Verfasst von: Enrico Kosmus | 1. Mai 2018

Die Symbole der tantrischen Yogis

yoga-629850_1920Der spontan entstandene Gesang, in dem die Symbole der Yogis der drei Geheimen entschlüsselt werden.

Vom Vidyadhara Künsang Tobdän Wangpo

Vor den 84 männlichen und weiblichen Verwirklichten des überragenden Landes, vor Padmakara, vor dem König und seinen Untertanen, vor Linie der Schatzfinder und vor Vater und Erbe – Marpa und Milarepa – verbeuge ich mich voller Hingabe und Respekt. Bitte gewährt das Heilsame.

Oh, glückliche Männer und Frauen, hier versammelt! Hör mir mit unabgelenkten Ohren nun zu. Unter euch allen, ob Buddha, Bodhisattva, Daka oder Dakini, die die menschliche Existenz halten – ihr alle seid euch dessen gewahr, daher gibt es für euch nichts zu sagen. Seid bitte wahrhafte Zeugen für diesen Yogi hier!
Die Konzepte der gewöhnlichen Menschen sind äußerst grob, daher fragen sie mich: „Wer bist du? Was ist deine Sicht und Lehre? Warum sind deine Art der Kleidung und dein Verhalten so disharmonisch mit allen anderen? Was antwortest du nun?“ So fragen sie mich voller Hohn.
Ich werde aufrichtig sprechen, so behaltet es in eurem Geist. Ich bin ein Sohn, der um unteren Do-Med, dem Land mit exzellenter Spiritualität und Weltlichkeit geboren wurde, einem ausgezeichneten und vergnüglichen Land.
Der Name meines Vaters ist Held der Überragenden Methode und der Name meiner Mutter ist Heldin des Wissens. Und ich selbst, der Sohn, wird Yogi des Makellosen Gewahrseins genannt. Ich entdeckte die Motivation, den heiligen Dharma zu praktizieren, als ich klein war. Ich habe einen edlen Lehrer getroffen, der der tatsächliche Buddha ist. Ich versammelte Bodhisattvas, Dakas und Dakinis als Freunde, trat über die Schwelle der Lehre und studierte die Abhandlungen von Sutra und Tantra.
Besonders mein Geistesstrom reifte durch die vier Ermächtigungen und wurde mit den essentiellen Punkten der Stufen von Entstehung und Vollendung und der Großen Vollkommenheit vertraut gemacht. Ein paar wenige Omen und Zeichen des Segens traten auf.
Heutzutage treibe ich mich mitunter in den Bergen und Schneebergen umher und nehme solche Härten wie das Trinken von Wasser und des Kauens von Steinen auf mich und trällere vergnügt kleine Lieder der Erfahrung und Verwirklichung.
Gelegentlich kreuze ich in Städten auf, zeige „verrückte Weisheit“ und erfreue mich am Kreis der genüsslichen Festopfergaben aus Fleisch und Wein. Ich singe Lieder der Freude und des Glücks, die Verwirklichung künden. Das ist der Grund, warum ich mit allen disharmonisch bin.
So wie der Lotus im Schlamm nicht vom Schlamm beschmutzt wird, trägt der Yogi weiße Baumwollkleider an seinem Körper, die symbolisieren, dass er nicht vom Makel der Befleckungen beschmutzt wird.

Haare und Schmuck

meditation-2717462_1920Der am Haupt zusammengebundene Scheitelknoten symbolisiert Buddha Vairocana und Dhatvishvari zusammen mit den Dakas und Dakinis der Buddha-Familie selbst-manifest und spontan präsent in den 32 Blättern des Chakras der Großen Glückseligkeit am Scheitel des Vajra-Körpers. Kostbare Ornamente und Ketten werden als Symbol getragen, das Amitabha und Pandaravasini zusammen mit den Dakas und Dakinis der Padma-Familie selbst-manifest und spontan präsent in den 16 Blättern des Hals-Chakras des Vajra-Körpers symbolisiert. Eine kostbare lange Schmuckkette, die das Herz ziert, ist das Symbol, dass Buddha Akshobhya und Mamaki zusammen mit den Dakas und Dakinis der Vajra-Familie selbst-manifest und spontan präsent in den acht Blättern des Dharma-Chakras im Herzen des Vajra-Körpers sind. Eine Seidenschärpe und ein goldenes und kupferfarbenes Amulett schmückt den Yogi als Symbol, dass Buddha Ratnasambhava und die große Mutter Locana zusammen mit den Dakas und Dakinis der Ratna-Familie selbst manifest und spontan präsent in den 64 Blättern des Nirmana-Chakras im Nabel des Vajra-Körpers sind. Ein himmlischer Phurba ziert erlesen die Taille als Symbol, das Buddha Amoghasiddhi und Samaya-Tara zusammen mit den Dakas und Dakinis der Karma-Familie selbst-manifest und spontan präsent in den 28 Blättern des Chakras der Zurückhaltung im geheimen Ort des Vajra-Körpers sind.
Darüber hinaus symbolisieren die schwarz glänzenden Haare die Natur des Dharmakaya-Lehrers. Das mit Seiden und Juwelen geschmückte Haar symbolisiert die Natur des Sambhogakaya-Lehrers. Die zahlreichen Strähnen des Haares symbolisieren das Mitgefühl des Nirmanakaya-Lehrers.
Das Zusammenbinden des Haarknotens am Scheitel symbolisiert, dass man auf den Lehrer ungetrennt auf dem eigenen Scheitel meditiert. Die 58 Haarlocken sind die Orte, wo die Bluttrinker wohnen. Die zahllosen winzigen Haare sind der Ort, wo die Myriaden der Dakinis wohnen. Wenn du einen Scheitelknoten machst, ist dies der ausgezeichnete Schmuck des Yogis. Wenn das Haar herabfällt, ist das der prächtige Stil des Yogis. Wenn es um die Stirne gewickelt wird, ist dies eine Methode sich vor Sonne und Kälte zu schützen. Wenn es auf den Boden herabfällt, werden Feinde und Hinderer beseitigt.

Blick des Yogi

Der Blick des Yogis, der in den Raum starrt, symbolisiert äußerlich, dass die Erscheinungswelt die Gottheit und der unermessliche Palast ist, innerlich, dass die Einheit von Erscheinung und Leerheit auf den Pfad gebracht wird, und geheim, dass der Punkt des makellosen Gewahrseins, das Leerheit ist, erreicht wird.
Ein Muschelohrring, der mit Gold und Türkis geschmückt ist und im Ohrläppchen schlenkert, symbolisiert äußerlich, dass man den besonderen Anweisungen des tiefgründigen Dharmas lauscht, innerlich, dass man alle Klänge als Mantra erkennt, und geheim, dass man alle Klänge als ungeborene Leerheit erkennt.

Halsketten und Ringe

Kostbarer Knochenschmuck, der die Glieder ziert, symbolisiert äußerlich die vier Torhüter, die vor bösen Geistern und Hinderern beschützen, innerlich das Zähmen der Wesen durch die vier Unermesslichen und geheim, dass die vier Kayas vollständig verwirklicht sind.
Ein Ring am Finger mit fünf Juwelen geschmückt wird am linken Ringfinger getragen, weil vom Ringfinger die Lebenskraft fortgeht und es hier auch einen Kanal gibt, durch die dämonische Geister und Hinderer eintreten können. Er symbolisiert äußerlich das Bewachen des Kanals am Ringfinger, innerlich das Durchtrennen der Unruhe durch den konzeptuellen Geist und geheim das Zerstören der Extreme von Hoffnung und Furcht.

Werkzeuge und Gerätschaften

tinsha-883501_1920Ein runder Meditationsgurt in der Farbe der magnetisierenden Aktivität, der diagonal getragen wird, symbolisiert äußerlich, dass der Yogi fähig ist, die Lebensenergie im Körper zu halten, innerlich, dass Wind und Geist flexibel sind und geheim die Mutter des höchsten Erkennens.
Ein wunderschön geschmückter magischer Stoff, der mit machtvollen Substanzen den Hals und die Taille schmückt, symbolisiert äußerlich den Schutz vor wilden Hindernissen, die mit den astrologischen Zeichen und Diagrammen in Verbindung stehen, innerlich den Schutz vor leidbringenden Göttern, Rakshas und den acht Geisterklassen und geheim das Freisein vom Klammern am gemeinsam entstandenen Geist.
Die Schädelschale des Zurückziehens der Ekstase, die in den linken Arm gelegt wird, symbolisiert äußerlich die Ermutigung zur Erinnerung an die Vergänglichkeit, innerlich den Teller, auf dem Nahrung und Getränke als Nektar wahrgenommen werden und geheim das Durchtrennen der gesamten Vorstellungen von Reinheit und Unreinheit.
Das große Knochen-Damaru, die mit der rechten Hand gespielt wird, symbolisiert äußerlich das Unterwerfen der Dakinis und Eidgebundenen, innerlich das Beibehalten des freudvollen erleuchteten Geistes der drei Wurzeln und geheim den Klang des Nada, der Entzücken erzeugt. Die Trompete aus menschlichen Schenkelknochen, die in der linken Hand gehalten wird, symbolisiert äußerlich das Versammeln der Götter und Dämonen der Erscheinungswelt als Gäste, innerlich, dass sie alle in den heiligen Dharma versetzt werden und geheim zeigt es die Bedeutung der Nondualität von Samsara und Nirvana.

Symbolik der Kleidung

Sei dir bewusst, dass Mönche drei monastische Roben und Mantra-Praktizierende ihre Mantra-Kleidung tragen. Beide werden gleichermaßen als Anhänger des Buddha angesehen und beide Arten der Kleidung sind gleichwertig. Daher haben beide Kleidungsarten einen Zweck und sind sinnvoll oder sie sind es nicht.

Überlieferungslinie

Wenn ich wiederum gefragt werde, „wessen Anhänger bist du?“, dann antworte ich, dass ich der Nachfolger der Drei Juwelen bin. Mein Körper ist mit dem Schmuck des Sambhogakaya geschmückt. Meine Rede rezitiert den heiligen Dharma. Mein Geist erblickt die Bedeutung frei von Geburt und Vergehen. Ich kann aber auch der Anhänger der drei Wurzeln sein, weil ich auf den Lehrer untrennbar über meinem Kopf meditiere, der Palast der Gottheit in meinem Körper etabliert ist (und) die Dakinis und Eidgebundenen durch die Festopfergabe zufriedengestellt sind. Ich kann auch der Nachfolger des großen Meisters aus Oddiyana sein, weil äußerlich die Erlebnishaufen durch (die Praxis des) Mahayoga gereinigt sind, innerlich die Kanäle durch (die Praxis des) Anuyoga gereinigt sind und geheim die Bedeutung des Atiyoga verwirklicht ist. Ich kann auch ein Gefolgsmann des Milarepa sein, weil ich äußerlich die Härten auf mich nehme und Mut und Toleranz entwickle, ich innerlich den Yoga der Kanäle, Winde und Tropfen übe und ich geheim die Verwirklichung der Mahamudra erlangt habe. Ich kann auch ein Anhänger von Dipamkara sein, weil ich äußerlich sogar die Motivation anderen Schaden zuzufügen aufgegeben habe, daher bin ich rein. Innerlich habe ich die sieben speziellen Anweisungen über Ursache und Resultat praktiziert und geheim besitze ich die Bedeutung der sechs Paramitas. Ich kann der Nachfolger vom Lehrer sein, der Manjushri ist, weil ich mich äußerlich mit allem beschäftige, ohne Karma, Ursache und Wirkung oder Aufgeben und Kultivierung zu missachten. Innerlich ist die Kraft des Bodhicitta weitreichend und geheim übe ich mich selbst im Yoga der zwei Stufen.

Gemeinschaft

Meine Herren sind die wirkliche Gottheit und Buddha. Meine Vajra-Brüder sind Dakas und meine Vajra-Schwestern sind Dakinis. Viele meiner Schüler haben ihre günstige karmische Bestimmung erweckt und daher jene, die sie verhöhnen und Gerüchte über sie verbreiten, verblendet.
Meine Natur, meine wilden Handlungen und mein Verhalten sind nicht durch Täuschung oder Heuchelei verschmutzt. Wenn andere dies erblicken, scheint es eine verrückte Sache zu sein. Wenn ich es erblicke, scheint es sinnvoll zu sein. Wenn es von einem edlen Wesen gesehen wird, dann würde seine Anmut in mich eingehen.

Herzensrat

Bitte bewahrt diese Bedeutung in eurem Geist, meine vom Glück begünstigten. Bitte praktiziert angemessen die Sicht, Meditation und das Verhalten des geheimen Mantrayana. In Zukunft mögen wir uns einander im himmlischen Bereich treffen. Wer immer uns nicht zustimmt, uns kritisiert und Gerüchte über uns verbreitet, kann dies machen, weil ich keine Vorstellungen von Gefallen oder Ärger dazu habe. Mögen wir uns dabei anstrengen, die Negativitäten, Hindernisse und Verschleierungen zu bereinigen.

Widmung

Durch dieses Heilsame mögen alle fühlenden Wesen ohne Ausnahme zu passenden Empfängern des tiefgründigen Mantrayana werden, mit einsgerichtetem Geist praktizieren und nachdem sie ihre Praixs vollendet haben, mögen sie rasch Buddhaschaft erlangen!

Kolophon:

Dies wurde für meine Schüler gesprochen, die Samaya-Halter, die die mantrische Einhaltung pflegen, wie Khandro Gyepa Dorje und meinen vertrauten Begleiter Domi Rangdan von Kamrak, der ein Weisheitshalter der Mahamudra ist. Dies wurde auch für so viele andere gesprochen, die fähig sind und für jene, die nicht fähig sind, den Pfad des geheimen Mantrayanas einzuhalten und seine Verpflichtungen im Geist. Sie sagen mir: „Ihr und viele Eurer Lehrer und Freunde haben uns den Mantra-Stil der Kleidung verkündet, wie man weiße Kleidung trägt, das Haar wachsen lässt und viele Schmuckstücke trägt und da gibt es auch diese Art des Einflusses unter unseren Schülern. Gibt es daher irgendwelche besondere Gründe für diese Art der Kleidung und des Verhaltens oder nicht? Wenn es keine Gründe gibt, dann wäre der Spott der großen Meditierenden anderer Gemeinschaften über uns – Lehrer und Schüler – richtig?“ Um ihnen zu antworten hat dieser verrückte Mantra-Praktizierende Rigdzin Künzang Tobden Wangpo, dem auch der Name Chagpa Dorje vom Bereich der beschützenden Dakinis gegeben wurde, also ich, der vorgibt, ein Yogi zu sein, der weiße Kleidung trägt, am Ufer des Tsezhung dies spontan mit einem Sinn für Humor gesprochen und die Definitionen der alten und neuen Tantra-Klassen miteinander in Beziehung gesetzt und es dann später aufgeschrieben.

Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2018). Möge es von Nutzen sein!


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