Verfasst von: Enrico Kosmus | 18. Januar 2018

Wie man sich auf einen Lehrer stützt

padmasambhava-2248028_1920Man sollte den Belehrungen sehr aufmerksam zuhören, mit einsgerichtetem Vertrauen an den spirituellen Lehrer und Meister, der lehrt und in den Dharma, den man erhält.
Der nächste Punkt ist für westliche Schüler sehr passend, weil sie gewöhnlich Schnüffler sind. Sie schnüffeln mal hier, mal da nach Pfaden und Lehrern. Die großen spirituellen Lehrer, die durchs Land ziehen, kommen und gehen wie Sternschnuppen. Ohne einen Prozess des Abklärens oder der Überprüfung, was eigentlich die traditionelle Art des Annäherns an den Pfad und den spirituellen Lehrer ist, laufen und springen Westler einfach hinein und nehmen alle Belehrungen und alles, was der Lehrer anbietet. Dann geht der Lehrer wieder, und sie sind verwirrt. Das ist ein Punkt.

Sich mit dem Lehrer verbinden

Ein weiterer Punkt ist, wenn man sich mit einem Lehrer verbindet, der gebrochenen Samayas hat oder auf eine andere Art unrein ist, ist dies ein sehr großes Problem. In den weltlichen Unternehmungen macht man dies zu einer Vertrauenssache, wenn man sich beispielsweise einen Geschäftspartner wählt. Es muss jemand sein, dem man wirklich vertraut und man soll diese Person überprüfen, ob man ihr wirklich vertrauen kann, bevor man ein Geschäft eingeht oder Geld ausgibt. Wenn es sich herausstellt, dass der Geschäftspartner nach all dem nicht vertrauenswürdig ist, hat man vielleicht ein paar hundert oder ein paar tausend Euro oder mehr verloren. Aber das ist keine große Sache, wenn man sich dessen gewahr ist, bevor man sich einem spirituellen Lehrer anvertraut und es dann nicht funktioniert, und zu einer Wiedergeburt im untersten Bereich führt.

Verbindung durch Gelübde

Der Grund dafür ist, dass man Gelübde nimmt und Verpflichtungen eingeht, und sich auf eine völlig verschiedene Ebene als in den weltlichen Unternehmungen einlässt und die Ergebnisse sind äußerst tief. Wenn der spirituelle Lehrer nicht rein ist, dann ist die Dharma-Übertragung nicht rein. Und wenn die Dharma-Übertragung nicht rein ist, fällt man in die unteren Bereiche. Man wird nicht das angestrebte Ergebnis erhalten. Man verbleibt in Samsara. Man braucht nicht hinabzufallen. Man braucht keine falschen Lehrer. Man soll hineinblicken. Man muss den Lehrer prüfen. Der Lehrer muss den Schüler ebenso prüfen und ein reiner Lehrer wird dies. Aber im Westen ist alles so rasch; man hat nicht die Zeit dazu. Daher überprüft man nur so viel wie man eben kann und das ist gefährlich.

Auf den Lehrer vertrauen

Wenn der Pfad der Großen Vollkommenheit erklärt oder einem Schüler offenbart wird, werden Belehrungen über die Qualifikationen des spirituellen Lehrers gegeben, über die Fähigkeiten des Schülers, wie man sich auf den spirituellen Lehrer und Meister stützt, über die Fähigkeiten für den besten Platz der Übertragung, den Notwendigkeiten der Zeit, dem Nutzen des Erhalts der Übertragung, den Fehlern einer unreinen Übertragung, die Art den Belehrungen zu lauschen, die Art, wie man die Verpflichtungen am Pfad aufrecht hält und welche Dinge oder Materialien für die Praxis benötigt werden. Alle diese Punkte werden ausführlich besprochen. Vieles davon wird in Patrul Rinpoches „Die Worte meines vollendeten Lehrers“ (das Kunzang Lama’i Shalung) behandelt. Die detaillierten Anweisungen dazu befinden sich in Karma Chagme Rinpoches ausführlichen Kommentar. In diesem mittleren Kommentar hier werden drei Kategorien erklärt: die Qualifikation des spirituellen Lehrers, die Qualifikation des Schülers und wie man sich auf den spirituellen Lehrer stützt.
Guru Rinpoche sagte, hat man einmal einen Lehrer gefunden, der wirklich in jeder Hinsicht qualifiziert ist, sollte man sich auf ihn stützen, indem man in ihm zu allen Zeiten und in allen Situationen einen lebenden Buddha sieht. Was immer lehrt oder einen fragt, sollte man nicht nur hören, sondern man sollte dem sehr, sehr sorgfältig folgen. Man sollte fähig sein, seinen Körper und/oder das eigene Leben in jeder Weise zu opfern, aus Hingabe zum Lehrer. Da sollte nichts zurückbehalten werden. Man sollte fähig sein, alles zu opfern. Wenn der spirituelle Lehrer und Meister es wünscht, sollte man fähig sein, selbst das eigene Herz und die Augen ohne Anhaftung zu geben.
Natürlich sollt ihr verstehen, dass diese Belehrungen sich darauf beziehen, wie man sich auf einen völlig qualifizierten Lehrer bezieht. Ein reiner spiritueller Lehrer und Meister würde niemals nach dem Leben des Schülers trachten. Ein Lehrer, der nach solch einer Sache fragen würde, wäre ein Dämon und kein spiritueller Lehrer und Meister. Dieses Beispiel wird nur Zweck des eigenen Verständnisses gegeben, welches Ausmaß an Hingabe man an den Lehrer benötigt. Wenn das Herz an diesem Fleck ist, dann ist der Segen dort zu finden. Wenn man an einer Stelle ist, wo die Hingabe so stark ist, dass man alle Belange des eigenen Lebens aufgegeben hat, die Selbstbezogenheit, die Anhaftung an den eigenen Körper und durch einen vertrauensvollen Geist ersetzt hat, dessen einziges Bestreben ist, einem lebenden Buddha zu dienen, mit einem Geist ohne Habgier und der alles aufgegeben hat, sich allen Schwierigkeiten am Pfad unterzieht, dann wird der Segen da sein. Geduld, Eifer – eigentlich die Praxis aller sechs Paramitas – sind Voraussetzungen für diese Art der Hingabe.

Hingabe und Segen

Denkt beispielsweise wie sich Marpa auf seinen Guru Naropa gestützt hat. Denkt, wie sich Milarepa auf Marpa gestützt hat. Das war echte Hingabe an den Guru. Am Ende wurde Milarepa ein Buddha. Seine Anstrengungen waren nicht für Marpa. Sie waren für seine eigene Erleuchtung, welche sich auch ereignete. Alle großen indischen und tibetischen Gelehrten und Mahasiddhas erlangten Erleuchtung ebenfalls in Abhängigkeit von ihrer Art der Hingabe.
Wenn ihr mich fragt: „Wie steht es um dich?“ Dann müsste ich antworten, obwohl ich seit meiner Jugendzeit ich das Glück hatte mit einigen großen Meistern Tibets, wirklich erleuchteten Buddhas wie S.H. Dudjom Rinpoche und S.H. Karmapa zusammen zu sein, ich nicht wirklich diese Stufe der Hingabe erlangt habe. Das ist sehr schlecht; ich habe meine Gelegenheit verpasst. Aber dies bedeutet nicht, dass ihr aufhören sollt, es zu versuchen, obwohl ich euch erzähle, dass es schließlich nicht einfach ist.
Nun habt ihr diesen Verdienst, diese Chance, diese Gelegenheit in diesem flüchtigen Moment der Zeit, da sollt ihr wirklich versuchen, euer Bestes zu geben, diesen Grad an guten Glauben und Hingabe zu eurem Lehrer zu erzeugen. Ich sage damit nicht, dass ihr dies für mich empfinden sollt. Ihr sollt dies auf diese Weise für die großen spirituellen Lehrer und Meisters, die aus Indien hierherkommen, um die tiefgründigen Ermächtigungen und Übertragungen geben, empfinden. Ihr sollt wirklich versuchen, sie als lebende Buddhas zu sehen. Wer immer euer buddhistischer Lehrer ist, versucht bitte diese reinen Gedanken zu entwickeln. Behandelt euren Lehrer nicht wie ihr euren Freund oder eure Freundin behandelt, einige Tage liebevoll, einige Tage nicht. Warum nicht? Weil ihr euren eigenen Zweck verliert. Ihr quält euch selbst. Für weitere ausführliche Anweisungen, wie man sich auf einen Lehrer stützt, könnt ihr in den „50 Versen der Guru-Verehrung“ nachlesen. Wenn ihr fähig seid, guten Glauben zu entwickeln, werden alle Segnungen durch die Stärke dieses Vertrauens entstehen.

Vollendete Hingabe

In Patrul Rinpoches „Kunzang Lama’i Shalung“ (Die Worte meines vollendeten Lehrers) gibt es eine gut bekannte Geschichte über eine alte Frau und einem Hundezahn. Eine alte tibetische Frau hatte einen Sohn, der Händler war. Er reiste oft für Geschäfte und zum Handeln nach Indien. Er unternahm so viele Reisen in dieses alte Land, dieses heilige Land, dass eines Tages seine Mutter in darum bat, ihr eine Reliquie von Buddha als Stütze für ihren Glauben mitzubringen. Etwas das sie auf ihren Altar legen konnte und zu diesem beten konnte. „Ja natürlich, Mutter“ sprach er, „ich werde das für dich machen.“ Er ging nach Indien und kehrte etwas später zurück, aber jedes Mal vergaß er ihr eine Reliquie mitzubringen. Schließlich regte sich seine alte Mutter darüber so auf, dass, als er sich für eine weitere Geschäftsreise vorbereitete, sie ihm sagte, wenn er wieder vergessen würde, eine Reliquie von Buddha zu bringen, sie sich vor ihm das Leben nehmen würde. „Sei nicht besorgt, Mutter, ich bin mir siche, dass ich dir diesmal etwas mitbringen werde,“ versicherte er ihr.
So ging er nach Indien, verkaufte, handelte, machte Geschäfte, ging überall hin und kehrte schließlich nach Tibet zurück. Als er sein Dorf erreichte erinnerte er sich plötzlich an die Reliquie. „Ach nein! Was soll ich nun bloß machen?“ dachte er. Alsbald erblickte er einen alten, trockenen Hundeschädel, der am Wegesrand lag und da kam ihm eine Idee. Er brach den Schädel auf und zog ihm einen der Zähne heraus, wickelte ihn in vielfärbigen Seidenbrokat und legte ihn in eine sehr besondere Schachtel. Als er daheim ankam, wartete die Mutter schon auf die Reliquie. Er erzählte ihr, dass er so glücklich sei, dass er einen Zahn des Buddhas bringen könne.
Der Glaube seiner Mutter an Buddha war sehr tief. Sie glaubte wirklich und sie war so erfreut, dass sie betete und diesen Zahn verehrte, der später Reliquien hervorbrachte. Und als sie starb, erschienen Regenbögen und sie erlangte Erleuchtung.
War dies wegen dem Zahn oder durch die Frau? Wessen Segen war es? Buddhas Segen ging einzig durch ihren guten Glauben in ihren Geist ein. Es musste nicht der Zahn des Buddhas sein. Sie machte ihn zu diesem durch ihren Glauben. Wir haben nun all diese vielen Stupas, Statuen, Thankas und ähnliche Dinge weil sie Objekte der eigenen Hingabe sind, nicht weil wir ein Museum damit schaffen wollen.

Dies beschließt die Belehrungen von Gyatrul Rinpoche über das Entwickeln der Hingabe an den spirituellen Lehrer und Meister, wie man sich auf den spirituellen Lehrer und Meister stützt. Möge es von Nutzen sein!

 


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