Verfasst von: Enrico Kosmus | 5. März 2015

Chotrul Düchen – der Tag der Wunder

Die 15 Wundertaten

Dämon_BuddhaAm ersten Tag des Frühlings ging der Buddha zu dem Feld, das für ihn vorbereitet worden war und setzte sich vor der Schar auf den Thron. Nach den großen Darbringungen von König Prasenajit nahm der Tathagata einen Zahnstocher und legte ihn auf den Boden. Sofort wuchs daraus ein wundervoller Baum. Auf seinen Zweigen, die sich kilometerweit ausbreiteten, wuchsen schöne Blätter, Blumen, Früchte und Juwelen aller Art. Das vielfarbige Licht, das aus den Juwelen hervortrat, war so strahlend wie Sonne und Mond zusammen. Als die Zweige im Wind raschelten, wurden die Klänge der Lehre vernommen. Dann sprach der Buddha selbst auf vielfache Weise. Viele der Menschen machten Fortschritte beim Zuhören – einige erlangten Arhatschaft und bei Millionen reifte die Saat für die Wiedergeburt in einem der höheren Zustände der Menschen oder Götter.

Am zweiten Tag des Frühlings brachte König Udrayana dem Buddha zahlreiche Opfergaben dar. Der Tathagata drehte dann seinen Kopf nach rechts und links und auf jeder Seite des Löwenthrons entstand ein Juwelenberg. Auf jedem Berg entsprang eine magische Quelle, deren Wasser die acht verschiedene Geschmäcker aufwieß. Ein Berg war mit saftigem Gras bedeckt, um Tiere zu nähren und zufriedenzustellen, während der andere mit einem besonderen Essen bedeckt war, um Menschen zufriedenzustellen. Buddha sprach dann die Lehre entsprechend der Fähigkeit jeder Person und viele waren befreit. Einige der Anwesenden erzeugten den höchsten Erleuchtungsgeist und viele entwickelten die Tendenz für eine Wiedergeburt als Menschen oder Götter.

Am dritten Tag brachte König Shun Tsin von War dem Tathagata Opfergaben dar. Nach dem Essen spülte der Buddha seinen Mund mit Wasser. Der Boden, wo das Wasser hinfiel, bildete einen großen See mit einem Umfang von 300 Kilometer. Das Wasser hatte acht Geschmäcker und der Grund des Sees war mit sieben Arten von Juwelen bedeckt. Große Mengen an Lotusblüten in allen Farben wuchsen auf seiner Oberfläche und ihr Duft erfüllte die Luft. Durch die Lichtstrahlen, die von ihnen in allen Richtungen ausgingen, konnten die Leute überallhin sehen. Als die Menschen das sahen, waren sie sehr glücklich und als der Buddha lehrte, erlangten einige Arhatschaft, bei einigen nahm ihr Erleuchtungsgeist zu und viele andere erlangten die Samen für eine Wiedergeburt in den Welten der Menschen oder Götter.

Am vierten Tag bereitete König Indravarma Opfergaben für den Buddha vor. Der Buddha erschuf einen Teich, aus dem acht Ströme in kreisrunden Pfaden nach außen verliefen und zu dem sie wieder zurückkehrten. Im Klang der Ströme hörten die Menschen die Lehren der fünf Kräfte, der fünf Stärken, der sieben Aspekte des Erleuchtungsgeistes, des achtfachen Pfads, der drei Prinzipien des Pfades zur Erleuchtung, der sechs Arten von Allwissenheit und der vier Unermesslichen. Durch diese Lehren erlangten viele ein Verständnis der Wirksamkeit der Buddhaschaft und viele erlangten eine Wiedergeburt in den höheren Zuständen der Menschen oder Götter. Bei Hunderttausenden nahm ihr heilsames Tun zu.

Am fünften Tag bereitete König Brahmadatta von Varanasi verschiedene Opfergaben für den Buddha zu. Aus dem Tathagata schien ein goldenes Licht, dass die gesamte Welt erfüllte. Dieses Licht erreichte alle fühlenden Wesen und reinigte die Befleckungen der drei Gifte: Verlangen, Hass und Unwissenheit. Alle Wesen erlangten friedvolle Körper und einen ruhigen Geist und alle Versammelten erfreuten sich großartig. Als der Buddha sprach, nahm bei vielen der Erleuchtungsgeist zu, bei vielen wurde der Same für eine Wiedergeburt als Mensch oder Gott gepflanzt und bei unzähligen nahm ihr heilsames Wirken zu.

Am sechsten Tag brachten die Menschen von Licchavi dem Buddha Opfergaben dar. Der Buddha befähigte dann alle, die anwesend waren, in den Geist des anderen zu sehen und jeder sah die guten und schlechten Gedanken der anderen. Alle erlebten großes Vertrauen und priesen das Wissen des Buddha. Der Tathagata lehrte dann den heiligen Dharma und viele erlangten ein großartiges Verständnis – einige erlangten den Erleuchtungsgeist, einige Arhatschaft und eine unermessliche Anzahl erlangte Wiedergeburt als Menschen oder Götter.

Am siebten Tag brachten die Shakyas, des Buddhas eigene Sippe, ihm viele Opfergaben dar. Er segnete alle Zuhörer, sodass sie zu großen Chakravartins wurden, jeder mit den sieben magischen Juwelen ausgestattet. Jeder regierte sein eigenes kleines Land und hatte viele achtbare Minister. Alle waren sehr glücklich damit und als der Buddha sprach, hatten sie großes Vertrauen. Nachdem ihr Erleuchtungsgeist zugenommen hatte, erlangten viele Arhatschaft und bei anderen wurde der Same für eine Wiedergeburt unter Menschen oder Göttern gelegt.

Am achten Tag lud Indra den Buddha ein und bereitete einen großen Löwenthron vor. Als der Tathagata sich hinsetzte, bot Indra selbst dem Buddha Opfergaben von links an, während Brahma Opfergaben von rechts darbrachte. Sie verneigten sich vor ihm, während die Menschen ruhig dasaßen. Der Buddha legte seine rechte Hand in der Mudra der Erdberührung auf den Löwenthron und es ertönte ein großer Klang trompetender Elefanten. Fünf wilde Dämonen kamen brüllend herbei und die Throne der sechs Lehrer wurden zerstört. Nach den Dämonen kam Vajrapani, aus dessen Spitze des Vajras Flammen hervorschossen. Die sechs Lehrer erschraken und sprangen ins Wasser und verschwanden. Nachdem ihre Lehrer sie verlassen hatten, nahmen ihre 90.000 Begleiter Zuflucht zum Buddha und baten darum, vollständig ordinierte Mönche zu werden. Der Buddha hieß sie willkommen und die verfilzten Haare und Bärte, die sie als Schüler der sechs Lehrer ausgezeichnet hatten, verschwanden auf wundersame Weise. Der Buddha lehrte allen entsprechend ihrer Fähigkeiten zu verstehen. Indem sie sich selbst von den Fesseln des Verlangens, des Hasses und der Unwissenheit befreit hatten, erlangten alle Arhatschaft. Dann strahlte der Tathagata 84.000 Lichtstrahlen aus den Poren seines Körpers aus, sodass das Licht den gesamten Himmel erfüllte. An der Spitze jedes Strahls war ein schöner Lotus und auf der Spitze jedes Lotus erschien ein Buddha zusammen mit seinem Gefolge. Jeder Buddha lehrte die Lehre des Tathagata. Alle erfreuten sich an diesem Anblick und ihr Vertrauen nahm in großem Maße zu. Dann sprach der Buddha den heiligen Dharma und bei vielen wuchs der Erleuchtungsgeist an, einige erlangten Arhatschaft und eine große Anzahl brachte die Neigung hervor, als Menschen oder Götter wiedergeboren zu werden.

Am neunten Tag brachte Brahmaraja dem Buddha Opfergaben dar. Der Tathagata dehnte seinen Körper bis in den höchsten Himmel von Brahma aus. Von seinem Körper schienen Lichtstrahlen in alle Richtungen und von dieser großen Höhe gab er die Lehren.
Am zehnten Tag luden die vier großen Könige, die den Dharma beschützen, den Buddha ein, zu sprechen. Wieder dehnte er seinen Körper aus, bis er die Höhe von Samsara erlangte. Lichtstrahlen strömten aus ihm hervor und zeigten die Lehren.

Am elften Tag brachte der große Förderer Anathapindika dem Buddha, der auf einem Löwenthron in Meditation versunken saß, Opfergaben dar. Obwohl die Versammlung seine Form nicht sehen konnte, strahlte aus seinem Körper goldenes Licht, während er mit großartiger Stimme die Lehre darlegte.

Am zwölften Tag lud der Haushälter Tseta den Buddha ein zu sprechen. Der Tathagata trat in die Meditation der großen Liebe ein und goldenes Licht strahlte aus seinem Körper und breitete sich in den Welten aus. Die Lichtstrahlen klärten die drei Gifte im Geist aller und ihr Mitgefühl nahm zu. Sie liebten einander wie ein Vater und eine Mutter ihre Kinder lieben, wie ein Bruder seine Schwester liebt.

Am dreizehnten Tag brachte König Shun Tsin dem Buddha Opfergaben dar. Der Tathagata saß auf einem Löwenthron und zwei Lichtstrahlen strahlten von seinem Nabel 50 Meter weit aus. An der Spitze jedes Lichtstrahls war ein Lotus und auf jedem Lotus ein Buddha. Vom Nabel jedes Buddha breiteten sich zwei Lichtstrahlen aus und auf dem war wieder ein Lotus mit einem Buddha und so fort, das die ganzen Welten anfüllte. Alle Buddhas legten die Lehren dar.

Am vierzehnten Tag brachte König Udrayana dem Buddha Opfergaben dar. Er streute Blumen vor dem Buddha und sie verwandelten sich in 1.250 Kutschen mit kostbaren Juwelen. Der Buddha lehrte den Dharma den Wesen in allen Welten wie ein Arzt einen Kranken heilt.

Am fünfzehnten und letzten Tag des Frühlingsfestes brachte König Bimbisara dem Buddha Gaben dar. Der Buddha hieß König Bimbisara Gefäße für das Essen zu bringen und die Gefäße waren auf wundersame Weise mit Essen in 100.000 verschiedenen Geschmäckern angefüllt. Die Versammlung aß sie, und ihre Körper und ihr Geist waren völlig zufrieden. Der Buddha fragte sie: „Warum ist solch ein unermessliches Elend in der Welt?“ Durch seinen Segen erkannten sogar die 18 Dämonenkönige, dass ihr Elend von Taten verursacht wurde, die sie selbst begangen hatten. Sie empfanden großes Vertrauen in den Buddha. Wie an all den vorherigen Tagen machte diese Versammlung große Fortschritte. Bei einigen nahm ihr Erleuchtungsgeist zu, einige erlangten Arhatschaft, einige erlangten die Stufe des Nicht-mehr-Wiederkehrers, viel erlangten den Samen der Wiedergeburt als Menschen oder Götter und bei zahlreichen anderen nahm ihr Tugendhaftes zu.

Am Tag der Wunder im Jahr des Holz-Schafs hat der Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015) dies zum Nutzen jener übersetzt, die Vertrauen in das Große Fahrzeug haben. Das englische Original findet sich hier.
Bilder von der Buddha Shakyamuni Puja und dem Lichtopfer findet Ihr hier.

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Responses

  1. Hallo Rangdrol Dorje, der 10. Tag fehlt???

    • Hi Joachim, der 10. Tag ist kein Düchen (großer Feiertag).


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