde ich kommen und mit meinen Emanationen wird Tibet erfüllt sein. Das ist mein heiliges Ehrenwort. Der Lotusgeborene ist ohnmächtig zu täuschen. Legt euren Geist auf mich fest, ihre alle, die Vertrauen haben. macht einen Torma wie ein leuchtendes Juwel, geschmückt mit einem Räucherstäbchen und ruft mich mit Musik und dem Klang der Schädeltrommel an. Rezitiert das Gebet der sieben Zeilen, ladet mich mit leidenschaftlicher Melodie ein. 

Und aus dem Hügel von Ngayab, werde ich aus Orgyen, genauso wie eine Mutter nicht widerstehen kann dem Wimmern ihres geliebten Kindes zu euch kommen und meinen Segen gewähren. Das ist mein Ehrenwort und die Hölle erwartet mich, wenn ich versage. 

Ju Mipham Rinpoche, „Weißer Lotus“

Alle diese unfehlbaren Vajra-Versprechen sollten wir in unseren Herzen hüten. Wir sollten Guru Rinpoche als unser wunscherfüllendes Juwel ansehen, die Verkörperung aller Zufluchten. Und wir sollten diese unübertreffliche Anrufung der sieben Zeilen als unsere Hauptpraxis erachten, sie mit einer gleichmäßigen, ausgewogenen Hingabe rezitieren, nicht zu stark und nicht zu schwach.

Wir sollten ihn mit einsgerichteter Konzentration anrufen und immer wieder und wieder Segnungen und Ermächtigungen von ihm empfangen. Wir sollten das zu unserer Hauptpraxis machen, so oft wir können. Und in der nachmeditativen Phase sollten wir bedenken, dass alle Phänomene der Ausdruck des Gurus sind. Wir sollten uns in reiner Wahrnehmung, Mitgefühl und Bodhicitta üben. Es wird weiter dann im zuvor erwähnten Text gesagt: 

Wenn du mit Mitgefühl und Bodhicitta meditierst, dann wird dein Geist gesegnet werden. Wenn du den Ort, wo du lebst, als Oddiyana betrachtest, dann wird deine Nachbarschaft gesegnet werden und dein Haus wird gesegnet, wenn du es als einen unermesslichen Palast visualisierst. Wenn du andere Leute als Gottheiten wahrnimmst, dann werden sie als Weisheitsgottheiten gesegnet werden. Indem du schließlich all deine Nahrung und deine Getränke als Amrita siehst, wirst du sie als Opfersubstanzen segnen. Das sind die fünf Aspekte des Segens, obwohl es andere, unvorstellbare Segnungen abseits davon gibt. 

Ju Mipham Rinpoche, „Weißer Lotus“


Aus dem Kommentar von Mipham Rinpoche zum 7-Zeilen-Gebet an Guru Rinpoche, genannt „Weißer Lotus“, übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2016). Möge es von Nutzen sein!


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