Verfasst von: Enrico Kosmus | 31. Oktober 2017

Götter und Dämonen?

angel-2813382_1920.jpgMan findet in den Lehren des Durchtrennens der Ich-Anhaftung (tib., gcod yul) der Machig Labdrön, die auf den Lehren der Prajnaparamita-Literatur basieren, sechs Klassen von Götter und Dämonen. Als Götter wird alles bezeichnet, was einem nützlich ist, als Dämon, was einem schadet. So gesehen, sind Götter und Dämonen sehr wandelbar und veränderlich. Gestern wurde etwas als Gott oder göttlich gesehen, heute leidet man daran und man fühlt sich wie von Dämonen heimgesucht. Daher sind diese Götter und Dämonen – die nichts als Bezeichnungen sind – zu durchtrennen. Es gibt sechs Kategorien: 1) Götter und Dämonen, wie sie weltliche Menschen bezeichnen; 2) Götter und Dämonen durch ihre essentielle Seinsweise; 3) Götter und Dämonen auf sichtbare Phänomene übertragen; 4) Götter und Dämonen, die natürlich zusammen entstehen; 5) Götter und Dämonen der unausweichlichen karmischen Kräfte; und 6) die letztendlichen, absoluten Götter und Dämonen.
Hier ein paar Worte von Machig Labdrön auf die Frage ihres Sohnes zu diesem Thema: „Kurzum, was immer hilfreich ist, wird ein Gott genannt und was immer quält, wird als Dämon benannt. Das sind Bezeichnungen, verwendet von den weltlichen Menschen, die lediglich auf gut und schlecht oder hilfreich und leidvoll basieren. Es ist das liederliche Geschwätz von Dummen und hat keine wirkliche Wahrheit in sich. […] Ob du es ‚Gott‘ oder ‚Dämon‘ nennst, macht keinen Unterschied, nichts ist endgültig. An gegenteiligen Vorstellungen von Göttern und Dämonen festzuhalten, lediglich basierend auf gut/schlecht und hilfreich/leidvoll, ist ein Aberglaube der weltlichen Menschen. Es gibt keine wahre Existenz dabei. Daher glauben Chöd-Praktizierende niemals an die Fixierung auf Götter und Dämonen, bloß auf gut und schlecht, hilfreich und leidvoll basierend. Sie verwenden nicht einmal die Begriffe ‚Götter und Dämonen‘ für gut, schlecht, hilfreich oder leidvoll. Sie machen nicht einmal die Klänge davon. Indem du weißt, dass sie nicht wahr sind, solltest du wissen, wie dies in den Pfad zu integrieren ist.“
Als letztendlichen Dämon wird die zyklische Existenz (Samsara) bezeichnet, da sie unausweichlich mit Leid verbunden ist. Und weiter mit Machig Labdön: „…Echtes, vollständiges Erwachen, das den Daseinskreislauf transzendiert, ist der letztendlichen Zufluchtsort jener, die frei sein wollen. Was immer diese Zuflucht vom Leidenskreislauf bieten kann, wird ‚Gott‘ genannt. Die anderen weltlichen, samsarischen Götter können keine Zuflucht aus der zyklischen Existenz bieten, also sind sie nicht die letztendliche Quelle der Zuflucht….“

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