Verfasst von: Enrico Kosmus | 12. Dezember 2018

Buddha – erleuchtet in der Welt

Als Prinz Siddhartha Gautama in die Familie der Shakya geboren und daher dann als Buddha Shakyamuni bekannt geworden, stellt er wohl eine der herausragenden Gestalten an spirituellen Lehrern. In vier Sammlungen von Lebensgeschichten wurde versucht, sein Leben und Wirken zu übermitteln, damit nachfolgende Generationen sich dies als Vorbild nehmen können.

Lebensgeschichtliche Quellen

Das Mahavastu-Avadana der Mahasanghika-Schule aus der Hinayana-Tradition erzählt das Leben Siddharthas von seiner Geburt bis zu seinem Erwachen und seiner Lehrtätigkeit. Der Hauptteil der Erzählung beginnt in einem früheren Leben Siddhartas zur Zeit des Buddha Dipankara vor ca. 5-7.000 Jahren, als er als Sumegha vor Dipankara Buddha gelobte, in Zukunft selbst Buddhaschaft zu erlangen.

Das Buddhacarita schildert das Leben Buddhas von seiner Geburt bis zu seinem Parinirvana. Besonders hervorzuheben ist in diesem Werk die ausführliche Darstellung der Schlacht zwischen Siddhartha und Mara kurz vor der Erleuchtung.

Ein umfassendes Werk der Lebensgeschichte ist das Lalitavistara, das im 2./3. Jhdt. entstand und auf mehrere Verfasser zurückgeht. In ihm finden sich in Pali und Sanskrit überlieferte Episoden und beruht wohl auf einem Text aus der Schule der Sarvastivada. Besonders an diesem Werk ist die ausführliche Schilderung des überweltlichen Aspekts vonBuddha Shakyamuni. In dieser Lebensschilderung finden sich die 12 Taten eines Buddha, die in einem weiteren Beitrag geschildert werden.

Eine weitere Quelle für das Leben Buddha Shakyamunis bilden die Jatakas – die Vorgeburtsgeschichten. Von diesen Jatakas gibt es in Asien mehrere verschiedene Sammlungen.

Betrachten wir hier zunächst den weltlichen Aspekt des Buddha und nachfolgend in einem weiteren Blog-Beitrag anhand der 12 Taten auch seinen transzendenten Aspekt.

Buddha – Mensch

Man kann das Leben Buddhas anhand von vier wesentlichen Orten und Stationen beschreiben und für sich dieselben Bestrebungen und Ziele hinsichtlich Befreiung ableiten. Betrachten wir zunächst einmal den Lebensverlauf des Prinzen Siddhartha und seiner nachfolgenden Lehrtätigkeit als Buddha Shakyamuni. Vier Orte – Lumbini, Bodhgaya, Sarnath und Kushinagar – sind die bedeutsamen Meilensteine seines Lebens und Wirken in der Welt.

Lumbini – Geburt als Mensch

Als Prinz Siddhartha wurde der Buddha in Lumbini im Königreich Magadha geboren. Seine Mutter Mayadevi verstarb kurz nach der Geburt und Siddhartha wuchs bei der zweiten Frau des Königs Shuddhodana auf. Bei seiner Geburt wurde von einem Rishi vorhergesagt, dass es zwei Möglichkeiten gäbe, wie das Leben Siddharthas verlaufen könne. Zum einen könne er ein großer König, sogar ein Weltenherrscher werden, zum anderen könne er ein Weltenlehrer sein. In Anbetracht seinen Thronerben zu verlieren, beschloss König Shuddhodana, den Jungen von der Umwelt abgeschottet aufwachsen zu lassen. Siddhartha meisterte alle erzieherischen Herausforderungen und war begabt in allen Künsten seiner Zeit.

Doch aufgrund einer tiefen Erkenntnis in der Begegnung mit der Lebenswirklichkeit von Alter, Krankheit und Tod, aber auch der Möglichkeit der Befreiung anhand mehrerer Ausfahrten, beschloss Siddhartha im Alter von 29 Jahren sein wohlbehütetes Leben hinter sich zu lassen und stahl sich heimlich aus dem königlichen Palast. Er schnitt sich sein langes Haar ab und entsagte so seiner königlichen Würde. Dann suchte er die bedeutendsten spirituellen Lehrer – Alara Kalama und Uddaka Ramaputta – seiner Zeit auf. Bei ihnen erlernte und meisterte er rasch ihre meditativen Anweisungen. Damit nicht zufrieden und nicht die von ihm erwünschte Befreiung vom Leiden erlangt zu haben, begab er sich für einige Zeit mit ein paar Gefährten auf die spirituelle Suche. Doch auch durch anstrengende asketische Praktiken stellte sich das angestrebte spirituelle Ziel nicht ein. Schließlich trennte er sich von seinen Gefährten und begab sich nach Bodhgaya.

Bodhgaya – Erleuchtung

In Bodhgaya setzte er sich unter einen Baum und fasste den Entschluss, die Lösung seiner Lebensfrage zu erlangen. Nach längerer Zeit der Versenkung und Meditation gelang ihm schlussendlich der Durchbruch. In einem sagenhaft geschilderten spirituellen Kampf besiegte er die zentralen Geistesgifte und Antriebe, und erlangte Einsicht in die Zusammenhänge des Daseins und vieles mehr. So wird kurz seine Erleuchtung geschildert. Nach einiger Zeit der Versenkung in diese Erkenntnis, beschloss er, dieses Wissen und seine Einsichten mit anderen zu teilen. Nachdem seine beiden Lehrer zu dieser Zeit bereits verstorben waren, fand er dann seine fünf Gefährten in einem Wald nahe Varanasi, dem alten spirituellen Platz am Ganges. Zu diesem Zeitpunkt war er 35 Jahre alt.

Sarnath – Lehrtätigkeit

In Sarnath begegnete er seinen früheren fünf spirituellen Gefährten und vermittelte ihnen die grundlegenden Einsichten zur Befreiung vom Leiden. Im Hirschpark von Sarnath lehrte er zum erstenMal die Vier Edlen Wahrheiten. Diese sind die edle Wahrheit vom Leiden, die edle Wahrheit von der Ursache des Leidens, die edle Wahrheit von der Beendigung des Leidens und die edle Wahrheit vom Pfad, der zur Beendigung des Leidens führt. Dieser erste Lehrzyklus ist so fundamental und essentiell, dass er sich in all seinen weiteren Lehren wiederfindet. Hierbei zeigt Buddha auf, dass wir aufgrund von Nicht-Gewahrsein in einen Zustand der Verwirrung fallen und in einem anhaltenden Kreislauf an Aktionen und Reaktionen unser Selbstbild – so qualvoll unzulänglich es auch erscheinen mag – immer wieder und wieder erneut manifestieren. Doch neben diesem Hinweis auf die Qual der Unzulänglichkeit aller äußeren Erscheinungen wies Buddha auch darauf hin, dass wir Befreiung dann erlangen können, wenn wir unseren Blick nach innen wenden, wir so dieseProzesse verstehen lernen und ihnen ein Ende setzen können. Das wird als das erste Drehen des Dharma-Rades bezeichnet. Damit ist das Initiieren eines Zyklus von Lehren.

Dies tat er der Überlieferung nach noch zwei weitere Male, sodass wir von drei Lehrzyklen sprechen. Bei jedem Lehrzyklus wurde eine neue grundlegende Sichtweise eröffnet. War der erste Zyklus noch auf Entsagung ausgerichtet, so wurden im zweiten Zyklus Leerheit – das Leersein aller Phänomene von Eigennatur – und Merkmalslosigkeit gelehrt. Dies geschah zum ersten Mal am Geierberg in Rajgir, als Buddha Shakyamuni 51Jahre alt war. Und im Alter von 63 Jahren wurde von ihm der dritte Lehrzyklus in Shravasti in Gang gesetzt. Dieser Zyklus handelt von der Buddha-Natur, der Klar-Lichtheit der Natur des Geistes, die alle Wesen durchdringt.

Neben öffentlichen Vorträgen fanden sich auch zahlreiche Treffen im kleineren Kreis oder auch privater Natur im Leben Buddhas. Bei all diesen hat er verschiedenste spirituelle Zugänge und unterschiedliche spirituelle Methoden gelehrt, je nach Notwendigkeit und Fähigkeit seiner Hörerschaft und Schüler. Diese Lehren wurden zunächst mündlich überliefert und wenige Jahrhunderte nach seinem Dahinscheiden nach und nach niedergeschrieben. Manche wenige Lehrreden sind aus seinem Mund, andere wiederum von ihm autorisiert und einige in seinem Geiste, d.h. im Sinne seiner Lehre bestätigt und ihre Gültigkeit besiegelt.

Kushinagar – Dahinscheiden

Im Alter von 80 Jahren spürte Buddha Shakyamuni das Nahen seines Todes und beschloss nach Norden zu wandern. In Kushinagar verstarb der Buddha an einer Lebensmittelvergiftung. Er hatte eine verdorbene Pilzsuppe zu sich genommen. Die Lehre, die der Buddha in Kushinagar erteilte, ist die weitreichendste und wohl tiefgründigste. Hier zeigt er am eigenen Beispiel auf, dass Erleuchtung bzw. Befreiung zu keiner Form von Unsterblichkeit oder Göttlichkeit führt, dass sich keine feststehende, immerwährende Substanz in einem befindet und Vergänglichkeit das Zeichen aller bedingten Phänomene ist. Diese Lehre treibt einen an, über grundlegendes Leersein nachzudenken und auf die Klar-Lichtheit der Natur des Geistes zu meditieren.

Nach dieser Betrachtung des Leben Buddhas anhand von Orten werde ich in Folge seinen transzendenten Aspekt aufgrund der 12 Taten schildern. Bleibt also dran!


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