Verfasst von: Enrico Kosmus | 8. Dezember 2018

Reliquien und Mantras – spirituelles Leben einhauchen

Über das Befüllen von Statuen und Stupas, wodurch sie zu Gegenständen der Inspiration und Verehrung werden.

Eine Statue leer zu lassen bedeutet, den Buddhas nichts darzubringen und dies kann Hindernisse schaffen. Deshalb ist es wichtig, zumindest ein paar Mantras und etwas Räucherwerk in die Statue zu geben. Die Vorzüge des Umkreisens von Abbildern von Körper, Rede und Geist der Erleuchtung, wie z.B. Statuen, Stupas etc., werden ausführlich im Avalokiteshvara-Sutra und im Sutra „Mitfühlender weißer Lotus“, aber auch anderen Schriften erklärt. Auch die Vorzüge aus tantrischer Sicht werden in verschiedenen Schriften des Kangyur erklärt.

Statuen, Stupas und andere religiöse Bauten sind in Tibet üblich. Sie sind wunderschön anzusehen, aber ohne entsprechende Dharani-Mantras (tib., gzungs sngags) und andere innere Reliquien haben sie keinerlei spirituellen Wert. Wenn die Statue nicht mit diesen Mantras und inneren Reliquien gefüllt ist, geglaubt man, dass bösartige Geister in die Statue geraten und den Menschen Schaden zufügen können. Daher ist die Füllung einer Statue, eines Stupas oder eines anderen religiösen Baus sehr wichtig. Mit diesem Befüllen durch Dharanis werden die religiösen Konstruktionen oder Statuen zu einem spirituellen Wesen, das Segnungen verleihen kann.

Dharanis und inneren Reliquien verleihen ihnen spirituelle Bedeutung und Heiligkeit, daher ist das Einfügen von Dharanis und Reliquien gleichbedeutend mit dem Einhauchen von Leben im Körper. Das Darbringen von Dharanis und Reliquien sollte idealerweise von einem ordinierten Mönch ausgeführt werden, der kein Fleisch, keine Zwiebeln, keinen Knoblauch isst, Alkohol trinkt, Tabak raucht oder kaut und das Gelübde des Zölibats abgelegt hat. Eine solche Person ist jedoch in dieser modernen Zeit sehr selten zu finden. Andernfalls kann dies natürlich auch eine erfahrene Laienperson ausführen, die zumindest während dieser Zeit so rein wie ein Mönch lebt.

„Die vier Dharmakaya-Reliquien-Mantras (makellose Zinne der Gottheit, die geheime Reliquie, die Reliquie des Erhabenen, das vollkommen reine makellose Licht und 100.000 Ornamente der Erleuchtung) sind eine heilige Reliquie. Sie sind die höchsten Reliquien des Buddha, Reliquien der Dharmakaya. Andere Reliquien, diejenigen, die wir normalerweise sehen, wie Reliquien der Gewänder oder Teile von Buddhas heiligem Körper, stellen sekundäre Reliquien dar. Diese vier Mantras stellen die höchsten Reliquien dar. Nachdem ich von den unglaublichen Vorteilen jedes dieser Mantras erfahren hatte, ließ ich sie aufschreiben und wir druckten viele. Dies ist normalerweise das, was wir in Stupas, Statuen usw. einfügen sollten. Diese sehr speziellen Mantras geben unglaubliche Kraft. Wenn ihr diese Mantras in eine Statue gesetzt habt, werden die Devas dieses heilige Objekt dreimal täglich anbeten. Indem ihr diese Mantras in einen Stupa steckt, wird sogar eine Glocke, die dem Stupa dargebracht wird, unvorstellbaren Nutzen bringen. Beispielsweise wird das negative Karma aller fühlenden Wesen, die den Klang dieser Glocke hören, gereinigt werden. Sie sind aus den niederen Bereichen befreit, ihr negatives Karma wird gereinigt und sie werden eine gute Wiedergeburt erlangen. Ferner bringt es einen unglaublichen Nutzen. Es hilft den Lebewesen auf diese Weise, ganz leicht negatives Karma zu bereinigen und die Erleuchtung zu erlangen. Auch wenn man einen Stupa umrundet, in dem diese Mantras vorhanden sind, reinigt dies einen vom negativen Karma, in allen acht heißen Höllen wiedergeboren zu werden. Das negative Karma, das einen dazu führt, in den acht heißen Höllen geboren zu werden, ist völlig gereinigt, indem man einmal einen Stupa mit diesen Mantras umrundet.“

Vorteile der vier Dharmakaya-Reliquien-Mantras von Lama Zopa Rinpoche

Substanzen und Utensilien

Für das Befüllen braucht man verschiedenste Materialien. Zunächst einmal die Mantra-Blätter, die für alle Statuen etc. gültig sind, wie die bereits erwähnten Dharmakaya-Reliquien-Mantras (Tsugtor Drime, Sangwa Rigsel, Özer Drime, Jangchub Gyänbum). Dann braucht man natürlich auch noch andere Mantras, wie das entsprechende Namens-Mantra oder Essenz-Mantra der Gottheit (beim Füllen von Statuen), das Mantra des bedingten Entstehens (tib., rten ‚brel snying po), die Sanskrit-Vokale und -Konsonanten (Ali Kali) usw. Neben den Mantras kommen auch noch bestimmte Substanzen hinein. Diese sind das Lebensholz (tib. srog shing), das den Zentralkanal bzw. die Weltenachse darstellt; Räucherwerk in Pulverform; Kräuter; getrocknete Blüten; Weihrauch und Sandelholz. Verschiedene, in kleinen, luftdicht verschlossenen Gefäßen abgefüllte Nahrungsmittel, wie Getreide, Tee, Salz, Butter, Alkohol usw. Zusätzlich kann man auch noch Medizinpillen, Nektarpillen, geweihten Sand von einem Mandala, Erde und Wasser von gesegneten Plätzen wie den vier heiligen Stätten des Buddhismus oder anderen yogischen Praxisplätzen, Gold, Silber, Edelsteine, Münzen. Außerdem braucht man noch roten bzw. gelben Stoff und fünffarbiges Garn. Natürlich können auch verschiedene Klebstoffe hilfreich sein, aber man kann die Statuen dann auch mit flüssigem Bienenwachs versiegeln.

Lebensholz

Innere Reliquien bestehen aus heiligen Schriften in Form von Mantras oder Gebeten und wertvollen Gegenständen, die von einem Lebensholz (tib., srog shing) in der Mitte unterstützt werden und das die Lebensachse oder Weltenachse darstellt. Das Lebensholz muss ein fruchttragender Baum mit duftenden Blättern wie Wacholder, Zypresse oder Sandelholz sein. Es ist zu einem vierkantigen Holz geschnitten, das sich zur Spitze hin verjüngen, während seine Basis in Vajra-Form gehalten wird. Das Lebensholz ist rot bemalt und die Mantras werden an den vier Seiten in Gold geschrieben. Die Größe dieser Lebensachse hängt von der Höhe der Statue oder des Stupas ab.

Dharani-Mantras

Mantra-Rollen sind ein wichtiger Bestandteil beim Füllen der religiösen Gegenstände. So werden heilige Schriften oder Mantras gedruckt und gerollt, aber jede Rolle ist markiert, um die richtige Reihenfolge der Schriften für die Befüllung zu gewährleisten, da die Ansicht besteht, dass die Befüllung von Schriften mit dem Schriftkopf nach unten schädlich ist. Die Mantra-Rollen werden um ein Räucherstäbchen gewickelt, das die Stabilität gewährleistet. Markiert wird die Oberseite mit roter Farbe. So weiß man, dass die Schriftrollen aufrecht im Objekt stehen.

Befüllung

Verschiedene andere wichtige Komponenten, wie Reliquien von Körper, Rede und Geist großer Lamas, Edelmetalle und eine kleine Statue (Terma), werden um das Lebensholz gelegt, das dann in Seidenbrokat gehüllt wird. Nachdem das Lebensholz fertig bemalt und beschrifte ist, werden Mantra-Rollen, die auf Papier gedruckt sind und mit Sandelholzpulver und Weihrauch gefüllt sind, darum herum angeordnet. Die ausgestopften Gegenstände halten die Reliquien-Gegenstände fest in ihrer jeweiligen Position. Wenn jeder mögliche Zwischenraum vollständig ausgefüllt ist, wird der Boden mit einer Bronzeplatte versiegelt. Schließlich werden die Statue bzw. der Stupa im Rahmen einer Zeremonie gesegnet, um als Objekt für Verehrung und Zuflucht zu dienen.

Teile davon sind aus dem Handbuch Wissenswertes zum Befüllen mit Dharanis & Reliquien. (gzungs’bul mthong bas shes pa). Andere Quellen und persönliche Unterweisungen durch Lehrer ergänzen diese Darstellung. Möge es nützlich sein!


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