Verfasst von: Enrico Kosmus | 14. Februar 2018

Vajrayana – Ursprung der Lehre

Eine Erklärung darüber, wie die Lehre des Vajra-Fahrzeuges entstanden ist.

Der herrschaftliche Lehrer, der Vajra-Halter Samantabhadra, lehrte die ozeangleichen Klassen der Tantras im großen Akanistha. Später in Dhanyakataka und wo anders wurden die Lehren wiederum enthüllt…

Samantabhadra-SamantabhadriUrsprünglich offenbarte der Buddha die Tantras durch den Modus der fünf vollständig ausgestatteten Umstände. Der völlig ausgestattete Lehrer, unser eigener Buddha Shakyamuni, blieb von anfangsloser Zeit an in der grundlegenden, ursprünglich reinen Sphäre der ursprünglichen Weisheit des innewohnenden Gewahrseins. In diesem Zustand des wahrhaftigen Erwachens waren spontane Präsenz und uranfängliche Weisheit eins. Aus diesem heraus blieb der eine Geschmack der erleuchteten Absichtlichkeit aller Buddhas der drei Zeiten als die Erscheinung der Verkörperung des vollständigen Erfreuens, der Sambhogakaya.
Die gegenständlichen Erscheinungen sind in ihrer eigentlichen Natur der Selbstausdruck der ursprünglichen Weisheit, der reine ursprüngliche Buddha (Samantabhadra). Der nicht-begriffliche Zustand, frei von Greifen und Festhalten, ist der „Vajra“. Die Untrennbarkeit der Sphäre der Wahrheit und der ursprünglichen Weisheit ist der „Halter“. Der reine allerhöchste Herrscher aller Mandalas ist der Lehrer. Somit ist der völlig ausgestattete Lehrer der Vajra-Halter, Samantabhadra.
Der völlig ausgestattete Ort ist das Selbstgewahrsein, äußerst rein und als der reine Bereich Akanistha verstanden. Die vollständig ausgestattete Versammlung ist die eigene Selbstprojektion, die als die unermesslichen Mandalas der friedvollen und zornvollen Gottheiten erscheint. Der völlig ausgestattete Dharma ist die unausdrückbare Natur der leuchtenden Strahlung der erleuchteten Absichtlichkeit ursprünglicher Weisheit. Die völlig ausgestattete Zeit ist die unwandelbare Sphäre der spontanen, selbstentstandenen Reinheit.
Innerhalb dieser fünf Ausstattungen wurden die ozeangleichen Klassen des Tantra unaufhörlich durch symbolische Hinweise im reinen Bereich Akanistha gelehrt. Dementsprechend waren nur Bodhisattvas auf der achten und neunten Stufe in der Lage, die Lehre zu vernehmen. Zu dieser Zeit manifestierte sich der Buddha zum wohle der äußerst unbeherrschbaren Wesen als der glorreiche Heruka (im zornvollen Aspekt) und brachte das ganze unterstützende Mandala der zornvollen Gottheiten in den fünf reinen Bereichen der Manifestation, dem Nirmanakaya, zum Ausdruck und in den reinen und unreinen gewöhnlichen weltlichen Bereichen, um den Geist der fühlenden Wesen zu zähmen. Ebenso sandte Buddha Vajradhara viele Geistemanationen in die Bereiche der Götter, Nagas, Yakshas und andere, um die Tantras zu enthüllen und zu verbreiten. Besonders in unserem menschlichen Bereich sandte die überragende Emanation Buddha Shakyamuni während der sechs Jahre der Entbehrungen seine Geistemanationen auf den Gipfel des Berges Meru und hinunter in den Ozean, um die Lehre des Geheimen Mantra zu enthüllen. Wieder zu seinem Körper zurückkehrend vervollständigte er seine Darstellung der zwölf Wundertaten. Im Allgemeinen wurden alle Tantras des Geheimen Mantra von Vajrapani zusammengestellt und hauptsächlich in die Sprachen Sanskrit, Prakrit, Apabhramsha, Dakini, jene der Barbaren und andere übertragen.
Als Indrabhuti, der König von Oddiyana, den Buddha und sein Gefolge am Himmel fliegen sah, war er unsicher darüber, was er erblickte und rief seine Minister, das Phänomen zu beobachten und fragte sie, ob es eine Schar roter Vögel sei. Sie erwiderten, dass es der Buddha und seine Schüler sei. Der König wünschte so sehr, den Buddha zu sehen und betete zu ihm, herab zu kommen. Der Buddha erschien ihm dann und stellte ihm diese Frage: „Kannst du die drei Vorsätze der völligen Entsagung felsenfest einhalten?“ König Indrabhuti erwiderte: „In diesem Lustgarten des südlichen Kontinents ist es einfach für mich, eine Wiedergeburt als bescheidener Fuchs anzunehmen, wenn benötigt. Jedoch die begehrenswerten Objekten aufzugeben, um Befreiung zu erlangen – das, oh Ehrwürdiger Gautama, kann ich nicht.“ Mit diesen Worten verschwand die Versammlung der Shravakas. Dann wurde eine Stimme aus dem Himmel vernommen, die sagte: „Was als Shravakas und Pratyekas erschien, ist eigentlich der wundersame Ausdruck der Bodhisattas.“ Danach offenbarte der Buddha das uranfängliche Weisheitsmandala und gewährte dem König Indrabhuti die Ermächtigung, der später den Kaya der Nondualität verwirklichte.
Der Buddha manifestiert sich, um die Vajrayana-Mandalas an anderen Kraftplätzen zu offenbaren, wie im östlichen China am Parvata Pakkhipada, in Zentralindien am Leichenplatz von Smasana Sitavana und in Sri Lanka am Dakpo Dradrog usw. Zusätzlich lehrte der Buddha viele der Tantras an unbekannten Orten zu verschiedenen Zeiten. Gelegentlich manifestierte sich der Buddha selbst als die Hauptgottheit und zu anderen Zeiten gewährte er Ermächtigung als der Buddha selbst. Nach dem Offenbaren aller drei Fahrzeuge in dieser Welt manifestierte der Buddha sich in Dhanyakataka Caitya, wo er das große Mandala des Kalacakra öffnete und die Tantras der Versammlung der Yogis und Yoginis enthüllte. Bei anderer Gelegenheit erschien er als vollständig ordinierter Mönch, um die äußeren Tantras zu offenbaren, einschließlich die meisten der Kriya- und Upa-Klassen. Als er dem König Indrabhuti das Guhyasamaja-Tantra und Vajragarbha das Hevajra-Tantra offenbarte, manifestierte er sich als die jeweilige Hauptgottheit des Mandalas umgeben vom gesamten Gottheitengefolge. Auf diese Weise, so wie zuvor die Tantras im großen Akanistha  offenbart worden waren, wurden sie in ihre Gesamtheit in viele andere Bereiche und Weltsysteme eingeführt.

Aus dem Kommentar von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje über das Halten der drei Gelübdekategorien. Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus). Möge es von Nutzen sein!


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