Verfasst von: Enrico Kosmus | 21. Februar 2018

Der Dharmakaya

sky-3154857_1920Der Dharmakaya ist Reinheit, weil seine Natur rein ist und sogar die verbleibenden Eindrücke vollständig beseitigt sind. Er ist wahres Selbst, da alle begrifflichen Ausschmückungen hinsichtlich Selbst und Nicht-Selbst gänzlich beruhigt sind. Er ist wahres Glück, weil sogar die Aggregate der geistigen Natur und ihre Ursachen beseitigt sind. Er ist Dauerhaftigkeit, da der Daseinszyklus und der Zustand jenseits von Leiden als eins erkannt werden.
Ihre analytische Weisheit hat alle Selbstverliebtheit ohne Ausnahme abgeschnitten. Dennoch Wesen zu pflegen, die von Mitgefühl beherrscht sind, haften nicht an Frieden. Sich auf Verständnis und mitfühlende Liebe – die Mittel der Erleuchtung – zu stützen, so verweilen die Edlen weder in Samsara oder in einem begrenzten Nirvana.
Wenn das Buddha-Element nicht vorhanden wäre, würde es keine Reue über Leiden geben. Es würde keine Sehnsucht nach Nirvana geben, kein Streben und keine Hingabe auf dieses Ziel hin.
Bei jenen mit Hinblick auf Dasein und Nirvana werden die jeweiligen Fehler und Qualität gesehen, dass dieses Leiden als Fehler des Daseins und Glück als die Eigenschaft von Nirvana gesehen wird, das aus dem Vorhandensein der Disposition der Buddhaschaft stammt. „Warum nur?“ Bei jenen, die bar jeder Disposition sind, kommt solch ein Erblicken nicht vor.
Wie das große Meer weist sie Eigenschaften auf, die unermesslich, kostbar und unerschöpflich sind. Ihre Essenz beinhaltet untrennbare Eigenschaften. So ist das Element ähnlich einer Lampe.
Die Elemente des Dharmakaya, der Weisheit eines Siegers und großes Mitgefühl vereinend, wird es durch das Gefäß, das Juwel und dem Wasser als ein Wesen dargestellt, das dem Meer gleich ist.

Scharfsicht, uranfängliche Weisheit und Fehlen von Verschmutzung sind gänzlich untrennbar und dem unbefleckten Ort angeboren. So hat es Eigenschaften, die dem Licht, der Hitze und der Farbe einer Lampe entsprechen. Gegründet auf der Manifestation der Soheit, unterteilt in ein gewöhnliches Wesen, ein Edles und in einen vollkommenen Buddha, hat Er, der die Soheit erblickt, die Natur des Siegers über die Wesen erklärt.
Sie manifestiert sich als verdrehte Sichtweisen bei gewöhnlichen Wesen, als die umgekehrte davon bei jenen, die die Wahrheit sehen und sie manifestiert sich so wie sie ist, auf eine nicht verkehrte Weise und als Freiheit von Ausschmückungen in einem Tathagatha.
Die unreine, die sowohl unreine wie auch reine und die gänzlich reine werden in ihrer bestimmten Reihenfolge durch die Namen „Wesen“, „Bodhisattva“ und „Tathagata“ ausgedrückt.

Das Element, wie in den sechs Themen der „Essenz“ usw. enthalten, wird im Licht der drei Phasen durch die Verwendung von drei Namen erklärt. So wie der Raum, der von seiner Natur her frei von Gedanken ist, alles durchdringt, ist die ungetäuschte Weite, die die Natur des Geistes ist, alles durchdringend. Als allgemeines Merkmal von allem, umfasst es jene mit Fehlern, jene mit Qualitäten und jene, in denen die Qualitäten sind, letztendlich wie der Raum alles Sichtbare durchdringt, sei es von geringer, mittlerer oder überragender Erscheinung. Hat es Fehler, so sind dies Nebensächlichkeiten und Qualitäten, die ihre Natur sind, ist es nachher dennoch dasselbe wie zuvor. Dies ist der immer unwandelbare Dharmata. Obwohl Raum alles durchdringt, ist er aufgrund seiner Subtilität niemals verunreinigt. Genauso leidet der Dharmadhatu in allen Wesen nicht an der geringsten Verschmutzung. So wie zu allen Zeiten Welten entstehen und sich im Raum auflösen, erscheinen die Sinne und lösen sich in der unerschaffenen Weite auf. Raum wird von Feuern niemals verbrannt. Ebenso wird der Dharmadhatu niemals von den Feuern des Todes, der Krankheit und des Alterns verbrannt. Die Erde ruht auf dem Wasser und Wasser auf Wind. Wind ruht vollständig im Raum. Raum ruht auf keinem der Elemente von Wind, Wasser oder Erde. Ebenso basieren Skandhas, Elemente und Sinne auf Karma und Geistesgiften. Karma und Gifte basieren immer auf unpassender begrifflicher Handlung. Die unpassende begriffliche Aktivität verweilt vollständig in der Reinheit des Geistes. Dennoch hat die Natur des Geistes selbst keine Basis in all diesen Phänomenen.

Die Skandhas, Eingänge und Elemente sind bekannt als vergleichbar mit Erde. Karma und die geistigen Gifte der Wesen sollten als das Wasser-Element gesehen werden. Unpassende begriffliche Aktivtät wird ähnlich dem Element Wind gesehen. Die Natur des Geistes, wie das Element des Raumes, hat keinen Grund und keinen Aufenthaltsort.
Die unpassende begriffliche Aktivtät ruht auf der Natur des Geistes. Unpassende begriffliche Aktivität erzeugt all die Klassen des Karma und der Geistesgifte. Vom Wasser des Karma und der geistigen Gifte erscheinen die Skandhas, Eingänge und Elemente. So wie diese Welt entsteht und zerfällt, erscheinen auch sie und zerfallen ebenso.

Die Natur des Geistes als das Element des Raums hängt weder von Ursachen oder Bedingungen, noch von hängt sie von dem Zusammentreffen dieser ab. Sie hat kein Entstehen, keine Auflösung, noch hat sie ein Verweilen. Diese klare und leuchtende Natur des Geistes ist unwandelbar wie der Raum. Sie wird von Begierde usw., den hinzukommenden Makeln, die aus den falschen Gedanken entspringen, nicht beeinträchtigt. Sie wird nicht durch das Wasser des Karma, der Gifte usw. ins Dasein gebracht. Deshalb wird sie auch von den schrecklichen Feuern des Sterbens, Erkrankens und Alterns nicht verzehrt. Die drei Feuer von Tod, Krankheit und Alter sollen in ihrer bestimmten Reihenfolge verstanden werden, als das Feuer am Ende der Zeit, das Feuer der Hölle und das gewöhnliche Feuer.

Haben sie Soheit erkannt, die Natur des Dharmadhatu, so wie sie ist, dann sind jene, die dies verstanden haben von Geburt, Krankheit, Alter und Tod befreit. Obwohl frei vom Elend der Geburt usw., veranschaulichen sie dies, da sie durch ihre Einsicht Mitgefühl für die Wesen entstehen ließen. Die Edlen haben die Leiden von Sterben, Erkranken und Altern an ihrer Wurzel ausgerissen, welche dem Karma und den Giften gemäß geboren wurden. Gibt es keine solche Ursache, dann gibt es keine entsprechende Frucht.
Weil sie die Realität wie sie ist, gesehen haben, sind sie jenseits von Geburt usw. Dennoch als Verkörperung von Mitgefühl selbst zeigen sie Geburt, Krankheit, Alter und Tod.
Nachdem die Erben der Siegreichen diesen unwandelbaren Zustand realisiert haben, sehen jene, die blind vor Ignoranz sind, sie als ob sie geboren werden usw. Das solch ein Erblicken vorkommt, ist wahrlich wunderbar und erstaunlich. Sobald sie das Erfahrungsfeld der Edlen erreicht haben, zeigen sie sich selbst als das Erfahrungsfeld der Kinder. Daher sind Methoden und Mitgefühl der Freunde der Wesen erhaben.
Obwohl sie über alle weltlichen Belange hinausgelangt sind, verlassen diese Bodhisattvas nicht die Welt. Sie handeln zum Wohle aller weltlichen Wesen in der Welt, unbefleckt von ihren Defekten. So wie ein Lotus inmitten des Wassers wächst, nicht von den Fehlern des Wasser verunreinigt wird, werden diese Edlen in der Welt unbefleckt von jeglichen weltlichen Phänomenen geboren. Die Verwirklichung ihrer Aufgabe betrachtend, erstrahlt ihr Verständnis wie ein Feuer. Und sie ruhen immer ausgeglichen in meditativer Stabilität, die Friede ist.
Durch die Kraft ihrer früheren Gebete und weil sie frei von allen Ideenbildungen sind, üben sie keine absichtliche Anstrengung aus, um die fühlenden Wesen zur Reife zu bringen. Diese Erben der Siegreichen wissen genau wie und durch welche Methode jedes trainiert werden sollte – durch welche Lehren, Form-Kayas, Verhalten und Arten des Benehmens individuell passend sind. Immer spontan und ohne Hindernis für die fühlenden Wesen, deren Anzahl grenzenlos wie der Raum ist, handelnd, so betätigen sich solche Bodhisattvas, die Wissen besitzen wahrhaftig in der Aufgabe, den Wesen zu nutzen.
Die Art, wie Bodhisattvas ihre Aktivität in der nachmeditativen Phase entfalten, ist gleich der Handlung der Tathagatas in der Welt für die wahre Befreiung der Wesen. Obwohl dies tatsächlich so stimmt, gibt es dennoch zwischen einem Buddha und einem Bodhisattva den gleichen Unterschied, der zwischen der Erde und einem Atom oder auch zwischen dem Wasser im Meer und im Hufabdruck eines Ochsen besteht.

Der Dharmakaya verändert sich nicht in etwas anderes, da er unerschöpfliche Eigenschaften hat. Er ist die Zuflucht der Wesen, da er sie ohne Zeitgrenze bis ans letzte Ende beschützt. Er ist immer frei von Getrenntheit, da darin alle Ideenbildung vergessen ist. Er ist auch ein unzerstörbarer Zustand, weil seine Natur ungeschaffen ist.
Er wird nicht geboren und stirbt nicht. Er erleidet keine Qual und altert nicht, da er dauerhaft und beständig ist, dieser Zustand des Friedens und der Unveränderlichkeit. Er wird nicht einmal in einem Körper von geistiger Natur geboren, weil er dauerhaft ist. Unerschütterlich stirbt er nicht, nicht einmal durch den Tod und den Übergang, die eine unvergleichliche Verwandlung darstellen. Da er Friede ist, erleidet er nicht einmal die Qual der Krankheiten, die durch die subtilen karmischen Eindrücke verursacht sind. Da er unveränderlich ist, gibt es kein Altern, das durch die kompositionellen Faktoren frei vom Makel verursacht wird.

Verbindet man Sätze aus dem Vorigen in Zweierschritten, dann sollte die ungeschaffene Weite im selben Satz, wie die Merkmale der Dauerhaftigkeit usw. verstanden werden.
Weil er mit unerschöpflichen Eigenschaften geschmückt ist, ist der Dharmakaya selbst unwandelbar und daher hat er das Merkmal der Beständigkeit. Gleich dem äußersten Ende ist er selbst Zuflucht und daher besitzt er das Zeichen der Standhaftigkeit. Weil das Fehlen von Gedanken seine Natur ist, ist der Dharmata frei von Dualität und hat daher das Merkmal des Friedens. Ungeschaffene Eigenschaften bereitstellend, ist er das Unwandelbare selbst und daher besitzt er das Merkmal der Unzerstörbarkeit.
Warum sind das der Dharmakaya, der Tathagata, die Edle Wahrheit und das absolute Nirvana? Ihre Eigenschaften sind untrennbar wie die Sonne und ihre Strahlen. Wo anders als in Buddhaschaft gibt es kein Nirvana. Weil die nicht verunreinigte Weite kurz gesagt vier verschiedene Arten der Bedeutung hat, sollte sie hinsichtlich vier Synonyme bekannt sein: der Dharmakaya usw.

Buddha-Qualitäten sind untrennbar. Die Veranlagung wird so erlangt wie sie ist. Der wahre Zustand ist immer frei von Wankelmut und Täuschung. Seit anfangsloser Zeit ist die Natur selbst friedlich.
Unmittelbar vollkommene Erleuchtung in Hinblick auf alle Aspekte und das Aufgeben aller Makel mit ihren Eindrücken werden Buddha bzw. Nirvana genannt. Tatsächlich sind dies keine verschiedenen Dinge.
Befreiung wird als Untrennbarkeit von den Qualitäten, die in all ihren Aspekten gegenwärtig sind, angesehen: unzählbar, unvorstellbar und nicht verschmutzt. Daher wird Befreiung „Tathagata“ genannt.

Aus dem Uttaratantrashastra von Maitreya, niedergeschrieben von Asanga. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2014). Möge es von Nutzen sein!


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